UBS vor hohen Verlusten aus Subprime-Krediten?

Dass die UBS Ihren alten Chef geschasst hat und dass die damals bekannten Verluste aus dem einen Hedgefonds nicht die alleinige Ursache gewesen sein können, wurde ja schon spekuliert. Kurz: Der wahre Grund können eigentlich nur Leichen im Keller gewesen sein. Und jetzt scheint die ganze Wahrheit ans Licht zu kommen:

Die UBS rechnet laut Wall Street Journal mit 600 bis 700 Mio. Schweizer Franken Verlust im 3. Quartal nach außerordentlichen Abschreibungen von 3 bis 4 Milliarden Schweizer Franken auf na was wohl: Subprime Hypotheken.

WSJ: UBS Is Expected to Report Large Loss From Fixed-Income Unit

Aber immerhin sollte uns das auch wieder beruhigen: Denn ich habe ja schonmal darauf hingewiesen, dass die internationale Finanzbranche gut und gerne 300 Milliarden Dollar im Jahr verdient. Und daher auch richtig große Ausfälle aus dem Subprime-Bereich verdauen kann. Das alleine wird keine große, internationale Krise im Finanzwesen auslösen. Das kann man jetzt bei der UBS auch wieder schön sehen. Es kostet die UBS einen Quartalsgewinn, vielleicht auch zwei. Aber dann sollten die direkten Auswirkungen der Subprime-Krise vorbei sein.

Was aber bei weitem nicht heißt, dass ich Entwarnung geben möchte. Denn die wirklichen Auswirkungen auf das Konsumentenvertrauen, die private Verschuldung, etc. dürften um einiges größer werden. Kurz: Ich schätze den Schaden auf die reale Wirtschaft als größer ein als die jetzigen Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Die Finanzmärkte reagieren nur schneller und direkter als die reale Wirtschaft, dort werden wir noch etwas warten müssen, bis die Bremsspuren sichtbar werden.

Update (1.10.07):

Jetzt auch auf Deutsch: US-Kreditkrise verhagelt UBS das Quartal

Die Zahlen sind jetzt offiziell: Verlust vor Steuern: Verlust vor Steuern von 600 bis 800 Mio. Franken (361 bis 481 Mio. Euro), gut drei Mrd. Schweizer Franken (rund 1,8 Mrd. Euro) außerordentliche Abschreibungen, überwiegend auf Mortgage Backed Securities (Mit Hypotheken besichrete Anleihen).

Alan, ich hab da noch 'ne Wette offen ...

die berühmt, berüchtigte egghat'sche Rezessionswette ...

Greenspan sees chance of recession increasing

Still less than 50-50? Dann schlag ein ;-)

Bonität der US-Unternehmen wird immer schlechter ...

Das habe ich zwar vor langer Zeit schonmal geschrieben, aber damals haben dieses wunderbare Blog nur 3 Leute gelesen (ich auf der Arbeit, ich zu Hause und meine Freundin ;-) ). Da das Thema aber immer aktuell ist, erlaube ich mir, diesen (Hinweis) nochmal zu wiederholen (die FAZ bringt's ja auch, obwohl es eine olle Kamelle ist):

Bonität der Unternehmen auf dem Tiefstand

Die Anzahl der US-Unternehmen, die über eine gute Bonität von A oder besser verfügen, geht dabei immer weiter zurück:

1980: 50%
1988: 30%
1998: 17%
2007: 11%.

Das sind schon sehr beeindruckende Zahlen!

Im Gegenzug steigt natürlich der Anteil der Firmen, deren Kredite schon als spekulativ, wenn nicht gar gefährdet gelten müssen.

Wenn ich hier oft so skeptisch klinge, sind solche Fakten aber genau die, die einen eigentlich skeptisch machen müssen: In den USA läuft halt seit einiger Zeit einiges schief. Dort lebt scheinbar alles auf Pump: Privathaushalte, Firmen und nicht zuletzt der Staat. Das wird (irgendwann) böse enden.

Wenn heute immer so viel mit dem KGV argumentiert wird, greift das zu kurz. Denn früher steckten in den Bilanzen riesige Mengen Substanz (hohe stille Reserven), heute viel heiße Luft. Schuld daran sind auch mehrfach gelockerte Buchhaltungsvorschriften, nach denen Sachen, die früher zwangsweise abgeschrieben werden mussten, heute nicht mehr abgeschreeben muss. Damit entfällt nicht nur die Ursache für den Aufbau der stillen Reserven, sondern man weist gleichzeitig noch höhere Gewinne aus (Und: Bingo! Der Staat kann höhere Steuern kassieren).

Themenfonds - Und was die Versprechungen bringen ...

Demographie - Nachhaltiges Wirtschaften - Und was bringen diese Megatrends für die Rendite?

Nichts, weil die Gebühren so hoch sind (gut 2% im Jahr), dass sich das Ganze nicht lohnt. Ausser für die Fondsgesellschaft ...

Im FAZ-Artikel geht es um den Fonds mit der ISIN LU0130799603, den UBS Global Innovators Fonds.

Die „Megatrends“ bringen auch nicht mehr als der Dax

Die Zertifikate-Industrie, die ja am Anfang durch transparente, kostengünstige Produkte überzeugen konnte, ist mehr und mehr auf dem gleichen Trip: Komplizierte Produkte ohne Mehrwert, ausser für den Initiator ...

Sobald ein Thema im Hirn der Anleger angekommen ist, passieren zwei Sachen:

a) Die Finanzindustrie wird die passenden Produkte schneidern.
b) Die Anleger werden das kaufen.

Das Problem: Wenn das Thema im Bewusstsein der breiten Masse drin ist, sind die Profis schon lange investiert. Und die Bewertungen auf einem dementsprechend hohen Niveau. Und von da aus noch die Mehrrendite zu erwirtschaften, ist verdammt schwer, wenn nicht sogar unmöglich. Übrigens sorgt der frühe Einstieg der Profis für noch eine tolle Sache:

c) Ein Chart, der schön steigt (immer gut für's Verkaufen)

Und wer mich jetzt fragt, welches Thema ich jetzt heute für ein Musterbeispiel für oben angeführte Problematik halte, wüsste ich sogar spontan eines:

Wasser.

Eine Idee, die einleuchtet (Wasser braucht jeder, Wasser wird knapper (wegen Klimaerwärmung und Bevölkerungswachstum)), aber dummerweise eine, die Profis schon seit Jahren fahren. Ja, die Branche wird über die nächsten 10, 20 oder 50 Jahre stärker wachsen als der DAX, aber die Branche ist auch schon deutlich teurer als der DAX.

Die Inflation ist nicht tot!

Auch wenn man nach der Leitzinssenkung der US-Notenbank das Gefühl haben könnte.

Ich habe bereits früher darauf hingewiesen, dass ich nicht sonderlich viel von den offiziellen Inflationszahlen halte und eigentlich noch viel weniger von der Berichterstattung in der Mainstreampresse. Ausserdem halte ich die viel beachteten monatlichen Inflationszahlen nicht für so wichtig wie die Börse sie oft nimmt. Ich schaue mehr auf die jährliche Änderung, was vor allem eine Betrachtung der Basiseffekte zulässt. Und die sind (auch das habe ich schon geschrieben) für die nächsten Monate ziemlich negativ. Die Ölpreise waren im letzten Herbst deutlich niedriger (etwa 60 Dollar statt fast 80 aktuell). Den daraus zu erwartenden Inflationsanstieg im Jahresvergleich habe ich mal auf etwa 0,5% geschätzt.

Jetzt könnt ihr das auch alles bunt und in Farbe haben:

Die Inflation meldet sich zurück

Das ist ein Artikel von Michael Englund, der Analyst bei Action Economics ist. Der Artikel erschien zuerst beim FAZ Kooperationspartner Business Week. Ich finde den Artikel nicht sonderlich übersichtlich (oder er ist schwach übersetzt). Irgendwann taucht ein "ebenfalls im 3-Monatsvergleich" ohne dass vorher einmal ein 3-Monatsvergleich angesprochen wurde. Ich schätze, dass die im Artikel genannten 3,9% Verbraucherpeisinflation auch genau das sind: Eine von den drei Monaten September bis November auf ein Jahr hochgerechnete Inflation. Ob das sinnvoll ist oder nicht, sei dahingestellt. Meine Einschätzung allerdings, dass wir beim Verbraucherpreisindex wieder deutlich über 2% gehen werden, brauche ich nicht zu korrigieren. Und ob die Notenbank dann noch den Mut hat, weiter die Zinsen zu senken, wird man sehen.

Wie weit werden die US-Immobilienpreise sinken?

Ich bringe hier häufiger Artikel, die versuchen bestimmte Effekte über die Futures-Märkte abzuleiten. Zum Beispiel lassen sich die Erwartungen zu den Leitzinsen so gut quantifizieren (auch wenn die Kurse letzte Woche vor der Leitzinssenkung zu 58% eine Senkung um 0,5% und zu 42% um 0,25% signalisierten und damit richtig lagen; die Aktienmärkte anschließend aber doch deutlich positiv überrascht reagierten).

Gestern habe ich wieder einen interessanten Artikel zu diesem Thema gefunden. Zum Leitzins sagen die Märkte noch eine weitere Senkung um 0,25% dieses Jahr voraus. Aber noch interessanter: Es gibt jetzt Futures auf den Case-Shiller-Hauspreis-Index. Und das sogar auf die Subindizes für die einzelnen Regionen und jetzt neu mit bis zu 5 Jahren Laufzeit.

Und daraus lassen sich dann die Markterwartungen für die Preisentwicklungen bei den US-Immobilien ableiten. Teilweise sind die Ergebnisse (sogar für mich) überraschend pessimistisch. Es wird in allen Regionen mit Preisrückgängen gerechnet. Und das bis 2009. 2010 erholt sich die erste Region (New York) um ein sattes Promille, im Schnitt gehen die Preise nochmal um drei Prozent zurück. 2011 ist der durchschnittliche Rückgang nur noch schwach und drei der zehn Regionen erholen sich wieder.

Der Rückgang von November 2007 bis November 2008 beträgt im Schnitt 7,2%. Der Rückgang bis November 2009 11,8 %. Der Rückgang bis 2010 15% und bis 2011 15,5%. Die negativen Ausreisser sind San Francisco und Miami, für die auch 2011 noch Preisrückgänge erwartet werden, die sich dann auf etwa ein Viertel summieren.

Es ist fraglich, wie stabil die Ableitungen aus einem derart neuen und möglicherweise noch sehr engen (und damit erratischen) Markt sind. Eine interessante Perspektive liefern sie aber auf jeden Fall, immerhin setzen Menschen darauf echtes Geld ...

Ich könnte wetten, dass bald irgendein Zertifikate Emittent diese Futures verbrieft und damit dem deutschen Anleger zugängig macht. Die egghat'sche Rezessionswette gibt's immer noch nicht als Zertifikat; lahmes Pack ;-)

Market Predictions: More Interest Rate Cuts, Sustained Housing Price Declines

Und wer mal (zwar nur aus einer Region) eine historische Perspektive haben möchte - Anzahl der Zwangsversteigerungen in San Diego County:



aus:

San Diego Source: Economic Indicators - Trustee Deeds

Man kann schnell sehen, dass wir es hier *nicht* mit einem normalen Abschwung zu tun haben. Das Ausmaß ist schon jetzt im historischen Vergleich recht hoch und wird dürften noch nicht am Ende angekommen sein ...

US-Verbrauchervertrauen bricht ein

Dabei ging es im September von 105,6 (etwas nach oben korrigiert) auf 99,8 zurück. Erwartet wurden 103. Der Index ist zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder unter der 100er-Marke.

Insbesondere die immer noch sehr große Lücke zwischen der Einschätzung der aktuellen Situation und der zukünftigen verblüfft: Aktuelle Lage: 121 (von 130 im Vormonat), zukünftig 85,2 (von 89). Man schätzt die aktuelle Situation also weiterhin als recht gut ein, für die zukünftige sieht man aber (eigentlich sehr unamerikanisch) schwarz. Das *könnte* natürlich auch ein Überschießen des negativen Sentiments darstellen (ich schätze aber, dass das leider einfach nur realistisch ist. Ich würde fast drauf wetten ...)

U.S. Sept consumer confidence lowest in nearly two years

Dass die Zahlen am Immobilienmarkt schwach bleiben, war klar. Die Zahl der verkauften Eigenheime ging auf 5,5 Millionen zurück (fast exakt wie erwartet). Das ist neues 5-Jahres-Tief. Der Berg an unverkauften Eigenheimen wurde wieder etwas größer (4,58 Millionen), was 10 Monaten entspricht. Und das ist dann ein 18-Jahres-Tief ... Aus diesen Zahlen kann selbst der größte Optimist *nichts* Positives ableiten.

