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von Dieter Meyeer am Donnerstag, Januar 19, 2012
Die Frage ist durchaus spannend: Wieso sind Prostituierte so vergleichsweise teuer, obwohl keine Ausbildung nötig ist und es damit eigentlich jeder machen kann.
"Prostitution ist eine Tätigkeit, die keine Ausbildung braucht, arbeitsintensiv ist und hauptsächlich von Frauen durchgeführt wird. Und trotzdem, und jetzt kommt das Rätsel, sind Prostituierte im Durchschnitt gut bezahlt. Wie kann das sein? "
Wie würde man das als Ökonomie-Laie erklären? Klar: Angebot und Nachfrage. Der Job macht halt (bis auf gaaaaant seltene Ausnahmen) niemandem Spaß, ist gesellschaftlich geächtet und auch aus gesundheitlicher Sicht unter Umständen nicht ganz ungefährlich. Ergo: Das Angebot an Arbeitskräften ist gering.
"Als Laie würde man naiv vermuten, dass attraktive und gleichzeitig sexbereite junge Frauen relativ knapp sind, und sich deshalb ein relativ hoher Preis bildet."
Aber wenn man erst mal richtig studiert hat und man richtig lange im Wissenschaftsbetrieb steckt, reicht eine solche Simpel-Erklärung natürlich nicht.
Es werden jede Menge andere mögliche Ursachen untersucht (schenke ich mir hier, dazu bitte den Artikel lesen, ist nicht sehr lang), was natürlich völlig richtig ist. Wenn man am Ende nicht einen der anderen, wesentlich unwichtigeren Effekte zum entscheidenden erklären würde und diesen - man ist ja Wissenschaftler - auch gleich in ein Modell mit 14 Gleichungen (das auf 19 Seiten erklärt wird) gießen würde.
Der angeblich wichtige Zusammenhang ist übrigens dieser: Prostituierte senken ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt. Diese gesenkten Chancen (auch auf zukünftige Einkommen) werden über das hohe Einkommen bei Prostitution ausgeglichen.
Gesundheitliche Gefahren? Nicht existent.
Ekel? Nicht existent.
Zuhälter, die sich die Taschen voll machen? Nicht existent! Unter Umständen stimmt die Grundannahme, dass Prostituierte sehr viel verdienen, nämlich gar nicht, weil nur ein Bruchteil des Gelds bei ihnen ankommt. Wurde hier empirisch nachgeforscht?
Das ist sicherlich ein außergewöhnlich schlimmes Beispiel für das Elfenbeinturmdenken in der Ökonomie. Man zerbricht sich den Kopf über ein Problem, beleuchtet es von allen Seiten, macht ein paar unrealistische Annahmen und kann dann einen unwichtigen Nebeneffekt in hochkomplexe Gleichungssysteme gießen. Damit kommt man in die angesehenen Fachjournale und wird berühmt. Am besten ist es, wenn sich jede Menge weiterer Wissenschaftler auf die eigene Arbeit beziehen, weil dann der wissenschaftliche Wert weiter steigt.
Leider - für den Stand der Ökonomie - ist das in diesem Fall passiert. Es gab zwar auch Kritik, wenn auch nicht die (IMHO angebrachte) vernichtende, aber vielfach wurde auf den "hochinteressanten Erkenntnissen" weiter geforscht.
Warum sagt da nicht einfach einer mal laut: UNFUG!
Wo bleibt der gesunde Menschenverstand? Sind die Annahmen realistisch? Kann das Modell so noch einen Sinn ergeben?
Irgendwie erinnert das alles - wenn auch auf höherem Niveau - an die Kapitänsfrage. Dabei werden Kinder gefragt, wie alt ein Kapitän ist, der auf seinem Schiff 26 Ziegen und 10 Schafe transportiert. Der Anteil der Kinder, der die Frage völlig sinnfrei ausrechnet (Alter = 26 + 10), steigt mit der Zeit in der Schule deutlich an (siehe Spiegel). Hauptsache, es wird irgendwas gerechnet, man ist ja im Matheunterricht. Und so ähnlich scheint es mir in der Ökonomie zu sein: Hauptsache man kann irgendeinen Zusammenhang finden (egal wie unwichtig der ist) und diesen in eine (oder mehrere) Formeln gießen. Sicherlich nicht immer (es rechnen ja auch nicht alle Kinder Ziegen und Schafe zusammen), aber eben doch noch viel zu oft ...
(Das war ein Wettbewerb für Attention grabbing Headlines ;-) )
Update (21:47)
In den Kommentaren hat Venus (laut eigener Aussage aus dem Gewerbe) ein paar interessante Anmerkungen gemacht:
a) Nicht nur junge Frauen sind Huren.
b) Es gibt verheiratete Frauen.
Das sind Punkte als Kritik an der Studie, das scheint alles nicht drin zu sein.
Und dann noch drei Punkte, die sich auf meinen Artikel beziehen:
c) Es gibt Huren, die Spaß am Job haben.
d) Zuhälter sind nicht so üblich wie allgemein angenommen wird.
e) Ekel ist kein Kriterium, Huren können auch Nein sagen.
Die Einschätzung muss man sicher nicht teilen, aber auch die letzten Punkte stimmen sicherlich für einige (viele?) Huren und zeigen eigentlich auch nochmal, wie stark die Studie die Wirklichkeit vereinfacht. So stark, dass sie eigentlich zu nichts mehr taugt ...
Update (21.01.12):
Beim Wirtschaftwurm gibt es noch einen ganz interessanten Kurzcheck der anderenVorwürfe an die Ökonomik: Die Forschung sei zu theoretisch, zu wenig empirisch, fast ausschließlich neoklassischen Denkmodellen verpflichtet und nicht zuletzt zu amerikanisch.
Die Frage ist durchaus spannend: Wieso sind Prostituierte so vergleichsweise teuer, obwohl keine Ausbildung nötig ist und es damit eigentlich jeder machen kann.
"Prostitution ist eine Tätigkeit, die keine Ausbildung braucht, arbeitsintensiv ist und hauptsächlich von Frauen durchgeführt wird. Und trotzdem, und jetzt kommt das Rätsel, sind Prostituierte im Durchschnitt gut bezahlt. Wie kann das sein? "
Wie würde man das als Ökonomie-Laie erklären? Klar: Angebot und Nachfrage. Der Job macht halt (bis auf gaaaaant seltene Ausnahmen) niemandem Spaß, ist gesellschaftlich geächtet und auch aus gesundheitlicher Sicht unter Umständen nicht ganz ungefährlich. Ergo: Das Angebot an Arbeitskräften ist gering.
"Als Laie würde man naiv vermuten, dass attraktive und gleichzeitig sexbereite junge Frauen relativ knapp sind, und sich deshalb ein relativ hoher Preis bildet."
Aber wenn man erst mal richtig studiert hat und man richtig lange im Wissenschaftsbetrieb steckt, reicht eine solche Simpel-Erklärung natürlich nicht.
Es werden jede Menge andere mögliche Ursachen untersucht (schenke ich mir hier, dazu bitte den Artikel lesen, ist nicht sehr lang), was natürlich völlig richtig ist. Wenn man am Ende nicht einen der anderen, wesentlich unwichtigeren Effekte zum entscheidenden erklären würde und diesen - man ist ja Wissenschaftler - auch gleich in ein Modell mit 14 Gleichungen (das auf 19 Seiten erklärt wird) gießen würde.
Der angeblich wichtige Zusammenhang ist übrigens dieser: Prostituierte senken ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt. Diese gesenkten Chancen (auch auf zukünftige Einkommen) werden über das hohe Einkommen bei Prostitution ausgeglichen.
Gesundheitliche Gefahren? Nicht existent.
Ekel? Nicht existent.
Zuhälter, die sich die Taschen voll machen? Nicht existent! Unter Umständen stimmt die Grundannahme, dass Prostituierte sehr viel verdienen, nämlich gar nicht, weil nur ein Bruchteil des Gelds bei ihnen ankommt. Wurde hier empirisch nachgeforscht?
Das ist sicherlich ein außergewöhnlich schlimmes Beispiel für das Elfenbeinturmdenken in der Ökonomie. Man zerbricht sich den Kopf über ein Problem, beleuchtet es von allen Seiten, macht ein paar unrealistische Annahmen und kann dann einen unwichtigen Nebeneffekt in hochkomplexe Gleichungssysteme gießen. Damit kommt man in die angesehenen Fachjournale und wird berühmt. Am besten ist es, wenn sich jede Menge weiterer Wissenschaftler auf die eigene Arbeit beziehen, weil dann der wissenschaftliche Wert weiter steigt.
Leider - für den Stand der Ökonomie - ist das in diesem Fall passiert. Es gab zwar auch Kritik, wenn auch nicht die (IMHO angebrachte) vernichtende, aber vielfach wurde auf den "hochinteressanten Erkenntnissen" weiter geforscht.
Warum sagt da nicht einfach einer mal laut: UNFUG!
Wo bleibt der gesunde Menschenverstand? Sind die Annahmen realistisch? Kann das Modell so noch einen Sinn ergeben?
Irgendwie erinnert das alles - wenn auch auf höherem Niveau - an die Kapitänsfrage. Dabei werden Kinder gefragt, wie alt ein Kapitän ist, der auf seinem Schiff 26 Ziegen und 10 Schafe transportiert. Der Anteil der Kinder, der die Frage völlig sinnfrei ausrechnet (Alter = 26 + 10), steigt mit der Zeit in der Schule deutlich an (siehe Spiegel). Hauptsache, es wird irgendwas gerechnet, man ist ja im Matheunterricht. Und so ähnlich scheint es mir in der Ökonomie zu sein: Hauptsache man kann irgendeinen Zusammenhang finden (egal wie unwichtig der ist) und diesen in eine (oder mehrere) Formeln gießen. Sicherlich nicht immer (es rechnen ja auch nicht alle Kinder Ziegen und Schafe zusammen), aber eben doch noch viel zu oft ...
(Das war ein Wettbewerb für Attention grabbing Headlines ;-) )
Update (21:47)
In den Kommentaren hat Venus (laut eigener Aussage aus dem Gewerbe) ein paar interessante Anmerkungen gemacht:
a) Nicht nur junge Frauen sind Huren.
b) Es gibt verheiratete Frauen.
Das sind Punkte als Kritik an der Studie, das scheint alles nicht drin zu sein.
Und dann noch drei Punkte, die sich auf meinen Artikel beziehen:
c) Es gibt Huren, die Spaß am Job haben.
d) Zuhälter sind nicht so üblich wie allgemein angenommen wird.
e) Ekel ist kein Kriterium, Huren können auch Nein sagen.
