Hank Paulson == Gott? Rettungsplan == 10 Gebote?

Ein schönes Zitat aus einem Focus Artikel über die Verhandlungen zum Bankenrettungsplan BaB.

Kein Wunder, findet die demokratische Kongresspräsidentin Nancy Pelosi: „Die Wall Street hatte ihre Party. Die Party ist vorbei, und jetzt sollen die Bürger die Rechnung bezahlen.“

Finanzminister Paulson zuckt da nur mit den Schultern: „Sie machen sich Sorgen, dass die Steuerzahler am Haken hängen könnten?“, meint er zur Katerstimmung im Land und schiebt trocken nach: „Ach wissen Sie, die hängen doch schon längst am Haken.“
(Quelle: Focus: US-Finanzkrise„Der Steuerzahler hängt längst am Haken“)

Ist das jetzt Fatalismus? Oder einfach nur unglaubliche Arroganz?

Man wird das Gefühl nicht los, dass US- Finanzminister Henry Paulson genervt ist, wenn man ihm kritische Fragen stellt. Dass Paulson es als Frechheit empfindet, wenn demokratisch gewählte Volksvertreter nachfragen, wieso er auf der Basis von 3 Seiten Papier die Vollmacht über 700 Mrd. Dollar bekommen möchte und bei Transparenz und Kontrolle exakt NIX als Gegenleistung anbietet.

Ich habe meine Meinung zum Rettungsplan ja schonmal aufgeschrieben, allerdings in einem Artikel, der durch mehrfache Erweiterungen und intensive Verlinkung ziemlich chaotisch wurde. Daher vielleicht nochmal etwas übersichtlicher.

a) Die USA brauchen irgendwie sowas. Nur notleidende Banken auffangen, kann irgendwie nicht das Mittel sein. Allerdings frage ich mich auch, ob diese schlechte Möglichkeit u.U. nicht sogar besser ist als dieser Rettungsplan.
b) Das Volumen ist tendenziell zu niedrig. Vor allem wenn in der Verhandlungen mit dem Senat und dem Kongress die Anwendbarkeit von Hypotheken (und verbrieften Produkten darauf) auch auf Autokredite, Kreditkartenschulden, etc. ausgedehnt wird. Dann sind die 700 Mrd. wahrscheinlich zu wenig, auch wenn man berücksichtigen muss, dass es ja nicht darum gehen kann, alle faulen Schulden aus den Bilanzen herauszukaufen. Zahlungsausfälle sind ein natürlicher Teil des Bankengeschäfts.
Vor allem fehlen mir Stützungsmaßnahmen des Immobiliensektors. Denn da hat die Krise begonnen und auch nur da wird sie enden!
c) Die Transparenz des Rettungspakets ist absolut mangelhaft. Außer eines (nicht weiter definierten) Reports alle 6 Monate gibt es gar nichts. Das Programm ist so eine Frechheit.
d) Die Kontrolle des Rettungspakets über Gerichte wird ausgeschlossen. Auch das ist natürlich eine Frechheit. Das ist schlimmer als Guantanamo, da gibt es immerhin noch ein Gericht ....
e) Das Paket ist Moral Hazard im Quadrat. Bei einer Pleite einer Bank fliegt der Verantwortliche im Normalfall immerhin raus. Können die Verantwortlichen die Schrottanleihen und -hypotheken einfach verkaufen und der Bank geht's nachher wieder gut, passiert ihnen voraussichtlich nichts.
f) Es gibt keinen Besserungsschein für den Steuerzahler. Wenn die Banken die Papiere heute zu teuer an den Rettungsfonds verkaufen (sprich der Steuerzahler dafür zu viel zahlt), muss die Bank dafür nicht haften, Geld nachschießen oder Ähnliches. Das kann nicht sein. Der Verkäufer müssen für (einen Teil) der Verluste geradestehen.
Der Vorschlag, einen Debt-to-Equity Deal für diese Nachbesserung zumachen, ist ein sehr guter. Danach werden die Verluste, die die Papiere am Ende der Laufzeit haben, gegen Eigenkapital der Bank getauscht. Der Staat bekommt also Aktien als Ausgleich für den Verlust. Die neuen Aktien belasten die Bilanz der Banken nicht, sie verwässern nur das Eigenkapital der Altaktionäre. Die Altaktionäre werden aber genügend Druck auf den Vorstand ausüben, damit die Verwässerung so gering wie möglich bleibt. Was man durch möglichst realistische Preise beim Verkauf erreichen kann.

