USA: Arbeitslosenquote 02/12: 8,3% (unv. Vm, -0,7 Vj)
Zu den offiziellen Zahlen für den Februar 2012:
Household Data, per Umfrage erhoben:
Anzahl der Arbeitslosen: +48.000 auf 12,806 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: +428.000 auf 142,065 Millionen
---> Arbeitslosenquote: 8,3% (unverändert zum Vormonat, -0,7 unter dem Vorjahresmonat).
Die Zahl der NILFs sank im Februar ausnahmsweise um 310.000. Damit wurden diesen Monat nicht wie so oft üblich, Personen aus dem Arbeitsmarkt "ausgebucht", sondern deren Zahl sank sogar.
Die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung), die für mich immer ein guter Crosscheck zur politisch optimierten Arbeitslosenquote darstellt, zeigt das auch gut: Sie stieg im Februar auf 58,6% (+0,1) und liegt nun 0,2 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert von 58,4%. Man sollte aus den letzten zwei Monaten nicht voreilig Schlüsse ziehen, aber eines steht fest: Es wächst nun nicht mehr nur die Zahl der Beschäftigten (was natürlich an sich auch schon positiv ist), sondern die Zahl wächst nun schneller als die Gesamtbevölkerung, wenn auch nur ganz behutsam.
Establishment Data:
Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, decken sich mit den "bereinigten" Arbeitslosenzahlen.
Anzahl der Jobs: +227.000 gegenüber dem Vormonat auf 132,679 Millionen. 233.000 neuen Jobs im privaten Sektor stand ein Verlust von 6.000 Jobs im öffentlichen Sektor gegenüber.
Stark wurde der zweite Teil des Arbeitsmarktberichts durch die Korrekturen der Vormonate: Das Plus aus dem Dezember wurde von 203.000 auf 223.000 nach oben korrigiert, der Januar von +243.000 auf +284.000. Das sind 61.000 weitere Arbeitsplätze, die man eigentlich auf das Monatsplus von 227.000 rechnen müsste. Damit setzt sich die Reihe kräftiger Aufwärtskorrekturen aus den Vormonaten fort.
Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb im Vergleich zum Januar stabil bei 34,5 Stunden, im Vergleich zum Vorjahresmonat beträgt das Plus 0,2 Stunden. Die Zahl der Überstunden blieb ebenfalls stabil bei 3,4 Stunden, ebenfalls 0,2 Stunden über dem Februar 2011. Beides deckt die Aussage von steigender Nachfrage nach Arbeit.
Ein guter Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6. Diese sank wiederum leicht um 0,2 Prozentpunkte auf 14,9%. Das ist weiterhin deutlich besser als im Vorjahr (15,9%).
Zusammenfassend: Ein stimmiger Arbeitsmarktbericht. Die Verbesserungen sind nicht dramatisch, sondern weiterhin eher zögerlich. Aber immerhin wächst die Nachfrage nach dem Faktor Arbeit wieder (und auch etwas schneller als die Gesamtbevölkerung), was den Wirtschaftsaufschwung in den USA weiter stabilisieren dürfte.
BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – February 2012
Labels: arbeitsmarkt, usa, wirtschaft, zahldestages 4 Kommentare
8 Gigawatt neue Solaranlagen 2012?
Eigentlich sollte die Vergütung sogar schon zum 9.3. runter, um einen Schlussspurt vor der Senkung zu verhindern. Die Einspeisevergütung sinkt - wann auch immer - schlagartig auf maximal 19,5 Cent (vorher 24,43 Cent/KWh für kleine Dachanlagen bis 10 KW). Große Dachanlagen bekommen 16,5 Cent/KWh (vorher 21,98), Freiflächenanlagen 13,50 statt 18,33 Cent/KWh. Das ist immerhin eine Senkung um 20 bis fast 30%. Ab Mai sollen die Preisen dann fix um 0,15 Cent je KWh pro Monat weitersinken, also 1,8 Cent/KWh pro Jahr. (weitere Details: Erneuerbare-Energien-Gesetz: Solarförderung wird gekappt - Energiepolitik - FAZ)
Daher glaube ich nicht an ein erneutes Rekordjahr. Nach den etwa 7,5 Gigawatt 2011, einem Jahr in dem kontinuierlich deutlich zu hoch gefördert wurde, sinkt nach meiner Einschätzung spätestens mit der Senkung im April die Rendite im größten Teil Deutschlands klar unter 5%. Gerade bei den Anlagen, die nicht bei Privatleuten auf den Dächern landen, wird die Pflicht 10% des Stroms selber zu verbrauchen bzw. zu verkaufen, den Durchschnittspreis für den produzierten Strom noch weiter senken. (Bin übrigens gespannt, wie der Stromverkauf abgewickelt wird und wie die Preise dafür aussehen ... Das sieht schon im Vorfeld nach völlig intransparenten und gekungelten Märkten aus ...)
Daher glaube ich nicht an 8 Gigawatt, die Schätzung scheint mir deutlich zu hoch zu sein. Auf der anderen Seite hat Wacker Chemie schon im letzten Herbst Selbstkosten 15 Cent/KWh für Dachanlagen errechnet, diese dürften trotz aller Kürzungen und Einschränkungen weiterhin profitabel/rentabel sein. Aber das ist halt nur ein Teil des Marktes.
Eine Prognose für 2012 ist natürlich verdammt schwierig, weil niemand den Preisverfall kennt. Ich rechne mit einem deutlichen Einbruch nach der Kürzung im April. In den Südländern wurden die Programme gekürzt (teilweise auf Null), in China ebenfalls. Die Nachfrage sinkt also rund um den Globus.
Es sei denn, der Nachfrageeinbruch wird so stark, dass die Preise gleich mitcrashen. Und dann kann sich das Ganze viel schneller wieder rechnen als man sich das heute vorstellen kann. Wer weiss, vielleicht sinken die Preise bereits bis zum Herbst nochmal um 20 oder 30% und dann wird es mit Sicherheit den nächsten Boom geben.
Es wäre nicht das erste Mal, dass die Preise für Fotovoltaik stärker fallen würden als man schätzte und sich Kürzungen, die dramatisch sein sollten, am Ende ziemlich verpufften und die Nachfrage nur für wenige Wochen sank.
Es geht halt kein Weg daran vorbei, die Förderung dauernd zu überprüfen. Dauernd die Kosten und die Leistung zu erheben und fortlaufend anzupassen (siehe VORSCHLAG: EINSPEISEVERGÜTUNG FÜR EEG DYNAMISCH UND AUTOMATISCH ANPASSEN). Die sprunghaften Anpassungen machten keinen Sinn, sie führen immer zu sinnlosen Nachfragebooms und -einbrüchen und verschlechterten die Planbarkeit, sowohl auf Hersteller- wie auf Verbraucherseite.
Jetzt ersetzt man die jährlichen bzw. halbjährlichen Sprünge durch monatliche Senkungen (eine Verbesserung!), macht diese aber im Gegensatz zum letzten Modell nicht variabel. Erst ab 2014 kann wieder zusätzlich (bei zu hoher Installationsmenge im Vorjahr) gekürzt werden, das aber natürlich wieder sprunghaft (wobei die Sprünge wegen der fixen monatlichen Senkung wohl geringer ausfallen werden).
Mir ist schleierhaft, wieso nach 12 Jahren EEG immer noch so dämlich Politik gemacht wird ... Wie schwierig ist es denn, einfach zu messen und zu erfassen und dann permanent zu senken?
Generell erschließt sich mir nicht, wieso die Regierung ab 2014 die Menge zusätzlich installierter Fläche so deutlich begrenzen will (2,5 bis 3,5 GW pro Jahr). Die Vergütungen sinken doch, die kleinsten Anlagen sind dann bei 16 Cent je KWh angekommen, mit den großen Anlagen zusammen sind dann bereits Durchschnittskosten von 13 oder 14 Cent für Fotovoltaikstrom erreicht. Und auf dem Niveau, das nach meiner Interpretation immer das Ziel des ganzen Projekts EEG sein sollte, kürzt man die Menge der zusätzlich installierten Leistung? Da komm ich nicht mit ...
Neuer Ausbaurekord erwartet: Solarbranche wächst trotz Subventionskürzung weiter - Wirtschaft - FAZ
Update (17:51):
Die Stellungnahme des DIW passt jetzt nur 100% zum Thema, aber liegt schon länger in meiner Queue und bevor ich die (wie so vieles) gar nicht verlinke, packe ich die mal hierher:
DIW Berlin: Stellungnahme zur geplanten Änderung der Förderung von Solarstrom
Warum wird schon wieder die Anpassung geändert? Warum so stark? Warum so schnell? Wo bleibt die Planungssicherheit? Wer hat die 0,15 Cent pro Monat ausgewürfelt? Wie sollen die langfristigen Ziele für die Solarenergie erreicht werden, wenn so dramatisch zusammengestrichen wird?
Eigentlich sollte die Vergütung sogar schon zum 9.3. runter, um einen Schlussspurt vor der Senkung zu verhindern. Die Einspeisevergütung sinkt - wann auch immer - schlagartig auf maximal 19,5 Cent (vorher 24,43 Cent/KWh für kleine Dachanlagen bis 10 KW). Große Dachanlagen bekommen 16,5 Cent/KWh (vorher 21,98), Freiflächenanlagen 13,50 statt 18,33 Cent/KWh. Das ist immerhin eine Senkung um 20 bis fast 30%. Ab Mai sollen die Preisen dann fix um 0,15 Cent je KWh pro Monat weitersinken, also 1,8 Cent/KWh pro Jahr. (weitere Details: Erneuerbare-Energien-Gesetz: Solarförderung wird gekappt - Energiepolitik - FAZ)
Daher glaube ich nicht an ein erneutes Rekordjahr. Nach den etwa 7,5 Gigawatt 2011, einem Jahr in dem kontinuierlich deutlich zu hoch gefördert wurde, sinkt nach meiner Einschätzung spätestens mit der Senkung im April die Rendite im größten Teil Deutschlands klar unter 5%. Gerade bei den Anlagen, die nicht bei Privatleuten auf den Dächern landen, wird die Pflicht 10% des Stroms selber zu verbrauchen bzw. zu verkaufen, den Durchschnittspreis für den produzierten Strom noch weiter senken. (Bin übrigens gespannt, wie der Stromverkauf abgewickelt wird und wie die Preise dafür aussehen ... Das sieht schon im Vorfeld nach völlig intransparenten und gekungelten Märkten aus ...)
