Der Waldschrat aus der Pfalz ist weg

Der "offensichtlich gescheiterte Waldschrat aus der Pfalz" ist jetzt sehr offensichtlich gescheitert. Es erscheint kaum vorstellbar, dass die Kanzlerkandidatur *und* die Ablösung als SPD-Parteichef von Kurt Beck so geplant waren. Das ging wohl um einiges zu schnell für Herrn "immer mal langsam mit dä Leut".

Die große Frage ist jetzt, ob die SPD jetzt wieder auf eine Linie zurückzubekommen ist. Zu viele Mitglieder der SPD wollen eigentlich lieber gegen die Bonzen demonstrieren, zu viele haben zu viele gute Ideen Geld auszugeben. Das ist im Wahlkampf immer ganz nett, in der Regierungsverantwortung aber doof. Denn irgendjemand muss das Geld ja auch verdienen.

Man muss bei allem Beck'schen Rumgeeier in Sachen Linkspartei bedenken, dass Müntefering der hessischen SPD zu einer Koalition mit der Linkspartei geraten hat. Also nicht wie manche denken, jede Zusammenarbeit mit dieser abgelehnt hat. Ob in dieser Frage Steinmeier und Münte auf einer Linie sind?

Was man der SPD auf jeden Fall vorhalten muss: Sie hat es nicht geschafft, an ihrem linken Rand eine neue Partei zu verhindern. Die Union hat das bis heute immerhin geschafft. Weder Reps, noch NPD oder DVU haben in der Breite der Bevölkerung Rückhalt gefunden. Unter anderem weil diese Parteien immer und zwar kategorisch ausgegrenzt wurden. Das hat die SPD versäumt. Weder die SED-KPD-Geschichte der Linken wurde genügend in den Mittelpunkt gerückt, noch die völlig irre Ausgabenpolitik, die u.a. Notebooks für alle Parteimitglieder fordert - und dabei die Finanzierung nicht einmal anspricht (wie bei allen Vorschlägen im Sozialsystem auch) ...

Spiegel: SPD: Beck tritt als Parteichef zurück

Update (20:06)

Kommentar der Frankfurter Rundschau, bis vor kurzem noch SPD-Tochter ...

Steinmeier repräsentiert nicht die Zukunft der SPD, er repräsentiert überhaupt nicht die SPD. Also muss Müntefering noch mal ran, der wenigstens ihre Vergangenheit repräsentiert.


FR: Vorwärts. Zurück.

Update (20:11):

Die FAZ sieht's auch nicht positiver ...

FAZ: Niedergang der SPD: Das letzte Aufgebot

Kommentare :

  1. Also gescheitert ist der nicht, sondern von den Transatlantikern weggeputscht worden.
    Am "linken Rand" hat sich auch nicht eine neue Partei gebildet, sondern der die U-Boote des Seeheimer Kreises haben die SPD nach rechts gerückt, die Basis will das nicht. Nur die Linke vertritt derzeit sozialdemokratische Positionen.
    Und, dass Rechte sich in der Union immer schon sehr wohl fühlten, ist ja kein Geheimnis. Und zu den noch "rechteren" Verfassungsschutzvereinen muss man wohl nichts sagen.

    AntwortenLöschen
  2. Du kannst aber Die Linke nicht mit Reps, DVU oder NPD vergleichen. Die Abgeordneten, die Verantwortungsträger, der Linkspartei machen dort, wo sie in der Regierung sind (Landes- und Kommunalebene) ganz pragmatische Politik. Ganz im Gegensatz zu den Deppen der braunen Parteien.

    Der derzeitige Umfrageerfolg der Linkspartei spiegelt eher die Hoffnung vieler wider, dass es eine Alternative zu dieser SPD gibt, die sie seit den Zeiten Schröders geworden ist. Die SPD von heute vertritt Positionen der CDU von früher, dadurch wurde an der linken Seite Platz frei. Die SPD wurde wurde nach rechts gedrängt, publizistisch unterstützt von den gleichen Leuten, die sich jetzt wundern, dass sich nun dort die Linkspartei breit macht, mit der man nicht gerechnet hat.

