Ex-BayernLB Chef Schmidt bekommt für HGAA Kauf 18 Monate auf Bewährung

Der Deal, durch den es zu diesem Urteil kam: Schmidt musste die Bestechung von Haider bestehen (2,5 Mio. Sponsoring für das Stadion in Klagenfurt), dafür ließ das Gericht den Vorwurf der Untreue bei der HGAA-Übernahme fallen.

Tja, so ist das beim Vorwurf der Untreue. Egal wie desaströs der Deal ist, den ein Manager einstielt hast, (im Fall der Hypo Group Alpe Adria ein paar Milliarden Euro für eine wertlose Bank in den Sand gesetzt), Untreue ist das noch lange nicht. Zumindest ist die Untreue nie einfach nachzuweisen. Und einen so großen Kauf wie den der HGAA führt ein Vorstand nicht durch, ohne sich Wertgutachten besorgt zu haben. Wenn die Gutachten dann nichts taugen, zuckt der Vorstand mit den Schultern: Nun gut, wenn die Experten das nicht sehen, wie soll ich das sehen? Dass dann der Richter gegen dieses Experten-Gutachten ein Urteil fällt, ist nahezu ausgeschlossen. Am Ende klaffen die Einschätzungen bei jeder Unternehmensbewertung immer weit auseinander, selbst bei einer solchen Fehleinschätzung wie beim Wert der HGAA fällt es auf die Frage zurück: Waren die Risiken in der Bilanz 2007 sichtbar? Und der Beweis dafür ist kaum zu führen, 2007 steckten in quasi allen Bankbilanzen Milliardenrisiken, die niemand sehen wollte ...

Generell bleibt zu sagen, dass man mal wieder feststellen muss, dass Chancen und Risiken zwischen Vorständen und Anteilseignern (in diesem Fall dem Land Bayern) sehr ungerecht verteilt sind. Die Anteilseigner leiden unter dem Murks, den die Vorstände produzieren, mit bis zu 100% ihres Einsatzes; die Vorstände verlieren maximal ihren Job (oft noch mit Abschlusszahlung ...), aber im Normalfall haften sie nicht für die Fehler oder gefährden ihre Altersvorsorge. Geht es der Firma hingegen gut, profitieren die Vorstände fleißig über Boni mit ... Ziemlich asymmetrische Risikoverteilung ...

BayernLB: Bewährungsstrafe für Ex-Chef Schmidt - Wirtschaft - Süddeutsche.de

Bei der Übernahme der Hypo Group Alpe Adria habe ich persönlich mit deutlich härteren als den bisher bekannten Strafen gerechnet. Mit der Bestechung von Haider, mit der totalen Fehleinschätzung der Bank, dem obskuren Vorabkauf von HGAA Anteilen einiger reicher Investoren (HGAA-Kauf: BayernLB machte reiche Investoren reicher - SPIEGEL ONLINE) und dem Formel-1 Deal stinkt die ganze BayernLB-HGAA-Gruppe zum Himmel, egal aus welcher Richtung man daneben steht. Ebenfalls nicht zu vergessen, dass die HGAA eine Bank war, die auf dem Balkan sehr komische Geschäfte mit seeeeehr komischen Leute getätigt hat. Aber bis auf die Formel 1 - BayernLB - Geschichte um Gribkowsky und Ecclestone ist im Hinblick auf Bestrafung kaum etwas passiert. Und selbst Gribkowsky ist (IIRC) bisher "nur" wegen der Steuerhinterziehung verurteilt worden.

Die andere Strafe in der Formel-1-Geschichte (nämlich die für Ecclestone) war schon ein Desaster für das Rechtsempfinden: Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Ecclestone kauft sich mit 100 Mio.$ frei. Ein Desaster für das Rechtsempfinden.. Wenn ich die Gesamtlage und die Höhe der bisher aufgelaufenen Strafen anschaue, fällt das Gesamturteil genauso schlecht aus.

Wer die BayernLB Geschichte nicht mehr im Kopf hat: Auch wenn die Dokumentation 4 Jahre alt ist, kann man das noch ganz gut ansehen:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: TV Tipp: Doku zur BayernLB Hypo Group Alpe Adria

Man müsste die Beteiligten und die Strafen aus den diversen Verfahren eigentlich mal sammeln. Aber mich bezahlt für sowas leider niemand ... (Nehme Linkhinweise auf die Urteile in den Kommentaren aber trotzdem gerne entgegen).

Ergebnisse des EZB Bankenstresstest sind da

25 Banken hatten Probleme, 12 davon haben ihr Kapital inzwischen erhöht, so dass in der Spalte ganz rechts nur noch eine Eigenkapitallücke von 0,0% steht. Die anderen Banken in der Liste müssen ihr Kapital noch erhöhen und haben dafür knappe 2 Wochen Zeit ...

Deutsche Banken sind nicht betroffen, in Italien und Griechenland hingegen einige ... (Wenig überraschend)



Update (13:27):

Es ist mit der Münchener Hypothekenbank übrigens doch eine deutsche Bank betroffen gewesen. Sie hat das Eigenkapital aber inzwischen erhöht und hat in der rechten Spalte die 0,00% stehen.

Generell ist das Ergebnis überraschend unkritisch. Nach den Kapitalerhöhungen fehlen den Banken weniger als 10 Milliarden Euro. Bis auf die Monte Pasche die Siena und die griechische Eurobank sind die aufzubringenden Summen überschaubar. Allerdings müsste man das in Relation zum Wert der Bank setzen. Für manch kleinere Bank könnten auch 500 Millionen Euro zu viel sein.

Interessant übrigens auch, wie die neue Bewertungsmethode der EZB den Wert der Assets geändert hat. Die Banken (alle 130, nicht auf Basis der durchgefallenen) mussten ihre Wertgegenstände um 47,5 Mrd. Euro reduzieren, weil die Bewertungsrichtlinien AQR der EZB strenger sind als die bisher gültigen Richtlinien. (An den neuen Richtlinien, die aus mehr als 100 Bewertungsmodellen bestehen, haben in der Spitze übrigens mehr als 6.000 Experten mitgearbeitet, was einen schönen Einblick in die (IMHO viel zu große) Komplexität des Finanzwesens gibt ...)

Die Neubewertung der Assets führte zur Verringerung der Vermögensgegenstände der italienischen Banken um 12 Mrd. Euro, dahinter die griechischen Banken mit 7,6 Mrd. und die deutschen mit 6,7 Mrd. Rechnet man das auf die Bilanzsumme um, macht das auf die deutschen Banken betrachtet aber "nur" knapp 0,5%, in Italien hingegen schon knapp 1% der Bilanzsumme aus. Die griechischen Banken hingegen toppen mit knapp 4% der Vermögensgegenstände selbst die zypriotischen Banken, die bei etwa 2,5% liegen. Sehr beruhigend übrigens, dass die Banken in Spanien mit nur 3 Mrd. Reduktion oder gut 0,2% prozentual am geringsten betroffen sind. Dort scheinen die Banken inzwischen ziemlich konservativ zu bilanzieren.

Das gesamte PDF kann ich nun endlich auch verlinken, weil die Website der ECB wieder funktioniert ... AGGREGATE REPORT ON THE COMPREHENSIVE ASSESSMENT


Update 2 (15:28):

Die Eigenkapitalquoten einiger ausgewählter deutscher Banken im Überblick (zuerst strenges Szenario, das als Ausgleich aber nur 5,5% EK-Quote als Mindesthöhe verlangt, dann "lockeres" Szenario, das 8,0& EK-Quote verlangt):

Deutsche Bank: 8,8% - 12,5%
Commerzbank: 8,0% - 11,7%
IKB 6,5% - 8,8%
HSH Nordbank 6,1% - 9,4%
DZ Bank: 6,0% - 8,7%
Münchener Hypothekenbank 2,9% - 5,8% (das wurde aber über eine Kapitalerhöhung ausgeglichen)
Aareal Bank: 11,8% - 16,4%

LBBW 11,2% - 14,5%
Helaba: 8,2% - 11,6%
NordLB: 9,2% - 12,9%
BayernLB: 9,4% - 12,4%
DekaBank: 8,0% - 12,3%
HRE: 10,8% - 21,2%
WGZ Bank: 7,3% - 9,7%
Wüstenrot Bank: 6,5% - 8,0%


Die Quoten sind übrigens immer die im prognostizierten für das Jahr 2016, wenn die Annahmen des jeweiligen Szenarios eintreffen sollten ...