Die Einschätzung muss man sicher nicht teilen, aber auch die letzten Punkte stimmen sicherlich für einige (viele?) Huren und zeigen eigentlich auch nochmal, wie stark die Studie die Wirklichkeit vereinfacht. So stark, dass sie eigentlich zu nichts mehr taugt ...
Update (21.01.12):
Beim Wirtschaftwurm gibt es noch einen ganz interessanten Kurzcheck der anderenVorwürfe an die Ökonomik: Die Forschung sei zu theoretisch, zu wenig empirisch, fast ausschließlich neoklassischen Denkmodellen verpflichtet und nicht zuletzt zu amerikanisch.
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von Dieter Meyeer am Freitag, Januar 13, 2012
So, jetzt ist es raus. Standard & Poors hat zwar angekündigt, die Ratings zeitnah nach dem Euro-Krisengipfel am 9.12. zu aktualisieren, das hat sich dann aber doch etwas hingezogen.
Ex-Triple-A-Länder:
Frankreich: Jetzt AA+, eine Stufe runter von AAA. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Österreich: Jetzt AA+, eine Stufe runter von AAA. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Das Triple-A-Rating des EFSF ist damit auch Geschichte, was ich aber nicht für so tragisch halte. Bald gibt es nichts mehr mit AAA-Rating, dann kann man eben auch eine Stufe drunter sein. Offiziell gibt es zum EFSF nichts, aber das kam früher auch immer erst ein paar Tage später.
2 Stufen runter:
Italien: Jetzt BBB+, zwei Stufen runter von A. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Spanien: Jetzt A, zwei Stufen runter von AA-. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Portugal: Jetzt BB, zwei Stufen runter von BBB-. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Zypern: Jetzt BB+, zwei Stufen runter von BBB. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Portugal und Zypern sind damit nun offiziell Junk.
Eine Stufe runter:
Malta: Jetzt A-, eine Stufe runter von A. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Slowakei: Jetzt A, eine Stufe runter von A+. Ausblick stabil. (Quelle, Begründung)
Slowenien: Jetzt AA, eine Stufe runter von AA-. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Und keine Panik: Es gibt wichtigeres, dieser Planet bleibt der schönste, den ich kenne ;-)
Update (14.01.12):
Sehr interessante Grafik, die die aktuellen Ratings der Länder (jeweils den Durchschnitt der drei großen Ratingagenturen vermute ich) und die am Markt bezahlten Preise für Kreditausfallversicherungen vergleicht.
Die Linie in der Mitte ist der Durchschnitt. An der Vertikalen sind die Ratings eingetragen (unten ist AAA, oben ist Junk), an der Horizontalen sind die Kosten für Kreditausfallversicherungen eingetragen.
Alle Länder, die unten rechts unterhalb der Linie sind, werden vom Markt negativer gesehen als von den Ratingagenturen, Länder links oberhalb sieht der Markt besser als die Ratingagenturen. Oben vor allem Emerging Markets (Vietnam, Türkei, Indonesien, Brasilien, ...), unten vor allem Europa ... Am weitesten weg von der Linie (hier ist die positive Abweichung der Ratingagenturen von der Marktmeinung am größten) sind:
Die FAQ von S&P ist ganz cool ... Also eigentlich eine Watschn für die gesammelten EU-Politiker ...
Die Gefahren:
(1) tightening credit conditions,
(2) an increase in risk premiums for a widening group of eurozone issuers,
(3) a simultaneous attempt to delever by governments and households,
(4) weakening economic growth prospects, and
(5) an open and prolonged dispute among European policymakers over the proper approach to address challenges.
Besonders Punkt 5 sollte den Politikern zu denken geben.
Es geht dann weiter: Der EU-Gipfel hätte keinen Durchbruch gebracht und schlimmer noch: Die Gründe der Krisen wären nur teilweise verstanden worden. Deshalb hat S&P das Rating für die Politik gesenkt, das eines der fünf entscheidenden für das Gesamtrating ist. Die Effektivität, Stabilität und Berechenbarkeit seit nicht so hoch wie bisher geschätzt, so S&P.
Egal wie viel man über Ratingagenturen meckern möchte, diese Watschn sitzt IMHO.
Nett von S&P: Heute haben die Ratingexperten den europäischen Politikern das Nachdenken über den EFSF abgenommen. Dort war die Frage, ob die Garantien, die die verbleibenden Triple-A- Länder vergeben haben, aufgestockt werden, ob die Vergabesumme gesenkt werden soll oder ob der EFSF einfach abgewertet werden soll (was wohl Merkels bevorzugte Alternative war). Nun gut, jetzt ist das Dingen auf auf AA+ herabgestuft und damit hat sich dieses Problem erledigt. Auch mal was. Die FAZ nimmt's sportlich ... (man achte auf die Rubrik ;-) ):
Heute hat S&P auch noch einen Haufen Banken aus den Ländern herabgestuft, die ihren Sitz in den Ländern haben, die am Freitag herabgestuft wurden.
Datum, Zahl der Banken und etwas panikschürenden Text an dieser Stelle einsetzen ;-)
Update 5 (16.01.12):
Ach so, erwähnen wollte ich noch, dass nach Fitch (vor ein paar Tagen) heute auch die dritte große Ratingagentur Moody's das Rating Frankreichs explizit bestätigt hat.
Generell gingen die Abwertungen an den Finanzmärkten ohne größere Verwerfungen vorüber. Bei den großen Ländern tat sich kaum etwas. Auch die Aktien ließen sich nicht beeindrucken.
Ein Land war allerdings eine Ausnahme: Portugal. Hier explodierte die Rendite der zweijährigen Staatsanleihe von 12,7 auf 15,8%. 310 Basispunkte an einem Tag sind natürlich dramatisch, allerdings warf die Anleihe vor weniger als drei Monaten auch schonmal mehr als 20 Prozent ab.
Grund für den extremen Sprung heute: Mit der Abwertung auf Junk fliegen die portugiesischen Staatsanleihen nun aus allen großen Rentenindizes. Viele große Anleger orientieren sich daran und sind nun zum Verkauf gezwungen.
Der Einbruch bei den portugiesischen Staatsanleihen geht übrigens auch darauf zurück, dass Portugal mit der Herabstufung durch S&P jetzt bei keiner der drei großen Ratingagenturen mehr Investmentqualität hat. Damit sind die Anleihen eigentlich nicht mehr der EZB als Sicherheit hinterlegbar, man bekommt also als Bank für portugiesische Staatsanleihen kein Geld mehr bei der EZB. Weil die portugiesischen Banken vor allem portugiesische Staatsanleihen halten, sind diese damit defakto von der Refinanzierung durch die EZB abgeschnitten.
Wenn nicht die EZB seit der Krise beschlossen hätte, dass auch die Ratings der kanadischen Ratingagentur DBRS "gültig" sind und diese hat Portugal noch auf BBB (neg), also ganz knapp Noch-Investmentqualität. Dass diese vierte Ratingagentur von der EZB anerkannt wird, ist mir ganz entgangen. DBRS hat eine Überprüfung der Euroländer für den 19. Januar angekündigt.
Allerdings sollte man das auch nicht zu hoch aufhängen, denn griechische Staatsanleihen akzeptiert die EZB auch noch. Als dort das letzte Investmentqualitätsrating verloren ging, schaffte die EZB schnell eine Sonderregelung. Das wird im Fall von Portugal auch passieren ...
Worüber man sich eher Sorgen machen sollte, ist die Qualität der Assets bei der EZB. Das wird nicht nur immer mehr, sondern auch immer schlechter. Aber das ist dann wirklich ein Thema für ein neues Posting ...
Trinkaus fragt sich übrigens auch, ob die europäischen Banken herabgestuft werden, also z.B. die Europäische Investmentbank (EIB).
Update 7 (19.01.12).
Die im Satz zuvor "angekündigte" Herabstufung der EIB gab's übrigens gestern:
So, jetzt ist es raus. Standard & Poors hat zwar angekündigt, die Ratings zeitnah nach dem Euro-Krisengipfel am 9.12. zu aktualisieren, das hat sich dann aber doch etwas hingezogen.
Ex-Triple-A-Länder:
Frankreich: Jetzt AA+, eine Stufe runter von AAA. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Österreich: Jetzt AA+, eine Stufe runter von AAA. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Das Triple-A-Rating des EFSF ist damit auch Geschichte, was ich aber nicht für so tragisch halte. Bald gibt es nichts mehr mit AAA-Rating, dann kann man eben auch eine Stufe drunter sein. Offiziell gibt es zum EFSF nichts, aber das kam früher auch immer erst ein paar Tage später.
2 Stufen runter:
Italien: Jetzt BBB+, zwei Stufen runter von A. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Spanien: Jetzt A, zwei Stufen runter von AA-. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Portugal: Jetzt BB, zwei Stufen runter von BBB-. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Zypern: Jetzt BB+, zwei Stufen runter von BBB. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Portugal und Zypern sind damit nun offiziell Junk.
Eine Stufe runter:
Malta: Jetzt A-, eine Stufe runter von A. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Slowakei: Jetzt A, eine Stufe runter von A+. Ausblick stabil. (Quelle, Begründung)
Slowenien: Jetzt AA, eine Stufe runter von AA-. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Und keine Panik: Es gibt wichtigeres, dieser Planet bleibt der schönste, den ich kenne ;-)
Update (14.01.12):
Sehr interessante Grafik, die die aktuellen Ratings der Länder (jeweils den Durchschnitt der drei großen Ratingagenturen vermute ich) und die am Markt bezahlten Preise für Kreditausfallversicherungen vergleicht.
Die Linie in der Mitte ist der Durchschnitt. An der Vertikalen sind die Ratings eingetragen (unten ist AAA, oben ist Junk), an der Horizontalen sind die Kosten für Kreditausfallversicherungen eingetragen.
Alle Länder, die unten rechts unterhalb der Linie sind, werden vom Markt negativer gesehen als von den Ratingagenturen, Länder links oberhalb sieht der Markt besser als die Ratingagenturen. Oben vor allem Emerging Markets (Vietnam, Türkei, Indonesien, Brasilien, ...), unten vor allem Europa ... Am weitesten weg von der Linie (hier ist die positive Abweichung der Ratingagenturen von der Marktmeinung am größten) sind:
Die FAQ von S&P ist ganz cool ... Also eigentlich eine Watschn für die gesammelten EU-Politiker ...
Die Gefahren:
(1) tightening credit conditions,
(2) an increase in risk premiums for a widening group of eurozone issuers,
(3) a simultaneous attempt to delever by governments and households,
(4) weakening economic growth prospects, and
(5) an open and prolonged dispute among European policymakers over the proper approach to address challenges.
