Die Hälfte des Gelbe-Sack-Mülls wird verbrannt. Sortieren sinnlos.

Genau: 50,1%.

Das sagte das Bundesumweltministerium auf eine Anfrage von Bärbel Höhn (Grüne, Oberhausen, muss erwähnt werden ;) ).

Grund: Es wird so viel verbrannt, weil Verbrennen so billig ist. Denn es gibt massive Überkapazitäten in der Müllverbrennung, die (Markt-) Preise sind komplett im Keller.

(Kleiner Einschub: Weil Müllverbrennungsanlagen sehr hohe Fixkosten aber ziemlich niedrige variable Kosten), kaufen die Betreiber zu Spottpreisen zusätzlichen Müll an, teilweise bis runter nach Süditalien. Es gibt dabei irre Mischkalkulationen: In Oberhausen zahlt der Bürger etwa 200 Euro pro Tonne Hausmüll (über die Gebühr für den den Mülleimer), am Markt liegt der Preis bei einem Drittel bis einem Viertel (!) dieser Summe. Der Betreiber deckt über die Müllgebühr seine fixen Kosten mehr oder weniger vollständig ab, jede zusätzliche Tonne ist nahezu Reingewinn. Daher ist fast jeder noch so niedrige Preis für diese zusätzlichen Tonnen Müll OK, was den Marktpreis für "zusätzliche Tonnen" auf ein derart niedriges Niveau gesenkt hat).

Sinn der ganzen Sortiererei ist die Verbrennung natürlich nicht. Allerdings werden jetzt die Ökos schreien, dass man Plastik natürlich recyceln sollte. Was aber auch nicht stimmt, den Kunststoff ist quasi immer downcycling. Man kann zwar noch etwas raus herstellen, aber das ist quasi nie qualitativ so gut wie das Ausgangsmaterial (was bei Papier ähnlich ist, bei Glas aber nicht).

Daher ist eine Verbrennung von Kunststoff in modernen Müllverbrennungsanlagen mit angeschlossener Stromerzeugung UND Fernwärme eine Idee, die gar nicht so doof ist. Es gibt sogar einen Haufen Leute die sagen, es ist die sinnvollste Verwendung. Es ist einfach und man nützt einen spürbaren Teil der Energie, die im Kunststoff steckt. (Ganz nebenbei würden Müllverbrennungsanlagen ohne Kunststoffabfälle auch gar nicht mehr brennen, denn wenn man Papier, Biomüll und Kunststoffmüll gesondert sammelt und nicht in die Müllverbrennungsanlage wirft, bleibt nichts mehr übrig, was brennt. Und dann funktioniert die Verbrennung halt auch nicht).

Diese Rechnung ist natürlich eine andere, wenn der Müll nicht in einer Müllverbrennungsanlage, sondern auf einer Deponie landet. Und wahrscheinlich auch schon, wenn die Anlage nicht auch gleichzeitig Strom und Fernwärme erzeugt.

Am besten wäre natürlich Abfallvermeidung.

(Übrigens ist nicht einmal die Diskussion Plastikflasche vs. Glasflasche eindeutig geklärt. Denn sobald der Transportweg zu weit wird, verliert die Glasflasche gegenüber der PET-Flasche aufgrund ihres höheren Gewichts (Spritverbrauch beim Transport)).

Die Hälfte des Recycling-Mülls wird verbrannt | WAZ.de

Spanien: 03/14: HVPI -0,2% (Vj). Auch Spanien jetzt in der Deflation ...

Der auf europäischer Ebene gängige (und damit wichtigste) Inflationsindikator HVPI ist im März in Spanien zum ersten Mal in den negativen Bereich abgekippt.

Der normale Verbraucherpreisindex war schon mal zwei Monate im negativen Bereich, der HVPI bisher aber noch nicht.

Die Zahlen sind zwar noch eine Vorabschätzung, aber normalweise sind die Korrekturen klein, immerhin sind elf der zwölf Monate, die in den Jahresvergleich eingehen, schon fix.

Den Einfluss von Steuern kann man übrigens ausschließen, der HVPI ex Steuern in den letzten Monaten, aus dem die Steueränderungen herausgerechnet wurden, wich maximal um 0,1 Prozentpunkte von der normalen Rate ab.

Ine.es: Harmonized Consumer Price Index. HICP flash estimated (PDF)

Der starke Euro und der generell abnehmende Preisdruck (hohe Arbeitslosigkeit) sorgt also jetzt auch in Spanien (Griechenland hat das Problem ja schon länger) für eine steigende Schuldenquote. Denn sinkende Preise ziehen ein sinkendes Real-BIP nach sich und daran werden die Schulden gemessen.

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Griechenland mit einem Bein in der Deflation (Oktober 2012)

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: So. Jetzt steckt Griechenland in der Deflation. Sh!t. (April 2013)

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Griechenland sinkt immer tiefer in die Deflation. Verbraucherpreise 11/2013: -2,9% (Dezember 2013) (Darin auch mehr über die BIP/schulden-Logik)

Griechenland bleibt in der Deflation: Verbraucherpreise 01/14 -1,4% - egghat's not so micro blog (Februar 2014)

Die Rettung der Staatshaushalte, die am einfachsten über etwas mehr Inflation stattfinden könnte, kommt also trotz der Niedrigzinspolitik nicht ins Laufen.

Und die Unterschiede in den Ländern werden auch nicht kleiner. Die Leitzinsen und die Politik, die die EZB vorgibt, passt weiterhin nicht für alle Länder. Wie schon vorher (im Prinzip schon immer seit Einführung des Euro) sind die Zinsen nicht für alle Länder passend. Für Griechenland (und die anderen Südstaaten) sind die Zinsen eigentlich immer noch zu hoch, für Deutschland eigentlich zu niedrig (vor 10 Jahren war es genau anders herum). In Spanien haben wir eine Deflation (was Schlimmeres gibt es kaum, wenn man hoch verschuldet ist), in Deutschland haben wir einen Immobilienboom, der sich zu einer Blase ausdehnen könnte ...

Update (14:59):

Auch die deutsche Inflationsrate sinkt. Nach 1,4% im Dezember, 1,3% im Januar und 1,2% im Februar kommt die Schnellschätzung für den März jetzt auf 1,0%. Auf die Preise drücken vor allen sinkende Energiepreise.

Pressemitteilungen - Verbraucherpreise im März 2014: voraussichtlich  1,0 % gegenüber März 2013 - Statistisches Bundesamt (Destatis)

Es sei an dieser Stelle nachgereicht, dass auch in Spanien die Energiepreise sinken und dieser Effekt möglicherweise nicht sonderlich nachhaltig ist. So genau man eine mögliche Deflationsgefahr beobachten sollte (weil man eine Deflation kaum wieder los wird), so wenig hilft der Blick auf Monatsraten.

Was in Europa leider fehlt (zumindest in der ersten Schätzung so weit ich weiss) ist die Kernrate der Inflation, also die Inflationsrate exkl. Energie und Lebensmittel. Hier könnte man viel besser ablesen, ob alle Preise sinken, oder ob der Rückgang nur auf stark schwankende Faktoren wie Energie und Nahrungsmittel zurückgeht.

Update 2 (31.03.14):

Die Zahlen für die gesamten Euroraum sind jetzt auch raus:

EU18 Verbraucherpreise 03/14: 0,5% (Vj) - egghat's not so micro blog

0,5% Jahresrate, niedriger war die Inflation nur im Herbst/Winter 2009/2010. Und damals waren die Auswirkungen der Finanzkrise noch deutlich spürbar. Dass wir heute wieder auf einem ähnlichen Niveau sind, ist kein gutes Zeichen ...

Bei Mt Gox tauchen plötzlich 200.000 #Bitcoin wieder auf. Zufall? Oder Teil des Plans eines "perfekten Diebstahls"?

(Noch gar nichts geschrieben in dieser Woche. Ich hebe mal einen Beitrag aus meinem Zweitblog hier rüber).

Mt. Gox findet 200.000 Bitcoins in alter Online-Geldbörse - WSJ.de

Kannste dir nicht ausdenken ...

Dass MtGox keine Buchführung hatten, ist ja nichts Neues. Aber der Laden überbietet sich wirklich bei seiner eigenen Inkompetenz. Jetzt hat MtGox in einem alten Bitcoin Wallet schlappe 200.000 Bitcoins gefunden.

Das sind knapp 1/4 der "verloren" gegangenen Bitcoins, Gegenwert etwa 120 Millionen Dollar). Immerhin etwas Hoffnung für die Gläubiger von MtGox. Ein Teil der virtuellen Münzen könnten an sie zurückfließen. So wie es in den Insolvenzunterlagen aussah, waren die sonstigen Forderungen (an Banken etc.) nicht sonderlich hoch. KORREKTUR: Es sollen doch 64 Mio. an sonstigen Forderungen offen sein. Das wäre ne Menge, es ist aber unklar, ob das Geld den Banken oder den Kunden gehört.

Fun Fact am Schluss: Mal angenommen, der Großteil der Bitcoins fließt gleichberechtigt an alle Inhaber der MtGox Wallets, würde das wohl 20% der Bitcoins ausmachen. Wer kurz vor der Pleite von MtGox dort Bitcoins für 100$ das Stück gekauft hat und jetzt 20% seines Geldes zurückbekommen sollte, wäre bei aktuell 590$ je Bitcoin schon wieder leicht im Plus ... Die Nervenbelastung dürfte die Restlebenszeit aber um gefühlte zwei bis drei Jahre verringert haben ;)

Update (11:50):

Es sei der Sicherheit halber noch einmal erwähnt, dass es VÖLLIG unklar ist, ob die Kunden von MtGox, denen die Bitcoins aus den Wallets gestohlen wurden, überhaupt als Gläubiger im Sinne eines Insolvenzverfahrens gelten. Es kann also gut sein, dass sie gar nichts bekommen. So ungerecht und sinnlos das erscheinen mag: Hej, Bitcoins sind Cyber, das Zeug ist unreguliert, und das hat eben nicht nur positive Auswirkungen, sondern im Zweifelsfall auch negative ...

