Bill Gross soll 2013 290 Mio. $ Bonus bekommen haben, sein CEO 230 Mio.

Als Chef eines Fonds, der schon seit einiger Zeit Underperformer war und spätestens seit Sommer 2013 massive Mittelabflüsse zu verkraften hatte.

Lebt sich scheinbar ganz gut als lebende Investmentlegende ...

Pimcos CEO El-Erian bekam übrigens satte 230 Mio. Bonus.

Guess How Much Money Bill Gross Made Last Year? - Bloomberg View

Das sind nicht nur in absoluten Beträgen hohe Summen, sondern auch wenn man das auf den Gewinn der Firma umrechnet. In einer Präsentation der Allianz findet man einen operativen Gewinn (also vor Steuern) einen Pimco Gewinn von 2,74 Mrd. Dollar für 2013 (https://www.allianz.com/v_1393480817000/media/investor_relations/en/results/2013_fy/fy13_analyst_presentation.pdf). Gross hat sich also etwa 10% des Gesamtgewinns (vor Steuern) eingesteckt.

Da wirken die Gehälter der DAX Vorstände geradezu armselig. Man stelle sich vor, der Chef von BMW würde sich 700 Mio. einstecken ... Real dürften es etwa ein Hunderstel davon sein, sprich etwa 1 Promille des Firmengewinns. Und selbst das ist für Otto N. unvorstellbar viel Geld. Trotzdem gibt es in der Finanzbranche Gehälter, die um den Faktor EINHUNDERT absurder sind.

USA: Arbeitslosenquote 10/14: 5,8% (-0,1 Vm, -1,4 Vj), 214.000 neue Jobs.

Hier mein gewohnter Arbeitsmarktbericht aus den USA (Obwohl ihr mich so zurückhaltend geflattert habt wie lange nicht mehr :( Was ist los?).

Für den Oktober 2014 veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics einen Arbeitsmarktbericht, der besser ausfiel als erwartet und auch (ohne die Erwartungen heranzuziehen) durchaus gut ist.

Zu den offiziellen Zahlen des September 2014:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -267.000 auf 8,995 Millionen,
Anzahl der Arbeitenden: +683.000 auf 147,283 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 5,8% (-0,1 zum Vormonat; -1,4 zum Vorjahresmonat). Der positive Trend auf Jahresbasis ist weiterhin klar und in vollem Umfang intakt (und nochmal ein weniger ausgeprägter als im Vormonat).

Das sieht doch gut aus: deutlich mehr Arbeitsplätze, weniger Arbeitslose, beide Werte gut, passt. Und im Oktober trübt auch die NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer) den guten Eindruck nicht: 206.000 AmerikanerInnen weniger wurden in die NILFs gebucht. Die Anzahl der Amerikaner, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, ist um über 400.000 gestiegen.

Schwenken wir rüber zur Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung), die immer ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist. Diese spiegelt die positive Entwicklung wider und stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 59,2%, was 1,0 Punkte mehr sind als vor einem Jahr. Damit löst sich die Erwerbstätigenquotelangsam langsam aber sicher vom Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober 2013; der aktuelle Werte ist auch der beste seit August 2009.



Auf Sicht eines Jahres entwickeln sich Arbeitslosenquote (-1,4%) und Erwerbstätigenquote (+1,0%) somit zum ersten Mal seit langer Zeit halbwegs parallel.

Langfristig sieht das schlechter aus: Die Arbeitslosenquote ist von knapp 10% auf nun 5,8% gefallen, die Erwerbstätigenquote aber gerade einmal um einen Prozentpunkt gestiegen. Das Urteil aus den letzten Berichten stimmt immer noch: Trotz der spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung nur zögerlich. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber nur etwas mehr als angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig wäre, um die Erwerbstätigenquote stabil zu halten.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im Oktober etwas schwächer als die Zahlen aus den Haushalten.

Anzahl der Jobs: +214.000 gegenüber dem Vormonat auf 139,680 Millionen. Zum Plus von 209.000 neuen Jobs im privaten Sektor kam ein Zuwachs der Beschäftigung von 5.000 Jobs im öffentlichen Sektor. Das Plus von 214.000 lag leicht unter den Erwartungen der Analysten, die im Mittel einen Zuwachs auf dem Durchschnittswert der letzten 6 Monate lagen (etwa 230.000).

Gut wurde der September-Report erst, weil die Arbeitsmarkt-Statistiker für beide Vormonate bessere Werte als bisher errechnet haben. Das August-Plus für die neu geschaffenen Arbeitsplätze wurde um 23.000 auf plus 203.000, das September-Plus ebenfalls leicht um 8.000 auf 256.000 nach oben korrigiert. Zusammen ergibt das ein zusätzliches Plus von 31.000. Rechnet man die Korrekturen ein, waren auch die Zahl der neuen Stellen besser als erwartet.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche stieg wie im Vormonat von 34,5 auf 34,6 Stunden (was bedeutet, dass das Plus im Vormonat wieder wegkorrigiert wurde). Die Zahl der Überstunden sank leicht auf 3,5 Stunden. Damit verharren beide Werte, die im letzten Monat den Ausbruch aus der seit gefühlten Ewigkeiten geltenden Spanne von 34,4 bis 34,5 bzw. 3,2 bis 3,5 Stunden geprobt haben, weiterhin am oberen Rand. In beiden Zahlen spiegelt sich weiterhin die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wider: Ja, die Beschäftigung wächst, aber ein Boom sieht (immer noch) anders aus.

