Der große Bailout geht weiter!

Nach den USA ist jetzt Großbritannien an der Reihe. In Großbritannien tauscht die Notenbank Hypotheken (und ein paar andere Sachen wie zum Beispiel Anleihen von Freddie Mac) aus den Büchern der Geschäftsbanken im Wert von 63 Milliarden Euro in sichere Staatsanleihen um.

Damit sind die 63 Milliarden Euro Schrott, die keine Bank und kein Hedgefonds haben wollen, jetzt im Besitz der britischen Steuerzahler. Wie gut, dass ich nicht dahin ausgewandert bin ;-)

Die deutschen Artikel sind ziemlich lame, der Marketwatch Artikel ist schon deutlich besser. Darin findet sich zum Beispiel die Information, dass es erstens ein temporärer Tausch ist (gilt nur 12 Monate lang; die Info findet sich in der FTD allerdings auch; die (echte) FT meldet aber bis zu drei Jahre Laufzeit) und zweitens nicht 1:1 getauscht wird, sondern "nur" 70 bis 90% des Nennwerts als Liquidität zur Verfügung gestellt werden. Die Financial Times berichtet dagegen von 12 bis 22% "Haircut", was 78 bis 88% des Nennwerts entsprechen würde. Außerdem kostet die Leihe (laut FT) auch Geld. Die Zinsen für die Leihe entsprechen dem Unterschied zwischen dem 3-Monats-LIBOR und dem Zins für offizielles 3-Monats-Geld.

Das Ganze ist natürlich ziemlich seltsam. Sind die Dinger 100 wert oder 78? Das was ich hier "Schrott" nenne, sind natürlich *nur* AAA-Hypotheken, also die, die so sicher sind wie der Staat. Damit stellt sich die Frage dann erst recht: Wieso nur 78%?

Und welchen Sinn macht es, die Bedingungen so streng zu machen? Und wieso leihen sich die Banken nicht "einfach so" das Geld von der Notenbank? Das Privileg haben die Banken doch.

Ich frage mich ernsthaft, ob das Programm so ein Erfolg werden kann. Für mich sieht das irgendwie so aus, als wäre hier ein öffentlichkeitswirksames Programm aufgelegt wurde, dass man auch viel einfacher hätte haben können: Durch einen länger laufenden Geldtender, bei dem auch Mortgage Backed Securities als Sicherheit akzeptiert werden.

FT: BoE unveils £50bn debt market plan

Marketwatch: Bank of England's mortgage bailout

Wer wirklich alle Details lesen will:

Detail des Programms(PDF!)

Der IMHO beste deutschsprachige Artikel ist aus der FTD: FTD: Milliardenspritze reicht britischen Banken nicht. Aber auch der enthält Ungenauigkeiten:
Da solche Papiere derzeit praktisch unverkäuflich sind, haben viele Institute den Wert ihrer Bestände in ihren Büchern auf Null gesetzt.
Dass die MBS (mortgage backed securities) im großen Stile auf Null abgeschrieben wurden, wäre mir allerdings neu. Im Moment gehen eigentlich alle Experten davon aus, dass wir erst einen Teil der Abschreibungen hinter uns haben.

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