Update 2 (16:03):

Thomas Mach hat mich auf G+ darauf aufmerksam gemacht, dass das plötzliche Auftauchen der Bitcoins gar nicht soooo zufällig gewesen sein könnte.

Der Gründer der schwedischen Piratenpartei Rick Falkvinge hat die These schon relativ früh aufgestellt. Karpeles könnte die Bitcoins selber geplündert haben.

Zur Erläuterung: Es gibt einen Cold Storage und einen Hot Storage. Der Cold Storage ist eine Art "Offline Safe", in dem man Bitcoins deponieren kann. Dieser Cold Storage ist mit dem Online-Handelssystem NICHT verbunden. Man hat diesen auch nicht auf einem Computer, sondern druckt die Bitcoins (die Hashes) aus, faltet das Papier und legt sie in ein Schließfach. Damit sind die nicht mehr hackbar, sie können "nur" noch gestohlen werden. Aber eben auch nur durch einen Echtwelt-Diebstahl, und nicht über eine irgendwie geartete Lücke im Bitcoin Protokoll oder einen Hack des PCs.

Aus diesem Cold Storage lässt Karpeles jetzt 200.000 Bitcoins "rein zufällig" wieder auftauchen. Die Kunden, die sich an den Verlust schon gewöhnt haben, freuen sich und sind dann doch noch relativ erleichtert, akzeptieren den Verlust also leichter als vorher (auch wenn unklar ist, ob die überhaupt was bekommen).

Karpeles hat die restlichen grob 500.000 Bitcoins aber schon lange in ein Schließfach auf die Bermudas (o. Ä.) gebracht. Er wickelt MtGox jetzt ab, beteuert seine Unschuld. Vielleicht bekommt er auch noch eine Strafe. Aber danach wandert er in irgendein schönes Land aus, löst seine "Papier-Wallets" nach und nach wieder ein und kann - so lange Bitcoins einen Wert haben - ganz nett davon leben.

So die Theorie.

The Gox Crater: Crowd Detectives Reveal Billion-Dollar Heist As Inside Job - Falkvinge on Infopolicy

Da die Bitcoins pseudonym sind, wird man Karpeles nur auf die Schliche kommen können, wenn er a) zu auffällige Transaktionen durchführt (mit zu großen Volumen) oder b) wenn man ihm einen Privatdetektiv auf den Hals hetzt und seinen Computer überwacht. Wenn er sich hingegen in der Vergangenheit klug angestellt hat und auch in der Zukunft weiter vorsichtig agiert, könnte er mit diesem Vorgehen quasi den perfekten Diebstahl begangen haben.

(Noch ein Wort zur Vergangenheit: Was heute als komplett dilettantische Buchführung dasteht, könnte auch eine ziemlich clevere, nur der Spurenverwischung dienende Doppelbuchhaltung sein).

Ich weiss, viel Spekulation. Vielleicht bringen die Ermittlungsbehörden ja noch Licht in die Angelegenheit.

Update 3 (27.03.14):

Sehr interessante Arbeit von zwei Informatikern aus der Schweiz. Christian Decker und Roger Wattenhofer von der ETH Zürich haben die gesamte Blockchain (dem Kern von Bitcoins, in der alle Transaktionen aufgezeichnet werden) analysiert. Und zwar vor allem in Hinblick auf die Malleability-Lücke. Also: Wie oft wurde versucht, diese Lücke mit den doppelten Transaktionen auszunutzen. Das kann man leider im Nachhinein leider gar nicht feststellen. Es treten zwar durch die Malleability-Lücke Konflikte auf, aber sobald sie aufgelöst werden, verschwinden die Spuren. Nur die bestätigte Transaktion (bei Malleability gibt es ja mehrere ursprüngliche Transaktionen) landet in der Blockchain; das Geld, besser die Bitcoins, können ja nur einem gehören.

Die beiden Forscher von der ETH Zürich beschäftigen sich schon länger mit P2P-Netzen und damit auch mit Bitcoins. Sie betreiben bereits seit Anfang 2013 selber (Rechen-) Knoten im Bitcoin-Netz und hatten dabei sehr viele Verbindungen zu anderen Bitcoin-Clients offen. Dieses "hatten viele Verbindungen offen" ist wichtig, denn Bitcoin ist wie Bittorrent ein Peer-2-Peer Netzwerk, und je mehr Verbindungen man offen hat, desto mehr bekommt man von dem mit, was im gesamten Netz passiert. Daher sind sich die beiden Forscher ziemlich sicher, dass sie auch die Konflikte (nahezu) vollständig gesehen haben (dazu gibt es übrigens eine eigene wissenschaftliche Arbeit ...). Die beiden haben seit Anfang Januar 2013 alles (auch alles temporäre) mitgeschrieben und können daher sehr gut sagen, wie viele Konflikte es gab, die auf Malleability hindeuten.

Und diese Zahlen sind sehr interessant. Konflikte, wie sie beim Ausnützen der Malleability-Lücke entstehen, waren bis zur ersten Pressemitteilung von Mt Gox, in der die Auszahlungen gestoppt wurden, nämlich sehr selten (nur 421 Konflikte, max. 1.811 Bitcoins betroffen; innerhalb von gut 13 Monaten). Danach nahmen sie spürbar zu (1.062 Konflikte, knapp 5.500 Bitcoins betroffen, in nur 2 Tagen), aber richtig los ging es erst ab der zweiten Pressemitteilung, in der die Malleability-Lücke explizit als Grund erwähnt wurde. Es gab eine riesige Welle von Angriffen, bei der in nur 2 Tagen über 25.000 Attacken gut 286.000 Bitcoins angegriffen wurden (mutmaßlich nicht nur gegen Mt Gox, die Hacker werden mit ziemlicher Sicherheit versucht haben, auch andere Börsen auf die Malleability-Lücke zu "testen").

Damit lassen sich zwei Fakten festhalten:

a) Die Malleability-Lücke war real und es kann auch gut sein, dass ein paar der anderen Börsen, die inzwischen schließen mussten, dadurch in Probleme gekommen sind (es sei noch einmal erwähnt, dass der offizielle Bitcoin-Client immer immun war). Die Schönfärberei vieler Bitcoin-Fans war also IMHO nicht wirklich angebracht, für die temporäre Schließung vieler Börsen gab es einen Grund ...

b) MtGox ist definitiv NICHT durch die Malleability-Lücke pleite gegangen. Dafür gab es bis zum Zeitpunkt, ab dem MtGox nichts mehr ausgezahlt hat, einfach VIEL zu wenige Angriffe. Selbst wenn die volle Anzahl aller möglicherweise durch die Malleability-Lücke betroffenen Bitcoins ausschließlich bei MtGox gestohlen wurden, kämen als theoretisches Maximum nur 306.000 Bitcoins zusammen. Es fehlen also immer noch jede Menge bis zu den offiziell fehlenden 850.000 Bitcoins (nach dem überraschenden Fund eigentlich "nur" noch 650.000 Bitcoins). Kurz: MtGox, bzw Karpeles lügt. (oder die Wissenschaftler erzählen Mist, aber das halte ich nach dem Lesen der Arbeit und vor allem auch dem Blick auf die älteren Arbeiten für extrem unwahrscheinlich).

Bitcoin Transaction Malleability and MtGox

Danke an @m106 auf APP.NET für den Hinweis!

Bitcoin Börse MtGox nochmal gehackt. Alle Daten im Netz. Hacker meinen: "Betrug".

Ziemlich unübersichtliche Nachrichtenlage ...

Anonyme Hacker haben die Server von MtGox gehackt und den Sourcecode und die Datenbanken (716 MB) im Internet veröffentlicht. (Die Userdaten haben sie netterweise entfernt ...)

Die Hacker haben versucht, die Bitcoin-Transaktionen zu verstehen. Und kommen leider nicht zu einem plausiblem Ergebnis, also zu einem Ergebnis, das zu den Erklärungen von MtGox Gründer Karpeles passen würde ("Bitcoins wurden über die Malleability-Lücke nach und nach gestohlen").

Die Hacker wörtlich: "That fat fuck has been lying!!".

Hat Karpeles die Bitcoins doch einfach geklaut und auf eigene Konten transferiert?

Anonymous hackers uncover alleged proof of MtGox fraud from site’s CEO

Das ganze ist extrem unübersichtlich ...

Ich vertraue der Analyse der Hacker allerdings eher nicht, sondern glaube viel mehr, dass die Excel-Sheets nicht sonderlich viel aussagen. Wir reden immerhin über eine Firma, die ihre Buchhaltung nicht ansatzweise im Griff hatte. Dass bei einem Leak der internen Daten auch welche zu Tage gefördert werden, die sagen, dass MtGox die Bitcoins noch besitzt, finde ich daher nicht besonders bemerkenswert ...

USA: Arbeitslosenquote 02/14: 6,7% (+0,1 Vm, -1,0 Vj), 175.000 neue Jobs.


Für den Februar 2014 veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics (mal wieder) einen Arbeitsmarktbericht, der zwar auf den ersten Blick etwas enttäuschend war, aber deutlich durch den extrem harten Winter getrübt gewesen sein dürfte. Was sich dann im März wieder ausgleichen dürfte.

Zu den offiziellen Zahlen des Februars 2014:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: +223.000 auf 10,459 Millionen,
Anzahl der Arbeitenden: +42.000 auf 145,266 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 6,7% (+0,1 zum Vormonat; -1,0 zum Vorjahresmonat).

Der Anstieg der NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer), der 2013 geprägt hatte, setzte sich auch im zweiten Monat des Jahres 2014 nicht fort. Im Februar sank die Zahl der NILFs um 94.000. Das Bureau of Labor Statistics buchte also keine Leute in die Klasse der NILFs um.

Ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung). Diese blieb konstant bei 58,8%, was 0,2 Punkte mehr als vor einem Jahr ist. Sie liegt damit zwar immer noch in der Reichweite des Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober, aber es ist immerhin eine leichte Verbesserung zu erkennen. Es bleibt aber bei der mittelfristigen Einschätzung: Die Arbeitslosenquote, die um 1,0 Prozentpunkte im Jahresvergleich gefallen ist, spiegelt sich in der Erwerbstätigenquote (+0,2) nicht wirklich wider.

Das Urteil aus den letzten Berichten stimmt immer noch:
Trotz der mittelfristig spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung kaum. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber gerade einmal so viele, wie angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig sind, um die Erwerbstätigenquote stabil zu halten. (Das mag aber auch an der Demografie liegen, eine lange Diskussion dazu hier: The U.S. labor force is still shrinking. Here’s why.)

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im Februar positiver als die Zahlen aus den Haushalten.

Anzahl der Jobs: +175.000 gegenüber dem Vormonat auf 137,699 Millionen. Zum Plus von 162.000 neuen Jobs im privaten Sektor kam ein Zuwachs der Beschäftigung von 13.000 Jobs im öffentlichen Sektor. Damit gab es zum ersten Mal seit dem Spätsommer wieder einen leichten Arbeitsplatzaufbau im öffentlichen Sektor.

Die Korrekturen der Vormonate für die neu geschaffenen Arbeitsplätze waren im zweiten 2014er-Report positiv. Das Dezember-Plus wurde von 75.000 auf 84.000, das Januar-Plus von 113.000 auf 129.000 nach oben korrigiert, zusammen also 25.000.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche sank leicht auf 34,2 Stunden. Die Zahl der Überstunden fiel wieder minimal um 0,1 auf 3,3 Stunden. Dieser Wert ist seit gefühlten Ewigkeiten bei 3,2 bis 3,5 Stunden. Die Anzahl der gearbeiteten Stunden fiel etwas unter den Schnitt der letzten Jahr (34,4 und 34,5 Stunden), das mag aber durch die Witterung erklärbar sein (für einen Check der Hauptzahlen kann man diese Detailzahl in diesem Monat kaum nutzen). In beiden Zahlen spiegelt sich weiterhin die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wieder: Ja, die Beschäftigung wächst leicht, aber Boom geht anders.

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese sank um 0,1 Prozentpunkte auf 12,6%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein schöner Rückgang um 1,7 Prozentpunkte.

Zusammenfassend: Ein Bericht vom US-Arbeitsmarkt, der wie so oft etwas zerrissen ist. Die Household-Daten waren eher schwach. Die Establishment-Daten - vor allem wenn man die Korrektur der Vormonate (+25.000 Arbeitsplätze) einrechnet - sogar etwas besser als erwartet. Wobei die Erwartungen auch aufgrund des harten Winterwetters deutlich getrübt waren.

Durch den Einfluss des Wetters im Februar und durch die jährliche Überarbeitung der Statistiken im Januar haben wir bis dato noch keinen "richtigen" Arbeitsmarktbericht aus den USA. Wobei ich allerdings auch keine so großen Zweifel daran hege, dass sich die Tendenz der letzten Monate fortgesetzt hat. Leichtes Wachstum ja, Boom nein.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — FEBRUARY 2014  (PDF)

Spannend bleibt weiterhin die Frage, wie die US-Notenbank die Zahlen beurteilt. Diese hatte als Ziel der ultralockeren Geldpolitik ursprünglich ausgegeben, die Arbeitslosenquote auf 6,5% oder niedriger zu drücken. Davon sind wir nur noch ein mageres Prozentpünktchen entfernt. Nimmt man nur diese eine Zahl, ist also wieder alles in Ordnung und eigentlich müsste die US-Notenbank deutlich den Fuß vom Gas nehmen. Nimmt man jedoch die Erwerbstätigenquote, steckt der US-Arbeitsmarkt weiterhin in der Rezession ...

Shit Bitcoin Fanatics Say

Gnihihi ...





Bii-Ei-Tie.

ROTFL ...

Fast noch besser:

No no, you WANT a deflationary currency.

Btw: In meinem Zweitblog gibt's andauernd kleinere Updates zu Bitcoins.

Post-Mt.Gox: Was nun, Bitcoins? Reinigendes Gewitter oder Anfang vom Ende?

MtGox ist offiziell immer noch nicht pleite, aber mit der Einstellung aller Auszahlungen und der normalen Website kann man wohl davon ausgehen, dass MtGox pleite ist. Wer die ganze Geschichte noch mal nachlesen möchte, ich habe sie die ganze Zeit aktualisiert (und bin ganz froh, dass ich mich mit meinen Zweifeln an MtGox nicht zu weit aus dem Fenster gehängt habe ...): Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Bitcoin-Wechselstube Mt. Gox macht zu. Offiziell vorübergehend, aber ich zweifle ...

Nun sind die Leute, die Bitcoins schon immer skeptisch gesehen haben, natürlich weiterhin skeptisch. Und formulieren dann solche Sätze:

"Bitcoin hat sich erledigt. Der Zusammenbruch der zeitweise größten Handelsplattform für die virtuelle Währung dürfte dafür sorgen, dass das Vertrauen in die digitalen Münzen ein für allemal zerstört ist. "

Analyse? Fehlanzeige. Wie man zu dieser Meinung gekommen ist? Unklar.

Offline - Kurztext boersen-zeitung.de

Man muss wohl Journalist sein, um seine Meinung einfach so in die Welt hereinzupostulieren. Deutlich besser schon das, was das WSJ zum Thema schreibt:

Mt. Gox-Debakel: Fünf Dinge, die Bitcoin-Anleger wissen müssen - WSJ.de

Darin wird u.a. der Mangel an Regulierung angesprochen. Der auch einer der Gründe sein dürfte, warum MtGox über so lange Zeit die Bitcoins abhanden gekommen sind, ohne dass es jemand gemerkt hat.

Auf der Optimistenseite gibt es aber auch einige, die Bitcoins mehr oder weniger für komplett ungefährdet halten. Weil die Blockchain, der Kern des ganzen Bitcoin-Systems, nicht angegriffen sei und damit hätten die Bitcoins halt auch kein Problem.



Das greift aber IMHO etwas zu kurz. Und zwar aus zwei Gründen:

a) Aus technischer Sicht:

i) Das Malleability Problem existiert immer noch. Sich darauf zurückzuziehen, dass das bei einer vernünftigen Buchführung auffällt, ist zwar nett, aber dass ein System, in dem ein solches Problem erst gar nicht auftreten, besser ist, wird wohl kaum jemand anzweifeln. Wieso konnte man Transaction-IDs überhaupt ändern? Sollte sowas nicht von vornherein eindeutig sein?
Zumindest MtGox ist davon ausgegangen, dass die Transaction-ID eindeutig ist. Ein schlimmer Fehler, wie sich zeigte. Dass in diesem Punkt eine gewissen Unklarheit vorliegt, sehen auch die Bitcoin Developer so. Sie haben daher eine "normalisierte Transaction-ID" vorgeschlagen, die wirklich eindeutig ist. Das haben die guten Bitcoin-Börsen zwar intern eh schon so gemacht, aber das zu standardisieren und ins System einzubauen, schadet definitiv nicht.

ii) Die Verwaltung des Bitcoin-Wechselgelds ist zumindest seltsam. Kurz zur Funktion: Bei jeder Bitcoin-"Überweisung" entsteht "Wechselgeld", unter anderem weil eine "Bearbeitungsgebühr" anfällt (die geht an den Berechner der Prüfsummen). Man überweist also einfach etwas mehr Geld und bekommt am Ende Wechselgeld zurück. Da das Eintragen des Bitcoin-Transfers in die Blockchain etwas dauert, hat man entschieden, den Transfer des Wechselgelds (vorübergehend) unbestätigt zu lassen. Man kann diese Wechselgeld-Bitcoins also sofort wieder ausgeben (wenn man nur wenige Bitcoins hat und viele Transaktionen macht, ist das durchaus wichtig). Dadurch kann es zu doppelten Geldausgaben kommen, die dann zu Konflikten führen. Diese können zwar aufgelöst werden, aber der Schwebezustand ist trotzdem unschön. Etwas platt könnte man das unter "It's not a bug, it's a feature" zusammenfassen.
Dieses "Feature" ist in der neuesten Bitcoin-Version abschaltbar. Man kann jetzt seine Bitcoin-Wallet so konfigurieren, dass auch der Transfer des Wechselgeld kryptografisch bestätigt werden muss. Wenn sich beide Partner darauf einigen (und die neue Version der Software haben), wird das Wechselgeld erst wieder sichtbar, wenn es kryptografisch abgesichert ist (nur zur Klarheit: Das Wechselgeld wurde und wird immer kryptografisch abgesichert, man konnte es bisher nur in seiner Wallet schon vor der erfolgreichen Absicherung wieder sehen).

Zusammenfassend zu den technischen Problemen: Auch wenn der innerste Kern der Bitcoins, die Blockchain, 100% intakt ist, gibt es schon ziemlich nahe am Kern einige Unschönheiten (auch wenn die beiden von mir angesprochenen Probleme inzwischen gefixt sind, k.A. ob das in der letzten Version der Clients schon aktiv ist).

b) Auch wenn wir die Problem nahe des Bitcoin-Kerns mal ausblenden, gibt es offensichtliche weitere Probleme. Und diese sitzen im Ökosystem. Es gibt Dienstleister, die ihr Geschäft nicht im Griff haben. Es gibt die Gefahr, dass die Dienstleister Mist bauen. Und dummerweise gibt es für die Kunden sehr viele Gründe, einen Dienstleister zu benutzen:

a) Die Leute wollen (reales) Geld ins Bitcoin-Ökosystem ein- und auszahlen (und nicht selber minen).
b) Die Leute wollen Konten nicht selber verwalten, sondern einen Dienstleister damit betreuen.
c) Die eigene Blockchain auf dem eigenen Rechner zu haben, ist zwar nett, aber spätestens auf dem Smartphone ist das nicht praktikabel (die Blockchain ist schlicht zu groß)
d) Es muss eine sichere Speichermöglichkeit für Bitcoins geben, damit man gegen Diebstahl geschützt ist. (oder glaubt jemand, dass die Menschen auf einmal ihren Windows Rechner oder Mac sicher bekommen?)

