In Spanien sieht's auch nicht besser aus ...

Jetzt wo sich die Hektik um den Fannie-Freddie-Bailout und die Lehman-Krise etwas gelegt hat, bleibt mal wieder etwas Zeit, über die Wirtschaftslage nachzudenken.

Eine Sache, die mir ein den letzten Monaten nicht gefallen hat, ist die Konzentration der Aufmerksamkeit auf die Krise in den USA. Dadurch entsteht schnell der Eindruck, es würde sich um ein rein amerikanisches Problem handeln.

Ich habe aber schon oft darauf hingewiesen, dass es einigen Studien zufolge in Europa Immobilienmärkte gibt, die sogar noch stärker überwertet sind als die Immobilien in den USA. Allen voran Spanien und Großbritannien.

Wobei in den beiden Ländern nicht unbedingt das Preisniveau am höchsten ist (das ist zum Beispiel auch in Italien hoch), sondern die Finanzierungsseite die offene Flanke darstellt. Es gibt hier die gleiche explosive Mischung wie in den USA: Zu hohe Immobilienpreise UND zu lasche und zu risikoreiche Kreditvergabe. Übrigens sind ein paar andere Märkte auch kritisch. Insbesondere Büroimmobilien in den osteuropäischen Metropolen (Budapest, Warschau, ...) erscheinen mir kräftig überteuert zu sein. Aber das ist noch ein anderes Thema.

Heute mal ein kleiner Überblick zur Lage in Spanien.

Die FAZ fragt sich, ob sich Einstieg in den spanischen Immobilienmarkt schon wieder lohnt (Kurzversion: noch zu früh). Ein interessantes Detail: Wer meint, dass die deutschen Immobilienaktien stark gehebelt seien (sprich wenig Eigenkapital im Verhältnis zu den den Schulden haben), sollte sich mal Colonial anschauen: 10,5 Milliarden Immobilienwert, 9 Milliarden Schulden, sprich nur 1,5 Milliarden Eigenkapital. Das ist extrem gehebelt und ist eigentlich schon ein hochspekulativer Hedgefonds. Auf jeden Fall ist das nicht die Stabilität, die man hinter einer Immobilienaktie vermuten würde.

FAZ:Sturmwarnung von Colonial

Das Wall Street Journal sieht für Spanien eine lange Phase der wirtschaftlichen Schwäche. Vor allem, weil Spanien die notwendigen Reformen nicht angeht und der Aufschwung zu stark auf einer einzigen Säule stand: dem Immobilienmarkt. Der Anteil des Baus an der Wirtschaftsleistung lag in Spanien im Boom der letzten Jahre mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland.

WSJ: Prolonged Economic Pain, But Spain Should Rebound

Und Bloomberg bringt ein paar interessante Konjunkturzahlen:

Einzelhandelsumsätze: - 6% (im Juli zum Vorjahr)
Autoabsatz: -28% (im Juli zum Vorjahr)
Hausbaubeginne: -57% (im Mai zum Vorjahr)

In Spanien schlagen die Zinserhöhungen so stark durch, weil dort fast alle (95%) Hypotheken variabel verzinst werden. Jeder Monat mit hohen Leitzinsen der EZB tut den spanischen Hausbesitzern also richtig weh.

Bloomberg: Spain Retail Sales Fall for Eighth Month as `Crisis' Deepens

Telepolis hat auch noch einen Artikel dazu:

Telepolis: EU-Kommission sieht Deutschland, Großbritannien und Spanien in der Rezession


Man sollte sich angesichts dieser Konjunkturzahlen nicht allzuviel Hoffnung auf eine schnelle Wende machen ... Vor allem sollte man sich nicht einreden, dass die europäischen Banken nicht auch in eine ähnliche Abwärtsspirale geraten können wie die amerikanischen ... Aber dazu (vielleicht) später nochmal was ...

Nachrichtenüberblick zu Spanien in diesem Blog

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