Geldmärkte leicht verbessert, aber angespannt.

Das Maßnahmenpaket vom Wochenende beeindruckte zwar die Aktienmärkte mit Rekordgewinnen (und auch heute geht es positiv weiter), aber richtig entspannen würde ich mich erst, wenn die Geldmärkte sich auch entspannen.

Danach sieht es aber (noch?) nicht aus. Die Sätze sind zwar leicht zurückgegangen, aber wirklich nur sehr leicht.

3-Monats-Dollar : 4,635% nach 4,7525%

Der Übernacht-Dollar ist gegenüber Freitag allerdings deutlich gesunken: 2,18125% nach 2,46875% am Freitag.

Die Euro-Märkte waren eh nie so angespanntwie der Dollar-Geldmarkt. Der Übernacht-Euro-Libor liegt genau auf Höhe des Leitzinses, das ist also sehr entspannt.

FT Alphaville: Libor fixes: costly

Update (15:03):

Da es in den Kommentaren angesprochen wurde:

a) Der Euro-Libor ist inzwischen irrelevant, weil der Marktführer der Euribor ist
b) Spannend zum Sentiment Messen sind auch die Kosten für CDS: Diese sind gefallen, aber immer noch hoch:

Für Investment Grade Bonds: "iTraxx Europe index fell 6.5 basis points to 121.5bp"
Für Junk: "663.5bp nach 750bp"

Kräftiger gingen die Kosten für die Kreditausfallversicherungen für Finanzwerte zurück. Morgan Stanley als Spitzenreiter sank von fast 1000 Basispunkten auf 800.

CDS report: Ker-ching!

Update (15:10)

Es gibt eine Übersicht der Credit Default Swaps auch für alle Emittenten von Zertifikaten: CDS/Ausfallrisiko der Banken/Zertifikateemittenten im Überblick

Update (21:56):

Ein Bericht zum Thema auch in der FAZ: FAZ: Nur allmähliche Erholung am Geldmarkt

Kommentare :

  1. Der Euro-Libor hat keine Relevanz mehr auf dem Geldmarkt. Der wird zwar nach wie vor von der BBA gefixt, auf den schaut aber so gut wie kein Händler. Da hat sich der Euribor seit ein paar Jahren schon eindeutig durchgesetzt. Jedes Geschäft wird da gegen Euribor (meistens 3-Monats oder 6-Monats-Euribor) gepreist.

    Auf www.euribor.org gibt's die historischen Daten zum Euribor und EONIA. Da kann man z.B. sehr schön sehen, wie angespannt der Geldmarkt in der ersten Oktoberwoche war. Der Zinssatz für eine Woche ging da am 8.10. sogar mal über 5%.

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  2. Dow Jones meldet (über Spiegel Online Marktberichte) Tagesgeld werde weiterhin sehr breit bei 3,25% zu 4,00% gestellt, ein Handel finde eigentlich nicht statt.

    Leichte Entspannung kommt möglicherweise von den Credit Spreads
    http://www.blicklog.com/2008/10/14/entspannung-bei-bankenrisiken-viele-credit-spreads-rucklaufig-nach-dem-rettungwochenende/

    Mir fehlen aber Quellen, das weiter zu verifizieren. Vielleicht hat Egghat noch eine ergänzende Quelle.

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  3. Stets zu Euren Diensten ;-)

    Für Investment Grade Bonds: "iTraxx Europe index fell 6.5 basis points to 121.5bp"
    Für Junk: 663.5bp nach 750bp

    CDS report: Ker-ching!

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  4. Danke. Dann scheint die Quelle
    Deutsche Derivate Verband ja nicht so schlecht zu sein. Dort wurde
    Morgan Stanley mit 1240 notiert, allerdings noch mit Kurs vom Freitag.
    Gleichwohl ist auch ein Spread von 800 Punkten bei MS noch sehr bedenklich und absoluter Spitzenreiter.

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  5. Guten Morgen,egghat!

    Kennst Du eine zugängliche Quelle, welche den lang- oder mitelfristigen Verlauf der Spread-Entwicklung darstellt?

    Ich hatte mich kürzlich gefragt, ob die Spreads durch massives Ansteigen die "Verwerfungen" bei der HRE oder auch bei Ungarn schon im Vorfeld angezeigt hatten.

    Vielen Dank im Voraus

    ts

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  6. @ts:

    Du meinst die CDS? Oder die LIBORs?

    Die LIBORs bzw Euribors müsste man als Chart bekommen. Für CDS kenne ich leider nichts. Deshalb habe ich vor kurzem auf die BNP verwiesen, die diese Daten jetzt täglich aktualisiert auf ihrer Homepage hat. Die Daten scheint es nirgendwo zu geben. Bei Markit.com kann man täglich einen Bericht über besonders auffälligen Schwankungen bekommen. Mehr aber nicht.

    Weiss jemand mehr?

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  7. Der Spiegelfechter hat eine plausibele These, warum der LIBOR immer noch so hoch ist:

    "Dies könnte eine simple Ursache haben – viele Institute haben gar kein Interesse an einem fallenden Zinssatz im Interbankenhandel. So lange die Institute zuverlässig und günstig Liquidität von der FED und der EZB bekommen, müssen sie nicht auf den Interbankenhandel zurückgreifen. Kredite, die von diesen Instituten vergeben werden, orientieren sich in vielen Fällen am LIBOR – insgesamt sind dies Papiere im Wert von 360.000 Mrd. US$. Für die Banken ist dies ein profitables Geschäft – man refinanziert seine vergebenen Kredite mit billigem Zentralbankgeldern und kassiert dafür Zinsen in Höhe von LIBOR + X. Ein hoher LIBOR sichert diesen Kreditgebern so hohe Zinsen, die allerdings vom Endkunden bezahlt werden müssen."

    http://www.spiegelfechter.com/wordpress/410/der-papa-wird%c2%b4s-schon-richten

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