Man kann zwar um alle Probleme herumarbeiten, aber der Aufwand, den ein Bitcoinianer treiben muss, wird hoch. Ich halte das für nicht praktikabel. Wenn Bitcoins massenkompatibel werden wollen und jeder mit Bitcoins bezahlen und jeder Bitcoins entgegennehmen soll, muss das System einfach und idiotensicher sein.

Die Dienstleister muss es also geben und diese müssen IMHO zumindest rudimentär kontrolliert werden. Genau diese Kontrolle gibt es nicht. Der Markt soll es regeln. Ja, der Markt hat geregelt, und MtGox ist weg. Und das Geld der Kunden auch.

ANDREESSEN: MtGox Is MF Global - Business Insider

Im oben eingebundenen Video wird dem Bitcoin-Interessanten geraten, wie ein Investor zu denken, wenn er sich einen Bitcoin-Dienstleister aussucht. Was ein Schmarrn, die Leute da dadraußen (TM) sind dazu nicht in der Lage. Die sind nicht einmal in der Lage, einen Kreditzins oder einen Ratenkredit richtig einzuschätzen. Oder einen halbwegs sicheren PC zu betreiben. Wie sollen sie etwas so Intransparentes wie eine Bitcoin-Börse beurteilen können?

Was mir auch nicht gefällt: Was jetzt bei MtGox passiert ist, wird viel mit der Realwelt verglichen und relativiert. Ja es ist richtig, auch in der Realwelt sind Banken pleite gegangen. Aber in der Realwelt ist an dieser Stelle oft der Staat eingesprungen und hat die Banken gerettet. Oder die Banken haben untereinander Sicherheitssysteme aufgebaut, die kleinere Banken aufgefangen haben (Sparkassen oder Genossenschaftsbanken, die jeweils untereinander haften und sich stützen). Der Staat oder die Rettungssysteme helfen den Kunden also. Aber nicht bei Bitcoins. Dort wurden jetzt etwa 6% aller ausstehenden Bitcoins gestohlen und obwohl das in der Realwelt einen Riesenproblem wäre, zuckt der Staat im Fall der Bitcoins nur mit der Schulter ... Auch innerhalb der Bitcoins gibt es keinerlei Haftung, niemand springt für diesen Schaden ein.

Mt Gox degradiert Bitcoin zur Muppet-Show

Die Mehrheit der Bitcoin-Leute sieht im Fehlen von Regulation (durch den Staat) einen großen Vorteil. Sie sehen darin Freiheit, sie sehen die Vision des staatsfreien Gelds endlich umgesetzt. Eine eigentlich neutrale Währung (die nicht zu vergessen für viele nur Zahlungsmittel sein soll) wird von einigen Befürwortern ideologisch aufgeladen.

The Bitcoin Ideology - NYTimes.com gefunden über Bankstil: Bitcoin als Ideologie, oder: Selbstbefreiung durch Technologie? (was man als Kurzversion auch lesen kann).

Ich glaube, dass sich im Bitcoin-Ökosystem die Einstellung in diesen zwei Punkten ändern muss. Man muss erstens akzeptieren, dass Bitcoins für Verbraucher idiotensicher sein müssen und daher Dienstleister zwangsläufig benötigt werden. Und zweitens, dass damit diese Dienstleister zum Bitcoin-Ökosystem dazugehören. Sich nur auf die 100% korrekte Blockchain zu berufen, führt nicht zu einer Weiterentwicklung und Verbesserung des Bitcoin-Ökosystems. Mit der Einführung einer einheitlichen normalisierten Transaktions-ID haben die Entwickler aber gezeigt, dass sie hier durchaus kritikfähig sind.

Komisch: Die Bitcoin-Fanboys nennen gerne die gigantischen Möglichkeiten, die sich durch (und für) Dienstleister ergeben (z.B. SMS-Gateway für Bitcoin-Payments
in den Entwicklungsländern), produziert ein Dienstleister aber Mist, wird einfach nur gesagt, dass der Markt das regele ...
Als wenn es für den Kunden und Interessenten noch interessant wäre, dass die Blockchain funktioniert, wenn seine Bitcoins gestohlen wurden. Um mal einen blöden Vergleich zu bringen: Wenn mir jemand 5.000 Euro von meinem Konto bei der Bank klaut (weil er z.B. eine Unterschrift fälscht), interessiert es mich herzlich wenig, dass die Druckerpresse der Bundesdruckerei noch ordnungsgemäß die Seriennummern auf die Geldscheine druckt (ich weiss, Vergleiche hinken). Es ist utopisch zu glauben, dass im Ökosystem eine Bombe nach der anderen hochgehen kann, ohne dass es auf die Währung zurückfällt. Es ist also gut, dass die Bitcoin-Entwickler das System sicherer machen, indem sie nicht nur den richtigen Weg "vorschlagen", sondern auch falsche Wege der Umsetzung aktiv blockieren.

Wenn ich den MtGox Vorfall jetzt bewerten müsste: Es ist eher ein reinigendes Gewitter als der Anfang vom Ende. Die Geschwindigkeit der Markteroberung von Bitcoins wird durch die MtGox-Pleite aber ziemlich sicher gebremst. Wie stark? Keine Ahnung, fragen sie dazu ihren bevorzugten Massenpsychologen ;).

Langfristig glaube ich, dass die Gefahr für Bitcoins nicht vom Kern - der Blockchain - ausgeht. Aus dem Ökosystem könnten hingegen mittelfristig noch ein paar Einschläge kommen, es ist allerdings unwahrscheinlich, dass der Fehler noch einmal so groß (und so einfach) sein wird wie bei MtGox.

Die wirkliche langfristige Gefahr ist  eine andere: Das Konglomerat aus Staat, Notenbanken und der Finanzsektor. Denen geht es im alten System nämlich prächtig. Und sie würden jede Menge Macht abgeben, wenn sich Bitcoins breit durchsetzen und klassische Währungen verdrängen würden. Aber über diese Gefahr habe ich ja schon mal was geschrieben ... Schnappt jetzt die Regulierungsfalls für Bitcoins zu?

Update 1 (12:38):

In diesem Themenbereich kannst du auch keine 60 Minuten an einem Text sitzen, ohne dass während des Schreibens was passiert. OK, es ist wenig überraschend, aber Mt Gox ist jetzt auch offiziell pleite. Habe das mal als (voraussichtlich) letztes Update an den Mega-MtGox-Bitcoin-Artikel gehängt ...

Mt Gox pleite.

Update 2 (12:49):

Ich kann noch einen Artikel aus der "Es gibt gar kein Problem, im Gegenteil nach Pleite von MtGox ist alles besser als vorher" ergänzen:

Deutschlands Bitcoin-Cheflobbyist: „Es wäre absurd, Stabilität zu erwarten" - WSJ.de

Update 3 (16:07):

Es sei aus den Kommentaren eine Anmerkung aufgegriffen. Mein Artikel basiert auf der offiziellen Aussage von MtGox, dass die Bitcoins über die Malleability-Lücke abhanden gekommen sind. Ob das so ist, weiss aber niemand. Es könnte auch sein, dass die Server von MtGox schlicht gehackt wurden und die Schlüssel (und damit das Geld) der Kunden (und von MtGox) gestohlen wurden. Oder dass MtGox selber die Bitcoins aus dem System genommen hat und auf die Bahamas geschickt hat ...

Solche Spekulationen kommen auf, weil niemand glaubt, dass so viele Bitcoins geklaut werden können, ohne dass es jemand bemerkt. Wenn man annimmt, dass der Zeitpunkt der ersten Auszahlungsbeschränkungen bei Mt Gox auch der Zeitpunkt ist, ab dem die ersten internen Probleme auftraten, reden wir hier über Monate. Es ist irgendwie nicht plausibel, dass dieser Diebstahl so lange niemanden aufgefallen sein soll.

Aber das bleibt wilde Spekulation. Vielleicht findet das FBI ja mehr heraus ...

Something’s Not Right at ‘Gox | Lets Talk Bitcoin

Update 4 (02.03.):

Noch ein Linktipp aus den Kommentaren (danke!). Der Gründer der schwedischen Piratenpartei Falkvinge (tauchte in dem anderen Bitcoin-Artikel auch schon auf) glaubt der Darstellung von MtGox nicht. Falkvinge versucht den Zeitpunkt zu rekonstruieren, ab denen die ersten Probleme von "Empty Gox" (schönes Wortspiel) auftraten. Und diese passen (seiner Meinung nach) nicht zum Bekanntwerden der Malleablity-Lücke.

The Gox Crater: Crowd Detectives Reveal Billion-Dollar Heist As Inside Job - Falkvinge on Infopolicy

Allerdings sollte ich anmerken, dass die Malleability-Lücke zwar erst seit ein paar Wochen breit diskutiert wird, in Foren aber schon 2011 diskutiert wurde (das wurde MtGox auch vorgeworfen). Es könnte also gut sein, dass die Lücke schon vor der breiten Diskussion ausgenutzt wurde. (Natürlich hätte MtGox das trotzdem merken müssen).

Anders gesagt: Es bleibt alles unklar und gibt viel Anlass für Spekulationen ... Aber das FBI wird bestimmt was herausfinden, und sei es nur, weil inzwischen auch in den USA Klagen gegen MtGox eingereicht wurden.

Ein kleiner Hinweis für meine RSS-Leser ..

