Die Eintageskrise oder Militärs haben auch keine Ahnung von Wirtschaft

Holla. Da hatten die Militärs in Thailand eine gute Idee (dachten sie). Weil die Ausländer zuviel Geld nach Thailand schieben (Aktien, Investitionen) und die thailändische Währung zu steigen begann (was wiederum schlecht für die Exporte ist), verfügte man schnell eine Kapitalhinterlegungspflicht. Wer in Thailand investieren wollte, muss 30% zusätzlich bei der Notenbank hinterlegen und kann das Geld erst nach einem Jahr wieder zurückholen. Damit sollte der Zufluss an spekulativen, kurzfristigen Geldern gestoppt bzw. verlangsamt werden. Was dann auch ziemlich gut klappte ... Der Aktienmarkt wurde von diesen bösen Geldern befreit und brach in der Spitze um fast 20% ein. Zum (vorzeitigen) Schluss betrug das Minus etwa 15%.

Das gefiel den Militärs dann doch nicht und man setzte kurzerhand das ganze wieder aus. Am nächsten Börsentag ging's wieder 10% nach oben.

Was man hier schön beobachten kann, ist das komplette Versagen solcher Mechanismen, die die Leute von Attac auch immer so klasse finden (2006 war kein gutes Jahr für die; man hat wenig gehört, oder täusche ich mich). Es funktioniert einfach nicht.

Die FAZ beschreibt das sehr schön. Man kann nicht Exportwachstum produzieren, indem man versucht, seine eigene Währung unterbewertet zu lassen. Und im Notfall mit dem Hammer nachhilft. Die Maßnahmen beschreibt auch ein Artikel in der FTD.

Ende der 90er Jahre hatten die meisten Länder in Süd-Ost-Asien massive Handelsbilanzdefizite. Die Währungen wurden künstlich hochgehalten. Das Ganze endete dann in der größten Krise für die Region seit langem. Die Währungen brachen dramatisch ein, viele Firmen brachen unter der Schuldenlast zusammen. Eigentlich sollte man daraus doch Schlüsse gezogen haben. Eine Währung lange künstlich überbewertet zu halten ist genau so falsch und unmöglich wie eine Währung lange unterbewertet zu halten. Denn irgendwann knallt es.

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Kaldemorgen zu den Aktienmärkten 2007

Als Chef der DWS ist er natürlich (wie üblich) optimistisch, aber um bloß nicht Gefahr zu laufen unseriös zu wirken, natürlich nicht zu optimistisch.

Interessant vor allem die Thesen zur Weltwirtschaft. Kaldemorgen ist der Meinung, dass das schwächere US-Wachstum diesmal nicht schlecht für die Welt sei, sondern im Gegenteil sogar gut. Warum das gut ist, erläutert er leider nicht (und der Journalist fragt auch nicht nach), aber ich schätze, dass das sowohl für das weltweite Zinsniveau als auch für das Handelsbilanzdefizit der USA gut ist. Indien und China wären inzwischen so wichtig und das Wachstum dort so stark, dass die USA die Weltwirtschaft nicht alleine herunterziehen können.

Diese Aussage halte ich aber auffällig für ein "diesmal ist alles anders". Und das ist einer der teuersten Sätze an der Börse. Schon daher bin ich skeptisch.

Aber auch aus einem anderen Grund bin ich skeptisch. China exportiert einen großen Teil seiner Waren in die USA. Geht nun in den USA das Wachstum zurück, werden auch diese Importe zurückgehen. Und wenn die Chinesen weniger verkaufen können, wird dort auch nicht mehr weiterhin wie wahnsinnig investiert. China ist wie auch Deutschland eine stark exportgeriebene Volkswirtschaft und diese hängen immer am Wachstum des Rests der Welt. Ich wüsste keinen Grund, warum das anders sein sollte. Sollte die US-Wirtschaft richtig in die Knie gehen (Rezession), wird das auch Auswirkungen auf China haben. Die These von Kaldemorgen wird nur dann aufgehen, wenn sich das Wachstum
nur leicht abschwächen sollte. Ich glaube allerdings, dass die Gefahr einer US-Rezession von den meisten unterschätzt wird.

Link

Kleines Update nach den Weihnachsttagen: Das Mutterhaus der DWS, die Deutsche Bank, erwartet wie ich, dass eine deutliche Wachstumsabschwächung in den USA auch seine negativen Auswirkungen auf den Rest der Welt haben wird ("The bottom line is that we still expect growth elsewhere to be noticeably affected by a significant change in US growth prospects. "). Ein "diesmal ist alles anders" bleibt wohl die Ausnahme.

