In den USA sinken die Spritpreise ...

... sagt zumindest die offizielle Statistik. Und zwar um mehr als 10% annualisiert.

Das ist natürlich kompletter Unfug, denn auch in den USA steigen die Preise. Da wird nur clever begründet an den Zahlen gedreht und am Ende bekommt man das Ergebnis, das man gerne hätte. Meine Skepsis gegenüber den offiziellen Inflationsstatistiken ist wohl begründet. Die Arbeitslosenstatistiken sind übrigens genauso "optimiert".

Der FTD-Artikel erwähnt auch die kalkulatorischen Mieten. Das ist der Versuch, die Immobilienpreise auf eine "als-ob-Miete" umzurechnen. Als die Immobilienpreise 150% gestiegen sind, stiegen diese kalkulatorischen Mieten nur um 46%.

Die Begründung dafür war ziemlich von hinten durch's Knie geschossen: Wenn die Immobilienpreise so stark steigen, sinken die Kosten für das Eigentum. Man kann quasi einen Teil der Hypothekenzinsen mit der Wertsteigerung verrechnen. Man hat sich also ein Haus gekauft, weil die Preise steigen und nicht um die Miete zu sparen. Also ist die Miete nicht der allein entscheidende Teil. (Das ist auch gar nicht sooo doof und wahnsinnig, wie das auf den ersten Blick aussieht: Wenn ich ein Haus für 300.000 kaufe, dann in drei Jahren 50.000 Zinsen gezahlt habe und am Ende das Haus für 350.000 verkaufe, habe ich defakto ja für Null Dollar in dem Haus gewohnt. Die Frage ist nur, ob diese Art der Betrachtung (die ja eine Vermögensbetrachtung ist) in der Inflationsmessung zu suchen hat. Schließlich sorgen steigende Immobilienpreise doch dafür, dass jeder, der sich eine neue Immobilie kaufen will, *mehr* bezahlen muss als vorher. Und das nennt man landläufig wohl Inflation).

Nun. Jetzt sinken die Preise. Also müssten doch jetzt diese Kosten durch die Decke gehen. Man kann ja jetzt die Entlastung durch die steigenden Preise nicht mehr mit den Hypothekenzinsen verrechnen. Daher müsste man die gesamte Belastung des Hauses auf die kalkulatorische Miete umlegen; wenn man konsequent wäre sogar noch mehr, weil sich aus dem Preisrückgang ja eine zusätzliche Belastung (sprich Preissteigerung) ergibt. Und da die Hypothekenzinsen trotz der Leitzinssenkungen nicht gefallen sind, sollte hieraus ein Preisanstieg entstehen. Passiert aber nicht. Zu den kalkulatorischen Mieten siehe auch einen älteren Artikel von mir: Ein Imperium im Fall - Teil 2.

Die FTD schließt mit den Worten:
Die USA können, kurzum, so viel Geld drucken, Schulden machen und abwerten, wie sie wollen: Die Preisstabilität ist gewährleistet. Gratulation.
FTD: Gratulation zur Preisstabilität

Kommentare :

  1. Die Fox News Zuschauer werden sich über die Neuigkeit freuen! =)

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  2. Für *irgend*jemanden muss die Nachricht je gemacht werden ;-)

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  3. Hab was interessantes zum Thema im Rohstoff-Daily Newsletter gefunden. Ich zitiere:

    "Eigentlich machen es rapide steigenden Lebensmittel- und Energiepreise jedem deutlich: die Teuerungsrate steigt. Man kann dieses Empfinden zwar auch als gefühlte Inflation abtun, aber sinnvoller ist es sich mit den Berechnungsgrundlagen zu beschäftigen. Sie mögen sich erinnern, ich habe schon öfter davon berichtet, dass in den USA seit der Clinton-Administration dem Consumer Price Index eine andere Berechnungsmethode zugrunde gelegt wird. Nach der alten Berechungsmethode allerdings erhält man einen Wert der fast doppelt so hoch liegt wie die offiziellen Angaben. Laut John Williams, der seine Ergebnisse laufend im Internet veröffentlicht, liegt der Wert gegenwärtig bei über 7 %."

    http://www.shadowstats.com/imgs/sgs_cpi_home.gif?m=Apr08

    Blau ist der von John Williams nach der alten Methode errechnete CPI. Orange der offiziell ausgegebene nach der neuen Berechnungsmethode.

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