Funny Mac? Oder wie der Bailout kommen wird ...

In den USA gibt es ein Problem. OK, es gibt viele Probleme, aber ein großes: Die Immobilien-Hypotheken-Finanzkrise.

Die ganze Krise basiert im Kern auf einem Fehler: Man ist von ewig steigenden Immobilienpreisen ausgegangen und viel zu viele Leute haben eine Hypothek bekommen, die nicht solvent genug waren, und damit ein Haus gekauft, was viel zu teuer war.

Jetzt sinken die Preise für die Immobilien und mehr und mehr Hausbesitzer können die Verpflichtungen nicht mehr erfüllen, weil die Sicherheiten (die Immobilie) nicht mehr genug wert ist. Inzwischen ist der Abwärtstrend so stark, das selbst Leute mit eigentlich solidem Einkommen unter Druck kommen, weil sie vor zwei, drei Jahren schlicht zu viel bezahlt haben.

Im Ergebnis sitzen die Banken jetzt auf Bergen von Hypotheken, bei denen fraglich ist, was die noch wert sind. (Durch kreative Finanzierung und Verbriefung hat man das Problem nur noch schlimmer gemacht, IMHO aber nicht geschaffen).

Das ist das eigentliche Problem: Es gibt wahrscheinlich Hypotheken im Wert von Billionen, die nicht mehr vollständig gedeckt sind und bei denen die Deckung jeden Tag geringer wird, weil die Immobilienpreise immer noch sinken. (Deshalb habe ich auch schon mehrfach gesagt, dass man das Ausmaß dieser Krise nicht schätzen kann, weil das allein davon abhängt, wie weit die Immobilienpreise noch sinken).

Gegen die Krise kann man nur wenig machen. Man muss aber was machen, sonst bricht das Finanzsystem zusammen, weil die Banken diese Verluste nicht alleine abfangen können. Am Ende hätten die Banken dann kein Geld mehr, sondern eine riesige Menge zwangsvollstreckter Immobilien. Zu Geld zu machen sind die Immobilien im Moment leider nicht. Die Banken würden im Laufe des Prozesses also schlicht illiquide.

Alternativ könnte der Staat nicht die Banken, sondern die Hausbesitzer stützen. Das hat er auch mit einer sehr begrenzten Maßnahme gemacht, die aber (wie erwartet) keine durchgreifende Wirkung entfaltet. Es nützt halt nichts, wenn man 3% der Luft aus dem Ballon kontrolliert ablässt, denn der Rest reicht immer noch für einen tollen Knall.

Der Staat kann aber auch nicht alle Hausbesitzer abfangen. Denn dann regen sich - zurecht - die anderen auf, die sich damals aufgrund der wahnsinnigen Preise zurückgehalten haben. Der Clevere würde bestraft, der Dumme belohnt. (Gute Diskussion dazu hier: The Big Picture: Should Congress Let Home Prices Fall ?).

Der Staat kann aber auch nicht das gesamte Finanzsystem rausreissen. Erstens widerspricht das der amerikanischen Grundeinstellung zur Nichteinmischung des Staats, zweitens würde auch das einen Riesenaufschrei produzieren (die Großverdiener an der Wall Street verdienen Millionen, bauen den Mist und werden am Ende noch frei gekauft).

Nein, man muss das cleverer abwickeln.

Und zwar so:

Es gibt in den USA zwei halbstaatliche Immobilienfinanzierer: Fannie Mae und Freddie Mac (beide sind übrigens *riesig*; Bear Stearns ist/war dagegen eine Klitsche). Dorthin konnten die "anderen" Immobilienfinanzierer schon immer ihre Kredite weiterverkaufen. Es mussten nur gewisse Regeln eingehalten werden. Diese waren ähnlich zu den deutschen Pfandbriefen. Es durften nur Hypotheken hinterlegt werden, die zu einer gewissen Höhe der Hauswertes ausgestellt waren. Die Hypotheken mussten dokumentiert sein. Und für alle gekauften Hypotheken mussten die beiden ein bestimmte Summe Eigenkapital als Sicherheit hinterlegen.