Cobracrest und andere Krepierer

Interessanter Bericht bei der FAZ, der Cobracrest und andere obskure Unternehmen aus dem Freiverkehr beschreibt. Irgendwann schreibe ich mal was längeres zu dem Thema. Aber die erwähnte Center-Tainment, die zwischendurch mal die Disney World übernehmen wollte, hat schon was beeindruckendes erreicht: Von 30 Euro auf 10 cent in wenigen Monaten!

Link

Schule abbrechen - Lappen weg

Harte Idee in Ontario: Wer die Schule abbricht, bekommt den Führerschein abgenommen. Mit 18 bekommt man den zurück. Aber vorher ist die Vergabe halt freiwillig. Ob das zieht, wer weiss? Manchen Lehrern wäre es auf jeden lieber, wenn die Schüler, die keinen Bock haben, auch nicht kommen. Was nützt es, wenn die ihre Zeit nur absitzen?

Artikel bei freakonomics.

Ja mehr man liest, desto schlechter legt man an ...

Ist das Handelsblatt demnächst Pleite, wenn sich das herumspricht?!?

Interessant, interessant. Die FAZ berichtet über eine italienische Studie, die untersucht hat, wie der Zeitaufwand für das Aktiendepot bei Privatanlegern und die Performance zusammenhängt. Und das Ergebnis steht schon in der Überschrift. Je mehr man liest, desto schlechter wird die Performance (wobei hier die Sharpe-Ratio untersucht wird, ein Verhältnis aus Risiko und Performance. Eine sinkender Wert kann zwei Sachen bedeuten: a) dass die Performance gesunken ist und/oder b) dass das Risiko gestiegen ist).

Das ist schon sehr überraschend! Die beste Sharpe-Ratio hat der Anleger, der sich gar nicht um sein Depot kümmert!

Aber der Artikel erklärt das schön. Denn die, die von der Börse besessen sind, lesen viel. Auf der Suche nach dem heißen Tipp. Nach dem Goldexplorer, der demnächst explodieren wird. Je unbekannter, desto besser. Desto mehr kann man recherchieren. Desto mehr kann man damit auf der nächsten Party prahlen. Desto spannender wird das Investment. Aber Performance bringt das nicht. Zumindest nicht, ohne gleichzeitig ein deutlich höheres Risiko mitzubringen.

Ja, vielleicht ist das mit den dummen Bauern und den dicken Kartoffeln so ähnlich ...

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Insider verkaufen wieder mehr (aber ist das relevant?)

Für die zukünftige Entwicklung der Börsen sind die Einschätzungen der Insider interessant, weil diese immer etwas näher am Geschehen sind als andere. Behauptet zumindest ein FAZ-Artikel. Die Idee ist einfach: Wenn die Insider kaufen, werden die Aktien demnächst steigen (weil die Geschäftsentwicklung gut ist). Wenn die Insider verkaufen, fallen die Aktien (weil die Insider den Aktien nicht mehr viel zutrauen). Alle Insider (vor allem aus dem Management der Unternehmen) müssen ihre Transaktionen melden und die BAFIN veröffentlicht diese dann bis zu 7 Tage zeitverzögert.

Üblicherweise bezieht man diese These aber nicht auf den Markt als ganzes, sondern auf die einzelnen Firmen. Man baut also ein breit aufgestelltes Depot, in das man nur Aktien packt, bei denen die Insider gerade kaufen. Sobald die anfangen zu verkaufen, verkauft man auch. Man hofft, so einen entscheidenden Vorsprung zu gewinnen.

Ich halte diese These auch zwei Gründen für etwas wacklig. Insider bekommen bei wirklich schlechten Daten Probleme, wenn sie vor der Veröffentlichung noch schnell ihre Aktien verkaufen. Also werden sie dort entsprechend vorsichtig sein. Zum zweiten sind die Daten halt zeitverzögert und möglicherweise reagiert man damit schlicht zu spät auf die Aktien der Insider.

Jetzt geht aber die FAZ einen Schritt weiter und summiert die einzelnen Käufe und Verkäufe auf und versucht daraus den Index zu prognostizieren. Das mag theoretisch auch Sinn machen. Wenn wie aktuell hundertmal mehr von Insidern verkauft wird als gleichzeitig gekauft wird, ist das schon eine auffällige Zahl. Die darauf hindeuten mag, dass die Insider eher skeptisch sind.

Wenn man sich allerdings die Grafik anschaut, fragt man sich, was ist denn jetzt eigentlich richtig skeptisch und was so richtig optimistisch. Außerdem schwanken die Zahlen so kräftig, dass man die höchstwahrscheinlich glätten muss. Immerhin ist der Wert seit Juli von 0,3 auf jetzt unter 0,01 gefallen. Vom dritthöchsten Wert in den letzten 5 Jahren auf den niedrigsten in nur 5 Monaten. Hmmm. Und nur das Verhältnis zu untersuchen, ohne die absoluten Zahlen zu kennen, ist auch schwierig. Es reicht ja, wenn die Käufe einbrechen. Ohne, dass die Verkäufe steigen, reisst das das Verhältnis schon nach unten.