Diese bekommen ja die Updates unter meine Artikel meistens nicht mit (gute RSS-CLients können das, aber die sind selten ...). Daher mal ein kurzer Hinweis auf den inzwischen gefühlt zigtausendfach aktualisierten Artikel zu Bitcoins und der inzwischen verblichenen Wechselstube MtGox.

Viel Spaß beim Nachlesen ;)

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Bitcoin-Wechselstube Mt. Gox macht zu. Offiziell vorübergehend, aber ich zweifle ...

Ist es eigentlich eine gute Idee, nicht einen neuen Artikel zu schreiben, sondern den alten permanent zu aktualisieren? Was meint ihr?

USA: Arbeitslosenquote 01/14: 6,6% (-0,1 Vm, -1,3 Vj), nur 113.000 neue Jobs.

Für den ersten Monat 2014 veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics (mal wieder) einen in sich zerrissenen Arbeitsmarktbericht.

Zu den offiziellen Zahlen für den Januar 2014:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -115.000 auf 10,236 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: +638.000 auf 145,224 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 6,6% (-0,1 zum Vormonat; -1,3 (!) zum Vorjahresmonat).

Das ist erneut ein (dieses Mal leichter) Rückgang; die Jahresrate des Rückgangs steigt weiter auf 1,3 Prozentpunkte. Das ist die kräftigste Rückgang seit Ende der Krise.

Die Zahlen sind schwierig zu vergleichen, weil mit den Zahlen für den Januar auch die Zahlen für das gesamte Jahr 2013 rückwirkend korrigiert wurden. Diese Korrekturen sorgten im letzten Monat des Jahres 2013 für 509.000 mehr Arbeitsplätze. Die große Änderung von 638.000 neuen Arbeitsplätzen geht also zum größten Teil auf statistische Anpassungen für 2013 zurück. Wenn man davon ausgeht, dass die neuen Schätzungen besser sind als die alten, ist das trotzdem eine gute Nachricht. Immerhin sind die Arbeitsplätze ja (mutmaßlich) da.

Der Anstieg der NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer) setzte sich - auch durch die statistischen Korrekturen - nicht fort. Diese fiel kräftig um 353.000. Das Bureau of Labor Statistics meldete im Januar also endlich mal wieder eine sinkende Arbeitslosenquote, die auch einhergeht mit einer sinkenden Zahl von Arbeitslosen und einer steigenden Zahl von Arbeitenden.

Auch im Januar gilt: Ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung). Diese stieg auf 58,8%, jeweils 0,2 Punkte mehr als im Vor- und im Vorjahresmonats. Sie liegt damit zwar immer noch in der Nähe des Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober, aber immerhin ist eine leichte Verbesserung zu erkennen. Es bleibt aber dabei: Die Arbeitslosenquote, die um 1,3 Prozentpunkte im Jahresvergleich gefallen ist, spiegelt sich in der Erwerbstätigenquote (+0,2) kaum wider.

Das Urteil aus den letzten Berichten stimmt immer noch:
Trotz der mittelfristig spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung kaum. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber gerade einmal so viele, wie angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig sind, um die Erwerbstätigenquote (halbwegs) stabil zu halten. (Das mag aber auch an der Demografie liegen, eine lange Diskussion dazu hier: The U.S. labor force is still shrinking. Here’s why.)

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im Januar eher auf der schwachen Seite.

Anzahl der Jobs: +113.000 gegenüber dem Vormonat auf 137,449 Millionen. Das Plus von 142.000 neuen Jobs im privaten Sektor muss mit dem Rückgang von 29.000 Jobs im öffentlichen Sektor verrechnet werden. Der Arbeitsplatzaufbau im öffentlichen Sektor, der mich Spätsommer noch überrascht hatte, scheint damit schon wieder vorüber sein.

Die Korrekturen der Vormonate für die neu geschaffenen Arbeitsplätze waren im ersten 2014er-Report positiv. Das November-Plus wurde nochmal um 33.000 auf 274.000, das Dezember-Plus minimal von 74.000 auf 75.000 nach oben korrigiert.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb bei 34,4 Stunden. Die Zahl der Überstunden fiel wieder minimal um 0,1 auf 3,4 Stunden. Dieser Wert ist seit gefühlten Ewigkeiten bei 3,2 bis 3,5 Stunden (genau wie die Anzahl der Arbeitswochenstunden bei 34,4 und 34,5 Stunden) und spiegelt ganz gut die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wieder: Ja, die Beschäftigung wächst leicht, aber Boom geht anders.

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese sank um 0,4 Prozentpunkte auf 12,7%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein schöner Rückgang um 1,7 Prozentpunkte.

Zusammenfassend: Ein eher schwacher Bericht vom US-Arbeitsmarkt, wenn man mit den korrigierten Werten des Dezembers vergleicht. Wenn man allerdings die gute halbe Millionen Arbeitsplätze aus den statistischen Überarbeitungen für 2013 berücksichtigt, sind die Zahlen gar nicht so schlecht. Eine halbe Millionen Arbeitsplätze sind schon ein Wort. Und der Rückgang der NILFs eben auch.

Der Januar-Bericht ist wegen der ganzen Überarbeitungen des Vorjahrs aber immer schwierig zu beurteilen.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — JANUARY 2014  (PDF)

Spannend bleibt weiterhin die Frage, wie die US-Notenbank die Zahlen beurteilt. Diese hatte als Ziel der ultralockeren Geldpolitik ausgegeben, die Arbeitslosenquote auf 6,5% oder niedriger zu drücken. Davon sind wir nur noch ein mageres Prozentpünktchen entfernt. Nimmt man nur diese eine Zahl, ist also wieder alles in Ordnung und eigentlich müsste die US-Notenbank deutlich den Fuß vom Gas nehmen. Nimmt man jedoch die Erwerbstätigenquote, steckt der US-Arbeitsmarkt weiterhin in der Rezession ...


Bitcoin-Wechselstube Mt. Gox macht zu. Offiziell vorübergehend, aber ich zweifle ...

Schade, dass ich meinen Bitcoin Warnpost nicht fertig bekommen habe, denn jetzt ist das passiert, wovor ich eigentlich warnen wollte :(

Auslöser für meine erhöhte Aufmerksamkeit war ein Post von @Holgi auf ADN (ja, da posten echte Leute ;) ):

Die 20-Tage-Regel bei MtGox gilt übrigens auch für Auszahlungen, die vor dem 16.1.2014 veranlasst worden sind.^^ Hat hier jemand "Ponzi" gesagt? :D

Holger Klein: Die 20-Tage-Regel bei MtGox gilt übrigens auch ... on App.net

Ponzi? Schneeballsystem? Schwerer Vorwurf.

OK, dachte ich mir, mal weiter schauen. Die von Holgi angesprochenen Auszahlungsgrenzen gibt es in der Tat. Aktuell scheinen es 1.000 Dollar am Tag oder 50.000$ im Monat zu sein (was schon keinen richtigen Sinn ergibt ...). Die Höhen unterscheiden sich je nach Status der Verifikation. Wenn man sein Bankkonto verifiziert hat, steigt die Menge des Geldes, die man sich auszahlen lassen kann. Was Mt. Gox selber schon sagt: "Auszahlungen von mehr als 10.000 Dollar dauern 'mindestens einen Monat'". Da sich diese Grenzen mehrfach geändert haben, weiss ich nicht genau, wo im Moment die aktuellen Grenzen liegen und wie schnell man mit seinem Geld rechnen sollte.

Das ist aber auch alles nicht so wichtig, denn Mt. Gox hat die Auszahlungen aktuell komplett eingestellt. Nach eigener Aussage wegen technischer Probleme und nur vorübergehend:

MtGox - Bitcoin Exchange: Statement Regarding BTC Withdrawal Delays - Tokyo - JAPAN - February 07, 2014

Wenn man sich aber die Geschichte der Auszahlungen vor dem Stop anschaut, muss man aber schon ziemlicher Optimist sein, um bei Mt. Gox nur "vorübergehende" Probleme zu sehen. Das ganze zieht sich schon lange. Meines Wissens hat z.B. Holgi sein Geld von Mt Gox immer noch nicht bekommen. Seine Bitcoins von Mt. Gox Konto sind weg, die Euros bei seiner Bank aber nie angekommen. Und Holgi ist bei weitem nicht der Einzige, der Thread bei Bitcointalk zu den Zahlungsverzögerungen von Mt. Gox. ist inzwischen 181 Seiten lang:

Bitcointalk

Das Problem ist also nicht neu. Es ist sogar schon so bekannt, dass es eine Seite mit Charts gibt, auf der die Auszahlungen von Mt. Gox getrackt werden (finde ich gerade leider nicht).

Ein anderer Chart ist auf jeden Fall sehr eindeutig: Der aktuelle Kurs von Bitcoins ist auf etwa 700 Dollar gefallen. Dabei sah es gerade sehr nach einer Stabilisierung des Kurses zwischen 900 und 1000 Dollar aus, etwa vier Wochen lang brach der Bitcoin Kurs nicht mehr aus dieser Spanne aus.


Spannend, wie es jetzt weiter gehen wird. Wenn die bis vor kurzem größte Bitcoin Wechselstube einen so krasse Unterbrechung des normalen Geschäftsbetriebs zu verzeichnen hat, ist das schon ein ziemlicher Einschnitt ...

