Warum Paulsons Plan schlecht ist ...

Ein sehr spannendes Papier von Luigi Zingales, Professor an der Universiät Chicago: Why Paulson is Wrong

Darin zwei Gedanken, die ich bisher in der Diskussion noch nicht gesehen habe.

Das jetzige Rettungspaket wird (auch von mir) gerne als Resolution Trust Company RTC 2.0 bezeichnet. Damit ist eine Wiederauflage des RTC zur Rettung der Saving & Loans Banken gemeint.

a) Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied: Die Spareinlagen der damals pleitegehenden Sparkassen waren sowieso durch den Staat (bzw. einen staatlichen Sicherungsfonds) versichert. Der Staat war also in der Haftung und hätte sowieso zahlen müssen. Der Staat hat "nur" einen Ausfallfonds für die Spareinlagen durch eine Abwicklungseinheit für die Sparkassen ersetzt.

Heute hingegen werden die Aktionäre und vor allem die Schuldner der Finanzbranche gerettet. Man rettet also nicht nur die Spareinlagen der Kleinsparer, sondern auch die Anleihebesitzer und (wenn man einen zu hohen Preis für den Giftmüll bezahlt) auch die Aktionäre. Der Staat haftet aber nicht für Anleihen- oder Aktienbesitzer!

Das ist eine andere Nummer!

Und man erzeugt hier einen Moral Hazard. Dieses moralische Dilemma wird viel zu oft ausschließlich auf das Management beschränkt. Genauso mitverantwortlich sind aber auch die Aktionäre und auch die Käufer der Anleihen der Banken. Beide haben den Firmen immerhin Geld geliehen und somit das Geschäft am Laufen gehalten.

b) Wenn man sich jetzt die Lastenverteilung zwischen diesen Gruppen anschaut, sieht man schnell, dass die Aktionäre bereits richtig viel Geld gezahlt haben ((Fast-)Totalverlust bei Lehman, Fannie, Freddie, AIG, ...). Die Halter der Anleihen bei den entsprechenden Firmen sind aber (bis auf Lehman) komplett ungeschoren durch die Krise gekommen. So gut wäre es für die Anleihenkäufer aber nicht gelaufen, wenn der Staat nicht eingeschritten wäre. Das zeigt sich auch an den Verlusten, die die Besitzer von Lehman Anleihen verkraften müssen.

Zusammenfassung:

a) RTC 2.0 rettet Leute, die beim RTC 1.0 NICHT gerettet wurden. Zu diesen Leuten gehören die Schuldner und die Aktionäre der geretteten Firmen.
b) Die bisherige Verteilung bei den geretteten Firmen geht klar zu Lasten der Aktionäre. Diese sind zum oft (fast) komplett enteignet worden, während die Anleiheeigner oft (fast) völlig ungeschoren davon gekommen sind. Der RTC 2.0 setzt die Tendenz in fataler Weise fort.

Die Lösung:

Daher ist die Forderung (den Gedanken hatte ich früher schonmal gebracht) ein Debt-To-Equity-Swap. Damit müssen auch die Anleihebesitzer zur Sanierung beitragen, indem sie einen Teil der Schulden in Eigenkapital umtauschen.
Das ist übrigens bei der Sanierung von Firmen ein sehr übliches Modell! Denn wenn eine Firma überschuldet ist, aber über ein gesundes, sprich profitables Kerngeschäft verfügt, kann es für den Schuldner sinnvoller sein, einen Teil (oder alles) seiner Schulden gegen Anteile an der Firma zu tauschen. Dann hat er einen Anteil an einer profitablen Firma, die Dividende zahlen kann. Diese Zahlungen können gut höher sein als das, was bei einer Pleite der Firma noch zu holen gewesen wäre.

Am Ende ist die Frage ganz einfach: Wieso soll der Steuerzahler einschreiten, bevor der Anleiheeigner einen Beitrag geleistet hat?

Aber vielleicht ist der Grund dahinter ein einfacher: Die Schulden der USA und der US-Finanzbranche liegen im Ausland. Die USA sind abhängig von diesem Geld. Und deshalb wollen die USA keinen Ärger und man stopft die Löcher lieber mit Steuerzahlergeldern. Nicht weil man das für eine tolle, gerechte und faire Lösung hält, sondern weil man keine andere mehr sieht ... Mit dem Rücken zur Wand ...

Kommentare :

  1. Der Grund ist der, dass der Finanzminister CEO bei Goldman Sachs war und wieder eine hohe Stelle dort bekommen wird. Goldman wird extrem gestärkt aus dieser Krise hervor gehen. Und Goldman macht Geschäfte mit den ausländischen Schuldnern, nicht mit dem amerikanischen Bürger. Das Problem sitzt ganz oben an der Spitze: Mr. Moral Hazard

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  2. Deine positive Einschätzung zu GS teile ich nicht. Die sind jetzt eine normale Bank und müssen jetzt ihren Hebel massiv runterfahren. Die 10 Mrd von gestern waren ein guter Schritt, aber ohne Assetverkäufe werden die wohl auch nicht auskommen. Im Vergleich zu den anderen sehen die Goldmänner aber natürlich hervorragend aus.

    Aber mir erschließt sich die Logik nicht, dass man jetzt einen Scheiss-Bailout machen muss, um sich einen Job bei GS zu sichern. Man kann auch einen guten Bailout machen und bekommt nachher immer noch einen gut bezahlten Job.

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  3. Dass es bei dem Paulsen-Bernanke-Plan an allen Ecken und Enden knackt und hakt, war den Machern wohl von Anfang an klar. Darum haben sie auch gleich mal die Apokalypse heraufbeschworen und so aufs Tempo gedrückt -- damit ja keiner Kritik formulieren und sich Gedanken machen kann. So es diesen Plan gab, kann man ihn wohl als gescheitert betrachten, angesichts der Kritik, die es auch im Kongress gab.

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