Ich würde also nicht allzuviel darum geben. Die augenscheinliche Korrelation scheint auch nicht sonderlich hoch zu sein. Allein wenn man sich die Baisse Anfang des Jahrzehnt/hundert/tausends anschaut, sieht man darin, dass der erste Wert, der in der Größenordnung lag, wie der aktuelle, im Juni 2001 kam. Und damals hatte die Börse schon gut die Hälfte des Abschwungs hinter sich. Ein Frühindikator sieht anders aus!
Und der negativste Wert trat nur 3 Monate später (OK, 9/11 wird da massiv verfälscht haben). Auch diese Spitze kam viel zu früh. Und auch wenn man sich das Tief anschaut, ist das Verhältnis von Käufern zu Verkäufern nicht so eindeutig, dass man daraus ein klares Einstiegssignal ableiten kann. Vor allem kein genaues. Ein "Idiotenindikator" wie die 200 Tage-Linie hätte wohl ein besseres Signal gegeben.

Für die Auswahl einzelner Aktien mögen die Insider eine wichtige Information liefern. Für den Markt bezweifle ich das.

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Die gefährlichsten Straßen der Welt ...

Uuuh, bei der Schlammpiste in der Taiga denkt man unwillkürlich: OK, aber da fährt ja auch keiner her ... Bis Bild 3 kommt ...

Und die Strecke in Bolivien ist ja schlicht der Hammer. Da würde ich im Leben nicht drüber fahren ... Das sieht aus wie ein Dschungelpfad, nur das da 20-Tonner drüberfahren ... Und es auf dr Talseite 1000 Meter runtergeht

(Link)

Noch kein Geschenk? War on Terror als Brettspiel

OK, das kommt nicht mehr pünktlich ...

War on Terror: Das Brettspiel. Sichere das Öl. Bekämpfe den Terrorismus. Baue dein Imperium. Und mache nebenbei den ganzen dreckigen Mist, den die Amis auch machen ...

Wunderbarer britischer Humor.

Link.

Index schlagen durch Gleichgewichtung?

Hmmm, interessante These.

Gefunden habe ich die hier, überprüft wurde alle wichtigen Indizes und bei allen erzeugte ein gleichgewichteter Index mehr Performance als der gewichtete Originalindex (Link zur Studie). Und was die Sache noch cooler macht: Das Risiko sank ebenfalls. Ebenfalls interessant: Das Verfahren funktionierte sowohl in Hausse- wie in Baissezeiten.

In Deutschland erhöhte sich die Performance von 9,9 auf 12,22 %, das Risiko (genauer die Volatilität) sank von 22,36% auf 19,07%. Im weltweiten Schnitt ist der Performancezuwachs für Deutschland etwas unterdurchschnittlich, die Risikosenkung aber überdurchschnittlich.

Und all das mit einem derart einfachen Verfahren?!? Ich gewichte nicht Allianz, Siemens und Telekom mit etwa 10% und Henkel mit 2, sondern einfach alle gleich mit 3,33 %. Verblüffend! Aber solch einfache und trotzdem (oder deswegen?) erfolgreiche Strategien gibt es ja einige. Z.B. einfach die billigsten 5 Aktien aus dem Dow zu kaufen. Oder die mit der höchsten Dividendenrendite. Schreib ich glaub ich auch nochmal was zu.

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Öl-Lander senken Dollaranteil

Eine Entwicklung, die man genau verfolgen sollte (FTD-Artikel)

Der Anteil des Dollars an den Devisenreserven ist von 67 % auf 65 % gefallen. Auch wenn die Verschwörungstheoretiker sich immer so lustige Geschichten wie "Der Iran wird angegriffen, weil er sein Öl in Euro verkaufen will" ausdenken, die dann am Ende wie die meisten Verschwörungstheorien platzen.

Warum sollte man das so offensichtlich machen?!? Es gibt doch gar keinen Grund dafür. Man kann auch gegen Dollar verkaufen und die Dollars am Devisenmarkt direkt wieder vertickern. So schnell sinkt der Dollar ja dann doch nicht, dass man den nicht ein paar Tage im Depot halten könnte ...

Sollte der Trend der Devisendiversifizierung weitergehen und vor allem die Chinesen, von denen überhaupt keine zuverlässigen Zahlen vorliegen, ihre geschätzen 1 Billion US-Dollar in Euro und Yen umschichten, dürften die paar Cent, die der Dollar dieses Jahr gefallen ist, ein Witz sein.