(erwartet weitere Updates hier)

Update (11:34):

Ich habe den Chart mit den Auszahlungen wieder gefunden:

Mt.Gox Withdrawals - Coinsight.org


Man sieht schön, wie die Anzahl der Auszahlungen eingebrochen ist. Wieso es überhaupt noch welche gibt, ist mir etwas unklar, könnte aber daran liegen, dass es immer etwas dauert, bis die Transaktion bestätigt wird (das ist übrigens der Grund, warum das Bitcoin-Netzwerk immer weiter rechnen muss: Die Transaktionen müssen kryptografisch abgesichert werden

Update 2 (10.02.14):

Ein paar Nachrichten zu Bitcoins, die am Wochenende eingetrudelt sind:

1.) Mt. Gox hat ein Update geliefert. Danach gibt es (wenn man schnell genug ist) eine Möglichkeit in der Bitcoin API eine Transaktion zu bestätigen, auch wenn man nicht der eigentliche Empfänger war. Das ist natürlich ziemlich doof, weil der eigentliche Empfänger dann die Transaktion nicht mehr bestätigen kann und das Geld dann nicht bekommt. (Wenn ich es richtig verstehe, bekommt auch der "falsche" Empfänger das Geld nicht, aber da bin ich mir nicht sicher). Bitcoin will dieses Problem jetzt beheben, braucht dafür aber Zeit.

MtGox - Bitcoin Exchange

Da ich kein Bitcoin Kerndeveloper bin, kann ich sagen, ob und wie wahr diese Aussage ist oder ob es sich nur um eine faule Ausrede handelt. Wenn es aber - wie Mt. Gox sagt - ein grundlegendes Problem in der Bitcoin-Architektur ist, sollten sich nicht nur MtGox-Kunden Gedanken machen, sondern auch alle, die Bitcoins irgendwo anders aufbewahren.

Was mich eher an eine Ausrede denken lässt: Warum soll gerade beim Tausch der virtuellen Währung in eine echte Währung ein Designfehler im Bitcoin-Protokoll zuschlagen? Es wird ja eigentlich keine Transaktion innerhalb des Bitcoin-Universums angestoßen, sondern sozusagen am Rand ...

2.) Ein sehr pessimistischer Artikel zu Mt.Gox, der die ganzen Probleme von MtGox zusammenfasst. Es ist ja bei weitem nicht das erste Mal, dass Mt.Gox nicht bzw. nur sehr verzögert auszahlt. Einmal gingen Dollarauszahlungen nicht, dann die in Euro nicht. Dann wurden neue Obergrenzen eingeführt, wieder verändert, aber selbst nach den Senkungen wurden die versprochenen Auszahlungsfristen häufig nicht eingehalten.

Für mich die Pflichtlektüre für Bitcoin-Interessierte:

Why Mt. Gox, the World’s First Bitcoin Exchange, is Dying

3.) Laut Russia Today hat der Oberstaatsanwalt in Russland Bitcoins als illegal bezeichnet. Bitcoins würden zur Geldwäsche benutzt. Und das sei nicht gut.

(Russland warnt vor Geldwäsche. Ein Brüller, oder?)

Bitcoins cannot be used in Russia - Prosecutor General’s Office — RT Business

4.) Der Bitcoin Kurs hat sich bei etwa 650$ stabilisiert.


Update 3 (12:51):

Habe noch ein wenig weitergelesen. Ein paar der Leute, die sich mit dem Bitcoin Protokoll besser auskennen als ich, glauben der Mt. Gox Erklärung nicht. Sie halten den beschriebenen Fehler nicht für einen Fehler im Bitcoin Protokoll, sondern für einen Fehler in der Umsetzung des Protokolls durch Mt. Gox.

Hier etwas mehr Hintergrund: MtGox and malleable transactions

Das würde zwei Sachen bedeuten: a) Faule Ausrede als Erklärung wird wahrscheinlicher. b) Wer nicht bei Mt. Gox ist, muss nichts befürchten, was er nicht letzte Woche auch schon befürchten musste ... (Es gibt kein neues Risiko, "nur" die alten, also Betrug, Staat erklärt Bitcoins für illegal, niemand glaubt mehr an Bitcoins und der Wert verfällt, etc. pp).

Ach so: Den bisher vor mit benutzten Bitcoin-Chart von Clarkmoody kann man nun vergessen, da der ausschließlich Mt Gox als Kursquelle anzapft. Da diese Börse nun aber als komplett unzuverlässig gelten muss, wechsle ich auf den Bitcoin Chart von Coindesk, der alle großen Wechselstuben anzapft und daraus einen Mittelkurs berechnet. Dieser Chart unterscheidet sich auch deutlich von der Mt Gox Version. Der Einbruch war tiefer, die Erholung nachher war kräftiger.



Update 4 (15:02)

Der Fefe hatte das Thema auch. Glaubte auch zuerst der Mt Gox Erklärung, um dann wie ich zurückzurudern ...

Fefes Blog

Update 6 (15:09):

Es gab heute Mittag europäischer Zeit auch einen lustigen kleinen Flashcrash an der größten europäischen Wechselbörse e-BTC:



Dabei rauschte der Kurs in einer Minute von gut 600 bis auf 102 (!) Dollar nach unten. Eine Minute später waren es schon wieder 600 ...

An den anderen Börsen gab es zwar ebenfalls hohe Umsätze, aber der Durchsacker ging dort "nur" bis etwa 500 Dollar. Inzwischen haben sich alle Börsen wieder in den Bereich von gut 600 Dollar erholt.


Update 7 (12.02.2014):


So unübersichtlich die Lage auch ist, versuche ich mal eine Übersicht. Tschuldigung, dass das sehr technisch wird, aber anders kann man nicht verstehen, was dort passiert. Und das tut - auch wenn es einige behaupten - noch nicht wirklich jemand.

Also zu den Fakten:

a) Es haben weitere Bitcoin-Wechselstuben den Umtausch eingestellt. Jetzt liegt natürlich der Verdacht nahe, dass diese vom gleichen Fehler betroffen sind, an dem auch Mt Gox zu knabbern hat, und daran anschließend die Überlegung, dass Bitcoins an sich "hackbar" sein könnten. Aber vorweg: Dem ist aber wahrscheinlich nicht so.

Ich stelle die Lage aus technischer Sicht jetzt mal so dar, wie ich sie im Moment für plausibel halte (alle Ausagen sind mit viel Unsicherheit behaftet, was zum Teil darauf basiert, dass ich nicht im Detail im Bitcoin-Protokoll "drin" bin, zum anderen, weil nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen).

i) Die Erklärung von Mt Gox war leider nicht sehr detailliert. Sie wirkte schon am Anfang in sich nicht wirklich schlüssig (schrieb ich ja auch). Inzwischen gibt es eine Erklärung, die ich für deutlich plausibler erachte. Sie stammt vom Gründer der schwedischen Piratenpartei Falkvinge. Dieser beschreibt eine Änderung im Bitcoin-Protokoll, die vor mehr als einem Jahr eingeführt wurde, aber erst mit einem Update vor kurzem verpflichtend wurde. Es geht dabei um die Darstellung bestimmter Zahlenformate (Währung), die nun verpflichtend in der kürzest möglichen Form zu erfolgen hat. Während vor der Änderung 000,732 in Ordnung war und akzeptiert wurde, gilt nun ausschließlich 0,732 als gültige Version. MtGox hat diese Änderung aber in seine Version der Software nicht eingebaut. Nun werden einige, aber nicht alle Transaktionen von MtGox von anderen Bitcoin-Börsen abgelehnt, weil das Format von MtGox nicht mehr gültig ist.

The Embarrassing Fact MtGox Left Out Of Their Press Release: Their Bad Code Hygiene Was The Direct Cause Of Problems - Falkvinge on Infopolicy

Die Erklärung von MtGox ist also nicht richtig. Dieses Problem ist nämlich nicht wirklich das bekannte "Malleability"-Problem (dazu später). Die Auswirkungen auf MtGox sind unklar. Es gibt Leute, die behaupten, dass MtGox durch ihren Softwarefehler in ein "Doppel-Buchungsproblem" geraten ist. Also nicht mehr weiss, welche Buchungen bearbeitet wurden und welche nicht. Das wäre natürlich ein Desaster. Ich halte das aber für unwahrscheinlich, da MtGox eigentlich aus der Bitcoin-Blockchain heraus die Zahlungsströme "rekonstruieren" können müsste, zumindest wenn die Logdateien auf der Seite von MtGox vollständig vorliegen, in der Blockchain steht ja, ob die Bitcoins beim Empfänger angekommen sind. Eine solche Rekonstruktion wäre einigermaßen aufwändig. Eventuell klappt das aber auch nicht. Nach der Menge an Pannen, die MtGox in der Vergangenheit hatte, kann man denen aus Sicht der IT-Technik nicht mehr viel gutes zutrauen (siehe Why Mt. Gox is full of shit - joepie91's Ramblings)... (Zu der Möglichkeit der Rekonstruierbarkeit hier etwas: Reddit.

ii) Die anderen Börsen, die jetzt geschlossen haben, sind wahrscheinlich aus einem anderen Grund dicht. Diese werden schlicht von einer Denial of Service Attacke belästigt. Konkret bombardieren Hacker diese Börsen mit ungültigen Transaktionsbestätigungen. Sie machen also in etwa das, was MtGox behauptet hat (was aber im Fall von MtGox wohl nur eine Ausrede wahr). Das ist das "Malleability"-Problem (Biegsamkeit): die Transaktionen und die Antwort darauf gehören nicht direkt zusammen, beide Teile können auch unabhängig voneinander kommen und werden erst am Ende zusammengefügt. Es muss aber beide Teile der Transaktion geben, sonst ist die Transaktion nicht gültig. In der Phase, in der noch nicht beide Teile erfolgreich stattgefunden haben, ist diese Transaktion in einer Art "Schwebezustand", in der Phase der "Biegsamkeit".

Mit einer Denial of Service Attacke in diesem Schwebezustand ist es relativ einfach, die Computer der Bitcoin-Börsen zu überlasten. Diese sind halt für x-Tausend Transaktionen am Tag ausgelegt. Also können diese Systeme auch nur genau diese Menge von x-Tausend Transaktionsbestätigungen bearbeiten; eine Transaktion zieht halt normalerweise nur eine Bestätigung nach sich. Ein Hacker kann falsche/ungültige Bestätigungen aber zu Tausenden innerhalb von Minuten erzeugen. Und jagt diese dann einfach gegen die IT-Systeme der Bitcoin-Wechselstuben. Die Systeme kommen mit dieser massiv erhöhten Anzahl von Anfragen nicht klar und ihnen bleibt nichts anderes übrig, als die Computer herunterzufahren.

