Der Vermögenseffekt: Nur ein Gerücht?

Die Theorie geht so:

Wenn sich jemand reicher bzw. vermögender fühlt, gibt er schneller und mehr Geld aus. Dabei geht es aber nicht nur um schnelleres Ausgeben des Einkommens, sondern unter Umständen auch um zusätzlichen Konsum auf Pump.

In den USA gab es auch Produkte, die das ermöglichten: Helocs. Das sind im Endeffekt Verbraucherkredite, bei denen aber die Immobilie als Sicherheit dient. Man kann das natürlich auch klassisch machen und einfach eine weitere Hypothek aufnehmen, das ist aber bürokratischer, aufwändiger und inflexibler. Der Vorteil an dieser Konstruktion gegenüber dem normalen Verbraucherkredit: Der Zinssatz liegt Bei Helocs und selbst bei zweitrangigen Hypotheken deutlich unter dem Zinssatz für normale Verbraucherkredite.

Eine Erklärung des Konsumwunders in den USA lief genau über diese Schiene: Die Immobilienbesitzer haben mit den steigenden Werten der Immobilien die Helocs, bzw die Hypotheken immer weiter erhöht und das Geld zusätzlich verkonsumiert.

Es gab allerdings immer Leute, die diesen Effekt angezweifelt haben. Sie haben den Effekt gesucht und können ihn in den Zahlen aber nicht finden. Der Konsum ist nicht wesentlich stärker gestiegen als die persönlichen Einkommen. Die Amerikaner sparen zwar kaum, aber das ist auch nicht erst seit zwei Jahren so.

Tobias Levkovich ist einer dieser Zweifler. Er fand heraus, dass der Konsum kaum gestiegen ist. Interessanterweise sind sogar die Sparguthaben gestiegen. So wirklich sinnvoll erscheint das nicht: Wieso sollte man sein Haus beleihen, um das Geld dann wieder anzulegen? Normalerweise zahlt man ja höhere Zinsen für geliehenes Geld als man für angelegtes Geld bekommt. Trotzdem weisen die Zahlen das aus: Überdurchschnittlich stieg nicht der Konsum, sondern die Sparguthaben. Die weitere wissenschaftliche Diskussion wird interessant, denn wenn die Zahlen stimmen, wären die Gründe dahinter interessant.

Der Artikel versucht sogar, die Effekte zu quantifizieren. Was aber sehr schwierig ist, die hohe Ungenauigkeit der Zahlen zeigt es.

Für jede 1000 Dollar Preisanstieg einer Immobilie, steigt der Konsum geschätzte 20 bis 70 Dollar, also nur ziemlich geringfügig.

Mit der zweiten Zahl kann man leider noch weniger anfangen. Bei einem Rückgang der Immobilienpreise um 2% sinkt das BIP der USA um 0,1 bis 0,5%. Die Spanne zwischen 0,1 und 0,5 ist natürlich ziemlich groß. Bei einem Rückgang um 20% würde da 1 bis 5% Minus im BIP bedeuten. Ersteres wäre verdammt wenig, letzteres allerdings das durchschnittliche Wachstum von etwa 1,5 Jahren. Die Zahl ist aber noch aus einem anderen Grund komisch: Die 2%ige Preisrückgang bei allen Immobilienwerten ist der Wert, den die Fed ausgerechnet hat. Hingegen errechnet der Case-Shiller-Immobilienpreisindex für den Großteil der untersuchten 20 Regionen schon Preiseinbrüche um mehr als 10%. Das widerspricht sich jetzt doch deutlich.

Slate.com: Debunking the "Wealth Effect"

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