Jetzt weiss ich, warum ich meine Rezessionswette verloren habe ...

Es gab ja einen Grund, den ich auch schon beim Abschluss meiner Rezessionswette als möglichen Knackpunkt meiner Wette vermutet hatte: Den Exportboom durch den fallenden Dollar. Das war zwar ein Faktor, der über die 4 relevanten Quartale zum Wirtschaftswachstum beigetragen hat, aber es gibt einen, der noch wichtiger war. Und zwar die Inflation!

Die Inflation? Senkt die nicht das Wachstum? Ja im Allgemeinen schon (Netto-BIP= Brutto-BIP minus Inflation), allerdings mit einer Ausnahme ...

Steigende Importpreise sorgen nämlich für einen fallenden BIP-Preisdeflator und damit für ein steigendes Netto-BIP (das dann in den Schlagzeilen steht).

Ich habe schon beim 3. Quartal 2007 darüber gebloggt (Die US-BIP Zahlen mal auseinandergenommen ... Anschnallen bitte.). Ich empfehle jedem, der sich ein wenig für die Berechnung des BIPs interessiert, das zu lesen. Es ist wirklich sehr spannend, wie steigende Importpreise zu einem sinkenden Preisdeflator führen und damit zu mehr Wachstum.

Ich möchte auch noch betonen, dass das *keine* Manipulation ist, weil fallende Importpreise den gegenteiligen Effekt haben. Es gibt auch keine andere Möglichkeit, die Preise in den Preisdeflator hereinzurechnen. Und Weglassen ist auch keine Möglichkeit, dann wäre die Inflation ja überhaupt nicht mehr berücksichtigt. Die Verzerrung, die wir jetzt sehen, tritt auch nur so extrem auf, wenn die Preise (im Fall der USA vor allem die Ölpreise) so extrem steigen wie in den letzten Quartalen.

Und im letzten Quartal war es wirklich extrem. Wenn man den Preisdeflator in seine Komponenten zerlegt, sind die Preise um etwa 6 Prozent gestiegen, von denen durch die steigenden Import(=Öl-)preise etwa 5 Prozentpunkte wieder abgezogen wurden! Am Ende gab es einen Preisdeflator von plus 0,9%, der die Realität natürlich überhaupt nicht widerspiegelt (die Verbraucherpreise steigen viel stärker, sogar nach der offiziellen Statistik). Das Netto-BIP wuchs im dritten Quartal 2008 um 3,3%. Das Brutto-BIP wuchs somit um 3,3 + 0,9 = 4,2%. Tut man jetzt mal so, als hätte es die steigenden Importpreise nicht gegeben, müsste man von den 4,2% Bruttowachstum aber 6 Prozentpunkte abziehen. Und damit hätten wir eine tiefes Minus!

Das Beste: Das gilt für die zwei Quartale davor ebenfalls! Ich hätte meine Rezessionswette also dick gewonnen!

Die Charts in folgendem Artikel sind echte Augenöffner! Krass, wie die Statistiken verfälschen können.

Im ersten Chart sieht man den Preisdeflator und seine Komponenten. Im zweiten Chart sieht man das BIP, einmal "normal" und einmal ohne den Anteil des Preisdeflators für die Importpreise. Im dritten Chart gibt es genau diesen Anteil, zurückgerechnet für die letzten 50 Jahre. Man sieht, dass der Effekt auch in der ersten und zweiten Ölkrise in den 70er Jahren der selbe war.

The Big Picture: GDP Deflator Inflator !

(wurde übrigens über eine ganze Serie von Postings vorbereitet:

The Big Picture: Is GDP (via BEA) Measuring Growth or Inflation?

The Big Picture: GDP: Lowest Inflation Rate in 5 Years

The Big Picture: Q2 GDP = 3.3% (kinda)

)

1 Kommentar :

  1. Schon gelesen?

    http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/marktberichte/:Das_Kapital_Sie_wollen_es_immer_noch_glauben/406961.html

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