Daher glaube ich nicht an 8 Gigawatt, die Schätzung scheint mir deutlich zu hoch zu sein. Auf der anderen Seite hat Wacker Chemie schon im letzten Herbst Selbstkosten 15 Cent/KWh für Dachanlagen errechnet, diese dürften trotz aller Kürzungen und Einschränkungen weiterhin profitabel/rentabel sein. Aber das ist halt nur ein Teil des Marktes.
Eine Prognose für 2012 ist natürlich verdammt schwierig, weil niemand den Preisverfall kennt. Ich rechne mit einem deutlichen Einbruch nach der Kürzung im April. In den Südländern wurden die Programme gekürzt (teilweise auf Null), in China ebenfalls. Die Nachfrage sinkt also rund um den Globus.
Es sei denn, der Nachfrageeinbruch wird so stark, dass die Preise gleich mitcrashen. Und dann kann sich das Ganze viel schneller wieder rechnen als man sich das heute vorstellen kann. Wer weiss, vielleicht sinken die Preise bereits bis zum Herbst nochmal um 20 oder 30% und dann wird es mit Sicherheit den nächsten Boom geben.
Es wäre nicht das erste Mal, dass die Preise für Fotovoltaik stärker fallen würden als man schätzte und sich Kürzungen, die dramatisch sein sollten, am Ende ziemlich verpufften und die Nachfrage nur für wenige Wochen sank.
Es geht halt kein Weg daran vorbei, die Förderung dauernd zu überprüfen. Dauernd die Kosten und die Leistung zu erheben und fortlaufend anzupassen (siehe VORSCHLAG: EINSPEISEVERGÜTUNG FÜR EEG DYNAMISCH UND AUTOMATISCH ANPASSEN). Die sprunghaften Anpassungen machten keinen Sinn, sie führen immer zu sinnlosen Nachfragebooms und -einbrüchen und verschlechterten die Planbarkeit, sowohl auf Hersteller- wie auf Verbraucherseite.
Jetzt ersetzt man die jährlichen bzw. halbjährlichen Sprünge durch monatliche Senkungen (eine Verbesserung!), macht diese aber im Gegensatz zum letzten Modell nicht variabel. Erst ab 2014 kann wieder zusätzlich (bei zu hoher Installationsmenge im Vorjahr) gekürzt werden, das aber natürlich wieder sprunghaft (wobei die Sprünge wegen der fixen monatlichen Senkung wohl geringer ausfallen werden).
Mir ist schleierhaft, wieso nach 12 Jahren EEG immer noch so dämlich Politik gemacht wird ... Wie schwierig ist es denn, einfach zu messen und zu erfassen und dann permanent zu senken?
Generell erschließt sich mir nicht, wieso die Regierung ab 2014 die Menge zusätzlich installierter Fläche so deutlich begrenzen will (2,5 bis 3,5 GW pro Jahr). Die Vergütungen sinken doch, die kleinsten Anlagen sind dann bei 16 Cent je KWh angekommen, mit den großen Anlagen zusammen sind dann bereits Durchschnittskosten von 13 oder 14 Cent für Fotovoltaikstrom erreicht. Und auf dem Niveau, das nach meiner Interpretation immer das Ziel des ganzen Projekts EEG sein sollte, kürzt man die Menge der zusätzlich installierten Leistung? Da komm ich nicht mit ...
Neuer Ausbaurekord erwartet: Solarbranche wächst trotz Subventionskürzung weiter - Wirtschaft - FAZ
Update (17:51):
Die Stellungnahme des DIW passt jetzt nur 100% zum Thema, aber liegt schon länger in meiner Queue und bevor ich die (wie so vieles) gar nicht verlinke, packe ich die mal hierher:
DIW Berlin: Stellungnahme zur geplanten Änderung der Förderung von Solarstrom
Warum wird schon wieder die Anpassung geändert? Warum so stark? Warum so schnell? Wo bleibt die Planungssicherheit? Wer hat die 0,15 Cent pro Monat ausgewürfelt? Wie sollen die langfristigen Ziele für die Solarenergie erreicht werden, wenn so dramatisch zusammengestrichen wird?
Labels: co2, deutschland, energie, politik, solarenergie, wirtschaft 3 Kommentare
Umfrage: Wie hoch wird die Beteiligung beim PSI?
Wer wird heute noch zustimmen? Wird die Schwelle erreicht, ab der das Angebot umgesetzt werden kann? Oder werden die Hedgefonds, denen die Financial Times in der letzten Wochen 25% der Griechenbonds zugeschrieben hat, die Zustimmungsquote massiv drücken?
Aktuell soll die Zustimmung bei 52% liegen, berichtete das Wall Street Journal gestern Nacht (Greece Moves Closer to Swap - WSJ.com), die FT meldet 53%.
Die ganzen Quoten sind ziemlich unübersichtlich.
Die griechischen Anleihen setzen sich aus 86% Anleihen unter griechischem Recht und 14% unter ausländischem Recht zusammen. Beide dürfen abstimmen, werden aber getrennt gewertet.
Von den 86% müssen mindestens 50% eine Stimme abgeben, was wohl erreicht wird. Wenn 2/3 (von den 86%) dem Haircut zustimmen, kann Griechenland die CACs triggern, womit die gesamten 86% am Haircut teilnehmen würden. Die 14% Rest betrifft das aber nicht. Bei dieser Variante würden wahrscheinlich die CDS triggern, die Kreditausfallversicherungen müsste also zahlen (ob für alle Bonds ist mir nicht ganz klar, aber ich würde davon ausgehen).
Um den Haircut für die gesamten 14% einzuleiten, muss Griechenland aber zuerst den Zahlungsausfall erklären. Wenn selbst das die CDS nicht triggern sollte, kann man das Instrument der Kreditausfallversicherung (zumindest für Staatsanleihen) in die Mottenkiste packen.
Zielmarke bei den Troika-Prognosen war übrigens eine Zustimmung von 95%. Wenn ich das alles richtig verstehe, kann dieser Wert eigentlich nur erreicht werden, wenn die Halter der 14% zwar überwiegend freiwillig zustimmen, aber Griechenland den Default nicht einleitet (sonst wären ja wieder 100% beteiligt), sprich bei den 14% Bonds wirklich nur freiwillig geschnitten wird.
Bei der Umfrage will ich von Euch wissen, wie hoch die Zustimmung über alle Bonds wird (obwohl man auch nach den einzelnen Werten für die beiden Klassen fragen könnte oder nach dem Endwert der "geschnittenen" Bonds):
Update (13:29):
a) Die Abstimmung läuft bis heute Abend 21:00. Die Ergebnisse soll es morgen früh geben.
b) Die FTD stellt die Grenzen etwas anders dar:
So schulden die Griechen um
Vor allem sieht die FTD die CACs bei den Anleihen nach internationalem Recht und die nach griechischem Recht ohne ...
Update 2 (15:36):
ich habe übrigens 75 bis 80 gesagt. Ihr könnte eure Tipps gerne in den Kommentaren hinterlassen und euch nachher auf die Schulter klopfen, wenn der Tipp richtig war.
Update 3 (15:50):
Die FAZ meint, dass bei einer Zustimmung von mehr als 90% Griechenland den Default NICHT vollziehen würde, weil es sich dann für Griechenland nicht mehr lohnt. Gibt nur Scherereien (CDS, Klagen), nützt aber kaum noch was. Außerdem geht die FAZ davon aus, dass bereits 66% Zustimmung die CACs triggern würde. Die 66% beziehen sich dabei auf alle Anleihen, die CACs nur auf die nach griechischem Recht.
Was mit den Anleihen nach ausländischem Recht passiert, ist mir nach der FAZ Darstellung unklar ...
Griechische Anleihen: Was auf Privatanleger zukommt - Anleihen & Zinsen - FAZ
Update 4 (16:39):
Habs oben im Text nochmal korrigiert/ überarbeitet und es hoffentlich jetzt richtig/besser verständlich dargestellt.
Update 5 (18:10):
Griechenland meldet mehr als 75% Zustimmung.
Update 6 (18:41):
Es macht evtl. mal Sinn, halbwegs zeitnah das Zwischenergebnis einzuloggen, nachdem die Griechen die Überschreitung der 75% Schwelle gemeldet haben ... Unter dieser Grenze waren fast zwei Drittel der Stimmen (66%). Also klarer Crowdsourcing-Fail.
Update 7 (21:18):
Gerüchte: 90% Beteiligung, 80% Zustimmung.
Über 90% Beteiligung an der PSI - SKY (www.skai.gr)
Ich logge das mal als Endergebnis ein: Interessant, dass nur ein einzige Stimme für mehr als 90% kam ...
Update 7 (09.03.12)
Ich kopiere den Text aus meinem Zweitblog nochmal rüber (Die Verkündung der PSI-Zahlen - egghat's not so micro blog):
Damit können wie eigentlich noch keine Endabrechnung machen, weil die 31% der Griechenbonds nach internationalem Recht ja noch weitere zwei Wochen zustimmen dürfen.
Wir werden aber irgendwo in der Nähe der 85% Marke landen, so dass ich einfach mal die ganzen 12 Voter (oder 23%) in den Klassen 80-84,9 und 85,0 bis 89,9% als richtig werte. Ich war eine Stufe tiefer, die klare Mehrheit noch tiefer. Zumindest für die Voter hier war die Zustimmung also deutlich höher als erwartet. Wie oben schon geschrieben: Crowd Sourcing Fail.
Da niemand namentlich in den Kommentaren abgestimmt hat, muss der "Es kann nur einen geben"-Lamborghini Aventador J leider in meinem Besitz bleiben. Oder hatte ich vergessen zu erwähnen, dass es den zu gewinnen gab ;-)
Update 8:
mh120480 hat darauf hingewiesen, dass die Ankündigung, die CACs zu feuern, noch lange nicht bedeutet, dass die auch gefeuert werden. Es liest sich zwar wie eine endgültige Entscheidung, ist aber unter Umständen auch mehr als Drohung zu verstehen. Es könnte sein, dass Griechenland damit eine erhöhte Annahmequote unter den restlichen Anleihen (die nach internationalem Recht, die noch zwei weitere Wochen zum Nachdenken haben). Würden dort mehr als die bisher 69% zum Umtausch entscheiden, würde die Annahmequote über alle Anleihen nahe an die 90%-Marke steigen. Dann könnte Griechenland auf einen zwangsweisen Schuldenschnitt verzichten und einfach mit den 90% leben. Kostet zwar etwas mehr Geld, aber es würden keine CDS gefeuert und es wäre auch (natürlich nur in der aktuell üblichen großzügigen Definition) kein Default. Es wäre ja alles rein freiwillig ...
