Die ultimative Zertifikate Lobhudelei

neeh, kommt nicht von mir, sondern aus der Focus Money vom 23.1.2008. Also der, die quasi direkt im "Crash" erschien.

Dort finden sich in der Beschreibung über Bonuszertifikate tolle Zitate wie "in der Krise bewährt". "Bonuszertifikate sind Allwetterinvestments". Auch dass zwischen Juli und August 97% der Bonuszertifikate "gehalten" haben, wird positiv erwähnt.

Am besten wird es aber hier:

"Die Rating-Agentur Scope hat alle Bonuszertifikate auf die DAX 30-Werte analysiert, die 2007 emittiert wurden. Leider wurde das Ergebnis teil irreführend wiedergegeben: Bonusprodukte würden "der Reihe nach an die Wand gefahren", hieß es in einer Tageszeitung. Bei einzelnen DAX-Werten wären mehr als 40 Prozent der emittierten Produkte "zu Bruch gegangen". Zur Klarstellung: Wenn Barrieren reißen, ist ein Zertifikat nicht zu Bruch gegangen. Der Bonus ist weg, aber Anleger partizipieren weiter am Basiswert."


Auf solche sprachlichen Details, wie dass Zertifikate offensichtlich zwar halten können, aber trotzdem nicht zu Bruch gehen können, will ich gar nicht eingehen. Das belegt nur die Tendenz des Artikels.

Aber die Relativierung der Scope-Analyse tut echt weh. Da schreiben die allen Ernstes, dass man bei einer gerissenen Barriere doch die Aktie bekomme. Man partizipiere an der Aktie! Wie geil! Der Bonus, immerhin der Grund weswegen ich das Papier ursprünglich gekauft habe, ist weg. Aber nicht ärgern, ins Depot gebucht wird die Aktie, die offenbar gerade so zusammencrasht, dass die eigentlich niemand haben will. Das kann zugegebenermaßen gut gehen, aber es ist ziemlich sicher nicht das, was dieses "Allwetterinvestment" eigentlich leisten sollte.

Um dem ganzen Artikel noch die Krone auszusetzen:

Am Ende wird geschrieben, dass 92% der Schwellen der 2007 emittierten Papiere auf DAX-Werte noch gültige Barrieren (sprich einen Bonusanspruch) haben. Dummerweise änderte sich das in der Crashwoche massiv:

Im Januar haben laut Börse Stuttgart mehr als 10.000 Bonuszertifikate ihre Schwellen gerissen, davon alleine 6000 in der Crash-Woche. Das ist jedes fünfte gelistete Papier. Erste Emittenten ermittelten für ihre Produkte, dass ein Drittel aller Bonuszertifikate auf Einzelaktien bereits die Sicherheitsschwelle durchstoßen habe. Andere Banken bestätigen das nach ersten Schätzungen.
(aus der FAZ, Link unten)

Das hört sich gar nicht mehr so nach Allwetterinvestment an ...

Ich glaube, dass der unbedarfte Anleger das Risiko dieser Scheine unterschätzt, weil er das Risiko der zugrunde liegenden digitalen Option unterschätzt. Es ja keine Option, die nur einmal am Ende der Laufzeit überprüft wird, sondern mit jedem einzelnen Kurs. Das Blutbad von Dienstagmorgen erkennt in einem Jahr in einem der üblichen Charts mit Tagesschlusskursen niemand mehr. Wenn ich einen Barchart oder einen Candlestick-Chart nehme, aber sehr wohl noch. Eine Aktie wie Centrosolar hat an diesem Tag 50% Intraday-Schwankung gehabt. Sowas zerlegt jede sinnvoll gepreiste digitale Option.

Zertifikate in der Krise - Nicht so sicher wie gedacht

Ich weise auch nochmal auf einen älteren Artikel hin, den ich jedem empfehlen möchte, bevor er sein Geld in Zertifikate steckt: Zertifikate: Wenn es drauf ankommt, geht nix ...

Ich habe in meinem Depot auch Zertifikate. Ich mache das aber nur und ausschließlich dann, wenn ich die Anlagestrategie nicht mit anderen Mitteln umsetzen kann (weil mir das Geld für die Streuung fehlt oder weil ich diesen Markt nicht anders abdecken kann).

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