Allerdings sprechen drei Sachen dagegen:

a) die jetzigen Dollarbesitzer wollen sich die Währung nicht selber kaputtmachen und werden daher im Zweifelsfall lieber zu langsam als zu schnell ihre Dollars verkaufen (sowas kann aber natürlich auch in einer Panik enden ...).
b) Alles rechnet mit einem fallenden Dollar und an der Börse kommt es meistens nicht so wie die Mehrheit es erwartet.
c) Der Dollar ist im Kaufkraftvergleich bereits unterbewertet. Die Kaufkraftparität liegt bei etwa 1,18. Das ist schon eine spürbare Abweichung, die meiner Meinung nach die weitere Abwertung des Dollars zumindest bremsen dürfte.

Volkswirtschaftlich gesehen spricht fast alles für einen weiter fallenden Dollar. Und das schon seit Jahren. Allerdings ist der Dollar bereits unterbewertet und die Stimmung ist auch schon ziemlich schlecht. Und die beiden letzten Punkte sprechen gegen eine Abwärtsbewegung und werden auch oft übersehen.

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Spex ist nicht mehr

zumindest nicht mehr das, was sie mal war ...

Spex zieht nach Berlin, die Redaktion aber nicht mit. Hmmm, was ist eine Zeitschrift, wenn man die komplette Truppe auswechselt? OK, es ziehen Teile der Redaktion mit, aber eine Zeitschrift wie Spex war für mich vorrangig Text und vor allem über Musik. Und der Teil, der dafür zuständig war, zieht eben nicht mit.

Als Spex an den Piranha Verlag ging, wurde noch hoch und heilig versprochen, dass das keine Auswirkungen haben werde. OK, die Intention kann man der Redaktion nicht absprechen, vor allem nachdem die das jetzt ernst meinen. Die verzichten immerhin auf ein (relativ) sicheres Einkommen. Nein, die jetzige Redaktion ist nicht das Problem. Das Problem ist angeblich das Tabakwerbeverbot, das zu sechsstelligen Einnahmeausfällen führt:

Spex zieht nach Berlin, die alte Redaktion um Uwe Viehmann hat sich entschieden, nicht mitzuziehen. Taz-Autor Max Dax wird mit sofortiger Wirkung neuer Chefredakteur, er wird in den nächsten Tagen die Zusammensetzung der neuen Redaktion bekannt geben. Mit diesen Entscheidungen geht eine mittlerweile fast ein Jahr andauernde Hängepartie zu Ende, die zunehmend auch in den Ausgaben der Spex selbst thematisiert worden ist.

Spex-Herausgeber Alex Lacher: "Der Umzug war betriebsbedingt notwendig. Der Piranha-Verlag kann sich spätestens mit dem Inkrafttreten des Tabakwerbeverbots ab dem 01.01.2007 keine drei Verlagsstandorte mehr leisten, die hierdurch entstandenen Umsatzeinbußen bewegen sich im sechsstelligen Bereich. Die Entscheidung, mit der Spex von Köln nach Berlin zu ziehen, war kein Votum pro Berlin oder contra Köln – es war ein Votum pro Spex. Mit dieser Entscheidung ist das Erscheinen der Spex für die Zukunft gesichert.

Allen Mitarbeitern wurde ein Jobangebot für Berlin unterbreitet, das die einzelnen Redakteure dann aus individuellen Gründen nicht annehmen wollten/konnten. Wir haben Verständnis für die jeweiligen Entscheidungen und bedauern dies. Die Grafik um Mario Koell wird mit nach Berlin ziehen und Andrea Pritschow wird von Köln aus weiter die Bestückung der Heft-CD übernehmen.

Mit Ex-Alert-Herausgeber Max Dax als neuem Chefredakteur wird zudem sichergestellt, dass die Spex ihren journalistischen und thematischen Schwerpunkten auch in Zukunft treu bleibt – auch wenn in der 26-jährigen Geschichte der Spex erstmals mit der Tradition gebrochen wird, dass ein neuer Chefredakteur stets aus den Reihen der Redaktion gewählt wird."

Max Dax: "Natürlich wird es Veränderungen geben, aber Spex wird weiterhin für politischen Mut, ein klares Auftreten in Wort, Bild und Gestaltung und ein Bekenntnis zu einer politischen und kulturellen Avantgarde in den Bereichen Musik, moderne Kunst, Fashion, Fotografie, Kino und Literatur, das weit über Veröffentlichungslogik und den engen Begriff der Popkultur hinausgeht, stehen."