Besonders Punkt 5 sollte den Politikern zu denken geben.
Es geht dann weiter: Der EU-Gipfel hätte keinen Durchbruch gebracht und schlimmer noch: Die Gründe der Krisen wären nur teilweise verstanden worden. Deshalb hat S&P das Rating für die Politik gesenkt, das eines der fünf entscheidenden für das Gesamtrating ist. Die Effektivität, Stabilität und Berechenbarkeit seit nicht so hoch wie bisher geschätzt, so S&P.
Egal wie viel man über Ratingagenturen meckern möchte, diese Watschn sitzt IMHO.
Nett von S&P: Heute haben die Ratingexperten den europäischen Politikern das Nachdenken über den EFSF abgenommen. Dort war die Frage, ob die Garantien, die die verbleibenden Triple-A- Länder vergeben haben, aufgestockt werden, ob die Vergabesumme gesenkt werden soll oder ob der EFSF einfach abgewertet werden soll (was wohl Merkels bevorzugte Alternative war). Nun gut, jetzt ist das Dingen auf auf AA+ herabgestuft und damit hat sich dieses Problem erledigt. Auch mal was. Die FAZ nimmt's sportlich ... (man achte auf die Rubrik ;-) ):
Heute hat S&P auch noch einen Haufen Banken aus den Ländern herabgestuft, die ihren Sitz in den Ländern haben, die am Freitag herabgestuft wurden.
Datum, Zahl der Banken und etwas panikschürenden Text an dieser Stelle einsetzen ;-)
Update 5 (16.01.12):
Ach so, erwähnen wollte ich noch, dass nach Fitch (vor ein paar Tagen) heute auch die dritte große Ratingagentur Moody's das Rating Frankreichs explizit bestätigt hat.
Generell gingen die Abwertungen an den Finanzmärkten ohne größere Verwerfungen vorüber. Bei den großen Ländern tat sich kaum etwas. Auch die Aktien ließen sich nicht beeindrucken.
Ein Land war allerdings eine Ausnahme: Portugal. Hier explodierte die Rendite der zweijährigen Staatsanleihe von 12,7 auf 15,8%. 310 Basispunkte an einem Tag sind natürlich dramatisch, allerdings warf die Anleihe vor weniger als drei Monaten auch schonmal mehr als 20 Prozent ab.
Grund für den extremen Sprung heute: Mit der Abwertung auf Junk fliegen die portugiesischen Staatsanleihen nun aus allen großen Rentenindizes. Viele große Anleger orientieren sich daran und sind nun zum Verkauf gezwungen.
Der Einbruch bei den portugiesischen Staatsanleihen geht übrigens auch darauf zurück, dass Portugal mit der Herabstufung durch S&P jetzt bei keiner der drei großen Ratingagenturen mehr Investmentqualität hat. Damit sind die Anleihen eigentlich nicht mehr der EZB als Sicherheit hinterlegbar, man bekommt also als Bank für portugiesische Staatsanleihen kein Geld mehr bei der EZB. Weil die portugiesischen Banken vor allem portugiesische Staatsanleihen halten, sind diese damit defakto von der Refinanzierung durch die EZB abgeschnitten.
Wenn nicht die EZB seit der Krise beschlossen hätte, dass auch die Ratings der kanadischen Ratingagentur DBRS "gültig" sind und diese hat Portugal noch auf BBB (neg), also ganz knapp Noch-Investmentqualität. Dass diese vierte Ratingagentur von der EZB anerkannt wird, ist mir ganz entgangen. DBRS hat eine Überprüfung der Euroländer für den 19. Januar angekündigt.
Allerdings sollte man das auch nicht zu hoch aufhängen, denn griechische Staatsanleihen akzeptiert die EZB auch noch. Als dort das letzte Investmentqualitätsrating verloren ging, schaffte die EZB schnell eine Sonderregelung. Das wird im Fall von Portugal auch passieren ...
Worüber man sich eher Sorgen machen sollte, ist die Qualität der Assets bei der EZB. Das wird nicht nur immer mehr, sondern auch immer schlechter. Aber das ist dann wirklich ein Thema für ein neues Posting ...
Trinkaus fragt sich übrigens auch, ob die europäischen Banken herabgestuft werden, also z.B. die Europäische Investmentbank (EIB).
Update 7 (19.01.12).
Die im Satz zuvor "angekündigte" Herabstufung der EIB gab's übrigens gestern:
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von Dieter Meyeer am Mittwoch, Januar 11, 2012
und neun weitere Prognosen für 2012.
Der Herdentrieb ja eines der lesenswertesten Wirtschaftsblogs in Deutschland und eigentlich kommentiere ich die Wetten am Jahresanfang immer, manchmal dort, manchmal hier. Dieses Jahr mal hier (auch, weil ich wohl kein zweites längeres Posting heute mehr schaffe). Kursiv ist jeweils meine Einschätzung, die ausführliche Begründung für die Herdentrieb-Einschätzung gibt's dort drüben.
1. Griechenland gerät in ungeordnete Insolvenz
Nein, glaube ich nicht. Das Land ist und bleibt zu klein, um es nicht irgendwie retten zu können. Es wird IMHO einen Haircut für die privaten Gläubiger geben, dem ein noch tieferer Haircut der öffentlichen Gläubiger folgt. Aber alles geordnet. NACK.
2. Bilanzsumme der EZB steigt auf mehr als 4 Billionen Euro
Kein Contra von mir, das könnte gut so enden. Dazu bedarf es aber auch keiner ungeordneten Insolvenz Griechenlands. Die Bilanzsumme stieg 2011 von etwa 2 auf 2,7 Billionen. Ob es 4 am Ende des Jahres werden? Keine Ahnung, aber alles unter 3,5 Billionen würde mich überraschen. Eher ein ACK.
3. Leitzinsen in Euroland sinken auf 0,50%
ACK.
4. Euroland BIP wird 2012 um 0,5% sinken.
ACK für die Richtung, NACK für die Summe, das wird mehr. Das Deutschland BIP 2012 sieht der Herdentrieb bei +0,5, da bin ich bekanntlich ja auch pessimistischer ...
5. Inflation in Euroland: 2,0%
ACK. Auf jeden Fall bis auf weiteres keine Inflationsgefahr.
6. Rohstoffpreise gemessen am GSCI sinken um 15%
Hier würde ich ja fast widersprechen, weil ich glaube, dass die Rohstoffpreise schon vergleichsweise viel Deleveraging und Wirtschaftsabkühlung einpreisen. Vor allem aber wird dort eine Menge des um den Globus vagabondieren Geldes dort landen. Allerdings ist meine Wachstumsprognose so viel pessimistischer, dass ich da eigentlich nicht gegenhalten kann. Da der GSCI überwiegend aus Öl besteht, hängt die Wette am Ölpreis. Ich gebe mal ein nicht wirklich überzeugtes NACK, die Rohstoffpreise bleiben stabil, weil die Weltkonjunktur auch stabil bleibt.
7. Euro fällt auf 1,20 zum Dollar
Auch hier widersprechen sich meine fundamentale und meine markttechnische Einschätzung. Fundamental müsste der Euro natürlich sinken (bei Rezession in Euroland und stabilem Wachstum in den USA), allerdings glaube ich, dass der Markt davon schon viel eingepreist hat. OK, hier halte ich insgesamt dagegen. Der Euro wird eher bei 1,30 als bei 1,20 liegen. Ergo: NACK.
8. Rendite der Bundesanleihen sinkt weiter auf 1,5% (aktuell 1,9%).
In Zeiten, in denen Deflation droht oder herrscht, können Renditen wesentlich tiefer sinken als man sich das am Anfang vorstellen kann (siehe Japan). Allerdings glaube ich, dass in den deutschen Anleihen aktuell sehr viel Sicherheitsbonus steckt, der sich im Laufe des Jahres verflüchtigen wird. Weil die Anleger merken, dass Deutschland nicht unangreifbar ist und 83% Staatsschulden/BIP so wenig auch nicht sind. Das werden die zurückgehenden Inflationserwartungen nicht aufwiegen, so dass ich mir kein weiteres deutliches Absinken der Renditen vorstellen kann. Also: NACK.
9. DAX sinkt auf 5.500 (aktuell 6.100), S&P auf 1.200 (aktuell 1.280).
Als wenn Konjunkturwetten nicht schon schwierig genug wären ... Börsenkurse vorhersagen geht doch noch weniger ... Deutsche Aktien sind sehr preiswert, wenn die Wirtschaft nicht einbrechen sollte. Dummerweise erwarte ich das ... Daher: Ich habe keine Ahnung, wo der DAX am Ende des Jahres steht, allerdings würde es mich nicht wundern, wenn er entgegen der aktuellen Erwartungen steigt. Denn Ende 2012 zählt ja auch nicht, was 2012 war, sondern was 2013 oder 2014 erwartet wird. Und das weiss der Teufel ... Ich tippe aber eher auf Aufhellung und das werden die Börsenkurse zum Jahresende bereits vorwegnehmen. Außerdem ist genug Geld da. Auch hier gebe ich ein (weil sich Börsenkurse nicht vorhersagen lassen) unsicheres NACK. Der DAX bleibt stabil oder steigt sogar.
10. Die Koalition in Berlin überlebt 2012 nicht.
Lieblingswette der Herdentrieb-Jungs. Die gab's 2011 schon. Damals habe ich dagegen gehalten, dieses Mal bin ich mir weniger sicher. Aus der extrem schwachen FDP kann man den sprichwörtlichen angeschlagenen und daher unberechenbaren Boxer machen. Andererseits kann man auch eine Partei sehen, die einfach keinen großen Widerstand mehr leisten kann (Neuwahl=Weg vom Fenster). Ich tippe auf letzteres und sage: Schwarz-Gelb überlebt auch 2012 noch. Deutschland ist nicht Griechenland. Hier schweissen Krisen Koalitionen zusammen ... (Pathetische Worte ...). Also: NACK.
So viele NACKs (steht übrigens für "not acknowledged", nicht bestätigt) hatte ich noch nie. Ganz schon frech bin ich heute ;-)
Was meint denn ihr? (Wenn ihr ACK/NACK schreibt, dann bitte auf die Einschätzung im Herdentrieb bezogen. Sonst kommen wir durcheinander)
Der Herdentrieb ja eines der lesenswertesten Wirtschaftsblogs in Deutschland und eigentlich kommentiere ich die Wetten am Jahresanfang immer, manchmal dort, manchmal hier. Dieses Jahr mal hier (auch, weil ich wohl kein zweites längeres Posting heute mehr schaffe). Kursiv ist jeweils meine Einschätzung, die ausführliche Begründung für die Herdentrieb-Einschätzung gibt's dort drüben.
