Und endlich ist sie weg ... IKB geht an Lone Star (Update mit Kommentaren)

An eine Heuschrecke ...

Egal, tschö mit ö.

Ich hoffe, neben den gestern gemeldeten 800 Millionen Euro muss der Steuerzahler nicht noch weiteres Geld hinterherwerfen ... Die 9,8 Milliarden plus den 0,8 von gestern sind ja auch langsam genug.

Um das Geld wieder reinzuholen, müssen die Politiker (die die IKB immer kontrolliert haben, davon aber natürlich nichts wissen wollen) nicht nur ein paar Steuersünder aus Liechtenstein zurückholen, sondern direkt in Liechtenstein einmarschieren ...

Handelsblatt:US-Investor übernimmt die IKB

Naja, im Moment läuft die Pressekonferenz und ich werde wohl nochmal ein Update machen. Ich befürchte, den deutschen Steuerzahler kostet diese Nummer mehr als 10 Milliarden. Aber warum aufregen: Unser Schulsystem und unsere Infrastruktur ist doch toll. Und außerdem hat man den Zumwinkel eingebuchtet ...

Update (11:22):

Bereits gestern in der FTD:

FTD: Wie die IKB abgewickelt wird

und die IKB Geschichte hier: Suche nach IKB

Update (12:13):

Ein Kommentar zum (nicht vorhandenen) Sinn der Rettung bei der FTD:
FTD: KfW sendet falsches Signal

Update (13:18):

Ich habe lange keinen Hals mehr bekommen ;-)

Aber der IKB Deal ist hart.

Wie kommen diese Politiker auf die Idee, im Zusammenhang mit diesem Geschäft die Worte "gut gelaufen" zu benutzen?

Warum verschweigen sie den Verkaufserlös? Sowohl der Steuerzahler als auch der Aktionör hat ein Interesse daran, den Preis zu erfahren! Ganz nebenbei ist die IKB börsennotiert und daher bleibt das nicht geheim. Dass die Politiker zwischendurch mal die ersten Schritte der Rettung mit dem Hinweis begründet haben, dass die Milliarden nur eine Anzahlung auf den Verkaufserlös darstellen würden, verschweige ich mal besser ... Jetzt werden es nicht einmal 800 Millionen oder weniger als 10% der investierten Summe :-(

Und was meint der Unions-Fraktionsvorsitzende Michael Meister genau mit der Aussage, es seien keine Gelder des Bundes geflossen? Meint er ernsthaft, dass die staatliche KfW nicht irgendwie auch der Bund sei? Man lässt das Geld einfach um eine Ecke laufen und schon ist man in der öffentlichen Darstellung raus aus der Nummer?

Und wie genau und wie toll ist es, wenn der KfW jetzt keine weiteren Risiken mehr drohen, der Bund aber noch für bis zu 2,2 Milliarden Euro gerade stehen muss?

Das ist ja mal eine geile Konstruktion ... Man lässt das Geld indirekt über die KfW laufen und nimmt die Risiken (die Sicherheiten) in die eigenen Bücher. Und am Ende betont man dann, dass die Rettung total geil gewesen sei, weil der KfW ja keine weiteren Risiken mehr drohen und der Staat kein Geld bezahlt hätte. Dummerweise drohen die Risiken dem Staat und das Geld hat die KfW gezahlt ... Am Ende ist das aber sowieso alles die gleiche Kasse ... Die Kasse, die der Steuerzahler füllt ...

FTD: Lone Star zahlt Schnäppchenpreis für IKB

Update (18:07):

Der FAZ Kommentar dazu. War es das wert? 10,7 Milliarden Gesamtschaden, 9,5 Milliarden davon vom Staat. Macht 125 Euro pro Bürger. Also 12 Kästen Bier. Oder ein richtig leckeres Abendessen für zwei. Oder oder oder. Aber für 'ne blöde Bank, die jetzt einer Heuschrecke gehört. Grrr.

FAZ.NET: Ein beispielloser Bankenskandal

Update (21.08) (hab den Artikel nochmal auf die Startseite geholt):

Der Verkaufspreis soll bei 150 Millionen Euro gelegen haben. Bei noch offenen Garantien des Staats in Höhe von 2,2 Milliarden Euro befürchte ich, dass der Kaufpreis am Ende doch noch ins Negative abrutscht ...

