Mikro017 - Schöner Sterben mit Hedgefonds


Kurzer Hinweis vor dem Wochenende auf unsere aktuelle Podcast-Episode. Wieder mal knapp anderthalb Stunden lang (irgendwie schaffen wir die ursprünglich mal angestrebte Stunde nicht). Dieses Mal finde ich es aber voll in Ordnung, weil wir nicht lange ziellos rumlabern (nur ein wenig zum Ausklang am Ende), sondern ziemlich kompakt durch eine pickepackevolle Themenliste rauschen.

Der deutschen Bank wird vorgeworfen, 10 Milliarden Dollar aus Russland nach London transferiert zu haben. Wir versuchen zu ergründen, wie das genau ging. Eigentlich sollten solche Summen doch auffallen, vor allem wenn Moskau und London Hand in Hand arbeiten mussten. (Einer der Knaller an der Geschichte ist die Strafe, die in Moskau verhängt wurde …)

Zweitens (ebenfalls sehr schönes) Thema: Todesarbitrage mit Hedgefonds. Interessante Lücke in einem auf dem US-Markt gängigen Wertpapier. Bei diesen gab es eine höher als normal ausfallende Ausschüttung an einen zweiten (üblicherweise LebenspartnerIn), wenn der Besitzer verstirbt. Also quasi eine Kombination aus Wertpapier und Lebensversicherung. Und wenn man nun ausreichend viele Beschäftigte in Krankenhäusern kennt, kann man den unheilbar Kranken ein (unmoralisches?) Angebot machen …

Danach noch ein paar News: Ich zu Apples Steuernachzahlungen, Marco hat was zu Fonds und wir beide noch etwas Senf zu unserem Dauerthema Rocket Internet, wo es eine ziemlich dicke Abschreibung gab, die wohl gleich zwei Dickfische (im Rocket Internet Slang früher "Proven Winners" genannt) getroffen hat: Die Global Fashion Group (war zum Aufnahmezeitpunkt bekannt; Bewertung fast gedrittelt!) und Home 24 (Bewertung fast halbiert, sickerte nachher raus).

Zum Abschluss noch einen Überblick über das Hörerfeedback, am spannendsten dabei wohl der "Regiomat", mit dem Bauern ihre Waren direkt an den Endkunden verkaufen können, ohne Hofladen mit komischen Öffnungszeiten und ohne Personalkosten.

Mikro017 Schöner Sterben mit Hedgefonds

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Viel Spaß beim Hören! Wie immer sind wir gespannt auf Euer Feedback, Anregungen, Themenvorschläge.

Apples Steuerstrategie und die EU-Nachforderung - Und warum sich eigentlich die USA aufregen müssten …

Ok, Kurzbeschreibung dessen, was Apple gemacht hat.

Apple hat (scheinbar; Erläuterung folgt) hohe Gewinne in Europa eingefahren. Überschlagen so 120 Milliarden Euro von 2003-2014. Steuern gezahlt hat Apple auf diese Gewinne aber so gut wie keine. Grund: Die Gewinne sind fast komplett bei der irischen Tochter aufgeschlagen. Die Niederlassungen in den anderen europäischen Ländern haben kaum Gewinne erwirtschaftet. Über eine Steuersparkonstruktion, die so nur in Irland (mit Hilfe der Niederlande) möglich ist, wurden diese Gewinne quasi nicht besteuert. In Irland fallen zwar eh schon niedrige Steuern an (12,5%), zusätzlich kann man diese Steuern noch verringern, indem man das Geld über eine Lizenzvergabetochter in eine Steueroase "absaugt".

Die EU sieht das nun als unerlaubte Subvention und verlangt von Irland, die 13 Milliarden Euro zu wenig gezahlter Steuern von Apple zurückzufordern. Apple fühlt sich veräppelt (hehe), unter anderem weil die Forderungen bis 2003 zurückreichen. Und Irland möchte die Steuern auch nicht eintreiben, weil man das eigene Geschäftsmodell Steueroase gefährdet sieht.

Die Details sind nicht so wichtig (die habe ich auch schon mehrfach erläutert), es geht mir um etwas anderes.

Warum sind die Gewinne in Irland angefallen? Weil Apple das wollte. Und wie kann man das erreichen? iPhones werden zu festgelegten Preisen an die Apple-Läden verkauft. In diesem Fall war der Preis, den Apple Europe in Irland verlangt hat, hoch. Die Geräte gingen also für angenommene 500 Euro an den Apple Store nach Oberhausen. Dieser hat das Gerät für 600 Euro (+Umsatzsteuer) an mich weiter verkauft (ich Junkie, ich …). Apple Europe selber hat die Geräte für 200€ von der Apple Zentrale eingekauft. Die Apple Zentrale hat also kaum Geld verdient. Apple Irland jede Menge, der Apple Store Oberhausen als Händler wiederum fast nichts (er muss ja auch noch Personal, Miete, etc. bezahlen).

Warum akzeptieren die Steuerbehörden das? Im Fall der deutschen Steuerbehörden ganz einfach: Der Apple Store Oberhausen ist ein reiner Händler. Händler haben im Durchschnitt ziemlich niedrige Margen. Solange die Einkaufspreise für iPhones, die der Apple Store und sagen wir mal der Media Markt bezahlen, relativ ähnlich sind, kann das Finanzamt nichts machen (was auch richtig ist, das stimmt ja so alles).

Der Knackpunkt am Deal ist der Preis, zu dem Apple Irland die iPhones von der Zentrale einkauft. Hier könnte nämlich auch eine ganz andere Summe stehen. Und wenn Apple nicht will, dass viel Gewinn in Irland anfällt, könnte Apple ganz problemlos die iPhones aus der Apple Zentrale für 500 Euro an den Apple Store Oberhausen verkaufen. Dann wäre der Gewinn, der jetzt in Irland angefallen ist, in den USA entstanden. Und auch dort versteuert worden (wie hoch ist schwierig zu sagen, die USA haben mit Delaware praktischerweise eine Steueroase im eigenen Land). Aber wichtiger als Höhe des Steuersatzes ist die Feststellung, dass der eigentlich Beschissene in der Geschichte nicht Irland, Deutschland oder die EU sind, sondern die USA.

