35 Milliarden Unterstützung für HRE? Und 3/4 davon vom Staat!

Jetzt verstehe ich langsam, warum Merkel und Steinbrück nicht beim US-Rettungspakt mitmachen wollen: Die brauchen das Geld für ihren eigenen Rettungspakt.

Der wird zwar nicht auf einmal geschnürt, sondern nur bei Bedarf (erst 10 Mrd in kleinen Häppchen, nicht nummeriert und in kleinen Scheinen ;-) ) für die IKB, dann ein paar Mal ein paar Milliärdchen für diverse Landesbanken und jetzt lt. Financial Times Deutschland bis zu 35 Milliarden für die Hypo Real Estate.

Die erste Stufe des Rettungspakets umfasst 14 Mrd, von denen 8,4 Mrd. von den Banken und 5,6 Mrd. vom Staat kommen. Die zweite Stufe umfasst (vorerst) keine direkten Geldflüsse, sondern ist "nur" eine Bürgschaft, und zwar eine 21 Milliarden Euro schwere.

Juhuuh!

Ich weiss jetzt ehrlich gesagt nicht, worüber ich mich mehr aufregen soll: Darüber, dass hier mglw. 26 Milliarden Steuergelder OHNE Gegenleistung zum Fenster herausgeworfen werden oder darüber, dass unsere Politiker sich erst letzte Woche so weit aus dem Fenster hängen und die USA angreifen, um dann am Wochenende panisch vor der eigenen Türe kehren zu müssen.

Aussagen wie "man sei sich nicht sicher, dass der amerikanische Rettungsplan klug sei" sind nach dieser Rettungsaktion völlig peinlich. Denn was am jetzigen Paket clever sein soll, ist mir unklar. Die Bevölkerung wird wie in den USA völlig im Unklaren gelassen, die Pressemitteilungen zum Thema waren ein Witz (keine Summe, Beteiligung des Staates nicht erwähnt, etc. pp. (siehe Hypo Real Estate gerettet). Und wo ist die Beteiligung des Staats an den geretteten Firma? Wie profitiert der Steuerzahler davon, wenn die Probleme der HRE mglw. nur ein temporäres Liquiditätsproblem ist? Mit der Bürgschaft geht man voll ins Risiko, aber der beste Ausgang ist neutral; es kostet dann nichts.

Der Staat ist der "lender of last resort", der Kreditgeber der letzten Instanz. Er gibt Geld, wenn niemand sonst noch Geld geben möchte. Dafür kann man aber eine vernünftige Rendite erwarten. Aber unsere cleveren Politiker holen aus solchen Deals immer eine negative Rendite heraus. Sie übernehmen das Risiko, vergessen aber vom positiven Fall irgendwie zu profitieren.

Geld nur gegen Eigenkapital.

Und warum fliegt der Vorstand nicht sofort raus? Unfassbar!

Zur aktuellen Entwicklung:
FTD: Bundesetat muss für HRE bluten

Zu Merkels und Steinbrücks flotten Sprüchen letzte Woche:
Spiegel: Merkel gibt US-Regierung Mitschuld an Finanzkrise

(ich habe mir echt Mühe gegeben, die Nachrichten heute positiv darzustellen. Aber jetzt geht's echt nicht mehr ...)

Update (14:11)

Und weil Schadenfreude zwar nicht immer die schönste Freude ist, aber in Momenten wie diesen oft die einzige, noch Zeit für eine wichtige Durchsage der Commerzbank:

Handelsblatt: Commerzbank senkt Hypo Real Estate (HRE) von „Buy“ auf „Reduce“

Timing ist an der Börse bekanntlich nicht ganz unwichtig ...

Übrigens melden vereinzelte Quellen, dass die HRE abgewickelt werden soll.

Update (14:28)

Die FTD hat ein paar Zitate zusammengestellt, die die Depfa (die die HRE jetzt in den Abgrund gezogen hat) vor 4 Wochen von sich gegeben hat. Sehr lesenswerter Artikel.

Darunter echte Höhepunkte wie
"Wir machen nur Geschäft, das auch entsprechend refinanziert werden kann".
oder
"Wir profitieren weiterhin von der ausgeprägten Präferenz für Qualität und Sicherheit".
Autsch.

Aber die Ratingagenturen haben auch wieder ein erstklassiges Komplettversagen hingelegt: Die Depfa plc hatte mit AA+ ein sehr gutes Rating. (Ich finde das in der offiziellen Rating-Liste von der HRE zwar nicht, aber dort steht ein AA- und das steht ebenfalls noch für exzellente Kreditqualität).