Lone Star kann den Kauf übrigens noch rückabwickeln, wenn die EU die Hilfen für die IKB als unrechtmäßig erklären sollte. Das wird zwar als unwahrscheinlich angesehen und ist es wohl auch, weil die IKB sonst halt Pleite gegangen wäre und für den Fall müsste die EU auch eine Lösung präsentieren. Und da wüsste ich nicht welche ...

Handelsblatt: IKB: Teurer Notverkauf

Und noch ein Kommentar von von Heusinger


Unter Geiern


Erwähnenswerter Kommentar, weil er nicht wie fast alle anderen jede Rettungsaktion jedes Mal begrüßt hat und jetzt über den Verkauf meckert. Das ist doch nur die gängige Im-Nachhinein-Klugscheisserei, die keinen Deut weiter hilft. Möglicherweise war der Kaufpreis von 150 Millionen nach 10 Milliarden Unterstützung noch ein relativ gutes Geschäft, weil der Schaden eigentlich noch höher ist. Wer kann das jetzt beurteilen?

Kommentare :

  1. IKB-Kreditnehmer, macht Euch auf auf eine Krediteintreibung im bekannten texanischen Stil bereit - über die volle Höhe der Sicherheiten (Grundschuld) selbstverständlich. Da kann ich nur mehr mein Beileid aussprechen.

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  2. Warum kauft eine staatliche Bank Hypotheken in den USA, die nun angeblich wertlos den USA zurückgegeben werden?

    tja, da könnte man sich schon mal fragen, wem diese Leute eigentlich verpflichtet sind. Nicht nur deutsche Steuerzahler bezahlen den amerikanischen IMK, den Hausbau und Konsum. So etwas wie Nationalstaaten gibt es nicht mehr. Milliardäre, Medien und Politiker arbeiten Hand in Hand, um dieses System durchzusetzen, böse Zungen nennen das Wirtschaftsfaschismus, Neuprech nennt das Globalisierung, die aber immer nur in eine Richtung geht, aber was weiß ich schon ...

    lol ntv zuckt auch schon: "wenn man bedenkt, wo das seinen Anfang genommen hat, und wo das jetzt hin geht, ..." Mal sehen, wie lange die Dame noch ihren Job hat, oder ganz schnell ihre Meinung ändert ...

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  3. Ja wieviel Geld ist denn nun reingekommen?

    Laut SpOn jedenfalls deutlich weniger als die 800Mio, vielmehr
    "im niedrigen dreistelligen Euro-Bereich"

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,573471,00.html

    Das Teil wurde nahezu verschenkt, eine Sparkasse in einer größeren Stadt ist vermutlich mehr wert.

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  4. Wir werden es irgendwann erfahren ...

    Das aber nicht bereits heute zu sagen, ist eine Frechheit! Das ist nur den Verantwortlichen geschuldetet, die heute den schlechten Nachrichten nicht noch weitere hinzufügen möchten.

    Die schlechte Nachricht gibt es erst dann, wenn Glos und Konsorten nicht mehr im Kameralicht stehen wie heute, sondern am besten, wenn die gerade in China oder so sind.

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  5. http://frank-meyer.eu/blog/?title=texanischer_angriff_auf_deutschen_mittel&more=1&c=1&tb=1&pb=1

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  6. Was ich nicht verstehe: Die IKB war keine Staatsbank. Der Staat hielt über die IKB weniger als 50%, war normal an der Börse notiert.
    Warum hat der Staat überhaupt die Milliarden reingeballert? Und warum verschenkt man jetzt die Bank, _nachdem_ man dermaßen viel Geld reingesteckt hat?

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  7. Naja, Bear Stearns war auch keine Staatsbank und die Amis haben die trotzdem gerettet. Das Argument "Schaden vom Finanzplatz Deutschland abwenden" ist nicht ganz falsch. Und man hat einfach Angst gehabt vor unkalkulierbaren Dominoeffekten. Wahrscheinlich zu viel Angst.

    Ganz nebenbei: Unter Umständen hätte man die IKB auch über ausländische Investoren retten können (oder von mir aus auch inländische). Aber das hat man nur in der allerersten Stufe versucht. Danach hat der Staat viel zu schnell und viel zu leicht das Portmonee aufgemacht ...

