Smart Investor Weekly: mal komplett neben der Spur :-(

Aus dem Smart Investor Weekly von gestern:
Relativ statt Absolut

An der Börse spielt der Faktor Psychologie immer mit hinein. Das zeigt sich in diesen Tagen überdeutlich. So entpuppte sich der Start der Berichtssaison in den USA als echter Katalysator für den Markt. Was war geschehen? Eigentlich dürfte die Reaktion der Börse niemanden verwundern. Schließlich hatten die Analysten der großen Bankhäuser ihre Ergebnisschätzungen seit Jahresbeginn drastisch reduziert, so dass die Latte, über die die Unternehmen letztlich drüberspringen mussten, sehr tief hing. Die Börse als ein ewiger Hürdenlauf. Irgendwie trifft dieses Bild die Situation sehr genau. Wer nichts erwartet, kann ergo auch nicht enttäuscht werden. Von Ausnahmen wie General Electric und Alcoa einmal abgesehen, hat das Gros der Unternehmen bislang positiv überraschen können. Dabei ist für den Markt zumindest kurzfristig weniger die absolute als die relative Höhe der ausgewiesenen Gewinne entscheidend – relativ in Bezug auf die Schätzungen der Analysten. Dabei kann schon ein Cent den Unterschied ausmachen, ob eine Aktie nach Vorlage des Quartalsberichts steigt oder fällt. Man mag dieses Schielen auf das einzelne Quartal, auf den jeden Cent für falsch halten, aktuell hilft es jedenfalls dem Markt, seine verloren gegangene Stabilität zurückzugewinnen
(aus Smart Investor: Über Hürdenlaufe - und Divergenzen)

So richtig wie die Beschreibung theoretisch ist, so falsch und unpassend ist die aktuell. Wie Saviano gestern schrieb lagen die Ergebnisschätzungen bei minus 9,9%, die real gemeldeten Ergebnisse aber bei -37%. Da kann man wohl kaum von Übertreffen der Erwartungen sprechen. Zumindest wenn man mit der Konsensschätzung vergleicht. (siehe hier: US-Berichtsaison: Die Ergebnisse bisher, Stand 21.04.2008).

Ich empfehle da eher meinen Erklärungsversuch: Citigroup unter Erwartungen - Aktie explodiert ?!?. Die Konsensschätzung ist dann irrelevant, wenn ein großer Teil der Leute, die den Konsens ergeben, nicht investiert sind. Es hat zwar jeder Analyst eine Ergebnisschätzung abgegeben, aber die meisten standen (aus Angst) an der Seitenlinie und nur die Megabären haben geshortet. Dann kamen die Ergebnisse zwar unter dem Konsens, aber über dem Konsens der aktiven Anleger. Die mussten dann glatt stellen und der Kurs explodierte.

Der Smartinvestor ist eigentlich ziemlich analytisch und normalerweise behauptet der auch nicht einfach Sachen wie "die Erwartungen wurden drastisch reduziert", "die Latte hing niedrig", etc. ohne das auch zu belegen. Und beide Zahlen waren nicht so wie vom SmartInvestor behauptet: Die Ergebnisschätzungen wurden nicht drastisch reduziert (sondern nur um 10%) und die Ergebnisse kamen auch nicht besser, sondern mit minus 30% deutlich schlechter.

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