Was ist eigentlich der LIBOR?

LIBOR ist die London Interbank Offered Rate. Das ist der Zinssatz, zu dem sich Banken gegenseitig Geld leihen. Abhängig von der Laufzeit gibt es unterschiedliche LIBORs für Geschäfte über Nacht oder auch für 3 Monate.

Interessantes Detail (und der Grund für dieses Posting): Die Berechnung des LIBORs basiert auf Selbstauskünften der Bank. Jede Bank sagt, zu welchem Zinssatz sie sich Geld bei anderen Geschäftsbanken geliehen hat. Dann streicht man jeweils das Viertel der Banken mit den niedrigsten und höchsten Zinsen weg und nimmt den Durchschnitt des Rests. Soweit die Theorie.

In der Praxis hingegen besteht die Gefahr, dass die Banken nicht die ganze Wahrheit sagen. Um selber besser darzustehen, gibt man den eigenen Zinssatz einfach niedriger an, u.a. weil das auf eine gute Bonität hindeutet. Gerade aktuell könnte die ein oder andere Bank richtig viele Gründe haben, hier nicht die ganze Wahrheit zu sagen.

Das Problem an der Geschichte ist die unglaubliche Wichtigkeit des LIBORs. Denn es gibt richtig viele Kredite, die mit LIBOR plus X Prozent verzinst werden. Es wird also nicht auf einen unmanipulierbaren Zinssatz gesetzt (z.B. einen Leitzins oder einen aus wirklichen Kursen abgeleiteten Zins), sondern auf einen, der auf der Selbstauskunft von Banken beruht. Hmmm.

FT Alphaville: A loss of faith in Libor?


Ich sage nicht, dass am LIBOR manipuliert wird. Immerhin hätte die Gegenseite ja die Möglichkeit zu intervenieren (den Zins kennen beide schließlich beide Seiten) und den Lieferanten der falschen Zahlen öffentlich bloß zu stellen. Eine gewisse Kontrolle ist also im System vorhanden. Wenn aber *alle* falsche Zahlen liefern, könnte das schon verfälschen. Und Grund genug zu manipulieren hätten die Banken im Moment auf jeden Fall.

Update (18:36):

Marketwatch hat die Verwerfungen auch bemerkt, die Geschichte scheint also seine Kreise zu ziehen ...

Marketwatch:Libor rate jumps anew as bank group readies review

Der Marketwatch Artikel nennt auch eine Schätzung des Ausmaßes: Es sind Kredit im Volumen von geschätzten 150 Billionen Dollar (=20.000 Dollar pro Kopf der Weltbevölkerung) an den LIBOR gekoppelt. Da machen 0,1% schon was aus ...

Kommentare :

  1. Dreimonats-Dollar-Libor auf höchstem Stand seit Anfang März

    ¶ LONDON (Dow Jones)--Gerüchte über eine mögliche Manipulation des Dollar-Libor (London Interbank Offered Rate) haben den Dreimonats-Dollar-Libor am Freitag auf den höchsten Stand seit 10. März getrieben. Die Sätze für Dreimonatsgeld in Dollar sind damit so hoch wie zuletzt im Vorfeld des Beinahe-Zusammenbruchs der Investmentbank Bear Stearns. Der Dreimonatslibor bildet die Basis einer großen Menge von Finanzprodukten.

    ¶ Berechnet wird der Libor täglich um 11.00 Uhr Londoner Zeit auf Basis der Angaben von 16 Londoner Banken, die angeben, welchen Satz sie am Interbankenmarkt für den Kauf von Dollar zahlen müssten. Die British Bankers Association (BBA) hatte am Donnerstag Ermittlungen eingeleitet, um dem Verdacht nachzugehen, dass die beteiligten Institute ihre Libor-Angaben zu niedrig ausweisen, um keine Zweifel an ihrer Kreditwürdigkeit aufkommen zu lassen.

    ¶ Ein BBA-Sprecher sagte, bisher lägen keine Hinweise auf eine Manipulation des Libor-Satzes vor. Sollte Instituten eine systematische Manipulation ihrer Angaben nachgewiesen werden können, drohe ihnen der Ausschluss aus der Libor-Gruppe. Per Freitag lag der Dreimonatslibor für Dollar 17,4 Basispunkte über dem Stand vom Mittwoch, als die Manipulationsgerüchte aufgekommen waren.

    ¶ Hintergrund der Manipulations-Spekulationen ist die seit Beginn der Finanzkrise gewachsene Differenz zwischen Dollar-Libor-Sätzen und Eurodollar-Einlagensätzen, über die das "Wall Street Journal" am Donnerstag berichtet hat. An dessen Darstellung zweifeln unterdessen aber nicht nur die BBA-Experten, sondern auch Bankanalysten.

    ¶ So verweist Owen Job von Lehman Brothers zunächst darauf, dass Dollar-Libor- und Eurodollar-Sätze nicht ohne Weiteres vergleichbar seien. So gehörten der Libor-Gruppe nur Institute mit einem Rating von mindestens "AA" an, während zum Eurodollar-Markt alle Institute Zugang hätten. Damit müssten die Eurodollar-Sätz prinzipiell höher liegen, was vor Beginn der Finanzkrise allerdings nahezu gar nicht der Fall gewesen sei.

    ¶ Wenn sich jetzt eine Lücke zwischen beiden Zinssätzen auftue, dann sei das tatsächlich eine Folge der Finanzkrise, denn zum einen sei die Risikoaversion allgemein gewachsen und zum anderem frequentierten Banken mit schlechterer Bonität den Eurodollar-Markt wahrscheinlich noch stärker als früher, weil sie dringender Liquidität benötigten, argumentiert der Lehman-Analyst.

    ¶ Gegen eine absichtliche Manipulation durch die Banken spricht aus seine Sicht zudem, dass die Differenz zwischen den in London (Libor) und in Singapur (Sibor) berechneten Dollar-Ausleihsätzen in den vergangenen Monaten konstant geblieben ist. An einer Manipulation beider Sätze hätten mindestens 50 Institute beteiligt sein müssen, was wenig wahrscheinlich sei, sagte Job.
    · DJG/DJN/hab
    · -0-

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  2. Wie jetzt? Es soll Banken geben, die nicht die Wahrheit sagen? Unfassbar! ;-)

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  3. Ganz stark sind die Zinsen der Immobilienkredite in Spanien an den LIBOR gebunden.

    p.s. Ich lebe noch =) Habe nur in letzter Zeit nicht mehr soviel Zeit.

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