Heli-Heusi fordert Banken in Staatsbesitz!

Robert von Heusinger fordert die Verstaatlichung der Banken. Neuaufstellung des ganzen Systems. Und um etwas Zeit zu gewinnen, die Schließung der Märkte.

FR: Das Spiel ist aus

Ich kann die Argumente nachvollziehen, allerdings sehe ich eine Fixierung der Kritik auf das Finanzsystem. Politiker wollen damit natürlich von ihren eigenen Fehlern ablenken. Ich bin aber ganz simpel der Meinung, dass das Finanzsystem das macht, was es schon immer gemacht hat: Geld verdienen. Man darf sich da keinen Illusionen hingeben und so tun, als wäre das nicht immer schon so gewesen, daher kann *das* nicht der alleinige Auslöser dieser Krise gewesen. Der Auslöser der Krise war vor allem die Deregulierung der Finanzbranche. Und das zusammen mit einer staatlich gewollten, sprich geförderten Immobilienblase.

OK, man mag mich schnell als Staatshasser und Wirtschaftsgläubigen hinstellen, wenn ich das einfach so behaupte. Daher möchte ich das etwas belegen.

a)
"One other thing I've done, is I've called on private sector mortgage banks and banks to be more aggressive about lending money to first-time home buyers. And the response has been really good. There's a lot of people in this -- our communities around the country that deeply care about the issue of homeownership, and they've been responsive."- George W. Bush, U.S. President, March 26, 2004.
gefunden über
The Big Picture: Quote of the Day: Aggressive lending to 1st-time buyers

Bitte sage noch jemand, die Wall Street sei allein Schuld am Entstehen der Immobilienblase. Das waren alle und eben auch Politik und die Aufsichtsbehörden. Fannie und Freddie sind nur aus einem Grund (vom Staat) geschaffen worden: Wohnungseigentum für jedermann zu ermöglichen.

b) Bis 2004 musste eine Eigenkapitalquote von 8% als Minimum (bzw. ein Hebel von 12,5 als Maximum) erfüllt werden. 2004 kam aber die SEC auf die glorreiche Idee, diese Regel aufzuheben. Ich betone: aufzuheben! Also nicht die 12,5 auf 15 oder 20 zu erhöhen, sondern einfach abzuschaffen. Dem ging natürlich massives Lobbying voraus, das sei nicht verschwiegen.

Die Ausnahme galt übrigens für genau 5 Banken und die hießen - jetzt festhalten - Goldman Sachs, Morgan Stanley, Merrill Lynch, Bear Stearn und Lehman.

The Big Picture: How SEC Regulatory Exemptions Helped Lead to Collapse

Ich weise an dieser Stelle auch gerne nochmal darauf hin, dass Ex-Notenbank-Chef, den ich mit seiner Politik des billigen Geldes eh für größtenteils verantwortlich an der Krise halte, auch ganz konkret zum Wahnsinn der letzten Jahre beigetragen hat. Er war nämlich ein Fan von variabel verzinsten Hypotheken: Alan Greenspan und seine Prognosen

So viel zum Rückblick auf die Wurzeln der aktuellen Krise. Zurück zur Diskussion über die Lösung.

IMHO ist es ziemlich wurscht, ob man jetzt eine komplette Verstaatlichung macht, ob man den Banken selber erlaubt, sich teilzuverstaatlichen (einen Pool für Eigenkapital schafft, auf den ntoleidende Banken zugreifen können) oder ob man einfach nur eine Garantie ausspricht (wie die Iren).

Viel entscheidender ist, was hinterher passiert. Wie man reguliert. Wie man überwacht.

Und auch wenn ich die Skepsis und den Ruf nach dem Staat nachvollziehen kann, was macht eigentlich alle so sicher, dass die Aufsichtsbehörden über ein Bankensystem in Staatshand besser wachen können als über eins, das in Privathand ist? Oder etwas zugespitzer: Wer hat denn bei der Kontrolle versagt? Wer? Und wieso sollte der auf einmal besser kontrollieren und was tut es zur Sache, wem der Bankensektor gehört?