FTD: Das Schweigen der Depfa

Update (16:55):

Es verdichten sich die Nachrichten, dass die HRE abgewickelt werden soll. Für die Aktionäre kann das aus meiner Sicht nur "Kursziel Null" bedeuten. Allerdings verdichtet sich auch die Eindruck, dass eigentlich noch keiner weiss, was man letzte Nacht (angeblich) beschlossen hat ...

FTD: Chaos um HRE-Rettung

Update (17:38)

Weissgarnix weiss wie so oft doch was ;-) und hat einige Stellen im letzten Geschäftsbericht (Q2/2008) gefunden, die eine sehr gute Basis für eine Klage gegen die HRE und den Wirtschaftsprüfer KPMG bilden dürften. Die eindeutigste IMHO:
Selbst unter einem worst case Szenario ist dadurch sichergestellt, dass die Hypo Real Estate Gruppe sowie ihre Tochtergesellschaften jederzeit uneingeschränkt zahlungsfähig sind.
Das ist eine eindeutige Aussage, die mit den Ereignissen von heute (bzw. vom Wochenende) eindeutig falsch ist.
Mehr hier: Weissgarnix.de: Lesestoff für klagefreudige HRE-Aktionäre

Update (22:44)

"Deshalb wird die Rettung mit Staatshilfe von allen Seiten gutgeheißen."
Aus der Einleitung eines FAZ-Artikels zum Thema ...

Nein, ein kleines Dorf in der äußerst westlichen Blogosphäre wehrt sich noch ;-)

Die HRE Rettung ist natürlich nicht zu vermeiden, aber für 8,5 Milliarden Unterstützung von außen (sprich den Banken) 26 Milliarden Staatsbeteiligung einzubringen OHNE weitere Gegenleistung, ist einfach nur doof. Dafür hätte der Staat mindestens 50% an der Bank bekommen müssen, wenn nicht sogar 100%.

FAZ; „Es sind längst keine normalen Zeiten mehr“

Update (23:15)

Nochmal eine Timeline, die erklärt, warum sich Steinbrück noch am Donnerstag vor den Bundestag gestellt hat und über die doofen Amis gelästert hat. Der Notruf aus München kam nämlich erst am Freitag morgen. Schlechtes Timing Peer.
FTD: Stütze vom Staat

Und noch ein kleiner Spaß: Zeitenwende.ch: Käptn Peer auf Kurs

Und noch ein ernstgemeinter Kommentar von "Heli-Heusi":
FR: Verstaatlicht alle Banken!

Kommentare :

  1. Afghanistan, Georgien und jetzt dies. Sag bitte einer, dass wir diese Stümper nicht gewählt haben, sondern wir gleich schreiend aufwachen und feststellen, dass es nur ein Albtraum war.

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  2. Hi egghat,

    überwiegend Zustimmung, aber eine kleine Ergänzung zu der Aussage "10 Mrd ... für die IKB". Dazu ist ist zu sagen, dass es vom Steuerzahler m.W. bisher "nur" 1,7 Mrd Euro direkt waren plus der unerklärliche "Ausfall" von etwa 600 Mio. beim Verkauf an Lone Star gegenüber dem geschätzten Wert der IKB, also insgesamt etwa 2 Mrd Euro. Die übrigen 8 Mrd. Euro musste die KfW aus ihrem laufenden Geschäft aufbringen. Dass das nicht das Gleiche ist wie der Staatshaushalt sieht man auch daran, wie die KfW zur IKB kam: Finanzminister Eichel wollte damals seine Budgetprognose für den Bundeshaushalt einhalten und hat die KfW daher genötigt, die IKB vom Bund zu kaufen. Die KfW-Vorstände selbst hatten nie ein Interesse am Besitz der IKB, die Politik hat sie aber dazu quasi genötigt, und auch den späteren Verkauf verhindert - mit der Begründung, die IKB solle nicht in privatwirtschaftliche Hände fallen, wo sie dann unter größeren Renditedruck komme. Das macht den Verkauf ausgerechnet an Lone Star nun besonders pikant...

    Gruß
    Ulriko

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  3. @Ulrike: Die KfW schüttet den Gewinn aber aus. Und davon wird die nächsten Jahre wohl nichts zu sehen sein ...

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  4. Hallo Egghat,
    bei Weisgarnix steht 184 Milliarden. Ich nehme an, er liegt richtig.

    Schöne Grüße,
    MaSh

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  5. Das ist die Summe, die HRE zur Refinanzierung braucht. Deshalb ist das Rettungspaket so schlecht, weil u.U. die sicherheit, die das Rettungspaket jetzt bietet, dem Markt nicht ausreicht, und diese Refinanzierung nicht klappt.

    Bei einer (teil-)Verstaatlichung hätte dieses Risko nicht bestanden.

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