Denn bei einer normalen, natürlich Firmenkonstruktion landet der Hauptteil des Gewinns immer dort, wo der Sitz der Firma ist. Wenn BMW ein Auto in Italien verkauft, gehen die (angenommenen) 25% Marge auch nicht zur Hälfte an den Händler in Italien und zur anderen Hälfte nach München, sondern zu einem großen Teil nach München und nur zu einem Bruchteil nach Italien.

Wenn ihr jetzt das Gefühl habt, dass das internationale Steuersystem ziemlich kaputt ist, liegt ihr damit nicht ganz falsch …

Deutschland als Sitz vieler durchaus profitabler und auch exportorientierter Firmen bekommt bei einer solchen internationalen Steuerberechnung deutlich mehr Steuern ab als wenn man die Gewinne hälftig verteilen würde.

Danke an @DavidSchuppel, der mir die internationale Steuerberechnung gestern auf Twitter noch kurz bestätigt hat (damit ich hier keinen Mist erzähle).

Vielleicht kann man jetzt auch ein wenig nachvollziehen, warum sich Apple veräppelt fühlt. Apple muss jetzt Gewinne in Irland versteuern, die bei "normaler" Verrechnung nie in Irland angefallen wären. Klar, es ist leicht zu sagen: Pech gehabt. Ihr wolltet den Steuerzahler betuppen, dann geschieht euch das recht. Hättet ihr doch einfach in den USA die Steuern bezahlt. Allerdings zeichnet sich ein Staat auch dadurch aus, dass er verlässliche Steuergesetze macht. Und an diesem Grundsatz kratzt die EU gerade gewaltig.

P.S. Ich habe keine Ahnung, ob Apple bei einer normalen Steuerzahlung in den USA mehr Steuern gezahlt hätte. Wahrscheinlich schon, aber mit der Steueroase Delaware kann man auch komische Steuersparkonstruktionen bauen.

P.P.S.: Der Gedanke kommt von oditorium, der auf Twitter auch eine "On-the-Back-of-an-envelope"-Berechnung gemacht hat, die bei einer "natürlichen" Firmenkonstruktion angefallen wäre.

Die geht etwa so (habe die Zahlen etwas angepasst): Gewinn von Apple im Zeitraum, der von der Steuernachzahlung betroffen ist: Etwa 120 Milliarden Euro. Bei der Marge von Apple dürfte das einem Rohumsatz von etwa 200 Milliarden Euro in Europa entsprochen haben. Rechnen wir hier mit einer Marge von 5%, was eher großzügig für einen Händler ist (oditorium rechnet mit 2,5%), macht das 10 Milliarden Euro Gewinn in Europa (siehe oben, der Hauptteil des Gewinn fällt am Hauptsitz in den USA an; in diesem Fall 110 Milliarden Euro). Auf diese 10 Milliarden Euro Gewinn hätte Apple in Irland 12,5% Unternehmenssteuer bezahlen müssen. Macht 1,25 Milliarden Euro. Ziemlich weit weg von den 13 Milliarden (plus 4-6 Mrd. Euro Zinsen), die die EU jetzt haben will. In den USA wären dagegen wohl grob 30 Milliarden Euro Steuern angefallen (die es nun gar nicht gab; es sei denn, Apple holt das Geld aus den Steueroasen in die Heimat zurück, dann müssen die Steuern nämlich in den USA bezahlt werden).

Was bleibt: Die EU fordert 13 Milliarden Euro plus Zinsen, obwohl bei "natürlicher" Konstruktion kaum mehr als 1,25 Milliarden angefallen wären. Und die USA vermissen hingegen etwa 30 Milliarden Euro Steuern, die ihnen über die Steuersparkonstruktion entgangen sind.

Tja, alles nicht so einfach nicht … Schimpfen auf Apple ist leicht. Aber der Staat (v.a. Irland), hat dazu gehörig beigetragen.

Update (05.09.16):

Zwei Nachträge:

Die SZ stellt einen Vorschlag für ein gerechteres Steuersystem vor:
Wie ein gerechteres Steuersystem aussehen könnte.
Dieses basiert darauf, dass man die Verteilung der zu versteuernden Gewinne nicht vorrangig den Firmen überlässt, sondern diese nach Umsatzanteilen auf die Länder verteilt. Es könnten noch weitere Parameter wie die Mitarbeiterzahl zur Feinsteuerung hinzugefügt werden. Auf jeden Fall würden in der Konsequenz die Gewinne und damit auch die Steuern gleichmäßiger über die Länder verteilt. Verlierer bei einem solchen Vorgehen wären die Länder, die viele multinationale Konzerne mit hohen Exporten haben. Also auch Deutschland (Auto, Maschinen, …) oder die USA (Konsum, Pharma, Software, …).

Die FAZ hat die Steuersätze der deutschen Apple Stores recherchiert und (wenig überraschend) sind diese nicht sonderlich hoch.
So viel Steuern zahlen die deutschen Apple-Stores.