1. Griechenland gerät in ungeordnete Insolvenz
Nein, glaube ich nicht. Das Land ist und bleibt zu klein, um es nicht irgendwie retten zu können. Es wird IMHO einen Haircut für die privaten Gläubiger geben, dem ein noch tieferer Haircut der öffentlichen Gläubiger folgt. Aber alles geordnet. NACK.
2. Bilanzsumme der EZB steigt auf mehr als 4 Billionen Euro
Kein Contra von mir, das könnte gut so enden. Dazu bedarf es aber auch keiner ungeordneten Insolvenz Griechenlands. Die Bilanzsumme stieg 2011 von etwa 2 auf 2,7 Billionen. Ob es 4 am Ende des Jahres werden? Keine Ahnung, aber alles unter 3,5 Billionen würde mich überraschen. Eher ein ACK.
3. Leitzinsen in Euroland sinken auf 0,50%
ACK.
4. Euroland BIP wird 2012 um 0,5% sinken.
ACK für die Richtung, NACK für die Summe, das wird mehr. Das Deutschland BIP 2012 sieht der Herdentrieb bei +0,5, da bin ich bekanntlich ja auch pessimistischer ...
5. Inflation in Euroland: 2,0%
ACK. Auf jeden Fall bis auf weiteres keine Inflationsgefahr.
6. Rohstoffpreise gemessen am GSCI sinken um 15%
Hier würde ich ja fast widersprechen, weil ich glaube, dass die Rohstoffpreise schon vergleichsweise viel Deleveraging und Wirtschaftsabkühlung einpreisen. Vor allem aber wird dort eine Menge des um den Globus vagabondieren Geldes dort landen. Allerdings ist meine Wachstumsprognose so viel pessimistischer, dass ich da eigentlich nicht gegenhalten kann. Da der GSCI überwiegend aus Öl besteht, hängt die Wette am Ölpreis. Ich gebe mal ein nicht wirklich überzeugtes NACK, die Rohstoffpreise bleiben stabil, weil die Weltkonjunktur auch stabil bleibt.
7. Euro fällt auf 1,20 zum Dollar
Auch hier widersprechen sich meine fundamentale und meine markttechnische Einschätzung. Fundamental müsste der Euro natürlich sinken (bei Rezession in Euroland und stabilem Wachstum in den USA), allerdings glaube ich, dass der Markt davon schon viel eingepreist hat. OK, hier halte ich insgesamt dagegen. Der Euro wird eher bei 1,30 als bei 1,20 liegen. Ergo: NACK.
8. Rendite der Bundesanleihen sinkt weiter auf 1,5% (aktuell 1,9%).
In Zeiten, in denen Deflation droht oder herrscht, können Renditen wesentlich tiefer sinken als man sich das am Anfang vorstellen kann (siehe Japan). Allerdings glaube ich, dass in den deutschen Anleihen aktuell sehr viel Sicherheitsbonus steckt, der sich im Laufe des Jahres verflüchtigen wird. Weil die Anleger merken, dass Deutschland nicht unangreifbar ist und 83% Staatsschulden/BIP so wenig auch nicht sind. Das werden die zurückgehenden Inflationserwartungen nicht aufwiegen, so dass ich mir kein weiteres deutliches Absinken der Renditen vorstellen kann. Also: NACK.
9. DAX sinkt auf 5.500 (aktuell 6.100), S&P auf 1.200 (aktuell 1.280).
Als wenn Konjunkturwetten nicht schon schwierig genug wären ... Börsenkurse vorhersagen geht doch noch weniger ... Deutsche Aktien sind sehr preiswert, wenn die Wirtschaft nicht einbrechen sollte. Dummerweise erwarte ich das ... Daher: Ich habe keine Ahnung, wo der DAX am Ende des Jahres steht, allerdings würde es mich nicht wundern, wenn er entgegen der aktuellen Erwartungen steigt. Denn Ende 2012 zählt ja auch nicht, was 2012 war, sondern was 2013 oder 2014 erwartet wird. Und das weiss der Teufel ... Ich tippe aber eher auf Aufhellung und das werden die Börsenkurse zum Jahresende bereits vorwegnehmen. Außerdem ist genug Geld da. Auch hier gebe ich ein (weil sich Börsenkurse nicht vorhersagen lassen) unsicheres NACK. Der DAX bleibt stabil oder steigt sogar.
10. Die Koalition in Berlin überlebt 2012 nicht.
Lieblingswette der Herdentrieb-Jungs. Die gab's 2011 schon. Damals habe ich dagegen gehalten, dieses Mal bin ich mir weniger sicher. Aus der extrem schwachen FDP kann man den sprichwörtlichen angeschlagenen und daher unberechenbaren Boxer machen. Andererseits kann man auch eine Partei sehen, die einfach keinen großen Widerstand mehr leisten kann (Neuwahl=Weg vom Fenster). Ich tippe auf letzteres und sage: Schwarz-Gelb überlebt auch 2012 noch. Deutschland ist nicht Griechenland. Hier schweissen Krisen Koalitionen zusammen ... (Pathetische Worte ...). Also: NACK.
So viele NACKs (steht übrigens für "not acknowledged", nicht bestätigt) hatte ich noch nie. Ganz schon frech bin ich heute ;-)
Was meint denn ihr? (Wenn ihr ACK/NACK schreibt, dann bitte auf die Einschätzung im Herdentrieb bezogen. Sonst kommen wir durcheinander)
geposted von
von Dieter Meyeer am Montag, Januar 09, 2012
Ich hatte gar keine Lust mehr zu bloggen so ganz ohne Wette ... Also sammle ich die zwei Wetten mal kurz ein, die ich in den letzten Wochen in die Diskussion geworfen habe. Sie passen inhaltlich eh zusammen. Grundidee ist, dass die Konjunktur deutlich schwächer wird als es die Mehrheit erwartet.
1.) Das deutsche Haushaltsdefizit 2012 fällt höher als erwartet. Der Bund plant laut Haushaltsansatz mit 26 Milliarden Euro Minus. Darauf schlage ich nochmal ein Drittel für die Länder und Kommunen auf. Umgerechnet auf's BIP 2012 macht das etwa 1,3% des BIPs.
Ich drücke das noch etwas hoch und setze auf: Wird größer als 1,5%. Es gilt die erste Zahl, die an die EU gemeldet wird (nur da gibt es die Sammlung von Bund+Ländern+Gemeinden) und nicht als vorläufig gilt (das kann etwas dauern ...).
Die Wette angenommen hat bereits MacT. Ich bitte aber nochmal um Bestätigung.
2.) Das BIP in der Eurozone (EU17) wird im dritten Quartal 2012 niedriger sei als im vierten Quartal 2011. Natürlich auf preisbereinigter Basis. Es gilt die zweite Veröffentlichung, nicht die Vorabschätzung.
Die Wette angenommen hat Hias. Ich bitte ebenfalls um Bestätigung.
In beiden Wetten ist jeweils ein zweiter Slot frei, also insgesamt 4.
Der Wetteinsatz ist wie üblich eine Flasche Wein in der Nicht-Mehr-Beim-Discounter-Klasse (8 bis 10 Euro) oder ein Sechserpack Bier, bevorzugt von einer lokalen Brauerei, deren Biere ich hier in OB nicht käuflich erwerben kann.
Was für meine Wette (also die pessimistische Konjunkturprognose) spricht:
Die letzten Konjunkturzahlen aus Europa waren eher schwach.
Die Stimmungsindikatoren waren überwiegend schwach.
Die Sparprogramme in weiten Teilen der EU werden Spuren hinterlassen.
Die Indices für die Frachtraten sind beide schwach (HARPEX und Baltic Dry).
Wer weiss, vielleicht implodiert die Eurozone (oder der Euro) 2012 und lässt die Konjunktur vollends abstürzen
Meine bisherige Wettbilanz ;-)
Dagegen spricht
die weiterhin relativ stabile Weltkonjunktur.
China schwächelt zwar leicht, hat aber mit einer Leitzinssenkung bereits gegen den Abschwung gehandelt.
Die USA (immer noch mit großem Abstand wichtigste Volkswirtschaft der Welt) scheint stabil zu sein. Der Arbeitsmarkt verbessert sich langsam und die Wachstumserwartungen für 2012 liegen im Konsens bei cirka 2 Prozent.
Auch das Schwergewicht Deutschland scheint sich noch ganz gut zu halten.
Japan hat nach dem Tsunami Nachholbedarf.
In Europa steht die Notenbank zunehmend auf dem Gaspedal.
In den USA und Frankreich sind 2012 Wahlen, die Politiker werden alles machen, um die Konjunktur in Schwung zu bringen.
Der geradezu greifbare Pessimismus könnte übertrieben sein.
Meine letzte Rezessionswette (2007), die ich (wenn auch tragisch) verloren habe.
Und Euch fallen bestimmt noch viele weitere Gründe pro oder kontra tiefe Rezession ein.
Update (10.01.12):
Hias und MacT haben ihre Wette bestätigt. Das heisst, es ist in jedem "Slot" noch ein Platz frei ... In der BIP-Wette drängt es etwas, da kommt in dieser Woche (IIRC) schon die erste Vorabschätzung für's vierte Quartal 2011.
Update 2 (18:42):
Niemand mehr? Ich würde bei Wette 2 sogar noch etwas nachlegen ...
Update 3 (21:43):
OK. Wette 2 erhöhe ich ... Ich mach aus EU17 Deutschland. Also auch Deutschland wird von Q4-11 bis Q3-12 inflationsbereinigt NICHT wachsen. In Europa ist das fast keine Wette wert ...
An Wette 1 ändere ich nichts, denn die ist gar nicht so unmutig. Steuereinnahmen brechen nämlich erst mit ziemlicher zeitlicher Verzögerung ein.
Update 4 (11.01.12):
Mit den BIP-Zahlen von heute schließe ich die Wette. Zwei unbesetzte Slots, ihr Weicheier.
Ich hatte gar keine Lust mehr zu bloggen so ganz ohne Wette ... Also sammle ich die zwei Wetten mal kurz ein, die ich in den letzten Wochen in die Diskussion geworfen habe. Sie passen inhaltlich eh zusammen. Grundidee ist, dass die Konjunktur deutlich schwächer wird als es die Mehrheit erwartet.