Update 3 (17.10.14):

Auffällig, dass die spanischen Banken mit nur einem Wackelkandidaten VIEL besser abschneiden als die italienischen Banken (9 Wackelkandidaten). Skeptiker fragen sich hier direkt, wie das sein kann.

Eine andere Zahl, an der sich Pessimisten hochziehen, ist das Volumen der faulen Kredite, die die EZB nun bei 880 Milliarden Euro sieht. Wenn man das noch hochrechnet auf die gesamte Bankenbranche (es wurden ja mit den 130 Banken "nur" etwa 80% der Bilanzsumme der europäischen Banken unter die Lupe genommen), kommt man deutlich über die 1 Billion ... Schon ne Nummer ...

Generell halte ich den Stresstest für valider als alle zuvor. Man bedenke, dass der letzte Stresstest die inzwischen untergegangene Banco Espirito Santo aus Portugal durchgewunken hat.

Die zwei größten Probleme am Stresstest sind IMHO erstens die immer noch extreme Intransparenz der Bankbilanzen (im Fall der Banco Espirito Santo waren die Aufsichtsbehörden komplett blind Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: ESFG ist Pleite. Was haben eigentlich die Aufsichtsbehörden gemacht?) und zweitens die Annahmen des Tests, die sich weiter maximal auf eine Rezession und einen Immobilienpreisrückgang konzentrieren. Den Immobilienpreisrückgang haben wir IMHO zum größten Teil hinter uns (sprich der Test kümmert sich um eine Gefahr, die ich nicht mehr sehe), der Test lässt hingegen die große Gefahr einer längeren Rezession in Kombination mit einer Deflation außen vor. Selbst im "harten" Szenario nimmt die EZB noch (wenn auch niedrige) Inflation an (+1,0 2014, +0,6% 2015 und +0,3% 2016)

"Furthermore, while the adverse scenario does not strictly embody a prolonged deflationary
environment, it does entail material downward pressures on inflation. Thus, the scenario leads
to annual inflation rates for the euro area below the baseline rates by 0.1 percentage points in
2014, by 0.6 percentage points in 2015, and by 1.3 percentage points in 2016. The implied
adverse inflation rates amount to 1.0% in 2014, 0.6% in 2015 and 0.3% in 2016" (Seite 37)

Das sind für einen Stresstest eher optimistische Annahmen ...

ESFG ist Pleite. Was haben eigentlich die Aufsichtsbehörden gemacht?

Damit ist nun auch die Espirito Santo Financial Group, die Holding Mutter der Banco Espirito Santo, pleite. Die eigentliche Bank wurde ja schon vor einigen Wochen vom portugiesischen Staat gerettet und in eine Good-Bank und eine Bad-Bank zerlegt. Soweit die Nachrichten, die ja als Tweets auch an alle Leser gegangen sein sollten.

(WSJ: )

Die eigentlich spannende Frage an der Pleite der größten portugiesischen Bankengruppe ist aber eine andere:

Was hat eigentlich die portugiesische Bankenaufsicht getan?
Was hat eigentlich die schweizer Bankenaufsicht gemacht (ein Teil der Bankengruppe saß da)?
Was hat eigentlich die luxemburger Bankenaufsicht gemacht (ein anderer Teil der Holding saß da)?
Was hat eigentlich die EZB gemacht, die die Banco Espirito Santo beim EU-Bankenstresstest unter die Lupe genommen hat (und nichts gefunden hat, Eigenkapitalquote war ok)?

Tja, wer sich absolute Sicherheit von den Bankenaufsichten und/oder den EZB-Stresstests erhofft hatte, dürfe nun ziemlich ernüchtert sein. Im Zweifelsfall liegen die genauso daneben wie die Ratingagenturen. Die Ratingagenturen mussten für ihr Versagen in der Finanzkrise viel öffentliche Kritik einstecken. Warum meckern die Kritiker (auch aus der Politik) jetzt nicht genauso gegen die Bankenaufsicht und die EZB? Hmmm ...

Ist das nun Versagen der Behörden? Oder ist es vielleicht nicht eher so, als dass man solche hochkomplizierten Konstrukte wie die Banco Espirito Santo einfach nicht mehr verstehen kann? Ist die Pleite nicht eher die Folge des alten Spruchs: Complexity kills? Ich fürchte ja und ich fürchte, das kann sich jederzeit wiederholen. Egal wie viel man prüft.

Wenn man das Finanzsystem nicht anders, sprich einfacher und transparenter konstruiert, wird sich an der eingebauten Fragilität nichts ändern ...

FINMA liess Espirito-Santo-Betrug zu - Inside Paradeplatz

2015: 8 Milliarden für den Internetausbau. Toll was?

Hat der Dobrindt jetzt eingestielt. Sagt er.

Dafür gibt es jetzt ... ja was eigentlich genau? Es werden die alten Ziele genannt (2018 alle Haushalte in Deutschland mit 50 MBit), die Unternehmen sagen weiterhin, dass die letzten 20% der Haushalte ohne Staatshilfe nicht angeschlossen werden können und dazu Staatshilfe nötig sei. Ob es die gibt, bleibt genauso unklar wie vor dem Gipfeltreffen.

Dann wird irgendwas von Mobilfunk für ländliche Gebiete erzählt. Dabei soll es wohl um eine passende Lizenzauktion gehen. Also nach dem Motto: Eine Lizenz gibt es nur, wenn du mindestens 90% der Bevölkerung mit mindestens 50MBit/s anbindest. Sowas könnte man auch anders gestalten: Eine Lizenz für 80% der Bevölkerung, eine für 99,9% der Bevölkerung.

Das Problem für den Staat: die Versteigerung der Frequenzen bringt weniger Geld ein, wenn die Auflagen strenger, sprich die Abdeckung besser wird. Logisch, weil der Netzanbieter dann mehr Geld für den Flächenausbau aufbringen muss, was sich in ländlichen Gebieten aber nicht refinanziert.

Ich glaube der gestrigen Ankündigung wenig und halte sie für eine Luftnummer. Und zwar aus zwei Gründen:

Erstens gab es die Idee der Flächenversorgung bei der Versteigerung der LTE Frequenzen schon einmal. Das wurde eine zeitlang auch geradezu euphorisch begrüßt, man lese als Beispiel mal diesen Artikel aus der Wirtschaftswoche im Jahre 2012:

"Erst wenn die kleinsten Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern zu wenigstens 90 Prozent versorgt sind, dürfen die Mobilfunker den LTE-Funk in den nächstgrößeren Orten ausbauen."

"Und siehe da: Plötzlich klappt der Ausbau"

"Ausbau geht zügig voran"

Quelle: LTE-Standard: Turbo-Internet auf dem Dorf - Digitale Welt - Technologie - Wirtschaftswoche

Dabei haben die Politiker leider vergessen, dass ein vorhandenes Breitbandnetz noch lange nicht das gleiche ist, wie ein vorhandenes und bezahlbares Breitbandnetz. Ein 150 MBit/s LTE Netz auf dem Land ist ja nett, nur wenn ich das 50-Euro-Datenvolumen in 3 Minuten mit einem Betriebssystem-Update oder in 90 Minuten mit einem Film-Download verbraten habe, nützt mir die Bandbreite auch nicht mehr viel ... Zum Thema "Bezahlbarkeit" gab es dann gestern meines Wissens auch nichts konkretes (wenn es denn überhaupt erwähnt wurde).

Zweitens gab der Telekom-Chef bekannt, dass er sowieso schon 4,3 Milliarden Euro für den Netzausbau in 2015 investieren wollte. Da die Telekom für gut 40% der Breitbandanschlüsse steht, reicht ein simpler Dreisatz aus, um zu erahnen, dass die 8 Milliarden Gesamtinvestitionen so doll viel nicht sein dürften. Denn auch die Konkurrenten der Telekom dürften für 2015 Investitionspläne haben, auch wenn diese (auf den Marktanteil gerechnet) etwas geringer ausfallen dürften, da viele der Konkurrenten die Telekom-Infrastruktur mitbenutzen sprich mieten.

