Shortselling auch in Deutschland verboten ...

Wer noch den Beweise dafür suchte, dass die Idee Shortselling zu verbieten schlecht ist, hat ihn jetzt: Die BaFin macht auch mit.


OK, Häme beiseite: Das ging überraschend schnell. Eigentlich rechneten die meisten damit, dass sich in der Welt erst herumsprechen muss, dass man deutsche Finanzwerte noch shorten kann, sich die ganze Welt dann darauf konzentriert, die deutschen Finanzwerte komplett einbrechen und die BaFin erst dann reagiert.

Die Diskussion, ob das richtig ist oder nicht, werde ich zwar verfolgen. Aber im internationalen Rahmen völlig überflüssig. Nachdem Short Selling in London und New York (und Moskau) verboten ist, muss man mitmachen, um die oben skizzierte Gefahr zu vermeiden. Ich habe es noch nicht nachgeschaut, aber erwartet demnächst das Verbot des Short Sellings auch in Amsterdam, Paris, Mailand, Zürich, Tokio, ...

FAZ: Bafin verbietet Leerverkäufe
Trader's Quest: Jetzt auch in Deutschland kein Short Selling mehr

Update (11:42)

Der Bankenverband begrüßt die Entscheidung natürlich. Aber der würde auch ein Verbot sinkender Kurse begrüßen ...

FTD: Banken erfreut über BaFin-Schutzschild

Update (11:58)

Wollte ich schon länger verlinken. Keine Einleitung; die Überschrift sagt alles.

FTD: Loblied auf die Leerverkäufer

Kommentare :

  1. Es müsste für die Shorties eigentlich weiterhin unverändert eine Möglichkeit geben, in einem etwas allgemeineren Sinne "short" zu gehen, vermutlich sogar bei Banktiteln:

    Und zwar indem man Short Call geht, also Calls schreibt, d.h. als Stillhalter agiert. Praktisch jede Bank implementiert das auch für Privatpersonen. Es wird in der Grösse sicher Einschränkungen nach unten geben, man kann also wohl nicht sinnvoll mal gerade für 500 Euro Gesamtprämie einen Call auf einen Nebenwert schreiben, aber es ist ganz sicher nicht nur etwas für Reiche.

    Es wäre natürlich denkbar, dass Short Call auch verboten wird, aber das bezweifle ich sehr. Erstens wegen der beamtenmässigen Unflexibilität einer Bafin, zweitens weil das "allgemeinen Short-Verbieten" den Leuten als Signal so schon reichen dürfte ("wir haben konsequent gehandelt"), und drittens weil es ja sicher unverändert Calls geben darf, also das Gegenteil von "Short", und irgendjemand muss die ja schliesslich schreiben.

    Short Call hat ganz eigene Charakteristiken, die hier im Detail abzuwägen zu aufwändig ist, die aber zum Teil sehr reizvoll sind. Es ist defensiver als ein klassischer Short, man kann genauso viel verlieren (nämlich unendlich), der Gewinn ist aber noch stärker begrenzt, nämlich auf die beim Verkauf kassierte Prämie. Das sieht auf den ersten Blick unattraktiver aus, aber nur beim ersten Blick.

    Den Reiz kann man an einem Beispiel sehen: wer heute bei Dax=6'200 einen Call März 2009 am Geld, also mit einem Strike von 6'200 schreibt, der bekommt vorab 500 Euro. Wenn der Dax im März nicht über den heutigen Wert gestiegen ist, dann hat man die 500 Euro als Gewinn. Selbst wenn der Dax bis März auf 7'200 gestiegen ist, macht man gerade noch keinen Verlust.

    Es ist also eine etwas defensivere Wette, die ich selbst übrigens in der Vergangenheit sehr schätzen gelernt habe.

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  2. Verkauft man dem Short Call die Aktie am Anfang des Geschäfts?

    Short gehen oder auf fallende Kurse spekulieren kann man ja auf jeden Fall weiter. Nach der Ausübung des Geschäfts ist auch alles wie vorher.

