Jetzt kommt der Bailouts aller Bailouts (Updates inside)

Den Begriff "Mutter aller Bailouts" hatte ich schon bei der Verstaatlichung von Fannie und Freddie benutzt. Daher muss ich mir einen noch größeren Begriff ausdenken ...

Gestern Abend amerikanischer Zeit haben US-Finanzminister Hank Paulson und Fed-Chef Ben Bernanke Pläne verkündet, über eine massive Rettungsaktion für die Unmengen von faulen Krediten nachzdenken. Eine Institution, die einfach den Banken und Versicherungen den ganzen Mist (bzw. hinreichend viel) aus den Bilanzen abkauft. Details sind noch unklar, aber es

So etwas gab es schon einige Male, zuletzt bei der Savings & Loan Krise Ende der 80er Jahre. Damals wurde eine Resolution Trust Corporation (RTC) gegründet, die für die Stabilisierung der Sparkassen sorgte. Damals ging es auch um eine Riesensumme, am Ende war es aber für de Steuerzahler vergleichsweise preiswert.

FT Alphaville: Push for crisis breakthrough

Als erster in die Diskussion geworfen hat den Bailout aller Bailouts (ab jetzt BaB) der ehemalige IWF Chefökonom Kenneth Rogoff, der auch als erster gewagt hat zu sagen, was vorher nur durch konspirative Kreise in der Blogosphäre waberte: Fannie Mae und Freddie Mac sind Pleite und müssen verstaatlicht werden.

Kenneth Rogoff meint, dass es ohne den BaB am Ende eh das gleiche Ergebnis geben wird: Der Staat wird ein Finanzinstitut nach dem nächsten kaufen müssen und hat der Giftmüll dann in den eigenen Büchern stehen. Da kann man besser den Banken heute den Giftmüll abkaufen, aber dann ein für alle Male Ruhe haben. Taktisch noch wichtiger: Der Staat hält das Heft des Handels in der Hand. Der Staat agiert wieder und reagiert nicht nur. Psychologisch vielleicht ebenso wichtig: Man nimmt den Shortsellern die Möglichkeit, relativ risikolos Geld zu verdienen.

Der Originalartikel von Kenneth Rogoff:

FT.com: America will need a $1,000bn bail-out

Wer's lieber auf Deutsch mag: Bei Weissgarnix.de gibt es die entscheidenden Stellen auf Deutsch (mit etwas Einschätzung garniert):

Weissgarnix.de: Wenn schon Bailout, dann nicht kleckern, sondern klotzen!

Ich könnte mir auch vorstellen, das Problem ganz unten im Immobilienmarkt zu lösen, wod ie Krise auch begann und wo IMHO auch entschieden wird, wie groß die Krise noch wird. Sinken die Preise 30%, könnte das Finanzsystem in der jetzigen Struktur in etwa überleben. Sinken die Preise aber um 40% oder mehr, wird es auch stabilste Organisationen zu Fall bringen.

Am Immobilienmarkt muss man die Nachfrage und damit die Preise stabilisieren. Zum Beispiel über zinsgünstige Kredite, was durch die schon verstaatlichten Fannie Mae und Freddie Mac einfach wäre. Dann haben die Banken wieder eine Kalkulationsbasis für die ganzen mit Hypotheken besicherten Anleihen und müssen keine Angst mehr haben, dass nach 15 oder 20% Minus nochmal ein Minus in gleicher Höhe dazu kommt.

Der Vorteil: Eine solche Lösung würde wahrscheinlich wesentlich billiger als der Kauf des Giftmülls. Außerdem gibt es dabei weniger Moral Hazard. Man rettet diejenigen, die halbwegs sauber kalkuliert und investiert haben, die Wahnsinnigen würden aber weiter ins Gras beißen.

Das Problem an meinem Vorschlag: Es wirkt nicht sofort, sondern nur indirekt und daher verzögert.

Aber was klar ist: Mit so kleinen Kleckeraktionen wie den 150 Mrd. Steuerschecks von Bush, die *wahllos* mit der Gießkanne über die Haushalte gegossen werden, erreicht man nix. Und den Mist haben damals wirklich ernsthaft einige Kommentatoren gelobt.

Ich aber nicht: FTD.de: Top-Ökonomen loben US-Rettungspaket

Update (10:49):

Ich weiss nicht, ob Donalphonso den BaB schon kannte, wenn nicht, hat er ihn perfekt vorhergesehen. In einem HERRLICHEN Artikel:

Rebellmarkt: Endlich! Die Weltrevolution ist da!

