Washington Mutual Pleite: Neue Nummer 1 in der Top-Ten der größten Pleiten

Die größte Sparkasse der USA, Washington Mutual ist Pleite. Die Nachricht dürfte aber niemandem entgangen sein. Die Kunden haben über 16 Milliarden in den letzten 10 Tagen abgezogen und damit war WaMu illiquide.

Der Ablauf war ganz interessant. WaMu wurde von der OTS, der Kontrollbehörde für die Sparkassen, übernommen und der große Teil des Geschäfts direkt weiter an JP Morgan verkauft. JP Morgan zahlt dafür die ziemlich lächerliche Summe von 1,9 Milliarden Dollar.

Ich schätze, dass der Ablauf zur Folge hat, dass die kompletten Risiken bei der OTS bzw. der FDIC hängen bleiben, während die Kundenbeziehungen jetzt bei JP Morgan liegen. JP Morgan hat damit quasi kein neues Risiko in den Bilanzen (die haben mit Bear Stearns wohl auch schon genug davon ...). Dieser Abschnitt aber unter Vorbehalt, ich muss dazu noch weiter lesen. Update: JPM hat auch das Hypothekenportfolio von WaMu übernommen und damit auch das Risiko, das darin steckt. U.U. haben die einen Spezialdeal und können den Schrott darin im Rahmen des BaBs verkaufen, auch wenn der streng genommen erst nach dem Stichtag übernommen wurde. Das ist aber das einzige Risiko, das JPM jetzt zusätzlich hat. Der Rest hängt wohl wirklich in der OTS bzw. bei der FDIC.
Update 2: Aus der Erklärung der FDIC geht hervor, dass das als Merger zwischen zwei Banken abgewickelt wird, also der Versicherungsfall für die Konten NICHT eintritt. Die FDIC zahlt also keinen Cent. Und von den Konten fehlt auch kein Cent, weil das Geld jetzt von JPM bereitgestellt wird.

Für die Kunden von Washington Mutual ändert sich nichts. Die Aktionäre und die Anleihehalter gehen allerdings leer aus. Das schreibt zumindest die FAZ, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Anleihebesitzer wirklich komplett leer ausgehen, so überschuldet kann auch WaMu nicht gewesen sein. Oder ist die Insolvenz eine Sparkasse anders geregelt?

Außerdem ändert sich IMHO doch was für die Kunden, weil durch die kurzzeitige Verstaatlichung und Insolvenz der Versicherungsfall eingetreten ist. Daher müsste die FDIC die Kontenversicherung übernommen haben und damit wären auch nur 100.000 Dollar pro Kunde versichert. Für Kunden, die mehr als 100.000 Dollar bei WaMu auf dem Konto hatten, hätte sich damit sehr wohl was geändert: Alles über 100.000 wäre weg! (falsch, siehe Update 2 oben) (Weiss übrigens zufällig jemand, ob das Geld einfach weg ist oder ob das wie das Geld der anderen Gläubiger behandelt wird? Also bei einem Gläubigerquote von 60% auch 60% des Geldes über 100.000 Dollar zurück an den Kunden geht?)

Washington Mutual hatte eine Bilanzsumme von etwa 330 Milliarden Dollar, ist nach dieser Messgröße also "nur" halb so groß wie Lehman. Die Einlagen der Kunden sind aber höher als bei Lehman und aus dieser Sicht stimmt die Bezeichnung "größte Pleite". In meiner Liste nach Bilanzsumme würde aber "nur" Platz 2 erreicht.

Interessante Details:

1.) Es dürfte sich jetzt zeigen, was die FDIC wirklich taugt. Von den etwa 45 Milliarden, die die noch hatten, dürfte jetzt ein spürbarer Teil weg sein. Es ist auf jeden Fall der größte Fall, den die FDIC jemals zu verkraften hatte. (siehe Update 2 oben)
2.) Auch wenn das Kundengeschäft der WaMa übernommen wurde, ist die WaMu doch pleite. Sprich der Fall, der in den Kreditausfallversicherungen definiert ist, ist eingetreten. Mal schau'n, wie der CDS Markt damit klar kommt. Spätestens, wenn die WaMu selber so Geschäfte abgeschlossen hat, dürfte das spürbare Verwerfungen produzieren.

