Graham & Dodd zur Immobilienkrise

Die Diagnose zum Immobilienmarkt:
"Eine solche Marktkonstellation darf aber nicht als Möglichkeit interpretiert werden, ein Gebäude errichten zu können, welches bereits nach seiner Fertigstellung um 50 Prozent über die ursprünglichen Errichtungskosten im Wert gestiegen sei. Es hätte klar sein müssen, dass eine solche Projektrendite nur von vorübergehender Natur sein kann."
(=man finanziert alles, weil die Preise ja immer steigen)
Die Überbauung wurde auch noch durch den Umstand gefördert und provoziert, dass diese Geschäfte seitens der Eigner nahezu ohne Risiko durchgeführt werden konnten, da fast das gesamte Investitionsvolumen am Kapitalmarkt fremdfinanziert werden konnte.
(=risikoloses Spekulieren auf Kosten anderer)
Ein übliches Ergebnis solchen Vorgehens war, dass einer Immobilie, deren Baukosten 1 Million Dollar betrugen, ein ,Substanzwert' von 1,5 Millionen Dollar zugeordnet wurde. Damit konnte also bereits aus dem Emissionsvolumen der Anleihe das Projekt vollständig finanziert werden, so dass die Bauunternehmer oder Betreiber die Position der Eigenkapitalgeber als Eigentümer mit Anspruch auf den Residualgewinn des Unternehmens erlangen konnten, ohne nennenswertes Eigenkapital zu investieren.
(=risikoloses Spekulieren auf Kosten anderer)

Die Lösung:
Bei Fremdfinanzierungen von Immobilienwerten stellen Graham und Dodd grundsätzlich auf die Unerlässlichkeit einer individuellen Bewertung der einzelnen Objekte ab.
Tja, man muss wohl prüfen, was man finanziert, auch wenn das dummerweise Arbeit macht. Und man muss auch prüfen, wenn man das finanzierte Zeuchs in verbriefter Form kauft. Selbst dann, wenn schon jemand AAA draufgeschrieben hat.

Der Clou an der Geschichte (Leser, die Graham & Dodd als Gottväter der fundamentalen Analyse und Lehrmeister von Warren Buffet kennen, mögen es schon ahnen): Die Analyse bezieht sich nicht auf die aktuelle Krise, sondern auf die letzte richtige Immobilienkrise, die als Weltwirtschaftskrise auch Nicht-Ökonomen bekannt sein dürfte. Und was 1929 richtig war, gilt auch heute noch.

Und es soll bloß keiner sagen, man hätte das dieses Mal nicht voraussehen können ...

Toller Artikel in der FAZ:
FAZ.NET: Mit der Finanzkrise wiederholt sich die Geschichte

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