Sub-Prime: Auslöser für die nächste Weltwirtschaftskrise?

Uhh, starker Tobak!

Aber er stammt nicht einmal von mir, sondern von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der Bank der Zentralbanken (BIZ auf deutsch, BIS, bank for international settlement auf Englisch).

Ich habe den Verweis im Telegraph gefunden. Aber da es die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist, gibt es das ganze auch ungefiltert und auf Deutsch. Der Vergleich (eine Warnung ist übertrieben, auch wenn der Telegraph das so darstellt, meine Version als Frage entspricht dem Sachverhalt eher) kommt in der Zusammenfassung auf Seite 169. Dort wird kühl (wie in der Wissenschaft üblich) darauf hingewiesen dass eigentlich niemand die Weltwirtschaftskrise ab 1929 vorausgesehen hat, oder die Immobilienblase in Japan oder oder oder. Die richtig großen, die wirklich spannenden Zeiten hat kaum jemand früh genug erkannt.

Aber wie die BIZ richtig anmerkt ging jeder dieser Krisen das gleiche voraus: Eine Kreditblase, in der die gesamte Wirtschaft mit billigsten Krediten überflutet wurde. Kredite sind in solchen Zeiten kein Problem, weil die ja mit Sicherheiten hinterlegt sind (ob Häuser (wie in Japan) oder Aktien oder Tulpenzwiebeln). Und die Preise der Sicherheiten steigen ja eh nur. Plötzlich fällt dann auf, dass die ganzen Sachen doch gar nicht so sicher sind und dass die Preise auch fallen können und auf der anderen Seite der Finanzierungsmedaille die Zinsen auch steigen können.

Und da sind wir gerade: Erst sind die US-Verbraucher mit Krediten überschüttet worden, die die Banken dann an die Hedgefonds weiterverkauft haben. Da denen dieses einfache Risiko nicht reicht, haben die selber noch einmal Kredit aufgenommen und teilweise mehr als zehnmal so viel Hypotheken gekauft wie man Eigenkapital hatte. Somit hat man das Risiko nochmal potenziert. Goil!

Durch die ganze Verkauferei weiss jetzt niemand mehr, wer eigentlich wieviel Risiken in seinen Büchern hat. Angeblich hatte Bear Stearns sogar nur die besten Tranchen mit den geringsten Risiken in seinem Fonds. Und trotzdem musste der Fonds mit 1,6 Milliarden Dollar gestützt werden.

Und dass niemand weiss, wo die Risiken stecken, ist das eine, schlimmer vielleicht noch: Niemand weiss auch nur annähernd, wie viel Risiko da ist. Wenn jetzt S&P davon ausgeht, dass bei den Tranchen, die mit BBB bewertet sind (mittelprächtig bis fast schlecht), die dahinterliegenden Hauspreise um 22% sinken könnten (siehe FAZ-Artikel unten), tja, dann frage ich mich schon, wie diese Milliarden verdampfen sollen ohne dass es zu Auswirkungen kommt.

Es besteht die große Gefahr, dass die Banken massiv auf die Kreditbremse steigen und jetzt zum Ausgleich des Wahns der vergangenen Jahre kaum neue Kredite vergeben - der berüchtigte Creditcrunch. Banken verleihen (wie Hedgefonds) ihr Eigenkapital mehrfach. Die Deutsche Bank hat zum Beispiel bei knapp 30 Milliarden Eigenkapital eine Bilanzsumme von über 800 Milliarden. Die Eigenkapitalquote beträgt nur etwa 8% (errechnet sich nicht einfach aus den Zahlen oben, ist komplizierter). Wenn eine solche Bank nun 2, 3 oder 5 Milliarden Eigenkapital verliert, kann es sein, dass sie ihre Kredite um mehr als die zehnfache Menge reduzieren muss. Und so entstehen schnell für die gesamte Wirtschaft relevante Summen. Die Deutsche Bank schätzt die Verluste aus den CDOs übrigens auf 50 bis 90 Milliarden (siehe den Spiegel-Artikel unten).

Im FAZ-Artikel stecken auch ein paar andere interessante Zitate. Mein persönlicher Favorit zum AAA-Rating der besten Tranchen der CDOs:

„Sollten wir etwa glauben, dass diese Derivate, die aus Müll zusammengestellt werden, vergleichbar mit GE und Berkshire sind?“, sagte auch Michael Cheah von AIG SunAmerica Asset Management. „Das ist ein Witz.“


Spiegel: Eine Seuche namens Subprime

FAZ: Amerikas Hypothekenproblem liegt offen

Kommentare :

  1. Wir sind schon drin, in der Weltwirtschaftskrise, 6 Wochen inzwischen. Das hat wenig mit "sub-prime" zu tun, als vielmehr mit einem Schneeballsystem an Krediten, die alle auf Papiergeld und fehlender wirtschaftlicher Substanz beruhen.
    Die Behauptung, die "sub-prime" Krise sein keine Krise mag richtig sein, falsch ist, dass deshalb überhaupt keine Krise begonnen hat. Wir sind bereits mitten drin, konkret seit 2001, sie geht nur etwas schneller weiter als bisher.

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  2. Genau, erst hieß es, es gebe eine Sub-Prime-Krise, dann eine Bankenkrise. Das ganze zieht immer weitere Kreise. Man muss mit dem Begriff Weltwirtschaftskrise sicher sehr vorsichtig sein, aber dass eine ausgeprägte Bankenkrise zu einer Weltwirtschaftskrise geführt hat, das hatten wir schon mal. http://www.weltwirtschaftskrise.net

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