Fannie-Freddie-Bailout abgesegnet

Das Teil ist jetzt durch. Der US-Steuerzahler darf sich freuen ...

Im übrigen hatte ich gestern erst zu spät die Details gefunden. Die 25 Milliarden Dollar sind nämlich doch eine Szenarienschätzung, so ähnlich wie ich es auch verlangt hatte. Zwar sind die Szenarien total anders, aber es wird immerhin mit Wahrscheinlichkeiten gearbeitet. Im betsen Fall wird ein Schaden von Null mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% kommen, mit 5% Wahrscheinlichkeit könnte allerdings im schlechtesten Fall auch ein Schaden von 100 Milliarden Dollar entstehen. Gewichtet ergibt das über die mehreren Szenarien die 25 Milliarden Dollar, über die alle reden.

Naja, wie ich gestern schon sagte: Ich würde die Wahrscheinlichkeiten umdrehen und an die Summe eine Null hängen. OK, das ist jetzt übertrieben, aber womöglich ist diese Schätzung sogar realistischer als die Schätzung für den Kongress ... Naja, jetzt ist das Fass ohne Boden aufgemacht, aber der Kongress hält es für stopfbar. Bis dem Staat das Geld ausgeht ...

Übrigens zeigt auch der zweite Teil des Rettungspakets einen gewissen Realitätsverlust. Hier gibt Washington 3,9 Milliarden Dollar den Städten, die damit Immobilien erwerben dürfen, um den Immobilienmarkt zu stützen. Mal ganz davon ab, dass sich das anhört wie Sozialismus par excellence - Was sollen 3,9 Milliarden Dollar bringen?!? Fannie und Freddie haben 5,2 Billionen Hypotheken in den Büchern und ihr Marktanteil wird auf auf etwa die Hälfte geschätzt. Das heisst, dass es etwa 10 Billionen Dollar Hypotheken gibt. Der Gesamtwert der Immobilien ist noch höher, weil ja nicht alle Immobilien zu 100% beliehen sind. Die 3,9 Milliarden Stützung sind also nur in einem Bereich messbar, in dem man normalerweise seinen Alkoholspiegel misst ...

Möglicherweise hilfreicher ist ein Fonds, der Versicherungen für neue Hypotheken finanzieren soll. Will der Staat jetzt Konkurrent zu MBIA und Konsorten werden? (sagte ich vorhin schonmal Sozialismus?)

Außerdem bekommen Erstkäufer einer Immobilie einen Steuerscheck über 7.500 Dollar. Sage da noch einmal jemand, die Eigenheimzulage wäre teuer gewesen. Die Amerikaner können nämlich schon lange ihre Hypothekenzinsen von den Steuern absetzen! Irgendwie musste man diese Blase ja auch groß genug kriegen ... Oder was hatte man sich dabei gedacht?

Und wenn ich den Satz richtig verstehe
"Das Limit der staatlichen Verschuldung soll von 9800 Mrd. $ auf 10.600 Mrd. $ angehoben werden"
erhöhen die USA ihre Schuldenobergrenze mal so ganz nebenbei um 800 Milliarden Dollar.

Und wieder eine Nachricht, die eigentlich ziemlich wichtig ist, aber von den Medien (vor allem in den USA) komplett ignoriert wird. Respekt an die Leute bei der FTD, die dieses "Detail" nicht durchrutschen lassen! Kann ja auch schnell untergehen in einer Gesetzesschwarte mit 694 Seiten ... (So macht man heute Politik ... Das Wichtigste versteckt man ... Als wenn das nicht schon von langer Hand vorbereitet gewesen wäre. 694 Seiten in zwei Wochen kann doch niemand sinnvoll zusammenschreiben ...).

Aber was moser ich eigentlich rum? Ich will doch immer was Realistisches! Und die Schuldengrenze um 800 Milliarden zu erhöhen, ist doch eine adäquate Reaktion auf die Immobilienkrise. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass das Geld nicht komplett im Irak verballert wird. Denn dann würde die Erhöhung ja wieder nur ein paar Monate ausreichen ...

FTD: US-Kongress einig über Rettungspaket

Marketwatch: Approval nears for Fannie-Freddie housing measures

weissgarnix: Bailout de luxe

Update (24.7.08):

Der Deal ist bisher nur durch den Kongress, aber noch nicht durch den Senat verabschiedet. Es rechnen zwar alle damit, dass dabei keine Probleme entstehen, aber im strengen Sinn "durch" ist der Deal noch nicht.

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