Um dieses Problem zu umgehen, wurde in das Bitcoin-Protokoll (bzw. die Referenzimplementierung) eine Erweiterung eingebaut, die es nun viel einfacher ermöglicht, diese ungültigen Transaktionsbestätigungen zu erkennen und zu verwerfen. Damit werfen die IT-Systeme die ungültigen Bestätigungen einfach weg, statt diese aufwändig zu verarbeiten.

Da die entsprechende Änderung in die Standardsoftware schon eingebaut ist (Add option to avoid spending unconfirmed change · 1bbca24 · bitcoin/bitcoin · GitHub), wird sich dieses Problem wahrscheinlich in den nächsten Tagen erledigen. Die Bitcoin-Börsen müssen die Änderung jetzt in ihre Version der Software einbauen und diese dann in Betrieb nehmen. Das kann innerhalb von Stunden gehen, es kann aber auch noch ein paar Tage dauern. Da die meisten Börsen nahe an der Referenzimplementierung sind, gibt es aber begründete Hoffnung auf eine zügige Umsetzung.

Relativ sicher ist aber, dass die weiteren Börsen (also alle außer MtGox) kein grundlegendes Problem haben, und sich die Lage dort wahrscheinlich wieder beruhigen wird. Im Fall von MtGox wäre diese Aussage aber optimistisch. Zwar ist es auch dort wahrscheinlich, dass der aktuelle Fehler zu keinen grundlegenden Problemen geführt hat (also grundlegend im Sinn von "Geld ist weg"), wie lange die Aufräumarbeiten dauern, ist aber aktuell nicht abschätzbar. Vor allem weil Mt.Gox bisher mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit die Karten noch nicht auf den Tisch gelegt hat.

Alle Aussagen in diesem Update (und dem gesamten Artikel) sind mit großer Unsicherheit behaftet. MtGox erzählt IMHO nicht die ganze Wahrheit, auch bei anderen Aussagen ist nicht immer alles eindeutig. Ich bin so weit in die Details gegangen und habe versucht zu verstehen, was die Code-Änderung in der Bitcoin-Referenzimplementierung genau macht, aber da kommt man nicht in ein paar Minuten rein (auch weil es typischer Open-Source-Code ist, bei dem die Kommentare (durch die sich guter Code auszeichnet) nicht im Code, sondern in den dazugehörigen Mailinglisten findet ...). Am Ende sind nicht einmal die Aussagen von Falkvinge unvoreingenommen glaubwürdig, weil Falkevinge nach eigener Aussage seine gesamten Ersparnisse in Bitcoins angelegt hat. Er wird also einen Teufel tun, Bitcoins schlecht zu reden ...


P.S.
Vielleicht noch ganz lesenswert: Exchange Halts Payouts as DDoS Attack Pummels Bitcoin | Wired Enterprise | Wired.com



Update 8 (13.02.2014):

Hmm, und schon erscheint die Lage in einem noch ganz anderen Licht. Denis Arens meinte noch gestern in der Freakshow: Alles nicht so schlimm. Die Bitcoins sind an der richtigen Stelle (wer sie ausgegeben hat, hat sie nicht mehr, wer sie bekommen hat, sieht sie unter Umständen noch nicht), man sieht das nur unter Umständen nicht richtig. Das ist natürlich ein Problem, wenn man nicht weiss, wie viel Geld auf einem Konto ist, aber wenn der Kontostand ein paar Tage später wieder korrekt ins Haus flattert, wäre es unkritisch. Das Geld wäre ja da.

Nun trudelt aber die Nachricht ein, dass Silk Road 2 gehackt wurde. Und die gesamten Bitcoins, die Silk Road 2 verwaltet hat, weg sind. Dabei betont Silk Road 2 explizit, dass nicht der Rechner gehackt wurde, sondern das Geld über die Malleability Lücke gestohlen wurde:

deepdotweb: Silk Road 2 Hacked, All Bitcoins Stolen – $2.7 Miliion | Deep Dot Web

Das wäre natürlich gar nicht gut für das Vertrauen in Bitcoins, wenn sich Bitcoins einfach ohne Zugriff auf den Rechner (also quasi aus der Entfernung) stehlen lassen. Wenn man Zugriff auf die Wallet hat, kann man das Geld eh klauen. Aber das ist in der Realwelt beim Diebstahl des Portmonees nicht anders. Wenn man Geld aus der Entfernung von Konten abbuchen kann, bekommt das eine neue Qualität.

Wenn ich es richtig verstehe, hätte Silk Road 2 auch einfach die Auszahlungen einstellen können und wahrscheinlich müssen. Auch hätte Silk Road den Hack wohl auch mitbekommen können, wenn sie dem System die normale Aufmerksamkeit gewidmet hätten, was aber gerade nicht stattfand, weil man ein neues Feature fertig stellen wollte.

Jetzt könnte es noch sein, dass die bei Silk Road 2 Mist erzählen. Entweder weil sie selber die Bitcoins unterschlagen haben und die jetzt auf den Bermudas verprassen. Oder weil sie quasi dem von Denis geschilderten Problem aufgesessen sind: Sie glauben nur, dass das Geld weg ist, weil die Bitcoin-Wallets keine sinnvollen Beträge mehr anzeigen. Allerdings haben die ITler von Silk Road 2 keinen schlechten Ruf und ein so vergleichsweise einfacher Fehler sollte denen nicht passieren.

Etwas unklar ist auch, ob das Angriffsverfahren, das gegen Silk Road 2 gefahren wurde, auf alle Bitcoin-Wallets gefahren werden kann. Wenn ich es richtig verstehe, ist das nicht so. Direkte Transaktionen von einem Bitcoin-User zu einem anderen sind wohl "nur" in der von Denis geschilderten Art betroffen (Geld kommt an, man sieht es nur unter Umständen nicht). Es könnten aber alle Dienstleister betroffen sein, die Börsen für andere verwalten. Und das wäre schon einigermaßen schlimm und würde auch erklären, warum so viele Wechselstuben den Dienst eingestellt haben.

Es ist spät und ich bin müde. Aber ich muss euch wohl mit der Erkenntnis in die Nacht entlassen, dass das Malleability-Problem wohl doch schlimmer sein könnte als bisher gedacht.

Und es durchaus sei könnte, dass das einzige, was Bitcoins jetzt noch retten kann, dass die Wallets, in denen die gestohlenen Bitcoins jetzt stecken, bekannt sind. Und man darüber noch was retten kann.

Kurs um Mitternacht: etwas über 600$. Falls der noch was aussagt. Das Handelsvolumen dürfte angesichts der großen Anzahl geschlossener Börse im Moment ziemlich gering sein ...


Update 9 (14.02.2014):

Bei DeepDotWeb gibt es ein Update. Ohne weitere Details. Nur mit dem Verdacht, dass es sich um einen Scam handeln könnte. Also keinen Hack. Kann man noch nicht kommentieren, weil noch nichts klar ist ...

"Update 2: As the time passes there are more and more suspicions that this was in fact a SCAM by the Silk Road staff – and not a hack, we will post more details about it once, and if we get the full picture."

Hmmm. Geld in Steueroase gebracht? Oder einfach mal die Öffentlichkeit ver*rschen? Hmmm.

Update 10 (13:08):

Zu Silk Road 2 habe ich noch keine Neuigkeiten ...

Aber ein kleines Update zu meiner negativen Einschätzung von Mt Gox. Ob diese richtig ist, ist zwar noch unklar, aber die "Märkte" teilen sie auf jeden Fall.

Bei den Börsen Bitstamp (637,85$) und BTC-e (597$) bekommt man deutlich mehr für seine Bitcoins als bei Mt.Gox (327$). Anders gesagt: Die Kunden von Mt. Gox ziehen ziemlich panisch ihr Geld ab. Dadurch errechnet sich in der durchschnittlichen Einschätzung eines Mt.Gox Kunden eine Ausfallwahrscheinlichkeit von fast 50% für die Bitcoins bei Mt. Gox.

(Schöner Gedanke von @Makroint)

Wer jetzt wirklich tough ist und Bitcoins an sich und Mt. Gox im speziellen zutraut, die aktuellen Probleme zu fixen, könnte bei Mt.Gox Bitcoins ordern. Das ist aber nur was für die ganz Harten ... Meine negative Meinung zu Mt.Gox steht ja oben ausführlich ...

Update 11 (14:50):

Mal eine gute Nachricht aus dem Bitcoin-Universum. Die deutsche Wechselstube Bitcoin.de hat die Auszahlungen wieder aktiviert. Die Änderungen aus der Referenzsoftware wurden anscheinend eingepflegt und Bitcoin.de fühlt sich wieder sicher. Damit scheint sich das Bitcoin-Universum langsam wieder zu beruhigen, so wie es die Kern-Developer von Anfang an behauptet haben.

Update: Auszahlungen bei Bitcoin.de wieder aufgenommen – Malleable Transaktionen | Bitcoin Blog von Bitcoin.de

Ob das Mt.Gox auch so geht (oder ob da was Schwerwiegenderes schief gelaufen ist), müssen wir abwarten.

Update 12 (15.02):

Das Bitcoin Ökosystem stabilisiert sich weiter. Mit Bitstamp hat eine weitere Bitcoin Börse den ordnungsgemäßen Handel wieder geöffnet.

Bitcoin withdrawals are once again fully automated - Bitstamp

Update 13 (20:12):

Bei Mt Gox gibt es ein Info-Update. Es wird für Sonntag eine sechsstündige Komplett-Downtime angekündigt. Dabei soll der "Malleabilty"-Fehler behoben werden. Danach soll man wieder normal handeln können, allerdings wie aktuell ohne Auszahlungen. Diese sollen erst wieder ermöglicht werden, wenn das Software-Update wie gewünscht läuft.