Nicht dass ich das für die wahrscheinliche Variante halte, aber es ist eine mögliche.
Daher ist mir etwas unklar, wie die ISDA heute Nachmittag entscheiden will, ob es ein Credit Event gab oder nicht. Eigentlich können die nur sagen, dass falls die CACs gefeuert werden, auch ein Credit Event eintritt. Aber vorher ?!?
Ich wäre wenig überrascht, wenn heute Nachmittag genau dieses (salomonische) Urteil von der ISDA verkündet wird.
Wer wird heute noch zustimmen? Wird die Schwelle erreicht, ab der das Angebot umgesetzt werden kann? Oder werden die Hedgefonds, denen die Financial Times in der letzten Wochen 25% der Griechenbonds zugeschrieben hat, die Zustimmungsquote massiv drücken?
Aktuell soll die Zustimmung bei 52% liegen, berichtete das Wall Street Journal gestern Nacht (Greece Moves Closer to Swap - WSJ.com), die FT meldet 53%.
Die ganzen Quoten sind ziemlich unübersichtlich.
Die griechischen Anleihen setzen sich aus 86% Anleihen unter griechischem Recht und 14% unter ausländischem Recht zusammen. Beide dürfen abstimmen, werden aber getrennt gewertet.
Von den 86% müssen mindestens 50% eine Stimme abgeben, was wohl erreicht wird. Wenn 2/3 (von den 86%) dem Haircut zustimmen, kann Griechenland die CACs triggern, womit die gesamten 86% am Haircut teilnehmen würden. Die 14% Rest betrifft das aber nicht. Bei dieser Variante würden wahrscheinlich die CDS triggern, die Kreditausfallversicherungen müsste also zahlen (ob für alle Bonds ist mir nicht ganz klar, aber ich würde davon ausgehen).
Um den Haircut für die gesamten 14% einzuleiten, muss Griechenland aber zuerst den Zahlungsausfall erklären. Wenn selbst das die CDS nicht triggern sollte, kann man das Instrument der Kreditausfallversicherung (zumindest für Staatsanleihen) in die Mottenkiste packen.
Zielmarke bei den Troika-Prognosen war übrigens eine Zustimmung von 95%. Wenn ich das alles richtig verstehe, kann dieser Wert eigentlich nur erreicht werden, wenn die Halter der 14% zwar überwiegend freiwillig zustimmen, aber Griechenland den Default nicht einleitet (sonst wären ja wieder 100% beteiligt), sprich bei den 14% Bonds wirklich nur freiwillig geschnitten wird.
Bei der Umfrage will ich von Euch wissen, wie hoch die Zustimmung über alle Bonds wird (obwohl man auch nach den einzelnen Werten für die beiden Klassen fragen könnte oder nach dem Endwert der "geschnittenen" Bonds):
Update (13:29):
a) Die Abstimmung läuft bis heute Abend 21:00. Die Ergebnisse soll es morgen früh geben.
b) Die FTD stellt die Grenzen etwas anders dar:
So schulden die Griechen um
Vor allem sieht die FTD die CACs bei den Anleihen nach internationalem Recht und die nach griechischem Recht ohne ...
Update 2 (15:36):
ich habe übrigens 75 bis 80 gesagt. Ihr könnte eure Tipps gerne in den Kommentaren hinterlassen und euch nachher auf die Schulter klopfen, wenn der Tipp richtig war.
Update 3 (15:50):
Die FAZ meint, dass bei einer Zustimmung von mehr als 90% Griechenland den Default NICHT vollziehen würde, weil es sich dann für Griechenland nicht mehr lohnt. Gibt nur Scherereien (CDS, Klagen), nützt aber kaum noch was. Außerdem geht die FAZ davon aus, dass bereits 66% Zustimmung die CACs triggern würde. Die 66% beziehen sich dabei auf alle Anleihen, die CACs nur auf die nach griechischem Recht.
Was mit den Anleihen nach ausländischem Recht passiert, ist mir nach der FAZ Darstellung unklar ...
Griechische Anleihen: Was auf Privatanleger zukommt - Anleihen & Zinsen - FAZ
Update 4 (16:39):
Habs oben im Text nochmal korrigiert/ überarbeitet und es hoffentlich jetzt richtig/besser verständlich dargestellt.
Update 5 (18:10):
Griechenland meldet mehr als 75% Zustimmung.
Update 6 (18:41):
Es macht evtl. mal Sinn, halbwegs zeitnah das Zwischenergebnis einzuloggen, nachdem die Griechen die Überschreitung der 75% Schwelle gemeldet haben ... Unter dieser Grenze waren fast zwei Drittel der Stimmen (66%). Also klarer Crowdsourcing-Fail.
Update 7 (21:18):
Gerüchte: 90% Beteiligung, 80% Zustimmung.
Über 90% Beteiligung an der PSI - SKY (www.skai.gr)
Ich logge das mal als Endergebnis ein: Interessant, dass nur ein einzige Stimme für mehr als 90% kam ...
Update 7 (09.03.12)
Ich kopiere den Text aus meinem Zweitblog nochmal rüber (Die Verkündung der PSI-Zahlen - egghat's not so micro blog):
Damit können wie eigentlich noch keine Endabrechnung machen, weil die 31% der Griechenbonds nach internationalem Recht ja noch weitere zwei Wochen zustimmen dürfen.
Wir werden aber irgendwo in der Nähe der 85% Marke landen, so dass ich einfach mal die ganzen 12 Voter (oder 23%) in den Klassen 80-84,9 und 85,0 bis 89,9% als richtig werte. Ich war eine Stufe tiefer, die klare Mehrheit noch tiefer. Zumindest für die Voter hier war die Zustimmung also deutlich höher als erwartet. Wie oben schon geschrieben: Crowd Sourcing Fail.
Da niemand namentlich in den Kommentaren abgestimmt hat, muss der "Es kann nur einen geben"-Lamborghini Aventador J leider in meinem Besitz bleiben. Oder hatte ich vergessen zu erwähnen, dass es den zu gewinnen gab ;-)
Update 8:
mh120480 hat darauf hingewiesen, dass die Ankündigung, die CACs zu feuern, noch lange nicht bedeutet, dass die auch gefeuert werden. Es liest sich zwar wie eine endgültige Entscheidung, ist aber unter Umständen auch mehr als Drohung zu verstehen. Es könnte sein, dass Griechenland damit eine erhöhte Annahmequote unter den restlichen Anleihen (die nach internationalem Recht, die noch zwei weitere Wochen zum Nachdenken haben). Würden dort mehr als die bisher 69% zum Umtausch entscheiden, würde die Annahmequote über alle Anleihen nahe an die 90%-Marke steigen. Dann könnte Griechenland auf einen zwangsweisen Schuldenschnitt verzichten und einfach mit den 90% leben. Kostet zwar etwas mehr Geld, aber es würden keine CDS gefeuert und es wäre auch (natürlich nur in der aktuell üblichen großzügigen Definition) kein Default. Es wäre ja alles rein freiwillig ...
Nicht dass ich das für die wahrscheinliche Variante halte, aber es ist eine mögliche.
Daher ist mir etwas unklar, wie die ISDA heute Nachmittag entscheiden will, ob es ein Credit Event gab oder nicht. Eigentlich können die nur sagen, dass falls die CACs gefeuert werden, auch ein Credit Event eintritt. Aber vorher ?!?
Ich wäre wenig überrascht, wenn heute Nachmittag genau dieses (salomonische) Urteil von der ISDA verkündet wird.
Labels: banken, europa, griechenland, staatspleite, wirtschaft 2 Kommentare
Bilanzsumme der EZB überschreitet 3 Billionen Euro
3.023.159.000.000 (3,023 Billionen) Euro.
Das war nach dem zweiten LTRO-Gigatender keine große Überraschung, das Geld muss ja irgendwo in der EZB Bilanz auftauchen. Ich hatte das in meinem Posting über die Bankeinlagen bei der EZB schon vermutet (Banken legen 777 Mrd. Euro bei EZB an - egghat's not so micro blog).
Nun ja. Die ganze Aktion hat die Bilanzsumme in der letzten Woche um 330,6 Mrd. Euro nach oben gehievt (OK, nur 310 Mrd. gingen auf neue Ausleihungen an die Banken zurück). Damit stellt sich die Entwicklung der letzen drei Jahre nun wie folgt dar:
![]() |
| Bilanzsumme der EZB Anfang März 2012 in Euro |
EZB: Konsolidierter Ausweis des Eurosystems zum 2. März 2012
Die Bilanzsumme der EZB dürfte damit auch größer sein als die der Fed, aber dazu habe ich keinen schönen Chart gefunden, in dem man das auf einen Blick sehen könnte.
In Dollar ist die EZB-Bilanz übrigens 3,96 Billionen schwer, da gibt's in der nächsten Woche wohl die nächste runde Zahl, die überschritten wird ...
Update (15:55):
Die Fed-Bilanzsumme liegt übrigens bei 2,928 Billionen Dollar. Selbst bei einer 1:1 Umrechnung wäre die EZB Bilanz also größer. Da der Euro aber etwa ein Drittel mehr wert ist als der Dollar, ist die Bilanzsumme der EZB auch etwa ein Drittel größer als die Bilanzsumme der Fed.
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| Bilanzsumme der Fed Anfang März 2012 in Dollar |
3.023.159.000.000 (3,023 Billionen) Euro.
Das war nach dem zweiten LTRO-Gigatender keine große Überraschung, das Geld muss ja irgendwo in der EZB Bilanz auftauchen. Ich hatte das in meinem Posting über die Bankeinlagen bei der EZB schon vermutet (Banken legen 777 Mrd. Euro bei EZB an - egghat's not so micro blog).
Nun ja. Die ganze Aktion hat die Bilanzsumme in der letzten Woche um 330,6 Mrd. Euro nach oben gehievt (OK, nur 310 Mrd. gingen auf neue Ausleihungen an die Banken zurück). Damit stellt sich die Entwicklung der letzen drei Jahre nun wie folgt dar:
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| Bilanzsumme der EZB Anfang März 2012 in Euro |
EZB: Konsolidierter Ausweis des Eurosystems zum 2. März 2012
Die Bilanzsumme der EZB dürfte damit auch größer sein als die der Fed, aber dazu habe ich keinen schönen Chart gefunden, in dem man das auf einen Blick sehen könnte.
In Dollar ist die EZB-Bilanz übrigens 3,96 Billionen schwer, da gibt's in der nächsten Woche wohl die nächste runde Zahl, die überschritten wird ...