Existing-home sales fall to 5-year low in August

Update (21:10):

Im letzten Satz stand "etwas Positives", was natürlich kompletter Quatsch ist, es sollte "nichts Positives" heissen (ist korrigiert).

Um die negativen Daten zum US-Immobilienmarkt komplett zu machen, gab es heute auch noch den Case-Shiller-House-Price-Index. Nach einem Minus von 3,4% im Juni (Jahresvergleich) waren es im Juli 3,9%. Und im Juli war die Subprime-Krise noch gar nicht auf dem Radarschirm der Akteure zu sichten ... Die August-Zahlen müssen eigentlich noch mal schlechter werden.

Continuation of Negative Annual Returns in Housing

Zusammen mit dem ifo-Index heute morgen, kein guter Tag für Konjunkturoptimisten.

Update (21:45):

Nochmal ein Link auf Deutsch: Amerika: Hausbau und Verbrauchervertrauen schwach

Mal wieder etwas Musik ...

Am Wochenende gab's ja keine, deshalb etwas verspätet ... Kann man schön anklicken und dann in Ruhe meine unglaublich wichtigen Artikel lesen. Tolle Artikel, tolle Musik ;-) OK, die Musik ist *wirklich* toll.



gefunden via Can I get some trumpet ... via its magic

Doch kein Ende der Börsenspams?

OK, hab ich zwar erst einmal bekommen (eigentlich ein relativ sicheres Zeichen dafür, dass es kein Spam ist), ich warne aber trotzdem mal:


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Von: shareholders@alice-dsl.de
Betreff: Erongo Energy - Uranaktie mit riesigem Potenzial
Datum: 25. September 2007 08:24:07 MESZ
An: xxxx@xxxxxxx.de

Liebe Aktionäre, 24.09.2007

nun ist es endlich soweit für meinen zweiten Aktientipp.Ich weiß Ihr habt
lange gewartet,aber ich werde Euch voll entschädigen.Ich hatte versprochen
Euch immer mit neuen interessanten Aktientipps auf dem
Laufenden zu halten.Der Wert heißt "Erongo Energy".Zu den Profiteuren der
namibischen Uranpolitik gehört die bisher unbekannte Gesellschaft
Erongo Energy.Diese besitzt vier Lizenzen zum Uranabbau in Namibia.Zwei
davon liegen im zentralnamibischen Erongo-Gebiet,wo die größten und
wertvollsten Urangehalte zu finden sind.Dort hat Erongo Energy ein Bohr-
programm zur Bestimmung der Uranvorkommen aufgenommen.Zwar wurden bisher
noch keine Bohrergebnisse publiziert,doch Brancheninsider gehen von extrem
hohen Urangehalten aus.Darauf lassen zumindest die geologischen
Strukturen schließen.Neben den Uranlizenzen besitzt Erongo Energy eine 70%
Beteiligung am Mineralsandprojekt Koichab im Nordwesten Namibias.Das
Projekt erstreckt sich über eine Fläche von 2200 Quadratkilometern.Erste
Proben haben signifikante Vorkommen von Titaneisen und Magneteisen
nachgewiesen.Anleger die Zeit und Geduld mitbringen können nach meiner
Schätzung ca.6000% rausholen,aber es wird einige Zeit dauern.Aktueller Kurs
0,28 cent.


Liebe grüße Euer Stefan Tom Fallah Tafti,Köln seit 1966

Ziel:1,20 Euro
Stopp:0,43 Euro
Wertpapierkennummer:A0LD9K Frankfurt
Kürzel ERN SYdney
Marktkapital ca.14 Mio.Euro
Ums.08e-
KGV08e-
Aktueller Kurs ca.0,28 cent
Videotext ZDF 645
www.erongoenergy.com.au


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Total heiße Sache. Uran. Wow. Namibia. Wow! Und das ergibt (Trommelwirbel) schlappe 6000% Potential. Harharhar.

Die skeptische Frage: Wieso sollte gerade irgendein Typ aus Köln die total geheimen Mega-Insider-Informationen zu diesem Wert haben? Und warum sollte das allen anderen entgangen sein?

Man findet übrigens mit einer Google Suche wirklich einen Menschen mit diesem Namen aus Köln. 40 und sexy ... Aber ich so blöd kann man nun wirklich nicht sein, oder? Und unter seinem richtigen Namen Stockspams verschicken. Wahrscheinlicher ist, dass sein PC gekapert wurde ...

Nochmal in aller Deutlichkeit:

FINGER WEG von solchen Werten!

Wenn Aktien mit Spams promotet werden, ist das quasi immer unseriös. Aktien von Explorationswerten sind an sich schon mit höchstem Risiko verbunden. Selbst wenn die schon Bohrungen gemacht haben. Selbst wenn die Ressourcen bestätigt wurden. Und selbst dann noch, wenn die Finanzierung eigentlich schon steht. Selbst von den seriösen Firmen schaffen es vielleicht 5 von 100 erfolgreich in Produktion zu gehen. Und selbst in den 5 Fällen verdient man als Aktionär nicht unbedingt Geld. Manchmal muss die Firma so oft über Kapitalerhöhungen Geld reinholen, dass der Wert der eigenen Aktien bis zur (hoffentlich profitablen) Produktion total verwässert wird.

Erongo hingegen hat noch nicht einmal eine einzige Bohrung gemacht. Das ist nicht mehr als eine vage Hoffnung ...

(wenn das wirklich ein Spam ist und das wieder an Hunderttausende geht, ist die Welle des Börsenspams wohl doch noch nicht vorbei, obwohl es in letzter Zeit auffällig ruhig war).

Meine alten Postings zum Thema Spam

Update (01.10.07): In den Kommentaren hat ein aufmerksamer Leser die interessante Information hinterlasse, dass entgegen meiner Vermutung der Spammer tatsächlich der Typ aus Köln ist. Der spammt unter seinem echten Namen! Unglaublich.

Siehe hier:
Google Groups

Sentimentrauschen ...

wiegt mich leise in den Schlaf ...

FTD: Profianleger pessimistisch wie nie


Echte Profis, die 350 Milliarden verwalten.

Die Höhe des Pessimismus ist auf Rekordhoch (59% rechnen nicht mit steigenden Kursen), allerdings gibt es die Umfrage erst seit drei Jahren.

Gleichzeitig meldet Cognitrend einen ziemlich überraschenden Anstieg des Optimismus. Saviano hat seinen Senf dazu gegeben.

Sentiment nach der Zinssenkung sprunghaft gestiegen

Was ich von Onkel Goldberg halte findet sich hier: Onkel Goldberg erzählt wieder Geschichten.

Ich glaube weiterhin, dass Indikatoren, die so erratisch hin- und herschwanken wie der Cognitrend-Indikator, so gut wie keine Aussagekraft haben können.

Das US-Ergebniswachstum wird schwächer

Von zweistelligen Raten sind wir inzwischen weit entfernt. Für das dritte Quartal werden nur noch 5,1% Ergebniswachstum beim S&P 500 erwartet. Damit wird ein entscheidender Auslöser für den Kursaufschwung immer schwächer.

Noch interessanter aber ein Detail: Der Rückgang in den Schätzungen kommt (noch?) nicht aus dem Finanzsektor. Das ist doch einigermaßen überraschend. Dem Bankensektor drohen schließlich substanzielle Abschreibungen aus der ganzen ABS-Problematik. Aber noch viel grundlegender: Viele Investmentbanken haben vierzig oder fünfzig Prozent ihrer Gewinne mit Verbriefungsgeschäften erwirtschaftet. Dieser Markt ist jedoch in Teilbereichen komplett zusammengebrochen, im allgemeinen mindestens deutlich geschrumpft. Daher erscheint mir auch die laufende Ertragslage kritisch, so dass ich mir (selbst wenn außerordentliche Verluste ausbleiben sollten) keine Verbesserung der Ergebnisse vorstellen kann.

Und beim abgelaufenen Quartal muss man bedenken, dass die Krise erst zur Mitte des Quartals begann. Die vollen Auswirkungen wird man erst im jetzigen Quartal erstmals vollständig sehen können.

Die Finanzbranche macht etwa 20% des S&P 500 aus. Der Einfluss ist also groß. Und ich befürchte, dass die negativen Einflüsse noch nicht komplett eingepreist sind.

What the big banks aren't telling you -- yet

US-Discount Rate wird kaum noch genutzt

Nachdem letzte Woche noch Rekordsummen zur Discount Rate geliehen wurden (über 7 Milliarden), waren es am Mittwoch nur noch 1,1 Milliarden. Entspannung am Geldmarkt also.

Eine leichte allerdings nur, denn zur Relativierung muss man aber hinzufügen, dass die Discount Rate nach der Leitzinssenkung wieder einen ganzen Prozentpunkt oberhalb des Leitzinses liegt und daher deutlich weniger attraktiv ist als noch letzte Woche. Banken, die sich ihr Geld nur 0,7 % oberhalb des Leitzinses besorgt haben, sind in der letzten Woche noch zur FED gegangen, diese Woche leihen sie es sich bei einer anderen Bank.

UPDATE: Wie aufmerksame Leser mitgeteilt haben, ist die Discount Rate ebenfalls gesenkt worden. Sorry für den Fehler! (dabei habe ich sogar das Originalstatement des FED gelesen ...). Wenn die Discount Rate ebenfalls gesenkt wurde, ist die Entspannung am Liquiditätsmarkt wichtiger. Allerdings hatte ich an der Stelle schonmal das Ende der (Liquiditäts-)Krise proklamiert, definitiv um einiges zu früh.

Discount window borrowing falls back to $1.1 billion

Immobilienmarkt und Verschuldung in Europa - Das Kreditkartenhaus in England

Dass die Probleme nicht nur auf die USA beschränkt sind, war an dieser Stelle ja schon einige Male zu lesen. Spanien und Großbritannien haben in Europa ähnliche Entwicklungen zu verzeichnen.

Nachdem ich zu Spanien erst vor Kurzem einen Artikel verlinkt hatte, ist Großbritannien mal wieder an der Reihe:

Wohlstand auf Pump

Dort die übliche Entwicklung: Immobilienpreise steigen, Hypotheken steigen. Das spekulative Element in den Hypotheken wird immer größer. Und wenn man dann keine neuen Hypotheken mehr bekommt, verschuldet man sich auf seine Kreditkarte.

Am Ende stehen historisch hoch verschuldete Verbraucher, die jetzt irgendwie mit fallenden Immobilienpreisen und möglicherweise einem schwächeren Arbeitsmarkt zurecht kommen müssen. Ich habe da kein gutes Gefühl ... Wir gehen mit denkbar schlechten Voraussetzungen in den Abschwung.

Die erste(?) Restaurant Kritik in einer Zeitung?

Ist eigentlich auch egal, aber mit einem Veröffentlichungsdatum vom 1.1.1859 ist der Artikel auf jeden Fall ziemlich alt.

Im (jetzt offenen) NY Times Archiv werden sich garantiert noch viele andere Schätze finden. Free Information ist schon etwas verdammt Cooles.

HOW WE DINE.; By the Strong-Minded Reporter of the Times.

gefunden via First NY Times restaurant review, circa 1859?

In einem anderen Artikel hat Kottke noch ein paar tolle Funde verlinkt: Gems from the archive of the New York Times. Der Einstein Artikel ist zum Beispiel sehr nett, der den Nachweis, dass Schwerkraft das Licht bricht, zwar irgend "epochmaking", aber irgendwie auch nur philosophische Konsequenzen zuschreibt. Naja, so kann man sich irren.

Das Archiv ist aber weitem nicht komplett, aber trotzdem nett, einen Teil dieser Schätze in der Öffentlichkeit zu sehen.

Akkutest

Als alter Öko verfolge ich das Thema Akkus ja schon länger, nicht nur aus rein praktischer Sicht, sondern auch, weil ich es für eine der möglicherweise wichtigsten Technologien der Zukunft halte. Denn allen Unkenrufen der Wasserstoffverfechter zum Trotz, gebe ich den Akkus eine gute Chance das zu erreichen, was die Wasserstoffwirtschaft immer versprochen hat: Emissionsfreie Autos, Energiespeicherung, etc. pp. Mit dem großen Vorteil, dass das Verteilnetz (Strom) schon da ist.