    (Dass die USA sich die Kapitalerhöhungen vom Ausland finanzieren lassen, ist schon ziemlich clever. Aber in einem Land in Deutschland, wo fast alle meinen, dass der Staat fast alles regeln müsse, ist der (im Verständnis dieser Leute) natürlich auch für eine IKB Rettung verantwortlich. Genauso wie damals Gerhard!Gerhard! Holzmann gerettet hat. Nur damit der Laden ein paar ahre später dann endgültig Pleite war).

    Und warum man den Laden jetzt für ein paar Hundert Millionen verscherbelt, obwohl man Milliarden reingesteckt hat? Tja, weil der Laden nicht mehr wert ist. Als man die Rettungskationen gestartet hat, hatte die IKB wohl einen negativen Firmenwert von 10 Milliarden oder so ...

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  8. Der Kaufpreis betrage rund 150 Millionen Euro, schreibt das «Handelsblatt» unter Berufung auf Finanzkreise. Die staatliche KfW hatte am Vortag ihren Mehrheitsanteil von 90,8 Prozent an den US-Finanzinvestor Lone Star abgegeben, musste dabei aber von ihrer Preisvorstellung von 800 Millionen Euro abrücken.

    http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/85295

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  9. ... und wieder mal Herr Ackermann:

    http://www.duckhome.de/tb/archives/3264-Die-wundersame-Geschichte-der-IKB-und-Josef-Ackermann-im-Glueck.html

    "Tatsächlich bekommt Lone Star also netto rund 1,2 Milliarden Euro dafür, dass sie die IKB übernehmen und der öffentlichen Kontrolle entziehen. Das ist ein gutes Geschäft. Sie sollten sich in Lucky Star umbenennen. Tatsächlich werden sie die IKB wie eine Zitrone auspressen, die Kredite die, die IKB an den Mittelstand vergeben hat, entweder kündigen oder fällig stellen um aus der Verwertung der Sicherheiten einen Zusatzgewinn zu erzielen.

    Das ist genau das, was Lone Star ja mit vielen deutschen Hypothekenkunden bereits gemacht hat, die treu und brav ihre Schulden gezahlt haben und nun in Scharen vor der Zwangversteigerung stehen. Lone Star ist eine Heuschrecke der vermutlich gemeinsten Art. Selbstverständlich wird die IKB dann irgendwann in den Konkurs geschickt.

    Schon bald nachdem der Bund und die KfW ihre Abschlußzahlung geleistet haben, wird die Entlassungswelle beginnen und die Werte die noch in der Bank stecken, werden gegen Kleingeld herausgekauft. Das übliche Verfahren halt. Eine Firmenbestattung auf hohem Niveau. Neben dem finanziellen Erfolg für Lone Star, gibt es nur noch einen Glücklichen. Josef Ackermann. Der braucht nie wieder zu fürchten das die IKB-Affäre untersucht wird."

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  10. hallo, nur mal so: Danke für Dein Blog. Find ich riesig, die Arbeit, die Du hier leistet.

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  11. egghat, dass der Laden jetzt nicht mehr viel wert ist, ist mir klar. Unklar ist mir allerdings, warum man die Bank jetzt überhaupt verkauft. Milliarden sind schon reingesteckt worden, um damit Risiken abzusichern. Allzu viel wird da eigentlich nicht mehr kommen können (oder? aber hätte Lonestar dann zugegriffen?). Warum behält man die Bank nicht einfach, wartet wenige Jahre, bis sich die Sache gelegt hat und reprivatisiert die Bank dann?

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  12. weil es *noch* schlimmer kommen könnte ... Heusinger hat das in seinem Kommentar ganz gut drin. Der Zug jetzt ist definitiv einer, von dem man erst in 5 Jahren weiss, ob der richtig war ...

    Übrigens hat ein Russe (Lebedew) wohl mehr geboten, aber irgendwie nicht den Zuschlag bekommen, obwohl er Gorbatschow eingespannt hat ...