Update (15:55):
Die Fed-Bilanzsumme liegt übrigens bei 2,928 Billionen Dollar. Selbst bei einer 1:1 Umrechnung wäre die EZB Bilanz also größer. Da der Euro aber etwa ein Drittel mehr wert ist als der Dollar, ist die Bilanzsumme der EZB auch etwa ein Drittel größer als die Bilanzsumme der Fed.
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| Bilanzsumme der Fed Anfang März 2012 in Dollar |
Labels: europa, ezb, finanzkrise20, wirtschaft, zahldestages 1 Kommentare
Europa ist doomed
Zumindest wenn man einfach denkt, ist einer der (bekannten) großen Standortnachteile Europas im Vergleich zu den USA die Sprachvielfalt. Diese verursacht nicht nur direkte Kosten (Kommunikation), sondern auch indirekte. Zum Beispiel sinkt die Mobilität der Arbeiter deutlich. Boomt die Wirtschaft in den Niederlanden, ziehe ich diese 200 Kilometer trotzdem kaum um, nach Frankfurt oder Hamburg hingegen schon viel eher. Ähnlich wird es in Freiburg gehen: Der Umzug über den Rhein nach Frankreich wird den meisten deutlich schwerer fallen als ein Umzug nach Karlsruhe. In den USA fällt den Menschen der Umzug viel einfacher und diese ziehen auch tatsächlich viel häufiger und mit größeren Entfernungen um. Dadurch gleichen sich Unterschiede im Arbeitsmarkt deutlich schneller aus. Aus Detroit kann man auch nur deswegen so viel Ruinen-Pron berichten, weil sich dort die Einwohnerzahl halbiert hat.
Ob viele Umzüge für das Wohlbefinden der Bevölkerung gut sind (Stichwort Verlust sozialer Bindungen), ist eine andere Frage, die ich aber in diesem Artikel nicht diskutieren möchte. Denn hier geht es nur um ein Detail der Sprache, nicht um die Verständigung an sich. Und zwar um ein winziges Detail: Die Art und Weise, wie die Zukunft gebildet wird (stark vs. schwach), konkret:
"Es wird morgen regnen" (stark, weil mit "wird" explizit die Zukunft gebildet wird) vs. "Es regnet morgen" (schwach).
Im Deutschen ist beides möglich, der letztere Form ist aber (zumindest gesprochen) üblicher. Im Englischen hingegen gibt es (praktisch) nur die starke Form.
Nun kann man alle Sprachen in diese beiden Klassen einordnen:
Schwach sind Deutsch, Dänisch, Flämisch, Japanisch, Chinesisch (Mandarin und Kantonesisch), Schwedisch, Lettisch, Finnisch, ...
Stark sind Englisch, Französisch, Portugiesich, Italienisch, Irisch, Griechisch und Spanisch.
Und jetzt habe ich mir natürlich schon die Mühe gemacht, die letzten 5 in die richtige Reihenfolge zu bringen: Da sind sie wieder, die PIIGS ...
Aber der Reihe nach ... Der Linguist M. Keith Chen von der Yale University hat versucht herauszufinden, ob die Form der Zukunftsbildung in der Sprache einen Einfluss auf das Verhalten in Bezug auf die Zukunft hat. Dabei hat er zwei Punkte in den Mittelpunkt gestellt: Gesundheit und Finanzen. Und sieh an, es ist gibt eine Menge Zusammenhänge: Die "Schwachen" sind gesünder (rauchen weniger, sind seltener dick, treiben mehr Sport...) und sorgen stärker für die Zukunft vor (höhere Sparrate, höhere Rentenvermögen).
Letzteres dürfte massiven Einfluss auf die Probleme der PIIGS haben. "Wir" sparen zu viel, die "Starken" sparen zu wenig. Wir brauchen für die Ersparnisse Exportüberschüsse, die "Starken" kaufen uns mit ihrem (im Vergleich) zu hohen Konsum die Produkte ab. Und wir können alle nicht anders: Die PIIGS denken nicht an die Zukunft, wir dagegen haben den ganzen Tag Angst vor der Zukunft ("hoffentlich bleiben wir wettbewerbsfähig").
Chen führt diesen Effekt auf einen unbewussten Kanal zurück. Denn die Korrelation (der statistische Zusammenhang) zwischen der Form der Zukunftsbildung und der Sparrate ist stärker als der Zusammenhang zwischen der Einschätzung der Wichtigkeit des Sparens und der Sparrate. Wer also im Interview sagt, dass er Sparen für wichtig hält, spart noch lange nicht. Wer hingegen eine "schwache" Sprache spricht, hingegen schon. Der (vermutete) unbewusste Effekt ist also stärker als der bewusste. Die Form der Zukunftsbildung scheint tatsächlich das Handeln zu beeinflussen.
Die Studie scheint methodisch sauber zu sein. Der Effekt auf die Sparrate lässt sich sogar in Ländern nachweisen (und zwar auch in ähnlicher Stärke), in denen mehr als eine Sprache gesprochen wird (wobei logischerweise eine starke und eine schwache dabei sein muss). Und das ist ein ziemlich guter Überprüfungsansatz, weil damit andere Ursachen wie zum Beispiel unterschiedliche Steuer- und Bildungssysteme oder geographische Ursachen ausgeschlossen werden können.
Am Ende ist natürlich noch unklar, ob die Sprache hier eine Vorliebe (für's Sparen) ausdrückt oder ob die Sprache diese Vorliebe auslöst, also was Ursache und was Wirkung ist. Ebenso muss man bedenken, dass Korrelation nicht zwangsläufig einen Wirkungszusammenhang darstellen muss (Anzahl der Störche und der Geburten ...).
Spannend ist die Studie aber allemal. Auch wenn ich mich frage, ob man durch Aufteilung in Katholisch und Protestantisch nicht auch eine ähnlich hohe Korrelation hinbekommen würde ...
http://faculty.som.yale.edu/keithchen/papers/LanguageWorkingPaper.pdf
gefunden über FT Alphaville » In Holland, the future is now über TeraEuro.
Und wie retten wir jetzt Griechenland? Wir bringen denen Deutsch bei ;-)
Zumindest wenn man einfach denkt, ist einer der (bekannten) großen Standortnachteile Europas im Vergleich zu den USA die Sprachvielfalt. Diese verursacht nicht nur direkte Kosten (Kommunikation), sondern auch indirekte. Zum Beispiel sinkt die Mobilität der Arbeiter deutlich. Boomt die Wirtschaft in den Niederlanden, ziehe ich diese 200 Kilometer trotzdem kaum um, nach Frankfurt oder Hamburg hingegen schon viel eher. Ähnlich wird es in Freiburg gehen: Der Umzug über den Rhein nach Frankreich wird den meisten deutlich schwerer fallen als ein Umzug nach Karlsruhe. In den USA fällt den Menschen der Umzug viel einfacher und diese ziehen auch tatsächlich viel häufiger und mit größeren Entfernungen um. Dadurch gleichen sich Unterschiede im Arbeitsmarkt deutlich schneller aus. Aus Detroit kann man auch nur deswegen so viel Ruinen-Pron berichten, weil sich dort die Einwohnerzahl halbiert hat.
Ob viele Umzüge für das Wohlbefinden der Bevölkerung gut sind (Stichwort Verlust sozialer Bindungen), ist eine andere Frage, die ich aber in diesem Artikel nicht diskutieren möchte. Denn hier geht es nur um ein Detail der Sprache, nicht um die Verständigung an sich. Und zwar um ein winziges Detail: Die Art und Weise, wie die Zukunft gebildet wird (stark vs. schwach), konkret:
"Es wird morgen regnen" (stark, weil mit "wird" explizit die Zukunft gebildet wird) vs. "Es regnet morgen" (schwach).
Im Deutschen ist beides möglich, der letztere Form ist aber (zumindest gesprochen) üblicher. Im Englischen hingegen gibt es (praktisch) nur die starke Form.
Nun kann man alle Sprachen in diese beiden Klassen einordnen:
Schwach sind Deutsch, Dänisch, Flämisch, Japanisch, Chinesisch (Mandarin und Kantonesisch), Schwedisch, Lettisch, Finnisch, ...
Stark sind Englisch, Französisch, Portugiesich, Italienisch, Irisch, Griechisch und Spanisch.
Und jetzt habe ich mir natürlich schon die Mühe gemacht, die letzten 5 in die richtige Reihenfolge zu bringen: Da sind sie wieder, die PIIGS ...
Aber der Reihe nach ... Der Linguist M. Keith Chen von der Yale University hat versucht herauszufinden, ob die Form der Zukunftsbildung in der Sprache einen Einfluss auf das Verhalten in Bezug auf die Zukunft hat. Dabei hat er zwei Punkte in den Mittelpunkt gestellt: Gesundheit und Finanzen. Und sieh an, es ist gibt eine Menge Zusammenhänge: Die "Schwachen" sind gesünder (rauchen weniger, sind seltener dick, treiben mehr Sport...) und sorgen stärker für die Zukunft vor (höhere Sparrate, höhere Rentenvermögen).
Letzteres dürfte massiven Einfluss auf die Probleme der PIIGS haben. "Wir" sparen zu viel, die "Starken" sparen zu wenig. Wir brauchen für die Ersparnisse Exportüberschüsse, die "Starken" kaufen uns mit ihrem (im Vergleich) zu hohen Konsum die Produkte ab. Und wir können alle nicht anders: Die PIIGS denken nicht an die Zukunft, wir dagegen haben den ganzen Tag Angst vor der Zukunft ("hoffentlich bleiben wir wettbewerbsfähig").
Chen führt diesen Effekt auf einen unbewussten Kanal zurück. Denn die Korrelation (der statistische Zusammenhang) zwischen der Form der Zukunftsbildung und der Sparrate ist stärker als der Zusammenhang zwischen der Einschätzung der Wichtigkeit des Sparens und der Sparrate. Wer also im Interview sagt, dass er Sparen für wichtig hält, spart noch lange nicht. Wer hingegen eine "schwache" Sprache spricht, hingegen schon. Der (vermutete) unbewusste Effekt ist also stärker als der bewusste. Die Form der Zukunftsbildung scheint tatsächlich das Handeln zu beeinflussen.
Die Studie scheint methodisch sauber zu sein. Der Effekt auf die Sparrate lässt sich sogar in Ländern nachweisen (und zwar auch in ähnlicher Stärke), in denen mehr als eine Sprache gesprochen wird (wobei logischerweise eine starke und eine schwache dabei sein muss). Und das ist ein ziemlich guter Überprüfungsansatz, weil damit andere Ursachen wie zum Beispiel unterschiedliche Steuer- und Bildungssysteme oder geographische Ursachen ausgeschlossen werden können.
