Hilfspaket für Hypo Real Estate gescheitert!

Wie HRE heute Abend mitteilte ist die Kreditzusage durch mehrere Finanzinstitute nicht mehr gültig. Zuvor kam durch ein Bericht von "WELT Online" ans Tageslicht, dass HRE die zugesagten 35 Milliarden gar nicht reichen. Die Deutsche Bank stellte bei einer Prüfung fest, dass allein bis Ende nächster Woche 20 Milliarden Euro gebraucht werden. Bis Ende 2009 werden sogar, im schlimmsten Fall, 70 - 100 Milliarden Euro benötigt. Das geplatzte Hilfspaket umfasste ein kurzfristige Kreditzusage über "nur" 15 Milliarden und langfristig sollten nochmal 20 Milliarden dazu kommen.

WELT Online: Rettungspaket für Hypo Real Estate gescheitert

Update (00:23):

(von egghat)

Bin echt gespannt, wie die Merkel aus der Nummer (keine Staatshilfen) rauskommt. Und ich hoffe inständigst, dass die pragmatisch genug ist, und den Laden rettet (VERSTAATLICHT!!!) und nicht ein zweites großes Experiment á la Lehman startet ... Das IMHO übrigens grandios gescheitert ist und der wirkliche Auslöser für das 700 Mrd. Rettungspaket ist ...

Update (11:39):

Treffender Kommentar dazu von Weissgarnix, der schon letzte Woche aus dem Geschäftsbericht der HRE den Finanzierungsbedarf errechnet hat. Und *davon* zeigen sich die Banker jetzt überrascht?!? Die HRE braucht Geld? Das war jetzt aber wirklich kein Geheimnis ...

(Und ich sage es nochmal: Wir sind jetzt an der Stelle der Krise angekommen, an der nicht mehr die Überschuldung das entscheidende Problem ist, sondern das komplette Versiegen der Finanzierungsströme. Das ist der Monster-Credit-Crunch. Und das Problem bekommt man nur weg, wenn man wieder für Vertrauen im Banksystem sorgt. Und das geht am schnellsten mit einer Staatsgarantie á la Irland (oder einer Verstaatlichung des ganzen Sektors). Ich weiss, dass die Lösung auch Probleme hat. Aber besser als nix machen (eh keine Alternative mehr), Stückwerk (wie in Deutschland) oder einen Rettungspakt wie in den USA finde ich das allemal.)

Weissgarnix.de: Avanti Dilettanti!

Kommentare :

  1. Tja, der Vorstand der HRE gehört wirklich - nein nicht gefeuert - gefoltert...

    Ich hatte aus reiner Dusseligkeit noch 6-stellig HRE-Aktien übrigbehalten und werde nach dem wunderbaren Blog von weissgarnix (http://www.weissgarnix.de/?p=538) wohl gegen den Vorstand und die anderen Organe klagen. Mein bescheidener Beitrag zur Folter ;-)

    Aber zur Sache: wenn hier von Dutzenden bis zu Hundert Milliarden geredet wird, dann muss man das in der Milliarden-besoffenen veröffentlichten Meinung doch mal etwas relativieren:

    Die HRE ist ja nicht insolvent, sondern wegen ihrer - im Übrigen nicht prinzipiell unseriösen - Finanzierung kurz gegen lang "nur" illiquide. D.h. wenn jemand denen die Milliarden pumpen oder verbürgen würde, dann entsteht nach vernünftigem Ermessen lediglich ein negativer Zinssaldo in Höhe der Differenz zwischen dem Kurzfristzinssatz und dem Bürgschaftszinssatz. Der könnte immer noch einen kräftigen Verlust (im Sinne GuV) der HRE verursachen und damit (gerechterweise) das Aktionärskapital drastisch reduzieren, aber es würde den Steuerzahler vergleichsweise wenig kosten, ganz sicher keine zweistelligen Milliardenbeträge.

    Da selbst in Deutschland nicht 100% aller Politiker zu blöde sind, das zu begreifen, dürfte entlang einer solchen Linie (oder Verstaatlichung) bis Sonntag Abend ein dann finales Rettungspaket stehen.

    Ich sage das nicht wegen meiner eigenen Aktien. Die sind futsch, genau so sicher wie die Klage gegen den Vorstand und andere beteiligte Torfköpfe ;-)

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  2. @falk kuebler

    Ich hatte den Post von weissgarnix ebenfalls gelesen und habe mich über die Fahrlässigkeit der Manager gewundert, aber danach habe ich mich gefragt, ob das Management wirklich mit der Absicht der Täuschung diese Aussage getroffen hat oder die Refinanzierungsgeschichte wirklich nachdem Lehman zusammenbruch so dramatisch verschlechtert hat, dass man es noch vorher sehen konnte.

    "Worst Case" ist ja erstmal etwas subjektives. Jeder stellt sich was anderes darunter vor. Der eine stellt sich darunter vielleicht den kompletten Zusammenbruch vor und ein anderer nur den Zusammenbruch von einpaar Banken.

    Hätte das Management geschrieben: "Selbst wenn das komplette Finanzsystem zusammenbricht ist sichergestellt, dass..." dann hättet ihr, die Kläger, sehr sehr gute Chancen das Ding zu gewinnen. Aber in diesem Fall, wird die Verteidigung bestimmt so ähnlich argumentieren wie ich. Trotzdem wünsche ich dir viel Erfolg bei deiner Klage...

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  3. Nun versuch dein Glück mit Klagen. Könntest Erfolg haben, aber wer bezahlt dir Schadensersatz?