1.) Das deutsche Haushaltsdefizit 2012 fällt höher als erwartet. Der Bund plant laut Haushaltsansatz mit 26 Milliarden Euro Minus. Darauf schlage ich nochmal ein Drittel für die Länder und Kommunen auf. Umgerechnet auf's BIP 2012 macht das etwa 1,3% des BIPs.
Ich drücke das noch etwas hoch und setze auf: Wird größer als 1,5%. Es gilt die erste Zahl, die an die EU gemeldet wird (nur da gibt es die Sammlung von Bund+Ländern+Gemeinden) und nicht als vorläufig gilt (das kann etwas dauern ...).
Die Wette angenommen hat bereits MacT. Ich bitte aber nochmal um Bestätigung.
2.) Das BIP in der Eurozone (EU17) wird im dritten Quartal 2012 niedriger sei als im vierten Quartal 2011. Natürlich auf preisbereinigter Basis. Es gilt die zweite Veröffentlichung, nicht die Vorabschätzung.
Die Wette angenommen hat Hias. Ich bitte ebenfalls um Bestätigung.
In beiden Wetten ist jeweils ein zweiter Slot frei, also insgesamt 4.
Der Wetteinsatz ist wie üblich eine Flasche Wein in der Nicht-Mehr-Beim-Discounter-Klasse (8 bis 10 Euro) oder ein Sechserpack Bier, bevorzugt von einer lokalen Brauerei, deren Biere ich hier in OB nicht käuflich erwerben kann.
Was für meine Wette (also die pessimistische Konjunkturprognose) spricht:
Die letzten Konjunkturzahlen aus Europa waren eher schwach.
Die Stimmungsindikatoren waren überwiegend schwach.
Die Sparprogramme in weiten Teilen der EU werden Spuren hinterlassen.
Die Indices für die Frachtraten sind beide schwach (HARPEX und Baltic Dry).
Wer weiss, vielleicht implodiert die Eurozone (oder der Euro) 2012 und lässt die Konjunktur vollends abstürzen
Meine bisherige Wettbilanz ;-)
Dagegen spricht
die weiterhin relativ stabile Weltkonjunktur.
China schwächelt zwar leicht, hat aber mit einer Leitzinssenkung bereits gegen den Abschwung gehandelt.
Die USA (immer noch mit großem Abstand wichtigste Volkswirtschaft der Welt) scheint stabil zu sein. Der Arbeitsmarkt verbessert sich langsam und die Wachstumserwartungen für 2012 liegen im Konsens bei cirka 2 Prozent.
Auch das Schwergewicht Deutschland scheint sich noch ganz gut zu halten.
Japan hat nach dem Tsunami Nachholbedarf.
In Europa steht die Notenbank zunehmend auf dem Gaspedal.
In den USA und Frankreich sind 2012 Wahlen, die Politiker werden alles machen, um die Konjunktur in Schwung zu bringen.
Der geradezu greifbare Pessimismus könnte übertrieben sein.
Meine letzte Rezessionswette (2007), die ich (wenn auch tragisch) verloren habe.
Und Euch fallen bestimmt noch viele weitere Gründe pro oder kontra tiefe Rezession ein.
Update (10.01.12):
Hias und MacT haben ihre Wette bestätigt. Das heisst, es ist in jedem "Slot" noch ein Platz frei ... In der BIP-Wette drängt es etwas, da kommt in dieser Woche (IIRC) schon die erste Vorabschätzung für's vierte Quartal 2011.
Update 2 (18:42):
Niemand mehr? Ich würde bei Wette 2 sogar noch etwas nachlegen ...
Update 3 (21:43):
OK. Wette 2 erhöhe ich ... Ich mach aus EU17 Deutschland. Also auch Deutschland wird von Q4-11 bis Q3-12 inflationsbereinigt NICHT wachsen. In Europa ist das fast keine Wette wert ...
An Wette 1 ändere ich nichts, denn die ist gar nicht so unmutig. Steuereinnahmen brechen nämlich erst mit ziemlicher zeitlicher Verzögerung ein.
Update 4 (11.01.12):
Mit den BIP-Zahlen von heute schließe ich die Wette. Zwei unbesetzte Slots, ihr Weicheier.
Auch nicht gewählt habe ich Leo Apotheker, der es immerhin geschafft hat, den Börsenwert der altehrwürdigen Hightech-Ikone HP in seinen 10 Monaten Amtszeit pro Tag um knapp 5 Millionen Dollar zu verringern und sich für diese Leistung knapp 20 Millionen Dollar Gehalt zu genehmigen (siehe Ich habe versagt! Macht 10 Millionen bitte. - egghat's not so micro blog). Und man muss bei Apotheker bedenken, dass er Wiederholungstäter ist und vorher satte 9 (!) Monate Chef von SAP war ... Das ist eigentlich eine Nominierung wert ...
Ebenfalls nicht wählen wollte ich Karl-Theodor zu Guttenberg, weil dieser mit seinem Comeback kurz vor dem Jahresende bewiesen hat, dass er eben noch nicht am Ende ist.
Ein anderer heißer Kandidat aus der Finanzwelt war der Hedgefondsmanager John Paulson, der 2007 und 2008 mit Milliarden-Einkommen in den Ranglisten der bestverdienenden Fondmanager weit vorne lag, in diesem Jahr aber in seinen beiden klassischen Hedgefonds etwa 40% Minus eingefahren hat. Beteiligt war er unter anderem an Sino Forest (siehe FTD mit Sino Forest Geschichte - egghat's not so micro blog). Aber fast noch besser: Sein neuer goldbasierter Hedgefonds hat es geschafft, Mitte Dezember, zu einem Zeitpunkt als der Goldpreis noch etwa 13% im Plus lag, ein Minus von gut 10% aufzuweisen.
Aber all diese Hedgefondsheinis, Mismanager und sonstigen Graupen kann ich dieses Jahr nicht küren (aber an Euch: haltet den Kurs, 2012 gibt's eine neue Wahl!), denn das allesbeherrschende Thema war nunmal die Eurokrise. Und aus diesem Bereich muss ich die Wahl treffen.
Und wenn soll man da wählen? Die EZB (Trichet/Stark/...), die einige ihrer Grundsätze über Bord geworfen hat? Schwierig, weil ich die "unkonventionellen Maßnahmen" im Prinzip für richtig halte. Angela Merkel, weil sie mit ihrer sturen Politik maßgeblich zur Verschärfung der Eurokrise beigetragen hat? Fällt mir ebenfalls schwer, weil ich die am Ende erreichte Annäherung in der Fiskalpolitik innerhalb der Eurozone tendenziell für richtig (wenn auch nicht für ausreichend) halte. Oder einen Bankmananger? Ackermann? Blessing?
Nein, ich brauche einen klaren Verlierer. Einen der in richtig großen Dimensionen denkt. Und da fällt mir niemand anderes ein als
Silvio Berlusconi.
Und sei es nur, um ein paar Berlusconi Witze nochmal zu verlinken ;-)
Klarer Verlierer. Er war lange an der Macht, hat viele Skandale produziert, viele Gesetze für die Lösung seiner persönlichen Probleme produziert, aber vor allem hat er ein Land hinterlassen, das von einem der führenden G7-Staaten zu einem potenziellen Pleitekandidaten geworden ist. Und sich klar auf Platz 4 der Pleiteliste in der Eurozone geschoben hat, deutlich vor Spanien.
Italien muss nun 7% Zinsen für die zehnjährigen Staatsanleihen zahlen und trotz einer leichten Entspannung bei den kürzeren Laufzeiten liegt das deutlich über dem Niveau, das sich Italien leisten kann.
Die nun eingeleiteten Sparbemühungen werden das Land sicher in eine Rezession treiben und am Ende bleibt nur die Hoffnung, dass diese nicht zu tief wird und zu lange andauert. Denn wenn man schon im Fall von Spanien Angst haben musste, dass das Land zu groß für eine Rettung ist, ist bei Italien klar, dass das Land zu groß ist.
Dabei ist nicht das vorrangige Problem, dass das laufende Staatsdefizit Italiens so sonderlich groß wäre, sondern mehr die vergebenen Chancen in der Vergangenheit. Die niedrigen Zinsen, die Italien nach dem Eintritt in die Eurozone quasi geschenkt bekam, wurden zum überwiegenden Teil verfrühstückt und leider nur zum geringen Teil zur Schuldenrückführung genutzt.
Die italienische Wirtschaft hat zu wenig Innovationen vorzuweisen und gilt generell als verkrustet. Die Handelsbilanz, die noch Mitte der 90er Jahre deutlich positiv war, rutscht jedes Jahr tiefer in die roten Zahlen. Die Leistungsbilanz ist ebenfalls tiefrot, was auf Dauer den einzigen Pluspunkt, den Italien vorzuweisen hat, nämlich die relativ hohe Unabhängigkeit von ausländischem Kapital, deutlich schwächen wird.
Im PISA-Test ist Italien im Schnitt 4 Plätze zurückgefallen (und liegt auf den letzten Plätzen der industrialisierten Welt), während Deutschland etwa 7 Plätze gutgemacht hat (Wikipedia) und nun im oberen Mittelfeld liegt.
Und zuletzt, das kann angesichts der Wurzeln von Berlusconi nicht verwundern, kann Italien bei der Bekämpfung von Mafia und Korruption auch keine wirklichen Erfolge vorweisen ... Wert 2001 5,5; Wert 2011 3,9.
Da bleibt nur eines zu hoffen: Dass Berlusconi jetzt wirklich weg ist und nicht noch einmal zu einem Middelhoff-Guttenbergschen-Stehaufmännchen wird ... Und wenn 2012 ganz toll werden soll, möge ihn doch jemand erfolgreich vor ein Gericht zerren ...
Der Euro (bzw. der Druck der Märkte) hat auf jeden Fall schonmal Berlusconi zu Fall gebracht, es bleibt nur zu hoffen, dass Berlusconi sich nicht noch posthum rächt und den Euro zu Fall bringt ...
Update (18:37):
Habe die Erfindung der Einheit "Middelhoff" fälschlicherweise der FTD zugeschrieben, war aber die Wirtschaftswoche.
Ich beginne wie üblich mit den Leuten, die ich am Ende nicht gewählt habe
Auch nicht gewählt habe ich Leo Apotheker, der es immerhin geschafft hat, den Börsenwert der altehrwürdigen Hightech-Ikone HP in seinen 10 Monaten Amtszeit pro Tag um knapp 5 Millionen Dollar zu verringern und sich für diese Leistung knapp 20 Millionen Dollar Gehalt zu genehmigen (siehe Ich habe versagt! Macht 10 Millionen bitte. - egghat's not so micro blog). Und man muss bei Apotheker bedenken, dass er Wiederholungstäter ist und vorher satte 9 (!) Monate Chef von SAP war ... Das ist eigentlich eine Nominierung wert ...