(http://www.spex.de/web/news.php?id=2362)

Ob diese Summe jetzt pro Jahr gilt oder pro Monat, ob für die Spex alleine oder für alle Zeitschriften aus dem Piranha Verlag, keine Ahnung. Und ne Tabakwerbung hatte die Dezember Ausgabe auch nicht, wenn ich mich nicht irre. Und Sprüche wie "eine Entscheidung pro Spex" sind schon schräg, wenn man dabei die Redaktion über Board wirft. Eine Zeitschrift lebt logischerweise extrem von den Menschen die sich machen (es ist ja keine Tageszeitung, die objektiv informieren möchte). Und wenn man die alle rauskickt, ist der Name nicht viel mehr als eine leere Hülle.

Naja, ich habe der alten Redaktion im Forum schon viel Mut zugesprochen und hoffe, dass die sich nicht in alle Winde zerstreuen. Sondern zumindest ein Kernteam etwas Neues macht. Und es muss nicht Print sein. Das Web bietet sich an. Wenn sich gar kein Geldgeber findet, von mir aus auch ein simpler Podcast. Ist tendenziell sowieso zeitgemäßer als ein Heft mit CD.

Ich habe mit der Spex noch nicht abgeschlossen. Und werde sie sicherlich noch ein paar Mal kaufen. Aber ich bin schon jetzt froh, dass ich kein Abo habe. Und ich kann mal was anderes lesen. Zeitbedingt werde ich allerdings weiterhin nur eine Musikzeitschrift lesen. Vielleicht wird's Wire. Vielleicht lese ich auch nur noch im Netz und hole mir über "Leute die das gehört haben, haben auch das gehört" meine musikalischen Anregungen. Last.fm ist z.B. eine ziemlich geile Sache.

Geradezu tragisch finde ich das vor allem gerade jetzt. Vor 20 Jahren war ich mit der Spex so überfordert (und habe trotzdem nie aufgegeben), dass ich mit vielen Platten rein gar nichts anfangen konnt. Heute scheine ich so d'accord mit der Spex zu sein, dass ich aus den Dezember Top Platten schon drei gekauft hatte, bevor ich das Heft in der Hand hatte.

Update: In der FAZ ist ein Artikel des ehemaligen, langjährigen Chefredakteurs Dietmar Dath und sein Rückblick auf die Spex.

Nochnupdate:

Telepolis hat auch einen Nachruf (kann man nicht anders nennen). Interessant die Information, dass die alte Redaktion angeboten hat, *ohne* Redaktionsräume zu arbeiten. Die offizielle Darstellung erscheint daher (wie leider so häufig) als freche Lüge. Naja, vielleicht kauf ich die nächsten Hefte dann doch nicht ...

Und nochn Update, diesmal beim Spiegel. Spät, aber lesenswert. Jetzt muss ich nur mal rausfinden, wer dann wo schon welche Plattform gestartet hat (Arrgh, es gibt Links, Leute beim Spiegel).

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Grundbesitz-Invest: Und noch ein Nachschlag

Das dürfte unter Risikogesichtspunkten meine beste Anlage der letzten 12 Monate gewesen sein (Primacom brachte zwar mehr Geld, aber ist auch viel spekulativer).

Schon während der Aussetzung im letzten Jahr wies ich darauf hin, dass die Notierung an der Börse Hamburg, die weiter lief, deutlich nach unten übertrieben sein dürfte (siehe hier).

Na und jetzt ist die Umstrukurierung abgeschlossen. Der deutsche Anteil wurde massiv runtergefahren und beim Verkauf entstanden nochmal 2,80 Euro pro Anteilschein Sondergewinn (siehe FTD-Artikel). Von 33 Euro auf jetzt fast 43 in einem Jahr; wow, das sind 30 % mit sowas stockkonservativem wie einem offenen Immobilienfonds.

Übrigens: Eine Spekulationsmöglichkeit gibt es dieses Mal nicht. Der Fonds ist ausgesetzt und der Kurs an den Fondsbörsen hat bereits angezogen (+5% heute). Der Fonds wird übrigens auch umbenannt, um den neuen Anlageschwerpunkt Europa wiederzuspiegeln.

Effizienterer Wasserstoffspeicher gefunden

Laut Telepolis muss man den bisher bekannten Feststoff-Wasserstoffspeichern auf Kunststoffbasis nur zwei Metallatome pro Ethylen-Molekül hinzugeben und schon verdoppelt sich die Speicherkapazität.

Das ganze sieht erfolgversprechend aus. Die Speicherkapazität ist gut (im Gegensatz zu reinen Ethylenspeichern), das Material ist leicht herstellbar und damit preiswert (im Gegensatz zu Speichern auf Kohlenstoffnanoröhrchen-Basis) und die Speicher sind vergleichsweise leicht (im Gegensatz zu Druckspeichern oder Metallschaum-Speichern).

Wird das vielleicht doch noch was mit der Wasserstoffwirtschaft?