Wer hat 2004 die Begrenzung des maximal 12,5 fachen Hebels einfach aufgehoben? Wer hat 2000 die Trennung von Versicherung und Bank nach 60 Jahren wieder aufgehoben? Wer hat den Immobilienboom mit billigen Krediten über Fannie und Freddie befeuert? Wer?

Wer hat uns ein äußerst stabiles Altersvorsorgesystem geschaffen, das zwar sicher sein soll, aber nur wenn man die beiden Faktoren "wann bekomme ich Rente" und "wie viel Rente bekomme ich" weglässt. Man bekommt Geld, das ist sicher, nur nicht wann und wie viel ...

Wer hat uns ein äußerst stabiles und kosteneffizientes Gesundheitssystem geschaffen?

Wer hat uns ein Bildungssystem gegeben, das alle zu guten Schulabschlüssen führt und die Unterschiede in der sozialen Herkunft ausbügelt?

Der Misthaufen namens Staat, der auf allen entscheidenden Feldern mehr oder weniger schlimm versagt hat, soll jetzt ein System retten. Ein System, das noch einmal um eine Größenordnung komplexer ist als die anderen, die er schon vor die Wand gefahren hat?

Und wenn man die Kosten berechnen würde, die die verzögerten Reformen der Rentenkasse dem heutigen Steuerzahler kosten und noch kosten werden und das mit den Kosten vergleicht, die für die Rettung der Finanzkrise anfallen werden, dürfte letzteres im Vergleich in die Kategorie "Witz" fallen.

Ich hoffe, es kommt in diesem Artikel rüber, dass mir die Vorgehensweise von Heusinger nicht unsympathisch ist. Ich möchte nur einen Kontrapunkt zur allgemein angesagten Staatsgläubigkeit setzen. Denn nicht zuletzt haben die Staaten bei der Bewältigung der jetzigen Krise versagt. Bis auf Irland (und etwas eingeschränkter Großbritannien) habe ich bisher nur schlechte Aktionen gesehen, die bis zum Himmel nach dem Chaos und der Panik riechen, unter der sie zusammengeschustert wurden. Der Mythos, dass der Staat alles besser machen kann und wird, ist genauso ein Mythos wie die Angst vor dem Shortseller. Nach dem Verbot des Shortsellings vor drei Wochen hat sich das Tempo der Krise noch beschleunigt ... Und das sollte doch auch eine Lösung sein, die uns viele kluge Köpfe empfohlen haben ...

Update (17:46)

Ein weiterer Kommentar zum Thema: Trader's Quest: Lasst die Spiele beginnen!

Mehr Reaktionen bei rivva.de: Leitartikel: Das Spiel ist aus

Update (10.10.08)

Noch ein Zitat von Alan Greenspan, in dem er Subprime Hypotheken lobt:

“With these advances in technology, lenders have taken advantage of credit-scoring models and other techniques for efficiently extending credit to a broader spectrum of consumers. The widespread adoption of these models has reduced the costs of evaluating the creditworthiness of borrowers, and in competitive markets, cost reductions tend to be passed through to borrowers. Where once more-marginal applicants would simply have been denied credit, lenders are now able to quite efficiently judge the risk posed by individual applicants and to price that risk appropriately. These improvements have led to rapid growth in subprime mortgage lending; indeed, today subprime mortgages account for roughly 10 percent of the number of all mortgages outstanding, up from just 1 or 2 percent in the early 1990s.”
Etwas ähnliches habe ich zwar im oben verlinkten Artikel über Greenspan gesagt, aber eine Wiederholung schadet nicht, weil es zeigt, dass er das wirklich geglaubt hat. Das Vertrauen in die Finanzmathematik war hoch. Zu hoch.

gefunden hier: Willem Buiter - Maverecon The origins of the crisis…

Kommentare :

  1. Danke. Mein Kommentar erschöpfte sich angesichts der ventilierten öffentlichen Meinung zuletzt nur noch in einem kraftlos dahingehauchten "Regulierungsversagen!"

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  2. Kompliment für diesen Artikel. Ich lese Deine Blogartikel immer mit großem Interessen und bin mit Deiner Meinung sehr oft konform.

    Der Ruf nach dem "Staat" ist aus meiner Sicht ein hilfloses Herumrudern, denn wie Du schon richtig geschrieben hast sind die Parteifunktionäre unfähig und zutiefst korrupt - auch noch auf einfachste Art und Weise!!!