Dobrindt hat wohl nur mal die ganze Schose genutzt, um sich die auf den ersten Blick tolle 8-Milliarden-Zahl medienwirksam ans Revert heften zu können ...

Industrie investiert: Acht Milliarden für den Internet-Ausbau - Deutschland - Politik - Handelsblatt

Ich hoffe, dass hinter den 5 Milliarden Euro zusätzlich für die Verkehrsinfrastruktur etwas mehr Substanz steckt ...Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Deutschland investiert in Infrastruktur. 5 Mrd. Euro für Straßen pro Jahr. Ab 2018.

USA: Arbeitslosenquote 09/14: 5,9% (-0,2 Vm, -1,3 Vj), 248.000 neue Jobs.

Hier mein gewohnter Arbeitsmarktbericht aus den USA (Heute ist Feiertag, das mach ich nur noch mal, wenn ihr fleißig flattert ;) ).

Für den September 2014 veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics einen Arbeitsmarktbericht, der besser ausfiel als erwartet und auch objektiv durchaus gut ist. Mit einer (altbekannten) Einschränkung.

Zu den offiziellen Zahlen des September 2014:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -329.000 auf 9,262 Millionen,
Anzahl der Arbeitenden: +232.000 auf 146,600 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 5,9% (-0,2 zum Vormonat; -1,3 zum Vorjahresmonat). Der positive Trend auf Jahresbasis ist weiterhin klar und in vollem Umfang intakt (und auch ausgeprägter als im Vormonat).

Das sieht doch gut aus: Mehr Arbeitsplätze, weniger Arbeitslose, beide Werte gut, passt. Trotzdem gibt es einen auffälligen Anstieg der NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer): 315.000 AmerikanerInnen wurden in die NILFs umgebucht, was dazu führt, dass die Anzahl der Amerikaner, die einen Job suchen oder haben (ergo dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen), gefallen ist. Was ziemlich selten ist, weil die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter in den USA wächst und zwar um etwa 200.000 bis 250.000 pro Monat (diesen Monat um 217.000).

Schwenken wir schnell rüber zur Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung), die ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist. Diese blieb im Monatsvergleich konstant bei 59,0%, was 0,4 Punkte mehr als vor einem Jahr ist. Sie liegt damit zwar immer noch in der Reichweite des Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober 2013, aber es ist immerhin eine leichte Verbesserung zu erkennen. Es bleibt aber bei der mittelfristigen Einschätzung: Die Arbeitslosenquote, die um 1,3 Prozentpunkte im Jahresvergleich gefallen ist, spiegelt sich in der Erwerbstätigenquote (+0,4) nicht wirklich wider.

Auch langfristig ist das ähnlich: Die Arbeitslosenquote ist von knapp 10% auf nun 5,9% gefallen, die Erwerbstätigenquote aber nicht einmal um einen Prozentpunkt gestiegen. Das Urteil aus den letzten Berichten stimmt immer noch:
Trotz der mittelfristig spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung kaum. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber nur minimal mehr, als angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig ist, um die Erwerbstätigenquote stabil zu halten. (Das mag aber auch an der Demographie liegen, eine lange Diskussion dazu hier: The U.S. labor force is still shrinking. Here’s why.)

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im September positiver als die Zahlen aus den Haushalten.

Anzahl der Jobs: +248.000 gegenüber dem Vormonat auf 139,435 Millionen. Zum Plus von 236.000 neuen Jobs im privaten Sektor kam ein Zuwachs der Beschäftigung von 12.000 Jobs im öffentlichen Sektor. Das Plus von 248.000 lag leicht über den Erwartungen der Analysten, die im Mittel einen Zuwachs auf dem Durchschnittswert der letzten 6 Monate lagen (etwa 220.000).

Gut wurde der September-Report erst, weil die Arbeitsmarkt-Statistiker für beide Vormonate bessere Werte als bisher errechnet haben. Das Juli-Plus für die neu geschaffenen Arbeitsplätze wurde um 31.000 auf plus 243.000 erhöht, das August-Plus ebenfalls kräftig um 38.000 auf 180.000 nach oben korrigiert. Zusammen ergibt das ein zusätzliches Plus von 69.000.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche stieg leicht auf 34,6 Stunden. Die Zahl der Überstunden stieg ebenfalls leicht auf 3,6 Stunden. Damit sind beide Werte zum ersten Mal über den oberen Rand der seit gefühlten Ewigkeiten geltenden Spanne von 34,4 bis 34,5 bzw. 3,2 bis 3,5 Stunden gestiegen. In beiden Zahlen spiegelt sich weiterhin die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wider: Ja, die Beschäftigung wächst, aber ein Boom sieht anders aus.

Immer ein guter Check für die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese sank erneut um 0,2 Prozentpunkte auf 11,8%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein schöner Rückgang um 1,8 Prozentpunkte, der auch noch etwas größer ist als das Rückgang im Vormonat. Diese Quote verbessert sich weiterhin schneller als die des Gesamtmarkts. Und das auch schon stabil seit vielen Monaten, beides gute Zeichen.

Zusammenfassend: Der September-Bericht vom US-Arbeitsmarkt ist trotz der gestiegenen Zahl der NILFs gut ausgefallen. Alle vier entscheidenden Werte haben sich verbessert: Aus den Household-Daten errechnet sich eine sinkende Arbeitslosenquote (1), die sowohl auf mehr Arbeitsplätze (2) als auch auf weniger Arbeitslosen (3) basiert. Etwas getrübt wird das Bild durch die gestiegene Zahl von NILFs. Die Establishment-Daten (+248.000 neue Jobs (4)) waren im Vergleich zu den Household-Daten etwas besser. Spätestens wenn man die Korrekturen der Vormonate (+69.000 Arbeitsplätze) mit einrechnet, sind die Zahlen deutlich über den Erwartungen der Analysten und ebenfalls über dem Durchschnitt der letzten Monate (etwa +220.000). Nach dem etwas enttäuschenden August-Bericht hat der US-Arbeitsmarkt mit dem September-Bericht die gute Entwicklung der Vormonate wieder aufgenommen.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — September 2014  (PDF)

Deutschland investiert in Infrastruktur. 5 Mrd. Euro für Straßen pro Jahr. Ab 2018.

4,8 Milliarden Euro mehr für marode Straßen

Pro Jahr, immerhin. Die zusätzliche Investitionssumme soll bis 2018 jährlich steigen, die knapp 5 Mrd. werden erst 2018 erreicht.

Endlich investiert Deutschland mal was in seine bröckelnde Infrastruktur. Zu wenig, zu spät, aber ich will ja nicht nur meckern.

OK, ich meckere doch ;) Bereits 2001 hat das Deutsche Institut für Wirtschaft die Lücke zwischen notwendigen und tatsächlich getätigten Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur auf 3,8 Mrd. pro Jahr geschätzt. Die Größe dieser Lücke dürfte sich in den Jahren danach kaum geändert haben. Die in den letzten 2 Jahrzehnten aufgelaufene Summe ist inzwischen ziemlich groß, das DIW schätzt, dass inklusive der Nachholinvestitionen 6,5 Mrd. Euro pro Jahr mehr investiert werden müssten. Selbst die 5 Mrd. 2018 sind also eigentlich noch 1,5 Mrd. zu wenig.

DIW: Verkehrsinfrastruktur: Substanzerhaltung erfordert deutlich höhere Investitionen (PDF)

OK, aber ich bin milde. 5 Milliarden Euro sind ein Wort und deutlich mehr als die eine Milliarde, die für 2015 angekündigt war. Mit einer Milliarde kommt man nun wirklich nicht weit:

Dobrindt: Milliardenprogramm reicht nur für 78 Brücken - Nachrichten Politik - Deutschland - DIE WELT

Nun gut, das sind bisher nur Planungen, ob die auch so umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Unter anderem gilt es zu beobachten, ob das Geld auch wirklich zusätzliches Geld ist, oder ob die Politik nur aus anderen Töpfen umschichten wird.

Wenn jetzt noch Geld für digitale Infrastruktur bereitgestellt würde, wäre ich sogar ausnahmsweise mal glücklich (also was Politik angeht). Aber nun ja, das wären ja gleich zwei Wünsche auf einmal und das gibt es ja nur bei Kinderschokolade (Fett und Zucker ;) ).