Ebenfalls nicht wählen wollte ich Karl-Theodor zu Guttenberg, weil dieser mit seinem Comeback kurz vor dem Jahresende bewiesen hat, dass er eben noch nicht am Ende ist.
Ein anderer heißer Kandidat aus der Finanzwelt war der Hedgefondsmanager John Paulson, der 2007 und 2008 mit Milliarden-Einkommen in den Ranglisten der bestverdienenden Fondmanager weit vorne lag, in diesem Jahr aber in seinen beiden klassischen Hedgefonds etwa 40% Minus eingefahren hat. Beteiligt war er unter anderem an Sino Forest (siehe FTD mit Sino Forest Geschichte - egghat's not so micro blog). Aber fast noch besser: Sein neuer goldbasierter Hedgefonds hat es geschafft, Mitte Dezember, zu einem Zeitpunkt als der Goldpreis noch etwa 13% im Plus lag, ein Minus von gut 10% aufzuweisen.
Aber all diese Hedgefondsheinis, Mismanager und sonstigen Graupen kann ich dieses Jahr nicht küren (aber an Euch: haltet den Kurs, 2012 gibt's eine neue Wahl!), denn das allesbeherrschende Thema war nunmal die Eurokrise. Und aus diesem Bereich muss ich die Wahl treffen.
Und wenn soll man da wählen? Die EZB (Trichet/Stark/...), die einige ihrer Grundsätze über Bord geworfen hat? Schwierig, weil ich die "unkonventionellen Maßnahmen" im Prinzip für richtig halte. Angela Merkel, weil sie mit ihrer sturen Politik maßgeblich zur Verschärfung der Eurokrise beigetragen hat? Fällt mir ebenfalls schwer, weil ich die am Ende erreichte Annäherung in der Fiskalpolitik innerhalb der Eurozone tendenziell für richtig (wenn auch nicht für ausreichend) halte. Oder einen Bankmananger? Ackermann? Blessing?
Nein, ich brauche einen klaren Verlierer. Einen der in richtig großen Dimensionen denkt. Und da fällt mir niemand anderes ein als
Silvio Berlusconi.
Und sei es nur, um ein paar Berlusconi Witze nochmal zu verlinken ;-)
Klarer Verlierer. Er war lange an der Macht, hat viele Skandale produziert, viele Gesetze für die Lösung seiner persönlichen Probleme produziert, aber vor allem hat er ein Land hinterlassen, das von einem der führenden G7-Staaten zu einem potenziellen Pleitekandidaten geworden ist. Und sich klar auf Platz 4 der Pleiteliste in der Eurozone geschoben hat, deutlich vor Spanien.
Italien muss nun 7% Zinsen für die zehnjährigen Staatsanleihen zahlen und trotz einer leichten Entspannung bei den kürzeren Laufzeiten liegt das deutlich über dem Niveau, das sich Italien leisten kann.
Die nun eingeleiteten Sparbemühungen werden das Land sicher in eine Rezession treiben und am Ende bleibt nur die Hoffnung, dass diese nicht zu tief wird und zu lange andauert. Denn wenn man schon im Fall von Spanien Angst haben musste, dass das Land zu groß für eine Rettung ist, ist bei Italien klar, dass das Land zu groß ist.
Dabei ist nicht das vorrangige Problem, dass das laufende Staatsdefizit Italiens so sonderlich groß wäre, sondern mehr die vergebenen Chancen in der Vergangenheit. Die niedrigen Zinsen, die Italien nach dem Eintritt in die Eurozone quasi geschenkt bekam, wurden zum überwiegenden Teil verfrühstückt und leider nur zum geringen Teil zur Schuldenrückführung genutzt.
Die italienische Wirtschaft hat zu wenig Innovationen vorzuweisen und gilt generell als verkrustet. Die Handelsbilanz, die noch Mitte der 90er Jahre deutlich positiv war, rutscht jedes Jahr tiefer in die roten Zahlen. Die Leistungsbilanz ist ebenfalls tiefrot, was auf Dauer den einzigen Pluspunkt, den Italien vorzuweisen hat, nämlich die relativ hohe Unabhängigkeit von ausländischem Kapital, deutlich schwächen wird.
Im PISA-Test ist Italien im Schnitt 4 Plätze zurückgefallen (und liegt auf den letzten Plätzen der industrialisierten Welt), während Deutschland etwa 7 Plätze gutgemacht hat (Wikipedia) und nun im oberen Mittelfeld liegt.
Und zuletzt, das kann angesichts der Wurzeln von Berlusconi nicht verwundern, kann Italien bei der Bekämpfung von Mafia und Korruption auch keine wirklichen Erfolge vorweisen ... Wert 2001 5,5; Wert 2011 3,9.
Da bleibt nur eines zu hoffen: Dass Berlusconi jetzt wirklich weg ist und nicht noch einmal zu einem Middelhoff-Guttenbergschen-Stehaufmännchen wird ... Und wenn 2012 ganz toll werden soll, möge ihn doch jemand erfolgreich vor ein Gericht zerren ...
Der Euro (bzw. der Druck der Märkte) hat auf jeden Fall schonmal Berlusconi zu Fall gebracht, es bleibt nur zu hoffen, dass Berlusconi sich nicht noch posthum rächt und den Euro zu Fall bringt ...
Update (18:37):
Habe die Erfindung der Einheit "Middelhoff" fälschlicherweise der FTD zugeschrieben, war aber die Wirtschaftswoche.
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von Dieter Meyeer am Samstag, Dezember 24, 2011
Verschenkt schöne Sachen, lasst Euch schöne Sachen schenken. Genießt die Tage mit Familien und Freunden. Und tauscht vor allem nicht alles um, was ihr über meinen Affiliate Link gekauft habt. Ich habe die Knete schon verprasst ;-)
Verschenkt schöne Sachen, lasst Euch schöne Sachen schenken. Genießt die Tage mit Familien und Freunden. Und tauscht vor allem nicht alles um, was ihr über meinen Affiliate Link gekauft habt. Ich habe die Knete schon verprasst ;-)
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von Dieter Meyeer am Mittwoch, Dezember 21, 2011
2007-2010 um durchschnittlich 14%.
Leser, die schon länger dabei sind, werden sich daran erinnern, dass ich vor drei, vier Jahren den US-Immobilienmarkt (in seiner Absturzphase) deutlich intensiver "bearbeitet" habe als aktuell. Das lag nicht zuletzt an der Immo-Wette, bei der ich auf eine Preisstabilisierung am US-Immobilienmarkt gesetzt habe.
Dabei gab es zwei Zahlen, die ich regelmäßig verbloggt habe, weil ich diese am wichtigsten fand:
a) Der Case-Shiller-Immobilienpreisindex (auf diesen lautete auch die Wette)
b) Die Zahl der Verkäufe von Bestandsimmobilien.
Letzteres wird von der NAR, der amerikanischen Maklervereinigung errechnet. Und wie sich jetzt zeigt, waren die Zahlen notorisch unzuverlässig, weil deutlich zu hoch ausgewiesen und mussten nach unten korrigiert werden:
2007: Von 5,65 Mio. um 11% auf 5,04 Mio.
2008: Von 4,91 Mio. um 16% auf 4,11 Mio.
2009: Von 5,16 Mio. um 16% auf 4,34 Mio.
2010: Von 4,91 Mio. um 15% auf 4,19 Mio.
Im Durchschnitt von 5,16 Mio um 14% auf 4,42 Mio. Damit war der Einbruch am US-Immobilienmarkt um einiges tiefer als bisher bekannt ...
So richtig überraschend ist das nicht, die NAR ist ja eine Lobbyvereinigung, die schlechte Nachrichten gerne übertüncht und schön schreibt.
Gründe für die Abwärtskorrektur gab es einige: Mehrfache Verkäufe innerhalb von 12 Monaten wurden mehrfach erfasst. An den Grenzen der Regionen wurden verkaufte Immobilien mehrfach erfasst. Und ein paar andere Sachen, nach denen man sich fragt, wie man diese Zahl jemals ernst nehmen konnte ...
Spannend sind die Auswirkungen der Korrektur:
Die allerwichtigste Zahl im monatlichen Bericht ändert sich nämlich nicht. Das ist der Bestand an unverkauften Immobilien in Monaten. Dazu wird die Anzahl der zum Verkauf stehenden Bestandsimmobilien durch die Anzahl der Verkäufe im letzten Monat geteilt. Damit weiss man, wie lange es theoretisch dauern würde bis alle Immobilien verkauft sind. Werte bei 4 oder 5 signalisieren einen Boom und steigende Preise, Werte über 8 einen Abschwung und sinkende Preise, zweistellige Werte gibt es nur in crashartigen Zuständen wie 2008.
Interessanterweise ändert sich durch die Korrektur aber eine viel wichtigere Zahl nämlich das US-BIP. Leider kann ich nicht sagen, um wie viel. Da der Anteil des Immobilien- und Bausektors aber auf historischen Tiefstwerten liegt, kann das eigentlich nicht viel sein ...
Leser, die schon länger dabei sind, werden sich daran erinnern, dass ich vor drei, vier Jahren den US-Immobilienmarkt (in seiner Absturzphase) deutlich intensiver "bearbeitet" habe als aktuell. Das lag nicht zuletzt an der Immo-Wette, bei der ich auf eine Preisstabilisierung am US-Immobilienmarkt gesetzt habe.
Dabei gab es zwei Zahlen, die ich regelmäßig verbloggt habe, weil ich diese am wichtigsten fand:
a) Der Case-Shiller-Immobilienpreisindex (auf diesen lautete auch die Wette)
b) Die Zahl der Verkäufe von Bestandsimmobilien.
Letzteres wird von der NAR, der amerikanischen Maklervereinigung errechnet. Und wie sich jetzt zeigt, waren die Zahlen notorisch unzuverlässig, weil deutlich zu hoch ausgewiesen und mussten nach unten korrigiert werden:
2007: Von 5,65 Mio. um 11% auf 5,04 Mio.
2008: Von 4,91 Mio. um 16% auf 4,11 Mio.
2009: Von 5,16 Mio. um 16% auf 4,34 Mio.
2010: Von 4,91 Mio. um 15% auf 4,19 Mio.
Im Durchschnitt von 5,16 Mio um 14% auf 4,42 Mio. Damit war der Einbruch am US-Immobilienmarkt um einiges tiefer als bisher bekannt ...
So richtig überraschend ist das nicht, die NAR ist ja eine Lobbyvereinigung, die schlechte Nachrichten gerne übertüncht und schön schreibt.
