Zur Verschuldung der USA

Interessanter Artikel in der FT, der mich auf das PDF in meinem anderen Artikel von heute morgen (Warum Paulsons Plan schlecht ist ...) gebracht hat.

Ich möchte aber auf Teil zum Bailout nicht unbedingt eingehen, auch wenn der Artikel lesenswert und richtig ist, sondern nur auf ein Detail des Artikels:
Die Verschuldungslage der USA.

Hier steckt für mich auch was Neues im Artikel. Ich nenne die USA gerne an allen Ecken bis zur Halskrause verschuldet: Der Staat, die Unternehmen, die Haushalte. Das stimmt bei kurzfristiger Betrachtung auch, bei langfristiger aber nur etwas eingeschränkter.

Die Staatsverschuldung der USA ist z.B. gegenüber den 70er Jahren gar nicht dramatisch angestiegen.

Die Verschuldung der Privathaushalte stieg etwa auf das Zweieinhalbfache: von 40% des BIPs auf 100%. Da stimmt meine Aussage uneingeschränkt.

Auch der Anstieg der Schulden im Unternehmenssektor ist anders als ich gedacht habe. Die Verschuldung der Unternehmen ist zwar gestiegen (so weit ist das richtig), der Anstieg geht aber fast ausschließlich auf den Anstieg der Verschuldung bei den Finanzunternehmen zurück. Die Verschuldung der Industrieunternehmen stieg von etwa 60 auf etwa 80% des BIPs, das ist also wenig dramatisch. Die Verschuldung der Finanzbranche hingegen explodierte von 20 auf 120% des BIPs.

Das ist natürlich eine irre hohe Zahl. Die Höhe zeigt aber auch, und damit sind wir wieder bei der aktuellen Krise, wie dramatisch die Lage ist. Und sie zeigt, wie bitter und langwierig die Bereinigung werden wird.

Und zeigt auch, warum so viele Angst vor einem Credit Crunch haben. Würden die Banken ihre Schuldenvergabe auf das Niveau von 1974 zurückführen, sänke die Kreditvergabe um mehr als 80%, was dem BIP eines ganzen Jahres entsprechen würde. Wenn die Banken ihren Hebel (ihr Leverage) "nur" auf die Hälfte reduzieren würden, sänke die Kreditvergabe ebenfalls um die Hälfte. Dann kann die Wirtschaft aber einpacken ...

Es gibt nur eine Lösung für das Problem: Der Hebel und damit das Risiko für die Finanzbranche muss gesenkt werden. Da die USA ihre Schulden nicht runterfahren können, ohne in eine richtig üble Deflation zu geraten, brauchen die Banken neues Geld auf der anderen Seite der Bilanz: Beim Eigenkapital. Deshalb wird der RTC 2.0 jetzt wohl auch genau dazu dienen: Nicht nur den Schrott aus der einen Seite der Bilanz tilgen (offizielle Darstellung), sondern auch für Geld auf der anderen Seite der Bilanz sorgen. Dann sinkt der Hebel und erstmal ist die Lage bereinigt. (Übrigens ist auch das einer der Faktoren, die mir im Rettungsplan fehlen: Wo bleibt eine Maßnahme, die für neues Eigenkapital sorgt und zwr welches, das nicht vom Steuerzahler kommt).

Mittelfristig aber müssen die USA und die US-Finanzbranche von ihren Schulden runter. *Das* ist das Problem, das unter allem liegt. Und nicht zu wenig Regulierung, nicht zu seltsame Verbriefung, nicht zu hohe Hebel, nicht zu hohe Immobilienpreise, oder oder oder. Das sind alles nur sekundäre Probleme, die ohne die zu hohe Verschuldung erst gar nicht hätten entstehen können.

FT:Paulson’s plan was not a true solution to the crisis gefunden über Infectious Greed: Graphic du Jour: Financials are Hazardous

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