Heute mal ein praktischer Link zum Thema. Es gibt ja seit kurzem Akkus, die sich nur noch sehr langsam selbst entladen. Normale Akkus machen das leider sehr schnell. Wenn ich mich recht entsinne, sind bereits nach einem Tag 20% der Ladung wieder futsch. Danach geht das etwas langsamer, aber wirklich auf Vorrat laden kann man die Dinger nicht. Wegen der Selbstentladung kaufen auch viele Leute noch Batterien, obwohl der Akku sehr viel günstiger und ökologischer wäre. Der Akku im Geschäft ist aber leer und muss erst geladen werden; zum Sofortgebrauch ist der also nicht geeignet.

In der Zeitschrift "Guter Rat" ist aktuell ein Test dieser neuen Akkus drin. Dabei ist auch der ursprünglich zuerst eingeführte Akku von Sanyo (Eneloop), den ich hier schonmal vorgestellt habe und ein paar weitere von Ansmann (maxE, ebenfalls hier vorgestellt). Aber auch andere große Akkuhersteller scheinen die Produktion im Griff zu haben. Varta (Ready2Use) scheint ziemlich gute Akkus im Programm zu haben, die von Panasonic haben offensichtlich noch ein recht hohe Selbstentladung.

Daneben sind noch Akkus von GP, Uniross, ELV und Conrad (Energy Endurance) im Test, diese fallen aber mehr oder weniger stark gegenüber den oben genannten ab. Evtl. lohnen die sich über den Preis.

Die Testberichtszusammenfassung:

"Was taugt die neue Akku-Generation?" - AA-Akkus mit geringer Selbstenladung

Meine alten Artikel zum Thema Akkus

US-Konjunkturüberblick

Eine Menge Zahlen heute ...

US-Arbeitslosenneuanträge leicht gesunken, damit besser als erwartet.

Frühindikatoren im August sehr schwach (-0,6%, 9 der 10 Teilindikatoren im Minus). Da aber die Juli Zahl nach oben korrigiert wurde, ergibt sich Sechsmonatsbasis immer noch ein Plus von 0,5%, sprich einem Prozent pro Jahr. Der Indikator müsste für meine Rezessionswette nochmal so ein Minus von 0,6% im September produzieren ...

Leading indicators fall 0.6% in August.

Die Edelmetalle haussieren (auch wegen des schwachen Dollars). Gold ist (in Dollar) auf einem 27-Jahreshoch. Überraschend, dass das Gold *jetzt* die Reaktion hinlegt, die ich schon vor drei, vier Wochen erwartet habe.

Die Goldman Sachs Zahlen waren super (die scheinen tatsächlich auf den einbrechenden Hypothekenmarkt gezockt zu haben ...), die Bear Stearns Zahlen allerdings schlecht (man könnte fast meinen, dass Goldman Sachs genau das Geld hat, das Bear Stearns jetzt fehlt ...)

Alles in allem ein gemischtes Bild, nicht ganz so dunkelgrau, wie ich es erwartet habe ...

Was macht ein Mac, wenn man alle Programme gleichzeitig öffnet?

Er öffnet sie. Was auch sonst?



Dauert zwar 12 Minuten, aber er stürzt halt nicht ab wie die doofen Windows PCs.

It just works! (der beste Slogan, den Apple je hatte).

(ganz nebenbei könnte man auf einem Windows PC nicht alle Programme gleichzeitig öffnen, weil die nicht zentral an einer Stelle liegen - Unordentliche Dinger ...)

gefunden via digg

Deutsche Bank hat fast 30 Milliarden "übertriebene Kreditengagements"

Jetzt bin ich aber mal wirklich überrascht.

Da hängt sich der Ackermann vor zwei Wochen noch so weit aus dem Fenster und kritisiert die Konkurrenz wegen der unverantwortlichen Geschäfte und jetzt muss der zugeben, dass der die selber gemacht hat?!?

In ein Fettnäpfchen zu treten, kann ja mal passieren, aber sich das selber aufzustellen, um dann zwei Wochen später reinzulatschen, ist selten dämlich ...

Das Geständnis heute: Ackermanns Geständnis schockiert Anleger

Die Kritik vom 2.September: Hypotheken-Krise: Ackermann rüffelt Bankmanager

Daraus: "Dies ist, um es klar zu sagen, vor allem ein Versäumnis des Managements dieser Häuser", sagte Ackermann dem "Handelsblatt".

Aber das sieht der *jetzt* garantiert anders ... Da kann der Ackermann als Chef des Hauses natürlich nix für. Nischt. Niente. Nada.

Die Frankfurter Rundschau hat einen (wie ich finde) ziemlich passenden Kommentar Ackermänner überall

Inflation oder warum jetzt die ganze Inflation wieder zählt ...

Ich hatte schonmal hier über die Ungenauigkeiten und Verfälschungen in den US-Inflationszahlen geschrieben (Inflation oder wie man sie schön rechnet).

Ich halte von diesen Zahlen generell relativ wenig, noch weniger von monatlichen Zahlen, die dann auch noch kräftig bereinigt werden müssen, um überhaupt eine Aussagekraft zu erhalten. Wenn überhaupt, nutze ich den Jahresvergleich, der vor allem den Vorteil hat, dass man bestimmte Effekte des Vorjahres vorausahnen kann (z.B. waren die Ölpreise letzten Herbst und Winter deutlich tiefer als heute. Wenn sich am Ölpreis nichts ändert, werden allein aus diesem Basiseffekt 0,4 oder 0,5% Preissteigerung im Jahresvergleich resultieren).

Ich schreibe aber heute aus einem anderen Anlass: Ist schonmal jemandem aufgefallen, dass heute die Zahl in den Schlagzeilen der Consumer Price Index Gesamt ist, also der CPI inklusive Energie und Lebensmittel? Und in den letzten Monaten, aber vor allem letztes Jahr, immer die Kernrate, also der CPI OHNE Energie und Lebensmittelpreise? Komisch nicht?

Die Regel für die Presse scheint ganz einfach: Man nimmt immer die gute Zahl. Aktuell (besser im August) gaben die Energiepreise um 3,2% nach. Das führte in der Gesamtrate zu einer Senkung um 0,1%, die Kernrate wuchs allerdings mit 0,2% (wie in den Monaten zuvor meistens auch). Die Schlagzeile per Mail: CPI drops 0,1%. Letztes Jahr stiegen die Energiepreise so extrem, dass die Kernrate teilweise um 0,7% unter der Gesamtinflation lag (also 0,1% in der Kernrate und 0,8% gesamt). Da wiesen dann alle vorwiegend auf die Kernrate hin.

Irgendwie scheinen mir die Einflüsterer für die Presse erfolgreich zu sein und zu erreichen, dass immer die positive Zahl zuerst genannt wird ...

Alan Greenspan erwartet zweistellige Zinsen!

Woppa. Das ist eine Überschrift nach meinem Geschmack. Die ganze Welt freut sich über den gesenkten Leitzins von gestern (ich bin ehrlich überrascht, dass die Märkte darauf so euphorisch reagieren; ich habe es für bereits eingepreist gehalten). Und der alte Maestro sieht in Zukunft zweistellige Leitzinsen. Eine Schlagzeile, die so gar nicht zur euphorischen Stimmung passen will.

Das könnte jetzt nur 'ne blöde Schlagzeilen-produzierende-Aussage zur Promotion seines Buchs sein, es könnte aber auch was Wahres drin stecken.

Denn ich glaube, dass die Inflation allgemein unterschätzt wird. Ich habe dazu schonmal etwas mehr gebloggt, fasse aber die wichtigen Punkte nochmal zusammen:

a) Alles was nach China outsourcebar ist, ist bereits outgesourcet. Daher kommen keine weiteren Preissenkungen mehr.

b) China an sich wird auch teurer. Bei einer Inflation von mehr als 6% werden auch alle Produkte, die aus China kommen, zwangsweise teurer. Normalerweise gleicht sich das zwischen Volkswirtschaften über eine schwächere Währung des Landes mit der hohen Inflation aus. In China ist die Währung jedoch so tief bewertet, dass der Yuan sogar leicht steigt und damit noch noch etwas auf diese Preissteigerungen draufpackt.

(Kleines Update: Ich habe Econbrowser eine Grafik gefunden, die genau diese These stützt: Four Observations on Import and Export Prices and the Dollar. Man muss bis zu Grafik drei scrollen und dann kann man anhand der roten Kurve sehen, dass die Preise für Importe aus China inzwischen nicht mehr fallen (was sie in den letzten 18 Monaten aber sehr wohl getan haben.))

c) Die Chinesen stehen an der Schwelle zu eigenem Wohlstand. Und fangen an zu konsumieren, Autos zu kaufen, Häuser zu bauen, etc. pp. Das treibt die Nachfrage nach Rohstoffen aller Art. Wir haben ein bereits ein Allzeithoch beim Ölpreis und der letzte zurückgebliebene Bereich bei den Rohstoffen - die Agrarrohstoffe - ziehen jetzt auch an (Milch, Fleisch, etc. pp.)

Es kann in der Zusammenrechnung gut sein, dass wir den Punkt, an dem die Preissenkungen aus der Globalisierung die Preissteigerungen durch die Globalisierung nicht mehr übertreffen. Im Gegenteil: Der Effekt könnte sich umdrehen oder bereits umgedreht haben.

Diese Überlegungen stammen übrigens nicht von mir, sondern von Helikopter-Ben: Bernanke says globalization may boost U.S. inflation.

Ich finde es sehr spannend, dass Alan Greenspan jetzt auch auf diese Überlegungen aufspringt. Schizo eigentlich, denn er trägt mit dem ewigen Reinpumpen von Geld in Krisen viel Mitschuld an der Basis für die Inflation: Zu viel Geld im Wirtschaftskreislauf (Barry's take: Ironic Quote of the Day: Alan Greenspan on Inflation)

Greenspan erwartet, dass in den nächsten Jahren (kurzfristig, aber immerhin) zweistellige Leitzinsen nötig sein werden, um die Inflation einzudämmen. Sehr spannend. Die Redaktion vom Smart Investor wird sich einen abfreuen, die hat diese Prognose nämlich schon seit einiger Zeit auf ihrem Langfristfahrplan: Jetzt wird die Krise (mal wieder) mit neuem, billigen Geld der Notenbank abgefangen, danach könnte es aber richtig kriseln (zum Ende des Jahrzehnts). Die Begriffe in diesem Zusammenhang sind Hyperinflation und Staatspleite.

Nur zur Klarstellung: Ich glaube nicht, dass es so kommen *muss*, allerdings glaube ich schon, dass es so kommen *kann*. Und ich bin fest davon überzeugt, dass man sein Portfolio darauf vorbereiten sollte. Das heisst im Wesentlichen: Sachwerte kaufen (Immobilien und Edelmetalle (27-Jahres-Hoch!) als erstes, danach noch Aktien), Geld (Bargeld, Geldmarkt, Anleihen) verkaufen.

Reuters: Greenspan sees Double Digit Rates

Zur Ergänzung auch noch ein Artikel aus Herdentrieb: Bernankes Erste, der die aktuelle Problematik der FED zwischen Kredit- und Immobilienkrise auf der einen und dem schwachen Dollar und der Inflation auf der anderen Seite beleuchtet.

Ich will nicht ... Ich will nicht ...

Ich will das nicht verlinken. Nein, will ich nicht. Ich muss aber. Sorry.

(Kein weiterer Text, kein Suchmaschinenfüttering, keine Tags: Ich will die Leser nicht, die darauf reagieren. Deshalb kann ich auch nichts Weiteres sagen zum Video, ausser vielleicht, dass es um was ähhm Männliches geht, also ühhm sowas wie Kruppstahl ...)

Aber das soll gesagt sein: Es ist der Wahnsinn (und das Gesicht des BBC-Reporters ist schon ziemlich lustig angesichts der Dinge, die da passieren).



Gefunden bei Unquality via Digg.

Hallo Wach! BaFin nimmt Börsenspam unter die Lupe.

Das ging ja zügig!

Nachdem ich hier seit Anfang des Jahres die Aktienspams tracke und davor wiederholt und eindringlich gewarnt habe, wird jetzt (im September!) die schnelle Eingreiftruppe von der BaFin aktiv. Meine Güte, sind das Schnarchnasen.

Es bestehe der Verdacht der Kursmanipulation. Ach was!

BaFin nimmt Börsenspam unter die Lupe

Die BaFin ist meiner Meinung nach komplett unfähig. In der IKB und SachsenLB-Krise hat sie versagt. Die Frühwarnsysteme schlugen bei allen an (bei der Deutschen Bank im Falle der IKB, bei eigentlich allen anderen im Fall der SachsenLB), nur die ach so tollen Überwachungsmechanismen der BaFin zeigten weiterhin "Alles OK" an.

