Geldmarkt stabilisiert sich - CDS nur eingeschränkt

Ich hatte das Thema schon mal (Geldmärkte leicht verbessert, aber angespannt) und möchte es heute nochmal aufgreifen.

Ich schaue gerne auf die Stimmung der Märkte und dabei vor allem auf Stimmungen, die man aus den Marktzahlen ablesen kann als auf irgendwelche Umfragen. An den Märkten kann man viel besser erkennen, ob die Teilnehmer Angst haben oder nicht. Denn da geht es nicht um Ankreuzen eines Feldes, sondern um den Einsatz von Geld.

Das Funktionieren der Kreditmärkte kann man gut an den Zinssätzen im Interbankenhandel ablesen. Die Angst an den Anleihemärkten gut an den Kosten für die CDS.

Fangen wir bei den Kreditmärkten an:

LIBOR 3 Monats-Dollar: 3,54 heute nach 3,83375 (Di) nach 4,05875% (Mo) nach 4,41875% (Fr).
LIBOR Übernacht-Dollar: 1.28125 (Di) nach 1,51250% (Mo) nach 1.66875% (Fr).

Am kurzen Ende ein extremer Rückgang, am "langen" Ende immerhin eine spürbare Entlastung.

FT: Short View: Is it safe to go back in the water?
Libor fixes: credit and phase transitions

Creditwritedowns: Credit markets are easing again

Interessant ist auch der sogenannte Ted-Spread. Das ist der Unterschied zwischen der Rendite einer Staatsanleihe und dem LIBOR. Dieser ist von 463 in der Spitze auf 261 gestern und 249 heute gefallen.
Alea: Libor-OIS

Egal welchen Parameter man betrachtet: Eine deutliche Entspannung ist deutlich zu erkennen. Die Maßnahmen der Notenbanken und Regierungen (vor allem die Garantie für die Bankschulden im Interbankenhandel) scheinen also nun endlich ihre Wirkung zu entfalten.

Zu den Anleihemärkten:

Die Entspannung im CDS-Markt (Kreditversicherungen) ist fast ausschließlich auf die Finanzbranche beschränkt. Hier gehen die Kosten für die Kreditversicherungen aufgrund der Staatsgarantie deutlich zurück. Der Rest des Markts, insbesondere die normalen Anleihen von Industrie und Handel, zeigen keine Entspannung an. Gerade bei den Schuldnern schlechter Qualität steigen die Kosten für Kreditausfallversicherungen weiter an.

Gestern erreichte der Markit-Index für Junkbond-Anleihen ein neues Hoch bei fast 800 Basispunkten. Die Absicherung kostet als fast 8% der Anlagesumme pro Jahr. Im Umkehrschluss muss die Anleihe 8% mehr Zinsen abwerfen als eine Staatsanleihe, damit sie die gleiche Rendite abwirft.
Wenn man den Zinsaufschlag in eine Ausfallwahrscheinlichkeit umrechnet, beträgt diese 5,6%, sprich 5,6% der Anleihen dürfen komplett ausfallen, ohne dass die Rendite unterhalb der sicheren Rendite von Staatsanleihen liegt. 5,6% Ausfallquote gab es aber seit der großen Rezession nicht mehr.

Grund ist natürlich die Angst vor einem tiefen, nachhaltigen und weltweiten Wirtschaftsabschwung. Das führt zu sinkenden Renditen und steigenden Ausfällen bei den Anleihen. Nur ist die Frage, wie schlimm der Abschwung wird. Denn die Hochpunkte aus der Vergangenheit sind schon lange überschritten. Wenn wir also einen halbwegs normalen Abschwung bekommen, sind diese Anleihen ein Investment wert ...

FT Alphaville: CDS report: “potentially the worst economic outlook we’ve had since the Depression”
FT Alphaville: CDS report: European credit derivatives at record wides

Interessanter langfristiger Chart dazu:
GlobalEconomicAnalysis: Armageddon in Corporate Bonds

Was ist die Interpretation beider Märkte?

Die Geldmärkte scheinen wieder zu funktionieren. Die Refinanzierung der Banken sollte also wieder in Gang kommen. Der kurzfristige Zusammenbruch des Finanzsystems wurde verhindert. Die
CDS spiegeln die Angst vor einer Rezession wieder. Und zwar nicht die Angst vor einer normalen, sondern vor einer außergewöhnlich langen und/oder tiefen.

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