Kurzversion: Es gibt zwei Apple-Gesellschaften in Deutschland. Die Apple Stores selber erwirtschaften trotz mehr als 400 Millionen Euro Umsatz so gut wie keinen Gewinn und zahlen daher auch kaum Steuern. Profitabel hingegen ist die Apple GmbH, über die der Verkauf von iPhones, iPads, Macs, etc. abgewickelt wird (zumindest in Teilen). Diese hat bei gut 110 Millionen Euro Umsatz knapp 40 Millionen Euro Gewinn eingefahren und davon gut 12 Millionen Euro Steuern abgeführt. Diese Steuerquote von ungefähr 30% ist völlig im Rahmen dessen, was die Steuergesetze so vorsehen. Fasst man das alles zusammen, ist die Steuerquote von Apple Deutschland (gesamt) höher als das, was ich vermutet hätte. Ich hätte gedacht, dass Apple quasi nur den extrem margenarmen Handelsteil in Deutschland versteuert und den Rest über Irland abwickelt. Aber immerhin fallen für Teile des Handels durchaus signifikante Gewinne an und es werden auch Steuern gezahlt. Über alles gerechnet gibt es auf Umsätze von mehr als 500 Millionen Euro gut 51 Millionen Euro Gewinn (Marge etwa 10%) und darauf werden etwa 14 Millionen Euro Steuern bezahlt (Steuerquote 27,5%). Das ist definitiv nicht außergewöhnlich wenig. Gäbe es die Konstruktion mit Irland nicht und die Apple Stores Deutschland würden die Hardware direkt bei Apple USA einkaufen, wären die Steuereinnahmen in Deutschland wohl kaum höher.

Mikro 016 (und 015): Wirtschaft zum Hören. Mit Robo-Advisor-Kritik, Apple, und unser täglich Brot (Mehl), Milch und Bier. Und wie die Supermärkte Preiserhöhungen verstecken.

Dafür dass unsere Themenliste so kurz war, ist es mal wieder ganz schön lang geworden. Das angekündigte Deutsche Bank Thema mussten wir leider streichen, weil uns nicht 100%ig klar geworden ist, wie /genau/ die Deutsche Bank das Geld von Moskau nach London geschafft hat. Wurden die beiden Aktientransaktionen in Moskau (Kauf) und London (Verkauf) intern auf EIN Depot verbucht und darüber quasi die Aktien von Moskau nach London geschoben? Wenn das jemand weiss, freuen wir uns über einen Kommentar; uns wurde das weder im New Yorker Originalartikel, noch in der Manager Magazin Version klar.

Wir hatten aber auch so genug zu besprechen, kritisieren und zu erklären. Nachdem Marco die Gebührenstruktur und vor allem die Performancedarstellung des N26-Kooperationspartner Vaamo in einer älteren Folge schon kritisiert hat, habe ich einen anderen Robo-Advisor (einen automatisierten Depot-Vermögens-Verwalter gefunden, der mit einer Mindestanlage von NULL Euro und einer monatlichen Mindestsparrate von EINEM Euro an den Markt geht. Uns ist völlig unklar, wie sich das jemals (für den Anbieter) rechnen soll und wieso er solche garantiert unprofitablen Kunden umwirbt. Diese müssen schließlich alle anderen Kunden mitfinanzieren. So wird das nichts mit der Revolution der Anlageberatung, sage ich (obwohl ich das Produkt an sich mag), und Marco beschreibt, was er lieber hätte. Und daran zeigt sich, wer noch immer die Hauptkonkurrenz der Fintechs darstellt: Die Banken, auch wenn sie olle Dinosaurier sein mögen.

Dann gibt es noch gaaanz kurz (echt jetzt!) was zum Niedrigzins. Zu Markt und Milch und wie die Supermärkte und Lebensmittelhersteller versuchen, Preiserhöhungen zu verstecken. Und weil wir da schon bei Lebensmitteln waren, gibt es auch noch etwas zum Lebensmittel Nummer 1:  Bier … (Premiere!)

Und weil ich es unbedingt wollte, lasse ich mich noch etwas über der 13-Milliarden-Steuernachzahlung von Apple an Irland aus …

Dadrüben hören:
Mikro016 Eine wirkliche Revolution im Banking
und abonnieren.

Und wenn's unbedingt sein muss, hier:



Kommentare aber bitte nur drüben, sonst zerfasert das.

Mikro 015 gab es natürlich auch, und wer nicht nur hier liest, sondern drüben abonniert hat (sagte ich schon, dass ihr das tun sollt?), hat das auch bestimmt schon lange weggehört …

Darin haben wir das Thema Negativzins auf Mikro 013 nochmal aufgegriffen (weil es Feedback gab), und Marco regt sich ein wenig über Unister und die Agenda 2010 auf oder besser, was einige Medien zu diesen Themen so schreiben.

--> Mikro015 Negatives Agendasetting beim Zins

Wir freuen uns wie immer über Feedback, Anmerkungen, iTunes-Kritiken, Kommentare, Weiterempfehlungen und nicht zuletzt über Themenvorschläge.
Und noch eine Frage: Nutzt jemand das Soundcloud-Player-Plugin hier oben auf der Seite oder können wir uns das klemmen (kostet nämlich)?

Tippspiel-Start

Ich bin erkältet (glaubt mir kein Mensch angesichts der 30-Grad draußen, ist aber die bittere Wahrheit). Bevor ich es vergesse, daher kurz der Hinweis auf mein Tippspiel.

Kicktipp

Regeln wie beim letzten Mal, also NICHT im Totomodus wie bei der EM. Ihr tippt das konkrete Ergebnis. Sieg/Niederlage richtig gibt 2 Punkt, Sieg/Niederlage richtig UND richtige Tordifferenz (also Tipp: 3:1 oder 4:2 oder 5:3 oder 6:4, Ergebnis 2:0) bringt 3 Punkte, 4 Punkte gibt es, wenn das Spiel exakt wie getippt ausgegangen ist. Beim Unentschieden gibt es als Ausnahmeregel nicht 3, sondern 2 Punkte, obwohl man beim Unentschieden naturgemäß die Tordifferenz von Null immer richtig hat (hat man das Ergbenis ganz richtig, gibt es die normalen vier Punkte). Die Tippabgabe ist jeweils bis zum geplanten Start des Spiels möglich (ihr könnt die Sonntagsspiele also auch noch sonntags tippen).

