Merrill Lynch muss weiter abschreiben und plant Kapitalerhöhung

Die Investmentbank will im dritten Quartal nochmals 5,7 Mrd. Dollar abschreiben, dafür seien allerdings "umfangreiche Risiken" nicht mehr in den Büchern. Unter "umfangreiche Risiken" versteht man bei Merrill Lynch "US-Super Senior ABS CDO's" Schuldverschreibungen. Diese hatten ursprünglich mal einen Wert von 30,6 Mrd. Dollar. Zum Ende des zweiten Quartals standen sie mit nur noch 11,1 Mrd. Dollar (-66%) in den Büchern. Die Schuldverschreibungen sollen jetzt für 6,7 Mrd. an eine Tochter von Lone Star Funds abgegeben werden, wovon 75% des Verkaufspreises aber von Merrill selbst finanziert werden. Geht die Tochter von Lone Star unter, hat man die Risikien wieder in den Büchern. Toller Deal! Das zeigt aber meiner Meinung nach wie Verzweifelt man wohl derzeit bei Merrill Lynch ist.

Gleichzeitig will die Bank durch Ausgabe neuer Aktien, ihr Kapital erhöhen. So sollen nach der Vorstellung von Merrill Lynch zwischen 8,5 Mrd. und 9,8 Mrd. Dollar in die Kassen gespült werden, um die Kapitaldecke zu stärken. Komischerweise hatte Merrill-Chef John Thain noch am 17. Juli in einer Telefonkonferrenz mit Analysten beteuert, dass seine Bank noch mit ihrer Kapitaldecke in einer komfortablen Situation ist. Ein Teil des Geldes von der Kapitalerhöhung soll dabei wieder von Temasek Holding kommen, einem staatsfond aus Singapur. Der Fond hatte bereits im Dezember und Februar insgesamt 5 Mrd. Dollar für Merrill Aktien auf den Tisch gelegt, allerdings hat sich seitdem der Aktienkurs halbiert. Nun einigten sich beide Seiten darauf, dass Merrill Temasek zum Ausgleich dafür 2,5 Mrd. Dollar zahlt, Temasek diese Summe plus weiterer 900 Mio. Dollar aber in die neue Kapitalerhöhung steckt. Außerdem will das Management von Merrill 750.000 neue Aktien erwerben.

Eine Kapitalerhöhung sieht derzeit wohl Merrill Lynch als günstigste Form um an frisches Geld zu kommen, denn die Finanzierungskosten auf dem Markt haben sich für die Investmentbank enorm verteuert. So ist die Risikoprämie für Anleihen von Merrill Lynch von ehemals 2,54 % auf 4,21% gestiegen.

FAZ.net:Merrill Lynch: Kein Investment für Privatanleger

FAZ.net: Finanzierungskosten der Investmentbanken steigen kräftig

Kommentare :

  1. Mich wundert der Temasek-Deal.
    Darf man in USA die Verluste eines Investors ausgleichen, das geht doch zu Lasten der anderen! In Deutschland ist das verboten. Oder war a) ein solcher Verlustausgleich von vornherein bei der Kapitalerhöhung vereinbart? Oder ist b) der Ausgleich Teil der neuen Kapitalerhöhung? Dann bleibt aber netto nicht viel übrig. Hast Du weitere Info, egghat?

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  2. notanofferingmemorandum30 Juli, 2008 02:02

    Das war offenbar so vereinbart in einer Ratchet Klausel.Zur schnellen Referenz nach Merrill
    in diesem PDF suchen.

    http://www.sprott.com/pdf/marketsataglance/06_2008.pdf

    Ich glaub es denen mal und bin natürlich zu faul selbst im EDGAR nachzusehen.

    Dieser Lonestardeal ist durchaus beeindruckend. Als nächstes akzeptieren sie wahrscheinlich simbabwische Dollar als Gegenleistung.

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  3. @wirmuessendranglauben

    Ich bin zwar nicht egghat, aber egghat hatte den Eintrag auch nicht im Blog gepostet, sondern ich, weil er im Urlaub ist.

    a) Ja, die Ausgleichszahlung wurde bei der ersten Kapitalerhöhung so abgemacht

    b) Ja ist Teil der neuen Kapitalerhöhung. Tamasek ist bei der neuen Kapitalerhöhung mit 3,4 Mrd. beteiligt!

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  4. Ich finde den Temasek-Deal besser.
    Ich suche eigentlich auch nach Aktienanlagen mit garantiertem Verlustausgleich.
    Man kriegt sicher auch einen Discount auf den aktuellen Kurs...

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  5. So Deals würde ich auch gerne machen. Die Nachricht von gestern haut nich nur in den Details (Temasek-Deal), sondern auch im Groben (Kapitalverwässerung um 40%; Konditionen der Verscherbelung des CDO Portfolios an Lonestar) dem Fass den Boden aus. Und das Ganze *natürlich* nach monatelangen Zusicherungen, dass man keine KE brauche, alles weit genug abgeschrieben habe, etc.pp. Man kann das schon nicht mehr Salamitaktik nennen, weil das eine Beleidigung für jede Salami wäre ...

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  6. Der Deal mit LoneStar wird noch für ganz andere Banken folgen haben, denn nun hat man endlich einen Preis für diese verdammten CDOs, nämlich 22 Cent. Bei der Citigroup stehen die Dinger noch mit über 50 Cents in den Büchern!

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