USA: Taxifahrer zu schnell zur schlampigen Frisöse

Komisch, dass man diese Schlagzeile nicht liest. Denn irgendwie schaffen es die Amerikaner, die ja schon lange nicht mehr in der Produktion, sondern überwiegend in der Dienstleistungsbranche arbeiten, ihre Produktivität immer weiter zu steigern.

Ich frage mich nur wie?

Schneidet die Frisöse schneller (oder vielleicht einfach nur schlampiger)? Fährt der Taxifahrer noch schneller? Pflegt der Altenpfleger jetzt schneller? Spritzt die Krankenschwester schneller? Streicht der Maler die Wände schneller? Verkauft der Verkäufer jetzt schneller (angesichts der schwachen Einzelhandelsumsätze erwarte ich eigentlich das Gegenteil)?

Das sind doch genau die Jobs, die man mit Automatisierung nicht produktiver (sprich schneller) machen kann. Und davon hat die USA anteilsmäßig mehr als das noch immer ziemlich stark produktionsorientierte Deutschland.

Naja, allen meinen Zweifeln zum Trotz meldeten die USA gestern einen Anstieg der Produktivität um (annualisiert) 4,3% im zweiten Quartal. 4,3%! Das klingt völlig unplausibel, auch weil sich die Produktivität am Anfang einer Wirtschaftsschwäche eher schwach entwickelt (es ist weniger zu tun, die Leute sind aber noch nicht entlassen).

Wenn der DIW jetzt meint, dass Deutschland hier seinen Vorsprung verloren hat, weil hierzulande zu wenig auf IT gesetzt wird, wage ich das zu bezweifeln. Ich meine schlicht, dass die Statistiken in den USA die Realität nicht richtig wiedergeben. Das meint auch der Kommentator der FTD. Es erscheint quasi ausgeschlossen, dass bei einem großen Anteil an Jobs, in denen die Produktivität kaum zu steigern ist, die Produktivität im Durchschnitt über alle Jobs so stark gestiegen ist. Mal angenommen, bei einer Hälfte der Jobs ist die Produktivität kaum erhöhbar (angenommen 1 % im Jahr), müsste bei der anderen Hälfte der Jobs die Produktivität um fast 9%(!) steigen. Nein, das geht nicht und ich halte das für ausgeschlossen.

Das Produktivitätswunder der USA ist wahrscheinlich eher ein reines Statistikphänomen. Es erscheint genauso unglaubwürdig wie die Inflation, die in den USA lange Zeit unter dem Wert von Europa lag. Und das obwohl die USA mit einem crashenden Peso äh Dollar "gesegnet" sind und die steigenden Rohölpreise dort voll durchschlugen, während in Europa aufgrund des festen Euro nur ein Teil angekommen ist.

Marketwatch: U.S. productivity revised up to 4.3% in second quarter

FTD: Sie wollen es immer noch glauben

DIW: Deutschland hat bei Produktivität Vorsprung eingebüßt

Kommentare :

  1. Nö, das kann schon hinhauen:

    Output/Input - vermutlich ist der Input gesunken (Entlassungen o. Lohnkürzungen).

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  2. Deshalb schrieb ich davon, dass die Entlassungen am Anfang der Auftragslage hinterherhinken.

    Außerdem ist Service personalintensiv. Wenn der Input sinkt, sinkt auch der Output. Die Produktivität ändert sich dadurch nicht einen Deut.

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