Feds Märchen: Die Banken und die versteckten Verluste ...

TradersQuest bringt die Nachricht heute auch, aber da ich mir auch schon meine Gedanken gemacht habe, bringe ich das auch nochmal.

Es ist in der breiten Berichterstattung fast untergegangen, aber ein entscheidender Grund für die aktuelle Kurserholung ist möglicherweise eine kleine, aber feine Änderung in den Bilanzierungsrichtlinien, die für die Banken in den USA gelten.

Danach müssen die (nicht nur Level-3-)Securities (die die nicht sinnvoll bewertet werden können, siehe hier: Suche nach "Level 3" bei egghts blog) jetzt nicht mehr unter allen Umständen abgeschrieben werden.

Under SFAS 157, it is appropriate for you to consider actual market prices, or observable inputs, even when the market is less liquid than historical market volumes, unless those prices are the result of a forced liquidation or distress sale.

siehe hier: Sample Letter Sent to Public Companies on MD&A Disclosure Regarding the Application of SFAS 157 (Fair Value Measurements)

Ich verstehe das aber etwas anders als Olaf von TradersQuest und Barry Ritholtz von Big Picture. Ich interpretiere diese Stelle nicht so, dass grundsätzlich nicht mehr abgeschrieben werden muss, wenn der (niedrige) Kurs durch einen Zwangsverkauf entstanden ist, sondern so, dass diese Wertpapiere als Level 3 deklariert werden müssen. Also vieles, was vorher Level 2 oder sogar 1 war, ist inzwischen so illiquide, dass das jetzt eher Level 3 ist.
As a consequence, as of January 1, 2008, you will classify these assets and liabilities as Level 3 measurements under SFAS 157.
Das kann natürlich indirekt zum von Olaf und Barry beschriebenen Ergebnis führen. Man kann diese Level 3 Securities relativ frei bewerten, weil es jede Menge "unobservable Inputs" gibt. Zum Beispiel bietet es sich an, einfach den letzten Kurs zu nehmen, bei dem der Markt noch liquide war, also den letzten von vor der Krise. Oder man berechnet einfach einen inneren Wert einer besicherten Anleihe auf Basis der aktuellen Ausfallquoten. Und da *bisher* noch nichts (oder nur wenig) ausgefallen ist, bleibt der Kurs hoch. Man ignoriert einfach, dass die Kurse die ganzen Ausfälle der Zukunft bereits einpreisen.

Aber egal, ob es zu diesem Ergebnis (man muss nicht abschreiben) auf direkten oder indirekten Weg (oder womöglich auch gar nicht) kommt: Wie bescheuert ist denn schon die Grundannahme? Also die Idee, dass ein Kurs nicht mehr relevant ist, weil er durch einen Zwangsverlauf ausgelöst wurde? Woher zum Teufel soll man das denn wissen? An der Börse ist die Gegenseite des Geschäfts doch anonym! Ich weiss im Normalfall nicht einmal *wer* verkauft hat und noch weniger *warum* er verkauft hat.

Aber wahrscheinlich ist es ja Absicht, dass möglichst viele Papiere zu Level 3 umgelabelt werden und damit den strengen Abschreibungsregeln entkommen. Man deklariert einfach alle zu niedrigen Kurse als "wohl durch Zwangsverkauf verursacht" und Basta!

Mich machen die ganzen Aktionen sehr skeptisch. Es werden durch solche Aktionen massiv Verluste versteckt und in die Zukunft verschoben (die Verluste lösen sich durch Ignorieren ja nicht auf). Dadurch werden die Bilanzen (und Gewinne) heute besser, aber das stellt ein kräftige Belastung für die Zukunft dar. Ich denke ja schon länger über einen Einstieg bei (bestimmten) Banken nach, aber das werde ich mir wohl nochmal (oder besser zweimal) überlegen ... Auch passt das überhaupt nicht zur aktuellen Hausse, die doch angeblich auf einer Stimmung basiert, die man als Mischung aus "jetzt-wird-reiner-Tisch-gemacht" und "wir-haben-das-Schlimmste-hinter-uns" bezeichnen könnte.

Barry Ritholtz weist auf eine andere pikante Note hin: Wenn die Bank weiss, dass ein Kunde den selben Schrott in den Büchern hat wie die Bank selbst, kann die Bank über einen Margin Call mit anschließendem Zwangsverkauf erreichen, dass die eigenen Papiere in Level 3 rutschen: Es gab ja einen Zwangsverkauf, damit ist das Papier Level 3 und dann hat die Bank alle möglichen Bewertungsspielräume der Welt.

Die Überlegung erscheint vielleicht etwas konstruiert, aber an der Wall Street hast du keine Freunde, erst recht nicht, wenn's um Geld geht. Und daher wird die oben aufgeführte Überlegung garantiert vom einen oder anderen umgesetzt werden ...

Trader's Quest: Hat die SEC die Rally ausgelöst?

The Big Picture: SFAS 157: Market Prices Too Low? Just Ignore Them!

Kommentare :

  1. Warum hat eigentlich PIMCO (Tocherunternehmen der Allianz S.A.) die Alt-A-Hypotheken der UBS erworben (lt. UBS sollen 50% verkauft worden sein, die anderen sollen um ....% abgeschrieben worden sein).

    Entstehen so Marktpreise, oder wissen PIMCO/Allianz mehr als die UBS, oder hat PIMCO andere Bewertungsmodelle (Lebensversicherung / Endfälligkeit / Liquidität spielt keine Rolle) ?

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  2. Naja, vielleicht hat Pimco einen anderen Zeithorizont? Vielleicht haben die die Anleihen besser analysiert? Vielleicht haben die aber auch einfach nur den ganz großen Vorteil noch nicht in dem Sumpf zu stecken und daher schlicht Liquidität! Wie sagt man so schön: In jeder Krise stecken Chancen.

    Aber für mich der richtig große Unterschied: Pimco kauft die Anleihen explizit als Risikoanleihe. Und finanziert die auch so (also nicht mit Hebel 10). Die UBS hat die aber als sichere Anleihe kauft und erst spät gemerkt, dass das Schrott ist. Dadurch werden z.B. Nachschusspflichten ausgelöst, man muss für Schrott mehr Eigenkapital nachweisen als für Triple-A-Bunds. Da stimmt für die UBS also Nichts: Die Einordnung, die Sortierung, die Bilanzstruktur, etc. pp.

    Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass der neue UBS-Chef reinen Tisch machen will. Einen neuen Chef interessiert es meistens nicht, ob mit dem schnellen Verkauf 2 Milliarden mehr Verlust anfallen (solange die Firma überlebt), weil jemand anderes Schuld ist. Hält er das Zeuch und die Verluste fallen in 2 Jahren an, ist er jedoch Schuld. Also einfach weg mit dem Mist. Aus rein egoistischen Gründen.

    Im Endeffekt wird es eine Mischung aus allem sein. Ich schätze aber die letzten beiden Abschnitte enthalten die wichtigeren Gründe.

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