Aber den schlimmsten Fehler hat die BaFin im Kursabschwung nach dem Platzen der Internetblase und 9/11 gemacht. Als die Aktienkurse immer weiter in den Keller gingen, fiel der BaFin dann auf, dass die eine oder andere Versicherung die Mindestverzinsung nicht mehr leisten kann, wenn die Kurse noch weiter sinken. Die Lösung: Der Aktienanteil muss sinken. Das Problem dabei: Wenn die Versicherungen die Aktien verkaufen, sinken die Preise noch weiter. Naja, für die Versicherungen war das ein Problem, für die BaFin nicht: Sie zwang die deutschen Lebensversicherungen zur Senkung des Aktienanteils.

Während sich viele Länder Gedanken zur Stützung der Aktienmärkte machten, sorgte die deutsche Behörde ("Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)") aktiv dafür, dass die Kurse weiter in den Keller rasten. Ich würde mich nicht wundern, wenn die letzten 500 oder gar 1000 Punkte im DAX allein auf's Konto dieser komplett unsinnigen BaFin-Aktion gegangen sind.

Das hat nicht zuletzt dazu geführt, dass die Unicredito sich die Hypovereinsbank (immerhin die Nummer 2 der deutschen Bankenlandschaft) für praktisch Nix gesichert hat. Der Kaufpreis war nämlich nach dem Verkauf der Aktienbeteiligungen schon wieder drin. Ich schätze aber, dass die Unicredito hier nachbessern muss, deshalb habe ich die Abfindungsspekulation HVB auch in meinem Musterdepot.

Nee, die BaFin ist ein Haufen von ahnungslosen Ex-Politikern, die sich ihre Meriten auf anderen Gebieten erarbeitet haben (zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Parteimenschen wählen z.B.). Aber von Finanzmarkt haben die keinen Plan. Wenn Politiker *jetzt* fordern, zumindest die Bankenaufsicht bei der Bundesbank anzusiedeln, kann ich das nur voll unterstützen. Die Forderung kommt zwar (zu) spät, aber ist inhaltlich völlig richtig.

yigg it

Warum kaufen wir Häuser und keine Aktien?

Mit "wir" meine ich wir Deutschen.

Nur in wenigen Ländern sind Aktien noch unbeliebter als in Deutschland. Ganz im Gegensatz zu den Briten oder den Amerikanern, die schon fast traditionell einen großen Teil ihrer Altersvorsorge in Aktien anlegen.

Der Deutsche kennt sich nicht wirklich damit aus, hält das für Zockerei, glaubt nicht, dass Aktienanlage auch für Kleinanleger Sinn macht, etc. pp.

Aber ein anderer Grund ist mir in der letzten Woche in die Hände gefallen: Die Deutschen schätzen die Renditen von Aktien, Immobilien und Bundesanleihen völlig falsch ein, vor allem im Verhältnis zueinander. Zwar scheint sich irgendwie herumgesprochen zu haben, dass Aktien die Anlage mit der höchsten Rendite sind, aber die Alternativen werden viel zu positiv gesehen:

Aktienrendite geschätzt 13,3% (real 11,5%)
Bundesanleihen geschätzt 11,2% (real 6,9%)
Wohnimmobilien geschätzt 15,2% (real 7,4%).

(Studie der GfK, gefunden in der Börse Online).

Kein Wunder, dass die Deutschen keine Aktien kaufen. Bei einem Renditevorsprung von 2% würde ich es (womöglich) auch nicht machen. Aber defakto sind es über 6%. Und dass man sich hierzulande die Rendite seines Wohneigentums schön träumt, ist wohl auch Fakt. Die Diskussion darüber ist ziemlich emotionsgeladen. Ich hatte darüber schonmal am Anfang des Jahres geschrieben, als bei FAZ.NET ein Artikel zu den Nachteilen des Wohneigentums war. Der Artikel war (für mich) nicht so überraschend (z.B. bindet man sich örtlich und finanziell extrem), aber wie die Diskussionen zeigten, stach der Autor damit in ein Wespennetz ...

Mein alter Artikel mit dem Link zu FAZ: Wir verkaufen Oma ihr klein Häuschen ...

Eine kleine Anekdote dazu hätte ich auch noch: In der TV-Politik-Diskussion mit dem Plaßberg (schreibt der sich so, bin zu faul nachzuschauen) mussten die "Kandidaten" auch einmal die Rendite der gesetzlichen Rente, von Gold, einer privaten Kapitallebensversicherung und Aktien schätzen (ich erinnere mich nicht mehr ganz genau). Das Ergebnis: Es hatte glaube ich keiner richtig, das Schlimmste allerdings: Es waren tatsächlich welche dabei, die die gesetzliche Rente als Bestes genannt hatten. Kein Wunder, dass die Politik in Deutschland nichts auf die Kette bekommt. Bei einer solchen Faktenresistenz ...

Se vende - Die Welle schwappt nach Europa

Hört sich für deutsche Ohren irgendwie nach Urlaub an; ist leider aber weniger schön.

Genauso falsch liegt man als Deutscher, wenn man intuitiv die Situation am Immobilienmarkt auf andere Länder ausdehnt. Denn in den meisten anderen Staaten sieht der Immobilienmarkt völlig anders aus. Großbritannien ist dafür bekannt (London ist *extrem* teuer), aber auch Irland und Spanien haben in den letzten Jahren Preisverdopplungen bei Immobilien gesehen.

Dass in der letzten Woche gerade ein britischer Immobilienfinanzierer von der Bank of England gerettet werden musste, überrascht nicht. Denn Großbritannien ist eines der Länder, in denen eine "normale" Finanzierung der Immobilie für den großen Teil der Bevölkerung nicht mehr möglich ist. Also verlässt man sich entweder darauf, dass die Preise für die Immobilien immer weiter steigen und/oder man geht windige Konditionen ein und zahlt variable Zinsen und/oder tilgt nur manchmal oder gar nicht.

Gerade in Spanien scheint das sehr üblich zu sein. Im Bericht der Tagesschau wird eine Wohnung mit 70er-Jahre Sozialbau-Charme mit 65 qm für 200.000 Euro erwähnt. Im Zentrum von Madrid wird es schnell doppelt so teuer. Klar, dass das ein Normalverdiener nicht mehr richtig finanzieren kann.

Jetzt werden die ersten Spanier durch die Zinserhöhungen zu Zwangsverkäufen gezwungen und müssen feststellen, dass sich auf dem aktuellen Preisniveau keine Käufer mehr finden lassen. Hohes Angebot trifft auf schwache Nachfrage; der Anfang eines jeden Preisrückgangs.

In Spanien sind mehr als 90% der Hypotheken variabel verzinst. Wenn man sich die Geschichte Spaniens anschaut, war das nicht so dumm. Vor gut 10 Jahren war Spanien noch ein Hochzinsland mit einer schwachen Währung. Der durchschnittliche Zins 1990 bis 1995 betrug 11,8 % (zum Vergleich: Deutschland 7,1%). Nach dem Eintritt in die Eurozone sanken dann die Zinsen massiv und zwischen 2000 und 2005 betrug der Zins nur noch 3,1%(!). Ganz grob über den Daumen gepeilt bedeutet dass, dass man sich bei gleichbleibender Belastung Anfang der 90er eine Wohnung für 100.000 Euro kaufen konnte, Anfang des neuen Jahrtausends aber eine von 400.000(!). (Die Rechnung berücksichtigt keine Tilgung, danach ist der Effekt weniger stark, es geht nur um's Prinzip). Und was machen die Immobilienpreise: Explodieren. (Nachfrage steigt, Angebot bleibt relativ konstant, weil Bauland beschränkt ist, da der Staat das erst ausweisen muss).

Andere Länder, die ähnliche Entwicklungen haben sind Portugal (alter Zins 90-95: 14,2%), Griechenland (alter Zins: 21,8%), etwas eingeschränkter Italien (11,3%) und Irland (9,3%). Wobei vor allem im letzten Fall die sehr positive Wirtschaftsentwicklung einen Teil der Preisexplosion gestützt haben dürfte.

Ich würde mich weiterhin von der Finanzbranche fernhalten (solange diese nicht signifikant schlechter performt als Industrieaktien (und das tun die noch nicht)) und von der spanischen Bauindustrie ebenfalls (wobei die schon kräftig gesunken ist).

Platzt die Immobilienblase?

US-Banken leihen sich 7,2 Milliarden zum Diskontzinssatz

Die US-Notenbank hat ja bekanntlich die Discount Rate um 0,5% gesenkt, um die Notfallgeschäfte zu diesem Zins zu verbilligen. Normalerweise leihen sich die Banken das Geld ja zur Fed Funds Rate, der immer in der Nähe des Leitzins liegt (und vor allem unterhalb der Discount Rate ist).

Da die Discount Rate höher ist (und Geld damit teurer ist), leihen sich die Banken nur ungerne Geld zu diesem Zins.

Am Mittwoch haben sich die Banken allerdings 7,2 Milliarden Dollar zu diesem höheren Zins bei der FED geliehen. Das ist ausgesprochen viel und der höchste Wert seit den Terroranschlägen in New York im September 2001.

Die Liquiditätskrise ist also noch lange nicht vorbei ...


Banks borrow $7.2 billion from Fed

Notenbank rettet englische Bank

Wuppps.

Nicht ganz überraschend schlägt die Immobilienkrise nicht nur in Deutschland auf. Großbritannien und Spanien stehen auf der Hitliste der möglichen nächsten Einschläge weit oben.

Heute musste die Bank of England zum ersten Mal seit 1998 wieder ein Bank auffangen, um die Illiquidität zu vermeiden. Der Immobilienfinazierer Northern Rock hat allerdings keine US-Subprime-Investments. Die Krise beruht allein auf den Schwierigkeiten sich zu refinanzieren und den Problemen am britischen Immobilienmarkt (der als einer der exzessivsten in Europa gilt).

Scheinbar wird die Krise weitere Kreise ziehen als befürchtet.

Die Aussage, dass "die Krise ist nur auf xy beschränkt" sei, höre ich schon lange. Erst wurde die Krise an sich geleugnet, dann war sie auf den US-Immobilien beschränkt. Dann war es auf einmal eine Krise am Finanzmarkt und das weltweit. Jetzt ist auch Großbritannien betroffen. Und angeblich hat das ja alles keine Auswirkungen auf den Rest der Wirtschaft. Erscheint aber genauso unwahrscheinlich, wie die bisherigen Versuche, die Krise kleinzureden. Sie breitete sich in immer neue Bereiche der Wirtschaft und immer weitere Regionen aus, obwohl immer das Gegenteil behauptet wurde ...

Bank of England to bail out Northern Rock

Update: Die Nachricht auf Deutsch: Bank of England unterstützt Baufinanzierer in Bedrängnis

Dumb German Money

Dummes Deutsches Geld - Der Begriff kommt eigentlich aus Hollywood, wo er Ende des Neunziger geprägt wurde. Damals strömten Hunderte von Millionen Dollar aus Deutschland in obskurste und schwachsinnigste Filmprojekte, die kein Ami finanzieren wollte. In Deutschland wurde das Geld in Medienfonds eingesammelt, die mit optimistischen Prognosen für den Einspielerlös die Anleger köderten. Das andere große Argument waren die gewährten Steuervorteile, die (zumindest auf den ersten Blick) auch schlecht rentierende Projekte für Spitzenverdiener interessant machen konnten. Dass ein Steuervorteil auch ein Schrottprojekt nicht rettet, dürften einige inzwischen (auf die bittere Tour) gelernt haben.

Ich habe den Begriff nach de Fastpleiten von IKB und SachsenLB mal wieder in die Diskussion geworfen. Offenbar waren auch hier die Deutschen liebste (wenn auch nicht einzige) Opfer der amerikanischen Hochfinanz.

Aber auch am Aktienmarkt sind die ausländischen Käufer ein ziemlich guter Kontraindikator

Foreigners and US stocks: the ultimate contrarian signal?

Übrigens gilt das nur aus US-Sicht. Wenn dort die Ausländer kaufen, ist das ein Warnzeichen. Hier in Deutschland ist das genau anders herum. Am Anfang des Aufschwungs kaufen dort oft die berühmten angelsächsischen Investoren und die Deutschen fragen sich dann warum. Ein paar Monaten (oder Jahre) später verstehen sie dann meistens warum ...

Ach ist das schön

wenn man das Blog eines Menschen liest und der dann Musik verlinkt, die man selber auch ziemlich brilliant findet ...

Fall On Me

Darin auch eine Coverversion von Cry Cry Cry, die ich nicht kannte und dabei auch nichts verpasst habe. Nicht wirklich schlecht, aber fügt eben auch dem Original nichts Neues hinzu.

