Der Marshallplan war auch ein Bailout!

Ein Blick in die Geschichte:

Wir Deutschen hatten einen Diktator. Wir haben die Welt in Schutt und Asche gelegt. Und wir haben trotzdem einen Bailout bekommen: Den Marshall Plan. Moral Hazard war eine logische Überlegung, denn wir waren Schuld und hätten eine Quittung verdient. Aber was haben wir bekommen: Großzügige Unterstützung. Einen klassischen Bailout.

Eine interessante Überlegung, um "Moral Hazard" und "Bailouts" in ein richtiges Verhältnis zu stellen. Das platte "man darf die Großkopferten aus der Finanzwelt nicht immer laufen lassen" greift viel zu kurz!

Bronte Capital: Bailouts - past and present

Ich habe gestern schon ein paar Gedanken in die Richtung formuliert.
Moral Hazard oder was wir gelernt haben im letzten halben Jahr

Es sollte nicht darum gehen, durch eine Pleite jemanden zu bestrafen. Die wirklich Verantwortlichen trifft man eh nicht. Aber man produziert einen Haufen neuer Arbeitsloser, die nichts dafür können. Und man hat Zahlungsausfälle (bei Lehman geschätzte 80 Milliarden), die durch ausfallende Steuereinnahmen (angenommen 25% Steuerquote) zu 20 Milliarden Mindereinnahmen für den Staat sorgen. Wenn jetzt durch die Lehman Pleite noch ein paar kleinere Dominosteinchen umfallen, war die "Moral Hazard" Lösung für den Steuerzahler schnell doppelt oder dreimal so teuer wie ein Finanzanschub für einen Bad Bank-Spinoff, wie ihn Lehman geplant hat.

Es wird ja oft argumentiert, dass man nur durch einen Warnschuss (sprich eine Pleite) Exzesse in Zukunft vermeiden könne. Ich glaube das aber nicht. Wer sich anschaut, welchen persönlichen Schaden Herr Fuld von Lehman hat, wird feststellen, dass ihn die Pleite seiner Firma finanziell kaum jucken dürfte. Einen wirklichen finanziellen Schaden hat er nicht. Wenn er will, findet er auch einen neuen, gut bezahlten Job (wenn auch nicht so gut wie bei Lehman). Wenn nicht, hat er auch genug Geld, um die letzten 30 Jahre seines Lebens in Ruhe an den schönsten Plätzen der Welt zu verbringen.

Nein ich glaube nicht daran, dass durch eine Pleite heute der nächste Exzess in 10 Jahren vermieden werden kann. Das kann nur staatliche Regulierung. Aber die Politik denkt halt in guten Zeiten nicht daran, die Regeln zu verschärfen: Es sieht ja doch alles gut aus. Und in der nächsten Krise wird wieder gejammert. Die Regulierung und die Kontrolle sind die entscheidenden Faktoren, die die nächste Krise weniger schlimm machen können. Ganz vermeiden geht sowieso nicht und macht auch keinen Sinn.

Aber was man vermeiden kann ist eine Krise, die inzwischen zum Unterschlüpfen von zwei namhaften Häusern an der WallStreet geführt hat (Bear Stearns und Merrill Lynch), zwei großen Pleiten (Indymac und Lehman) und drei riesigen Verstaatlichungen (Fannie Mae, Freddie Mac und AIG). Und mit Washington Mutual kippt ein weiterer Riese. Und die Citigroup und Morgan Stanley sind auch noch nicht sicher ...

Das sind keine Einzelfälle, sondern das ist eine spekulative Megablase, die alle Bereiche erfasst hat. Und *sowas* kann man vorher sehen und es haben auch einige gesehen. Und dann muss man einschreiten. Nicht jetzt, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Update (13:15):

Wer mal etwas genauer wissen will, warum ich glaube, dass Regulierung und Kontrolle funktionieren kann, muss sich mal durchlesen, wie Kontrolle heute aussieht:

Funktionale Regulierung hieß übersetzt: Verschiedene Sparten und Produkte werden von verschiedenen Behörden überwacht. In den USA obliegt die Versicherungsaufsicht den Bundesstaaten, für Geschäftsbanken ist das Office of the Comptroller of the Currency zuständig, die Fed schaut sich die Holdinggesellschaften an, Investmentbanken fallen unter die SEC-Kontrolle.