Wenn ich mir das zusammenfassend anschaue, ist das einzige positive an dem Plan, dass es einen gibt und dass das Volumen nicht von vornherein lächerlich klein ist. Alles andere ist aber ein Skandal und eine absolute Frechheit.

SO NICHT!

Wer sich übrigens richtig intensiv für das Thema interessiert, dem sei folgender Artikel bei Bronte Capital wärmstens ans Herz gelegt (und auch der Artikel über die japanische Bankenkrise und das PDF über die norwegische Bankenkrise):

Bronte Capital: The Norwegian bank collapse – a fixed currency model with a current account deficit

Da stecken intelligente Ideen drin. Das PDF ist aber weit über 200 Seiten dick und ich bezweifle, dass Paulson und Konsorten den Inhalt kennen ...

Kommentare :

  1. Da Paulsen sicher kein Torfkopf ist (immerhin war er bis vor 2 Jahren Chef der Bank, in die jetzt sogar Buffet investiert), muss man IMHO aus seinem schonungslos unzweideutigen Drängen zumindest die Möglichkeit entnehmen, dass es wirklich ernst ist, und dass er nicht nur als Lobbyist seines ehemaligen Hometurf handelt.

    Dass das Duo Paulsen/Bernanke, das ja aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln guckt, jetzt gemeinschaftlich zu dieser Sicht gekommen zu sein scheint, lässt mich das zumindest ernsthaft befürchten (als Bürger, als Shortie finde ich das eher gut, aber das ist ein anders Thema).

    Es gibt zugegeben auch andere Stimmen, wie zum Beispiel hier:

    http://www.rgemonitor.com/financemarkets-monitor/253730/banking_expert_bailout_not_necessary_industry_can_take_losses

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  2. Nötig ist es, hab ich ja auch geschrieben. Das Problem an dem Plan ist einfach: Paulson will die US-Banken retten und rekapitalisieren. Das Zweite klappt nur, wenn er den Banken mehr Geld gibt als der Giftmüll wert ist. Er kann das aber nicht sagen, weil er damit das Geld der Steuerzahler "verprasst". Daher wird eine Auktion eingebaut, die zu einem fairen Preis führen soll (aber auch komplett manipuliert werden kann). Und damit das keiner mitbekommt, dass mit dem Plan eigentlich was ganz anderes erreicht werden soll als öffentlich gesagt wird, muss das alles total geheim sein und kann auch von keinem angezweifelt werden.

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  3. Schwer zu sagen...

    Von einem Auktionsverfahren hat man schon "länger" (soweit das Wort bei der derzeitigen Dramatik passt) nichts mehr gehört. Auch aus den Äusserungen in den Hearings, wo man wohl als Preis jetzt eher sagt "maturity value" als "mark-to-market", geht IMHO hervor, dass man das Programm ganz straightforward als Bankensystem-Rettungsprogramm versteht.

    Das kann man als Zynismus auffassen, aber ich frage mich, ob es nicht vielleicht eher wahr ist in dem Sinne, dass es mangels ALternativen einfach so gemacht werden muss. Auch das Auftreten von Paulsen in einigen Interviews gibt mir das Gefühl, wo er ja doch ganz ungewöhnlich blass und abgekämpft wirkt.

    Er hatte meines Erachtens ja auch mit Bear-Stearns, Lehman, und AIG die "moral hazard"-Überlegung bisher ganz gut vertreten: in allen 3 Fällen wurden die Aktionäre brutal rasiert.

    Aber Lehman war vielleicht auch ein turning point: Lehman hat möglicherweise AIG heruntergerissen, und als Paulsen das merkte, ist er mit seinem Blitzplan gekommen.

    Noch ein Indiz: laut WELT "bezeichnete Milliardär Buffett in einem Fernsehinterview mit CNBC den Hilfsplan als „absolut notwendig“, um das Finanzsystem aus einem „wirtschaftlichen Pearl Harbor“ zu retten.".