Immer ein guter Check für die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Die U-6 sank erneut um 0,3 Prozentpunkte auf 11,5%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich erneut ein schöner Rückgang um 2,2 Prozentpunkte, der auch noch größer ist als der Rückgang im Vormonat. Diese Quote verbessert sich weiterhin schneller als die des Gesamtmarkts und die Geschwindigkeit wieder immer höher; beides gute Zeichen.

Zusammenfassend: Der Oktober-Bericht vom US-Arbeitsmarkt ist gut ausgefallen. Alle vier entscheidenden Werte haben sich verbessert: Aus den Household-Daten errechnet sich eine sinkende Arbeitslosenquote (1), die sowohl auf mehr Arbeitsplätze (2) als auch auf weniger Arbeitslosen (3) basiert. Auch die Zahl der NILFs sank. Die Establishment-Daten (+214.000 neue Jobs (4)) waren auf den ersten Blick eine kleine Enttäuschung, rechnet man aber die Korrekturen der Vormonate (+31.000 Arbeitsplätze) ein, sind die Zahlen doch über den Erwartungen der Analysten und ebenfalls über dem Durchschnitt der letzten Monate (etwa +230.000) ausgefallen. Nach dem (zuerst) etwas enttäuschenden August-Bericht hat der US-Arbeitsmarkt mit den September- und Oktober-Berichten die gute Entwicklung der Vormonate wieder aufgenommen.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — October 2014  (PDF)

Konzerne sparen Milliarden durch Steuerkonstruktionen in Luxemburg. Dank EU-Chef Juncker.

Allerdings sind viele der Steuersparmodelle schon länger bekannt.

1) Dass Luxemburg einen niedrigeren Mehrwertsteuersatz für digitale Güter hat, dürfte jeder wissen, der schonmal die iTunes oder Amazon-eBook-Rechnung aus der Niederlassung Luxemburg bekommen hat. Als Bonus dazu kommt noch ein absurd niedriger Steuersatz auf Gewinne, die aus solchen digitalen Gütern stammen: Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Steuertrick in Luxemburg spart Amazon 2 Mrd. Dollar. Im Ergebnis bekommt man für den Verkauf von digitalen Eigentumsrechten einen Traum-Steuersatz von 5% statt der üblichen 30%.

2)Wer sich mal mit Anleihen beschäftigt hat, dem ist bestimmt schon mal aufgefallen, dass viele europäische Konzerne ihre Anleihen über die Niederlande begeben (Firmenkürzel z.B. Daimler International Finance BV). Das liegt an einer besonderen Steuersparmöglichkeit, die im Kern darauf beruht, dass die deutsche Zentrale sich das Geld bei der Tochter in Holland leiht. Die Zentrale in Deutschland kann diese Zinsen als Kosten absetzen, die holländische Tochter die Zinsen an die Anleger am Kapitalmarkt ebenfalls, wohingegen die niederländische Tochter die Zinseinnahmen der deutschen Zentrale aber nicht als Einnahmen versteuern muss. Defakto kann der Konzern so seine Zinsen *zweimal* als Kosten geltend machen. (Für das Modell wirbt die Niederlande offensiv, auf dem Cover Neelie Kroes ... (hab ich in Bastian Brinkmanns Steueroasenbuch gelesen)). Luxemburg hat das niederländische Modell wegen der großen Erfolgs flugs kopiert.

Daneben scheint Luxemburg einen Haufen Spezialdeals eingefädelt zu haben, die über diese bereits bekannten Modelle hinausgehen. Die Süddeutsche Zeitung hat jetzt (mit WDR und einigen anderen) riesige Stapel Papiere geleakt, in denen man sich die Details dieser Deals anschauen kann:

Luxemburg-Leaks: Fragwürdige Steuerpraktiken enthüllt - Wirtschaft - Süddeutsche.de

Das ist leider nicht sonderlich gut lesbar (Juristen-Finanz-Fachsprache), in der Summe dürften Steuern im Wert von einigen Milliarden über diese Deals gespart werden. Pro Jahr.

Diese Details sind wohl auch gar nicht so wichtig, spannender scheint mir die schiere Menge der Deals und Steuersparkonstruktionen zu sein. Und der Hinweis, dass Jean-Claude Juncker, der heutige Chef der EU-Kommission, ab 1989 in Luxemburg Finanzminister, ab 2005 auch Premierminister war. Ein großer Teil der Steuerspar-Gesetze dürften also auf seine Initiative zurückgehen. Wenn nun Irland mit sehr langen Übergangsregeln sein altes Steuerschlupfloch schließt (und übrigens gleichzeitig ein neues öffnet ...) ist das kaum mehr als Scheinaktivität. Der effektive Steuersatz für Microsoft, Apple, Google und Co. wird in Irland auch nach dem Auslaufen des alten Modell wohl einstellig bleiben. Und wenn man einen so niedrigen Steuersatz mit Irland alleine nicht hinbekommt, muss man eben die Steueroasen Niederlande und Luxemburg in seine Firmenkonstruktionen einbauen. Macht das Ganze etwas aufwändiger, aber die Beraterbranche freut sich und verdient sich weiterhin eine goldene Nase.

