Zur angekündigten Leitzinserhöhung der EZB ...

... schreibt die FTD (mal wieder) einen tollen Artikel. Daraus ein Zitat:
Wie um alles in der Welt kann eine Zentralbank eine Zinsanhebung auf 4,25 Prozent erwägen, wenn die Verbraucherpreise um 3,6 Prozent steigen, die Bankausleihungen an den Privatsektor seit 28 Monaten zweistellig zunehmen, M3 seit 17 Monaten zweistellig wächst, die gefühlte Inflation der Verbraucher auf den höchsten je gemessenen Stand (Ersterfassung 1985) klettert und die Arbeitslosenquote im Euro-Raum auf das niedrigste Niveau seit offizieller Erstmessung 1993 fällt?
Tja, warum die Volkswirte darauf nicht vorbereitet waren und sich geradezu schockiert zeigen, ist mir auch schleierhaft. Die EZB hat die Aufgabe, die Preise stabil zu halten. Und natürlich stehen bei 3,6% Inflation die Ampel für die EZB auf Rot. Auf Dunkelrot.

Und auch im folgenden Abschnitt ist der Sarkasmus nicht zu überhören:
Die moderne Geldpolitik kann mit einem Instrument locker drei Ziele erreichen: Vollbeschäftigung, Geldwerterhaltung und Finanzstabilität. Im Notfall braucht man erwiesenermaßen einfach nur noch mehr Geld zu drucken oder die Staatsschulden zu erhöhen, und alles wird gut.
Dass die Volkswirte so geschockt sind, hebt übrigens noch einen anderen Punkt heraus. Die EZB ist von den Finanzmärkten unabhängig. Bei der Fed bin ich mir da schon länger nicht mehr sicher. Nicht nur sind die personellen Verflechtungen zwischen Wall Street und Fed viel zu eng, auch scheint die Fed jedes leichte Hüsteln an der Wall Street direkt mit dem Antibiotikum Notenpresse+Leitzinssenkung zu behandeln. Und wenn an der Wall Street schlechte Stimmung herrscht und die Futures dort bereits eine Zinssenkung einpreisen, dann ist die Fed defakto gezwungen, die Zinsen auch zu senken. Die EZB hingegen denkt noch selber, ist ihren Zielen verpflichtet und macht daher auch schonmal was, was den Herren Volkswirten nicht gefällt.

Sehr lesenswerter Artikel:

FTD: Moderne Ökonomie

Kommentare :

  1. Es gibt da ja auch einen Unterschied. Die EZB ist eine staatliche Bank, die Fed gehört den Mitgliedsbanken und ist somit eine Privatbank.

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  2. Jaja, das erklärt natürlich einiges. Deshalb ist auch die Unabhängigkeit der EZB eine SEHR gute Entscheidung. Denn weder wenn die Finanzbranche da reinfuscht, noch wenn die Politiker Einfluss haben, ist das gut für die Politik der Notenbank.

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