Denkt an die Bonusfragen. Dafür habt ihr (wenn alles klappt) allerdings etwas länger Zeit (weil ich so spät schreibe), die Tipps sollten bis inkl. 31.8. möglich sein.

Zur Vorbereitung:

Rasenfunk Saison-Vorschau (knapp vier Stunden-Podcast):

Saisonvorschau zu allen Bundesligateams (darin DIE erste überzeugende These, warum der ICE so oft durch Wolfsburg fährt …)

Dort wird der BVB interessanterweise schwächer gesehen als in der Vorsaison, dabei fand ich das Super-Cup-Spiel gegen Bayern bärenstark. In der ersten halben Stunde klar besser, danach auf Augenhöhe. Das einzige, was nicht passte, war das Ergebnis.

TRIKOTMEISTER 2016 - Nein, Bayern ist es nicht!

Und ein kleiner Hinweis zu der Bonusfrage mit den ersten Trainerentlassung:

Die Rangliste für die Trainerentlassungswahrscheinlichkeit:

Skripnik, Werder Bremen (2.50)
Meier, Darmstadt 98 (5.50)
Kovac, Eintracht Frankfurt (9.00)
Kauczinski, FC Ingolstadt (9.00)
Schuster, FC Augsburg (9.00)
Dardai, Hertha BSC (9.00)
Labbadia, Hamburger SV (13.00)
Weinzierl, Schalke 04 (15.00)
Nagelsmann, 1899 Hoffenheim (15.00)
Hecking, VfL Wolfsburg (15.00)
Hasenhüttl, RB Leipzig (19.00)
Schubert, Borussia Mönchengladbach (23.00)
Stöger, 1. FC Köln (26.00)
Schmidt, 1. FSV Mainz 05 (29.00)
Schmidt, Bayer 04 Leverkusen (41.00)
Streich, SC Freiburg (51.00)
Tuchel, Borussia Dortmund (81.00)
Ancelotti, FC Bayern München (81.00)

Werders Skripnik Top-Kandidat auf erste Trainerentlassung der Saison

Wenn ihr möchtet, könnt ihr auch schon einen Tabellentipp in den Kommentaren abgeben, ich lasse das zweite Spielchen dieses Jahr aber bis vor dem zweiten Spieltag auf. Mir sind bisher zu wenig Tabellentipps vor die Linsen gelaufen (nur den Tipp vom Rasenfunk habe ich gesehen). Den Tabellentipp der letzten Saison habe ich noch nicht ausgewertet, irgendwie kommen mein Python-Skript und meine Kopfberechnung auf unterschiedliche Ergebnisse … Muss ich mir noch mal bei weniger Schädel und weniger Temperatur anschauen.

Die Art des Tipps sollte in etwa so aussehen:



Nett wäre es, wenn ihr kurz davor schreibt, warum ihr die Mannschaften so seht.

Update (18:55):

Handelsblatt Tipp ist da:

Handelsblatt: Die Bayern geben den Takt vor

Uodate 2 (19:01)

FAZ: Das ist unsere Bundesliga-Abschlusstabelle

Pressewüste in Österreich. Und der Zins, ist auch nicht mehr, was er mal war bzw. für einige doch …

Marco und ich haben mal wieder gequatscht.

Ihr könnt es hören und kommentieren:

Mikro014 Kein Kredit für Wirtschaftszeitungen

Wir wühlen uns durch die Nachrichtenlandschaft, greifen man wieder das Thema Negativzinsen auf (wie irgendwie nicht das bewirken, was sie bewirken sollten) und dann als Ausgleich die bekannten Wucherzinsen, mit denen in den USA aktuell bei Autokrediten wieder ein großes Rad gedreht wird.

Wir freuen uns wie immer über jeden Hörer, jede Weiterempfehlung, jede Rezension bei iTunes, und jede Art von Feedback (und selbst über schnöden Zaster, den ihr dadrüben jetzt per Paypal-Button auf unser Konto überweisen könnt. Oder jedes Buch, das ihr von unseren Amazon-Wunschlisten wegkauft …



Btw: Es gab natürlich auch eine Folge 13, die erste nach meinem Urlaub, die ich euch hier in aller Gemeinheit vorenthalten habe, damit ihr das Blog/den Podcast darüben abonniert …

Mikro013 Die Verlustgarantie!

Dabei geht es um einen Sparplan von N26, nachrangige Anleihen (gern genommen vom Emittenten, leider oft sehr nachteilig für den Käufer), es geht um eine Studie zur Macht der Fondsgesellschaften und jede Menge Hörerfeedback zu den Folgen davor.

Sendungsankündigung Mikro013 für den 11.08.16

Kurzer Hinweis zu einem kleinen Experiment zu unserem Podcast: Wir haben die Themen mal vorab festgelegt und schauen mal, ob es vielleicht von Euch vorab schon Fragen oder interessante Hinweise zu den Themen gibt.

Wie immer drüben im Blog des Podcasts: --> Sendungsankündigung Mikro013 für den 11.08.16

Podcast - Mikro012 Die Pokémonsteuer (und Mikro011 und Mikro010)

Damit euch nicht langweilig wird, während ich in Südtirol Kühe umschubsen gehe :)

Ich habe die letzten beiden Folgen hier nicht verlinkt, weil ich gerne hätte, ich das ihr das Dingen dadrüben abonniert. Da gibt es die Info immer zuerst und da soll auch die Diskussion dazu stattfinden (möchte das nicht über zwei Blogs zerfleddern; ich habe eh viel zu wenig Feedback, da möchte ich das wenigstens gesammelt sehen).