Grundsätzlich was ändern würde sich nur, wenn man die Steuergesetzgebung in Europa richtig ändert. Also so RICHTIG viel ändert. Und diese ganzen Niedrigsteuersätze für Spezialkonstruktion xy abschafft. Aber mit einem Politiker an der EU-Spitze, der fast ein Vierteljahrzehnt aktiv beim Schnitzen von Steuerschlupflöchern geholfen hat, ist meine Hoffnung klein. Ungefähr so klein wie die Steuersätze der Konzerne ...

Update (22:25):

Unbedingt empfehlenswert auch das Blog zum Thema von Bastian Brinkmann:
Steuerflucht.tumblr.com

Ex-BayernLB Chef Schmidt bekommt für HGAA Kauf 18 Monate auf Bewährung

Der Deal, durch den es zu diesem Urteil kam: Schmidt musste die Bestechung von Haider bestehen (2,5 Mio. Sponsoring für das Stadion in Klagenfurt), dafür ließ das Gericht den Vorwurf der Untreue bei der HGAA-Übernahme fallen.

Tja, so ist das beim Vorwurf der Untreue. Egal wie desaströs der Deal ist, den ein Manager einstielt hast, (im Fall der Hypo Group Alpe Adria ein paar Milliarden Euro für eine wertlose Bank in den Sand gesetzt), Untreue ist das noch lange nicht. Zumindest ist die Untreue nie einfach nachzuweisen. Und einen so großen Kauf wie den der HGAA führt ein Vorstand nicht durch, ohne sich Wertgutachten besorgt zu haben. Wenn die Gutachten dann nichts taugen, zuckt der Vorstand mit den Schultern: Nun gut, wenn die Experten das nicht sehen, wie soll ich das sehen? Dass dann der Richter gegen dieses Experten-Gutachten ein Urteil fällt, ist nahezu ausgeschlossen. Am Ende klaffen die Einschätzungen bei jeder Unternehmensbewertung immer weit auseinander, selbst bei einer solchen Fehleinschätzung wie beim Wert der HGAA fällt es auf die Frage zurück: Waren die Risiken in der Bilanz 2007 sichtbar? Und der Beweis dafür ist kaum zu führen, 2007 steckten in quasi allen Bankbilanzen Milliardenrisiken, die niemand sehen wollte ...

Generell bleibt zu sagen, dass man mal wieder feststellen muss, dass Chancen und Risiken zwischen Vorständen und Anteilseignern (in diesem Fall dem Land Bayern) sehr ungerecht verteilt sind. Die Anteilseigner leiden unter dem Murks, den die Vorstände produzieren, mit bis zu 100% ihres Einsatzes; die Vorstände verlieren maximal ihren Job (oft noch mit Abschlusszahlung ...), aber im Normalfall haften sie nicht für die Fehler oder gefährden ihre Altersvorsorge. Geht es der Firma hingegen gut, profitieren die Vorstände fleißig über Boni mit ... Ziemlich asymmetrische Risikoverteilung ...

BayernLB: Bewährungsstrafe für Ex-Chef Schmidt - Wirtschaft - Süddeutsche.de

Bei der Übernahme der Hypo Group Alpe Adria habe ich persönlich mit deutlich härteren als den bisher bekannten Strafen gerechnet. Mit der Bestechung von Haider, mit der totalen Fehleinschätzung der Bank, dem obskuren Vorabkauf von HGAA Anteilen einiger reicher Investoren (HGAA-Kauf: BayernLB machte reiche Investoren reicher - SPIEGEL ONLINE) und dem Formel-1 Deal stinkt die ganze BayernLB-HGAA-Gruppe zum Himmel, egal aus welcher Richtung man daneben steht. Ebenfalls nicht zu vergessen, dass die HGAA eine Bank war, die auf dem Balkan sehr komische Geschäfte mit seeeeehr komischen Leute getätigt hat. Aber bis auf die Formel 1 - BayernLB - Geschichte um Gribkowsky und Ecclestone ist im Hinblick auf Bestrafung kaum etwas passiert. Und selbst Gribkowsky ist (IIRC) bisher "nur" wegen der Steuerhinterziehung verurteilt worden.

Die andere Strafe in der Formel-1-Geschichte (nämlich die für Ecclestone) war schon ein Desaster für das Rechtsempfinden: Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Ecclestone kauft sich mit 100 Mio.$ frei. Ein Desaster für das Rechtsempfinden.. Wenn ich die Gesamtlage und die Höhe der bisher aufgelaufenen Strafen anschaue, fällt das Gesamturteil genauso schlecht aus.

Wer die BayernLB Geschichte nicht mehr im Kopf hat: Auch wenn die Dokumentation 4 Jahre alt ist, kann man das noch ganz gut ansehen:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: TV Tipp: Doku zur BayernLB Hypo Group Alpe Adria

Man müsste die Beteiligten und die Strafen aus den diversen Verfahren eigentlich mal sammeln. Aber mich bezahlt für sowas leider niemand ... (Nehme Linkhinweise auf die Urteile in den Kommentaren aber trotzdem gerne entgegen).

Ergebnisse des EZB Bankenstresstest sind da

25 Banken hatten Probleme, 12 davon haben ihr Kapital inzwischen erhöht, so dass in der Spalte ganz rechts nur noch eine Eigenkapitallücke von 0,0% steht. Die anderen Banken in der Liste müssen ihr Kapital noch erhöhen und haben dafür knappe 2 Wochen Zeit ...

