Lehman Pleite - Der erste Zertifikateemittent weg

Das ist ein kräftiger Dämpfer für den deutschen Zertifikatemarkt. Mit Lehman Brothers ist der erste Emittent von Zertifikaten pleite. Auch wenn ich es nicht definitiv und für alle Zertifikate sagen kann ... Im Normalfall müsste es bedeuten: Pech gehabt, Geld weg.

Zertifikate und Optionsscheine sind Inhalberschuldverschreibungen. Diese sind nicht über einen Einlagensicherungsfonds oder ähnliches abgesichert. Anders als Geld auf dem Sparbuch oder dem Konto. Auch Fonds sind rechtlich anders konstruiert (sogenanntes Sondervermögen) und sind von einer Pleite nicht betroffen (Lehman war allerdings kein Fondsemittent, zumindest wäre mir das nicht bekannt).

Lehman hat den Handel in den Scheinen auf jeden Fall schon eingestellt.

Lehman ist (zum Glück bei allem Pech) nur ein kleiner Emittent. Der Marktanteil dürfte irgendwo bei 0,1% liegen. Das gesamte ausstehende Volumen dürfte kaum mehr als 10 bis 15 Millionen Euro ausmachen. Ich kann leider keine aktuelle Zahlen finden, die letzten, die ich zur Verfügung habe, sind schon ein Jahr alt. (Die aktuellen Statistiken schlüsseln die kleinen Emittenten nicht mehr einzeln auf)

Und ganz die Hoffnung zerstören möchte ich nicht, den immerhin ist es theoretisch möglich, dass sich Lehman unter Chapter 11 erfolgreich restrukturieren kann. Ich war immerhin noch am Freitag der Meinung, dass die Werte in der Lehman Bilanz nicht so schlecht sind, wie die Börse sie gerade macht. Aber das wird man dann sehen, wenn der Laden abgewickelt wird. Wenn was übrig bleibt, könnte auch für die Besitzer der Zertifikate noch was drin sein. Allerdings ist das selten, meistens bleibt nur wenig übrig. Für die Aktionäre am Ende der Gläubigerkette ist die Wahrscheinlichkeit auf Restgeld noch geringer ...

Update (20:43):

Die FAZ hat auch einen Artikel zum Thema:
FAZ: Lehman-Zertifikaten droht Totalausfall

Darin eine ähnliche Einschätzung wie von mir: Das Geld in Zertifikaten von Lehman ist wohl weg.

Eine interessante Randnotiz (ich verfolge den Zertifikate-Markt nicht so genau): Viele Emittenten haben heute den Handel in Zertifikaten und Optionsscheinen auf amerikanische Banken bis zur Börseneröffnung in Amerika komplett eingestellt. Man kauft also bei Zertifikaten nicht nur das Emittentenrisiko, sondern auch das Risiko einer Illiquidität mit. Und in wirklich hektischen Zeiten ist das häufiger als man glaubt. Also dann, wenn man richtig viel Geld verdienen bzw. verlieren kann.

Update (15.9.08):

Und noch ein Link: FTD: Zertifikaten droht Totalausfall

Ein Platz ganz hinten auf der Gläubigerliste


Nachtrag (2.10.08):

Der Schaden soll jetzt übrigens 100 Millionen oder mehr betragen. Das ist viel mehr als ich am Anfang geschätzt habe. Aber das Volumen in den Anlagezertifikaten war wohl doch ziemlich hoch und spiegelt sich im Marktanteil (der sich womöglich auf das Handelsvolumen und nicht das Anlagevolumen bezieht) nicht richtig wider.

Für Geschädigte eine Adresse und viel Glück. Übrigens ist der Ansatz "Falschberatung". Wer die Zertifikate bei vollem Bewusstsein selber gekauft hat, also ohne Beratung z.B. beim Discountbroker, wird wohl nix bekommen.

www.lehman-zertifikateschaden.biz

Kommentare :

  1. Zum Thema Einlagensicherung noch folgende Bemerkung: Nach dem Anlegerschtutzgesetz sind lediglich 20.000 EUR an Einlagen gesichert. Selbstbehalt 10%. Demgegenüber besteht kein Anspruch gegen den Einlagensicherungsfonds der Privatbanken. Bislang wurden allerdings alle Ansprüche befriedigt. Der Fonds ist angeblich auch nicht so üppig ausgestattet, dass er einen Finanztsunami überstehen würde. 12 Mrd EUR, wenn ich mich richtig erinnere. Das reicht natürlich für normale Geschehensabläufe aus. Aber was ist zurzeit schon normal? Genaue Zahlen verweigert die Finanzbranche aber. Wer mehr weiß, bitte posten/mailen.

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  2. Das kenne ich anders. Der Einlagensicherungsfonds sichert jede Einlage bei der Bank bis zu einer bestimmten Prozenthöhe der Bilanz ab. Bei der Deutschen Bank entsteht so ein hoher Millionen-, wenn nicht gar Milliardenbetrag.

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    Durch den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken sind die Guthaben jedes einzelnen Kunden bei den privaten Banken bis zur Höhe von 30 Prozent des maßgeblichen haftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank zum Zeitpunkt des letzten veröffentlichten Jahresabschlusses voll gesichert.

    Dieser Schutz umfaßt alle "Nichtbankeneinlagen", also die Guthaben von Privatpersonen, Wirtschaftsunternehmen und öffentlichen Stellen. Bei den geschützten Einlagen handelt es sich im Wesentlichen um Sicht-, Termin- und Spareinlagen und auf den Namen lautende Sparbriefe. Verbindlichkeiten, über die eine Bank Inhaberpapiere ausgestellt hat, wie zum Beispiel Inhaberschuldverschreibungen und Inhabereinlagenzertifikate, werden dagegen nicht geschützt.
    "

    Die Höhe der Summe, über die der Einlagensicherungsfonds verfügt, kenne ich auch nicht. Man kann beim Bundesverband deutscher Bank nicht einmal die Einzelsummen pro Bank bekommen.

    Ich habe schonmal geschrieben, dass ich es für ausgeschlossen halte, dass der Fonds eine größere Bank auffangen kann. Ich schätze sogar, dass selbst die relativ kleine IKB den Fonds schon überfordert hätte.

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  3. Ja, das ist richtig, so wie Du es darstellst. Der Anleger hat lediglich einen Rechtsanspruch nach dem Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetzes.
    Der Anspruch richtet sich gegen die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB)als Anstalt öffentlichen Rechts. Hingegen ist der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken an eine private Veranstaltung. Gegen diesen hat der Anleger keinen Anspruch. Die Entschädigungszahlung hängt sozusagen vom good will des Fonds ab. Sollte das Fondsvermögen aufgebraucht sein, ist es zweifelhaft, ob die Banken Geld nachschießen werden.

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  4. So, jetzt haben wir mit Lehman Deutschland den ersten wirklichen Test für den Einlagensicherungsfonds. Die FTD spricht vom Lackmustest. Implizit geht der Beitrag davon aus, dass der Fonds über 14 Mrd EUR verfügt. Soviel soll die Pleite aber nicht kosten. Hoffen wir mal, dass wir nicht weitere Stresstests erleben müssen.

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