Zur Folge 012:

Mikro012 Die Pokémonsteuer

Ich werden zum Verfechter neoliberal niedriger Steuersätze (zumindest fühle ich mich nach der Diskussion fast schon so; nun gut, habe 2 Wochen Urlaub, um mich von dem Schrecken zu erholen ;) ). Es geht um die Erbschaftssteuer und den Vorschlag von ifo-Chef Clemens Fuest, eine Flat-Rate von 8% auf alle Vermögen zu erheben. Ich bin grundsätzlicher Freund eines relativ niedrigen, aber für alle Vermögensklassen gleichen Steuersatzes (sonst kassiert das BVG die Steuer eh wieder), bin aber gleichzeitig Gegner einer Vermögenssteuer, allein schon weil das dann eine jährliche Erhebung der Vermögenswerte nach sich ziehen würde. Nicht ganz unerwartet bekomme ich in den Kommentaren kontra …

Zum Start gibt es aber ein paar Gedanken zu dem popkulturellen Hype-Thema der letzten zwei Wochen: Pokémon Go. Der Aktienkurs von Nintendo hat sich mehr als verdoppelt, die Börsenbewertung von Nintendo ist inzwischen höher als die von Sony. Schon bemerkenswert, für eine Firma, die ich persönlich schon mehr oder weniger abgeschrieben habe. Zumindest solange Nintendo nicht beginnt, endlich die 2 Milliarden (geeigneten) Smartphones mit ihrer Software, ihren Marken und ihren Spielen zu adressieren. Jetzt hat Nintendo einen Knaller, profitiert aber anscheinend nur zu einem Bruchteil davon. Trotzdem könnte das die zukünftige Strategie von Nintendo über den Haufen werfen, Marco sieht das aber anders als ich.

Und als drittes Thema beschäftigen uns mit Nordstream, der neuen Gaspipeline, die möglicherweise von Russland nach Deutschland gebaut wird. Sie soll ohne die üblichen Wege auf dem Land (sprich durch Polen und/oder die Ukraine) gebaut werden. Das hat natürlich geostrategische Auswirkungen auf Osteuropa, aber auch wirtschaftliche. Vor allem erhöht es die Abhängigkeit Deutschland (und Mitteleuropas) von russischem Gas, etwas was man eigentlich gar nicht wollte. Ursprünglich sollte die Gasversorgung diversifiziert werden und andere Lieferländer hinzugenommen werden. Unter anderem war vor ein paar Jahren Flüssiggas ein großes Thema und wir fragen uns, was daraus wohl geworden ist. (Da ich seit der Aufzeichnung ein paar Dinge dazugelernt habe, wird das Thema in der nächsten Folge noch einmal kommen).

Zum Schluss gibt es einen kurzen Nachrichtenüberblick (v.a. ein paar Nachklapps zu Themen, die wir schon mal hatten) und die neue und ab jetzt ständige Rubrik Feedback: Aber hört selbst.




Es gab auch zwei Folgen, die ich hier bisher noch nicht verlinkt hatte (ihr sollt ja auch dadrüben abonnieren …). Da ich aber bald zwei Wochen im Urlaub bin, hole ich das nach. Wer die Folgen noch nicht gehört hat, sollte die Pause damit locker überleben ;) Es waren dank die Mega-Themas Brexit auch (wie die aktuelle) Folge(n), die deutlich über unsere angestrebte eine Stunde Länge hinausgingen.

Mikro011 kurz angerissen:

Mikro011 Die EU löst Bankenkrisen aus

Themen sind (zum dritten Mal) Brexit, die Bankenkrise in Italien (und was die Regulierung dafür kann oder warum sie sowas vorher nie merkt), die Kommunikationskrise bei Number26, und noch ein Nachklapp zu Edeka-Kaisers und der vom OLG Düsseldorf kassierten Ministererlaubnis.



Zu 010:


Mikro010 Neoliberalismus macht dumm (toller Titel, den sich Marco da ausgedacht hat. oder?)


Themen: Brexit (zum zweiten Mal), die gloable Einkommensverteilung
(der Elefant zum besseren Verständnis hier verlinkt: ),
und basierend auf Hörerfeedback eine Diskussion darüber, ob nur die öffentliche Verwaltung ein bürokratisches Verwaltungsungeheuer ist oder ob große Firmen nicht genauso die selben Probleme haben …



Viel Spaß beim Hören und wie immer freuen wir uns über jedes Feedback (wo habt ihr ja jetzt schon dreimal gelesen). Flattert mich, schickt mir Knete, Kekse, Bitcoins, oder Bier :)

DSW & TU München: DAX-Vorstände verdienen 2015 "nur" noch 50mal so viel wie Mitarbeiter

Toll nicht? 2014 waren es noch 54mal so viel. Der Trend zeigt in die richtige Richtung … Die Angestellten verdienen im Schnitt 4% mehr als 2014, die Vorstände verdienten im Schnitt 1,8% weniger (fixe Vergütung -1,4%; erfolgsabhängige -5%). Im Schnitt gab es 2015 3,341 Millionen Euro pro DAX-Vorstand; 2014 waren es noch 3,402 Millionen Euro. Das versteht man wohl unter "international wettbewerbsfähiger Vergütung".

Noch etwas vernünftiger scheinen die Vergütungen zu wirken, wenn man sie mit US-Werten vergleicht: Die CEOs der 30 Firmen, die im Dow Jones Index enthalten sind, bekamen 2015 im Schnitt 16,4 Millionen Euro.

Interessant ist es auch immer, die Vergütungsvielfache einzeln zu betrachten. Einige fordern ja, den Vorstandsvorsitzenden maximal das Dreißigfache des Durchschnittseinkommens zu zahlen. Diese Grenze halten nur die Commerzbank (27x), die Deutsche Bank (22x), die Deutsche Börse (24x), MunichRe (30x), ProSiebenSat1 (27x) und an der Spitze SAP (17x) ein. Nicht ganz zufällig liegt dieser niedrige Multiplikator aber mehr am hohen Durchschnittsgehalt von Bankern und ITlern als an der Bescheidenheit der Chefs. Deutsche Bank, Deutsche Börse und SAP sind die drei einzigen Firmen, in denen die Mitarbeiter im Schnitt mehr als 100.000 Euro pro Jahr verdienen.