Deutsche Banken sind nicht betroffen, in Italien und Griechenland hingegen einige ... (Wenig überraschend)



Update (13:27):

Es ist mit der Münchener Hypothekenbank übrigens doch eine deutsche Bank betroffen gewesen. Sie hat das Eigenkapital aber inzwischen erhöht und hat in der rechten Spalte die 0,00% stehen.

Generell ist das Ergebnis überraschend unkritisch. Nach den Kapitalerhöhungen fehlen den Banken weniger als 10 Milliarden Euro. Bis auf die Monte Pasche die Siena und die griechische Eurobank sind die aufzubringenden Summen überschaubar. Allerdings müsste man das in Relation zum Wert der Bank setzen. Für manch kleinere Bank könnten auch 500 Millionen Euro zu viel sein.

Interessant übrigens auch, wie die neue Bewertungsmethode der EZB den Wert der Assets geändert hat. Die Banken (alle 130, nicht auf Basis der durchgefallenen) mussten ihre Wertgegenstände um 47,5 Mrd. Euro reduzieren, weil die Bewertungsrichtlinien AQR der EZB strenger sind als die bisher gültigen Richtlinien. (An den neuen Richtlinien, die aus mehr als 100 Bewertungsmodellen bestehen, haben in der Spitze übrigens mehr als 6.000 Experten mitgearbeitet, was einen schönen Einblick in die (IMHO viel zu große) Komplexität des Finanzwesens gibt ...)

Die Neubewertung der Assets führte zur Verringerung der Vermögensgegenstände der italienischen Banken um 12 Mrd. Euro, dahinter die griechischen Banken mit 7,6 Mrd. und die deutschen mit 6,7 Mrd. Rechnet man das auf die Bilanzsumme um, macht das auf die deutschen Banken betrachtet aber "nur" knapp 0,5%, in Italien hingegen schon knapp 1% der Bilanzsumme aus. Die griechischen Banken hingegen toppen mit knapp 4% der Vermögensgegenstände selbst die zypriotischen Banken, die bei etwa 2,5% liegen. Sehr beruhigend übrigens, dass die Banken in Spanien mit nur 3 Mrd. Reduktion oder gut 0,2% prozentual am geringsten betroffen sind. Dort scheinen die Banken inzwischen ziemlich konservativ zu bilanzieren.

Das gesamte PDF kann ich nun endlich auch verlinken, weil die Website der ECB wieder funktioniert ... AGGREGATE REPORT ON THE COMPREHENSIVE ASSESSMENT


Update 2 (15:28):

Die Eigenkapitalquoten einiger ausgewählter deutscher Banken im Überblick (zuerst strenges Szenario, das als Ausgleich aber nur 5,5% EK-Quote als Mindesthöhe verlangt, dann "lockeres" Szenario, das 8,0& EK-Quote verlangt):

Deutsche Bank: 8,8% - 12,5%
Commerzbank: 8,0% - 11,7%
IKB 6,5% - 8,8%
HSH Nordbank 6,1% - 9,4%
DZ Bank: 6,0% - 8,7%
Münchener Hypothekenbank 2,9% - 5,8% (das wurde aber über eine Kapitalerhöhung ausgeglichen)
Aareal Bank: 11,8% - 16,4%

LBBW 11,2% - 14,5%
Helaba: 8,2% - 11,6%
NordLB: 9,2% - 12,9%
BayernLB: 9,4% - 12,4%
DekaBank: 8,0% - 12,3%
HRE: 10,8% - 21,2%
WGZ Bank: 7,3% - 9,7%
Wüstenrot Bank: 6,5% - 8,0%


Die Quoten sind übrigens immer die im prognostizierten für das Jahr 2016, wenn die Annahmen des jeweiligen Szenarios eintreffen sollten ...


Update 3 (17.10.14):

Auffällig, dass die spanischen Banken mit nur einem Wackelkandidaten VIEL besser abschneiden als die italienischen Banken (9 Wackelkandidaten). Skeptiker fragen sich hier direkt, wie das sein kann.

Eine andere Zahl, an der sich Pessimisten hochziehen, ist das Volumen der faulen Kredite, die die EZB nun bei 880 Milliarden Euro sieht. Wenn man das noch hochrechnet auf die gesamte Bankenbranche (es wurden ja mit den 130 Banken "nur" etwa 80% der Bilanzsumme der europäischen Banken unter die Lupe genommen), kommt man deutlich über die 1 Billion ... Schon ne Nummer ...

Generell halte ich den Stresstest für valider als alle zuvor. Man bedenke, dass der letzte Stresstest die inzwischen untergegangene Banco Espirito Santo aus Portugal durchgewunken hat.

Die zwei größten Probleme am Stresstest sind IMHO erstens die immer noch extreme Intransparenz der Bankbilanzen (im Fall der Banco Espirito Santo waren die Aufsichtsbehörden komplett blind Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: ESFG ist Pleite. Was haben eigentlich die Aufsichtsbehörden gemacht?) und zweitens die Annahmen des Tests, die sich weiter maximal auf eine Rezession und einen Immobilienpreisrückgang konzentrieren. Den Immobilienpreisrückgang haben wir IMHO zum größten Teil hinter uns (sprich der Test kümmert sich um eine Gefahr, die ich nicht mehr sehe), der Test lässt hingegen die große Gefahr einer längeren Rezession in Kombination mit einer Deflation außen vor. Selbst im "harten" Szenario nimmt die EZB noch (wenn auch niedrige) Inflation an (+1,0 2014, +0,6% 2015 und +0,3% 2016)

"Furthermore, while the adverse scenario does not strictly embody a prolonged deflationary
environment, it does entail material downward pressures on inflation. Thus, the scenario leads
to annual inflation rates for the euro area below the baseline rates by 0.1 percentage points in
2014, by 0.6 percentage points in 2015, and by 1.3 percentage points in 2016. The implied
adverse inflation rates amount to 1.0% in 2014, 0.6% in 2015 and 0.3% in 2016" (Seite 37)

Das sind für einen Stresstest eher optimistische Annahmen ...

