Volatilitäts-Zertifikat: Theorie gut - Praxis ungenügend

Manchmal freut man sich als Anleger ja besonders über die Sachen, die man nicht gemacht hat. Sollte man ruhig auch, ansonsten frisst einen der Ärger über die Sachen, die man falsch gemacht hat, auf (wie z.B. den Lehman Put bei 1,50 zu verkaufen, wenn er aktuell bei fast 2,50 liegt ...).

Vor etwa drei Jahren hat Goldman Sachs ein Zertifikat auf den VDAX-NEW emittiert. Damit wurde die Volatilität (also die Schwankungen) des DAX handelbar. Insbesondere in Krisenzeiten springt die Volatilität üblicherweise deutlich nach oben. In der Theorie ist so ein Zertifikat also quasi eine perfekte Absicherung gegen die Nervösität der Märkte.

Man kann das im 3-Jahres-Chart des VDAX-NEW schön erkennen: Deutsche Börse: VDAX-NEW Index, ISIN DE000A0DMX99, WKN A0DMX9. Man sieht die Spitzen bei der ersten Welle der Finanzkrise im Spätsommer 2007 und auch den Peak zur Bear Stearns Pleite.

Leider funktioniert die Absicherung nur in der Theorie. Denn Goldman Sachs sichert sich als Emittent natürlich auch ab (das machen Emittenten von Zertifikaten und Optionsscheinen immer). Goldman Sachs kauft also selber Kontrakte auf den VDAX. Da diese immer nur eine bestimmte Zeit laufen, müssen diese einmal im Monat (oder alle drei Monate, je nach dem welche Laufzeit GS gewählt hat) in den Kontrakt der Folgeperiode umgetauscht werden. Wenn nun aber der neue (länger laufende) Kontrakt teurer ist als der alte (kürzer laufende), entsteht bei jedem dieser Rollvorgänge ein Verlust. Und tja, genau das war dummerweise der Fall.

Das Zertifikat hat seit Auflage etwa 90% des Werts verloren, obwohl der VDAX-NEW von etwa 15 auf aktuell etwa 25% gestiegen ist. Goldman Sachs nimmt das Zertifikat jetzt per vorzeitiger Kündigung vom Markt.

Geld verdienen konnte man mit dem Zertifikat nur sehr kurzfristig. Man musste also kurz vor dem Anstieg der Vola kaufen und dann auch schnell wieder verkaufen. Da die Vola aber fast ausschließlich in Krisenzeiten anspringt, hätte man genau so gut einen Put kaufen können. Und das ist ein ziemlich spekulatives Produkt, das der Anleger des Vola-Zertifikats wohl nicht haben wollte ... Man kaufte scheinbar eine innovative Depotabsicherung über ein Vola-Zertifikat und bekam am Ende defakto einen ollen Put-Optionsschein.

Jetzt fragt man sich natürlich, wie sowas passieren konnte. Das Konstrukt des VDAX-NEW war nicht sooo neu, der VDAX-NEW ist (wie der Name schon andeutet) eine neue Version des alten (und demnächst eingestellten) VDAX.

Beide möglichen Erklärungen sind für Goldman Sachs nicht wirklich schön ...

Entweder hat GS den Wertverlust einfach in Kauf genommen und den Anleger über den Tisch gezogen oder GS hat das Produkt nicht wirklich durchschaut und schlicht ein Schrott-Produkt kreiert. Ich tippe auf Letzteres, aber auch das ist kein Ruhmesblatt für die größte Investmentbank der Welt. Sowas wie die Volatilität sollten die eigentlich im Griff haben ...

gefunden über Zertifikatejournal: Auf Nimmerwiedersehen

Update (17:13)

Die FAZ hat's auch:

FAZ: Manche Zertifikate sind unberechenbar

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