    Es fehlen Idealisten und Reformer die nicht an sich denken (sehe leider keinen auf weiter Flur) und deswegen wird es auch keine Lösung geben. Unter Rot/Grün haben die Industriemitarbeiter in den Mnisterien Einzug gehalten und nun hat man den Salat...

    Was in der Geschichte schon oft stattgefunden hat (Ausrottung Indianer - Indios - Versklavung Afrikas und, und und...) findet jetzt global die Fortsetzung.

    Es kann nur jeder für sich das Beste daraus machen, Lösung gibt es aus meiner Sicht keine mehr...

    Nochmal großes Lob für Dich und Deinen Blog...

    Gruß, Markus

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  3. Mensch, egghat - ich dachte, nach dem 2. RWO-Sieg wirst Du ruhiger.

    Hier aber wirst Du ja richtig emotional - fast wie ein RWO-Ultra (habt ihr sowas?). Aber Deinem Artikel und den vorangegangenen Kommentaren kann man sich nur anschließen.

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  4. Für mich ist gerade das Gequatsche von dem Heusinger nichts anderes als Panikmache. Genau die Panik, die er selbst angreift. Für mich sind solche Artikel, wie die vom Heusinger nur intellektueller, halb-kommunistischer Mist. Fakt ist, das in allen Bereichen, wo der Staat stärker eingreift, irgendwann die große Rechnung kommt. Und zwar die Rechnung für den Steuerzahler.
    Gruss Christian

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  5. RWO Ultras? Sicher:

    Kami

    Das ist der auf dem Zaun! Sollte vor ein paar Jahren mal Stadionverbot bekommen. Da war aber Stress zwischen Verein und Fans.

    Außerdem sind wir 15., das beruhigt mich ja gar nicht ...

    @christian:

    Ich teile die Meinung, dass wir aktuell und temporär eine Staatsgarantie oder Halb-Verstaatlichung brauchen. Aber nur temporär. Vor allem aber brauchen wir Regulierungsbehörden, die ihren Job machen. DAS ist die Aufgabe, die der Staat zu leisten. Und nicht ganz überraschend hat er auch bei dem Job Probleme.

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  6. Hallo egghat,

    nur zum Thema Regulierung. Die Kritik an dem Staat ist ja berechtigt. Nur hier wird das Pferd vom falschen Ende aus aufgezäumt. Denn der Staat hat in den vergangenen 30 Jahren nichts anders gemacht als den Vermarktlichungsprozess zu unterstützen und zu strukturieren. Vermarktlichung ist also das Stichwort. Es ist doch einen Legende, dass der Staat in diesem liberalen System keine Rolle spielte. Alle wussten, dass er unverzichtbar war. Die Unternehmen - und hier vor allem der Finanzmarkt - haben ausdrücklich verlangt, dass der Staat entsprechende Rahmenbedingungen setzt. Denn nur so ist der Markt überhaupt funktionsfähig gewesen. Ob Basel oder WTO, ob in Brüssel oder in Berlin, der Staat sollte aktiv werden - im Sinne von Marktunterstüzung. Genau das verstand man unter Effizienz und Deregulierung. Deregulierung hieß nie die Abschaffung von Regeln, sondern die Regeln so auszugestalten, dass Marktprozesse optimiert wurden. Die Lobbykritik geht daher an dem entscheidenden Punkt vorbei: Da wird ein Staat eingefordert, den es effektiv gar nicht mehr gab. Der Staatsbegriff hatte sich geändert. Hinderlich war nur der Staat, der wie nach 1929 den Markt eingrenzte oder versuchte Marktferne Kriterien - wie Umverteilung - durchzusetzen.

    Nur da sind wir uns ja sicher einig: Der war auf dem Rückzug. Ist also kaum für das Desaster dieser Tage verantwortlich zu machen.