Hab ich eigentlich schonmal erzählt, wie damals als ich jung war, ich REM live gesehen habe, als die Co-Headliner mit den Go Betweens waren. Irgendwie waren glaube ich auch mehr Leute wegen den Go Betweens da als wegen R.E.M. Und die Halle war halbvoll. War gut übrigens.

Barry wird böse ...

Ich moser ja auch oft über die Mainstream-Presse, weil ich das Verhältnis zwischen der Menge des bedruckten Papiers und der lesenswerten Artikel doch oft arg enttäuschend finde. Ganz nebenbei die Ignoranz für manche "heißen" Themen. Die Mainstreampresse traut sich oft nicht, richtig pessimistisch zu sein, geht oft zu spät an Themen ran und dann wird am Ende noch aufgebauscht (bringt halt Leser; ich merke das selbst in diesem kleinen Blog: sammelst du (lange genug) die Fakten zu einem Thema (Immobilienkrise), kommen dazu irgendwann die Leser. Bald habe ich nur noch Weltuntergangsverschwörungstheoretiker hier ... Deshalb musste ich mit der Rezessionswette auch ein paar Optimisten binden ;-) ).

Aber Barry Ritholtz ist ja im Vergleich zu mir richtig böse:


Regular readers know that I am not a fan of the WSJ Op Ed page. In addition to their playing fast and loose with facts, I find their rhetorical tactics intellectually dishonest. I also suspect that excessive usage of the drug exctasy has left most of their editorial staff crispy remnants of their former selves, subject to frequent delusional flashbacks, delirium tremens and incontinence.


Barry zu Gute halten muss man, dass er dann doch ein Op Ed zitiert und richtig lobt. Und es in der Tat lesenswert:

Martin Feldstein on the Housing/Credit/Economic Mess

US-Rezessionswahrscheinlichkeit gestiegen

Sag i doch ;-)

Aber nur von 28 % auf 36.

Durchschnittlich erwartetes Wachstum Q4/07: 1,9% (vorher 2,5%)
Durchschnittlich erwartetes Wachstum Q1/08: 2,1% (vorher 2,6%)

Ansonsten: Steigende Arbeitslosigkeit, langsamer wachsende Beschäftigung, etc. pp.

US-Leitzins bei 4,5% nächsten Sommer.

Überraschend moderat angesichts der fast panischen Rufe nach Leitzinssenkungen noch vor dem nächsten Termin ...

Und die überraschende Prognose: 31,75 Dollar beim Öl zum Ende des Jahres. Hmmm. Der Konsens ist knapp 69. Der aktuelle Kurs fast 80.

Bei den befragten 60 Analysten sind genau zwei, die 2 Quartale im Minus haben:

Ram Bhagavatula von Combinatorics Capital
und
Cathleen Camilli von Camilli Economics.

Q3/07 und Q2/08 sieht niemand im Minus ... Da bin ich doch weiter weg vom Konsens, als ich gedacht habe ...

WSJ: Forecasters Increase Odds Of Recession Over Next Year.

Die sehr schicken interaktiven Grafiken dahinter können wohl nur Abonnenten sehen (zum Glück bin ich einer).

75 Milliarden Euro Liquiditätskredit von der EZB

Laufzeit: 3 Monate (also kein Tageskredit)
Volumen 75 Milliarden Euro
Nachfrage: 139 Milliarden(!)
Durchschnittszins: 4,52 %

Der Markt rechnete mit einem niedrigerem Zins (4,3 bis 4,4%), deshalb wurde wohl auch nur ein Teil zugeteilt. Manche Banken haben offensichtlich weniger als die Mindestforderung von 4,35 geboten.

Aber dass jetzt schon wieder 75 Milliarden und direkt für drei Monate bereitgestellt werden und die Banken immer noch nicht zufrieden sind, wirft ein Licht auf die Gefährlichkeit der Lage ...

Ein wenig verwirrend finde ich das jetzt doch, denn erst gestern hatte die EZB massiv (60 Milliarden) aus dem Tagesgeld abgezogen, sprich die Liquidität für's Tagesgeld reduziert. Scheinbar will die EZB die Liquiditätsversorgung auf etwas längerfristige Fristen umstellen (vielleicht auch um das aus den Schlagzeilen zu haben. Das macht immer so schlechte Laune ...)

http://www.faz.net/s/Rub5CAECB7768E046A3976500B4D416A560/Doc~E459D210B7DE24DF798B14F2CEB032C3A~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell">FAZ:

Der Rating Crash - Von AAA auf CCC in tja einem Schritt

Was soll man von den Ratings noch halten? Was sagt ein Top-Rating wie AAA noch aus?

Die Ratingagenturen tragen mit ihrer völlig schlampigen und viel zu positiven Bewertung der CDOs eine Hauptschuld am aktuellen Desaster an den Finanzmärkten. Ohne die guten Noten wäre die Blase nie so groß geworden. Ohne die Top-Ratings wären Banken wie die IKB oder die SachsenLB nie in diesen Markt eingestiegen.

In der abgelaufenen Woche hat Standard & Poors Ratings für weitere Anleihen im Wert von 3,2 Milliarden Dollar überprüft. Dabei ist natürlich die große Zahl nach unten gerutscht, Anleihen im Wert von 254 Millionen Dollar gar von AAA (Topqualität, etwa Staatsanleihen von Deutschland) auf CCC (Junk, Müll, Ausfallrisiko über 40% in den nächsten 15 Jahren). Wuppps. Das ist wie ein Abstieg direkt von der Bundesliga in die Bezirksliga (in einer Saison). Vertan vertan sprach der Hahn ...

Unsafe at Any Rating, CDO Speeds to CCC From AAA: Mark Gilbert

Im unteren Teil des Artikels kommen dann noch die (üblichen) Geschichten von Banken, die mal eben so 1 Milliarde zusätzlich in ABS-Papieren im Keller gefunden haben oder von den "x-Milliarden-Fonds", die jetzt dicht machen müssen. Das tracke ich hier nicht mehr. Ist zuviel Arbeit und wird von der Mainstreampresse inzwischen hinreichend gut gemacht.

Shilller: US-Immobilienpreise könnten sich halbieren

Ja, der Shiller. Genau der. Der Yale-Professor, der 2000 vor der Internetblase gewarnt hat. Und der Mitbegründer des Case-Shiller-Hauspreisindexes.

Jetzt warnt er vor einem Einbruch am Immobilienmarkt und kann sich Preisrückgänge von bis zu 50% vorstellen. Übel, wenn man überlegt, was gerade los ist, obwohl der Rückgang kaum mehr als 3% beträgt.

Shiller meint übrigens "bis zu", was vor allem regional gedeutet werden sollte. Und so ungewöhnlich wäre das gar nicht, denn Ende der 80er bis Mitte der 90er halbierten sich die Preise in Los Angeles und in London. In der Breite wird es allerdings keine 50% Rückgang geben.

Der Grund ist ein einfacher: Die Mieten in den USA sind inflationsbereingt kaum gestiegen, die Hauspreise hingegen (trotz der leichten Rückgänge zuletzt) explodiert. Das ist ungewöhnlich.

Ebenso ungewöhnlich ist, dass der Preiszuwachs der Immobilien deutlich über den Wachstumsraten der Gesamtwirtschaft liegt. Auch diese beiden Linien entwickeln sich im Chart normalerweise ziemlich ähnlich. Zumindest langfristig. Was dann auch heisst, dass eine Linie zwar mal wegschießen kann, aber irgendwann dann doch zur anderen zurückkehren wird.


Eine kurze Version der Nachricht:
Value of city homes may decrease by half

Eine lange (PDF!) vom Meister selber: PDF

Hugh Hendry - Crash wie 1987?

In der letzten Börse Online findet sich ein interessantes Interview mit dem Hedgefondsmanager Hugh Hendry. Das gibt's leider nicht online (oder?).

Er hält die aktuelle Blase für größer als 2000. Er glaubt, dass die FED zu spät die Zinsen senken wird, allerdings ist das Interview älter als die -4000 am US-Arbeitsmarkt von letztem Freitag. (Es kann aber natürlich sein, dass die Senkung trotzdem schon zu spät kommt).

Er shortet Spanien (hoch verschuldete Unternehmen) und kauft Deutschland (solide Bilanzen). Er mag auch Rhön Klinikum (Immobilien decken fast den Börsenwert ab), BayWa, Metro, Celesio, KSB und KWS. Daneben den Öl- und Telekomsektor.

(Waren das genug Aktientipps?)

Aus einem älteren Interview weiss ich auch, dass er großer Fan von Agraraktien ist. Die aktuelle Diskussion um steigende Milchpreise lässt das nicht im schlechtesten Licht erscheinen.

Hier das (ältere) Interview aus dem SmartInvestor: Interview mit einem Investor - „Wie ein Wald voller Bäume“

130 Milliarden Commercial Papers fällig - allein diese Woche

schon komisch, was da alles hinter den Kulissen passiert, das man sonst gar nicht mitbekommt ...

Diese Woche werde 130 Milliarden Dollar Commercial Papers, also kurzlaufende Unternehmensanleihen fällig. Was nicht sonderlich überraschend ist, denn wenn etwas kurz läuft, wird es auch schnell fällig. Aber im letzten Satz steckt nicht nur Platitüde, sondern eben auch die Tatsache, dass die Commercial Papers zum großen Teil direkt wieder refinanziert werden. Und das dürfte diese Woche um einiges schwieriger werden als sonst. Zumindest für alle, die nicht über erstklassige Bonität verfügen.

Markt fürchtet Kollaps bei Schuldpapieren

Oder auf Englisch: Sing your way to the gallows: $140bn CP matures this week

Naja, 130 oder 140 Milliarden machen den Kohl auch nicht mehr fett ...

Wie war eigentlich der Arbeitsmarkt vor der letzten Rezession?

Interessante Frage, nicht nur deswegen.

Die Antwort ist leider ziemlich ernüchternd:

Nonfarm payroll employment Wachstum: damals 1,3%, jetzt 1,2%.
Civilian employment : damals 1,0%, heute 1,0%.
Arbeitslosenquote: damals 4,2%, heute 4,6%.

"Damals" ist übrigens der Februar 2001, der letzte Monat vor der letzten Rezession nach NBER-Definition.

Mir fehlt im Moment jeder Ansatz von Optimismus. Auf die Tatsache, dass 8 der letzten 10 Rezessionen vom Immobilienmarkt ausgegangen sind, habe ich ja schonmal hingewiesen. Der Arbeitsmarkt scheint sich jetzt in dieses negative Bild einzufügen.

OK, ich suche noch was Positives, wir wollen ja nicht direkt mit Depressionen in die neue Woche gehen. Gefunden!

Non Farm Payrolls: Goldilocks? Not Really. Kurzaussage: Es gab auch den goldenen 90ern fünfmal Monate mit negativem Zuwachs an Arbeitsplätzen, ohne dass eine Rezession folgte. Es ist also nur ein Datenpunkt.

Allerdings sind die zwei Monate davor auch schon schwächer gewesen als ursprünglich berichtet. Es ist also streng genommen schon mehr als ein Datenpunkt ...

Citigroup hat 100 Milliarden off-balance versteckt ...

Barry Ritholtz wies (wie so oft) als einer der Ersten darauf hin, dass wir aktuell bei den Banken das Gleiche sehen wie vor ein paar Jahren bei Enron. Die Unternehmen packen bestimmte Geschäfte nicht in die Bilanz, sondern parken die außerbilanziell.

Ich habe mich zu dem Thema auch schonmal geäußert und mich sehr enttäuscht (und überrascht) davon gezeigt habe, dass jetzt schon wieder die gleichen Fehler begangen werden wie erst vor ein paar Jahren. Eigentlich hat man nach so gravierenden Exzessen eine Generation lang Ruhe ...

Ok, worum geht's?

Die Citibank hat die satte Summe von 100 Milliarden Dollar in einem sogenannten SIV (special investment vehicle) geparkt. Genauso wie die WestLB, wie die SachsenLB oder die IKB. Außerhalb der Bilanz, außerhalb der Prüfungen. Wie damals bei Enron.

100 Milliarden sind eine ziemlich große Summe, auch für die Citibank. Risiken sind nicht bekannt, es kann also munter drauf los spekuliert werden.

Citigroup reportedly has $100 billion in SIVs

Update (15:15):

Kapitalmarktexperten haben die Meldung auch (auf Deutsch): Sollte uns das Sorgen bereiten?

Update (9.9.07):

Die FT hat eine Analyse zur Situation. Die Citibank sagt natürlich: Kein Grund zur Sorge, alles beste Qualität. Die Kurse der SIVs sagen was anderes: Wertverluste von bis zu 20%. Beste Qualität?!?