Am Ende ist natürlich noch unklar, ob die Sprache hier eine Vorliebe (für's Sparen) ausdrückt oder ob die Sprache diese Vorliebe auslöst, also was Ursache und was Wirkung ist. Ebenso muss man bedenken, dass Korrelation nicht zwangsläufig einen Wirkungszusammenhang darstellen muss (Anzahl der Störche und der Geburten ...).
Spannend ist die Studie aber allemal. Auch wenn ich mich frage, ob man durch Aufteilung in Katholisch und Protestantisch nicht auch eine ähnlich hohe Korrelation hinbekommen würde ...
http://faculty.som.yale.edu/keithchen/papers/LanguageWorkingPaper.pdf
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Und wie retten wir jetzt Griechenland? Wir bringen denen Deutsch bei ;-)
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Warum die Finanzmärkte nicht auf das EFSF Urteil reagieren
Vor ein paar Monaten wäre das Urteil, dass zu EFSF-Aktionen ein Votum des gesamten Bundestags (oder zumindest eines größeren Gremiums als den Neun, die aktuell entscheiden) eingeholt werden muss, ein Grund für ein paar Tage heftigster Börsenturbulenzen gewesen
Heute passiert nichts, gar nichts.
Warum? Die FTD hat es sehr gut erklärt: Der EFSF ist nicht mehr wirklich relevant. Huh? Dieses Abermilliardenmonster soll unwichtig sein? Ja doch, ist es. Denn in der Zwischenzeit hat die EZB den Finanzsektor Europas mit so viel Geld geflutet, dass die Banken selber wieder Staatsanleihen kaufen. Von Spanien, von Italien (Irland, Portugal und Griechenland sind faktisch vom Markt verschwunden).
Damit braucht der EFSF diese Stützungsfunktion nicht mehr zu übernehmen.
Draghi hat damit - radikal - auf die möglichen demokratischen "Verzögerungen" reagiert. Er hat das Heft des Handelns vollständig in die eigene Hand genommen.
Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das heute ergangen ist (siehe hier: Dokumentation: Bundesverfassungsgerichts-Urteil in Sachen „Beteiligungsrechte des Bundestages zum EFSF ( Link zum Urteil im Volltext)), ist damit möglicherweise eher ein Pyrrhussieg. Auf den ersten Blick war es ein Urteil für mehr Demokratie (obwohl es IMHO egal ist, ob 9 oder 600 Leute entscheiden, die nicken eh nur ab), auf den zweiten Blick ist es aber schlichtweg herzlich egal.
Im Zweifelsfall flutet die EZB eben nochmal die Märkte mit Geld. Irgendwann nehmen die Banken den risikolosen Carrytrade (billig Geld bei der EZB leihen, zu hohen Zinsen in Italien und Spanien anlegen) gerne in Anspruch.
Aus dem Blickwinkel der Demokratie, aus der Sicht einer durch den Wählerwillen legitimierten Politik, ist das Vorgehen der EZB natürlich äußerst fragwürdig. Ist die EZB doch eine der Institutionen in Europa, die am wenigsten unter einer demokratischen Kontrolle steht. Sie soll unabhängig sein. Und dass sie unabhängig handeln kann, zeigt sie gerade eindrucksvoll ...
Verfassungsgerichtsurteil: Döst weiter, Finanzmärkte! | FTD.de
Wenn ihr heute noch Kommentare hört, dass das Urteil ein Sieg der Demokratie, ein Sieg für das Parlament war (siehe als nur ein Beispiel DerWesten). Ja stimmt. IMHO ist das aber nur ein Nebenaspekt. Den wesentlich wichtigeren Aspekt hat die FTD wunderschön herausgearbeitet.
Vor ein paar Monaten wäre das Urteil, dass zu EFSF-Aktionen ein Votum des gesamten Bundestags (oder zumindest eines größeren Gremiums als den Neun, die aktuell entscheiden) eingeholt werden muss, ein Grund für ein paar Tage heftigster Börsenturbulenzen gewesen
Heute passiert nichts, gar nichts.
Warum? Die FTD hat es sehr gut erklärt: Der EFSF ist nicht mehr wirklich relevant. Huh? Dieses Abermilliardenmonster soll unwichtig sein? Ja doch, ist es. Denn in der Zwischenzeit hat die EZB den Finanzsektor Europas mit so viel Geld geflutet, dass die Banken selber wieder Staatsanleihen kaufen. Von Spanien, von Italien (Irland, Portugal und Griechenland sind faktisch vom Markt verschwunden).
Damit braucht der EFSF diese Stützungsfunktion nicht mehr zu übernehmen.
Draghi hat damit - radikal - auf die möglichen demokratischen "Verzögerungen" reagiert. Er hat das Heft des Handelns vollständig in die eigene Hand genommen.
Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das heute ergangen ist (siehe hier: Dokumentation: Bundesverfassungsgerichts-Urteil in Sachen „Beteiligungsrechte des Bundestages zum EFSF ( Link zum Urteil im Volltext)), ist damit möglicherweise eher ein Pyrrhussieg. Auf den ersten Blick war es ein Urteil für mehr Demokratie (obwohl es IMHO egal ist, ob 9 oder 600 Leute entscheiden, die nicken eh nur ab), auf den zweiten Blick ist es aber schlichtweg herzlich egal.
Im Zweifelsfall flutet die EZB eben nochmal die Märkte mit Geld. Irgendwann nehmen die Banken den risikolosen Carrytrade (billig Geld bei der EZB leihen, zu hohen Zinsen in Italien und Spanien anlegen) gerne in Anspruch.
Aus dem Blickwinkel der Demokratie, aus der Sicht einer durch den Wählerwillen legitimierten Politik, ist das Vorgehen der EZB natürlich äußerst fragwürdig. Ist die EZB doch eine der Institutionen in Europa, die am wenigsten unter einer demokratischen Kontrolle steht. Sie soll unabhängig sein. Und dass sie unabhängig handeln kann, zeigt sie gerade eindrucksvoll ...
Verfassungsgerichtsurteil: Döst weiter, Finanzmärkte! | FTD.de
Wenn ihr heute noch Kommentare hört, dass das Urteil ein Sieg der Demokratie, ein Sieg für das Parlament war (siehe als nur ein Beispiel DerWesten). Ja stimmt. IMHO ist das aber nur ein Nebenaspekt. Den wesentlich wichtigeren Aspekt hat die FTD wunderschön herausgearbeitet.
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Mehr als die Hälfte des 2. Rettungspakets geht an die Banken
Nur knapp 55 Milliarden kommen überhaupt im griechischen Haushalt an. Und selbst davon ist ein großer Teil schon verplant.
Bei der ganzen Rettungsaktion ist sogar noch unklar, ob die griechischen Pensionskassen und Sozialversicherungsvereine gerettet werden. Sollten mit dem EU-Rettungspaket II wirklich nur die Löcher in den Bilanzen der Banken gestopft werden und das Sozialsystem müsste die Verluste aus dem Haircut selber verkraften, wäre das ein dicker Skandal.
OK, jetzt kann man sagen: Eine Rettung der Griechen ist es trotzdem, denn eine Pleite der griechischen Banken wäre sicherlich nicht gut für Griechenland (siehe auch Kippt das Land, kippen die Banken.). Nur zeigt die Reihenfolge exemplarische die Präferenz der Politiker: Immer zuerst die Banken, dann das Volk. Das wäre ja auch vielleicht OK, denn Banken sind ja wichtig für eine Volkswirtschaft. Aber man sollte das dann nicht dauernd als Rettung der Griechen verkaufen. Nennt es doch Bankenrettung, nicht Griechenrettung. Das wäre den Griechen gegenüber wenigstens mal ausnahmsweise fair.
Dass Schäuble ein drittes Rettungspaket nicht ausschließt, ist auch nur zu logisch. Denn helfen tut dieses Paket "den Griechen" ja kaum. Griechenland hat danach nur geringfügig niedrigere Schulden, das einzige was sich wirklich ändert, ist die Zusammensetzung der Gläubiger. Die Schulden liegen nach dem zweiten Rettungspaket nämlich zu noch größeren Teilen in den Händen öffentlicher Gläubiger (sprich der EU). (Die Verteilung der Schulden nach der Umschuldung wäre ein Thema für ein neues Posting).
Und damit ist auch klar, wo das dritte Rettungspaket ansetzen wird: Beim öffentlichen Sektor. Im privaten Sektor liegen bald kaum noch Griechenbonds. Damit glaube ich inzwischen auch wieder, dass meine Uraltprognose, dass am Ende der Großteil der griechischen Schulden (von der EU) sozialisiert werden dürfte, doch noch eintreffen wird.
Wunderschön auseinandergedröselt hat das aktuelle Rettungspaket und die Mittelverwendung Andre Kühnlenz, zum Glück nach Vorankündigung über Twitter. Sonst hätte ich die Arbeit doppelt gemacht ...
Eigentlich sollte der Artikel heute jedem der Politiker im Bundestag vorliegen, denn die +700 Seiten, die der Antrag zur Griechenlandhilfe hat (siehe Finanzhilfen zugunsten der Hellenischen Republik; Einholung eines zustimmenden Beschlusses des Deutschen Bundestages nach § 3 Absatz 1 des Stabilisierungsmechanismusgesetzes (StabMechG) für Notmaßnahmen der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität zugunsten der Hellenischen Republik - egghat's not so micro blog), kann eh kein Mensch lesen und verstehen ...
Deshalb das lesen:
[MarktWirtschaft] Absurdes Umschuldungstheater « Wirtschaftswunder
Update (15:08):
Als höherwertige Version meines Rants von gestern Abend zur Unmöglichkeit der heutigen Abstimmung im Bundestag noch eine Leseempfehlung im Blicklog:
Wie soll der Bundestag heute über Finanzhilfen für Griechenland abstimmen? Am besten gar nicht.
Nur knapp 55 Milliarden kommen überhaupt im griechischen Haushalt an. Und selbst davon ist ein großer Teil schon verplant.
Bei der ganzen Rettungsaktion ist sogar noch unklar, ob die griechischen Pensionskassen und Sozialversicherungsvereine gerettet werden. Sollten mit dem EU-Rettungspaket II wirklich nur die Löcher in den Bilanzen der Banken gestopft werden und das Sozialsystem müsste die Verluste aus dem Haircut selber verkraften, wäre das ein dicker Skandal.