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  7. Robert von Heusinger10 Oktober, 2008 08:51

    Moi egghat,

    ich bin weit davon entfernt, staatsgläubig zu sein. Ich versuche nur, den Kapitalismus zu verstehen. Und dort spielt der Staat halt die entscheidede Rolle, da er die Regeln setzt. Die Krise hat vor allem mit Regulierungsversagen zu tun, also mit Staatsversagen. Es ist eie ganze Ideologie, die gerade scheitert. Eine Ideologie, die die Wirtschaftslobbies dem Staat nahegelegt/aufgezwungen haben.

    Wenn ich jetzt nach dem Staat rufe, dann vor allem deshalb, weil der Markt es längst nicht mehr richten kann.

    Außerdem halte ich wenig von Ihrem Argumet, es seien die niedrigen Zinsen von Alan G. gewesen, die am Anfag der Krise standen. Viel schlimmer als vielleicht zwei, drei Quartale zu niedrige US-Zinsen war der Carry aus dem Yen heraus. Der hat die Spekulationen an den Devisenmärkten extrem angeheizt. Der Carry-Trade war nnur möglich, weil die Staaten flexible Wechselkurse, also unregulierte Devisenmärkte, zugelasse haben. Das ist die Mutter aller Spekulationen.

    Für mich war der Auslöser der Krise: Unregulierte Finanzprodukte (CDS, CDOs) die auf unregulierten Märkten (OTC) von unregulierten Finanzinstituten gehandelt worden sind (Zweckgesellschaften, Hedge Funds, Private Equity). Erst komplettes Statsversagen, weil der Glaube an den freien Markt idiotisch war, dann komplettes Marktversagen - wie nicht anders zu erwarten.

    mt kapitalistischen Grüßen,

    Ihr Robert Heusinger

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  8. Ich gebe ja zu, dass mein Posting etwas "rantig" war. Wenn Sie gelesen habe, was ich für eine gangbare Lösung halte, sind wir eigentlich ziemlich nahe beieinander. Wobei mir der erste Schritt ((Teil-)Verstaatlichung (UK) oder Staatgarantie (Irland)) der unwichtigere zu sein scheint (auch wenn ich das irische Modell bevorzugen würde, weil es *sofort* wirkt).

    Der entscheidende Teil ist der zweite: Die Regulierung und Rekapitalisierung und Abwicklung. Darüber muss man sich Gedanken machen und vor allem darüber, wie der Staat diese Aufgabe dieses Mal erfüllen soll. Bisher hat er auf diesem Gebiet ja nur versagt.

    Bei den Gründen, die sie anführen, kann ich alles unterschrieben, ich würde nur die Punkte, die ich gebracht habe, ergänzen. Denn dass die Immobilienblase in den USA so groß wurde, hatte politische Gründe (den völlig aberwitzigen Traum, dass sich jeder Amerikaner eine Immobilien leisten können soll). Das wird leider vergessen. Das war die Politik von George W. Bush und übrigens auch Clinton, flankiert von billigem Geld von Alan G.

    Dass Sie auf die Carry-Trades aufmerksam machen, ist in der Tat richtig und gut, weil dieses Thema vom Radar verschwunden ist. Ich würde nur (mal wieder, entschuldigen sie) die Wichtigkeit niedriger gewichten. Es wird einen Teil zur Kreditblase beigetragen haben, aber ich sehe die Ursache weiterhin vor allem im Immobilienmarkt. Die dort vergebenen Kredite und die darauf basierenden Papiere crashen doch. Die anderen Märkte halten sich erstaunlich stabil. Ich hoffe, dass das so bleibt. Wenn's den 45 Billionen CDS-Markt zerlegt, dann aber gute Nacht ...

    Zu den Derivaten und CDS habe ich mich auch schon mal geäussert und zwar ganz simpel und pragmatisch: Jede Art von außerbörslichem Handel verbieten. Alles muss über eine Börse laufen und zwar in standardisierten Kontrakten. Sachen, die exotisch sind, werden keinen liquiden Handel "schaffen", die Standardgeschichten aber schon. Dann kann ich mich nicht mehr gegen alles absichern, aber gegen die großen Risiken weiterhin. Und der Staat hat eine Stelle (die Börse), an der er überwachen kann.

    Aber so wie bei der AIG kann es nicht weiterlaufen (die wurden von 4 Behörden unkoordiniert überwacht)

    Regulierung: Ja? nein? Wenn ja, wie?

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