Bis hierhin ein langweiliger Artikel, oder? Könnte glatt von der DPA sein ;)

Okay, ich hab da noch was für Euch ;) Das ist zwar nichts wirklich Neues, fällt im Zusammenhang solcher Veröffentlichungen immer und immer wieder unter den Tisch:

Die ganze Studie hinkt. Und zwar an einem großen Punkt: Die Pensionsansprüche der Vorstände sind NICHT einberechnet. Und diese Ansprüche sind saftig. Die Studie listet die Aufwendungen für Altersvorsorge auf. Es sind im Durchschnitt 682.000 Euro pro DAX-Vorstand. Dadurch erhöht sich der Faktor um 5 Punkte, wir sind also schon bei einem Faktor 55 statt 50 wie aus der Überschrift. Und ich vermute mal schwer, dass auch das nur die halbe Wahrheit ist (wenn überhaupt).

Nehmen wir z.B. mal Dieter Zetsche von Daimler. Er hat eine Pensionszusage von 4,1 Millionen Euro pro Jahr. Pensionseintrittsalter ist 60 (!!!). Der Aufwand für seine Pension, den die Studie nennt, liegt bei 1,044 Millionen Euro. Zetsche ist 63 Jahre alt. Eigentlich könnte er die Pension schon kassieren, spätestens nach Ende seiner Amtszeit wird er das aber tun. Schon beim schnellen Blick wird klar, dass die gut eine Millionen Euro, die Daimler im Jahr 2015 in Zetsches Pensionskasse eingezahlt hat, nicht ansatzweise ausreichen kann, um ihm 20 Jahre lang 4 Millionen auszuzahlen. Entweder hat Daimler also schon zu Beginn des Zetsche-Vertrags einen Haufen Geld in seine Kasse eingezahlt (er ist seit 1998 im Vorstand, seit 2006 Vorstandsvorsitzender), oder (und das ist wahrscheinlicher) Daimler zahlt auch die nächsten Jahre weiter für Zetsches Pension. Diese Summe taucht in der Vergütungsstatistik aber nie auf, weil er dann ja nicht mehr Vorstand ist. Ganz grob über den Daumen gepeilt: Wenn Zetsche 13 Jahre Vorstandsvorsitzender ist (2006-2019), hat er nach Sterbetafel durchschnittlich noch 16 Jahre zu leben. Um für diese 16 Jahre jeweils 4 Millionen pro Jahr auszahlen zu können, hätte Daimler über alle 13 Jahre Jahr etwa 4 Millionen zurücklegen müssen (Ich rechne das jetzt nicht versicherungsmathematisch durch, es geht mir nur darum, dass die eine Millionen (die in der Berechnung des Vielfachen aus der Studie nicht einmal drin ist) nicht im Ansatz die wahren Kosten für die Pension widerspiegelt). Dann hätte Zetsche 2015 also nicht 8,5 Mio. Euro, sondern 12,5 Millionen Euro oder mehr kassiert. Und sein Gehalts-Vielfaches zum Durchschnittsdaimlerianer läge nicht bei 57, sondern 80 oder 90.

Nun gut, eine solche Berechnung ist nicht ganz einfach, vor allem, weil man nie weiss, wie (genauer auf welchen Zeitraum) man die Pensionskosten umlegen soll. Man weiss ja am Anfang nicht, wie lange jemand Vorstandsvorsitzender bleibt. Wobei eine Verrechnung über den gesamten Zeitraum durchaus plausibel wäre. Dann würden die jährlichen Kosten sinken, je länger jemand an der Konzernspitze bleibt. Das wäre auch eine durchaus sinnvolle Darstellung, denn was die Pensionsansprüche angeht, kommt ein Vorstand über 15 Jahre das Unternehmen preiswerter als ein permanenter Wechsel alle drei Jahre. In den USA werden solche Pensionspakete oft (immer?) auf einen Schlag verbucht, was dann zu absurden Summen im ersten Jahr eines CEOs führt ("Apple Chef Cook verdient 74 Millionen Dollar"). Was aber eben auch in die Irre führt, diese Summe bekommt er nur einmalig am Anfang seiner Zeit und man müsste diese eigentlich über die gesamte Laufzeit des Vertrags verteilen (das machen die Medien aber auch nur in Ausnahmefällen).

Die oben genannte Neuberechnung des Gehaltsvielfachen muss man noch abschwächen, weil es keine Aussage dazu gibt, ob im durchschnittlichen Personalaufwand pro Mitarbeiter eventuelle Firmenpensionen berücksichtigt sind. Ich gehe eher nicht davon aus, weiss es aber auch nicht und habe auch keinen Hinweis dazu gefunden. Würde man diese berücksichtigen, würde das Vielfache wieder sinken. Man kann aber davon ausgehen, dass die Pensionsansprüche der Mitarbeiter niedriger sind: Erstens wird die Firmenpension für Mitarbeiter wohl kaum die Hälfte des aktuellen Gehalts ausmachen wie bei Zetsche, noch dürfte der Durchschnittsdaimlerianer diesen Anspruch ab einem Alter von 60 bekommen. Es würde mich sehr wundern, wenn das Gehaltsvielfache (im Fall von Daimler 57) ähnlich hoch bliebe, es dürfte eindeutig in Richtung des Vielfachen von 80 oder 90 (aus meiner Bierdeckel-Kalkulation) tendieren.

