MBIA verliert mehr als die noch wert sind

Es kam zwar schon über alle Ticker, aber da ich die Desasterzahlen der Kreditversicherer schon länger verfolge, bringe ich die aktuellen Zahlen von MBIA auch nochmal.

Der Verlust im ersten Quartal lag bei 2,4 Milliarden Dollar. Das war noch schlimmer als die eh schon negativen Erwartungen. Die absolute Höhe des Verlusts wirkt im Vergleich zu manchen Banken harmlos, spätestens wenn man das auf die Aktienanzahl umrechnet, wird klar, wie schlecht die Zahlen sind: Je Aktie ist ein Verlust von mehr als 13 Dollar angefallen. Der Aktienkurs liegt unter 10 Dollar. Damit hat MBIA einen Verlust eingefahren, der höher ist als der Wert der Firma. Das ist kein gutes Zeichen ...

Der Konkurrent Ambac hat dieses Kunststück aber auch schon fertig gebracht; der Verlust dort war sogar viermal so hoch wie die Marktkapitalisierung: -11,69 statt -1,51: Ambac bleibt wahrscheinlich trotzdem AAA.

Bin mal gespannt, ob die Ratingagenturen auch MBIA weiterhin auf AAA belassen.

FTD: MBIA-Verlust fällt im ersten Quartal deutlich höher als erwartet aus

Die ganze Entwicklung dieser Firmen, die ich mal als angekündigste Pleiten des Jahres bezeichnet habe: Suche nach MBIA

Update (17:10):

Noch ein ausführlicherer Artikel in der FTD. Die Konsensschätzung lag übrigens bei minus 11 Cent(!), der gemeldete Verlust war also mehr als Hundertmal so hoch ... Egal, die Aktie legt über 10 % zu ...

FTD: MBIA stürzt tiefer in Verlustzone

Kommentare :

  1. marktschreier12 Mai, 2008 18:54

    Mal Schmunzeln?

    Aus dem Investor Relations Bereich von MBIA:


    [quote]Book Value: Financial institutions are typically valued by reference to their book values, as investors' confidence in the accounting for earnings ebbs and flows. However, in estimating MBIA's economic value, management believes that investors should adjust MBIA's GAAP book value to eliminate the impact of uneconomic factors like the unimpaired portion of the mark-to-market. MBIA's book value excluding the mark-to-market loss, but including all credit impairments, is approximately $24 per share. Adjustments, primarily representing deferred and contracted future premiums, net of a loss provision, add $18 to book value per share. With these adjustments, Analytical Adjusted Book Value(a non-GAAP measure) would be approximately $42 per share, and provides an economic basis for investors to reach their own conclusions about the fair value of the Company.[/quote]

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  2. Das wSJ nennt diese Art der Berechnung "SEEMM, or "shareholders equity excluding mortgage mess" ;-)

    Das WSj fühlt sich an die EBITDA's von 1999 erinnert, die irgendwann zu EBEs (earning before everything) oder EBB (earnings before bad stuff) oder EBCs (earnings before costs) wurden ...

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  3. http://immobilienblasen.blogspot.com/2008/05/mbias-fairytale-continues.html

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  4. Ich glaube, dass fast niemand die Zahlen von MBIA versteht, weil es eine finanzmathematisch äusserst komplexe Branche ist. Damit kein falscher Eindruck aufkommt: ich auch nicht.

    Ich stimme völlig zu, dass die "AAA"-Situation einigermassen lächerlich ist, aber dass MBIA oder Ambac Pleite gehen, glaube ich eher nicht.

    Viel zu viele Leute haben sich nach Herdentrieb-Art auf das anscheinend "offensichtliche" gestürzt. Ich würde wetten, dass Leute wie Bill Ackman ihre Shorts längst glattgestellt haben.

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  5. @Falk:

    Ob der sich schon glattgestellt hat, keine Ahnung. Aber ich sehe die Firmen, die mit 1 bis 2% Ausfallrate kalkuliert haben, kritisch, weil die neuen Risiken (die nicht soooo gering sind (bei FGIC bis zu 25% des Gesamtgeschäfts)) einfach viel häufiger ausfallen und auch weiterhin ausfallen werden.

    Auch durch die neue Konkurrenz sehe ich neue Probleme auf die Margen der "etablierten" Kreditversicherer zukommen.

    Auch glaube ich, dass der Preisverfall noch lange nicht komplett in den Büchern angekommen ist. Es werden Häuser einfach weiter von den insolventen "Ex/noch-Besitzern" bewohnt, weil die Bank nicht vollstrecken will, da sie sonst den Verlust aktivieren muss. Es wird lustig von Level 2 in Level 3 umgebucht und dann eben nicht mehr mit Mark-To-Market bewertet. Und und und. Da laufen gigantische Versteckaktionen, die zum überwiegenden Teil mit voller Unterstützung der Fed und der Regierung laufen.

    Wenn die Verluste jetzt alle öffentlich würden, wären die alle Pleite. Also wird immer nur soviel offenbart, wie man verkraften kann. Also so viel, dass man noch eine Kapitalerhöhung platziert bekommt ...

    Aber du hast natürlich Recht: Verstehen und berechnen kann das niemand. Ich würde allerdings behaupten, MBIA auch nicht ...

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  6. @egghat

    Du hast zweifellos Recht: nichts genaues weiss man nicht...

    Als notorischer Contrarian habe ich einfach nur gedacht, dass sehr viel von dem Negativen halt auch schon im Preis drin ist und deshalb ein paar Puts geschrieben.

    Nicht unwesentlich bin ich dabei auch von der EInschätzung ausgegangen, dass die Fed sich fundamental entschieden hat, nichts wesentliches in der US-Kreditwirtschaft anbrennen zu lassen (IMHO eine kluge Policy). Das begründet dann bei den komplexen Finanzmathematiken hinter MBIA's Versicherungsportfolio eine Art von implizitem Kreditausfall-Floor. Und auf den habe ich gesetzt.

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  7. Mutig!

    Ich halte es da lieber mit Buffet: Kaufe nichts, was du nicht verstehst ...

    Bisher haben sich die Finanzmathematiker in diesen Firmen auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert, immerhin hat Ambac seine Kapitalerhöhung in einem Quartal verbrannt ...

    Und ob die Kreditversicherer "unkaputtbar" sind, weiss ich auch nicht. Und die sind IMHo auch *nicht* too big too fail. Spätestens seit mit Buffet eine solvente Konkurrenz da ist. Geht deine Kreditversicherung Pleite, schließt du halt ne neue beim Buffet ab (ich weiss aber ehrlich gesagt nicht, ob das wirklich so einfach geht).

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