Zu den Kosten von Gigabits in jede Hütte:

Breitbandausbau: Schnelles Internet wird weitere 20 Milliarden kosten - Netzwirtschaft - FAZ

Aber dafür ist bestimmt kein Geld mehr da ... Lieber Autos statt Bits. Außerdem brauchen wir ja unbedingt einen ausgeglichenen Haushalt. Selbst wenn man sich Geld für 0,x% leihen kann und Investitionen in Infrastruktur eine vielfach höhere Rendite abwerfen, sprich die Rückzahlung völlig unproblematisch ist ...

Zalando IPO Zahlen sind raus. Bewertung bis zu 5,5 Milliarden Euro.

Achtung, viele Zahlen ;)

Es gibt aktuell etwa 220 Millionen Zalando-Aktien. Gut 24,4 Millionen Aktien kommen hinzu, die für die neuen Aktionäre gedacht sind. Macht zusammen 242 Millionen Aktien.

Die Preisspanne beträgt 18 bis 22,50 Euro pro Aktie. Am unteren Ende beträgt die Bewertung knapp 4,4 Milliarden Euro, am oberen Ende knapp 5,5 Milliarden Euro.

Zu den 24 Millionen neuen Aktien kommen für den Börsengang bei hoher Nachfrage noch 3,6 Millionen Aktien aus dem Altbestand. Das Emissionsvolumen könnte also bis 630 Millionen Euro betragen. Die Bookbuildingspanne beginnt am Donnerstag, die erste Börsennotiz soll am 1. Oktober stattfinden.

Den Zahlen für den Börsengang muss man ein paar Geschäftszahlen gegenüber stellen.

Zalando meldet für die 12 Monate von Juli 2013 bis Juni 2014 2 Milliarden Euro Umsatz von 13,7 Millionen Kunden.
Damit haben wir ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von knapp 3, ein Kunde wird mit ziemlich genau 400 Euro bewertet.

Amazon ist mit etwa 120 Mrd. Euro bewertet und machte im Zeitraum wie oben etwa 65 Mrd. Euro Umsatz. KUV also knapp 2. Amazon hat etwa 250 Millionen Kunden, ein Kunde ist also etwa 480 Euro wert. Wenn man die Anzahl der aktiven Kunden nimmt (ein Kauf im letzten Monat) gibt es etwa 150 Millionen Kunden, errechnen sich etwa 800 Euro pro Kunde. Man sieht schon, wie stark dieser Wert von Definition des Begriffs "aktiver Kunde" abhängt.

Eine Bewertung beider Firmen anhand des Gewinns ist quasi nicht möglich. Die Gewinne bei Amazon sind weiterhin äußerst mager, die Firma investiert weiter in neue Technologien, Märkte und Länder. Bei Zalando wird es noch unmöglicher, denn die Firma hat gerade zum ersten Mal ein positives EBIT gemeldet, als einen Gewinn vor Zinsen und Steuern. Das ist noch ein ganzes Stückchen weg von einem normalen Gewinn. Für die nächsten Monate darf man zwar durchaus eine Verbesserung des operativen Ergebnisses erwarten, aber zuerst werden die Kosten für den Börsengang und auch für aktienbasierte Entlohnung des Managements die Kosten in die Höhe treiben.

Nimmt man diese Zahlen und vergleicht mal etwas langfristiger die Chancen und Risiken, bleiben zwei große Fragen:

a) Kann Zalando nachhaltig profitabel werden? Händler (sowohl off- wie auch online) sind im Normalfall nicht sonderlich profitabel (selbst bei Walmart bleiben nur 3,5 Cent Gewinn je Dollar Umsatz über). Kurs-Umsatz-Verhältnisse über 1 (Amazon 2, Zalando 3) sieht man bei Händlern quasi nie, gerade offline sind die KUVs viel niedriger; gute Unternehmen wie Walmart weisen gerade einmal KUVs von 0,4 oder 0,5 auf, schlechte (sprich margenarme) wie die Metro liegen etwa bei der Hälfte. Sind Online-Händler diesen Aufpreis wert? Im Vergleich zur Metro reden wir immerhin um den Faktor 15, den Zalando teurer ist. OK, auf der anderen Seite ist das Wachstum bei Online-Händlern viel höher und liegt eher bei 20 oder 30% statt 2 oder 3% im Offline-Markt....

b) Die andere Frage ist: Kann man Zalando mit Amazon vergleichen? Ist Amazon mit seiner weltweiten Ausrichtung, mit dem umfangreichen Angebot und vor allem auch der Expansion in margenträchtigere Bereiche (Medien, Content) überhaupt vergleichbar mit einem reinen Modehändler wie Zalando? Hat Amazon u.a. über die IT-Infrastruktur nicht einen gigantischen Wettbewerbsvorteil?

Schwer zu sagen. Ich persönlich würde dem Jungspund Zalando nicht die gleiche hohe Bewertung wie Amazon zugestehen. Vor allem auch, weil Zalando auch nicht unbedingt mit viel höherem Wachstum als Amazon beeindrucken kann.

Mal schauen, ob ich morgen noch mal Zahlen für Alibaba raussuche. Wobei Alibaba viel mehr als ein reiner Online-Händler ist und damit gemischter und schlecht vergleichbar ist.

Zalando kündigt Börsengang an (pdf)

Zalando: Pressemitteilung zur Preisspanne (pdf)

Zalandos Börsenprospekt (PDF)

Oder eine Kurzversion:
Zalando Factsheet (pdf)

Update (19.09.14):

Vorbörsliche Kurse gibt es bei Tradegate und der ist aktuell mit 25 bis 26 Euro deutlich über der Spanne von 18 bis 22,50. Es scheint also eine hohe Nachfrage zu geben (oder die Emissionsbanken sorgen erfolgreich für gute Stimmung ...):


Tradegate Exchange


Update 2 (29.09.14):

Zalando kommt zu 21,50€. Bewertung zu diesem Kurs knapp 5,3 Milliarden Euro.

Der Kurs ist im Vergleich zu den vorbörslichen Kursen überraschend niedrig, vorbörslich wurden quasi nie weniger als 25 Euro gezahlt, teilweise waren es sogar mehr als 34 Euro:



Da will Zalando wohl einen niedrigen Kurs, um einen schönen Zeichnungsgewinn (und entsprechende positive Schlagzeilen) zu schaffen. Das er ist nun nahezu garantiert, denn die Aktien waren zehnfach überzeichnet (Zehnmal mehr Nachfrage als Angebot). Der erste Handel am Donnerstag wird spannend ...

Zalando-Aktie wird 21,50 Euro kosten - WSJ.de

Update 3 (01.10.14):

Ein sehr guter Versuch, die Firma zu analysieren, bei Kassenzone.de. Spannend insbesondere das direkte Ausfiltern des Bullshot-Bingos im Börsenprospekt.

Zalando: Next Big Thing oder Next Karstadt? | Kassenzone

Griechenland Arbeitslosenquote 06/14: 27,0% (-0,1 Vm, -0,6 Vj). Aaaber ...

Das ist eine leichte Verbesserung, mehr aber auch nicht. Auch 27,0% sind natürlich weiterhin abstrus hoch (2009 waren es 9,4%).

Gegenüber dem Vormonat errechnet sich ein leichtes Minus um 0,1 Prozentpunkte, gegenüber dem Vorjahresmonat ein Rückgang um 0,6 Prozentpunkte. Die Grafik zeigt schnell, dass sich noch nicht viel gebessert hat:


Noch klarer wird das, wenn man sich die Details anschaut: Hier fällt dann auf, dass es im Juni 2014 trotz des Rückgangs der Arbeitslosenquote keinen Anstieg der Beschäftigung gab. Im Gegenteil: Es waren 3.101 Arbeitsplätze weniger als im Vorjahresmonat. Der Rückgang der Arbeitslosenquote ging vor allem darauf zurück, dass es gut 43.000 Arbeitslose weniger gab. Jetzt könnte man auf die Idee kommen, dass sich in Griechenland die Bevölkerung frustriert vom Arbeitsmarkt zurückzieht ("gibt eh keinen Job" vgl. die NILFs in den USA), aber auch das ist nicht der Fall. Auch die "Inaktiven", wie die NILFs in Griechenland genannt werden, schrumpften leicht um ca. 2.500 auf 3,305 Millionen.

