Zum Thema Statistikmanipulation

Ich meckere ja auch häufig über die amerikanischen Statistiken, die IMHO die Realität oft nicht richtig widerspiegeln. Ich nenne diese Statistiken auch optimiert oder (wenn ich schlechte Laune habe) auch frisiert. Dies meine ich aber nicht in der Hinsicht als dass sie offensiv manipuliert werden. Denn dass die Statistiken manchmal falsche Werte ausweisen, ist bekannt. Und dass die Berechnung der Statistiken im Laufe der Zeit geändert wurde auch. Das waren keine geheimen Aktionen, sondern es war gut dokumentiert und auch gut begründet. Man hat nicht in Nacht-und-Nebel-Aktionen die Statistiken frisiert, sondern das immer öffentlich und wohl begründet gemacht.

Man muss daher die Kritik anders anbringen.

a) Manche Statistiken haben an bestimmten Stellen spezifische Probleme. Z.B. werden für die Anzahl der neu geschaffenen Stellen in den USA die Unternehmen befragt. Aus den Aussagen wird dann eine allgemeine Zahl errechnet. Allerdings wird ein großer Teil der neuen Arbeitsplätze in kleinen, neu gegründeten Firmen geschaffen. Und so lange man diese nicht kennt, zählt man die dort entstandenen Arbeitsplätze nicht mit. Genau diesen Fehler korrigiert die Statistik mit der sogenannten Birth-Death-Anpassung. Daraus wird eine im Durchschnitt richtige Zahl von neuen Arbeitsplätzen in neu gegründeten Firmen geschätzt. Das Problem an dieser Zahl: Wenn die Wirtschaft am Ende eines Wachstumszyklus angekommen ist, sinkt auch die Anzahl der neu gegründeten Firmen und damit die Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze. Die Statistik schätzt den Wert aber weiter auf den langfristig gültigen Durchschnitt und damit zu hoch. Dass das keine Absicht ist sieht man spätestens daran, dass sich dieser Effekt am Anfang eines Wirtschaftsaufschwungs umkehrt. Denn dann werden mehr Firmen neu gegründet und der Korrekturfaktor weist zu wenig neue Arbeitsplätze aus.

Was man sich jetzt allerdings durchaus fragen kann: Warum macht man diese Korrektur überhaupt? Denn man misst ja im Zyklus zweimal ziemlich falsch und erzeugt zeitliche Verzögerungen in der Aussagekraft. Als Ausgleich bekommt man in "Normalzeiten" einen besseren absoluten Wert für die neuen Arbeitsplätze. Die Frage ist jedoch, ob diese absolute Zahl überhaupt irgendjemanden interessiert. Ist die Vergleichbarkeit mit dem Vorjahresmonat nicht viel aussagekräftiger und spannender?

b) Bei Vergleichen mit historischen Zahlen muss man die Änderungen bei der Berechnung im Hinterkopf behalten. Wenn man weiss, dass die Inflationsberechnung mit den Methoden aus den Siebziger Jahren heute auch eine Inflation von 6 oder 8% anzeigen würde und im Gegenzug das BIP durch die höhere Inflation niedriger ausfallen würde, wird die Diskussion, ob das jetzt eine Stagflation ist oder nicht, fast hinfällig. Denn das wäre ziemlich eindeutig eine Stagflation ... Man muss immer sehr skeptisch sein, wenn jemand heute behauptet, dass das nicht vergleichbar sei, weil die Zahlen früher viel schlimmer waren. Leider sind die Zahlen aber nicht vergleichbar und deshalb kann man eigentlich auch keine Vergleiche damit machen.

c) Damit sind wir bei der Presse. Leider ist die Presse häufig nicht in der Lage, das Zahlenwerk sinnvoll zu interpretieren.
Erstens werden wichtige und unwichtige Zahlen viel zu häufig mit ähnlich umfangreichen Artikeln bedacht. Wichtig und unwichtig bezieht sich hier auch auf die Signifikanz der Zahlen. Wenn z.B. bei der Zahl der verkauften Immobilien eine Fehlerrate von plus-minus 15% in den Zahlen steckt, kann man diese monatliche Zahl im Normalfall schlicht vergessen. Weil plus 5% auch minus 10% sein könnten oder -7% auch plus 8%. Besser ist da schon der Jahresvergleich, der nur noch 7% Fehlerquote hat und dann mit minus 15% klar eine sinkende Anzahl von Hausverkäufen anzeigt.
Zweitens werden ungerechtfertigte Vergleiche angestellt zwischen aktuellen Zahlen und Zahlen aus der Vergangenheit, die man aufgrund von Änderungen in der Berechnung nicht vergleichen sollte und darf (siehe oben)
Und drittens wird zu häufig in den Zahlenreihen hin- und hergesprungen und just die Zahl herausgepickt, die am positivsten erscheint. Dies geschieht zum Teil, weil die "Einflüsterer" die jeweils gute Zahl besonders betonen und wahrscheinlich auch um als Wirtschaftspostille nicht zu sehr in Schwarz zu malen, schließlich lebt man vom Optimismus, der die Leser auch zu Aktienanlegern machen soll (und damit auch zu Kunden der Anzeigenschalter (Fondsgesellschaft, Broker) macht)

Fazit: Bei allen statischen Zahlen muss man also immer ein gehöriges Maß an Detailwissen mitbringen, um eine vernünftige Interpretation leisten zu können. Leider helfen dabei weder die Mainstreampresse noch die Verschwörungstheoretiker wirklich weiter.

The Big Picture: What Conspiracy?

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