    Der einzige Unterschied beim Shorten ist doch, dass ich die Aktien *am Anfang* des Geschäfts habe *und* diese Aktien am Anfang schon verkaufen kann und damit den Kurse in die von mir gewünschte Richtung beeinflussen kann. Was bei einem Put halt nicht so ist.

    Ich will dich nicht verbessern, denn ich weiss nicht wie ein Short Call (technisch) funktioniert.

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  3. Die Sache ist etwas anders. Ich erkläre das gerne im Detail. Weil ich selbst es spannend finde und es vielleicht auch andere interessiert, hole ich sicherheitshalber zur Vermeidung von Missverständnissen ein bisschen weiter aus:

    Zu Orientierung und Vergleich zunächst das klassische, also wenn ich (z.B.) "Short Volkswagen" bin: Ich leihe mir, z.B. von der Bank, eine Volkswagen-Aktie für eine bestimmte Zeit und verkaufe die, gestern z.B. für 280 Euro. Den Verkaufspreis von 280 Euro bekomme ich sofort, und je nach der Leihvereinbarung (hier mit der Bank) muss ich die VW-Aktie nach 1 Monat zurückgeben, also faktisch zurückkaufen (das kann alles implizit die Bank erledigen), und streiche die Differenz als Gewinn ein oder zahle sie als Verlust.

    Den Verkaufspreis habe ich vorher bekommen und kann ihn zinsbringend anlegen. Demgegenüber steht allerdings eine Art "Avalkreditkosten", denn die Bank muss eine Sicherheit haben oder demjenigen gegenüber, von dem letztendlich die "echte" VW-Aktie kam, eine Bürgschaft für mich eingehen. Ich muss also eine Kreditlinie haben, für die ich eventuell auch Avalzinsen bezahlen muss (die aber kleiner sind als Tagesgeldzinsen). Der in Anspruch genommene Kreditrahmen ist übrigens auch grösser als der Leerverkaufspreis der Aktie, weil eine Sicherheitsmarge enthalten sein muss. Er wächst also mit steigendem Aktienkurs und steigender Volatilität.

    So weit, so gut, das klassische"Shorten". "Short Call" ist im Grunde sehr ähnlich, nur dass es eben nicht um die Aktie selbst, sondern um die Option geht:

    In ziemlich genauer Entsprechung kann ich also alternativ auch "Short Call Volkswagen" gehen. D.h. ich verkaufe einen Call auf eine Volkswagenaktie z.B. zum Strike 280, also am Geld (da ist der Zeitwert am grössten), mit Fälligkeit Dezember 2008, und kassiere dafür gestern 25 Euro. Ich bin dann ein sogenannter Stillhalter, weil ich bis Dezember 2008 stillhalten muss (und zittern, dass die Aktie dann unter 280 Euro liegt).

    Die 25 Euro kriege ich sofort und kann sie anlegen. Im Dezember 2008 kann der Käufer meines Calls allerdings den von mir gekauften Call ausüben und die Lieferung der VW-Aktie für 280 Euro verlangen. Wenn dann der Kurs unter 280 liegt, wird er das nicht tun und der verkaufte Call verfällt einfach, d.h. die vollen 25 Euro Prämie bleiben bei mir. Wenn die Aktie im Dezember bei 400 liegt, übt er aus, und ich verliere (400-280)-25 = 95 Euro. Was die Aktie bis Dezember zwischendurch macht, kann mir egal sein, wenn es sich um "europäische" Optionen handelt, die zwischendurch nicht ausgeübt werden können (bei Amex-Optionen ist das anders).

    Trotzdem ist das natürlich weder mir noch meiner Bank wirklich egal: zum einen weil wenn sie zwischendurch auf 400 Euro steigt, dann verstärke ich selbst in vorauseilender Vorstellung der "blutigen" Abrechnung im Dezember schon einmal mein Zittern ;-). Die Bank wiederum verlangt von mir genau entsprechend eine Sicherheitsleistung dafür, dass ich im Dezember bei Ausübung des Calls auch die Volkswagen-Aktie zum dann geltenden Kurs heranschaffen kann, also kaufen. Wie oben steigt der in Anspruch genommene Avalkreditrahmen mit dem Kurs der Aktie und der Volatilität. Als ganz grobe Orientierung kann man sagen, dass die Kredit-"Exposure" beim 2- bis 4-fachen der kassierten Prämie liegt und steigt, wenn sich die Position ungünstig entwickelt.