Wir haben also eine sinkende Arbeitsplatzanzahl, eine sinkende Arbeitslosenanzahl und eine sinkende Zahl von "Inaktiven". Zusammengenommen sinkt die Anzahl von Erwachsenen im arbeitsfähigem Alter in Griechenland (und zwar im Jahresvergleich um knapp 50.000). Das kann eigentlich nur auf einen Grund zurückgehen: Die Griechen wandern aus. (Okay, es könnte auch schon die Demografie sein, aber ich glaube nicht, dass die Alterspyramide in Griechenland noch extremer ist als in Deutschland, und es durch die Alterung der Gesellschaft schon zum Schrumpfen der Workforce kommt. Vor allem auch deswegen, weil die Griechen die Arbeitslosenquote für die Gesamtbevölkerung zwischen 15 und 75(!) berechnen.

Kurz: Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Rückgang der Arbeitslosenquote in Griechenland vor allem auf Auswanderung zurückgeht. Wie in Spanien auch, wandern die jungen Griechen nach Deutschland (oder benachbarte) Länder aus. Gut für die Zukunftsfähigkeit des Landes ist das nicht ...

LABOUR FORCE SURVEY: June 2014 (PDF)

Die Arbeitslosigkeit unter der jungen Bevölkerung bleibt übrigens hoch, auch wenn die für den Juni 2014 gemeldeten 51,5% deutlich besser sind als die 58,8% des Juni 2013. Hier gilt aber der alte Disclaimer, dass die Arbeitslosenquote in dieser Altersklasse nicht unbedingt aussagekräftig ist. Siehe dazu Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Arbeitslosenquote - Erwerbsquote - Erwerbslosenquote - Was hilft bei der Beurteilung der Jugendarbeitslosigkeit wirklich?, dabei vor allem das Update unten.

China überholt Deutschland bei den regenerativen Energien

textet Spiegel Online.

"Ausgerechnet China" schreibt man dort. Der geneigte Umweltfreund denkt dann sofort: Wenn China das kann, können wir das erst recht. Wir müssen doch vorangehen. Warum machen wir nicht mehr? Ist das alles traurig.

Und ich frage dagegen, warum nur machen wir nicht mehr Mathe für Journalisten?

Wir nehmen dafür 5 Zahlen aus dem Artikel:

a) 31% Erneuerbarer Strom in Deutschland
b) 30% Erneuerbarer Strom in China
c) mehr als 5.000 Gigawattstunden Stromerzeugung in China (Update: inzwischen auf 5.000 TeraWattStunden korrigiert)
d) 80 Terawattstunden Energie aus Wind in China
e) 18 Gigawatt Energie aus Solarzellen in China

Bei c und d sollte dem geneigten Leser auffallen, dass 5.000 Gigawattstunden das gleiche sind wie 5 Terawattstunden. Aus den insgesamt 5 TWh kommen laut Spon also 80 TWh aus Wind. Häh?

OK, c ist ein offensichtlicher Fehler (auch wenn Spon den nicht korrigiert hat), denn es handelt sich um 5.000 TWh. Wikipedia gibt für 2008 3.571 TWh für China an.

OK, korrigieren wir c auf 5.000 TWh.

Dann nehmen wir b und c zusammen und kommen bei 30% auf etwa 1.500 TWh Strom aus regenerativen Quellen in China.

Nun, wie setzen sich diese zusammen?

d) 80 TWh Wind (sind im Artikel genannt, könnten stimmen; bin aber nicht sicher, es könnte auch sein, dass die Zahl genau so falsch ist wie andere auch. Die IEA nennt 71 TWh für 2011, ich würde bei dem Wachstum also eher auf 150-200 TWh für 2013 tippen)
e) 18 Gigawatt Peak Leistung für Fotovoltaik. Dies ist keine Angabe der abgegebenen Leistung, sondern die Angabe der maximalen Kapazität. Da es aber manchmal bewölkt ist und manchmal sogar Nacht ;) ) rechnet man das grob mit 1.000 Stunden pro Jahr hoch. Dann kommt man auf 18 TeraWattStunden, die aus Fotovoltaik stammen. Weil in China die Fotovoltaik wohl in geeigneteren Gegenden steht als in Nordrhein-Westfalen runde ich mal auf 20 TWh auf.

Gut, dann haben jetzt aus Wind und Sonne 100 Terawattstunden, vielleicht auch 200 TWh. Von insgesamt 5.000 TWh. Das sind 2% bis 4% des chinesischen Stroms aus Strom und Wind, insgesamt werden aber 30% des Stroms aus regenerativen Quellen erzeugt. Und was bleibt da in China? Rischtisch: Wasserkraft, Stichwort u.a. Drei-Schluchten-Damm.

Aus dem Ökostromwunderland China wird bei vernünftiger Betrachtung also ein Flussaufstauland. Wir können ja auch mal einen Staudamm zwischen dem Schwarzwald und den Vogesen ziehen; dann sind wir auch alle Energieprobleme los, aber so richtig doll finden Umweltschützer das bestimmt auch nicht.

Sicher, China investiert in Wind und Solar. Aber zu behaupten, dass China bereits in der Größenordnung liegt wie Deutschland, ist kompletter Unfug, den man sich nur zusammenschreiben kann, wenn man in Mathe gepennt hat (oder wenn man ne knallige Überschrift braucht). Genauso schlimm ist es zu verschweigen, dass der Großteil aus der Wasserkraft kommt, weil das ein völlig falsches Bild der regenerativen Energie in China vermittelt. Und ebenfalls unschön sind die falschen Maßeinheiten, die teilweise schlicht falsch sind, im anderen Fall schlicht unerklärt nebeneinander stehen. Auf Details wie die unkommentierte Zusammenrührung von Bestands- und Flussgrößen wagt man gar nicht mehr zu kritisieren ...

Ziemlich lustig finde ich übrigens, dass Spiegel Online Leser über einen so wirren Artikel lange und total gut informiert diskutieren können und erst dem 60. Kommentator auffällt, wie wirr hier Zahlen und Einheiten zu einem unverständlichen Brei zusammengerührt werden (in den 60 Kommentaren dahinter kommt noch ein zweiter Kommentar in die Richtung). Hach ist das schön, wenn man als Spiegel-Leser so gut informiert ist ;)

Erneuerbare Energien: China überholt Spitzenreiter Deutschland - SPIEGEL ONLINE

Hier gibt’s vergleichbare Zahlen, in denen kein Journalist rumgepfuscht hat (leider etwas älter):

International Energy Statistics - EIA

Dass dieser Artikel von einem Journalisten stammt, der eine Spezialsite zum Thema betreibt, finde ich übrigens einigermaßen erschreckend ...

Update (12.09.14):

Den Fehler bei Chinas Gesamtstromerzeugung von 5.000 Gigawattstunden hat der Spiegel inzwischen auf 5.000 TeraWattStunden korrigiert. Natürlich ohne Anmerkung, dass das zuerst falsch war ...

Update 2 (15.09.14):

Auch die FAZ hat jetzt was zum Thema. Etwas besser als der Spiegel, aber auch nicht wirklich gut. Die FAZ erwähnt die Bedeutung der Wasserkraft (und auch deren Probleme). Bei den Kapazitäten (GWp) und der Produktion (Gigawattstunden GWh bzw. Terawattstunden TWh) patzt aber auch die FAZ und nennt die Gigawatts einmal Produktion und einmal Kapazität. Das ist aber leider etwas ganz anderes, gerade bei der Fotovoltaik entsteht aus einem GWp im Jahresdurchschnitt noch lange keine Gigawattstunde pro Stunde. Wolken und vor allem die Nacht stehen dem entgegen. Auch Wasserkraftwerke produzieren nie 365 Tage und 24 Stunden Strom, dazu reicht in vielen Fällen auch einfach das Wasser nicht. Gerade wenn man über Ökoenergie redet, werden die Unterschiede wichtig, weil sich Fotovoltaik, Wind- und Wasserkraft deutlich unterscheiden.

Auch die Bestands- und Flussgrößen werden nicht so wirklich schön getrennt. Zwei Grafiken hätten hier wohl massiv geholfen.