Und wenn ihr mal Frust schieben wollt: Allein das Pensionseintrittsalter in der Spalte ganz rechts dürfte ausreichen. Immer daran denken: Uns Normalsterblichen droht demnächst eine Rente ab 70



Aber ihr sollt nicht nur Frust schieben: Aus diesem kleinen Artikel sollt ihr euch merken, dass die Transparenz bei der Vergütung der DAX-Vorstände in Bezug auf die Pensionsansprüche mangelhaft ist. Und damit sind leider auch alle Studien, die auf diesem Zahlenmaterial aufbauen, mit extremer Vorsicht zu genießen. Zu große Teile der Kosten für die Altersvorsorge der Vorständen tauchen in den jährlichen Berichten leider nie auf.

Zum Thema noch ein Zitat aus einem älteren Spiegel-Artikel: "Pensionszusagen sind sehr beliebt, um Managern mehr Geld zuzuschanzen, ohne dass es auffällt". Mehr ist dazu kaum zu sagen …


Immer druff auf die Ökostromspinner. Auch wenn man dafür alle Entwicklungen der letzten 5 Jahre ignorieren muss …

Och, ich kann den Vogel ja nicht dauernd ignorieren …

Das ABC von Energiewende und Grünsprech 8: Wüstenstrom - Tichys Einblick

Wieder so ein völlig einseitiger Artikel gegen diese Ökostrom-Wunschdenker-Gutmenschen, die Tichy & Co offensichtlich am liebsten für den kommenden Weltuntergang verantwortlich machen würden …

Schon bemerkenswert, wie weit man in die Vergangenheit gehen muss, um Kritik an den regenerativen Energien (in diesem Fall Fotovoltaik aus der Wüste) formulieren zu können.

2009 Desertec. 2000 Expo. Andasol (Bau 2008-2011). Zitate von 2009 und 2010. Was Aktuelleres zum drüber lächerlich machen hat man wohl nicht gefunden …

Bei Andasol wird die Argumentation relativ lustig, weil durch die Abschreibung auf den Firmenwert impliziert wird, dass das Projekt völlig aus dem Ruder gelaufen wäre und die geplanten Produktionskosten für den Strom nicht erreicht würden. Was aber Mumpitz ist. Die Abschreibung gab es, weil der Staat die garantierte Einspeisevergütung von 46 Cent/KWh gestrichen/gekürzt hat. Natürlich wird dadurch mit dem Kraftwerk VIEL weniger Gewinn erwirtschaftet werden als geplant, und deshalb muss der Firmenwert korrigiert wird. Das heißt aber nicht, dass das Kraftwerk nicht funktioniert und die Produktionskosten viel höher wären als gedacht. Eine ausgewogenere Betrachtung findet man in der Wikipedia. Kurz gefasst, weiss man nichts Genaues, aber Andasol ist auf jeden Fall kein Komplettausfall, wie man nach der Megaabschreibung denken könnte (das Argument müsste man mal gegen RWE und Eon anwenden; die schreiben gerade Milliarden auf AKW, Kohle- und Gaskraftwerke ab; bedeutet das, dass all diese Kraftwerke unwirtschaftlicher Mist waren und sind?)

Das Schlimmste am Artikel ist aber das komplette Ignorieren aller aktuellen Entwicklungen. Den Akku für die dezentrale Stromversorgung scheint es nicht zu geben. Und damit auch nicht die sehr sinnvolle Versorgung von abgelegenen Orten z.B. in Afrika über eine Kombination aus Solarzelle und Akku, um dort Strom für Kühlschrank und Licht zu haben. Die Kosten für beide Komponenten sind in den letzten 10 bis 15 Jahren mit 10-15% pro Jahr (Akku) und 15-20% (Zelle) gesunken. Und Hint hint: Dezentral heißt: Ich spare mir den Aufbau einer Strominfrastruktur, die in Deutschland immerhin gut 5 Cent/KWh zum Strompreis beiträgt (etwa 20%).

Wer auf Fehlschlägen aus 2008 oder gar 2000 rumreitet, steckt mit beiden Stiefeln im Sumpf der Vergangenheit. 2016 sieht die ganze Lage anders aus. In Dubai hat die Energiebehörde 2015 einen weiteren Tender über Fotovoltaik-Strom im Volumen von 800 MW ausgeschrieben. Das niedrigste Gebot lag bei 0,0299$, also weniger als 3 Dollar-Cents je KWh. Die Konkurrenz wunderte sich allerdings, ob das machbar ist. Die Konkurrenz selber lag allerdings auch nur bei 3,65 bzw. 3,95 Dollar-Cent. Ergo gibt es drei Angebote mit KWh-Preisen von weniger als 4 Cent/KWh, man kann davon ausgehen, dass sich nicht alle drei total verkalkuliert haben und Geld verdienen wollen, ergo die Kosten bei weniger als 4 Dollarcent/KWh liegen. (Quelle).

Oder schauen wir mal nach Indien:

Solar is now cheaper than coal, says India energy minister (4,34 Rupien/KWh = 5,8 Cent/KWh).

Interessant auch der Blick der Analysten der Deutschen Bank auf Solarstrom in Indien: India 2020: Utilities & Renewables - Make way for the Sun (PDF). Es gab 4 Tender für Fotovoltaikstrom in 2015: Die Gebote: 6,5 $cent/KWh, 5,8$c/KWh, 6,4 $c/KWh, 5,4$c/KWh). Darin noch viele weitere Zahlen: Modulkosten seit 2009 um 80% runter, Gesamtkosten (inkl. Installation, Gleichrichter, …) seit 2009 70% runter (Seite 40). Prognose für den Preisverfall 2016 bis 2020 insgesamt 30-40% (Seite 41). Teilweise werden die Produkte besser, teilweise auch einfach nur billiger.