    Man kann "Short Call" machen als OTC (Over the Counter), wobei die Bank die volle Infrastruktur stellt, oder bei manchen Aktien (wie Volkswagen) über die Eurex, wo Standard-Optionen gehandelt werden. Im letzteren Fall muss die Bank nur gegenüber der Eurex sicherstellen, dass der Deal bei Fälligkeit erfüllt werden kann.

    Ich hoffe dass alles klar war. Ansonsten fragen Sie gerne noch einmal nach.

    Um zurück zum Ausgangspunkt Ihres Blogposts zu kommen, könnte man sich jetzt fragen, ob evtl. auch "Short Call" auf Finanzwerte verboten sein könnte. Ich glaube eher nicht, aus den im Post 1 genannten Gründen. Ausserdem hat Short Call ja im Moment des Deals anders als der klassische Short keine kursdrückende Wirkung, weil keine Aktie verkauft wird.

    Insofern könnte diese Methodik für die Hardcore-Shorties aber ein gewisser Ersatz für das jetzt verbotene Shorten von Finanzaktien sein.

    Damit kommen wir aber zu der schwierigen Frage, ob man das derzeit überhaupt noch machen sollte. Ich fürchte eher nein, bin mir aber nicht sicher.

    Was denken Sie?

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  4. Nachtrag: man kann übrigens auch "Short Put" gehen, also einen Put verkaufen. In der Wirkung ist das dann "Long".

    Damit kann man nicht nur in einer Aufwärtsphase profitieren, sondern auch in einer Seitwärtsphase (gilt für Short Call entsprechend auch). Ich nenne die kassierte Prämie deshalb auch gerne "Sofaprämie", denn man bekommt Geld dafür, dass man auf dem Sofa sitzenbleibt und stillhält, und sich auch in turbulenten Zeiten nicht abschütteln lässt ;-)

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  5. Puts zu schreiben lohnt ishc uach, wenn man solide Aktien zu absoluten Ausverkaufspreisen aufschnappen will. Plus Praemie.

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  6. Wenn man seriös handelt, müssten eigentlich auch ShortCalls in dem Moment Kurs-wirksam sein, in dem man sie verkauft. Denn wie schon gesagt wurde: das Verlust-Risiko ist unendlich. Also muss man hedgen und das kann man z.B., indem der Call-Verkäufer die Aktien tatsächlich kauft und sie sich in's Depot legt. Steigen die Aktien nun, kann er sie problemlos ausliefern. Was er allerdings mit den Aktien macht, wenn der Kurs sinkt, weiß ich nicht genau, aber da gibt's sicherlich auch Möglichkeiten.

    Gerade bei VW konnte man gestern schön sehen, welche Folgen es hat, wenn Shorter eben nicht hedgen bzw. leer verkauft haben. Sie mussten nämlich gestern Aktien zu jedem Preis einkaufen, um der befürchteten baldigen Einlösung der Calls durch Porsche zuvor zukommen. Das trieb den Kurs in völlig abwegige Höhen von 300 Euro für VW. Durch solche Effekte hat VW zur Zeit eine Marktkapitalisierung, wie mehrere andere Automobilhersteller (Daimler, BMW, etc ...) zusammen.

    Ob VW tatsächlich so viel wert ist, ist ziemlich fraglich. Man sieht, durch solche Geschäfte geht es nicht nur irrational nach unten, sondern auch nach oben.

    Ich denke, wenn man tatsächlich grundsätzlich kontrollieren würde, dass Optionsgeschäfte seriös gehedged werden (also die Risiken überschaubar sind), könnten solche Effekte gar nicht mehr auftreten. Trotzdem bliebe der Optionshandel meiner Meinung nach möglich.

    Ich selbst gebe zu, dass ich keinerlei Erfahrungen mit Optionen habe, womit sich der Senf, den ich hier gerade dazu gegeben habe, wieder relativiert ;-)

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