China: Der unbekannte Ökostrom-Riese

Eins muss man der F.A.Z. aber lassen: Die fällige Kritik eines Leser kommt deutlich schneller als bei Spiegel Online. Scheinen doch klügere Köpfe dahin zu stecken ...

Apple und Payment. Was kommt. Und was nicht. Oder vielleicht doch.

Mir lief in der letzten Woche ein ganz interessanter Tweets über den Weg:



Die Diskussion, die sich an diesem Tweet entzündete, war ganz interessant, litt aber auch an den Defiziten von Twitter. Bei vier Leuten, die mitdiskutieren, bleiben nur noch 100 Zeichen für die Aussage und das ist verdammt wenig (IMHO zu wenig, aber ihr glaubt mir ja alle nicht, dass APP.NET eigentlich viel besser ist, allein schon weil die Mentions keinen Platz der (ebenfalls großzügigeren) 256 Zeichen fressen und es Clients gibt, die ein brauchbares Threading der Diskussion haben und man sieht, wer auf was geantwortet hat ...). Daher habe ich angekündigt, dass ich meine Gedanken noch mal im Blog zusammenfasse. Was hiermit geschehen sei.

Der verlinkte Artikel Mobile Payment – Warum auch Apple nicht die Payment-Welt im Sturm erobern wird | Mobilegeeks.de | Smartphones ist skeptisch, ob Apple den Konten durchschlagen kann, an dem die Durchsetzung von modernen Payment-Methoden im Handel bisher scheiterte. Das Problem sei komplex (Regulierung), durch die Menge an Altlasten (alte Lesegeräte) sei Innovation kaum möglich. (Und nicht zu vergessen: Viele Beobachter halten e-Payment für eine Lösung auf der Suche nach einem Problem. Die Kombination aus Bargeld und Kreditkarte (und in Deutschland EC-Karte), löse quasi alle vorhandenen Bezahlprobleme).

Optimistischer ist Ralf Keuper bei Bankstil: Bankstil: Verhilft Apple Mobile Payments zum Durchbruch?. Er verweist auf die hohe Anzahl von Konten, die Apple bereits hat (800 Millionen). Das sind 800 Millionen Kunden, die Apple bereits vertrauen und über Apple bereits Zahlungen für Musik, Filme und Software abwickeln. Außerdem habe Apple bereits einige Male bewiesen, dass man Innovationen am Markt durchsetzen könne.

Geradezu herbeigesehnt wie ein Einstieg Apples in die Paymentwelt bei Netzwertig: Mobiles Bezahlen: Apple, bitte erlöse uns | netzwertig.com I Internetwirtschaft I Startups I Trends I Digitalisierung

OK, ich fasse meine Überlegungen und Einschätzungen mal zusammen; am Ende des Artikels auch noch mal mit der von mir geschätzten Wahrscheinlichkeit zusammengefasst:

Was wird Apple machen?

Macht Apple überhaupt Payment?

Ich habe die Frage ein paar Mal (u.a.) mit Dirk Elsner diskutiert. Das Thema taucht vor der diesjährigen Produktvorstellung nicht zum ersten Mal auf, Apple hat sich schon vor einiger Zeit ein paar Patente zu einer Zahlungsabwicklung(-verwaltung) namens iWallet gesichert (siehe Update Apple Patente für eine iWallet und Co.). Ich war immer skeptisch, weil Bezahlung ein Geschäft ist, das nur relativ geringe Margen abwirft, gleichzeitig aber viel Verwaltungsaufwand gegenüber dem Kunden produziert. Fast noch schlimmer sind die mannigfaltigen gesetzlichen Vorschriften, die dann um es weiter zu komplizieren auch von Land zu Land unterschiedlich sind. Eigentlich ist eine solche Gemengelage aus niedrigen Margen und hohem Verwaltungsaufwand nichts was Apple interessiert und auch nichts was Apple besonders gut könnte. Daher glaube ich nicht, dass Apple ein komplett eigenes Payment entwickelt hat, sondern die Dienstleistung mit Partnern zusammen umsetzen wird. Inzwischen haben sich die Gerüchte so verdichtet, dass ich irgendwas in Richtung iPayment für wahrscheinlich halte. In welcher Ausprägung auch immer. (Am Ende ist Payment aufgrund der Menge von Geld, das täglich durch die Welt geht, auch bei niedrigen Margen spannend. Der Ebay-Tochter Paypal und auch die Kreditkartengesellschaften und Banken verdienen eine Menge Geld damit. Und vielleicht ist Apple unter der Führung von Tim Cook für solche öde Verwaltungsarbeit auch geeignet, geeigneter auf jeden Fall als unter dem Kreativling Jobs).

Wegen der hohen Komplexität wird Apple IMHO den Payment-Markt nicht "disrupten", also nicht die bestehenden Funktionen und Abläufe vollständig über den Haufen werfen. Auch in Zukunft werden die Menschen eine Kreditkarte als Basis für iPayment benötigen, das iPhone wird tendenziell eher sowas wie eine "virtuelle Kopie" der Kreditkarte. Man müsste nur beim Bezahlen nicht mehr das Portmonee zücken, sondern nur noch das iPhone. Für viele Leute mag das in etwa gleich viel Arbeit bedeuten, für mich wäre es in vielen Fällen einfacher, weil ich das iPhone halt griffbereiter habe (lest ihr etwa keine Tweets in der Warteschlange an der Tanke ;) ).

Apple hat darüber hinaus eine Reihe Möglichkeiten, das Payment fundamental besser zu machen. Der Bezahlvorgang könnte z.B. deutlich schneller abgewickelt werden. Nur als Idee: In den meisten Fällen dürften die wenigen notwendigen Datenpakete schneller über das Mobilfunknetz geschickt sein als über die komischen Leitungen, über die viele Supermärkte und Tankstellen angeschlossen sind, denn die Leitungen punkten mit Übertragungsgeschwindigkeiten, die kurz nach dem 2. Weltkrieg üblich waren. Außerdem ist eine Verwaltung der Quittungen sinnvoll, die direkt beim Bezahl-Vorgang in einer Quittungsverwaltung-App auf dem iPhone abgelegt werden, im Prinzip ähnlich wie Flugtickets in der Passport-App von Apple landen. Drittsoftware könnte diese Quittungen dann lesen und aufbereiten (wofür habe ich mein Geld ausgegeben? Wann habe ich wo getankt für die Abrechnung mit der Firma). Hier wären auch eine Kopplung an Kundenbindungsprogramme (Rabatte beim 10. Kauf) oder Systeme wie Payback denkbar (diese sind sicherlich nicht amused, wenn sich Apple in diesen Markt einmischt, aber nun gut, was dagegen machen können sie auch nicht, also dürften sie lieber mit Apple kooperieren als untergehen).

Viele Kommentatoren fragen sich, inwieweit für die Kreditkartengesellschaften eine Kooperation mit Apple sinnvoll ist. Erstens ist TouchID tendenziell sicherer als die althergebrachte Kreditkarte, die im Wesentlichen noch immer über die Unterschrift abgesichert ist. Gerade online versagt diese "Sicherheit" vollständig. Die Kreditkartengesellschaften könnten also mit weniger Betrugsfällen belohnt werden. Zweitens könnte Apple eine Drohkulisse aufbauen und entweder ein eigenes Payment-System androhen (mit eigener Wallet inkl. Bargeldersatz) oder das technologische Framework auf allen iOS Geräten bereitstellen, mit dem quasi jedermann seine eigene Bezahllösung mit TouchID-Integration bauen kann. Das könnte für bereits existierende Dienstleister wie Payback interessant sei. Auch Disruptoren z.B. aus der Bitcoin-Welt dürften sich die Finger nach einer solche Plattform lecken. Die Drohkulisse ist dabei klar: Wenn ihr Kreidtkartengesellschafte die Revolution nicht mitmacht, macht sie jemand anderes. Daher macht es lieber zusammen mit dem starken Partner Apple, ansonsten machen wir es selber und suchen uns andere Partner.

Ein paar technische Fragen:

NFC oder Bluetooth Low Energy (BLE)?