OK, jetzt kann man sagen: Eine Rettung der Griechen ist es trotzdem, denn eine Pleite der griechischen Banken wäre sicherlich nicht gut für Griechenland (siehe auch Kippt das Land, kippen die Banken.). Nur zeigt die Reihenfolge exemplarische die Präferenz der Politiker: Immer zuerst die Banken, dann das Volk. Das wäre ja auch vielleicht OK, denn Banken sind ja wichtig für eine Volkswirtschaft. Aber man sollte das dann nicht dauernd als Rettung der Griechen verkaufen. Nennt es doch Bankenrettung, nicht Griechenrettung. Das wäre den Griechen gegenüber wenigstens mal ausnahmsweise fair.
Dass Schäuble ein drittes Rettungspaket nicht ausschließt, ist auch nur zu logisch. Denn helfen tut dieses Paket "den Griechen" ja kaum. Griechenland hat danach nur geringfügig niedrigere Schulden, das einzige was sich wirklich ändert, ist die Zusammensetzung der Gläubiger. Die Schulden liegen nach dem zweiten Rettungspaket nämlich zu noch größeren Teilen in den Händen öffentlicher Gläubiger (sprich der EU). (Die Verteilung der Schulden nach der Umschuldung wäre ein Thema für ein neues Posting).
Und damit ist auch klar, wo das dritte Rettungspaket ansetzen wird: Beim öffentlichen Sektor. Im privaten Sektor liegen bald kaum noch Griechenbonds. Damit glaube ich inzwischen auch wieder, dass meine Uraltprognose, dass am Ende der Großteil der griechischen Schulden (von der EU) sozialisiert werden dürfte, doch noch eintreffen wird.
Wunderschön auseinandergedröselt hat das aktuelle Rettungspaket und die Mittelverwendung Andre Kühnlenz, zum Glück nach Vorankündigung über Twitter. Sonst hätte ich die Arbeit doppelt gemacht ...
Eigentlich sollte der Artikel heute jedem der Politiker im Bundestag vorliegen, denn die +700 Seiten, die der Antrag zur Griechenlandhilfe hat (siehe Finanzhilfen zugunsten der Hellenischen Republik; Einholung eines zustimmenden Beschlusses des Deutschen Bundestages nach § 3 Absatz 1 des Stabilisierungsmechanismusgesetzes (StabMechG) für Notmaßnahmen der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität zugunsten der Hellenischen Republik - egghat's not so micro blog), kann eh kein Mensch lesen und verstehen ...
Deshalb das lesen:
[MarktWirtschaft] Absurdes Umschuldungstheater « Wirtschaftswunder
Update (15:08):
Als höherwertige Version meines Rants von gestern Abend zur Unmöglichkeit der heutigen Abstimmung im Bundestag noch eine Leseempfehlung im Blicklog:
Wie soll der Bundestag heute über Finanzhilfen für Griechenland abstimmen? Am besten gar nicht.
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Der Moody's Ratingdowngrade-Rundumschlag im Überblick (inkl. Begründung)
Bleiben auf AAA, Ausblick aber auf negativ gesenkt:
- Großbritannien
- Österreich
- Frankreich
- Italien: A3, Ausblick negativ
- Malta: ebenfalls A3, Ausblick negativ
- Portugal: Ba3, Ausblick negativ
- Slowakei: A2, Ausblick negativ
- Spanien: A3, Ausblick negativ
Auch die Rating für Deutschland (Aaa), Finnland (Aaa), Dänemark (Aaa), Luxemburg (Aaa), Niederlande (Aaa), Schweden (Aaa), Belgien (Aa3), Estland (A1) and Irland (Ba1) wurden bestätigt.
Und noch ein paar Snippets aus den Begründungen:
Im Fall Österreich bereiten das vergleichsweise hohe Gewicht des Bankensektors (Bilanzsumme der Banken bei 390% des BIPs) und dessen Kredite in Osteuropa (75% des BIPs) Sorgen. Den Bankensektor sieht Moody's schwächer als in anderen Aaa-Ländern. Das ist alles nicht neu, aber der Schuldenstand des Landes ist 2012 (75%) auch um einiges höher als 2008. Der Hochstand wird 2013 bei 80% des BIPs gesehen. Das ist deutlich über den 52%, die die Aaa Länder im Schnitt aufweisen.
Frankreich hat ein zu hohes Haushaltsdefizit, zu hohe Schulden und gleichzeitig ein Leistungsbilanzdefizit. Moody's nennt leider keine Defizitprognose.
In Großbritannien sieht Moody's deutlich schwächeres Wachstum. Damit wird die bisher gesehene Haushaltskonsolidierung schwieriger. Der Anstieg der Schuldenquote könne sich länger fortsetzen als 2014/2015. Bisher steht die Prognose eines Hochs des Schuldenstands bei 95% des BIPs 2014/2015 aber noch, allerdings mit höherem Risiko. Daher bleibt auch das Aaa, wenn auch jetzt mit negativem Ausblick. Auf der Habenseite verbucht Moody's übrigens die Stabilisierung des Bankensektors, der in Großbritannien ziemlich früh zu höheren Eigenkapitalquoten verdammt wurden. Außerdem muss sich Großbritannien nur in sehr kleinem Umfang neu am Kapitalmarkt verschulden. Die Staatsanleihen laufen durchschnittlich 14 Jahre.
Italien hat natürlich zu hohe Schulden, selbst in der Vergleichsgruppe der Länder mit einem einfachen A. Die Prognosen aus dem Sparplan werden (auch wegen des schwachen Wachstums) angezweifelt. Die geplanten Primärüberschüsse (Haushaltsdefizit exkl. Zinsen) von 5% des BIPs seien uhm ambitioniert.
Spanien sieht Moody's (im Gegensatz zu S&P) nach der Herabstufung um 2 Punkte nun auf der gleichen Ratingstufe wie Italien. Spanien hat die Haushaltsziele 2011 deutlich verpasst. Statt 6% des BIPs wurden es 8. Die Planung von 4,4% für 2012 wurde beibehalten, Moody's glaubt aber (wie ich auch) nicht daran. Dazu müssten 40 Mrd. in einem Jahr gespart werden (nach 28 Mrd. in den beiden letzten Jahren zusammen). Eine Einsparung in dieser Größenordnung wäre "unprecedented", ergo einmalig. Moody's erwartet realistisch 5,5 bis 6% Haushaltsdefizit/BIP und einen Anstieg des Schuldenstands auf 75% mit Richtung auf 80%. Die Wachstumsprognose hat Moody's von plus 1% bei der letzten Ratingüberprüfung auf minus 1,0 bis 1,5% gesenkt. Das könne auch weitere Löcher in den spanischen Bankbilanzen verursachen. Die Gefahr weiterer Staatshilfen für den Bankensektor sei daher groß.
Die kleineren Länder spare ich mir. Interessierte finden die Details bei Zerohedge, wo es die gesamten Begründungen gesammelt gibt: http://www.zerohedge.com/news/moodys-downgrades-italy-spain-portugal-and-other-puts-uk-france-outlook-negative-full-statement
Bleiben auf AAA, Ausblick aber auf negativ gesenkt:
- Großbritannien
- Österreich
- Frankreich
- Italien: A3, Ausblick negativ
- Malta: ebenfalls A3, Ausblick negativ
- Portugal: Ba3, Ausblick negativ
- Slowakei: A2, Ausblick negativ
- Spanien: A3, Ausblick negativ
Auch die Rating für Deutschland (Aaa), Finnland (Aaa), Dänemark (Aaa), Luxemburg (Aaa), Niederlande (Aaa), Schweden (Aaa), Belgien (Aa3), Estland (A1) and Irland (Ba1) wurden bestätigt.
Und noch ein paar Snippets aus den Begründungen:
Im Fall Österreich bereiten das vergleichsweise hohe Gewicht des Bankensektors (Bilanzsumme der Banken bei 390% des BIPs) und dessen Kredite in Osteuropa (75% des BIPs) Sorgen. Den Bankensektor sieht Moody's schwächer als in anderen Aaa-Ländern. Das ist alles nicht neu, aber der Schuldenstand des Landes ist 2012 (75%) auch um einiges höher als 2008. Der Hochstand wird 2013 bei 80% des BIPs gesehen. Das ist deutlich über den 52%, die die Aaa Länder im Schnitt aufweisen.
Frankreich hat ein zu hohes Haushaltsdefizit, zu hohe Schulden und gleichzeitig ein Leistungsbilanzdefizit. Moody's nennt leider keine Defizitprognose.
In Großbritannien sieht Moody's deutlich schwächeres Wachstum. Damit wird die bisher gesehene Haushaltskonsolidierung schwieriger. Der Anstieg der Schuldenquote könne sich länger fortsetzen als 2014/2015. Bisher steht die Prognose eines Hochs des Schuldenstands bei 95% des BIPs 2014/2015 aber noch, allerdings mit höherem Risiko. Daher bleibt auch das Aaa, wenn auch jetzt mit negativem Ausblick. Auf der Habenseite verbucht Moody's übrigens die Stabilisierung des Bankensektors, der in Großbritannien ziemlich früh zu höheren Eigenkapitalquoten verdammt wurden. Außerdem muss sich Großbritannien nur in sehr kleinem Umfang neu am Kapitalmarkt verschulden. Die Staatsanleihen laufen durchschnittlich 14 Jahre.
Italien hat natürlich zu hohe Schulden, selbst in der Vergleichsgruppe der Länder mit einem einfachen A. Die Prognosen aus dem Sparplan werden (auch wegen des schwachen Wachstums) angezweifelt. Die geplanten Primärüberschüsse (Haushaltsdefizit exkl. Zinsen) von 5% des BIPs seien uhm ambitioniert.
Spanien sieht Moody's (im Gegensatz zu S&P) nach der Herabstufung um 2 Punkte nun auf der gleichen Ratingstufe wie Italien. Spanien hat die Haushaltsziele 2011 deutlich verpasst. Statt 6% des BIPs wurden es 8. Die Planung von 4,4% für 2012 wurde beibehalten, Moody's glaubt aber (wie ich auch) nicht daran. Dazu müssten 40 Mrd. in einem Jahr gespart werden (nach 28 Mrd. in den beiden letzten Jahren zusammen). Eine Einsparung in dieser Größenordnung wäre "unprecedented", ergo einmalig. Moody's erwartet realistisch 5,5 bis 6% Haushaltsdefizit/BIP und einen Anstieg des Schuldenstands auf 75% mit Richtung auf 80%. Die Wachstumsprognose hat Moody's von plus 1% bei der letzten Ratingüberprüfung auf minus 1,0 bis 1,5% gesenkt. Das könne auch weitere Löcher in den spanischen Bankbilanzen verursachen. Die Gefahr weiterer Staatshilfen für den Bankensektor sei daher groß.