Update (11:30):

Die News zum Mega-Rettungsfonds beim Handelsblatt:

Handelsblatt: US-Regierung plant riesige Auffanggesellschaft


Update (12:05):

Lesenswerter Artikel in der FTD:

FTD: Wie der Mega-Rettungsplan für die Finanzwelt funktionieren könnte

Update (13:18):

Ruf nach einem neuen RTC von Nicholas F. Brady, Eugene A. Ludwig und Paul A. Volcker:

WSJ: Resurrect the Resolution Trust Corp.

Kommentare :

  1. Waaaaaas? Kenneth Rogoff hat als erster gesagt, dass Fannie Mae und Freddie Mac pleite sind und verstaatlicht werden müssen?

    So ein elender Basher, ein fieser krimineller Shortie. Hängt ihn höher! ;-)

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  2. "Damals ging es auch um eine Riesensumme, am Ende war es aber für de Steuerzahler vergleichsweise preiswert."

    Damals nahm der Staat 200 Mrd. in die Hand und am Ende hat es den Staat 75 Mrd. gekostet. Ich weiß nicht, ob knapp 40% Verlust preiswert sind.

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  3. @m106: Preiswert wird die Rettung eh nicht. Die Aussage "preiswert" ist also immer nur relativ zu sehen.

    Dass die Krise irgendwie unter 500 Mrd. für den US-Staat abzuwickeln ist, halte ich für ausgeschlossen. 300 Mrd. hat man bisher aus dem Ausland eingesammelt, aber diese Quelle ist versiegt.

    Jetzt ist der US Steuerzahler an der Reihe.

    @Olaf: Streng genommen war Rogoff natürlich nicht der Erste, aber der Erste, dem man zugehört hat (Der Titel macht halt was her).

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  4. Ach ja, noch was: Nicht so oft die FTD verlinken. Aus deren Nutzungsbedingungen:

    "Die Einrichtung eines Hyperlinks von anderen Webseiten auf eine der zu diesem Online-Angebot gehörenden Webseiten, ohne vorherige schriftliche Zustimmung von Financial Times Deutschland, wird ausdrücklich untersagt."

    Oh, Mist, kopieren durfte ich das ja auch nicht.

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  5. @egghead: Hast Du eine Hypothese warum der Dollar nicht kollabiert? Beim "Bailout von Fannie Mae und Freddie Mac hätte m.A. nach der Dollar bereits extrem nachgeben müssen. Nun, nachdem vermutlich die "Großmutter aller Bailouts" kommt, müsste der Dollar eigentlich kollabieren – oder nicht?

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  6. egghat sagt: Keine Ahnung.

    Einzige Idee: Die 300 Milliarden, die den Ausländer bisher in die US-Finanzbranche gesteckt haben, musste ja jemand kaufen. Das erzeugte Dollar Nachfrage.

    Die Bewegung der letzten 2 Wochen erklärt das aber nicht. Es fliessen aber definitiv auch US-Gelder aus Emerging Markets ab und kommen heim in die USA. Nicht weil sie dort unbedingt gut rentieren würden, sondern weil man sie dort händeringend braucht ...

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  7. Upps, zu früh abgeschickt. Aber wirklich logisch finde ich das alles nicht ...

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  8. @Olaf:

    Die Klausel lässt sich definitiv nicht halten würde ich sagen.

    Das meinen die doch nicht ernst, oder?

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  9. @Anonym

    In der Pressemitteilung zu GEAB No. 27 steht:

    "In dieser Ausgabe des GEAB werden wir nicht nur darlegen, wieso für uns der Kursanstieg des Dollars nicht von Dauer sein kann ; vielmehr sind für uns Art und Weise und die Details der immensen Manipulation, die das US-Finanzministerium mit aktiver Mithilfe der Primary Dealers, der US-Zentralbank, den Zentralbanken Chinas und wahrscheinlich auch Japans und Europas seit der letzten Juliwoche organisiert hat, ein Beweis, dass sich der Zerfall des seit 1945 die globale Finanzwirtschaft regierenden Dollarsystems beschleunigt hat."

    http://www.leap2020.eu/GEAB-N-27-ist-angekommen!-Warum-LEAP-E2020-seine-Voraussage-eines-Wechselkurses-EURUSD-von-1,75-f%C3%BCr-Ende-2008-aufrecht_a2118.html

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  10. Nun werden die Hedgefonds den Dollar "shorten". Und wer will ihnen das verbieten?

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