Aber keine der Regeln hat in der Krise gehalten. Irgendwann durften die beiden ungleichen Schwestern auch höher beliehene Hypotheken in die Bilanz nehmen, irgendwann auch schlechter dokumentierte und als Clou wurden dann auch noch die Eigenkapitalanforderungen gesenkt, damit beide auch möglichst viel kaufen konnten. Das überraschte dann sogar Wirtschaftsprofessoren ("t's news to me that Fannie was buying no-doc loans and calling them prime." aus Econbrowser: Fast and Easy Fannie). Jaja, Überraschungen birgt die Krise nun wirklich mehr als genügend.

Das hat man auch lustig über SIVs gemacht und diese Risiken außerhalb der Bilanz geparkt. Das soll jetzt aber eine neue Bilanzrichtlinie ändern und daher muss alles zurück in die Bilanz (siehe: Zeitenwende.ch: Kursrutsch bei Fannie Mae und Freddie Mac).

Danach sind die Bilanzen noch stärker aufgebläht als zuvor und das Eigenkapital reicht nicht einmal ansatzweise. Der Markt fängt nun an sich richtig Sorgen zu machen. Ganz neu sind die Sorgen übrigens nicht, denn die Kreditversicherungen von Fannie und Freddie sind schon seit längerem wesentlich teurer als die nach dem (offizielle noch gültigem) Rating von AAA sein sollten. Auch Kursziele von Null habe ich schon vor ein paar Wochen gehört. (Den Artikel finde ich leider nicht wieder, aber darin wurden die Bilanz auf Stichtagsbasis analysiert (was sicher zu grob vereinfacht) und danach sind die beiden komplett und hoffnungslos überschuldet).

Das Schöne an der Situation für die Politiker ist jetzt aber eins: Man hat es geschafft, die Immobilienbesitzer nicht rauszureissen und deshalb keinen Ärger mit denen (bzw. denen, die sauber finaziert haben). Man hat es geschafft, die Banken nicht (direkt) rauszureissen und bekommt deswegen keinen Ärger mit den Wählern. Man muss zwar trotzdem rausreissen, aber jetzt "nur noch" zwei halbstaatliche Institute, bei denen sowieso schon die meisten davon ausgegangen sind, dass die im Zweifelsfalle mit Steuergeldern gerettet werden. Und das wird dem Wähler viel einfacher klarzumachen sein als jede andere Lösung.

Natürlich hat man so *indirekt* die Banken und die Wall Street rausgerissen, weil sie Unmengen von schlechten Hypotheken bei Freddie Mac und Fannie Mae abladen konnten. Und es würde mich auch nicht überraschen, wenn die Fed ihre etwa 500 Milliarden Schrott noch irgendwie in den Freddie-Fannie-Bailout unterbringt.

Und genau davon gehe ich aus: Die Krise ist so groß, dass der Staat einschreiten muss und einschreiten wird. Und die Krise bei Fannie Mae und Freddie Mac ausbrechen zu lassen, ist der Weg, wie der Staat am wenigsten Ärger mit den Bürgern bekommt. Deshalb wird es so ablaufen ...

Kredite wegschieben, ist keine Lösung. Aufgeschoben ist noch lange nicht aufgehoben. Irgendwann muss irgendjemand bezahlen. Das irgendwann ist jetzt bald gekommen und der irgendjemand ist wie üblich der Steuerzahler (Telepolis:OECD-Paper drängt auf Sozialisierung der Subprime-Verluste)

Noch ein paar Links:

Zur aktuellen Lage:
Bloomberg: Fannie, Freddie `Insolvent' After Losses, Poole Says (Update1)
(gefunden über:Zeitenwende.ch: Gefährliche Entwicklung bei Fannie Mae und Freddie Mac )
nakedcapitalism: Disaster Planning for Freddie and Fannie Intensifies
calculatedrisk: Fannie and Freddie: Thinking the Unthinkable
Mish: We're All Homeowners Now, Nationalization of Fannie, Freddie Unavoidable

Zur Bilanz von Fannie:
The Big Picture: Fannie Mae is Fantastic ! (Bilanzanalyse von Fannie, 2 Monate alt(!)).

Econbrowser: Freddie Mac and Fannie Mae back in the news(Dez. 2007) (darin auch eine schöne Grafik, die den Verbriefungsprozesse darstellt).

Eure Gedanken? Ideen? Denkfehler von mir?