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Politiker sind verlogen und die Presse auch

... da redet ein israelischer Staatschef von Atomwaffen und es gibt eine Riesenaufregung. Ein Tabu wurde gebrochen und obwohl jeder weiss, dass Israel Atommacht ist, muss man darüber wohl offenbar weiterhin schweigen. Seltsam. Psychologen könnten wahrscheinlich erklären, dass dieses Selbstangelüge der Grund dafür ist, dass in der Region kein Frieden herrschen kann.

Aber was ich an der Geschichte noch schöner finde, dass die Riesenaufregung eigentlich gar keine war, sondern eher eine Inszenierung der Presse. Geil! Ich dachte die sollen uns informieren und nicht die Skandale selber produzieren (dafür ist die Bildzeitung da).
Der Artikel bei Telepolis berichtet am Anfang über die "Krisenkonstruktion".

Der Rest der Artikels ist auch gut. Schon seltsam zu sehen, dass das was heute in dem Baker Bericht steht ziemlich genau das ist, was Good Old Europe vor dem Irakkrieg gesagt hat. Ohne Lösung des Palästina-Problems keine Lösung im Nahen Osten.

Meine Lieblingsaktie: Primacom

Für 0,46 gekauft, zu 4 verkauft. Zu 4,40 zurückgekauft, jetzt knapp 8.

Auch für Zocker interessant, ein Kauf unter 6 und ein Verkauf über 8 war jetzt schon dreimal drin. Und so wie die Aktie manchmal von 6,80 auf 8 an einem Tag schießt, wird das wohl auch nochmal gehen.

Meine alten Postings zu Primacom

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Die elektronische Gesundheitskarte wird 100.000 Arbeitsplätze schaffen

Und ich dachte, die soll Kosten sparen?!?

Da sieht mal man wieder, wie das Arbeitsplatzargument immer und immer wieder falsch eingesetzt wird. Die Bauern reden schnell von 100.000en von Arbeitsplätzen, die durch die Subventionen gesichert werden. Oder die Bergarbeiter im Ruhrgebiet. Oder oder oder.

ABER die Subvention führt ja entweder zu höheren Steuern (weil sie dadurch finanziert wird) oder zu höheren Preisen (weil die Abgabe auf den Preis umgelegt wird). Das Geld fehlt also woanders. Und die Diskussion muss viel mehr um die Effizienz des eingesetzten Geldes geführt werden. Also

Wo schafft wieviel Geld wieviel neue Arbeitsplätze?

Wenn man z.B. Wärmeschutzmaßnahmen fördert (mit besseren Abschreibungsmöglichkeiten oder verbilligten Krediten), schafft das mit wenig Geld viele neue Arbeitsplätze. Vor allem deshalb, weil der Staat mit dem Kreditzuschuss nur einen geringen Anteil des Geldes zuschießt, das ingesamt bewegt wird. Wenn jemand einen Kredit über 50.000 Euro zu 5% Zinsen aufnimmt und der Staat den Zins auf 3% senkt, kostet das den Staat bei einer Laufzeit von 5 Jahren etwa 5.000 Euro (ganz ungenau und ohne Zinseszins- und andere Effekte gerechnet). Es werden aber 50.000 Euro bewegt. Wenn hiervon die Hälfte in Löhne geht, die wiederum mit etwa 40% belastet sind (Steuern und Sozialabgaben), fließen wieder 10.000 Euro zurück! Mehr als der Staat ausgegeben hat! Und nicht zuletzt hat man einen Umweltschutzbeitrag geleistet.

Die Rechnung greift natürlich zu kurz, weil die Zinsvergünstigung natürlich auch Leute mitnehmen, die eh renoviert hätten. Das ist dann kein zusätzliches Geld. Trotzdem ist wohl jede Maßnahme sinnvoll, die mit wenig Staatsunterstützung große Mengen Geld bewegt, die dann in arbeitsintensive Bereiche fließt und damit neue Arbeitsplätze schafft.

Aber eigentlich ist das nur ein Einschub. Es ging ja um die Arbeitsplätze. Und bei der Gesundheitskarte ist ja wohl ein Rationalisierungspotenzial da. Denn wenn das Ausstellen von Rezepten, das Abrechnen der Leistungen, das Durchdiegegendschicken von Befunden elektronisch abgefackelt wird, ist es völlig utopisch, dass das keine Arbeitsplätze bei den Ärzten, Apothekern und den Krankenkassen kostet. Also werden Arbeitsplätze abgebaut. Wenn der Typ jetzt von 100.000 neuen Arbeitsplätzen redet, rechnet er diese natürlich nicht ein. Es entstehen 100.000 Arbeitsplätze in der IT des Projektes, dafür fallen aber 50.000, 100.000 oder 200.000 durch die Rationalisierung weg (hoffentlich, kann ich als Krankenkassenmitglied nur sagen).