Gründe für die Abwärtskorrektur gab es einige: Mehrfache Verkäufe innerhalb von 12 Monaten wurden mehrfach erfasst. An den Grenzen der Regionen wurden verkaufte Immobilien mehrfach erfasst. Und ein paar andere Sachen, nach denen man sich fragt, wie man diese Zahl jemals ernst nehmen konnte ...
Spannend sind die Auswirkungen der Korrektur:
Die allerwichtigste Zahl im monatlichen Bericht ändert sich nämlich nicht. Das ist der Bestand an unverkauften Immobilien in Monaten. Dazu wird die Anzahl der zum Verkauf stehenden Bestandsimmobilien durch die Anzahl der Verkäufe im letzten Monat geteilt. Damit weiss man, wie lange es theoretisch dauern würde bis alle Immobilien verkauft sind. Werte bei 4 oder 5 signalisieren einen Boom und steigende Preise, Werte über 8 einen Abschwung und sinkende Preise, zweistellige Werte gibt es nur in crashartigen Zuständen wie 2008.
Interessanterweise ändert sich durch die Korrektur aber eine viel wichtigere Zahl nämlich das US-BIP. Leider kann ich nicht sagen, um wie viel. Da der Anteil des Immobilien- und Bausektors aber auf historischen Tiefstwerten liegt, kann das eigentlich nicht viel sein ...
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von Dieter Meyeer am Mittwoch, Dezember 21, 2011
In 2011
36,47%
mehr als 2010.
OK, zugegeben waren die zwei Jahre davor mager, aber selbst 2009 gab es - wenn auch nur leicht - wachsende Vergütungen für die Chefs der 500 größten US-Unternehmen, die im S&P 500 Index versammelt sind. Über alle Firmen des breiteren Russell 3000 Index sanken die Gehälter der Chefs minimal (0,3%).
Die CEO Gehälter, die doch immer erfolgsorientiert sein sollen (in der Praxis orientiert man sich am Aktienkurs), steigen also auch in Jahren wie 2008 oder 2009, in denen die Aktienkurse zum Teil massiv fallen. Und in Jahren wie 2010, in denen die Aktienkurse steigen, steigen die Gehälter sowieso. Und in diesen positiven Jahren - man kann es fast schon ahnen - ebenfalls stärker als die Aktienkurse.
Der Topverdiener - der CEO des Gesundheitsdienstleisters McKesson - hatte 2010 145,2 Millionen Dollar Einkommen - Gehalt, Aktienoptionen und Pensionszusagen. Die Top10 kamen im Schnitt immerhin noch auf 77 Millionen.
Leicht verzerrend in der Statistik sind die ausscheidenden CEOs, die am Ende ihrer Tätigkeit besonders viel Geld abgesahnt haben. 4 der Top 10 Verdiener kamen aus dieser Gruppe. Wenigstens eine Tatsache stimmt etwas milde: Die Banker, bisher immer weit vorne, kamen nur noch selten auf die Spitzenränge (wobei die Manager von Hedgefonds etc. von der Statistik auch nicht erfasst wurden. Da kamen (übrigens in diesem Jahr ziemlich strauchelnde) Topverdiener sogar auf Milliardeneinkommen, siehe HEDGEFONDS STARMANAGER JOHN PAULSON SAHNT 5 MILLIARDEN DOLLAR AB).
Gleichzeitig stagnieren die Gehälter des Durchschnittsangestellten in den USA, was nach Berücksichtigung der Inflation zu einem Nettokaufkraftverlust führt.
Und da wundert sich noch jemand, dass die Leute von Occupy Wall Street auf den Straßen campen?
Dazu passend noch ein ach so wahrer und passender Dilbert:
Upps, einen Punkt habe ich noch vergessen. Das Institut, das die Untersuchung durchgeführt hat, geht von weiteren kräftigen Steigerungen in den nächsten Jahren aus. Ursache sind die Aktienoptionen, die sich die Vorstände in den schwachen Börsenjahren gegönnt haben. Da die Kurse damals sehr niedrig waren, gab es nicht weniger Geld (wo käme man denn da hin aus CEO?), sondern einfach mehr Aktien. Mit den steigenden Aktienkursen seit dem Tief steigen nun die Einkommen aus diesen Aktienoptionsprogrammen massiv, stärker noch als die Einkommen aus den älteren Aktienoptionsprogrammen aus der Zeit vor der Krise. Und letztere waren ja auch nicht sooo schlecht für die CEOs, man denke nur die Einnahmen, die selbst mitten in der Krise zuverlässig flossen.
In 2011
36,47%
mehr als 2010.
OK, zugegeben waren die zwei Jahre davor mager, aber selbst 2009 gab es - wenn auch nur leicht - wachsende Vergütungen für die Chefs der 500 größten US-Unternehmen, die im S&P 500 Index versammelt sind. Über alle Firmen des breiteren Russell 3000 Index sanken die Gehälter der Chefs minimal (0,3%).
Die CEO Gehälter, die doch immer erfolgsorientiert sein sollen (in der Praxis orientiert man sich am Aktienkurs), steigen also auch in Jahren wie 2008 oder 2009, in denen die Aktienkurse zum Teil massiv fallen. Und in Jahren wie 2010, in denen die Aktienkurse steigen, steigen die Gehälter sowieso. Und in diesen positiven Jahren - man kann es fast schon ahnen - ebenfalls stärker als die Aktienkurse.
Der Topverdiener - der CEO des Gesundheitsdienstleisters McKesson - hatte 2010 145,2 Millionen Dollar Einkommen - Gehalt, Aktienoptionen und Pensionszusagen. Die Top10 kamen im Schnitt immerhin noch auf 77 Millionen.
Leicht verzerrend in der Statistik sind die ausscheidenden CEOs, die am Ende ihrer Tätigkeit besonders viel Geld abgesahnt haben. 4 der Top 10 Verdiener kamen aus dieser Gruppe. Wenigstens eine Tatsache stimmt etwas milde: Die Banker, bisher immer weit vorne, kamen nur noch selten auf die Spitzenränge (wobei die Manager von Hedgefonds etc. von der Statistik auch nicht erfasst wurden. Da kamen (übrigens in diesem Jahr ziemlich strauchelnde) Topverdiener sogar auf Milliardeneinkommen, siehe HEDGEFONDS STARMANAGER JOHN PAULSON SAHNT 5 MILLIARDEN DOLLAR AB).
Gleichzeitig stagnieren die Gehälter des Durchschnittsangestellten in den USA, was nach Berücksichtigung der Inflation zu einem Nettokaufkraftverlust führt.
Und da wundert sich noch jemand, dass die Leute von Occupy Wall Street auf den Straßen campen?
Dazu passend noch ein ach so wahrer und passender Dilbert:
Upps, einen Punkt habe ich noch vergessen. Das Institut, das die Untersuchung durchgeführt hat, geht von weiteren kräftigen Steigerungen in den nächsten Jahren aus. Ursache sind die Aktienoptionen, die sich die Vorstände in den schwachen Börsenjahren gegönnt haben. Da die Kurse damals sehr niedrig waren, gab es nicht weniger Geld (wo käme man denn da hin aus CEO?), sondern einfach mehr Aktien. Mit den steigenden Aktienkursen seit dem Tief steigen nun die Einkommen aus diesen Aktienoptionsprogrammen massiv, stärker noch als die Einkommen aus den älteren Aktienoptionsprogrammen aus der Zeit vor der Krise. Und letztere waren ja auch nicht sooo schlecht für die CEOs, man denke nur die Einnahmen, die selbst mitten in der Krise zuverlässig flossen.
Aber wie so oft bei Statistiken ist es fahrlässig über (vermeintliche) Ergebnisse zu diskutieren, wenn man sich die Statistik nicht im Detail angeschaut hat und *genau* weiss, was darin steckt ...
Und die Einordnung "oft" im Satz oben ist eigentlich auch noch durch "immer" zu ersetzen, wenn die Quelle des Ergebnisses im weitesten Sinne im Feld Politik anzuordnen ist. Denn dort wird fast immer versucht, mit Statistiken zu manipulieren ...
Gut, dass es noch Leute gibt, die auf solche Sachen nicht reinfallen ... Wie Björn Schwentker, der seine Einschätzung in einem sehr guten Artikel dargelegt hat (Danke an @Holgi für den Hinweis):
Die allerkürzeste Zusammenfassung ist: Nicht Genaues weiss man nicht. Die Aussage der Linken ist aus den Zahlen nicht seriös herzuleiten.
Detaillierter:
a) Wenn man (wie die Linke) die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung nimmt, bekommt man zuallererst nur eine Aussage über die rentenversicherten Niedrigverdiener. Damit fehlen
die nicht rentenversicherten Niedrigverdiener (nie bzw. zu wenig gearbeitet),
die nicht rentenversicherten Besserverdiener,
Frauen fehlen übrigens (bei der Linken, nicht bei der DRV) komplett,
und alle bereits vor dem 65. Lebensjahr Verstorbenen.
Schwentker spekuliert nicht darüber, in welche Richtung sich die Lebenserwartung ändern würde, wenn man dieser Personengruppen berücksichtigen würde. Auch ich lasse das, wichtig ist nur, dass in den Zahlen, die die Linke als Basis genommen hat, nicht alle relevanten Personen erfasst werden. Damit sind erste Zweifel angebracht.
b) Selbst wenn man die Zahlen der Deutschen Rentenversicherer nimmt, muss man Vorsicht walten lassen. Denn die Grundgesamtheit der Rentner ändert sich über den Zeitablauf natürlich und das ist in diesem Fall sehr entscheidend.
Wenn viele neue Rentner nachrücken, sinkt das durchschnittliche Alter der Rentner. Und damit sinkt die durchschnittliche Restlebenserwartung. Das hört sich erstmal sehr komisch an, aber nach der Lektüre des Artikels von Schwentker sollte das klarer werden. Wenn nicht, bohre ich das mit einem Beispiel nochmal weiter auf.
Achtung: Die Zahlen sind Wurscht, es geht nur um die Veränderung der Verteilung ...
Angenommen wir haben 200 Rentner, die 65, 100 die 75 und 30 die 85 Jahre alt sind. Die Sterbewahrscheinlichkeit beträgt 1%, 5% und 10% für die jeweiligen Altersgruppen (stimmt sogar grob).
Dann sterben 2 der 65jährigen im laufenden Jahr, 5 der 75jährigen und 3 der 85-jährigen. Damit ist die durchschnittliche Lebenserwartung 12 Jahre (((2*1)+(5*11)+(3*21))/10).