    Jetzt könnte man zynisch sagen, dass Buffet seit seinem Investment in Goldman Sachs auch das eigennützige Hohelied der Rettung des Bankensystems singt. Die Tatsache, dass er ja schliesslich freiwillig bei GS eingestiegen ist, könnte das nahelegen. Aber für mich ist Buffet einer der wenigen noch stehenden Heroen des amerikanischen straightforward-Seins. Er scheint mir zumindest nicht wie einer, der als allererstes darüber nachdenkt, wie er die Öffentlichkeit mit seinen Worten manipuliert.

    Insgesamt halte ich Paulsen/Bernanke in der Abwägung also doch zugute, dass sie die Situation nach den Lehman-Erfahrungen als sehr ernst sehen, und dass sie deshalb solch einen Druck machen.

    Aber was kann ich aus der Froschperspektive schon wissen...

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  4. Ich würde noch ein paar Sachen hinzufügen. Wenn die Politiker das Ausmaß der Krise früh genug verstanden hätten, hätte man die Krise mglw. über eine Stabilisierung des Immobilienmarktes auffangen können. Die stabilen Banken hätten das überlebt, die spekulativen nicht. Die hätte man verstaatlicht und abgewickelt.

    Die These, dass Lehman AIG mitgerissen hat, teile ich. Lehman Pleite gehen zu lassen, war also falsch. Keine Ahnung, warum die SEC über das Wochenende nicht wenigstens das Short-Selling-Verbot hinbekommen hat. Das hätte den Banken vielleicht genug Luft bis zur Bekanntgabe des BaBs gegeben. Lehman war übrigens laut BIS auch eine der 16 Too-Big-To-Fail Banken. Naja, vielleicht hatten die doch eher Recht als Paulson.

    und um es nochmal klarzumachen: Ich diskutiere nicht über das "ob" des Plans, sondern über das "wie". Der Staat muss einschreiten. Aber er muss auch die Wahrheit sagen. Und nicht so tun, als wolle man die Banken nur retten, sondern auch zugeben, dass es auch um eine Rekapitalisierung geht und zwar ohne dass der Steuerzahler was davon hat. Ich habe ja auch geschrieben, dass ich den AIG Deal für sehr clever halte. Warum jetzt auf einmal ein Deal, bei dem der Steuerzahler keinen reinen Wein eingeschenkt bekommt und bei dem er für sein Geld keine Anteile bekommt, nicht an den banken beteiligt wird und auch sonst an nichts profitieren kann.

    Ich finde Chance und Risiko zwischen Bank und Steuerzahler nicht fair verteilt. Und das spricht nicht gegen einen Rettungspakt, nur gegen diesen!

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  5. Ich bin nicht gegen Ihre Thesen. Schon gar nicht dagegen, dass bei dem Plan einiges sehr merkwürdig ist.

    Nur halte ich es für möglich (ich kann nicht sagen: wahrscheinlich, aber ich traue mich auch nicht es auszuschliessen), dass das Krude an dem Plan tatsächlich von einem gewissen Mass an Panik kam, vor allem, wenn Paulsen/Bernanke dachten, sie müssten es unbedingt in dieser Woche fertig kriegen.

    Und falls Leute vom Kaliber Paulsen tatsächlich in einen Panik-nahen Zustand geraten würden, dann müsste man als Normal-Frosch wohl wirklich die Aktentasche über den Kopf ziehen ;-)

    Es bleibt verdammt spannend...

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  6. Dann hätten die den Plan vernünftig machen sollen. Ohne Kontrolle und ohne Transparenz kann man es halt nicht machen. Dass bei einem solchen Blankoscheck muss man ja skeptisch werden.

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  7. > > Dann hätten die den Plan vernünftig machen sollen. Ohne Kontrolle und ohne Transparenz kann man es halt nicht machen. Dass bei einem solchen Blankoscheck muss man ja skeptisch werden.

    Nun gut, ich werde mich nicht dagegen sperren, dass es knallt. Mein volkswirtschaftliches Bauchgrimmen wird dann halt durch meine Dax-Shorts versüsst... ;-)

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