Die kleineren Länder spare ich mir. Interessierte finden die Details bei Zerohedge, wo es die gesamten Begründungen gesammelt gibt: http://www.zerohedge.com/news/moodys-downgrades-italy-spain-portugal-and-other-puts-uk-france-outlook-negative-full-statement
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200 Mrd. Euro "Free Lunch" für die Banken durch EZB-Tender?
Wie viel Gewinn gibt es, wenn die europäischen Banken das Geld, das im EZB Tender zur Verfügung gestellt wurde, in die Staatsanleihen ihrer jeweiligen Länder reinvestieren?
Also zu 1% Geld in Frankfurt leihen und dann zum Beispiel zu 6,5% in Italien wieder anlegen? Oder zu 7,7% in Irland. Oder 5,4% in Spanien.
Dazu hat sich Dirk Elsner angeschaut, wie viel Geld sich die Bankensysteme der Länder beim letzten Tender von 498 Mrd. Euro genehmigt haben. Die italienischen Banken haben sich zum Beispiel im ersten großen Drei-Jahres-Tender 161,7 Mrd. Euro geliehen. Im zweiten Tender, der noch diesen Monat folgt, könnten es 264 Mrd. werden (Dirk nimmt einen noch größeren Tender von 800 Mrd. € an). Das ergibt zusammen bei 6,5% Zinsen für italienische Staatsanleihen 27,64 Mrd. Euro Zinseinnahmen. Davon muss dann noch die 1%-Zinsen an die EZB abgezogen werden, was dann immer noch gut 23 Mrd. "Free Lunch" ergibt.
Die gesamte Rechnung gibt's hier:
Ich habe vier Anmerkungen zur Rechnung:
- Die 498 Mrd. Euro waren damals der Bruttozufluss, es war defakto aber weniger neues Geld, weil auch alte Geschäfte ausgelaufen sind. IIRC habe ich das auch mal verbloggt, finde es aber nicht wieder. Es waren netto IIRC eher 300 Milliarden Euro. Und noch IIRCiger:
Alex KnissAndré Kühnlenz von der FTD kam (glaube ich) sogar nur auf etwa 200 Milliarden Euro, die netto zugeflossen sind. Ich weiss nicht, ob es sinnvoller wäre, die Rechnung nur mit dem zusätzlichen Zufluss zu machen, vielleicht aber auch nicht, denn: - Diese grundsätzliche Subvention gibt es immer. Banken leihen sich immer zu wenig Prozent Geld bei der EZB und verleihen es zu viel Prozent weiter. (Zugegeben, sie leihen sich nicht nur bei der EZB Geld, sondern auch am Kapitalmarkt, weil es bei der EZB nur kurzfristig Geld gibt). Man kann darüber streiten, ob man das Subvention nennt oder nicht. Und genauso, ob mit dem oben genannten Ablauf nicht das gesamte System der Geldschöpfung über Noten- und Geschäftsbanken in Frage stellen sollte.
- Das Aufpäppeln der Banken über niedrige Leitzinsen wurde schon immer so gemacht. Auch in der Vergangenheit dienten Zinssenkungen der Notenbank (auch) dazu, den Banken unter die Arme zu greifen.
In einer Rezession sinkt auch immer die Qualität der Kredite, die Banken müssen mehr Kreditausfälle verkraften. In quasi jeder Rezession entstehen mehr oder weniger tiefe Löcher in den Bankbilanzen. Nichts kann diese Löcher besser stopfen als ein niedriger Leitzins. Es wird zwar oft auf die simple Gleichung "niedrige Zinsen kurbeln die Konjunktur an" verwiesen, aber die Banken spielen eine wesentliche Rolle in diesem Ablauf. Und davon profitieren die Banken auch jedes Mal. Letzteres wird aber nur relativ selten thematisiert. - Auch über den Zins in der Rechnung kann man diskutieren. Ich hätte eher den laufzeitenkongruenten Zins genommen, also bei einem dreijährigen Tender auch die dreijährige Laufzeit der Staatsanleihen. Dieser wäre in Italien dann nur bei etwa 3,5%, also fast halb so hoch.
Es ist am Ende aber auch egal, ob den europäischen Banken durch den oben geschilderten Ablauf 50, 100 oder 200 Milliarden Euro zufließen. Viel wichtiger finde ich es, dass dieses grundsätzliche Prinzip an einem konkreten Beispiel in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert wird (file this under "Blogger im Größenwahn", Blogger bildet sich ein, er werde von einer "breiteren Öffentlichkeit" gelesen ;-) ).
Wie viel Gewinn gibt es, wenn die europäischen Banken das Geld, das im EZB Tender zur Verfügung gestellt wurde, in die Staatsanleihen ihrer jeweiligen Länder reinvestieren?
Also zu 1% Geld in Frankfurt leihen und dann zum Beispiel zu 6,5% in Italien wieder anlegen? Oder zu 7,7% in Irland. Oder 5,4% in Spanien.
Dazu hat sich Dirk Elsner angeschaut, wie viel Geld sich die Bankensysteme der Länder beim letzten Tender von 498 Mrd. Euro genehmigt haben. Die italienischen Banken haben sich zum Beispiel im ersten großen Drei-Jahres-Tender 161,7 Mrd. Euro geliehen. Im zweiten Tender, der noch diesen Monat folgt, könnten es 264 Mrd. werden (Dirk nimmt einen noch größeren Tender von 800 Mrd. € an). Das ergibt zusammen bei 6,5% Zinsen für italienische Staatsanleihen 27,64 Mrd. Euro Zinseinnahmen. Davon muss dann noch die 1%-Zinsen an die EZB abgezogen werden, was dann immer noch gut 23 Mrd. "Free Lunch" ergibt.
Die gesamte Rechnung gibt's hier:
Ich habe vier Anmerkungen zur Rechnung:
- Die 498 Mrd. Euro waren damals der Bruttozufluss, es war defakto aber weniger neues Geld, weil auch alte Geschäfte ausgelaufen sind. IIRC habe ich das auch mal verbloggt, finde es aber nicht wieder. Es waren netto IIRC eher 300 Milliarden Euro. Und noch IIRCiger:
Alex KnissAndré Kühnlenz von der FTD kam (glaube ich) sogar nur auf etwa 200 Milliarden Euro, die netto zugeflossen sind. Ich weiss nicht, ob es sinnvoller wäre, die Rechnung nur mit dem zusätzlichen Zufluss zu machen, vielleicht aber auch nicht, denn: - Diese grundsätzliche Subvention gibt es immer. Banken leihen sich immer zu wenig Prozent Geld bei der EZB und verleihen es zu viel Prozent weiter. (Zugegeben, sie leihen sich nicht nur bei der EZB Geld, sondern auch am Kapitalmarkt, weil es bei der EZB nur kurzfristig Geld gibt). Man kann darüber streiten, ob man das Subvention nennt oder nicht. Und genauso, ob mit dem oben genannten Ablauf nicht das gesamte System der Geldschöpfung über Noten- und Geschäftsbanken in Frage stellen sollte.
- Das Aufpäppeln der Banken über niedrige Leitzinsen wurde schon immer so gemacht. Auch in der Vergangenheit dienten Zinssenkungen der Notenbank (auch) dazu, den Banken unter die Arme zu greifen.
In einer Rezession sinkt auch immer die Qualität der Kredite, die Banken müssen mehr Kreditausfälle verkraften. In quasi jeder Rezession entstehen mehr oder weniger tiefe Löcher in den Bankbilanzen. Nichts kann diese Löcher besser stopfen als ein niedriger Leitzins. Es wird zwar oft auf die simple Gleichung "niedrige Zinsen kurbeln die Konjunktur an" verwiesen, aber die Banken spielen eine wesentliche Rolle in diesem Ablauf. Und davon profitieren die Banken auch jedes Mal. Letzteres wird aber nur relativ selten thematisiert. - Auch über den Zins in der Rechnung kann man diskutieren. Ich hätte eher den laufzeitenkongruenten Zins genommen, also bei einem dreijährigen Tender auch die dreijährige Laufzeit der Staatsanleihen. Dieser wäre in Italien dann nur bei etwa 3,5%, also fast halb so hoch.
Es ist am Ende aber auch egal, ob den europäischen Banken durch den oben geschilderten Ablauf 50, 100 oder 200 Milliarden Euro zufließen. Viel wichtiger finde ich es, dass dieses grundsätzliche Prinzip an einem konkreten Beispiel in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert wird (file this under "Blogger im Größenwahn", Blogger bildet sich ein, er werde von einer "breiteren Öffentlichkeit" gelesen ;-) ).
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600 bis 700 Mrd. mehr Cash für Europas Banken
Zum wiederholten Mal hat die EZB ihre Anforderungen für die Sicherheiten, die die Geschäftsbanken für EZB-Cash hinterlegen müssen, gesenkt.
Ein kleiner Blick zurück: Vor der Krise (und das ist noch gar nicht so lange her) akzeptierte die EZB nur börsennotierte Wertpapiere als Sicherheit, die mindestens mit einem einfachen A bewertet waren. Alles mit BBB oder gar Junk Bonds waren für die EZB inakzeptabel.
Das liess sich in der Krise aber nicht lange halten. Denn die griechischen Banken haben (wie alle Banken der anderen Länder auch) überwiegend die Staatsanleihen ihres Heimatlandes in den Büchern und diese auch als Sicherheit bei der EZB hinterlegt. Als das griechische Rating dann unter A- fiel (und das war ja nur der Anfang, der bis zum C runterführte ...), weichte die EZB die Bedingungen schnell auf. Erst für die griechischen Anleihen, dann für die portugiesischen und dann für alle anderen. Ansonsten hätten die griechischen (und portugiesischen und ...) Banken nicht mehr ausreichend viele Sicherheiten zur Verfügung gehabt, sie wären nicht mehr an neues Bargeld von der EZB gekommen und insolvent gewesen.
Auch die "sonstigen" Bedingungen wurden deutlich aufgeweicht. Zum Beispiel war es früher Pflicht, dass die Wertpapiere, die als Sicherheit hinterlegt werden sollten, an einer Börse in Europa gehandelt wurden. Dabei ging es der EZB vor allem darum, einen Marktpreis zu haben, der die Basis für die Menge Bargeld darstellte, die die EZB der Bank gab. Das wurde dann ersetzt durch: Die Kredite (Sicherheiten) müssen verbrieft werden, eine Börsennotiz war nicht mehr notwendig. Es reichte also sowas wie eine "theoretische Handelbarkeit".
