Arbeitslosenquote oder glaube keiner Statistik, die ...

... du nicht selbst gefälscht hast ...

Schöner Artikel bei The Big Picture, der zeigt, was ich meine, wenn ich von Statistiken rede, die optimiert/frisiert/gefälscht sind. Die Wortwahl richtet sich nach dem Ausmaß der Manipulation und nach meiner Stimmung.

Die Seite shadowstats versucht die Daten so zu berechnen, wie man die auch früher berechnet hat. Damit hätte man die Vergleichbarkeit, aber leider auch schlimme Zahlen wie 7% Inflation, 10% Arbeitslosigkeit, etc.

Dass das ganze keine böse Verschwörungstheorie ist und hinter solchen Überlegungen durchaus Substanz steckt, zeigt auch Barry Ritholtz.

Er vergleicht die Arbeitslosenquote und die Quote der Leute ohne Arbeit. Der Unterschied sind die, die (aus welchen Gründen auch immer) angeblich keine Arbeit mehr suchen. Diese Mechanismen kennt man auch aus Deutschland: Wer sich nicht regelmäßig meldet, fliegt aus der Statistik.

Wenn man sich jetzt die Männer zwischen 25 und 55 anschaut, sollten sich die beiden Kurven ziemlich parallel entwickeln. Tun sie aber nicht.

1960 lag die Arbeitslosenquote bei etwa 4%, die Quote der Leute ohne Job bei etwa 6%. 2006 war die Arbeitslosenquote wieder bei etwa 4%, die Quote der Leute ohne Job aber bei über 13%. Die zweite Quote hat sich als in etwa verdoppelt. Eine Erklärung dafür habe ich nicht. Vielleicht hat sich die Anzahl der Hausmänner in den USA verdoppelt? Unwahrscheinlich ...

Mein Tipp: Immer auf die Anzahl der Vollzeitbeschäftigten oder in Deutschland der sozialversicherungspflichtigen Arbeitskräfte schauen. Diese Zahl kann man wesentlich schlechter manipulieren. Und sie wird auch weniger manpuliert, weil sie nicht so im Licht der Öffentlichkeit steht und Politiker die Zahl daher in Ruhe lassen ...

The Big Picture: Jobless vs. Unemployed

Update (25.4.08):

Als Nachtrag noch ein PDF, das die Statistiken zu Arbeitslosigkeit und zur Inflation

Harpers: Numbers Racket

Danach ist die Inflation nach der Methode, die bis 1983 verwendet wurde, bei 11,3%(!!!), nach der Methode, die bis 1998 galt bei 7,3%. Offiziell haben wir gerade etwa 4% inkl. allem und nur 2% in der sogenannten Kernrate und exakt die 2% tauchen dann in den Schlagzeilen auf.

Kommentare :

  1. Es sei erwähnt, dass man bei einigen Kursmassnahmen in Deutschland sozialversichert ist. Zum Beispiel Arbeitstraining oder dieser Lehrstellenersatz.

    Auch gibt es Leiharbeiterfirmen, wo man ebenfalls sozialversichert ist, aber nur selten aus der "Aufschulung" herauskommt. In der Praxis dumm-dämmliche Beschäftigungstherapie ohne irgendwelchen echten nutzen. Weil gearbeitet wird nicht und dazu lernt man auch nichts.

    Habe schon von einem Fall gehört, wo die Leute sich einfach nur einmal am Tag einen Stempel geholt haben. Jedoch bin ich mir sicher, dass dies die Arbeitsargentur nicht gut heißt.

    Leider kann ich überhaupt nicht einschätzen, um welche Größenordnung es sich hier handelt. Auch die korrekten Bezeichnungen sind mir leider fremd. Bin doch eher von der Basis und habe einen anderen Zugang zu diesem Thema.

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  2. Dafür ist ja genau die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer gut. Darin landen die Umschüler, die Teilzeiter, die Harz IVler, etc. *nicht*. Wenn die Arbeitslosenquote sinkt, die andere Zahl aber nicht steigt, weiss man, dass was im Busch steckt ...

    Die einzige Änderung in der Arbeitslosenstatistik, die zu *mehr* Arbeitslosen führte (natürlich hat keiner dadurch Arbeit verloren, er wurde nur gezählt), hat Schröder gemacht und das dürfte ein Hauptgrund für seine Abwahl gewesen sein. Den "Fehler" wird kein Politiker mehr machen.

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  3. Ich glaube hier liegt ein Missverständnis vor. Es geht um diese Fälle, in denen man einen Arbeitsvertrag hat und man den Lohn nicht (oder zumindest nicht direkt) vom Staat bekommt. Die Verträge sind dabei in der Regel befristet.

    Die Zahl der Betroffenen ist imho klein oder vernachlässigbar.

    Ich komme selbst aus Österreich, wo diese Form der "Integration in den Arbeitsmarkt" einen größeren Prozentsatz der Arbeitslosen betrifft. Insbesondere meine ich hier die sozialökonomischen Betriebe und die gemeinnützige Arbeitskraftüberlassung.

    Ein Beispiel wäre http://www.vhbi.at/ . Ein deutsches Beispiel wäre mir lieber, aber meine Informationen stammen zum Großteil aus einer Podiumsdiskussion mit meinen Kollegen aus München.

    Dort wurde die Theorie aufgestellt, dass Deutschland die gleiche Arbeitslosenrate wie Österreich hat, aber wir besser im manipulieren der Statistik sind. In der Zukunft wird Deutschland diesen Rückstand aufholen, dafür bekommen wir wohl mit der "Grundsicherung" ein System, dass sich am deutschen HarztIV orientiert. Und das ganze wurde wie üblich in viele blumige Worte verpackt.

    Jedoch möchte ich mich nicht beschweren. So gut wie an diesen Tag habe ich schon lange nicht gegessen. Und das auch noch gratis. Nur der Ausschank von Alkohol hat zu Kontroversen geführt, da an der Basis ein absolutes Drogenverbot üblich ist.

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  4. Relativ gut vergleichbare Zahlen liefert die EU, die immer etwas von den nationalen Zahlen abweichen.

    Noch bessere Zahlen liefert die OECD (http://www.oecd.org/document/36/0,3343,en_2649_37457_40419172_1_1_1_37457,00.html), die aber nichts für Österreich meldet. Hier kann man unter anderem sehen, dass der Abstand zwischen der amerikanischen und der deutschen Arbeitslosenquote gar nicht so groß ist, wie er erscheint, wenn man die nationalen Zahlen der USA und von Deutschland vergleicht.

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