Oder nehmen wir Sambia. Dort wurde mit Hilfe der Weltbank der Aufbau von Fotovoltaik-Stromerzeugung über 2*50 Megawatt ausgeschrieben. Das beste Gebot lautete auf 6 Dollarcent/KWh, die für 40 Jahre fix sind. Allein durch Inflation errechnet sich auf die gesamte Laufzeit gesehen ein niedrigerer Durchschnittspreis, den die Weltbank auf 4,7 Dollarcent/KWh schätzt.

Worldbank: Why Zambia’s 6 cents is more significant than Dubai’s 3 cents.

Aber nun gut, Wüstenstrom ist doof, meint der Tichy. Lasst uns doch liebe Kohlekraftwerke bauen. Oder AKWs. So Dinger wie Hinkley Point C, das unsagbar tolle AKW, das gerade in Großbritannien gebaut wird. Und weil sich das alles so super rechnet, muss man auch gar keine fiese staatliche Bevormundungsstrategien wie garantierte Strompreise garantieren. Oh wait, der Bauherr EDF bekommt ja garantierte 0,0925 Pfund/KWh (aktuell knapp 11 Eurocent/KWh). Und der Bauherr droht gerade in die Pleite zu schlittern, weil die Baukosten VÖLLIG aus dem Ruder laufen. Das ist bestimmt die Zukunft, according to Tichy & Co. Noch geiler wird Atomkraft noch, wenn man sie in Ländern wie dem Sudan baut. Es wundert mich nicht, dass der Autor bei Tichy nicht einmal den Ansatz eines Problemes mit Atomkraft im Sudan zu sehen scheint. Was soll dabei schon schief gehen? Ein AKW im Sudan, todsichere Idee …

Nein nein, ich will die ersten 7 Teile der Serie bei Tichy nicht lesen … Sonst muss ich noch sieben weitere Artikel schreiben …

Zur Klarstellung: Ich bin kein blinder Verfechter der Fotovoltaik. Vor allem war ich nie ein Verfechter von Fotovoltaik im relativ sonnenarmen Deutschland. Und über die aus meiner Sicht jahrelang viel zu hohe Fotovoltaik-Förderung in Deutschland habe ich zigfach gemeckert. Und schon 2010 einen Vorschlag gemacht, wie man diese marktgerecht anpassen sollte VORSCHLAG: EINSPEISEVERGÜTUNG FÜR EEG DYNAMISCH UND AUTOMATISCH ANPASSEN. Allerdings: Wir sind jetzt im Jahr 2016. Für Fotovoltaikstrom gibt es maximal 12,31 Cent/KWh, für größere Anlagen, die nicht auf dem Dach sind, nur noch 8,53 Cent/KWh. Vorsichtig formuliert: Das sind Kosten, die niemanden mehr umbringen werden. Die Probleme hatten wir 2009 und 2010, als wir teilweise 7 Gigawatt neue Kapazität Fotovoltaik ans Netz angeschlossen haben und dafür 30-40 Cent/KWh bezahlt haben. Aber wie gesagt, heute ist 2016. Und da ist "Wüstenstrom" alles andere als die dämliche Idee, zu der Tichy sie gerne machen möchte …

Mikro009: Brexit, brexit, brexit …

Welches Thema auch sonst? In einer normalen Woche wären sicherlich auch 14,7 Milliarden Dollar von VW oder auch die Erhöhung des Mindestlohns Themen gewesen, aber solch historische Einschnitte wie den Brexit gibt es wirklich selten. Wir versuchen das Thema vor allem aus wirtschaftlicher Sicht zu beleuchten, was angesichts der "maximalen Verunsicherung" gar nicht so einfach ist.

Wir besprechen natürlich auch die rechtlichen Aspekte, u.a. wie ein Brexit ablaufen würde, ob das Referendum bindend ist, ob es überhaupt zum Auslösen des Paragraphen 50 kommt.

Dann streifen wir die Finanztransaktionssteuer und die Möglichkeit, dass UK zur Steueroase wird. Dann diskutieren Marco und ich, welche Auswirkungen der Brexit auf die Freizügigkeit der Arbeit einerseits und auf mögliche Zölle andererseits haben wird (ich sehe eher geringe, Marco sieht zumindest auf längere Sicht durchaus signifikante Änderungen). Auch das Thema TTIP kommt zur Sprache (ich muss mal meine These wieder in den Raum werfen, dass GB nach einem Austritt eine Art trojanisches Pferd für die USA werden könnte). Ich jammere ein wenig über Juncker und seine Kommission, die nicht einmal auf die Idee zu kommen scheint, dass sie Teil des Problems (spricht Ursache für den Ausgang des Referendums) sein könnte.

Und dann noch Fragen über Fragen: Wird Großbritannien der Austritt mehr schaden als der EU? Oder beiden gleich?
Wandert die Finanzbranche aus London ab und wenn ja wohin (unsere Geld läge eher auf Dublin (Sprache, Flugzeit) und Luxemburg (Hedge-/VC-Fonds schon da) als auf Frankfurt oder Berlin).

Fragen über Fragen. Alles in einem Umfeld maximaler Unklarheit. Wir hoffen trotzdem, dass diese - außergewöhnlich lange - Folge etwas Klarheit bei einigen Aspekten und ein paar interessante Denkanreize für euch bringt.

Am Ende bringt Marco noch ein kleine Nachricht unter (Entspannung zwischen der Türkei und Russland nach der Entschuldigung von Erdogan). Und zum Abschluss nachklappe ich noch eine kurze Klarstellung zu zwei Aspekten aus meiner Ethereum/DAO Erklärung aus der letzten Folge Mikro008, die uns per Leserbrief erreicht haben.

Hört --> Mikro009 Brexit ohne Ende

Wir freuen uns wie immer über Kommentare (am besten dadrüben), iTunes Kritiken, "Sterne"-Klicks bei Overcast, Flattr-Klicks, … Empfehlt uns weiter, denn podcasten im luft- bzw. feedbackleerem Raum macht nur halbsoviel Spaß …

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