Also die gleiche dumme Argumentation wie z.B. beim Bergbau. Kostet ne Menge Geld, sichert viele Arbeitsplätze. Aber die Frage wäre, wieviele Arbeitsplätze würde das schaffen, wenn das Geld anders ausgegeben würde? Was würde eine Milliarde Zinsvergünstigung für Wärmedämmung bewirken? Möglicherweise schafft das genausoviel Arbeitsplätze und hilft der Umwelt ebenfalls mehr. Was würde eine Milliarde in Bildung helfen? Langfristig bestimmt mehr, weil das Arbeitsplätze schaffen würde, die in Zukunft unabhängig von Subventionen wären.

Aber der Effizienzgedanke ist in der Politik leider nicht vorhanden.

Neanderthalerinnen an den Herd!

Ok, haben nicht gehört die Weiber; schon damals nicht. Sind mit zur Jagd gegangen, haben nicht mehr auf die Kinder aufgepasst und Bumms sind sie ausgestorben. Das ist doch mal ne geile These für die Männerrunde ;-) OK, ein wenig spekulativ, ein paar Millionen Jahre alt, aber wer's glauben will, wird's gerne glauben ...

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Solarzellen mit massiv verbessertem Wirkungsgrad möglich

Interessante Entwicklung aus Berkeley. Solarzellen auf Indiumgalliumnitrid-Basis können die Wirkungsgrad erhöhen. Machte bisher keinen Sinn, weil das einfach nur teurer als die klassischen Materialien war. Jetzt hat man aber einen Kniff gefunden, der das doch interessant machen könnte, weil so ein deutlich höherer Wirkungsgrad erreicht werden kann.

Dazu muss ich etwas ausholen. Jedes Material kann nur einen bestimmten Bereich der Sonnenstrahlung aufnehmen, genauer einen bestimmten Wellenlängenbereich. Daher bekommt man mit einem Material selbst theoretisch nur einen Wirkungsgrad von etwa 30% hin. Praktisch werden daraus dann etwa 25%, wobei die gängigen Solarzellen noch etwas niedriger liegen, weil dort das Maximum aus Leistung und Preis erreicht wird.

Wenn man den Wirkungsgrad nun weiter erhöhen möchte, muss man mehrere Materialien kombinieren. Dann fängt eins einen Wellenlängenbereich ein und das anderen einen anderen. Da die Wellenlängen unterschiedlich tief in das Material eindringen, muss man die Schichten im entsprechendem Abstand aufbringen und schon fängt man mehr Wellenlängenbereiche ein als vorher (übrigens gibt es einen Photosensor für Digitalkameras (Foveon), der diesen Effekt des unterschiedlich tiefen Eindringens der Wellenlängen benutzt, um in einem Pixel mehrere Farben (=Wellenlängen) zu erkennen). Wenn sich die Bereiche nicht überlappen, kann man den Wirkungsgrad nahezu verdoppeln. Das Problem: Was theoretisch einfach ist, kann mangels Produktionstechnik nicht umgesetzt werden. Das Trägermaterial ist unterschiedlich, bei der Produktion entstehen Verschmutzungen, usw.

Und genau hier kommt das neue Material zum Einsatz: Indiumgalliumnitrid ist "tunebar", mit dem Grad der Dotierung des Materials ändert sich die Wellenlängenbereich, den das Material absorbiert und in Elektrizität umwandelt. Wenn man nun zwei Schichten kombiniert, kommt man auf etwa 50% Wirkungsgrad. Theoretisch kann man noch mehr Lagen konstruieren und auf etwa 70% Wirkungsgrad kommen.

Da man hier nur mit einem Material für beide Schichten arbeitet, kann man das voraussichtlich produktionstechnisch in den Griff bekommen. Im Labor klappt das schon. Ob sich das rechnet, ist noch eine andere Frage, aber es gibt vor allem in der Raumfahrt ein großes Interesse an einem solch hocheffizienten Solarzelle, da in der Raumfahrt Gewicht und Größe eine viel wichtigere Rolle spielen als hier unten. Dort kann sich das Material sehr schnell rechnen. Auch werden hier möglicherweise Anwendungen möglich, die man bisher wegen Energiemangel nicht umsetzen konnte.

Originalartikel hier.

Nur mehr Lehrer sind auch nicht alles ...

... gar nicht so uncoole Antwort eines Politikers zur Frage, warum es die Politiker nicht schaffen, endlich mal neue Lehrer einzustellen. Aber die Zahl der Lehrer scheint wohl nur im Wahlkampf relevant zu sein.

