Lehman ist ja noch kreativer als ich dachte ...

Auf die 600 Millionen Dollar, die Lehman sich als Gewinn gutgeschrieben hat, weil sich die eigene Bonität verschlechtert(!) hat, habe ich ja schon hingewiesen: Lehman Brothers: Lug? Trug? Schein?.


Aber selbst das war nur ein Teil der Wahrheit. Zu diesen 600 Millionen kommen noch weiter 695 Millionen Gewinn aus den wie das WSJ schreibt, "hard to value" Papieren. Also genau bei den Papieren, bei denen es keine Umsätze gibt und die sowieso schon schwer zu bewerten sind, entdeckt Lehman auf einmal fast 700 Millionen Gewinne. Ich schätze, dass das die sogenannten Level-3 Securitites sind. Eigentlich machen die bei anderen Banken Probleme, nur Lehman scheint clevererweise genau die richtigen gekauft zu haben, bzw. gerade jetzt die richtige Bewertung dafür gefunden zu haben ...


Und dann kommen noch weitere 364 Millionen Dollar Gewinn aus der Neubewertung von Mortgage Servicing Rights. Was das genau ist, weiss ich auch nicht, aber es scheinen Rechte auf zukünftige Refinanzierungen von Hypotheken zu sein. (Bekommen die Banken in den USA eine "Entschädigung", wenn ein Kunde vorzeitig kündigt und neu finanziert? Dann könnte es das sein).


Insgesamt ergibt das 1,6 Milliarden Dollar äußerst fragwürdiger Gewinne.


In die Bilanzen der Banken wird in einem noch nie bekannten Maß heiße Luft gepumpt. Nicht nur, dass das alles hochgradig obskur ist, es sind alles nur einmalige Gewinne. Das hat mit "ordnungsgemäßer Buchführung" IMHO doch nichts mehr zu tun und erinnert nur an eins: Enron. Selbst wenn das diesmal gut gehen sollte: Die heiße Luft wird die Gewinnqualität auf Jahre massiv verschlechtern.


Übrigens ist es nicht nur Lehman. Goldman Sachs hat schonmal Milliarden aus den Level-3 Securities herbeigezaubert und auch Merrill Lanch hat schon 2,1 Milliarden Dollar Gewinn aus der eigenen sinkenden Bonität geradezu gottgleich erschaffen.


WSJ: Lehman Brothers Seen As Cheap Recovery Bet



Update (15:42):

Bei Goldman Sachs waren die Level-3 Gewinne übrigens gut 2 Milliarden im letzten Quartal, was ziemlich genau dem Gewinn dieses Quartals entspricht. Bei Morgan Stanley kamen sogar über 4 Milliarden Voodoo-Gewinne zusammen, was das Doppelte des Quartalsgewinns entspricht ...

Der Bloomberg Artikel arbeitet auch noch mal schön heraus, wie die Profiteure diese Gewinne locker verbuchen und wie die andere Seite, die den Verlust hat, diese Verluste gerne als vorübergehend und nicht gerechtfertig brandmarkt. Aber wahr ist nur eine der beiden Versionen ...

Bloomberg: Goldman, Morgan Stanley Hit `Level 3' Jackpot: Jonathan Weil

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