Für Montag (Ortszeit, Japan) soll es ein Update geben.
https://www.mtgox.com/img/pdf/20140215-BTC-transfers.pdf

Update 14 (16.02.):

Der Abstand zwischen "Mt-Gox-Bitcoins" und normalen Bitcoins wächst weiter. Aktuell meldet Mt. Gox 241$ (es waren sogar schon nur 220$), Coindesk als Mittelkurs der anderen relevanten Börsen 561$. Das ist ein Abschlag von 57%.

Update 15 (23:06):

Es gibt ein neues Statement von Silk Road 2. Sie weisen darauf hin, dass aus ihrer Sicht nichts darauf hindeutet, dass das Geld von Silk Road weg ist, weil es ein Mitarbeiter gestohlen hat. Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass sie an ihrer "wir wurden remote gehackt"-These festhalten.

Ansonsten versprechen sie noch, dass alle ihr gestohlenes Geld zurückerhalten sollen. So lange Forderungen offen sind, sollen alle Einnahmen von Silk Road nur der Rückzahlung dienen. Aber das ist hier nicht so relevant, uns interessiert ja Bitcoin und nicht Silk Road 2 ...

Defcon’s Latest post: We Will Repay The Stolen Funds | Deep Dot Web

Update 16 (17.02.):

MtGox will auch wieder auszahlen. Der Kurs von "Mt.Gox-Bitcoins" hat sich auf gut 300 Dollar erhöht, der Spread ist etwas geschrumpft (Coindesk-Preisindex 621$, gut 50% Abstand).

Das WSJ meldet, dass Mt. Gox wieder auszahlt, ich sehe es aber eher als Ankündigung, dass nach Abschluss der ankündigten Maßnahmen (Reindizierung der gesamten Blockchain, etc.) wieder mit Auszahlungen begonnen werden kann. Planzeit dafür ist "spätestens Donnerstag".

https://www.mtgox.com/img/pdf/20140217-Announcement.pdf

Update 17 (20.02.):

Oh, ein Update von Mt. Gox. Verzögerungen beim Wiederanlauf des Systems. Man sei umgezogen (?), habe dabei ein paar Sicherheitsherausforderungen gehabt (?), ... Die Anleger denken nur "??????" und bekommen langsam richtig Panik. Der Kurs der Mt.Gox-Bitcoins liegt nur noch bei 137$, bei einem nur leicht gesunkenen Bitcoin-Durchschnittskurs von 589$. Das ist ein Abschlag von mehr als zwei Drittel (76,7%).

MT.Gox: 20140220 Announcement (PDF)

Update 18 (21.02.):

Die Mt.Gox Bitcoins kosteten heute Nacht nur noch 91,50 Dollar ...

Jetzt sieht es wieder besser aus (Mt. Gox 126, Coindesk Durchschnitt 562 -> Abschlag 77%). Wer also jetzt Bitcoins bei Mt Gox kauft und auch da wieder rausbekommt (also woandershin überweisen kann), vervierfacht seinen Einsatz. Bei hohem Risiko, denn im Moment geht ja kaum jemand davon aus, dass Mt Gox noch sinnvoll auszahlen kann ... Ansonsten wäre der Kurs ja nicht so niedrig ...

Wie der Spread explodiert ist, kann man schön in einer Grafik sehen:



Update 19 (25.02.):

Die Saga neigt sich dem Ende zu ...

Am Wochenende wurde bekannt, dass der Chef von Mt Gox seinen Sitz in der Bitcoin Foundation zurückgegeben hat. Kurz danach war der Twitter-Account von Mt.Gox auf einmal leer (sprich alle alten Tweets wurden gelöscht):



Und jetzt ist die Website leer, aber nicht down. Der Sourcecode der Homepage enthält:

< html >
 <head>
  <title>MtGox.com</title>
 </head>
 <body>
  <!-- put announce for mtgox acq here -->
 </body>
</html>

Wer jetzt immer noch optimistisch ist, versteht unter dem Kommentar einen Platzhalter für eine Übernahme-Ankündigung. Aber wie man schon an der Überschrift sieht, war ich nie wirklich optimistisch, was Mt Gox angeht ...

Update 20 (10:23):

MtGox sollen 744.000 Bitcoins gestohlen worden sein. Damit wäre zumindest die Frage geklärt, ob die Malleability Attacke nur theoretisch möglich war, oder auch praktisch genutzt wurde. Spätestens nach dem Silk Road 2 Hack lag mein Tipp ja schon auf: Das ist brandgefährlich und wird genutzt. Jetzt haben wir wohl die endgültige Gewissheit.

744.000 Bitcoins à (damals) 1.000 Dollar sind übrigens ein Wort ... 744 Millionen Dollar. Wow. (Das sind übrigens etwa 6% aller umlaufenden Bitcoins)

Gut, dass der Posträuber Ronald Biggs das nicht mehr erleben muss. Der würde ja Minderwertigkeitskomplexe bekommen ;)

Apparent Theft at Mt. Gox Shakes Bitcoin World - NYTimes.com

Die Frage, ob MtGox das überleben kann, stellt sich IMHO nicht mehr. Das ist durch, wenn sich die Anzahl der gestohlenen Bitcoins nur annähernd in dieser Größenordnung bewegt ...

Der Bitcoin Kurs zeigt sich überraschend stabil. Klar, es geht nach unten (-15% auf 470$), und es war auch schon deutlich weniger (420$ heute Nacht). Aber angesichts dieser nun als sicher geltenden Sicherheitslücke finde ich das noch wenig. (Einen MtGox-Vergleichskurs kann ich logischerweise nicht mehr liefern ...)

Was ich jedoch viel schlimmer finde: MtGox wurde schnell vorgeworfen, dass das Malleability-Problem schon lange bekannt sei und MtGox das Problem hätte stopfen müssen. Nur: Die anderen Börsen und die Referenzsoftware haben das Loch auch erst gestopft, als MtGox wahrscheinlich schon viele Bitcoins abhanden gekommen waren. Und zu diesem Zeitpunkt wurde das Problem immer noch verharmlost und die Größe des Sicherheitslochs nicht erkannt.

Das lässt mich grundsätzlich an der Fähigkeit der Bitcoin-Techniker zweifeln,

a) solche Probleme zu erkennen,
b) sauber zu kommunizieren und
c) schnell zu beheben.

Anders gesagt: Wir reden hier über eine Crypto-Währung und in der Crypto-Szene dürfte sich Bitcoin mit dieser unprofessionellen Reaktion nicht mehr blicken lassen ...

Update 21 (10:32):

Ich bin nicht der Einzige, der die ganze Sache sehr skeptisch sieht. Es springen auch Early Adopter ab und sprechen von einer Apokalypse für Bitcoins (also nicht nur für MtGox). Das Vertrauen ist auf jeden Fall massiv erschüttert ...

The Two-Bit Idiot: Bitcoin’s Apocalyptic Moment: Mt. Gox may have lost 750,000 bitcoins

Update 22 (11:22):

Hier ist übrigens das geleakte Dokument (mutmaßlich ein internes Papier von MtGox), das über den aktuellen Status und die Zukunft von MtGox berichtet. Die wollen den Laden wirklich neu starten? Als ob denen noch mal jemand Geld anvertrauen würde ...

MtGox Situation: Crisis Strategy Draft

Update 23 (18:24):

Ich wüsste ja zu gerne, wem diese Bitcoin Adresse gehört ... 782.559 Bitcoins sind dadurch gelaufen ..

Blockchain Info: 1Drt3c8pSdrkyjuBiwVcSSixZwQtMZ3Tew


Update 24 (20:34):

Oh, MtGox hat ein neues Statement draußen:

In voller epischer Breite:

Dear MtGox Customers,

In light of recent news reports and the potential repercussions on MtGox's operations and the market, a decision was taken to close all transactions for the time being in order to protect the site and our users. We will be closely monitoring the situation and will react accordingly.

Best regards,
MtGox Team

Aktueller Kurs übrigens wieder 518$, d.h. nur noch ein moderater Rückgang von etwa 5% gegenüber gestern. Die MtGox Pleite überrascht niemanden mehr, der Bug auch nicht, man fühlt sich nicht unsicherer als zuvor. Es gibt einen Bug, der ist mit einem Hotfix gefixt und der wird noch einmal richtig gefixt.

Aus der Börsianersicht könnte man sagen, dass die zittrigen Hände schon aus Bitcoins ausgestiegen sind und jetzt nur noch die starken Hände Bitcoins halten. Und daher ein stärkerer Einbruch ausbleibt. Ich hätte noch mehr spekulative und zittrige Anleger erwartet, aber anscheinend sind die schon alle weg. Und die Mehrheit schätz die Bitcoin-Kernentwickler weiterhin positiv ein, auch wenn die Reaktion IMHO keineswegs optimal war.

Update 25 (26.02.):

Noch ein Statement:

Dear MtGox Customers,

As there is a lot of speculation regarding MtGox and its future, I would like to use this opportunity to reassure everyone that I am still in Japan, and working very hard with the support of different parties to find a solution to our recent issues.

Furthermore I would like to kindly ask that people refrain from asking questions to our staff: they have been instructed not to give any response or information. Please visit this page for further announcements and updates.

Sincerely,
Mark Karpeles

Mark Karpeles ist der Gründer von MTGox.

Update 26 (28.02.):

So, jetzt ist MtGox auch offiziell pleite. 63,6 Mio. Dollar Schulden. 750.000 Bitcoins von Kunden, 100.000 von MtGox weg.

Virtuelle Währung: Bitcoin-Börse ist pleite - Rohstoffe Devisen - Finanzen - Handelsblatt

Inzwischen ermittelt übrigens auch das FBI gegen MtGox ...

FBI Probing MtGox - Business Insider

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