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  13. "... Der Vorsitzende (Chairman) der Lone Star Aktivitäten in Deutschland ist Dr. Karsten von Köller, Dr. Marcel Köchling ist Vice President. Merkwürdigerweise sind von der ursprünglichen Verhandlungsbasis von 800 Mill. Euro nur noch einhundert ( 100 ) übriggeblieben.

    Abgesehen mal davon - Die Lonestar Investment war selbst Kunde bei der IKB und kaufte in den Jahren 1999 bis 2004 noch sogenannte faule Hypothekenkredite, und jetzt halten Sie sich fest, im Wert von etwas über 9 Milliarden Euro von der IKB. Das ist genau der Betrag, den wir als Steuerzahler zuvor zur Sanierung der IKB aufbringen mussten! Und zwar ohne unsere Zustimmung ! [...]

    Skandalös, aber nicht überraschend ist, daß Lone Star und Hudson Advisors mit Finanzkreisen in Texas verbunden sind, die zum Umfeld der Familie Bush gehören.

    Außerdem - „Der US-Finanzinvestor übernimmt den größten Teil der Risiken aus den Portfolioinvestments der IKB. Lone Star werde Wertpapiere im Nominalwert von 3,3 Mrd. Euro in eine Zweckgesellschaft auslagern und diese mit Kapital hinterlegen“, sagte IKB-Chef Günther Bräunig. Auf die bisherige IKB-Großaktionärin KfW würden die restlichen Wertpapiere von 1,3 Mrd. Euro übertragen. Tatsache ist aber, dass die IKB durch die 9 Milliarden Euro komplett saniert ist, d.h. dass nunmehr keine Verbindlichkeiten seitens der IKB offen stehen.

    Was heißt das ?

    Das bedeutet, dass die Lone Star Deutschland MIT WISSEN DER BUNDESREGIERUNG die 9 Milliarden, die sie selbst als Verluste in ihren Büchern gehabt hat, vom deutschen Steuerzahler GESCHENKT bekommen hat ! Ein Deal nach Mafiaart, wie das Ganze abgelaufen ist. Natürlich hat der amerikanische Präsident Bush höchstes Interesse, dass das so abgelaufen ist, weil die Lone Star Texas unter seinem persönlichen Kuratel steht! ... "

    http://medienguerilla.blog.de/2008/08/26/lone-star-investments-tiefschwarze-seite-unserer-politiker-4639770

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  14. Habe den Kommentar im verlinkten Blog schon hinterlassen, aber auch hier noch mal:

    --

    Ich verstehe das nicht.

    Dass die 9 Milliarden, die die IKB an Lone Star verkauft hat, und die 9 Milliarden, die die Regierung jetzt in die IKB gesteckt hat, haben IMHO wenig miteinander zu tun.

    a) Der Verkauf der Sachen von der IKB war zeitlich *weit* vor der jetzigen Krise.

    b) Damals waren die Teile noch voll werthaltig und sind es jetzt mglw. immer noch (nicht jedes verbriefte Papier ist wertlos. Die meisten deutschen Pfandbriefe notieren bei 100% wie immer zuvor.

    c) Außerdem: Unabhängig vom Zeitaspekt: Warum sollten die einen 9 Milliarden mit den anderen was zu tun haben? Erstens würde das heissen, dass die IKB keinen anderen Kunden hatte und die ganzen 9 Milliarden allein an Lone Star vertickert wurden und die IKB sonst keinen Kunden hatte. Außerdem handelt es sich um *verkaufte* Anleihen, also Anleihen, die halt verkauft und weg sind. Dafür trägt nicht mehr die IKB die Schuld.

    d) Zusätzlich: Die Probleme bei der IKB sind beim SIV Rhinebridge Capital aufgetaucht. *Dort* sind die Abschreibungen entstanden. Das Teil ist (oder wird gerade) abgewickelt. Mit Rhinebridge hat Lone Star aber nix am Hut.

    Mein Fazit: Hier werden zwei Zahlen zusammengeworfen, die IMHO nichts miteinander zu tun haben. Durch ein bisschen reinrühren von George W. wird das ganze nicht schlüssiger.

    Das die Politiker keinen Untersuchungsausschuß wollen ist doch logisch, weil die auch vor dem Verkauf schon komplett gepennt haben. Daraus würde ich nichts ableiten ...

    ---

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