Beides. Die Kreditkartengesellschaften setzen bereits auf NFC. Ich glaube, Apple hat eingesehen, dass NFC hier der Weg ist, den man gehen muss. Einen eigenen Standard zusätzlich in die Millionen weltweiter Lesegeräte zu bringen, dürfte vielleicht noch in den USA funktionieren, im Rest der Welt dürfte der Marktanteil von Apple schlicht zu niedrig sein, um Standards zu setzen. Außerdem ist NFC auch außerhalb der Anwendung Payment interessant. Es gibt eine Reihe Regionen auf der Welt, wo ein iPhone ohne NFC ein echtes Ärgernis ist, weil z.B. das Ticketing im Nahverkehr, der Zugang zu öffentlichen Gebäuden, etc. pp. über NFC läuft (NFC kann noch viel mehr z.B. Pairing von Zusatzgeräten, etc. pp. iPhone 6's NFC chip may do far more than just mobile payments | VentureBeat | Mobile | by Mark Sullivan). Daher bin ich mir sicher, dass Apple einen NFC-Chip einbauen wird; wie @m106 würde ich sogar darauf wetten, dass NFC kommt. Zu sehr geringen Baukosten öffnet sich eine ganze Menge neuer Einsatzgebiete, unter denen Payment nur einer ist. (Wer jetzt sagt, Apple setze auf BLE und werde dabei bleiben, weil der Laden stur ist: Nope, es gibt auch USB in Macs, obwohl Firewire früher gut war. Irgendwann war USB so billig, dass Apple darauf nicht mehr verzichten konnte und wollte).

Kommt iPayment in die iWatch?

Am Wochenende gab es entsprechende Gerüchte in diese Richtung. Wäre cool, macht Sinn. Am Chip (bzw. Kosten oder Akkulaufzeit) wird es nicht haken. Ob TouchID in die iWatch passt, weiss ich nicht. Das scheint mir jedoch eher schwierig zu sein. Eventuell gibt es für Kleinzahlungen den Ablauf ohne TouchID, für größere muss man das iPhone zücken, um die Zahlung per TouchID zusätzlich abzusichern. Eventuell reicht Apple aber auch das zweite Gerät in der Nähe (Jackentasche über BLE oder auch Auto über GPS), um sicher zu sein, dass hier niemand mit einer gestohlenen iWatch auf fremde Kosten einkaufen geht. Dass beide Geräte gleichzeitig gestohlen werden (ohne dass der Besitzer dies bemerkt und die Payment-Option sperren lässt), ist ja relativ unwahrscheinlich.

Was könnte Apple bei Online-Bezahlungen besser machen?

Wer jetzt bis hierhin durchgehalten hat, wundert sich vielleicht, dass ich mir quasi ausschließlich Gedanken zum Payment im Real Life gemacht habe. Das liegt auch daran, dass ich mir in der Kombination PC und iPhone keine wirkliche Verbesserung des Ablaufs vorstellen kann. Wenn man seine Kundendaten einmal bei seinem Onlinehändler hinterlegt hat, kann man eigentlich kaum Sachen besser machen. Etwas Verbesserungspotential gäbe sich beim Einkaufen direkt auf dem iPhone bzw. iPad, wo Apple die Daten für die Bezahlung (halb)automatisch an den Händler schicken könnte. Theoretisch könnte man sich auch sowas wie Handover (Übergabe von Daten von Mac auf iPhone) auch für die Bezahlung vorstellen: Die Daten werden auf den Mac geschickt, der schickt die Daten zum iPhone; dort bestätigt man die Zahlung per TouchID und fertig. Denkbar wären auch Lösungen wie die von Yapital, bei der ein QR-Code angezeigt wird, den man mit dem iPhone fotografiert wird, und auf dem die weitere Abwicklung dann stattfindet (Mobile-Payment-Technologien: Welche führt zum Erfolg? | Yapital Blog); ich finde das jedoch nicht so schön, wie es sein könnte bzw. sollte. Im ersten Schritt erwarte ich für Online-Bezahlungen nicht so wahnsinnig viel Aufregendes von Apple ...

Micropayments? Macht Apple gleich zwei Schritte auf einmal?

Darüber hinaus gibt es online aber immer noch das ungelöste Problem der Micropayments, der schnellen Bezahlung von kleinen Beträgen im Centbereich z.B. für einen Zeitungsartikel. Ich glaube nicht unbedingt, dass Apple hier einsteigen wird, weil das ein noch schwierigeres Marktsegment ist, das potenziell noch geringerer Margen abwirft als Payment an sich. Aber eventuell steckt hier doch eine Möglichkeit für einen zweiten Schritt von Apple. Apple bietet im zweiten Schritt doch eine eigene Wallet an. Diese Wallet wird mit dem Konto/Kreditkarte/etc. verbunden und gesammelt abgerechnet. Sprich: Es wird nicht aus jeder kleinen Zahlung eine Buchung (die Geld kostet), sondern es wird gesammelt, bis 10 Euro angesammelt sind und erst dann abgebucht. Oder man muss im Vorfeld Geld auf die Karte laden, wie man das mit den iTunes-Karten machen kann. Die Wallet für Kleinbeträge wird also wie eine Prepaid-Karte im Handy.

Den Kreditkartengesellschaften wird eine solche Einmischung zwar nicht unbedingt gefallen, aber eventuell ist eine solche Kooperation für die Kreditkartengesellschaften trotzdem sinnvoll, wenn Apple nur kleine Zahlungen über den Apple-eigenen Bargeldersatz abwickelt, während die Kreditkartengesellschaften wie gehabt die größeren Beträge übernehmen. Die Kreditkartengesellschaften würden sicherlich auch gerne Kleinzahlungen selber abwickeln, waren damit bisher allerdings wenig erfolgreich. Die Gebührenstruktur der Kreditkartengesellschaften passt auch nicht wirklich dazu; die Fixkosten pro Zahlung sind zu hoch. Schon in der Realwelt ist vielen Gastronomen die Zahlung eines Cappuccinos mit der Kreditkarte zu aufwändig, online haben solche kleinen Payments über Kreditkarte gar keinen Erfolg, dieses Geschäft geht vorrangig an Paypal (übrigens einer der Player, der unabhängig ist und damit zumindest potenziell und in wilden Spekulationen auch ein Kooperationspartner von Apple werden könnte).

Am Ende könnte ich mit meiner Spekulation, dass Apple im ersten Schritt die wesentlichen Schritte des Paymentprozesses nicht selber machen wird, sondern Partner ins Boot nimmt, auch kräftig daneben liegen. Zumindest gibt es Gerüchte, dass Apple bereits mit den Banken verhandelt und "tiefe Discounts" herausgeschlagen habe: Apple Said to Negotiate Deep Payments Discounts from Big Banks | Bank Innovation. Ich halte das für eher unwahrscheinlich, aber nun ja, vielleicht ist Apple ja mal wieder richtig innovativ und macht nicht nur den oben diskutierten ersten Schritt, sondern gleich auch den den zweiten und bringt eine eigene Wallet als Kreditkartenersatz.

Wie würde ich die Wahrscheinlichkeiten einschätzen (gaanz grob über den Daumen)?

iPayment: 90%
NFC spielt die Hauptrolle: 85%
BLE spielt irgendwie eine Rolle: 50%
Apple kooperiert und das iPhone wird eine virtuelle Kopie der existierenden (und weiterhin obligatorischen) Kreditkarte: 70%.
Apple macht gleich den 2. Schritt, bringt eine eigene Wallet und wird defakto zum Konkurrenten der Kreditkartengesellschaften: 15%.


So genug spekuliert und prognostiziert, jetzt schnell die Bullshit-Bingo-Karten zur Keynote ausdrucken ...

Update (9.9.14):

"To be successful, Apple’s wallet must have a compelling merchant value proposition – like lowering a merchant’s operational costs or helping to drive more revenue – in order to win merchant acceptance and preference at checkout. The good news is that Apple is uniquely positioned to do just that."

Gut, das war aber schon immer so. Neben den beiden Punkten "billiger" und "interessante, zahlungskräftige Kunden", die Apple bieten könnte, würde ich auch unbedingt meine Spekulation von oben aufgreifen und Bonus- und Rabattsysteme für die Kunden nennen. Hier bieten sich mit der Integration von Passbook und iPayment spannende Optionen (wenn Apple die Integration denn erlaubt).

