Das ist doch immer die gleiche Sürge ...

(ich glaube mit dem Suchbegriff Sürge komme ich auf Platz eins bei Google; gibt bestimmt einen Treffer pro Monat ;-))

The Big Picture hat mal wieder eine Anekdote aus der üblichen Statistikoptimierung in den USA. Wie bei den Arbeitslosenzahlen auch werden zunehmend in anderen Statistiken erst einmal (relativ) positive Zahlen veröffentlicht. Dann wird diese Zahl im folgenden Monat nach unten korrigiert und von dieser (niedrigeren) Basis aus der Unterschied zur aktuellen Zahl berechnet.

Bei den Verkäufen von Eigenheimen, die in dieser Woche kamen, gab es ein (überraschendes, wenn auch nur leichtes) Plus von 3,3%. Ich habe diese Zahl nicht gebracht, weil die Zahl statistisch NICHT signifikant ist, da die Schwankungsbreite plus/minus 14,5% beträgt. Der Jahresvergleich hat ein engeres Signifikanzintervall (so etwa plus/minus 7%) und diese Zahl sagt daher viel mehr aus. Im Jahresvergleich ist die Zahl übrigens über 40% im Minus.

Die Verkaufszahlen haben übrigens noch ein Problem: In den USA kauft man offenbar erst ein Haus und kümmert sich dann um die Finanzierung. Platzt die Finanzierung, kann man den Kaufvertrag einfach wieder stornieren. Und das passiert nach Anziehen der Kreditvergaberegeln jetzt häufig (man redet hierbei von Stornoquoten von 30%). Nur gehen diese Stornos nicht in die Statistik ein. Man sieht, dass diese Zahl ziemlicher Müll ist.

Aber mal unabhängig davon wie aussagekräftig diese Zahl überhaupt ist, gibt es auch hier die "Optimierungen" durch Abwärtskorrektur des Vormonats. Im März wurden erst 526.000 Transaktionen gemeldet. Im April wurden ebenfalls 526.000 verkaufte Eigenheime gezählt. Das ergibt dann ein Plus von 3,3%. Magisch gell? Man hat einfach die Vormonatszahl auf 509.000 nach unten korrigiert und von diesem Niveau aus ein Plus berechnet.

Das ist statistisch/wissenschaftlich gesehen natürlich wenig seriös. Man vergleicht korrigierte Zahlen mit unkorrigierten und damit zwei unterschiedliche Zahlen.

Das geht aber noch schlimmer: Wenn es saisonal bereinigte Zahlen gibt, hat man direkt ein weiteres Zahlenpaar zur Verfügung. Da kann man dann so lustige Sachen machen, wie den März positiv darstellen, selbst wenn im März die Umsätze *immer* steigen (weil z.B. die Leute wieder aus den Häusern kommen). Man nimmt dann einfach eine saisonal nicht bereinigte Zahl und stellt den März als tollen Monat da, selbst wenn der Zuwachs geringer war als im Schnitt der Vorjahre und die saisonal bereinigte Zahl daher im Minus lag.

Und wer das für üble Verschwörungstheorien hält: Alles schon passiert (z.B. im Weihnachtsgeschäft). Es gibt genügend Spingdoktoren, die den Journalisten die positivste Zahl in den Mund legen und leider auch genügend Journalisten, die die Zahl dann auch bringen ...

The Big Picture: April New Home Sales - Revisited

Update (13.01.10)

Ich bin übrigens nur auf Platz 3 bei Google ...

Kommentare :

  1. Du bist bei Sürge nur auf Platz zwei! ;) Aber immerhin!

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  2. Und es gab im Mai tatsächlich EINEN Referrer von Google dafür. Immerhin damit hatte ich Recht ;-)

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  3. Ach so, verlink den Artikel doch mal. Dann komme ich vielleicht sogar auf Platz 1 ;-)

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