But look at the filings with the London Stock Exchange and you will see that Citi’s SIVs have seen declines in portfolio net asset value of 17-20 per cent in the past few months. That doesn’t quite sit comfortably with Stephens and Burrows assertion that “asset portfolios are performing well”.


SIVs in the Citi

Was ist eine Rezession?

Interessanterweise ist die Definition noch etwas anders, als das was ich im Kopf hatte:

Standarddefinition (und auch außerhalb der USA gültig) ist das klassische "2 aufeinanderfolgende Quartale mit negativem Wachstum". Das kann übrigens unter Umständen aufgrund von Basiseffekten bedeuten, dass das Wachstum im Jahresvergleich nicht unter Null sinkt. In Europa schaut man eher auf die Jahresvergleiche, in den USA auf die Quartalswerte. In Deutschland wird das in Wikipedia auch wie folgt definiert: 3 Quartale hintereinander mit negativem Wachstum im Jahresvergleich.

Heute habe ich bei Marketwatch gelesen, dass die offizielle Definition in den USA noch eine andere ist. Und zwar stammt diese vom NBER (National Bureau of Economic Research), das im Übrigen keine staatliche Organisation ist.

Definition a)

A recession is a significant decline in economic activity spread across the economy, lasting more than a few months


Gut, aber das ist noch etwas arg schwammig, versuchen wir es nochmal:

A recession is a "pronounced, pervasive and prolonged" slowdown in the economy.
.

Genauso schwammig und selbst Amerikanern muss man erstmal erklären, dass das tief, breit und lang bedeutet.

Aber immerhin lassen sich die Wissenschaftler noch entlocken, was sie messen:

a) payroll growth,
b) real income growth,
c) industrial output and
d) real business sales.

Das Nette daran: Alles sind monatliche Indikatoren, dass heisst, die Wissenschaftler müssen nicht das nächste Quartals-BIP abwarten. Aber ob jetzt alle 4 Indikatoren ins Minus fallen müssen und wie stark und wie lange, naja, das verraten uns die Rezessionsweisen dann nicht. Es bleibt also schwammig. Tief, lang und breit sind halt subjektiv ...

Übrigens sind alle 4 Indikatoren noch im Plus. Die persönlichen Einkommen sogar sehr kräftig (+4,4%), die anderen drei sind im Vergleich zum Vorjahr schwach, aber immer noch klar im Plus.

Wer sich die oben aufgeführte Schwammigkeit in der Definition anschaut, warum sich die Welt auf zwei (oder drei) Quartale mit negativem Wachstum geeinigt hat ...

Das wolle ich mir doch nochmal genauer anschauen. Meine Wette bleibt aber gleich: Von Q3-2007 bis Q2-2008 (also 4 Quartale) werden zwei mit negativem Wachstum für das US-BIP kommen. Dass ich das Rezessionswette genannt habe, liegt eher daran, dass ich einen griffigen Namen brauchte und nicht, dass das wirklich eine Rezession ist. Aber die "wir-bekommen-demnächst-zwei-Quartale-mit-negativen-Wachstum-im-Quartalsvergleich-in-der-us-wirtschafts"-wette fand ich als Namen nicht so toll ..

Und noch ne Rezessionsumfrage ...

diesmal vom Wallstreet Journal.

Die war zwar gestern schon angedeutet, aber im verlinkten Artikel fehlte der gelbe Balken:

11%: We are already in a recession.

Wupp und dann steht's nur noch 51 zu 49 zu Gunsten der Optimisten.

Recession Forecast?

Und das war vor den Arbeitsmarktenzahlen von gestern ...

Soooo allein bin ich gar nicht mit meiner Prognose ...

Was kostet Geld, wenn es knapp ist?

Positivere Zinserwartungen und großzügige Refinanzierungskonditionen haben bis jetzt jedenfalls noch nicht geholfen. Das lässt sich etwa an den Zinsdifferenzen zwischen den wichtigsten Notenbanksätzen und den Interbanksätzen für drei Monate ablesen – sie sind überall nach wie vor ungewöhnlich groß. Ausgedrückt in Basispunkten, liegen sie in der Währungsunion bei 76 (4,76 – 4,00), in den USA bei 47 (5,72 – 5,25), in Großbritannien bei 105 (6,80 – 5,75), in der Schweiz bei 38 (2,88 – 2,50) und in Japan bei 47 (0,97 – 0,50). Für die USA ist vermutlich der Vergleich zwischen dem 3-Monats-Liborsatz und dem Zins auf dreimonatige Treasury Bills aufschlussreicher; die Differenz von nicht weniger als 147 Basispunkten (5,72 – 4,25) zeigt, wie viel Angst die Anleger immer noch haben.


aus Herdentrieb: Panik an den Geldmärkten, gelassene Aktionäre

Schon vor einiger Zeit hatte ich hier schonmal einen Artikel verlinkt, der anhand der real gezahlten Renditen bei Commercial Papers der großen US-Investmentbanken deren Kreditwürdigkeit berechnet hat. Das Ergebnis: Investmentbanken haben fast Junk-Bond-Status. Da sag mal jemand, man habe da nichts vorhersehen können; der Artikel ist vom März ...

Aber worauf ich hinauswollte: Die oben genannten hohen Zinssätze bei den Interbankengeschäften (auf diese äußerst ungewöhnlichen Verwerfungen habe ich jetzt schon einige Male hingewiesen) setzen sich aus zwei Teilen zusammen:

a) dem Risikoaufschlag
b) dem Liquiditätsmangel

b) ist mglw. schnell lösbar (allerdings hatte ich das schonmal voreilig für gelöst erklärt). Bei a) bin ich mir da nicht so sicher ... Denn das Durchsickern des ganzen "Giftmülls" von der Finanzwirtschaft in die gesamte Wirtschaft hat gerade erst begonnen.

Der Herdentrieb-Artikel ist (wie so oft) sehr lesenswert. Dieter Wermuth ist inzwischen auch ziemlich skeptisch.

Ich wollte gestern noch einen Artikel zur EZB schreiben und der Schlagzeile "EZB verschiebt Zinserhöhung". Nach den Arbeitsmarktzahlen von heute kann ich mir weitere Zinserhöhungen aber kaum noch vorstellen. Die FED wird wohl beginnen und die EZB irgendwann folgen.

US-Immokrise: Ein paar Zahlen zu Verschuldung

Manchmal wird ja so getan, als wäre die Krise in den USA ein geradezu crashartiges, überraschendes Ereignis. Ich habe schon viele Male darauf hingewiesen, dass es nicht so ist, weil sich die Verwerfungen schon lange andeuten. Die Schuldensituation ist dazu in den USA einfach zu extrem.

Ein paar Zahlen:


Since 1990, U.S. nominal GDP has increased about 80% (logarithmically). Outstanding mortgage debt grew 50% more than this, raising the debt/GDP ratio from about 0.5 to 0.8. Mortgage-backed securities guaranteed by Fannie and Freddie grew 75% faster than GDP, while mortgages held outright by the two GSEs increased 150% more than GDP.


Dabei geht es nicht um die absolute Verschuldung , weil diese Zahl wenig aussagt (steigt wegen der Inflation eh immer). Viel spannender sind solche Zahlen, die die Summe der Hypotheken mit dem BIP vergleichen. Oder mit dem Einkommen. Und wenn dann die Hypotheken in gut 15 Jahren von 50 auf 80% des BIPs steigen, ist das einfach nicht gesund. Denn Hauspreise (und damit auch die Hypotheken) steigen langfristig immer nur in etwa so viel wie das (nicht inflationsbereinigte) BIP . Damit haben wir einen guten Blick auf die Verschuldungslage in den USA, die wirklich übel ist.

Der Artikel dreht sich aber eigentlich um etwas Anderes: Warum konnte es zu dieser Krise kommen?

Der Autor glaubt an einen großen Grund: Too big to fail. Deshalb habe ich die hinteren Sätze im Zitat gelassen, denn die enthalten die Zahlen der halbstaatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Diese sind noch wesentlich stärker gewachsen als der Hypothekenmarkt an sich. Diesen Instituten wird immer gerne Geld geliehen, weil alle wissen, dass die nicht Pleite gehen können. Zumindest kann es sicher keiner vorstellen, ergo (subjektiv) ein No-Risk-Geschäft. Das hat nicht unwesentlich zur Beschleunigung der Kreditvergabe beigetragen.

Die Forderung daher ist einfach: Markt ist Markt und soll Markt bleiben. Aber die "Too-Big-Too-Fail"-Unternehmen benötigen eine besondere Überwachung, da dort die Mechanismen andere sind, weil die Angst vor der Pleite fehlt. (Im Prinzip ähnlich wie beim Kartellamt, dass auch dafür sorgt, dass der Wettbewerb und damit der Markt weiter funktioniert).

Comments on Housing and the Monetary Transmission Mechanism

Ein Zitat noch für die Pessimisten:

What worries me in particular is, if we see this much in the way of delinquencies and short-term credit concerns in the current economic environment, in which GDP has still been growing and house price declines are quite modest, what can we expect with a full-blown recession and, say, a 20% decline in average real estate values?


Sowas ähnliches habe ich hier auch schonmal geschrieben. Manche Analysten sehen die Weltwirtschaftskrise und das bei einem Wachstum von 4% im letzten Quartal.

Und eine andere interessante Überlegung:

After all, a 1% short-term rate, 6% 30-year mortgage rate, and 13% house price appreciation, such as we saw in 2004, is plenty of incentive to borrow and repay.


Und das war 2004. Trotzdem wurde diese Welle (zu 1% Geld leihen, zu 6% weiterverleihen und mit 13%-pro-Jahr-steigenden-Immobilien-besichern) bis 2006 weitergeritten. Trotz mehrfacher Zinserhöhungen der FED. Wenn man sich jetzt überlegt, mit welcher Zeitverzögerung die kommenden Zinssenkungen der FED greifen werden, tja, dann werd ich depressiv (und brauche eine Flasche Wein ;-) ).

Und noch eine kleine Sache, die ich noch nicht kannte (aus einem Kommentar zum obigen Artikel):

"....But let's consider the implications of Hamitlon's "too big to fail" recommendation. Who else do we need to worry about?

The Bank of England, in its latest Financial Stability report identifies the concentration of activity in sixteen of what it calls "large complex financial institutions" as a source of systemic risk. Those firms are: ABN Amro, Bank of America, Barclays, BNP Paribas, Citigroup, Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman, HSBC, JP Morgan Chase, Lehman, Merrill, Morgan Stanley, RBS, Societe Generale, and UBS. The report notes:

Given their scale and their pivotal position in most markets, distress at an LCFI could have a large, unanticipated, impact on other financial market participants. This could arise from losses on direct exposures to an LCFI that failed or from the wider market implications of actions taken by an LCFI to manage problems.


Damit hätten wir also die Liste der Banken, die "Too-Big-Too-Fail" sind. LCIFs, large complex financial institutions. Ich befürchte, den Begriff werden wir nochmal hören ...

Bioäpfel aus Neuseeland - Ökologisch sinnvoll?

Der Spiegel hatte dazu auch mal einen Artikel, in der Financial Times ist aber auch aktuell was.

Das Interessante, das man sich als Clou für Diskussionen zum Thema merken kann:

Der Transport des Apfels vom Supermarkt nach Hause ist oft CO2-intensiver als der Transport der Äpfel von Neuseeland nach Europa. (Solange das Obst nicht mit dem Flugzeug kommt, was aber bei Obst die absolute Ausnahme ist)

Das ist dann doch einigermaßen überraschend.

Weniger überraschend ist es, dass je nach Obstsorte die Produktion der wirklich energieaufwändige Teil ist. Ich hatte darüber auch schonmal gelesen (und gebloggt) und zwar im Zusammenhang mit Biodiesel. Für die Produktion des Biodiesels benötigt man jede Menge Energie, teilweise für die Bearbeitung des Feldes, für die Pflanzenschutzmittel, den Dünger (sehr energieaufwändig) und dann noch den Transport und die anschließende Bearbeitung. Eine Studie hat ergeben, dass die Erzeugung von Bioethanol aus Mais mehr Energie kostet als dann im produzierten Liter Ethanol steckt. Das ist bei anderen Herstellungsarten übrigens besser: Raps zum Beispiel braucht weniger Pflege und ist leichter in Diesel zu verwandeln. Daher ist bei Raps die Energiebilanz um einiges besser.

Übrigens kann nach Betrachtung des gesamten Energieaufwands ein neuseeländisches Lammsteak besser sein als ein europäisches. Das neuseeländische Lamm steht halt sein Leben lang auf der Wiese rum und kostet energetisch quasi nix. Ähnliches gilt für argentinisches Rindfleisch. Sobald das Fleisch aus europäischer Massentierhaltung kommt (mit den dann anfallenden Heizkosten, Pharmazeutika, Mastfutter, etc.), ist das Fleisch vom anderen Ende der Welt sogar besser.