Jetzt weicht die EZB die Kriterien noch weiter auf. Die nationalen Notenbanken von Irland, Frankreich, Italien, Zypern, Portugal, Spanien und Österreich können sich jetzt eigene Kriterien ausdenken. Dabei läuft es wohl darauf hinaus, dass der Kredit an sich, sprich ohne Verbriefung (und Börsennotiz), als Sicherheit gelten kann. Wie genau, ist noch auszuarbeiten.
Die Regeln dafür sind noch nicht beschlossen. Es ist auch noch nicht klar, ob die Regeln in allen Ländern gleich aussehen (ich befürchte nicht).
Schätzungen sagen, dass den Banken in den betroffenen Ländern nun zusätzliche Sicherheiten im Volumen von 600 bis 700 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Das bedeutet potenziell 600 bis 700 Milliarden Euro zusätzliches Bargeld von der EZB.
Damit setzt sich der Trend der Sicherheiten bei der EZB weiter fort. Es wird immer mehr (was gar nicht sooo schlimm ist) und die Qualität der Sicherheiten sinkt immer weiter (was viel schlimmer ist).
Auch wird die Qualität immer schwieriger überprüfbar. Anscheinend wollen die Notenbanken jetzt schon Einzelkreditprüfung machen und das unter Umständen für jedes Land einzeln. Außerdem darf man sich so langsam fragen, warum wir uns überhaupt noch Geschäftsbanken leisten. Wenn diese jetzt schon die Kredite auf einzelner Ebene durchreichen und die Notenbank die Kredite nochmal auf die Qualität checkt, könnte man sich gleich einen Kredit direkt bei der Notenbank besorgen ...
Das ist *natürlich* alles wieder nur temporär, aber naja das waren die Aufweichungen zuvor auch allesamt ...
Trotzdem zeigt sich mit der heutigen Reaktion der EZB, wie sehr die Banken in den Südländern unter Druck stehen. Ihnen fließt auf allen Ebenen Geld ab: Die Sparer ziehen Geld ab (dazu habe ich zig Nachrichten, zuletzt hier: Bankrun in Italien - egghat's not so micro blog), die Geldmarktfonds ziehen Geld ab, am Kapitalmarkt ist es schwierig, ohne Sicherheiten Geld zu bekommen und von anderen Banken gibt es auch nichts. Geld gibt es - wenn überhaupt - nur noch gegen Sicherheiten und selbst mit Sicherheiten defakto fast nur noch bei der EZB.
Diese Sicherheiten sind nicht mehr schnell genug verbriefbar (möglicherweise sind auch keine mehr da), und dafür basteln die nationalen Notenbanken jetzt eine Art "Direktverbriefungsautobahn", Cash direkt, gleich und sofort ... Im Unterschied zum Kredithai ist aber der Zins günstig und beträgt nicht 13 oder 15%, sondern nur 1,0% ...
Beruhigend geht anders ...
EZB-RAT GENEHMIGT ZULASSUNGSKRITERIEN FÜR ZUSÄTZLICHE KREDITFORDERUNGEN
Update (16:44):
Zerohedge nennt das ganze plakativ "Trash to Cash" ... Und nennt nicht 700 Mrd, sondern 7,1 Billionen ... Aber Zerohedge muss man immer mit einer gesunden Portion Skepsis lesen ...
Is The ECB's Collateral Pool Expansion A €7.1 Trillion Imminent "Trash To Cash" Increase In Its Balance Sheet? | ZeroHedge
Update 2 (22:42):
Zur Intransparenz der Bilanzen der nationalen Notenbanken passt vielleicht auch das ganz gut. Die Bilanzsumme der griechischen Notenbank beträgt nun etwa 70% des griechischen BIPs. Mit der Entscheidung heute werden wir solche Verhältnisse auch in anderen Ländern bekommen ...
Euro-Desaster: Athens Risiko-Spiel mit der Gelddruckmaschine - Nachrichten Wirtschaft - WELT ONLINE
Update 3 (10.02.12):
Hier noch ein Hinweis auf einen Artikel, der am Tag vor der Entscheidung geschrieben wurde und das ganze auch ganz gut erklärt. Interessant, dass die Hinterlegung von Einzelkrediten schon vorher möglich war, problematisch waren nur die Rahmenbedingungen (Mindestgröße der Kredite, Verwaltungsaufwand, ...).
EZB: Sicherheiten zweiter Klasse - Wirtschaft - FAZ
Zum wiederholten Mal hat die EZB ihre Anforderungen für die Sicherheiten, die die Geschäftsbanken für EZB-Cash hinterlegen müssen, gesenkt.
Ein kleiner Blick zurück: Vor der Krise (und das ist noch gar nicht so lange her) akzeptierte die EZB nur börsennotierte Wertpapiere als Sicherheit, die mindestens mit einem einfachen A bewertet waren. Alles mit BBB oder gar Junk Bonds waren für die EZB inakzeptabel.
Das liess sich in der Krise aber nicht lange halten. Denn die griechischen Banken haben (wie alle Banken der anderen Länder auch) überwiegend die Staatsanleihen ihres Heimatlandes in den Büchern und diese auch als Sicherheit bei der EZB hinterlegt. Als das griechische Rating dann unter A- fiel (und das war ja nur der Anfang, der bis zum C runterführte ...), weichte die EZB die Bedingungen schnell auf. Erst für die griechischen Anleihen, dann für die portugiesischen und dann für alle anderen. Ansonsten hätten die griechischen (und portugiesischen und ...) Banken nicht mehr ausreichend viele Sicherheiten zur Verfügung gehabt, sie wären nicht mehr an neues Bargeld von der EZB gekommen und insolvent gewesen.
Auch die "sonstigen" Bedingungen wurden deutlich aufgeweicht. Zum Beispiel war es früher Pflicht, dass die Wertpapiere, die als Sicherheit hinterlegt werden sollten, an einer Börse in Europa gehandelt wurden. Dabei ging es der EZB vor allem darum, einen Marktpreis zu haben, der die Basis für die Menge Bargeld darstellte, die die EZB der Bank gab. Das wurde dann ersetzt durch: Die Kredite (Sicherheiten) müssen verbrieft werden, eine Börsennotiz war nicht mehr notwendig. Es reichte also sowas wie eine "theoretische Handelbarkeit".
Jetzt weicht die EZB die Kriterien noch weiter auf. Die nationalen Notenbanken von Irland, Frankreich, Italien, Zypern, Portugal, Spanien und Österreich können sich jetzt eigene Kriterien ausdenken. Dabei läuft es wohl darauf hinaus, dass der Kredit an sich, sprich ohne Verbriefung (und Börsennotiz), als Sicherheit gelten kann. Wie genau, ist noch auszuarbeiten.
Die Regeln dafür sind noch nicht beschlossen. Es ist auch noch nicht klar, ob die Regeln in allen Ländern gleich aussehen (ich befürchte nicht).
Schätzungen sagen, dass den Banken in den betroffenen Ländern nun zusätzliche Sicherheiten im Volumen von 600 bis 700 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Das bedeutet potenziell 600 bis 700 Milliarden Euro zusätzliches Bargeld von der EZB.
Damit setzt sich der Trend der Sicherheiten bei der EZB weiter fort. Es wird immer mehr (was gar nicht sooo schlimm ist) und die Qualität der Sicherheiten sinkt immer weiter (was viel schlimmer ist).
Auch wird die Qualität immer schwieriger überprüfbar. Anscheinend wollen die Notenbanken jetzt schon Einzelkreditprüfung machen und das unter Umständen für jedes Land einzeln. Außerdem darf man sich so langsam fragen, warum wir uns überhaupt noch Geschäftsbanken leisten. Wenn diese jetzt schon die Kredite auf einzelner Ebene durchreichen und die Notenbank die Kredite nochmal auf die Qualität checkt, könnte man sich gleich einen Kredit direkt bei der Notenbank besorgen ...
Das ist *natürlich* alles wieder nur temporär, aber naja das waren die Aufweichungen zuvor auch allesamt ...
Trotzdem zeigt sich mit der heutigen Reaktion der EZB, wie sehr die Banken in den Südländern unter Druck stehen. Ihnen fließt auf allen Ebenen Geld ab: Die Sparer ziehen Geld ab (dazu habe ich zig Nachrichten, zuletzt hier: Bankrun in Italien - egghat's not so micro blog), die Geldmarktfonds ziehen Geld ab, am Kapitalmarkt ist es schwierig, ohne Sicherheiten Geld zu bekommen und von anderen Banken gibt es auch nichts. Geld gibt es - wenn überhaupt - nur noch gegen Sicherheiten und selbst mit Sicherheiten defakto fast nur noch bei der EZB.
Diese Sicherheiten sind nicht mehr schnell genug verbriefbar (möglicherweise sind auch keine mehr da), und dafür basteln die nationalen Notenbanken jetzt eine Art "Direktverbriefungsautobahn", Cash direkt, gleich und sofort ... Im Unterschied zum Kredithai ist aber der Zins günstig und beträgt nicht 13 oder 15%, sondern nur 1,0% ...
Beruhigend geht anders ...
EZB-RAT GENEHMIGT ZULASSUNGSKRITERIEN FÜR ZUSÄTZLICHE KREDITFORDERUNGEN
Update (16:44):
Zerohedge nennt das ganze plakativ "Trash to Cash" ... Und nennt nicht 700 Mrd, sondern 7,1 Billionen ... Aber Zerohedge muss man immer mit einer gesunden Portion Skepsis lesen ...
Is The ECB's Collateral Pool Expansion A €7.1 Trillion Imminent "Trash To Cash" Increase In Its Balance Sheet? | ZeroHedge
Update 2 (22:42):
Zur Intransparenz der Bilanzen der nationalen Notenbanken passt vielleicht auch das ganz gut. Die Bilanzsumme der griechischen Notenbank beträgt nun etwa 70% des griechischen BIPs. Mit der Entscheidung heute werden wir solche Verhältnisse auch in anderen Ländern bekommen ...
Euro-Desaster: Athens Risiko-Spiel mit der Gelddruckmaschine - Nachrichten Wirtschaft - WELT ONLINE
Update 3 (10.02.12):
Hier noch ein Hinweis auf einen Artikel, der am Tag vor der Entscheidung geschrieben wurde und das ganze auch ganz gut erklärt. Interessant, dass die Hinterlegung von Einzelkrediten schon vorher möglich war, problematisch waren nur die Rahmenbedingungen (Mindestgröße der Kredite, Verwaltungsaufwand, ...).
EZB: Sicherheiten zweiter Klasse - Wirtschaft - FAZ
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