Dass das nicht funktionieren kann ist nachvollziehbar. Und klar ist auch, dass man das viel besser machen kann und besser machen muss ...

FTD: AIG: Falsche Regeln der Regulierung

Kommentare :

  1. Ich seh das etwas anders Egghead. Bei den "Bailouts" geht es um mehr. Die "Dollar-Hegemonie" ist durch die Finanzkrise bedroht - auch wenn der Dollar gerade (warum eigentlich?) steigt. Ein Zusammenbruch des Finanzsystems bedeutet für die USA den Verlust der Kontrolle über die Weltwirtschaft und damit verbunden der Niedergang des Imperiums – vgl. England.
    Ich stelle mir die Frage, ob das, was wir gerade erleben, gewollt ist und wer am Ende die politische und wirtschaftliche "Kontrolle" übernehmen könnte und wird.
    Was noch fehlt ist ein begrenzt atomarer Schlag gegen den Iran, dann würde die ganze Krise erst richtig interessant.

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  2. a) *Was* siehst du anders?
    b) Such mal nach Imperium auf meinem Blog. Ich würde nicht sagen, dass ich deinen Gedanken abgeneigt wäre.
    c) Im Iran wird nichts mehr passieren. Das Zeitfenster ist so kurz vor der Wahl zu.

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  3. Also den Beitrag von anonym zu kommentieren schenk ich mir; der erkennt ja nicht einmal den Unterschied zwischen einem Kopf und einem Hut!

    Zum Thema: Natürlich könnte Regulierung besser funktionieren, aber in der Praxis wird meist nicht mehr gemacht, als zu versuchen, die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden.

    Alles was ich in den letzten Monaten an Forderungen zur Verschärfung der Regulierung lesen konnte, konzentrierte sich auf die Auslöser der aktuellen Krise: ABS/MBS.

    Die nächste Bubble wird aber mit Sicherheit genau da NICHT entstehen.

    Im übrigen war mit entscheidend für die letzte Krise, daß sich die Verantwortlichen sehr wohl im Rahmen der Regulierung bewegten, also z.B. Fondsmanager nur AAA-geratete Produkte kauften.

    Daß bei den Ratingagenturen aber ein Zielkonflikt vorlag, darauf hätte man mit etwas Mißtrauen durchaus selber kommen können.

    Das erfordert dann aber von Seiten der für die Regulierung verantwortlichen Politiker nicht nur eine solide Kenntnis der Finanzwelt, sondern auch Menschenkenntnis, um schon im voraus erkennen zu können, wie clevere Banker sich an den Regulierungen vorbeischleichen werden.

    Und da bei den meisten Politikern noch nicht einmal eines von beidem gegeben ist...

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  4. Ich teile deine Einschätzung, dass es beim nächsten Mal nur wenig besser wird. Regulierung wird es nur schaffen, die nächste Krise mit dem gleichen Auslöser in 5 Jahren zu verhindern. Mit etws Glück sorgt die Regulierung auch dafür, dass die nächste Krise in 10 Jahren etwas weniger schlimm wird. Aber verhindern wird das die Krise nicht.

    Am wichtigsten war mir eigentlich einmal zu sagen, dass meiner Meinung nach die Nachrettung von Lehman daran nichts aber auch gar nichts ändert. Für die nächste Krise ist es völlig Wurscht, ob man Lehman rettet oder vor die Wand fahren lässt. Pleite oder Bailout mag manchen moralisch eine interessante Frage zu sein. Es scheint auch eine gewissen Schadenfreude auszulösen. Aber einen Einfluss auf die nächste Krise hat das nicht.

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