ESFG ist Pleite. Was haben eigentlich die Aufsichtsbehörden gemacht?

Damit ist nun auch die Espirito Santo Financial Group, die Holding Mutter der Banco Espirito Santo, pleite. Die eigentliche Bank wurde ja schon vor einigen Wochen vom portugiesischen Staat gerettet und in eine Good-Bank und eine Bad-Bank zerlegt. Soweit die Nachrichten, die ja als Tweets auch an alle Leser gegangen sein sollten.

(WSJ: )

Die eigentlich spannende Frage an der Pleite der größten portugiesischen Bankengruppe ist aber eine andere:

Was hat eigentlich die portugiesische Bankenaufsicht getan?
Was hat eigentlich die schweizer Bankenaufsicht gemacht (ein Teil der Bankengruppe saß da)?
Was hat eigentlich die luxemburger Bankenaufsicht gemacht (ein anderer Teil der Holding saß da)?
Was hat eigentlich die EZB gemacht, die die Banco Espirito Santo beim EU-Bankenstresstest unter die Lupe genommen hat (und nichts gefunden hat, Eigenkapitalquote war ok)?

Tja, wer sich absolute Sicherheit von den Bankenaufsichten und/oder den EZB-Stresstests erhofft hatte, dürfe nun ziemlich ernüchtert sein. Im Zweifelsfall liegen die genauso daneben wie die Ratingagenturen. Die Ratingagenturen mussten für ihr Versagen in der Finanzkrise viel öffentliche Kritik einstecken. Warum meckern die Kritiker (auch aus der Politik) jetzt nicht genauso gegen die Bankenaufsicht und die EZB? Hmmm ...

Ist das nun Versagen der Behörden? Oder ist es vielleicht nicht eher so, als dass man solche hochkomplizierten Konstrukte wie die Banco Espirito Santo einfach nicht mehr verstehen kann? Ist die Pleite nicht eher die Folge des alten Spruchs: Complexity kills? Ich fürchte ja und ich fürchte, das kann sich jederzeit wiederholen. Egal wie viel man prüft.

Wenn man das Finanzsystem nicht anders, sprich einfacher und transparenter konstruiert, wird sich an der eingebauten Fragilität nichts ändern ...

FINMA liess Espirito-Santo-Betrug zu - Inside Paradeplatz

2015: 8 Milliarden für den Internetausbau. Toll was?

Hat der Dobrindt jetzt eingestielt. Sagt er.

Dafür gibt es jetzt ... ja was eigentlich genau? Es werden die alten Ziele genannt (2018 alle Haushalte in Deutschland mit 50 MBit), die Unternehmen sagen weiterhin, dass die letzten 20% der Haushalte ohne Staatshilfe nicht angeschlossen werden können und dazu Staatshilfe nötig sei. Ob es die gibt, bleibt genauso unklar wie vor dem Gipfeltreffen.

Dann wird irgendwas von Mobilfunk für ländliche Gebiete erzählt. Dabei soll es wohl um eine passende Lizenzauktion gehen. Also nach dem Motto: Eine Lizenz gibt es nur, wenn du mindestens 90% der Bevölkerung mit mindestens 50MBit/s anbindest. Sowas könnte man auch anders gestalten: Eine Lizenz für 80% der Bevölkerung, eine für 99,9% der Bevölkerung.

Das Problem für den Staat: die Versteigerung der Frequenzen bringt weniger Geld ein, wenn die Auflagen strenger, sprich die Abdeckung besser wird. Logisch, weil der Netzanbieter dann mehr Geld für den Flächenausbau aufbringen muss, was sich in ländlichen Gebieten aber nicht refinanziert.

Ich glaube der gestrigen Ankündigung wenig und halte sie für eine Luftnummer. Und zwar aus zwei Gründen:

Erstens gab es die Idee der Flächenversorgung bei der Versteigerung der LTE Frequenzen schon einmal. Das wurde eine zeitlang auch geradezu euphorisch begrüßt, man lese als Beispiel mal diesen Artikel aus der Wirtschaftswoche im Jahre 2012:

"Erst wenn die kleinsten Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern zu wenigstens 90 Prozent versorgt sind, dürfen die Mobilfunker den LTE-Funk in den nächstgrößeren Orten ausbauen."

"Und siehe da: Plötzlich klappt der Ausbau"

"Ausbau geht zügig voran"

Quelle: LTE-Standard: Turbo-Internet auf dem Dorf - Digitale Welt - Technologie - Wirtschaftswoche

Dabei haben die Politiker leider vergessen, dass ein vorhandenes Breitbandnetz noch lange nicht das gleiche ist, wie ein vorhandenes und bezahlbares Breitbandnetz. Ein 150 MBit/s LTE Netz auf dem Land ist ja nett, nur wenn ich das 50-Euro-Datenvolumen in 3 Minuten mit einem Betriebssystem-Update oder in 90 Minuten mit einem Film-Download verbraten habe, nützt mir die Bandbreite auch nicht mehr viel ... Zum Thema "Bezahlbarkeit" gab es dann gestern meines Wissens auch nichts konkretes (wenn es denn überhaupt erwähnt wurde).

