Warum wird das Öl immer teurer?

Ich habe ja schon einige Male darüber geschrieben, aber aus aktuellem Anlass (Öl über 115 Dollar), möchte ich meine Gedanken hier nochmal zusammenfassen.

Ich bin kein großer Freund der Peak-Oil-Theorie, die besagt, dass aktuell (bzw. vor 5 Jahren oder in 5 Jahren) der Höhepunkt der Ölförderung erreicht wurde/ist/wird. Weil das keine wahnsinnig relevante Zahl ist, da sie sich ausschließlich auf eine Seite des Angebots/Nachfrage-Mechanismus beschränkt und daher eigentlich keine Aussage über den Preis erlaubt (der sich ja über Angebot *und* Nachfrage bildet).

Deshalb ist es auch nicht paradox, wenn die Weltölproduktion im Januar 2008 ein Allzeithoch erreicht hat und trotzdem die Preise steigen. Denn man sieht eines deutlich: Die Förderung steigt nur noch langsam und liegt nur unwesentlich über dem Stand von 2005. Die Nachfrage hingegen steigt unaufhaltsam weiter, die Weltwirtschaft ist schließlich in den beiden Jahren jeweils über 4% gewachsen.

Nennt es von mir aus den egghat'schen Peak-Oil: Der Punkt, an dem die Nachfrage stärker stieg, als die Ölförderung gesteigert wurde. Denn das führt dann zu steigenden Preisen. Dieser Punkt ist relevant. Und den haben wir bereits hinter uns.

Jetzt kann man unabhängig davon natürlich trotzdem noch die spannende Peak-Oil-Diskussion führen und sich fragen, warum die Förderung nicht mehr bzw. nur noch sehr langsam steigt. Auffällig ist zum Beispiel, dass in Saudi Arabien, dem mit Abstand größten Förderland, die Förderung sinkt. Saudi-Arabien ist ein Topkandidat für das Überschreiten des Förderhöhepunkts, da das große Ölfeld dort schon lange ausgebeutet wird und auch die neugebauten Fördertürme darauf hindeuten, dass ein großer Teil des Feldes bereits leer ist (alle neuen Türme befinden sich an einer Seite des Feldes). Mexiko zum Beispiel hat den Förderhöhepunkt bereits hinter sich (deswegen würde ich auch keine Mexiko-Anleihen kaufen, weil Mexiko echte Probleme bekommt, wenn die Öl-Pesos fehlen). Norwegen und Großbritannien sind ebenfalls über dem Top und auch am Golf von Persien finden die ganzen Investitionen in Dubai nur deswegen statt, weil dort in 10 oder 20 Jahren das Öl nicht mehr sprudelt.

Ich glaube durchaus, dass wir vor Peak-Oil stehen könnten. Aber es ist nicht wirklich relevant. Denn wo wieviel Öl gefördert wird, hängt eben auch vom Preis ab. Bei einem Ölpreis von 20 Dollar würde niemand Ölsand in Kanada fördern; bei 100 Dollar schon. Bei 20 Dollar würde niemand das neu entdeckte Ölfeld in der Tief(!)see vor Brasilien ausbeuten, bei 100 Dollar schon. Kurz: Je höher der Preis für Öl steigt, desto später wird Peak-Oil statt finden. Sicher ist aber, Peak Oil zu einem angenommenen Preis von 20 Dollar haben wir schon lange hinter uns, Peak Oil zu 50 Dollar wahrscheinlich ebenfalls.

Aber wie gesagt, die Diskussion über den Tag der höchsten Ölförderung ist nicht so entscheidend, wichtiger ist, dass der Tag, an dem die Ölförderung die steigende Nachfrage befriedigen konnte, hinter uns liegt.

Und meine ganz langfristige Prognose: Der Ölpreis wird erst dann wieder unter Druck kommen, wenn wir eine andere, regenerative Energiequelle haben, die billiger ist. Man muss immer im Hinterkopf behalten, dass selbst konservative Schätzungen bei der Fotovoltaik davon ausgehen, dass diese bereits 2015 Kosten von 15 Cent je KWh erreichen wird (in sonnenreichen Gebieten wie dem Mittelmeerraum oder Kalifornien). Weitere 5 Jahre später soll ein einstelliger Centbetrag erreicht sein. Spätestens dann werden per Solarenergie betankte Elektro-Autos wirtschaftlich interessant, wodurch die Ölpreise gedämpft werden. Solange aber Öl der führende und quasi konkurrenzlose Energieträger bleibt, sehe ich keine Entspannung an dieser Front.

Econbrowser: Why new oil price highs?

Econbrowser hat übrigens häufiger sehr gute Artikel zum Thema Öl. Die Info mit den Bohrtürmen in Saudi Arabien ist auch daher.

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