Die Mutter alle Bailouts ist jetzt offiziell

Und bis zu 100 Milliarden wird sie kosten. Sagt man. Ich sage: Es wird mehr.

Fannie Mae und Freddie Mac werden wie erwartet wieder verstaatlicht. Angesichts der allgemeinen Lage war das auch zu erwarten.

Man hat das meiner Meinung nach von langer Hand vorbereitet. Nicht erst mit der Genehmigung vor etwa 6 Wochen (Fannie-Freddie-Bailout abgesegnet), sondern schon lange vorher. Mehrfach wurden die Verbriefungsvorschriften "erleichtert", mit dem Ergebnis, dass die Geschäftbanken schlechtere Hypotheken als früher bei den beiden verbriefen konnten und damit das Risiko von den Geschäftsbanken zu den beiden wanderte. Wen die Details meines "Drehbuchs" interessieren: Funny Mac? Oder wie der Bailout kommen wird ...

Dass dieser Bailout kommt, habe ich nie bezweifelt, auch wenn Politiker das natürlich nicht zugegeben haben. Es gebe keine konkreten Pläne, es sei alles nur für den Fall der Fälle, Blabla, etc. pp. Ein Blanko-Scheck wird immer eingelöst. Spätestens nach den Berechnungen des Börsenmagazins Barrons, die für beide jeweils 50 Milliarden Dollar *negativen* Wert errechnet haben, war klar, dass der Staat einspringen wird.

Was passiert jetzt? Beide Immobilienfinanzierer werden defakto verstaatlicht. Die Vorstände werden ausgetauscht. Die Nachfolger sind schon bekannt. Der amerikanische Staat wird "bei Bedarf bis zu 100 Milliarden Dollar" in die beiden Firmen stecken. Die Schätzung beim Antrag des Bailouts von wahrscheinlich 25 Milliarden Dollar kann man damit (wie erwartet; wer glaubt Politikern?) knicken (Fannie-Freddie-Bailout kostet 25 Milliarden Dollar (sagt jemand)).

Wie hoch der Schaden wird, weiss jetzt wohl niemand. Die "bis zu 100 Milliarden Dollar"-Aussage von US-Finanzminster Paulson sorgt dabei zumindest für eine Sicherheit: Und zwar die Sicherheit, dass 100 Milliarden Dollar garantiert nicht ausreichen werden. Bei einer Summe von 5 Billionen Dollar ist es auch nicht sonderlich schwierig, sich (deutlich) höhere Belastungen auszurechnen. 100 Milliarden sind schließlich nur 2% der Gesamtsumme ...

Die Gesamtsumme von 5 Billionen Dollar ist mit Abstand die größte staatliche Rettungsmaßnahme, die die USA je beschlossen haben. Und auch bei den Gesamtkosten, die der US-Steuerzahler übernehmen muss, wird wohl ein neuer Rekord aufgestellt werden.

Die Aktionäre werden wohl leer ausgehen, die Anleihenbesitzer sind jetzt auf der sicheren Seite, da sie quasi im Besitz von US-Staatsanleihen sind. Standard & Poors hat die Ratings auch schon angepasst; die Anleihen sind weiterhin AAA, die Aktien jetzt Schrott: Marketwatch: S&P cuts Freddie, Fannie stock ratings to junk. Aber die Anmerkung sei gestattet: Das nützt *jetzt* auch keinem mehr was ...

Die Nachricht:
Spiegel: Rettungsaktion kostet US-Regierung viele Milliarden

FAZ: Amerika rettet Fannie und Freddie aus höchster Not

Ein Kommentar der FTD dazu:

FTD: Fannie & Freddie - Zahltag in Washington

und noch einer der FAZ (bereits vor der offiziellen Bekanntgabe geschrieben, aber das zeichnete sich ja auch zu deutlich ab):

FAZ: Die Knute des Conservators

Und wem das jetzt noch nicht genügend Links sind ... Ich habe noch einen, da steht wirklich ALLES drin (in vielen weiteren Links). Auch zum Beispiel das, was Aktienbesitzer jetzt konkret zu erwarten haben:
The Big Picture: Fannie & Freddie Weekend Wrap Up/Linkfest

(das lese ich aber auch nicht, zumindest nicht mehr heute Abend ...)

Update (8.9.08):

Noch ein Kommentar in der FAZ, der auf die Rolle der Politik hinweist:

FAZ.NET: Eine Zäsur der Wirtschaftspolitik

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