Gut, man kann dem Mann sogar teilweise zustimmen. So schlecht, wie die Ausbildung ist, so schlecht wie die Fortbildung ist, so schlecht wie das Ansehen der Lehrer ist, nützt es auch nichts, einfach nur mehr Lehrer an die Schulen zu schicken.

Das Problem ist nur, dass sich an den anderen Punkten auch nichts ändert ... Außer viel Blabla und viel Tamtam tut sich nichts.

Wenn man 2006 das Fazit ziehen muss, dass satte 16.200 Lehrer weniger eingestellt wurden als noch 2003 prognostiziert wurde, muss man sich über die Qualität der Schulen nicht wundern. Immer noch keine kleineren Klassen. Immer noch kein individueller Unterricht. Es gibt zwar mehr Ganztagsschulen, nur sind da am Nachmittag keine Lehrer, sondern pädagogisch ungebildete Hilfskräfte von Sportvereinen o.ä. am Werk (das Engagement in Ehren, aber ein Lehrer ist eben doch was anderes ...).

Lies mehr bei Telepolis.

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Interessante Fakten zum Schlaf ...

... findet man hier.

Oder wusstet ihr, dass man nur in den Nicht-Traum-Phasen schnarcht (OK, ich behaupte ja, dass ich überhaupt nicht schnarche, das ist eine Erfindung der Weiber, die uns Männern ein schlechtes Gewissen machen wollen ;-)

Oder dass ein Säugling zu 400 bis 750 Stunden Schlafmangel bei den Eltern führt? (Da knabber ich immernoch dran ;-))

Oder dass am Tag nach der Zeitumstellung auf den Winter (1 Stunde mehr Schlaf) deutlich weniger Verkehrsunfälle passieren?

Es fehlen zwar die Quellen im Artikel, aber trotzdem lesenswert.

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Wachstumsprognosen ...

Da habe ich für meinen letzten Heulartikel (Lebensmittelforschung ist wie das Schätzen von Wachstumszahlen) nach dem Artikel über die Zuverlässigkeit der Prognosen zum Wirtschaftswachstum gesucht und nichts gefunden. Naja, ein guter Anlass einen zu schreiben ...

Der Artikel, über den ich eigentlich schreiben wollte, hatte eine ziemlich lustige Aussage: Nimm das aktuelle Wirtschaftswachstum und schreibe es fort. Sind es jetzt 2 Prozent, schätze einfach auch zwei Prozent für's nächste Jahr. Das coole: Die Schätzung ist besser als der Durchschnitt der Schätzungen der Wirtschaftsexperten.

Die FAZ hatte jetzt vor kurzem einen ähnlichen Artikel. Darin hat man Erstsemester und die Wirtschaftsweisen verglichen. Und das Ergebnis darf man jetzt raten ... Die Erstsemester haben gewonnen (Link).

Deshalb die Erkenntnisse der Wirtschaftsforscher zu ignorieren (oder nur die 3 Prozent der Wissenschaftler rauszupicken, die einem in den eigenen ideologischen Kram passen) ist jedoch nicht angebracht. Siehe dazu einen anderen Artikel von mir.

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Ego-Spannung

mal was spannendes (für mich). Ein Link.

Lebensmittelforschung ist wie das Schätzen von Wachstumszahlen

Nichts Genaues weiss man nicht ...

Vor ein paar Monaten war Resveratrol noch der spannende Stoff im Rotwein, der den maßgeblichen Gesundheitsnutzen bewirkt. Jetzt nicht mehr, die Konzentration sei schlicht zu niedrig.

Während im FAZ-Artikel die Resveratrol Geschichte gar nicht angesprochen wird, macht der Scientific American sogar damit auf (Scientific American: Forget Resveratrol, Tannins Key to Heart Health from Wine). Es liegt viel mehr an den Procyanidinen, die etwa die Hälfte der bioaktiven Stoffe ausmachen (die Übersetzung der FAZ erscheint mir falsch). Der Weinkenner nennt das ganze schlicht Tannin, also das, was das Herbe im Rotwein ausmacht.

Interessant ist auch der Quercheck mit dem Alter der Menschen in bestimmten Regionen und dem Anteil der Tannine im Wein: Es korreliert. Je tanninhaltiger der Wein ist, desto höher die Lebenserwartung. Der Anteil der Tannine hängt eng an der Methode der Herstellung. Je länger die Maische steht (also Traubensaft, Haut und Kerne zusammen sind), desto höher wird der Tannin-Gehalt, da sich die Tannine in der Haut und vor allem den Kernen befinden. Das Problem ist nur, die herben Weine, bei denen sich der Mund zusammenzieht, sind nicht sehr beliebt. Also lässt man die Maische heute oft nur noch kurz stehen. Und dann ist der Wein wohl auch nicht mehr so gesund. Das ist dann wohl die schlechte Nachricht zum Wochenende ...

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