FT:Planes, brains and automobiles

Die im Spiegel zitierte Studie vergleicht deutsche und neuseeländische Bio-Äpfel. Dabei geht es um Äpfel im Frühling, also der Erntezeit in Neuseeland. Die deutschen Äpfel haben zu diesem Zeitpunkt schon 5 Monate im Kühlhaus gelagert, die neuseeländischen werden um den Globus geschippert. Das Ergebnis: Der neuseeländische Apfel braucht "nur" etwa 1/3 mehr an Energie. Auch hier ist das Ergebnis so knapp, dass ein 3-Kilometer-Weg zum Supermarkt den Unterschied auffrisst.

Spiegel: Bio-Äpfel vom Ende der Welt - eine Ökosauerei?

Rezessionswahrscheinlichkeit < 50%

Auf solche Postings könnt ihr Euch schonmal geistig und seelisch vorbereiten: Die gibt's aus aktuellem Anlass jetzt häufiger ;-)

US recession risk still below 50 pct-research group.

Also unter 50% Wahrscheinlichkeit sagt der Chef von Macroeconomic Advisors. Kurz: Der hat keinen Plan ;-)

Wer noch andere Meinungen braucht, findet die hier : Dueling Recession Probability Estimates.

Bessere Ergebnisse (aus meiner Sicht) sind aber nicht dabei. Im Gegenteil: Die letzte Prognose von e-forecasting lag bei nur 34%. Kurz: Der hat sowas von keinen Plan ;-)

Die virtuellen Börsen, bei denen man auf Rezession setzen/wetten kann, sind übrigens pessimistischer und dort ist der Kurs (sprich die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession) schon von 30 auf 45 gestiegen.

Bin gespannt: In 7 Minuten kommen die Arbeitsmarktzahlen ... (aber das ist auch nur ein Zahlenpunkt, mit ziemlicher Streuung leider)

Update: 14:39:

Boah, das waren ja hammerschlechte Zahlen! Wie die Statistiker es hinbekommen, bei -4000 Jobs die Arbeitslosenquote stabil zu halten, würde mich auch mal interessieren. Immerhin wächst die US-Bevölkerung und die US-Wirtschaft muss permanent Arbeitsplätze schaffen (IIRC 180.000 pro Monat). Da müsste ein Minus von 4000 Jobs (statt des erwarteten Plus von 115.000) eigentlich Einfluss zeigen. Aber naja, glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.

Die (für mich) überraschend guten Zahlen für den Juni und den Juli wurden auch nach unten korrigiert. Man kann jetzt hier ebenfalls statistische Manipulation unterstellen (in letzter Zeit wurden die Zahlen nahezu immer nach unten korrigiert), es kann aber auch einfach sein, dass die Statistik den möglichen Wendepunkt in der Konjunktur verpasst und die Zahlen falsch extrapoliert.

U.S. payrolls contract by 4,000 in August

nochn Update:

oder auf Deutsch Hypo-Krise schlägt auf US-Arbeitsmarkt durch

Econbrowser hat auch noch eine Schätzungg, die es wert ist, beachtet zu werden (denn die Econbrowser Schätzungen zu den Juni- und Julizahlen sind nach den Korrekturen von gestern Volltreffer gewesen): Nach seinen Berechnungen ging die Zahl der Beschäftigten sogar um 65.000 zurück. (Jobs numbers disappoint. Er zieht zu seiner Schätzung noch zwei weitere Job-Anzahl-Statistiken heran und gewichtet diese dann.

Ich rieche schon sanfte Tannine ...

Wir sind hier - Wieviel Zinsanpassungen kommen noch?

Jemand bei der FAZ liest mein Blog ;-)

Bedrohliches Misstrauen unter den Banken

Darin die schöne Grafik mit den Hypothekenzinsanpassungen, die hier unter "the forgotten resets" schon ein paar Mal verlinkt war. Jetzt in aktualisierter Form ("wir sind hier") von DresdnerKleinwort und der FAZ:

Zinsschock im Anmarsch.

Jeder, der meint, dass die US-Immobilienkrise bald vorüber sei, muss sich eigentlich nur die Grafik anschauen und soll mir danach erklären, wieso die letzten zwei Drittel spurlos an uns vorübergehen sollen, wenn bereits das erste Drittel zu solchen Verwerfungen führt.

Der Artikel schreibt auch über die komischen Zinsspreads (siehe letze Woche bei mir: Die Finanzmärkte bleiben (sehr) nervös).

Neuer Sentiment Indikator für die USA

Und dieses Mal nicht einer, der aus irgendwelchen sekundären Faktoren abgeleitet wird, sondern ganz altmodisch einen Haufen Investoren fragt, wie bullish oder bearish die sind. Durchgeführt wird die Umfrage von der CNN MoneyShow.

Keine Ahnung, was dieser Indikator jetzt besser machen soll als andere. Und keine Ahnung, ob das ein Indikator ist, der endlich funktioniert. Ich bezweifle es.

Er ist überraschend bullish (nur ein Punkt unter dem bisherigen Höchststand), was aber daran liegen mag, dass die Umfrage vor allem Stockpicker und gut informierte Anleger befragt. Diese sind normalerweise halt immer optimistisch, weil es immer gute Gelegenheiten gibt und es Aktionäre aus Passion sind.

Commentary: New indicator shows investors just as bullish as in May

Die Finanzmärkte bleiben (sehr) nervös

Und damit meine ich nicht in erster Linie die Aktienmärkte, sondern die Rentenmärkte.

Die Verwerfungen sind teilweise von historischen Ausmaßen und erreichen Dimensionen wie nach den Terroranschlägen von 11.9. Es gibt das eine Reihe Dinge, die normalerweise ziemlich parallel laufen, im Moment aber ziemlich auseinander. Die Spreads weiten sich an Stellen aus, die man niemals vorhergesehen hat (dass dreimonatige FED-Notes mit etwa 2,5% verzinsen, während Tagesgeld über 4% bringt, ist z.B. äußerst ungewöhnlich).

Interessanterweise haben die Maßnahmen der Notenbanken daran nichts geändert. Rein gar nichts.

Auch in London gibt es solche seltsamen Verwerfungen:

Credit Concerns Have Not Gone Away

Ich werde das Gefühl nicht los, dass trotz der Beruhigung an den Aktienmärkten, das ganze unter der Oberfläche mächtig weiter köchelt ...

Und über die "Bin-Laden-Puts" schreibe ich lieber nichts, sonst gelte ich endgültig als Perma-Bär-Weltwirtschaftskrisen-Verschwörungstheoretiker ...

Update (17:30):

EZB stellt wieder 42 Milliarden Sonderliquidität zur Verfügung und kündigt einen länger laufenden Tender an. Das war ich wohl mit der Proklamation, dass die Liquiditätskrise vorbei sei, zu voreilig und optimistisch ...

EZB pumpt abermals Milliarden in den Geldmarkt

FED sieht keine Kreditklemme

Auch auf die Realwirtschaft haben die aktuellen Turbulenzen nur leichte Auswirkungen. Das hat eine aktuelle Umfrage unter den lokalen Notenbanken ergeben. Außerhalb des Immobiliensektors seien die Abschwächungseffekte sehr beschränkt (innerhalb des Immobiliensektors aber spürbar).

Market turmoil has small impact outside real estate: Fed

Da die Krise im Immobiliensektor auch lange geleugnet wurde gebe ich auf solche Aussagen nicht allzuviel.

Ich verfolge das Thema hier im Blog seit letztem Oktober. Wer's mal alles von Anfang lesen will: US-Immo, das erste Posting hieß: "US-Immobilienmarkt vor dem Crash?", damals noch mit Fragezeichen, das könnte man sich heute wohl schenken. Es war extrem lehrreich, wie lange die Mainstreampresse und die Analysten das Thema verdrängt haben. Und wie der Trefferquoten beim Vorhersagen von Rezessionen sind, habe ich ja schonmal geschrieben ...

Die egghat'sche Rezessionswette - Wer traut sich?

So, ich habe mich durchgerungen:

Wette:

Zwei des aktuellen (Q3-07) und der nächsten drei Quartale (Q4-07 bis Q2-08) werden mit negativen Wirtschaftswachstum für die USA kommen.

Einsatz: Eine Flasche Wein (Baltasar, Vitiano, Dr. Loosen Riesling) oder alternativ eine Flasche Rama oder 6 Flaschen Füchschen Alt.

Wenn wir schon ne Weltwirtschaftskrise bekommen, dann will ich wenigstens was leckeres zu trinken haben ;-)

Kommt aus Euren Löchern, Optimisten der Welt! Ja Dich meine ich!

Die Unternehmensbilanzen sind gut in Form (oder etwa doch nicht?)

Einer der Gründe dieses Blog zu schreiben war die Beobachtung, dass manche Nachrichten und Informationen einfach untergehen. Das Schlimmste daran: Einige (falsche) Informationen werden zu Common Sense und sind dann nicht mehr aus den Köpfen wegzubekommen.

Zum Beispiel die Nachricht in der FAZ von heute: Leitzinssenkungen sind gut für die Börse. Stimmt im Schnitt. Schaut man sich aber die Details an, fällt auf, dass die Performance der Aktienmärkte sehr stark vom Zeitpunkt der Zinssenkung abhängt. Kommt diese rechtzeitig (vor einer Rezession) ist das in der Tat sehr gut für die Börse, kommt sie aber zu spät, geht die Spekulation nicht auf. Man kann dann mit Anleihen genausoviel Geld verdienen, nur mit viel geringerem Risiko.

Diese Gegenmeinungen möchte ich hier an dieser Stelle gerne bringen. Das mag unbequem sein, manchmal auch wirr (wie Saviano bei meiner ersten Erwähnung des Wortes "Weltwirtschaftskrise" meinte. Ich war allerdings nicht der Letzte, der das Wort dann benutzte), aber das ist es auch, was die Bloggerszene IMHO sein sollte: Ein Gegengewicht zu den klassischen Mainstreammeinungen.

Und nach diesen etwas grundsätzlichen Sätzen habe ich dann auch einen Common-Sense-Destroyer-Of-The-Day.

In der Financial Times findet sich ein Bericht, der untersucht, ob die Bilanzen wirklich in so guter Form sind, wie oft behauptet wird. Und siehe da: Wenn man langfristig zurückschaut, sieht das aktuell gar nicht sooooo dolle aus. Dieser langfristige Blick ist interessant, weil heute noch viel zu häufig mit 2000 verglichen wird. Damals war alles der komplette Wahnsinn. Nur weil das heute vergleichsweise seriös ist, heisst das aber noch lange nicht, dass wir wieder komplett nüchtern sind, vielleicht sind wir nur etwas weniger wahnsinnig.

Zurück zum Thema: Der Bericht untersucht die Bilanzqualität. Und diese ist bei weitem nicht so gut wie immer gesagt wird.

Zwei Beispiele:

a) Früher wurden so gut wie alle Güter abgeschrieben. Ob die mehr wert wurden oder nicht. In der Bilanz sank der Wert immer weiter. Das war extrem konservativ. Da diese Abschreibungen aber auch den Gewinn senkten und über das KGV als Multiplikator der Börsenwert sinkt, bilanziert man heute großzügiger. Teilweise, weil die Firmen die offensivere Version wählen, teilweise aber auch, weil der Staat die Regeln geändert hat (er bekommt so ja auch mehr Steuern, weil der Gewinn höher ist). Richtig auffällig wurde es bei den Goodwill-Abschreibungen, die man früher zwangsweise vornehmen musste, wenn man eine Firma teurer übernommen hatte als der Bilanzwert es hergab. Heute muss der Wert nur vermindert werden, wenn eine Wertermittlung das ergibt. Ansonsten bleibt der Wert so hoch in der Bilanz stehen. Über diese Abschreibungen, die unabhängig vom Wert entstanden (der sogar gestiegen sein konnte), entstanden in den Bilanzen tendenziell immer stille Reserven. Im schlimmsten Falle fehlen heute nicht nur diese stillen Reserven, sondern man hat im Gegenteil heiße Luft in den Wertansätzen.