Merchants Will Decide The Fate of Apple's Mobile Wallet

Update 2 (10.9.14):

So, jetzt ist es raus, die Payment Lösung von Apple heisst Apple Pay. Und meine Spekulationen sind im Wesentlichen aufgegangen, sprich, die Dinge, die ich für wahrscheinlich gehalten habe (Payment, NFC, Kreditkarten-Kopie) sind aufgegangen, die Sachen, die ich für unwahrscheinlich gehalten habe (Apple wird selber Kreditkartengesellschaft) sind nicht gekommen.

Aber ich fasse mal kurz zusammen, was Apple Pay macht.

Apple wickelt die Zahlungen über NFC mit den neuen 6er-iPhones ab, authentisiert wird dabei über TouchID. Finger auf den TouchID-Sensor, iPhone an das Lesegerät halten. Fertig. Die Gegenstellen sind handelsübliche drahtlose NFC-Bezahlterminals, wie es sie in den USA bereits an 220.000 Verkaufsstellen gibt. Apple kooperiert mit den Kreditkartengesellschaften und legte (wie von mir erwartet) eine Kopie der Kreditkarte an. Dabei geht Apple ziemlich weit und kopiert nicht einfach die Kreditkarten-Daten (Nummer, Name, etc.) und speichert sie im iPhone, sondern erzeugt zusammen mit der Kreditkartengesellschaft einen eindeutigen Schlüssel, in dem die Kreditkartendaten UND die iPhone-Daten verschlüsselt erhalten sind. Dadurch gehen beim Diebstahl des iPhones nie die Kreditkarteninformationen verloren, man kann die (physische) Kreditkarte weiter nutzen und muss nur das iPhone alleine aus dem Bezahlprozess nehmen (das sollte man auch über FindMyiPhone schleunigst tun, auch wenn über TouchID ne Menge Sicherheit im Bezahlprozess eingebaut ist).

Apple treibt die "Virtualisierung" der Kreditkarte noch weiter. Jede Bezahl-Transaktion bekommt eine eindeutige ID und wird über die bestehenden Banking-Partner abgewickelt und das nahezu anonym: Der Händler sieht die Daten des Käufers nicht (sondern bekommt nur das Geld), Apple auf der anderen Seite sieht nicht, wer wann wo für wie viel Geld eingekauft hat. Beide Punkte sind ziemlich interessant, denn viele der bisherigen "modernen" Bezahlsysteme haben genau auf dieser Datenspeicherei ihre Geschäftsmodelle aufgebaut. Und das hält durchaus einige Nutzer davon ab, diese Systeme zu nutzen. Es ist auch aus dem Punkt der Sicherheit interessant, denn keine Daten bei Apple, heisst auch, dass man dort keine Daten klauen kann. Die Daten liegen ausschließlich in einem "Secure Element" auf den neuen iPhone-6-Modellen.

Was macht Apple Pay online? Auf iOSGeräten ist die Integration bis in die App hinein ziemlich cool; wir werden eine Menge Shop-Apps sehen, die bald einen Apple-Pay-Button zum direkten Zahlen bekommen werden. Für die Integration zum Mac oder PC habe ich nichts gesehen. Eine Zahlung über das iPhone für Käufe im Desktop Browser habe ich nicht gesehen. Es ist nicht auszuschließen, dass das möglich ist. Denkbar wäre zum Beispiel: Wenn du die App des Online-Händlers hast und Amazon das weiss, könnte man Ende des Payment-Prozesses eine Push-Nachricht auf das iPhone schicken, das die Bezahldaten enthält. Man klickt auf die Push-Nachricht, das öffnet die App auf dem iPhone, dort bestätigt man nur noch mit TouchID. Bingo. Wurde aber nicht gezeigt, und ist evtl. aufgrund irgendwelcher Sicherheitsmechanismen nicht möglich. Würde mich aber wundern, wenn in Schritt 2 von Apple Pay nicht mehr in die Online-Richtung kommen würde.

Wie sind die Marktchancen von Apple Pay? In den USA auf jeden Fall gut: Apple hat hinreichend hohe Marktanteile bei den Smartphones. Die Bezahlung per NFC ist im Lesegerät relativ gängig, wenn auch noch nicht so häufig benutzt. Kreditkarten hat zwar jeder, aber nur wenige sind bereits mit Chip und NFC versehen. Die Anwender in den USA dürften am wenigsten bremsen, traditionell stehen sie auf solche Lösungen, die in Old Europe eher für Schnickschnack gehalten werden. Ein Teil der Verbraucher wird die quasi anonyme Zahlung lieben. Für die Händler ist es ebenfalls spannend, weil beim Einsatz von TouchID das Sicherheitsniveau deutlich höher ist als bei normalen Kreditkarten. Auch dürfte der extrem schnelle Zahlvorgang für die Händler hochinteressant sein (die Zeitdauer für den Kassiervorgang ist ein entscheidender Kostenfaktor). Ob das im Barzahlerland Deutschland ähnlich ist, muss man abwarten. Hier dürften aber einige auf die Privacy- und Sicherheitsaspekte anspringen.

Die Apple Watch wird am Anfang nichts zum Durchbruch von Apple Pay beitragen. Erstens wird es sie erst nächstes Jahr geben, zweitens wird sie sich wohl viel langsamer verbreiten als das iPhone.

Zum Schluss noch ein paar Links aus der weiten Welt der Wirtschaft:

Ziemlich interessant, wie lange Apple laut "Lets Talk Payments" bereits an einer Payment-Lösung arbeiten soll und mit wie vielen Partnern verhandelt werden musste. Nach all diesen Verhandlungen führt Apple ApplePay in Kürze in den USA ein. Und zwar vorerst nur in den USA. Weil die Verhandlungen so aufwändig waren, wird die Einführung in Europa noch dauern, wahrscheinlich benötigt Apple in Europa auch eine Banklizenz (bin mir aber nicht sicher). Ich würde sogar fast wetten, dass wir eher die Apple Watch in Version 2 sehen als eine Einführung von Apple Pay in Deutschland.

What is Apple Pay and why is it important? - Lets Talk Payments

Sehr guter Artikel, der Apple Pay beschreibt und gut Vor- und Nachteile und Marktchancen abwägt. Interessant dabei auch die Info, das aus anderen Gründen in den nächsten 12 Monaten eine Menge alter Lesegeräte ausgetauscht werden müssen und daher eine gewisse Möglichkeit besteht, dass gleich auf (für NFC passende) Lesegeräte aufgerüstet wird:

Is Apple Pay a Banking Trojan Horse?

Noch zwei Einschätzungen aus Deutschland von der FAZ:

Apple Pay: Zahlen mit Handy und Uhr
Bezahlen mit dem Handy: Apple bittet zur Kasse - Unternehmen - FAZ

Und zum Schluss ein Link für Programmierer und Entwickler (und andere, die wirklich was über die Details wissen wollen (oder müssen)): Clover Developers Blog: How Apple Pay works and why it matters for developers

Update 2 (23:02):

Noch eine Einschätzung des WSJ. Dort ist man skeptisch, nur jede zehnte Akzeptanzstelle in den USA sei NFC-fähig. Werden sich Händler auf Apple Pay einlassen? - WSJ.de

NFC: Apple Pay könnte sich auszahlen - Golem.de

Apple Pay: Vorerst gefahrlos für Banken - WSJ.de

Update 3 (16.09.14):

Kleiner Nachtrag, der nicht direkt mit Apple Pay zu tun hat: Der NFC Chip soll nur für Apple Pay genutzt werden. App-Entwickler bekommen keinen Zugriff auf den Chip. Was aber irgendwie komisch ist, denn Apple hat selber gezeigt, dass man damit auch Hoteltüren aufschließen können soll.

Apple bestätigt, dass der NFC Chip nur für Apple Pay da ist

Update 3 (21:40):

Neunetz meint, Apple könne mit Apple Pay das schaffen, was Google mit Google Maps geschaffen habe: Eine Plattform schaffen, auf der andere aufsetzen können. Keins der Teile von Google Maps war neu, aber das Angebot als Basis hinzustellen, ermöglichte vielen anderen, darauf Dienste aufzubauen, die es sonst nicht gekonnt hätten. So wie bei Google Maps Kartendienste für Webdienste ermöglicht wurden, ermöglicht Apple Pay jetzt einfache Payment-Optionen auf der iOS-Plattform.

Apple Pay ist für Payments was Google Maps für Karten war

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