Wie die Verluste versteckt werden ...

Insbesondere Banken haben teilweise abstruse, aber durchaus gängige Möglichkeiten ihre Verluste zu verbuchen bzw. zu verstecken.

Neben der Klassifikation in die drei unterschiedlichen Level (Level 1 bis Level 3; siehe hier: CDO-Giftmüll darf nicht länger verbuddelt werden ...) ist auch entscheidend, ob man die Wertpapiere ins Anlage- oder ins Umlaufvermögen packt. Im Anlagevermögen stecken normalerweise langfristige Vermögensgegenstände, also Produktionsanlagen (daher der Begriff), Gebäude, etc. Im Umlaufvermögen stecken zum Beispiel Lagerbestände, egal ob die in Kürze für die Produktion verbraucht werden (Eingangslager) oder in Kürze verkauft werden sollen (Ausgangslager).

Bei Produktionsunternehmen ist die Abgrenzung noch relativ einfach, bei Banken naturgemäß schwieriger. Man kennt das vom eigenen Trading, manchmal entwickelt sich eine Position so schnell so gut, dass man die schnell wieder verkauft. Manchmal entwickelt sich ein Papier so schlecht, dass man länger dran festhält als man es ursprünglich geplant hat.

Beim eigenen Aktienhandel ist das noch ziemlich egal, weil es da ja niemanden juckt (bis auf die 12-monatige Spekulationsfrist, die es aber bald auch nicht mehr gibt), bei Banken kommt aber noch ein anderer Unterschied hinzu: Das Anlagevermögen wird anders bewertet als das Umlaufvermögen. Im Umlaufvermögen wird grundsätzlich immer mit dem aktuellsten Kurs bewertet, im Anlagevermögen immer mit dem Anschaffungskurs. Wenn eine Bank einen Packen Giftmüll aus der Buchstabensuppe in der Büchern hat und der letzte Kurs massiv unter dem Nennwert liegt, ergibt sich so einen Riesenverlust, wenn das im Umlaufvermögen verbucht ist, aber exakt Null Verlust, wenn das im Anlagevermögen liegt.

Die Abgrenzung ist folgende: Will man das Papier bis zum Ende der Laufzeit halten, muss man es ins Anlagevermögen buchen, wenn nicht, kommt das ins Umlaufvermögen. Man kann nachträglich ändern, wohin man bucht. Das ist natürlich ziemlich schwammig und lädt zum Missbrauch geradezu ein.

Und naja, wer hätte damit gerechnet: Es wird missbraucht ... Völlig legal übrigens (nur um das zu betonen), die Bilanzierungsrichtlinien geben das her.

Merrill Lynch zum Beispiel hat 3,1 Milliarden Abschreibungen vorgenommen, aber auf Papiere im Anlagevermögen. Damit sind sie nicht ergebniswirksam, führen also nicht zu 3,1 Milliarden Dollar Verlust. Damit Hat Merrill Lynch fast die Hälfte der Abschreibungen von 6,6 Milliarden ergebnisneutral vorgenommen.

Bei der Citigroup ist das Verhältnis zwar besser, aber auch nur weil die Gesamtabschreibungen viel höher waren. Die Citigroup hat gut 15 Milliarden Dollar abgeschrieben, von denen "nur" 2,3 Milliarden ergebnisneutral verbucht wurden.

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WSJ: A Way Charges Stay Off Bottom Line

Kommentare :

  1. Es passt zwar nicht ganz 100%ig zum beschriebenen Thema, aber wer will, kann ja mal in den Geschäftsbericht 2007 der Düsseldorfer Hyp reinschauen. Dort wird ganz offen über die "Umwidmung" von 3,8 Mrd. vom Umlauf- ins Anlagevermögen und dadurch ersparter Wertberichtigung von 80 Mio. berichtet.

    100%ig passt jedoch der alte Spruch, dass schlecht-aussehende Bilanzen vermutlich noch schlechter sind als sie aussehen, ob nun nach HGB erstellt oder mittels Fair-Value-Ansätzen!

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  2. Ja, das ist bei Merrill auch nicht geheim, nur gut versteckt. Wer liest schon jeden Quartalsbericht bis in die Fußnoten durch. Schlagzeilen machen nur die Überschriften. Gewinn und Abschreibungen. Und wenn man davon ausgeht, dass der "eigentliche Gewinn" = Gewinn +Abschreibungen sei, irrt man halt. Weil eben nicht die ganzen Abschreibungen ergebniswirksam waren.

    Ob diese im Anlagevermögen versteckten Abschreibungen sich irgendwann wieder von alleine auflösen, bezweifle ich allerdings ...

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