Ich habe mal irgendwo gelesen, wieviel diese steuerlichen Änderungen zum Gewinnwachstum seit 2003 beigetragen haben. Ich finde es leider gerade nicht, aber es waren IIRC etwa 20%. Wir hätten heute bei gleichen Buchhaltungsrichtlinien ein KGV von 18 und nicht von 15. Die Gewinnqualität ist heute auf jeden Fall schlechter als vor ein paar Jahren.

b) Früher besaßen Fluggesellschaften noch Flugzeuge. Oder Speditionen LKWs. Heute ist das ganze Zeug geleast. Die Schulden sind also nicht mehr in den Bilanzen der Firmen, sondern bei den Leasingunternehmen. Wenn man jetzt meint, dass die Verschuldung der Unternehmen gesunken sei, tja, dann ist man leider etwas zu optimistisch. Im Gegenteil: Die Verschuldung ist sogar gestiegen.

Im Artikel kommen auch noch andere interessante Fakten:

Zum Beispiel haben die Unternehmen seit 1984 mehr über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre ausgeschüttet als sie verdient haben! Das hat sicherlich einen großen Teil zum historisch gesehen einmaligen Kursaufschwung von 1982 bis 2000 beigetragen. Das kann natürlich nicht auf ewig so weitergehen.

Der Artikel ist leider nur mit guten Englisch und vor allem einigen Wirtschafts-Know-How verständlich. Aber sich da durchzufressen lohnt sich.

Why balance sheets are not in good shape

Headset Extrem!

Ohne Worte:

Maasai Hands-Free Earpiece

Wofür braucht man blaue Zähne, wenn man Ohrläppchen hat?

Rezession und Leitzinssenkung - Gut für Aktien!

meint zumindest die FAZ bzw. S&P:

Zinssenkungen sind meist Signale für steigende Aktienkurse.

Allerdings habe ich (in weiser Voraussicht) schon in der letzten Woche darauf hingewiesen, dass das nur die halbe Wahrheit ist:

Rezession und Leitzinssenkung - Gut für Aktien?.

Die Performance der Börse hängt nämlich maßgeblich davon ab, ob die Leitzinssenkung rechtzeitig vor der Rezession oder zu spät nach Eintreten der Rezession kommt. Die Börse reagiert offenbar mehr auf das nahende Ende der Rezession als auf die Leitzinssenkung. Und ich befürchte, dieses Mal kommt sie zu spät ...

Guter Überblick über die Akkutechnologien von heuteund morgen bei TR

In der aktuellen Technology Review gibt es einen guten Überblick über den aktuellen Stand der unterschiedlichen Akkutechnologien.

Der Artikel ist online verfügbar:

Optimierte Vielfalt

Sehr lesenswert!

Darin kommt auch die Firma A123 vor, die die Hochleistungsakkus herstellt, die zwar nur eine durchschnittliche Energiedichte besitzen, aber dafür viel Strom auf einmal abgeben können, so gut wie explosionssicher sind und deutlich mehr Ladezyklen aushalten als gewöhnliche Akkus.

Siehe auch dazu den Akkudragster in einem älteren Artikel zum Thema Akkus von mir.

Arbeitsmarktpolitik - Milliarden für die Katz

Und zwar ausschließlich für die Katze!

Das Milliardenloch am Arbeitsmarkt

Daraus:

„Es war auch für uns selbst überraschend“, sagt Lechner, „dass wir keine Arbeitsmarktmaßnahme gefunden haben, weder in Ost- noch in Westdeutschland, die positive Effekte hatte, dafür aber eine Menge von Maßnahmen, die Arbeitslosigkeit eher verfestigen.“

Wuh. Das ist harter Tobak. KEINE EINZIGE Maßnahme, die dazu führte, dass die Dauer der Arbeitslosigkeit verkürzt wurde. KEINE EINZIGE. Das heisst, es werden jedes Jahr ABERMILLIARDEN für Schwachsinn ausgegeben. Und keiner beschwert sich.

Der Typ ist übrigens kein Spinner und hat sich die Daten nicht ausgedacht. Er hatte Daten aus Nürnberg und zwar eine Stichprobe von etwa 2% der gesamten Daten (natürlich anonymisiert). Also wahrscheinlich die besten Daten, die man als Wissenschaftler bekommen kann.

Ich habe in der Zeit, wo ich noch mehr politisches Zeuch hier geschrieben habe (das aber in den Wirrungen um die US-Immobilienkrise aktuell zu kurz kommt) ein paar Mal meine persönliche Präferenz für einen Kombilohn ausgedrückt. Daher bin ich ganz froh, dass auch Lehner für dieses Modell eine Vorliebe hat: Es sei preiswerter jemanden dafür zu bezahlen, dass er richtig arbeitet und zwar in einem richtigen Job in der richtigen Wirtschaft. Dabei lernt man schließlich auch was. Und es immer noch sinnvoller, jemandem Geld für's Arbeiten als für's Nichtstun zu geben.

Übrigens kann man auch aus Kombilohn und Mindestlohn etwas Sinnvolles machen:

Mindestlohn 5 Euro plus 2,50 Euro vom Staat. Wer keinen Job findet, der irgendjemand 5 Euro die Stunde wert ist, bekommt halt weiter Hartz IV. *Ich* kann mir aber nicht ernsthaft vorstellen, dass bei 5 Euro pro Stunde die Nachfrage nach einfachen Dienstleistungen nicht explodieren würde. Ich würde mein Auto nicht mehr selber waschen, selber tapezieren, den Rasen mähen (wenn ich denn einen Garten hätte), etc. pp. Und ich bin definitiv nicht der Einzige.

Vielleicht würde das sogar Oskar L. akzeptieren. Obwohl der natürlich nichts von dem oben gesagten auch nur ansatzweise verstehen oder überhaupt in sein Gehirn lassen würde. Wissenschaft hat nur wenig Chancen gegen ideologische Verblendung.

Staatliche Kreditausfallversicherung zur Lösung der Immobilienkrise in den USA?

Als Update zu US-Immobilienkrise - Jetzt springt der Staat ein

Robert von Heusinger hat etwas mehr Details zum Programm von George W. : Herdentrieb: Rettungsversuch. Klappe, die zweite.

Danach bekommen Haushalte, die Hypothenkenzahlungen zu einem niedrigerem Zins noch leisten können, eine Kreditsicherheit vom Staat, die dann zu niedriger verzinsten Hypotheken führen kann. Der Staat verhindert also, dass durch die kommenden Zinsanpassungen eine großer Teil der Hausbesitzer die Zahlungen nicht mehr leisten kann, aus den eigenen Häusern ausziehen muss und diese Häuser dann auf den Markt kommen.

Robert von Heusinger schlägt allerdings noch ein anderes Modell vor: Der Staat könnte den Kredit übernehmen, bzw. einen großen Teil davon. Oder dafür eine Ausfallsversicherung liefern. Nicht für die gesamte Summe, sondern für einen Teil. Also z.B. 80% oder 90%. Im Prinzip so, wie die CDOs aus strukturiert wurden.

(Kleiner Einschub: Die CDOs wurden viele Hypotheken zusammengefasst und dann in unterschiedliche Tranchen geschnitten. Beim Ausfall eines Schuldners wurde dann zuerst die unterste, schlechteste Tranche belastet. War diese aufgebraucht, kam die nächste Tranche dran. Je weiter man nach oben kam, desto geringer wurde das Ausfallrisiko (weil es ja immer zuerst in den schlechteren Tranchen verbucht wurde). Diese Konstruktion sollte dazu dienen, selbst bei überwiegend schlechten Schuldnern noch für einen Teil beste Qualität zu garantieren. Je breiter die unteren Tranchen waren, desto sicherer wurde die oberste Tranche. Nur scheint man sooo schlechte Schuldner genommen zu haben und die unteren Tranchen so schmal geschnitten zu haben, dass man die unteren Tranchen wohl komplett abhaken muss und selbst die oberen Tranchen angefressen werden könnten.)

Würde der Staat für einen Teil der Hypothek geradestehen, hätte das drei Vorteile:

a) Alle wüssten wieder, dass in den meisten Fällen 80% der Hypothek sicher sind. Was ja auch überwiegend so ist, denn die als Sicherheit dienende Immobilie ist ja immer noch etwas wert. Daher dürfte das Risiko für den Staat auch vertretbar sein. Nur traut sich im Moment niemand mehr, das Risiko bzw. die Sicherheiten zu beurteilen. Das hätte man bei der Kreditvergabe machen müssen. Und da haben alle gepennt und keinen hat's interessiert.

b) Es gibt keinen (bzw. wenig) "Moral Hazard". Also dass die Spekulanten das Risiko abgenommen bekommen, das sie selber verursacht haben. Und dass die Spekulanten jahrelang daran gut verdient haben, jetzt die Verluste aber sozialisiert (=auf alle verteilt) werden. Denn für den Schrott (die unteren Tranchen) müssen die Spekulanten allein gerade stehen.

c) Die Immobilien kommen nicht auf den Markt. Der Besitzer bleibt drin wohnen. Die Preise auf dem Immobilienmarkt kommen nicht weiter unter Druck, eine mögliche Abwärtsspirale wird verhindert.

Die Lösung hat was.

Allerdings wird es extrem schwierig, wenn nicht gar unmöglich sein, die optimale Sicherheit zu bestimmen. Jeder dieser CDOs ist ja anders strukturiert. Und jenachdem wie breit die Tranchen geschnitten sind und wie gut oder schlecht die Qualität der Schuldner ist, kann das in einem Fonds wieder zu "Moral Hazard" führen (staatliche Sicherheiten für Hazardeure), im anderen aber nicht ausreichen, um aus Triple A wieder Triple A zu machen ...

Und daran krankt es ja jetzt gerade: Niemand weiss, was in welchem CDO steckt ... Hier sehe ich weiterhin das Problem. Will man das lösen, muss man für alle Kredit 100% garantieren. Aber dann hätte man wieder "Moral Hazard". Schwierig schwierig.

Sigur Ros Film demnächst

Es gibt einen Trailer zu einer Sigur Ros Dokumentation. Wusste gar nicht, dass da was kommt. Um so schöner die Überraschung.

Und ich bin schon von den wenigen Minuten hin und weg. Diese Musik, diese Landschaft. Eigentlich ist diese Musik allein schon genug, um mich völlig zu verwirren, aber im Kino und mit Bildern wird das bestimmt noch beeindruckender. Das muss ich im Kino sehen. Auch wenn ich dafür 100 Km fahren muss, weil der Film nirgends läuft. Das ist halt keine Musik für die Masse, ungewohnt und wahrscheinlich auch viel zu intensiv.

Heima

via Sigur Rós documentary film: Heima

Flugsimulator in Google Earth :-)

Die haben wohl zu viel Geld bei Google ...

Aktuellste Version von Google Earth runterladen, und dann

Ctrl + Alt + A auf Windosen oder Apple Key + Option + A auf richtigen Computern drücken.

Und dann kann's losgehen also äh losfliegen.

Liste der Shortcuts bei Google Flight Simulator Keyboard Controls.

Große Teile der Welt haben aber leider keine Höheninformationen verfügbar. Kathmandu z.B. ist ziemlich cool. Zürich sieht von den erste Versuchen her auch ganz gut aus. Aber eine Mine, deren Aktien ich habe, war überhaupt nicht sinnvoll vorhanden.

Citigroup kauft Hypothekenfinanzierer

... bevor er Pleite geht ...

Name: ACC
Volumen des Kreditportfolios: etwa 45 Milliarden Dollar
Kaufpreis: Unbekannt (aber wahrscheinlich nicht sonderlich viel ...)

Citigroup in deal for subprime mortgage assets

<Eigenlob>

Als ich letzte Woche auf die Nachricht über den Einstieg der Bank of America beim strauchelnden Immobilienfinanzierer Countrywide hingewiesen habe, merkte ich an, dass der Einstieg höchstwahrscheinlich politisch gewollt und eingefädelt war.

Am Wochenende kam jetzt raus, dass die FED für zwei Banken (Citigroup und (Überraschung) Bank of America) die Kreditvergabe erleichtert. Beide Banken dürfen bis zu 25 Milliarden bei der FED ausleihen (zur Discount Rate) und (im Gegensatz zu den normalen Regeln) an ihre Brokertöchter weiterreichen dürfen.

Es würden mich jetzt zwei Sachen gar nicht wundern:

a) Wenn die nächste größere Bank strauchelt, steigt die Citigroup ein
b) Beim nächsten Kurseinbruch kaufen die Brokertöchter der Bank of America und der Citigroup wie bescheuert Aktien.

a) werden wir mitbekommen und dann kann ich es kommentieren
b) bleibt aufgrund der Anonymität der Börsengschäfte wohl geheim.

</Eigenlob>

aus FED mit lascheren Kreditregeln.

Das hat ja nicht lange gedauert, bis Variante a Realität geworden ist (und mein Kommentar hat auch nicht lange auf sich warten lassen ;-) )

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