Es gibt keine Kreditkrise!

Die 200 Milliarden-DollarAktion von den Notenbanken heute war nur ein Joke. Nur so zum Spass. Ja, man hat in diesen Kreisen eine komische Art von Humor ...

Naja, das meint zumindest offensichtlich Ken Fisher ...

Crunch Mythology

Eine seiner Empfehlungen: Citigroup. Mutig.

Naja, ich habe schon genug Böses geschrieben und klemme mir das zu Fisher jetzt erstmal.

Interessanter ist es etwas hinter die Kulissen zu schauen und im Detail zu betrachten, was den Sprung an den Börsen heute ausgelöst hat. In den Überschriften heisst es heute oft, dass die Fed 200 Milliarden zusätzlicher Liquidität zur Verfügung gestellt hat. Es ging dabei aber nicht um ein normales Refinanzierungsgeschäft, sondern um ein neues Geschäft. Interessanter als die Laufzeit sind die Sicherheiten, die akzeptiert werden (Banken können sich nicht einfach irgendwie Geld bei der Notenbank leihen, sondern müssen immer bestimmte Sicherheiten nachweisen). Bei diesen Sicherheiten akzeptiert die US-Notenbank in diesen neuen Geschäften auch AAA-Hypotheken. Das ist jetzt noch nicht so überraschend, denn AAA ist ja eigentlich die bestmögliche Qualität und das kann daher schon als gute Sicherheit dienen.

Bloomberg weist aber darauf hin, dass das genau die Anleihen sind, die bei nur noch 75% des Nennwerts notieren. Und es mindestens eine Anleihe gibt, die noch ein Triple-A-Rating hat, obwohl über 40%(!) der Hypotheken dahinter schon nicht mehr bedient werden. Wenn die Ratingagenturen ihren Job auch nur halbwegs vernünftig machen würden, wäre das Triple-A-Rating schon lange Geschichte (wenn die Ratingagenturen richtig vernünftig gehandelt hätten, wären die Anleihen nie Triple-A geworden ....).

Das Zeuch können die Banken jetzt bei der Notenbank abladen und sich dafür neues Geld besorgen. Wenn die Notenbank mit ihrer Einschätzung richtig liegt, refinanziert sie die Banken damit nachhaltig. Natürlich nur durch moderne Finanzalchemie: Giftmüll zu Bargeld. Liegt aber der Markt richtig und bewertet die Risiken richtig, packt sich die Notenbank Berge von Schrott in die Bilanzen und am Ende bezahlt der Steuerzahler die Rechnung.

Damit haben wir dann scheinbar doch noch einen klassischen Bailout für die Banken hinbekommen.

Den Hausbesitzern hilft das aber genau so wenig wie der Konjunktur. "Nur" die Liquiditätskrise kann so verhindert werden, aber immerhin etwas. Wenn sich allerdings die Ratingagenturen an die Realität anpassen und der AAA-Anleihe von oben abwerten, wird eine weitere Welle von Abschreibungen auf die Banken zurollen. Giftmüll bleibt Giftmüll, da kann die Fed machen was sie will ...

Big Picture: Fed Rally on Garbage Paper!

(Noch ein kleiner Nachtrag: Wie unglaublich weit die offiziellen Ratings und die aktuellen Marktbewertungen auseinanderklaffen sieht man an den Kursen für Hypotheken mit AA-Rating: Diese notieren bei 26% (!!!) des Nennwerts. Das ist eigentlich eher D, also das schlechteste Rating, das es gibt und nicht mit AA klare Investmentqualität).

Kommentare :

  1. Hi, egghat!

    Dass die FED diesen Schritt gehen würde, war ja zu befürchten. Ich habe da mal 'ne Frage, weil mir dazu das notwendige Detailwissen fehlt:

    Wenn die FED jetzt die hypothekenbesicherten Papiere als Sicherheit akzeptiert, hat das unmittelbare Auswirkungen auf die Bewertung dieser Papiere in der Bilanz des Sicherheitengebers (Geschäftsbank)?

    Danke im Voraus. Mach' weiter so in Deinem Blog, wobei ich allerdings den Großteil Deiner Musikempfehlungen (egghat hört) leider überhaupt nicht kenne ;-)

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  2. Das ist eine interessante Frage!

    Kann ich aber auch nicht sagen. Eigentlich sollte von der Logik her jede Anleihe, die ich jetzt bei der Notenbank defakto in eine Staatsanleihe tauschen kann, auch den gleichen Wert haben (also ziemlich genau 100).

    Allerdings wird das (mal angenommen die Überlegung oben stimmt) nur eingeschränkt gelten. Denn die Fed hat ja eine Obergrenze eingezogen, bis zu der das Geschäft gilt. Für alle Papiere darüber (und das sind jede Menge) gilt eigentlich weiterhin die alte Bewertung. Da ich schätze, dass alle Banken genügend Schrott in den Büchern haben, gehe ich davon aus, dass der Schritt auch keine neue Nachfrage erzeugt und damit keine steigenden Preise (man stelle sich vor, eine Bank hätte keinen Schrott in den Bilanzen. Dann könnte die ja jetzt billig zu 60 oder 70% des Nennwerts den Schrott einer anderen Bank kaufen und das dann billig in 100% Staatsanleihe umtauschen).

    Man darf auch nicht vergessen, dass der Deal ausschließlich Triple-A betrifft. Auf alles, was schon runtergestuft wurde oder noch wird, trifft das nicht zu. Und as ist ja das eigentliche Problem: Es klebt im Moment auf allem Triple A was schon lange nicht mehr Triple A ist und möglicherweise auch nie war.

    Und wie AA aktuell bewertet wird und welche Abschreibungen da noch drohen, habe ich ja bereits geschrieben.

    Zur Musik: Wenn du das nicht kennst und es dich interessiert: Drauf klicken und anhören.

    Und danke für das Lob. Freue ich mich immer drüber, wie auch über Bookmarks bei Mister Wong, Yiggs, Links, etc. Alles was neue Leser bringt.

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