Kommt nun ein Schwall von jungen Rentnern hinzu und wir haben nun 300 65-jährige, 100 75-jährige und 30 85-jährige (die Sterbewahrscheinlichkeit ändert sich keinen Deut), sterben nun 3 der 65-jährigen im laufenden Jahr, 5 der 75-jährigen und 3 der 85-jährigen. Damit ist die durchschnittliche Lebenserwartung 11 Jahre (((3*1)+(5*11)+(3*21))/11), also ein ganzes Jahr niedriger.
Selbst wenn die 65-jährigen wesentlich seltener sterben als die 85-jährigen, reicht allein der Anstieg der Zahl der jungen Rentner aus, um die durchschnittliche Restlebenserwartung zu senken.
Interessant, gell?
Zusammengefasst kann man die Aussage, die die Linke getroffen hat, aus den Daten, die die DRV (bis dato) zur Verfügung gestellt hat, nicht ableiten. Sowohl die ganzen fehlenden Menschen, die in Punkt a stecken, als auch die statistischen Effekte, die ich (hoffentlich verständlich) in Punkt b erklärt habe, lassen eine solche Ableitung unseriös erscheinen ...
Glaube keiner Statistik, die du nicht selber verstanden hast ...
Schwentker erklärt auch noch schön, dass die von der DRV errechnete Lebenserwartung sich schon deutlich von der Restlebenserwartung (die die Linke verwendet hat) unterscheidet. In einem Zeitraum, in der die Linke schon einen Rückgang errechnet hat, kommt die DRV sehr wohl noch auf eine steigende Lebenserwartung.
Eine wichtige Anmerkung zum Schluss: Die grundsätzliche Kritik, die die Linke äußert, mag durchaus gerechtfertigt sein. Denn wenn man die Zahlen (und zwar alle) nimmt, steigt die Lebenserwartung der Niedrigverdiener zwar, aber wohl langsamer als die der Normal- und Besserverdiener (alles unter Vorbehalt, weil die Zahlen zur Lebenserwartung nur bis 2006 vorliegen). Auch das schon wäre ein Anlass für politisches Handeln, die Aussage, dass die Lebenserwartung der Niedrigverdiener sinkt, stimmt trotzdem nicht.
Wer Lust hat, kann den Effekt ja mal mit den richtigen Werten aus der Sterbetafel und der wirklichen Altersverteilung der Bevölkerung durchrechnen.
(Wenn mir das jemand bezahlt, mache ich das auch ...)
Bin mal gespannt, wie viele Medien jetzt diesen Disclaimer bringen und wie viele den alten "völlig dramatisch"-Artikel, auch wenn er eigentlich nicht zulässig, womöglich sogar falsch ist, einfach unkommentiert stehen lassen ...
Aber wie so oft bei Statistiken ist es fahrlässig über (vermeintliche) Ergebnisse zu diskutieren, wenn man sich die Statistik nicht im Detail angeschaut hat und *genau* weiss, was darin steckt ...
Und die Einordnung "oft" im Satz oben ist eigentlich auch noch durch "immer" zu ersetzen, wenn die Quelle des Ergebnisses im weitesten Sinne im Feld Politik anzuordnen ist. Denn dort wird fast immer versucht, mit Statistiken zu manipulieren ...
Gut, dass es noch Leute gibt, die auf solche Sachen nicht reinfallen ... Wie Björn Schwentker, der seine Einschätzung in einem sehr guten Artikel dargelegt hat (Danke an @Holgi für den Hinweis):
Die allerkürzeste Zusammenfassung ist: Nicht Genaues weiss man nicht. Die Aussage der Linken ist aus den Zahlen nicht seriös herzuleiten.
Detaillierter:
a) Wenn man (wie die Linke) die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung nimmt, bekommt man zuallererst nur eine Aussage über die rentenversicherten Niedrigverdiener. Damit fehlen
die nicht rentenversicherten Niedrigverdiener (nie bzw. zu wenig gearbeitet),
die nicht rentenversicherten Besserverdiener,
Frauen fehlen übrigens (bei der Linken, nicht bei der DRV) komplett,
und alle bereits vor dem 65. Lebensjahr Verstorbenen.
Schwentker spekuliert nicht darüber, in welche Richtung sich die Lebenserwartung ändern würde, wenn man dieser Personengruppen berücksichtigen würde. Auch ich lasse das, wichtig ist nur, dass in den Zahlen, die die Linke als Basis genommen hat, nicht alle relevanten Personen erfasst werden. Damit sind erste Zweifel angebracht.
b) Selbst wenn man die Zahlen der Deutschen Rentenversicherer nimmt, muss man Vorsicht walten lassen. Denn die Grundgesamtheit der Rentner ändert sich über den Zeitablauf natürlich und das ist in diesem Fall sehr entscheidend.
Wenn viele neue Rentner nachrücken, sinkt das durchschnittliche Alter der Rentner. Und damit sinkt die durchschnittliche Restlebenserwartung. Das hört sich erstmal sehr komisch an, aber nach der Lektüre des Artikels von Schwentker sollte das klarer werden. Wenn nicht, bohre ich das mit einem Beispiel nochmal weiter auf.
Achtung: Die Zahlen sind Wurscht, es geht nur um die Veränderung der Verteilung ...
Angenommen wir haben 200 Rentner, die 65, 100 die 75 und 30 die 85 Jahre alt sind. Die Sterbewahrscheinlichkeit beträgt 1%, 5% und 10% für die jeweiligen Altersgruppen (stimmt sogar grob).
Dann sterben 2 der 65jährigen im laufenden Jahr, 5 der 75jährigen und 3 der 85-jährigen. Damit ist die durchschnittliche Lebenserwartung 12 Jahre (((2*1)+(5*11)+(3*21))/10).
Kommt nun ein Schwall von jungen Rentnern hinzu und wir haben nun 300 65-jährige, 100 75-jährige und 30 85-jährige (die Sterbewahrscheinlichkeit ändert sich keinen Deut), sterben nun 3 der 65-jährigen im laufenden Jahr, 5 der 75-jährigen und 3 der 85-jährigen. Damit ist die durchschnittliche Lebenserwartung 11 Jahre (((3*1)+(5*11)+(3*21))/11), also ein ganzes Jahr niedriger.
Selbst wenn die 65-jährigen wesentlich seltener sterben als die 85-jährigen, reicht allein der Anstieg der Zahl der jungen Rentner aus, um die durchschnittliche Restlebenserwartung zu senken.
Interessant, gell?
Zusammengefasst kann man die Aussage, die die Linke getroffen hat, aus den Daten, die die DRV (bis dato) zur Verfügung gestellt hat, nicht ableiten. Sowohl die ganzen fehlenden Menschen, die in Punkt a stecken, als auch die statistischen Effekte, die ich (hoffentlich verständlich) in Punkt b erklärt habe, lassen eine solche Ableitung unseriös erscheinen ...
Glaube keiner Statistik, die du nicht selber verstanden hast ...
Schwentker erklärt auch noch schön, dass die von der DRV errechnete Lebenserwartung sich schon deutlich von der Restlebenserwartung (die die Linke verwendet hat) unterscheidet. In einem Zeitraum, in der die Linke schon einen Rückgang errechnet hat, kommt die DRV sehr wohl noch auf eine steigende Lebenserwartung.
Eine wichtige Anmerkung zum Schluss: Die grundsätzliche Kritik, die die Linke äußert, mag durchaus gerechtfertigt sein. Denn wenn man die Zahlen (und zwar alle) nimmt, steigt die Lebenserwartung der Niedrigverdiener zwar, aber wohl langsamer als die der Normal- und Besserverdiener (alles unter Vorbehalt, weil die Zahlen zur Lebenserwartung nur bis 2006 vorliegen). Auch das schon wäre ein Anlass für politisches Handeln, die Aussage, dass die Lebenserwartung der Niedrigverdiener sinkt, stimmt trotzdem nicht.
Wer Lust hat, kann den Effekt ja mal mit den richtigen Werten aus der Sterbetafel und der wirklichen Altersverteilung der Bevölkerung durchrechnen.
(Wenn mir das jemand bezahlt, mache ich das auch ...)
Bin mal gespannt, wie viele Medien jetzt diesen Disclaimer bringen und wie viele den alten "völlig dramatisch"-Artikel, auch wenn er eigentlich nicht zulässig, womöglich sogar falsch ist, einfach unkommentiert stehen lassen ...
Arm-stirbt-eher-"Studie" der Linken nur ein Statistik Fail?
Machen wir mal den Crosscheck, den die Journalisten scheinbar nicht mehr machen :-(
Visa meldet 863 Geldautomaten in Lettland. Macht bei (angeblichen) 10.000 Kunden, die heute die Automaten gestürmt haben sollen, knapp 12 Kunden pro Geldautomaten.
Häh? Das soll ein Bankrun sein?
Die 10.000 Kunden kann ich einordnen (und die sehen nicht wirklich nach Bankrun aus), die 28 Millionen Euro, die heute abgehoben wurden, nicht. Aber sooo wahnsinnig viel hört sich das auch nicht an ... Leider finde ich für Deutschland keine Antwort auf die Frage "wie viel Geld wird in Deutschland pro Tag abgehoben", über die man unter Umständen ableiten könnte.
Ganz generell frage ich mich auch noch, ob die Zahl der Leute, die sich Geld am Geldautomaten abheben, so wahnsinnig relevant ist. Denn die Leute, die kritisch sind, weil sie viel Geld haben, gehen doch nicht zum Automaten ...
Aber so ist das halt: Debunking bringt keinen Artikel. Ach so, halt doch ;-)
Machen wir mal den Crosscheck, den die Journalisten scheinbar nicht mehr machen :-(
Visa meldet 863 Geldautomaten in Lettland. Macht bei (angeblichen) 10.000 Kunden, die heute die Automaten gestürmt haben sollen, knapp 12 Kunden pro Geldautomaten.
Häh? Das soll ein Bankrun sein?
Die 10.000 Kunden kann ich einordnen (und die sehen nicht wirklich nach Bankrun aus), die 28 Millionen Euro, die heute abgehoben wurden, nicht. Aber sooo wahnsinnig viel hört sich das auch nicht an ... Leider finde ich für Deutschland keine Antwort auf die Frage "wie viel Geld wird in Deutschland pro Tag abgehoben", über die man unter Umständen ableiten könnte.
Ganz generell frage ich mich auch noch, ob die Zahl der Leute, die sich Geld am Geldautomaten abheben, so wahnsinnig relevant ist. Denn die Leute, die kritisch sind, weil sie viel Geld haben, gehen doch nicht zum Automaten ...
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