FTD: Washington Mutual bricht zusammen
FAZ: Größte Bankenpleite in der Geschichte Amerikas
Marketwatch: WaMu goes under, sold to J.P. Morgan Chase
Creditwritedowns: JP Morgan Chase buys WaMu out

Update (12:51):

Laut Telepolis hätte die Pleite die FDIC 145 Milliarden Dollar gekostet (also gut 100 Mrd. mehr als vorhanden sind), wenn die FDIC denn hätte zahlen müssen.

Telepolis: US-Aufsichtsbehörde OTS schließt Pleitebank Washington Mutual


Update (14:35)

Wer eine Übersicht über die geschädigten Firmen sucht, kann sie hier finden. Es ist einer dabei, der 1,5 Milliarden Anleihen von WaMu im Depot hat. Allerdings ist wohl immer noch unklar, was jetzt ausfällt und was u.U. durch JP Morgan weiter läuft ...

FT Alphaville: The WaMu wipeout: who gets hit?

Auf jeden Fall getroffen wird die "Heuschrecke" Texas Pacific Group (Schadenfreude!), die erst im Frühling 7 Mrd. Dollar in Washington Mutual gesteckt hat. Wobei nicht ganz klar ist, wie viel Geld von TPG selber und wie viel von Kunden kam. Trotzdem ist ein solch großes Investment, das ein halbes Jahr später Null wert ist, kein Ruhmesblatt ...

WaMu: The Worst Deal in Private Equity History?

Update (29.9.08):

Es kamen übrigens nur 1,35 Mrd. Dollar von TPG selber, der Rest wurde bei Investoren eingesammelt.

WSJ: WaMu Offers Private Equity a Harsh Lesson

Kommentare :

  1. Es sind natürlich nur Fussnoten, aber wie so oft sind es die Fussnoten, die mir wirklich Angst machen: 10% Anlagenabzug innerhalb von ein paar Tagen ist de facto ein mittlerer Bank Run. 10% ist absolut brutal, und vermutlich haben auch alle gewusst, dass es so ist. Aber keiner hat es geschrieben. In meinen Augen ein Komplettversagen der Medien zugunsten eines Lügensystems.

    Und dann war da noch dieser Bloomberg-Beitrag, der sich endlich mal kritisch mit der Einlagensicherung auseinandersetzte:

    "The FDIC and the banking regulators are ignoring the problems, hoping they'll go away,'' he says. ``They won't."

    Worauf die FDIC mit einem ziemlich einmaligen, wütenden Brandbrief auf Bloomberg antwortete und sagte, alles wäre prima und Bloombeeg würde die eigenen Leser mit solchen Unterstellungen schädigen.

    Am Abend der gleichen Tages geht WaMu über die Wupper und wird sofort verscheuert, weil die FDIC das Problem nicht bewältigen kann.

    Soviel zum Thema Ehrlichkeit.

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  2. Full Ack. Über meine Einschätzung des deutschen Einlagensicherungsfonds habe ich ja schonmal geschrieben. Die Medien in Deutschland versagen hier genauso. Das Teil ist schon allein durch Lehman Pleite ratzekahl leergefegt.

    Und was steht in den Medien? Die Rente ist sicher, ähh, das Geld ist sicher ...

    Zugegeben hatte die FTD schon ein wenig was, die FAZ auch, aber in der Breite wurden nur Beruhigungspillen verschrieben ...

    Und zu dem mittleren Bank Run: Du hast damit natürlich recht. Bei den Geldmarktfonds war die Lage ähnlich dramatisch: die höchsten Abflüsse seit Bestehen der Statistik. Und bei Morgan Stanley sollen bereits ein Drittel der Prime Brokerage Kunden das Geld abgezogen haben. Autsch! Da weiss man auch, warum das Kerngeschäft von Lehman so wenig wert war. Weil es nur einen Käufer an diesem einen Tag gab und das Geschäft am nächsten Tag gar nix mehr wert gewesen wäre ...

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  3. “Man findet immer heraus, wer nackt schwimmt, wenn die Flut geht. Wir haben heraus gefunden, dass die Wall Street eine Art Nudisten-Strand war.” - Warren Buffett

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