Update (14:42): Die FTD hat zur aktuellen Zuspitzung jetzt auch einen Artikel:
US-Regierung diskutiert Notfallplan für Fannie Mae und Freddie Mac

Darin auch noch zwei Zahlen, die in den verlinkten Artikeln zwar irgendwo drinstanden, aber eigentlich auch hierher gehört hätten: Lehman schätzt den Kapitalbedarf für Freddie Mac auf 29 Milliarden Dollar und für Fannie Mae sogar auf 46 Milliarden Dollar. Und noch eine Info, die ich nachreichen möchte: Beide haben schon jede Menge Kapital aufgenommen und Freddie Mac auch noch eine weitere Kapitalerhöhung angekündigt. Aber nur angekündigt ... Vielleicht finden die schlicht keine Investoren mehr dafür ...

Update (17:42):

Ihr könnt den Artikel gerne yiggen. Ich wollte da schon immer mal auf die Homepage ... Danke! Update: Bin auf der Homepage! Danke!

Update (11.7.08):

Kein weiteres Mini-Update, sondern angesichts der Zuspitzung ein ganzer Artikel:
"Too big to fail" oder "Too big to bail out"

Update (15:52):
Fannie und Freddie über 40% im Minus

Kommentare :

  1. Ich glaube auch, dass beide verstaatlicht werden, aber die Krise wird dadurch nicht vorbei sein. Auch nicht, wenn die Immobilienpreise nicht mehr fallen.

    Es kann nicht sein, dass die USA aus dieser Krise mehr oder weniger unbeschadet hervortreten und ihr jahrzehntelanges Handelsbilanzdefizit fortführen.

    Es muss und wird in den nächsten Jahren noch große Veränderungen geben.

    Gruß

    SupaHöd

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  2. Da bin ich nicht soo skeptisch. Vor allem kann man die Reaktionen auf die richtig großen Probleme (viel Schulden, Handelsbilanzdefizit) IMHO überhaupt nicht timen. Die Probleme sind ja nicht neu und es geht trotzdem schon wieder ein paar Jahre weiter.

    "Jahrzehntelang" stimmt aber auch nicht, denn ein kleines Handelsbilanzdefizit ist ja nicht schlimm, vor allem weil die USA überhaupt kein Problem haben, das über die Dienstleistungsbilanz wieder auszugleichen (die ist quasi immer positiv).

    Auch muss man bedenken, dass vieles von den Dollarexporten (die Dollars sind ja nachher in China und am persischen Golf) im Dollarraum bleibt. Denn der Yuan ist an den Dollar gekoppelt und die Saudis auch. Das Geld bleibt damit irgendwie doch im Dollarraum. Ansonsten wäre das System auch schon lange explodiert ... So ist aber durchaus stabiler als man beim Betrachten mancher Zahlen denken könnte ...

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  3. egghat, sehr gute Post. Ich war auf der Suche nach ein paar gute deutsche Blogs zum Thema im Internet. Ihre Analyse trifft voll zu. Ich möchte meine Meinung hier auch mal kundgeben.

    Es gibt keine schmackhafte Alternative, außer Fannie und Freddie zu verstaatlichen. Poole hat gerade vor kurzem zugegeben, was jeder weiß: sie sind pleite.

    Aber das was die Politiker Sorgen macht ist die angstvolle Reaktion des 'Man on the Street' -- und wie man damit zurechtkommt. Wie man das Problem lösen kann ist absolut nebensächlich. Daher wird sich dieses Problem nach dem japanischen Modell entwickeln -- mit massivem finanz-und geldpolitischen Impulse.

    Wo sich die Lage danach führt ist schwer zu bestimmen: Die Japaner waren ja Netto-Sparer. Und wir Amerikaner? wir sind das eben nicht.