    AntwortenLöschen
  3. Also man kann Rechte und Linke schon vergleichen, vor allem hin Hinsicht auf das Wegbröckeln. Wenn Reps oder DVU auf 10% kommen würden, wären die auch weiter in der Mitte als die es jetzt sind. Man hat die aber aussen geblockt. Ein Teil der Leute wählt Union, ein Teil wählt gar nicht und ein anderer Teil wählt die immer noch. Dieser letzte Teil ist aber nie groß genug geworden.

    Übrigens ist im Osten in manchen Regionen die NPD durchaus eine "Kümmerer"-Partei. Da sind nicht nur Deppen drin ...

    Die SPD hatte immer das Problem, dass viele der eigenen Positionen in Regierungsverantwortung nicht haltbar waren. Das kann natürlich irgendwann (und das ist wohl jetzt passiert) eine Partei auseinanderreissen. Dass die weiter rechts sind als früher würde ich nicht unterschreiben. Die waren unter Helmut Schmidt weiter rechts.

    AntwortenLöschen
  4. Während die CDU konsequent einen konservativen Kurs hält, hat die SPD durch den Verlust ihres linken Teils die eigene Identität verloren. In eben jene Bresche ist die Linke gesprungen. Würde gleiches der CDU mit ihrem rechten Flügel passieren, währe es vermutlich die FDP die nachrücken würde. Der Vergleich währe mit Die Linke und FDP meines Erachtens besser geglückt. Mit den Rechten will doch nun WIRKLICH niemand spielen!

    AntwortenLöschen
  5. Ludwig Erhard promovierte bei Franz Oppenheimer08 September, 2008 16:25

    "Die waren unter Helmut Schmidt weiter rechts."
    Das ist ein schlechter Witz. Man könnte z. B. Horst Ehmke fragen, warum er einem Freund gegenüber von Leuten gesprochen hat, die "uns die drei Buchstaben geklaut haben."

    Aber letztendlich würde die Klärung dieser Frage natürlich in ein politökonomisch-historisches Oberseminar ausarten. Und da jede Generation sich dazu erst einschreibt, nachdem der Karren an die Wand gefahren ist, werden wir bei jener, die aktuell am Drücker ist, noch eine Weile auf die Vorlage der Studienbescheinigung warten müssen. Noch gilt es ja, die verbliebenen Trümpfe auszuspielen - von Fischers Vorschlag vermehrten "Mitsterbens" bis zu Dohnanyis aktuellen Richtungsweisungen, die - in die ökonomische Realität übersetzt - schlicht darauf hinauslaufen, BMW möge doch bitte Tata an die Wand konkurrieren. Aber keine Angst, mit akkumulierter Krisenerfahrung steigt auf Dauer auch wieder der Reflexionsbedarf.

    In der Weimarer Republik hat die MSPD die USPD geschluckt. Wenn sich diesmal eher ein Kopf-Kopf-Rennen abzeichnet, ist zumindest dafür gesorgt, dass eine Depression nicht mit dem Übergang in den von den Carl-Schmitt-Apologeten herbeigesehnten Obrigkeitsstaat endet.
    Ansonsten bedaure ich, dass ich mangels Sprachkenntnissen nicht überprüfen kann, ob an Chinas - oder vielleicht auch Indiens - Unis nicht eventuell schon das Manuskript einer neuen, aufsehenerregenden General Theory zirkuliert. In der englischsprachigen Literatur scheinen mir Asiaten jedenfalls nach wie vor unterrepräsentiert. Immerhin dürften die Ereignisse des Wochenendes geeignet sein, die intellektuelle Kreativität asiatischer Ökonomen herauszufordern. Das Ergebnis
    könnte evtl. für die Welt zuträglicher sein als jegliche vorstellbare Antwort auf die allem Anschein nach Deutschlands Ökonomen vorrangig bewegende Frage, um welche Zweierpotenz der Niedriglohnsektor hierzulande noch aufgestockt werden kann.

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore