EEG: Subventionen für China

Ich bin ja schon lange skeptisch was das EEG angeht.

Zur Erinnerung: Das EEG ist das Gesetz zur Einspeisung erneuerbarer Energien. Ziel des Gesetzes ist es, CO2 neutrale Energie in Deutschland herzustellen. Nach dem geltenden EEG muss der Strom aus erneuerbaren Energien von den Energieversorgern abgenommen und mit einem festgelegtem Betrag vergütet werden. Für jede dieses Jahr neu installierte Solaranlage bekommt man 47 Cent je KWh Solarstrom. Dieser Satz gilt auch für die nächsten 20 Jahre. Für alle diese Anlagen zahlen wir also auch in 20 Jahren noch 47 Cent pro KWh. Selbst wenn neue Solarzellen dann Strom für 10 Cent produzieren können (und davon gehe ich aus!). Diese Einspeisevergütung sinkt im Laufe der Zeit, am Anfang lag der Satz noch über 50 Cent.

Ob man das unbedingt über den Strompreis machen muss oder das Ziel nicht auch mit Investitionszulagen erreichen könnte, ist eine systematische Frage und ich würde eher für's letztere plädieren. Denn das hätte auf jeden Fall einen Vorteil: Man könnte alle paar Jahre neue Schwerpunkte setzen und neue Anreize bieten. Und könnte Fehler aus den vorangegangenen Jahren korrigieren und müsste dafür nicht 20 Jahre zahlen.

Einige Teile des Gesetzes halte ich trotzdem für sinnvoll. Strom aus Windenergie oder Wärme aus Biogas lassen sich zu relativ vertretbaren Kosten erzeugen. Mit einer vertretbaren Menge an Subventionen kann man eine Menge Investitionen anschieben und eine Menge CO2-freien Strom erzeugen.

Bei der Fotovoltaik passiert aber genau das nicht. Man kann sich ausrechnen, was die bereits installierten Solaranlagen noch kosten werden. Man kennt ja die installierte Menge pro Jahr und die Einspeisevergütung, die für diese Jahr galt. Daraus errechnet sich die erschreckende Summe von 23,3 Milliarden Solarschulden, die uns die Einspeisung von Strom aus Fotovoltaik noch kosten wird. Und das bei einem Anteil der Photovoltaik von 0,3% an der gesamten Stromerzeugung! Die Summe wird mit jeder neuen Anlage höher. Hat eigentlich mal jemand ausgerechnet was passiert, wenn 10% unseres Stroms aus Solarenergie kommen? Das ist ja komplett unbezahlbar.

Wenn man jetzt berechnet wieviel die Steinkohle an Subventionen kostet und wieviel die Steinkohle zur Stromerzeugung beiträgt (über 20%) wird einem ganz anders: Wenn ein Subventionsfass nach jahrzehntelangem Gerangel geschlossen wird (Steinkohle), macht die Politik sofort ein anderes auf und schafft es dabei, bei gleichen Kosten nur noch eine Bruchteil (ein Dreißigstel bis ein Fünfzigstel) des Ergebnisses (Strom) herauszuholen. RESPEKT!

Die Ausrede dafür ist einfach: Damit hätte man die boomende deutsche Solarwirtschaft gefördert. Nachdem ich schon am Anfang skeptisch war (damals kamen die Solarzellen von Sharp und Kyocera) ist es nach einer zwischenzeitlichen Pause, in der tatsächlich die Zellen aus Deutschland kamen, jetzt China, das Deutschland die Solarzellen liefert. Wie der Spiegel berichtet, kommt schon mehr als die Hälfte des deutschen Verbrauchs an Solarzellen aus dem Ausland. Die Lüge von den angeblich so vielen deutschen Arbeitsplätzen wird damit auch langsam ziemlich wacklig ...

Das Grundproblem ist natürlich einfach: Die Subventionen sind viel zu hoch. Daher lässt sich mit Solaranlagen richtig einfach richtig viel Geld verdienen. So viel, dass mein Musterdepotwert Colonia Real Estate inzwischen auf seine Häuser Solarzellen packt, weil es sich rechnet. Ökologische Gründe gibt es eigentlich keine.

Experten rechnen damit, dass 2010 die Kosten für eine Solarzelle nur noch gut die Hälfte der Einspeisevergütung betragen werden. Eine Solaranlage auf dem Dach wird also fast doppelt so viel Strom (=Geld) einbringen wie sie kostet. Natürlich nur für den Anlagenbesitzer, denn der Erlös wird ja zu mehr als 90% von den anderen Stromverbrauchern bezahlt. Denn das ist der Aufpreis, den jeder für den Solarstrom bezahlen muss. Etwa das Zehnfache des normalen Strompreises.

Aber macht es Sinn, dass jeder in jedem Teil des ziemlich regnerischen Deutschlands idiotensicher Geld verdienen kann? Sollte eine Subvention nicht eher so aussehen, dass man genau an den Grenzen zur Wirtschaftlichkeit die Nachfrage erhöht? Also so, dass am Oberrhein in Baden oder in der Pfalz, sprich den sonnigsten Regionen Deutschlands, eine Solaranlage Sinn macht, aber in anderen Regionen nicht? Wir fördern ja auch nicht die Windkraft mitten im windstillen Köln, sondern nur so weit, dass es sich an der Küste und auf Bergen im Mittelgebirge rechnet. Wir fördern auch nur die Herstellung von Biogas in Bauernhöfen und versuchen nicht das Methan aus jeder Haustoilette zu verwerten.

Ein weiterer großer Nachteil des Gesetzes: Es gibt keinen Deckel. Wenn dieses Jahr dreimal so viel Solaranlagen installiert werden, werden die Schulden, die dieses Jahr entstehen, auch dreimal so hoch. Es ist also nicht nur eine neues Subventionsfass, sondern auch noch eins ohne Boden. Die Steinkohlensubvention war in dieser Hinsicht besser, denn da stieg die Förderung nicht (oder nur unwesentlich) mit jeder mehr geförderten Tonne.

Ich möchte jetzt gar nicht darüber reden, wie viel sinnvoller es wäre, Solaranlagen in Italien oder Spanien zu fördern. Oder mehr Geld für Biogas zur Verfügung zu stellen. Oder den Indern und Russen moderne Kraftwerke zu verkaufen. Oder mehr Geld in die Forschung neuer, besserer Solarzellen zu stecken. Denn die USA sind gerade dabei, uns da zu überholen. Und das in nur wenigen Jahren und fast ausschließlich mit privatem Geld (sowas können deutsche Politiker wahrscheinlich gar nicht glauben).

Die Solarzellen, die heute auf's Dach montiert werden, sind Subventionsgräber und werden in 5 Jahren genauso bescheuert wirken wie die Steinkohle heute. Wie ein Dinosaurier aus längst vergangenen Tagen, von denen eine Minderheit profitierte und die Mehrheit zahlen musste

Ein Subventionsfass ohne Boden (Steinkohle wurde ja nicht pro Tonne gefördert, sondern ingesamt, es gab also), dass zu dem noch über Schulden (also der kommenden Generation) finanziert werden muss. Deutsche Politik auf den Punkt gebracht.

Die Solarförderung muss runter. Und zwar schnell und deutlich. Und nicht um 5%. Wenn die Kosten 40 oder 50% unter der aktuellen Subvention liegen, dann muss die Förderung auch 40 oder 50% runter. Man muss doch mit einer Subvention einen Anreiz zur Verbesserung liefern und nicht eine Branche dickfüttern. Ich kriesch 'n Hals ;-)

Chinesen überschwemmen Deutschland mit Solarzellen

Meine älteren Postings zum Thema Solarzellen

1 Kommentar :

  1. > Ich kriesch 'n Hals ;-)

    Ich hab' beim Lesen auch richtisch'n Hals gekriescht und konnte mich erst wieder halbwegs einkriegen, als mir einfiel, dass ich "hier" in diesem Sauladen ja seit einiger Zeit aus Prinzip keine Steuern mehr bezahle ;-)

    Leider gibt's aber noch Millionen armer Schweine (oder nützlicher Idioten?), denen diese Möglichkeit nicht offensteht :-(

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