Fantasie-Accounting wieder erlaubt?!?

Der Hammer:

SEC. 132. AUTHORITY TO SUSPEND MARK-TO-MARKET ACCOUNTING.

(a) AUTHORITY.—The Securities and Exchange Commission shall have the authority under the securities laws (as such term is defined in section 3(a)(47) of the Securities Exchange Act of 1934 (15 U.S.C. 78c(a)(47)) to suspend, by rule, regulation, or order, the application of Statement Number 157 of the Financial Accounting Standards Board for any issuer (as such term is defined in section 3(a)(8) of such Act) or with respect to any class or category of transaction if the Commission determines that is necessary or appropriate in the public interest and is consistent with the protection of investors.*

Ist das jetzt wahr? Also haben die nur das Recht, dass Ansetzen des Werts zu Marktpreisen zu beenden oder ist das jetzt schon umgesetzt?

Zum Hintergrund: Man muss in seiner Bilanz den Wert jedes Vermögensgegenstandes korrekt abbilden. Dabei gibt es zwei Methoden:
a) Man orientiert sich am "fairen" Wert (wie auch immer man diesen berechnet)
b) Man orientiert sich an den Marktpreisen (wenn es denn einen gibt).

Wie oben schon angedeutet, überschneiden sich die beiden teilweise, denn wenn es keine Marktpreise gibt, kann man auch nichts davon ableiten. Trotzdem wird mit dem heutigen Ansatz versucht, wo immer möglich, die Marktpreise heranzuziehen (Mark-To-Market). Das kann direkt und indirekt geschehen (man nennt das Level 1 (direkt, es gibt einen Marktpreis) und Level 2 Securities (es gibt ähnliche Produkte mit einem Marktpreis)). Die Level 3 Securities sind dann die, für die ich einen Wert generell nur errechnen bzw. schätzen kann.

Bei Level 1 und Level 2 Securities hat man immer das Problem, dass ein Markt illiquide sein kann. Wie aktuell der Markt für fast alle verbrieften Papiere (z.B. Hypotheken). Dann verkauft eine Bank auf Teufel komm raus ihr Hypothekenpaket zum Schleuderpreis, z.B. um sich für einen Verkauf schön zu machen. Dann sind nach Mark-to-Market auch alle anderen Banken gezwungen, vergleichbare Hypotheken im Wert zu reduzieren. Auch wenn alle der Meinung sind, dass die Hypotheken eigentlich mehr wert sind.

Jetzt wird wohl darüber nachgedacht, die Level 2 Securities auch ähnlich zu bewerten wie die Level 3 Securities. Womöglich gilt das sogar für Level 1 Securities, wenn irgendwelche Rahmenbedingungen stimmen (zum Beispiel wenn der Markt zu illiquide ist). Der Wert darf also geschätzt werden. Skeptiker nennen das auch Mark-To-Fantasy.

Man muss jetzt kein richtiger Pessimist sein, um zu befürchten, dass diese Schätzungen viel zu positiv sein werden. Die Banken rechnen sich also reicher als sie es eigentlich sind. Weil die Verluste am Ende der Laufzeit trotzdem anfallen, verschiebt man Verluste von heute in die Zukunft. Die Japaner haben ihre Krise so "gelöst". Wobei gelöst in Anführungsstrichen stehen muss, denn das dauerte etwa 15 Jahre. Das macht die Krise aber nur länger ...

Ich bin jetzt etwas überrascht, dass die Verantwortlichen in den USA offenbar versuchen, die Krise an allen Stellen gleichzeitig zu stoppen. Mit Mark-To-Fantasy ermöglicht man den Banken eigentlich im großen Stile Verluste zu verstecken und erst in die Zukunft zu deklarieren. Das ist eigentlich schon ein ziemliches Allheilmittel, weil es jede Menge Luft zum Überleben gibt. Darauf packt man noch ein 700 Mrd. Rettungspaket. Ein Rettungspaket für die Autobauer kommt dazu und ein Konjunkturpaket nach der Wahl ebenfalls. Jetzt noch die Notenpresse anwerfen und dann haben wir den perfekten Nährboden für die Inflation ab 2011 ...

Außerdem muss ich meine Meinung korrigieren, dass die USA cleverer an die Krise herangehen als Japan. So uneingeschränkt gilt das nicht mehr, denn zumindest teilweise begehen die USA jetzt die gleichen Fehler ...

Scheinbar sind in den USA jetzt alle im Panik-Modus. Auch die Geschichte von Paulsons Kniefall deutet in diese Richtung ... Panik war aber bisher selten ein guter Ratgeber ...

The Big Picture: Fed & Treasury Needs to Stop Targeting Asset Prices
FT Alphaville: Paulson’s magic marker

Update (17:20)

Zum Accounting noch ein interessanter Artikel im Economist:

Economist: All’s fair

1 Kommentar :

  1. "Jetzt noch die Notenpresse anwerfen und dann haben wir den perfekten Nährboden für die Inflation ab 2011 ..."

    Wieso ausgerechnet ab 2011 und wie geht's deiner Meinung nach bis dahin weiter?

    Meiner Meinung nach wird eine Hyperinflation, sofern sie überhaupt zu Stande kommt und nicht schon jetzt der deflationäre Crash ansteht, spätestens 2010-2011 in eben diesem Crash enden.

    Gruß vom

    SupaHöd

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