Zweitens gab der Telekom-Chef bekannt, dass er sowieso schon 4,3 Milliarden Euro für den Netzausbau in 2015 investieren wollte. Da die Telekom für gut 40% der Breitbandanschlüsse steht, reicht ein simpler Dreisatz aus, um zu erahnen, dass die 8 Milliarden Gesamtinvestitionen so doll viel nicht sein dürften. Denn auch die Konkurrenten der Telekom dürften für 2015 Investitionspläne haben, auch wenn diese (auf den Marktanteil gerechnet) etwas geringer ausfallen dürften, da viele der Konkurrenten die Telekom-Infrastruktur mitbenutzen sprich mieten.

Dobrindt hat wohl nur mal die ganze Schose genutzt, um sich die auf den ersten Blick tolle 8-Milliarden-Zahl medienwirksam ans Revert heften zu können ...

Industrie investiert: Acht Milliarden für den Internet-Ausbau - Deutschland - Politik - Handelsblatt

Ich hoffe, dass hinter den 5 Milliarden Euro zusätzlich für die Verkehrsinfrastruktur etwas mehr Substanz steckt ...Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Deutschland investiert in Infrastruktur. 5 Mrd. Euro für Straßen pro Jahr. Ab 2018.

USA: Arbeitslosenquote 09/14: 5,9% (-0,2 Vm, -1,3 Vj), 248.000 neue Jobs.

Hier mein gewohnter Arbeitsmarktbericht aus den USA (Heute ist Feiertag, das mach ich nur noch mal, wenn ihr fleißig flattert ;) ).

Für den September 2014 veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics einen Arbeitsmarktbericht, der besser ausfiel als erwartet und auch objektiv durchaus gut ist. Mit einer (altbekannten) Einschränkung.

Zu den offiziellen Zahlen des September 2014:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -329.000 auf 9,262 Millionen,
Anzahl der Arbeitenden: +232.000 auf 146,600 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 5,9% (-0,2 zum Vormonat; -1,3 zum Vorjahresmonat). Der positive Trend auf Jahresbasis ist weiterhin klar und in vollem Umfang intakt (und auch ausgeprägter als im Vormonat).

Das sieht doch gut aus: Mehr Arbeitsplätze, weniger Arbeitslose, beide Werte gut, passt. Trotzdem gibt es einen auffälligen Anstieg der NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer): 315.000 AmerikanerInnen wurden in die NILFs umgebucht, was dazu führt, dass die Anzahl der Amerikaner, die einen Job suchen oder haben (ergo dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen), gefallen ist. Was ziemlich selten ist, weil die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter in den USA wächst und zwar um etwa 200.000 bis 250.000 pro Monat (diesen Monat um 217.000).

Schwenken wir schnell rüber zur Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung), die ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist. Diese blieb im Monatsvergleich konstant bei 59,0%, was 0,4 Punkte mehr als vor einem Jahr ist. Sie liegt damit zwar immer noch in der Reichweite des Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober 2013, aber es ist immerhin eine leichte Verbesserung zu erkennen. Es bleibt aber bei der mittelfristigen Einschätzung: Die Arbeitslosenquote, die um 1,3 Prozentpunkte im Jahresvergleich gefallen ist, spiegelt sich in der Erwerbstätigenquote (+0,4) nicht wirklich wider.

Auch langfristig ist das ähnlich: Die Arbeitslosenquote ist von knapp 10% auf nun 5,9% gefallen, die Erwerbstätigenquote aber nicht einmal um einen Prozentpunkt gestiegen. Das Urteil aus den letzten Berichten stimmt immer noch:
Trotz der mittelfristig spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung kaum. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber nur minimal mehr, als angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig ist, um die Erwerbstätigenquote stabil zu halten. (Das mag aber auch an der Demographie liegen, eine lange Diskussion dazu hier: The U.S. labor force is still shrinking. Here’s why.)

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im September positiver als die Zahlen aus den Haushalten.

Anzahl der Jobs: +248.000 gegenüber dem Vormonat auf 139,435 Millionen. Zum Plus von 236.000 neuen Jobs im privaten Sektor kam ein Zuwachs der Beschäftigung von 12.000 Jobs im öffentlichen Sektor. Das Plus von 248.000 lag leicht über den Erwartungen der Analysten, die im Mittel einen Zuwachs auf dem Durchschnittswert der letzten 6 Monate lagen (etwa 220.000).

Gut wurde der September-Report erst, weil die Arbeitsmarkt-Statistiker für beide Vormonate bessere Werte als bisher errechnet haben. Das Juli-Plus für die neu geschaffenen Arbeitsplätze wurde um 31.000 auf plus 243.000 erhöht, das August-Plus ebenfalls kräftig um 38.000 auf 180.000 nach oben korrigiert. Zusammen ergibt das ein zusätzliches Plus von 69.000.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche stieg leicht auf 34,6 Stunden. Die Zahl der Überstunden stieg ebenfalls leicht auf 3,6 Stunden. Damit sind beide Werte zum ersten Mal über den oberen Rand der seit gefühlten Ewigkeiten geltenden Spanne von 34,4 bis 34,5 bzw. 3,2 bis 3,5 Stunden gestiegen. In beiden Zahlen spiegelt sich weiterhin die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wider: Ja, die Beschäftigung wächst, aber ein Boom sieht anders aus.

Immer ein guter Check für die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese sank erneut um 0,2 Prozentpunkte auf 11,8%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein schöner Rückgang um 1,8 Prozentpunkte, der auch noch etwas größer ist als das Rückgang im Vormonat. Diese Quote verbessert sich weiterhin schneller als die des Gesamtmarkts. Und das auch schon stabil seit vielen Monaten, beides gute Zeichen.

Zusammenfassend: Der September-Bericht vom US-Arbeitsmarkt ist trotz der gestiegenen Zahl der NILFs gut ausgefallen. Alle vier entscheidenden Werte haben sich verbessert: Aus den Household-Daten errechnet sich eine sinkende Arbeitslosenquote (1), die sowohl auf mehr Arbeitsplätze (2) als auch auf weniger Arbeitslosen (3) basiert. Etwas getrübt wird das Bild durch die gestiegene Zahl von NILFs. Die Establishment-Daten (+248.000 neue Jobs (4)) waren im Vergleich zu den Household-Daten etwas besser. Spätestens wenn man die Korrekturen der Vormonate (+69.000 Arbeitsplätze) mit einrechnet, sind die Zahlen deutlich über den Erwartungen der Analysten und ebenfalls über dem Durchschnitt der letzten Monate (etwa +220.000). Nach dem etwas enttäuschenden August-Bericht hat der US-Arbeitsmarkt mit dem September-Bericht die gute Entwicklung der Vormonate wieder aufgenommen.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — September 2014  (PDF)

Deutschland investiert in Infrastruktur. 5 Mrd. Euro für Straßen pro Jahr. Ab 2018.

4,8 Milliarden Euro mehr für marode Straßen

Pro Jahr, immerhin. Die zusätzliche Investitionssumme soll bis 2018 jährlich steigen, die knapp 5 Mrd. werden erst 2018 erreicht.

Endlich investiert Deutschland mal was in seine bröckelnde Infrastruktur. Zu wenig, zu spät, aber ich will ja nicht nur meckern.

OK, ich meckere doch ;) Bereits 2001 hat das Deutsche Institut für Wirtschaft die Lücke zwischen notwendigen und tatsächlich getätigten Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur auf 3,8 Mrd. pro Jahr geschätzt. Die Größe dieser Lücke dürfte sich in den Jahren danach kaum geändert haben. Die in den letzten 2 Jahrzehnten aufgelaufene Summe ist inzwischen ziemlich groß, das DIW schätzt, dass inklusive der Nachholinvestitionen 6,5 Mrd. Euro pro Jahr mehr investiert werden müssten. Selbst die 5 Mrd. 2018 sind also eigentlich noch 1,5 Mrd. zu wenig.

DIW: Verkehrsinfrastruktur: Substanzerhaltung erfordert deutlich höhere Investitionen (PDF)

OK, aber ich bin milde. 5 Milliarden Euro sind ein Wort und deutlich mehr als die eine Milliarde, die für 2015 angekündigt war. Mit einer Milliarde kommt man nun wirklich nicht weit:

Dobrindt: Milliardenprogramm reicht nur für 78 Brücken - Nachrichten Politik - Deutschland - DIE WELT

Nun gut, das sind bisher nur Planungen, ob die auch so umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Unter anderem gilt es zu beobachten, ob das Geld auch wirklich zusätzliches Geld ist, oder ob die Politik nur aus anderen Töpfen umschichten wird.

Wenn jetzt noch Geld für digitale Infrastruktur bereitgestellt würde, wäre ich sogar ausnahmsweise mal glücklich (also was Politik angeht). Aber nun ja, das wären ja gleich zwei Wünsche auf einmal und das gibt es ja nur bei Kinderschokolade (Fett und Zucker ;) ).

Zu den Kosten von Gigabits in jede Hütte:

Breitbandausbau: Schnelles Internet wird weitere 20 Milliarden kosten - Netzwirtschaft - FAZ

Aber dafür ist bestimmt kein Geld mehr da ... Lieber Autos statt Bits. Außerdem brauchen wir ja unbedingt einen ausgeglichenen Haushalt. Selbst wenn man sich Geld für 0,x% leihen kann und Investitionen in Infrastruktur eine vielfach höhere Rendite abwerfen, sprich die Rückzahlung völlig unproblematisch ist ...

Zalando IPO Zahlen sind raus. Bewertung bis zu 5,5 Milliarden Euro.

Achtung, viele Zahlen ;)

Es gibt aktuell etwa 220 Millionen Zalando-Aktien. Gut 24,4 Millionen Aktien kommen hinzu, die für die neuen Aktionäre gedacht sind. Macht zusammen 242 Millionen Aktien.

Die Preisspanne beträgt 18 bis 22,50 Euro pro Aktie. Am unteren Ende beträgt die Bewertung knapp 4,4 Milliarden Euro, am oberen Ende knapp 5,5 Milliarden Euro.

Zu den 24 Millionen neuen Aktien kommen für den Börsengang bei hoher Nachfrage noch 3,6 Millionen Aktien aus dem Altbestand. Das Emissionsvolumen könnte also bis 630 Millionen Euro betragen. Die Bookbuildingspanne beginnt am Donnerstag, die erste Börsennotiz soll am 1. Oktober stattfinden.