    Für mehr über meine Analyse, lesen Sie mein Blog-Eintrag hier:
    http://www.creditwritedowns.com/2008/07/everyones-talking-about-fannie-and.html

    Übrigens, da dieses Thema Sie interessiert, könnten Sie auch daran interessiert sein, mein Credit Crisis Timeline zu lesen:

    http://www.creditwritedowns.com/2008/05/credit-crisis-timeline.html

    Gruß,
    Edward

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  4. Bernanke und Paulsen versuchen das Desaster hinaus zu schieben. Die Bevölkerung leidet darunter und den Investmentbanken rettet man den Arsch. Dieser Politik nenne ich menschenverachtend. Die FED muss verstaatlicht werden. Es muss ein zweigleisiges Zinssystem eingeführt werden, damit die Wirtschaft nicht zusammenbricht. Niedrige Zinsen für die Wirtschaft und hohe für die "Spekulanten". Sollen doch die Banken pleite gehen. Wer hat denn noch Vertrauen in dieses Lumpempack. Wer den Pfad der ökonmischen Gesetzmäßigkeiten verläßt sollte sich nicht wundern, dass er zum Schluss nackt da steht.
    Dieses Bankenuniversum das die Schaffung von Geld durch Geld, also Wertschöpfung von Luftschlössern, als oberstes Ziel hat kann von mir aus zur Hölle fahren.
    Ökonomisches Handeln sieht anders aus.

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  5. "Alarmed by the growing financial stress at the nation’s two largest mortgage finance companies, senior Bush administration officials are considering a plan to have the government take over one or both of the companies and place them in a conservatorship if their problems worsen, people briefed about the plan said on Thursday."

    U.S. Weighs Takeover of Two Mortgage Giants

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  6. Bringe das jetzt mal als Kommentar hier, obwohl es eigentlich um die Rating-Agenturen geht. Die Börsenzeitung hatte das gesetrn auch, aber nur in der gedruckten Augabe:

    Die SEC hat die Praktiken der Rating-Agenturen untersucht und heftig kritisiert.

    Die SEC hat dabei auch Zitate aus internen Mails der Rating-Analysten veröffentlicht.

    Da kamen dann so Sachen wie:
    "Selbst wenn es von Kühen strukturiert würde, würden wir ein Rating geben"

    oder ein Analyst für CDOs, im Dezember 2006:
    "Hoffentlich sind wir alle reich und im Ruhestand, wenn dieses Kartenhaus zusammenbricht.".

    http://www.philly.com/inquirer/business/20080709_SEC__Credit-rating_agencies_had_conflicts_of_interest.html
    http://calculatedrisk.blogspot.com/2008/07/on-sec-probe-of-rating-agencies.html

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  7. @m106 (und die anderen): Den Artikel zu den Ratingagenturen gibt's auch bei der FAZ. Schreibe ich vielleicht gleich noch was zu.

    FAZ: Das hätten auch Kühe strukturieren können

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  8. @Edward: Danke für den Link. Das ist ja eine extrem umfangreiche Sammlung, auf die ich bestimmt nochmal zurückkommen werde.

    Und die Anmerkung, dass die Japaner ziemlich Probleme hatten, ihr Platzen der Immobilienblase zu verdauen, obwohl sie Sparer waren, ist eine sehr gute. Das könnte in der Tat darauf hindeuten, dass die Lösung für die USA *noch* schwieriger wird. Allerdings wird sie - auch wenn das nicht so wirken mag - in den USA viel beherzter angegangen. Die Fed hat massiv reagiert (Zinsen mehr als halbiert und 500 Milliarden Schrott in die eigene Bilanz übernommen). In den USA ist in den letzten 9 Monaten mehr passiert als in Japan in den ersten 5 Jahren ...

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  9. Ich meinte natürlich @horst_m ...

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  10. Das aktuelle GEAB hat Rettungsmaßnahmen vorgeschlagen um den (globalen) Finanzkollaps zu verhindern. Nur eine überzeugt mich: RETTE SICH WER KANN.

    Die ersten beiden Maßnahmen, die sofort umgesetzt werden müßten um dies zu verhindern sind (in Kurfassung):

    Kontinuierliche Leitzinserhöhungen der EZB (die FED macht das nie und nimmer!)

    Transparenzprogramm für CDS und andere Over-the-Counter-Derivate.
    "Schade, das es keine Smileys gibt".

    Fazit: Rette sich wer kann!

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  11. Hallo! Ganz starker Artikel, an dem eine Menge dran sein kann. Wollen wir es nicht hoffen...

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  12. @equires

    a) Danke für das Lob.

    b) Ich kann mir keine Lösung ohne Bail-Out vorstellen. Die Politik hat beide Institutionen geschaffen, um den Erwerb von Eigenheimen in den USA zu fördern. Naja, das hat ja geklappt. Die Blase hätte ohne staatliche unterstützung nie diese Größe erreicht...

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