"Too big to fail" oder "Too big to bail out" (Update)

Mal ein paar Fakten zum (gestern noch möglichen, heute schon wahrscheinlichen) Bail-Out bei Fannie Mae und Freddie Mac:

Die Kredite der beiden betragen zusammen etwa 5 Billionen Dollar. Das ist natürlich heftig. ABER das sind Hypotheken, sprich es ist immer eine Immobilie als Sicherheit hinterlegt. Und zumindest die alten Hypotheken (vor 2006) sollten solide sein, da damals die wahnsinnigen Kreditkreationen (Option-ARM, No-Doc, NINJA-loans (No Income, No Job or Assets)) noch nicht erfunden (bzw. üblich) waren ... Ein großer Teil der Hypotheken dürfte also noch werthaltig und selbst bei 40% Immobilienpreisrückgang (wir haben "erst" etwa 15%) werthaltig bleiben. Zugegeben, in den neueren Krediten stecken höhere Risiken (allerdings bei weitem nicht so hohe, wie teilweise in den CDOs oder CDPOs), aber auch dahinter steckt immer noch eine Immobilie, die einen großen Teil der Hypothek absichert.

Kurz: Ja es ist dramatisch, aber bitte keine Angst bekommen, wenn man die Zahl 5 Billionen Dollar hört. Das Gesamtrisiko kann aber schnell die Kosten eines Irakkriegs erreichen ... Oder mehreren ...

Infectious Greed: NYT: Freddie/Fannie Takeover Talks Heat Up. Voom Needed.

Zur Aktie: Die Fannie-Mae-Aktie hat gestern etwa 14% verloren, Freddie-Mac sogar 21%.

Ein schöner Überblick bei der FAZ: FAZ.NET: Sorge um Freddie Mac und Fannie Mae

Zur Nachrichtenlage, genauer den offiziellen Meldungen und Aussagen:

Fannie und Freddie sind "angemessen mit Kapital ausgestattet" und es werde "nicht an einem Rettungsplan gearbeitet". Ein besseres Zeichen als diese Worte gibt es nicht. Die Aussagen bedeuten erfahrungsgemäß genau das Gegenteil ...

Marketwatch: Kiss of death for Fannie, Freddie?
oder
Infectious Greed: I'm Adequately Capitalized, and So's My Wife

Und wer mal so richtig schlechte Laune bekommen möchte ... Kann sich entweder Control anschauen oder folgenden Artikel lesen:

Mish's Global Economic Trend Analysis: Fannie and Freddie Waterfalls Are Too Big to Bail

Damit ihr auch klickt ein Appetizer:
The credit bubble has popped. Fannie Mae (FNM), Freddie Mac (FRE), Washington Mutual (WM), Wachovia (WB), and Lehman (LEH) are all at serious risk. Many smaller payers are at huge risk as well.
Der Artikel wirft auch einen ziemlich detaillierten Blick in die Kreditportfolios der Banken. Die Prognose ist also nicht einfach aus dem hohlen Bauch ...

Also mir persönlich wird schon schlecht, wenn einer von denen Pleitegehen würde ...

(Übrigens hätte ich so eine geile Überschrift auch mal (ohne die zu klauen)), obwohl ich bei der Google Suche fest stellen musste, dass "Too big to bail" schon einige Male vorher benutzt wurde ...)

Update (14:18):
Naked Capitalism: Fannie and Freddie: Conservatorship as Endgame?

Update (15:52):
Fannie und Freddie über 40% im Minus

Update (21:23):

Fannie und Freddie sollen laut US-Finanzminster Paulson in ihrer "jetzigen Form" erhalten bleiben. Sprich als *halb*staatliche Banken. Paulson hat "Unterstützung" dafür zugesagt. Die Originalaussagen von Paulson gibt es hier:

Marketwatch: Text of Paulson statement on Fannie, Freddie

Jetzt zeichnet sich auch ab wie: Fannie und Freddie dürfen sich (wie die großen Banken) im Discount-Fenster direkt bei der Fed Geld leihen. Mehr Details sind noch nicht raus.

Ach so: Fannie und Freddie erholen sich deutlich, vor allem Freddie auf "nur" noch - 10% und Fannie auf - 25%.

Und eine kleine lustige Note zum ganzen Desaster habe ich auch noch gefunden ...

Paul Kedrosky: Die größten Pakete der Anleihen von Freddie Mac und Fannie Mae liegen in China. Das sollte denen eine Lehre sein. Wenn die uns verseuchtes Spielzeug verkaufen, verkaufen wir denen halt verseuchte Anleihen ;-) (wobei er auch anmerkt, dass die Stufe, dass die Anleihen gefährdet sind, noch nicht erreicht ist; zuerst ist ja immer das Geld der Aktionäre weg ...)

Infectious Greed: Fannie and Freddie: Toxic Toys vs. Toxic Paper

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