Den Zahlen für den Börsengang muss man ein paar Geschäftszahlen gegenüber stellen.

Zalando meldet für die 12 Monate von Juli 2013 bis Juni 2014 2 Milliarden Euro Umsatz von 13,7 Millionen Kunden.
Damit haben wir ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von knapp 3, ein Kunde wird mit ziemlich genau 400 Euro bewertet.

Amazon ist mit etwa 120 Mrd. Euro bewertet und machte im Zeitraum wie oben etwa 65 Mrd. Euro Umsatz. KUV also knapp 2. Amazon hat etwa 250 Millionen Kunden, ein Kunde ist also etwa 480 Euro wert. Wenn man die Anzahl der aktiven Kunden nimmt (ein Kauf im letzten Monat) gibt es etwa 150 Millionen Kunden, errechnen sich etwa 800 Euro pro Kunde. Man sieht schon, wie stark dieser Wert von Definition des Begriffs "aktiver Kunde" abhängt.

Eine Bewertung beider Firmen anhand des Gewinns ist quasi nicht möglich. Die Gewinne bei Amazon sind weiterhin äußerst mager, die Firma investiert weiter in neue Technologien, Märkte und Länder. Bei Zalando wird es noch unmöglicher, denn die Firma hat gerade zum ersten Mal ein positives EBIT gemeldet, als einen Gewinn vor Zinsen und Steuern. Das ist noch ein ganzes Stückchen weg von einem normalen Gewinn. Für die nächsten Monate darf man zwar durchaus eine Verbesserung des operativen Ergebnisses erwarten, aber zuerst werden die Kosten für den Börsengang und auch für aktienbasierte Entlohnung des Managements die Kosten in die Höhe treiben.

Nimmt man diese Zahlen und vergleicht mal etwas langfristiger die Chancen und Risiken, bleiben zwei große Fragen:

a) Kann Zalando nachhaltig profitabel werden? Händler (sowohl off- wie auch online) sind im Normalfall nicht sonderlich profitabel (selbst bei Walmart bleiben nur 3,5 Cent Gewinn je Dollar Umsatz über). Kurs-Umsatz-Verhältnisse über 1 (Amazon 2, Zalando 3) sieht man bei Händlern quasi nie, gerade offline sind die KUVs viel niedriger; gute Unternehmen wie Walmart weisen gerade einmal KUVs von 0,4 oder 0,5 auf, schlechte (sprich margenarme) wie die Metro liegen etwa bei der Hälfte. Sind Online-Händler diesen Aufpreis wert? Im Vergleich zur Metro reden wir immerhin um den Faktor 15, den Zalando teurer ist. OK, auf der anderen Seite ist das Wachstum bei Online-Händlern viel höher und liegt eher bei 20 oder 30% statt 2 oder 3% im Offline-Markt....

b) Die andere Frage ist: Kann man Zalando mit Amazon vergleichen? Ist Amazon mit seiner weltweiten Ausrichtung, mit dem umfangreichen Angebot und vor allem auch der Expansion in margenträchtigere Bereiche (Medien, Content) überhaupt vergleichbar mit einem reinen Modehändler wie Zalando? Hat Amazon u.a. über die IT-Infrastruktur nicht einen gigantischen Wettbewerbsvorteil?

Schwer zu sagen. Ich persönlich würde dem Jungspund Zalando nicht die gleiche hohe Bewertung wie Amazon zugestehen. Vor allem auch, weil Zalando auch nicht unbedingt mit viel höherem Wachstum als Amazon beeindrucken kann.

Mal schauen, ob ich morgen noch mal Zahlen für Alibaba raussuche. Wobei Alibaba viel mehr als ein reiner Online-Händler ist und damit gemischter und schlecht vergleichbar ist.

Zalando kündigt Börsengang an (pdf)

Zalando: Pressemitteilung zur Preisspanne (pdf)

Zalandos Börsenprospekt (PDF)

Oder eine Kurzversion:
Zalando Factsheet (pdf)

Update (19.09.14):

Vorbörsliche Kurse gibt es bei Tradegate und der ist aktuell mit 25 bis 26 Euro deutlich über der Spanne von 18 bis 22,50. Es scheint also eine hohe Nachfrage zu geben (oder die Emissionsbanken sorgen erfolgreich für gute Stimmung ...):


Tradegate Exchange


Update 2 (29.09.14):

Zalando kommt zu 21,50€. Bewertung zu diesem Kurs knapp 5,3 Milliarden Euro.

Der Kurs ist im Vergleich zu den vorbörslichen Kursen überraschend niedrig, vorbörslich wurden quasi nie weniger als 25 Euro gezahlt, teilweise waren es sogar mehr als 34 Euro:



Da will Zalando wohl einen niedrigen Kurs, um einen schönen Zeichnungsgewinn (und entsprechende positive Schlagzeilen) zu schaffen. Das er ist nun nahezu garantiert, denn die Aktien waren zehnfach überzeichnet (Zehnmal mehr Nachfrage als Angebot). Der erste Handel am Donnerstag wird spannend ...

Zalando-Aktie wird 21,50 Euro kosten - WSJ.de

Update 3 (01.10.14):

Ein sehr guter Versuch, die Firma zu analysieren, bei Kassenzone.de. Spannend insbesondere das direkte Ausfiltern des Bullshot-Bingos im Börsenprospekt.

Zalando: Next Big Thing oder Next Karstadt? | Kassenzone

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