    Ich persönlich habe kein Mitleid mit solchen, die in diesen 2mal bös abgestraften Wert investiert haben, bzw nicht ausgestiegen sind. Wer zockt oder seine Fehler nicht eingestehen kann, muss eben dafür früher oder später büßen.

    In the end: It's only money!

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  4. @m106:

    Ich bin juristischer Laie und kann - obwohl der "gesunde Menschenverstand" hier klar zu sehen glaubt - den Erfolg einer Klage überhaupt nicht abschätzen. Das muss mein Anwalt beurteilen, aber wenn die Aussichten nicht ganz schlecht sind, dann ist es mir das Kostenrisiko wert. Solch eine Frechheit oder Dummheit (oder beides?) muss m.E. bestraft werden. Ich war selbst mal Vorstand einer (kleinen) börsennotierten AG, und ich glaube, dass ich so etwas wie diese Leute nicht gemacht hätte. Der handwerkliche Fehler scheint mir offensichtlich, und dann sollten diese Herren - wenn ich Recht bekommen sollte - ihr offensichtlich unverdientes Millionengehalt nicht ungeschmälert behalten dürfen.

    @stefan:

    Ich hatte wohl auch nicht um Mitleid gebeten ;-)

    Und ja, at the end it's only money ...

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  5. Hammer (mehr kann ich nicht sagen, zuviel bier ;-) )

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  6. @egghat:

    > > Hammer (mehr kann ich nicht sagen, zuviel bier ;-) )

    Sehr lebensklug ;-)

    Unter vergleichbaren Umständen scheint der gute Herr Funke aber noch seinen letzten Quartalsbericht geschrieben zu haben, auf den ich dann hereingefallen bin ;-))

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  7. Also ich finde das auch Hammer. Ehrlich gesagt, habe von der Meldung heute in der 20Uhr Tagesschau gehört und war so geschockt, dass ich eigentlich nach der Meldung nicht mehr wusste, warum die ganze Sache gescheitert sein...

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  8. Der Commerzbank gebe ich keine Woche mehr, wenn die HRE nicht rausgerissen wird.

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  9. @m106:

    > > ...und war so geschockt, dass ich eigentlich nach der Meldung nicht mehr wusste, warum die ganze Sache gescheitert sein...

    Geschockt war ich auch! Als Grund kann ich nur spekulativ vermuten, dass der unsägliche Herr Funke beim Erläutern seiner Finanzierungsnotwendigkeiten gegenüber dem Bailout-Team ähnlich "qualifiziert" vorgegangen ist wie beim Schreiben seines Quartalsberichtes.

    Schreckliche Nieten in Nadelstreifen... Das habe ich mir (mancher würde vielleicht sagen: in meiner Blauäugigkeit) einfach nicht vorstellen können.

    @egghat:

    Die HRE dürfte aber herausgerissen werden. Sage ich nicht wegen meiner Aktien (die sind eh' futsch), sondern weil die volkswirtschaftliche Notwendigkeit offensichtlich zu sein scheint.

    Aber es bleibt spannend, wie das wohl gemacht werden wird, in allerletzter Sekunde...

    Ich spekuliere mal ganz wüst: vielleicht reissen die Iren die Depfa raus und die Bundesregierung zahlt unter der Hand dafür ein Lösegeld nach Dublin. Dann hätte keiner das Gesicht verloren ;-)

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  10. Ich gehe auch davon aus, dass die HRE gerettet wird. Aber ich traue unseren Politikern NOCH schlimmere Fehlentscheidungen zu als den amerikanischen (Lehman Pleite). Die Amis haben mit Hank Paulson immerhin jemanden, der aus der Branche kommt.

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  11. Hi egghat,
    ich kann deine Hoffnung hinsichtlich der Staatsgarantien nicht teilen. ich halte das noch nicht mal für eine gute Idee. Ganz ehrlich: bei mir liegen die Nerven blank.

    Und ich denke, ich bin nicht der Einzige.

    Zum Grusse

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  12. @egghat:

    > > Aber ich traue unseren Politikern NOCH schlimmere Fehlentscheidungen zu als den amerikanischen (Lehman Pleite).

    Ich will am Sonntag nicht übertrieben philosophisch werden, aber ich bin nicht sicher (des Gegenteils allerdings auch nicht), dass Lehman wirklich ein Fehler war.

    Nach den vielen Jahren der giergetriebenen Irrational Excuberance musste vermutlich ein Endpunkt gesetzt werden. Paulson hatte die Wahl zwischen Scylla und Charybdis, und er war zu einer Entscheidung fähig. Und hinterher zu weiteren Entscheidungen, die erst möglich wurden, als die nicht wirklich vorhersehbare Wirkung früherer Entscheidungen sichtbar wurde.

    Insgesamt hat das Ganze meinen Respekt vor den Amis eher erhöht. Und jemand, der es zum Chef von Goldman Sachs gebracht hat, verfügt sicher über intellektuelle Fähigkeiten, von denen unsereins nur träumen kann. Aber selbst das schützt nicht vor Irrtümern, im Zweifel auch schweren.

    Wenn ich einen Steinbrück daneben sehe, dann wird mir allerdings auch schwarz vor Augen...

    Unter dem Strich gibt es aber noch Merkel, und die ist nicht so blöd/dumpfbackig wie Steinbrück. Das lässt mich dann wieder hoffen ;-)

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  13. Die refinanzierung der Banken beruht auf vertrauen . Das Vertrauen ist seit der Lehman Pleite weg. Das heißt, dass jetzt älle wieder kapiert,dass eine Bank Pleite gehen können. Das ist zwar ne tolle lehrerfahrung, nur ziehen die Bänken die dirkte Konsequenz daraus; sie leihen sich kein Geld mehr. Die refinanzierung ist komplett zusammengebrochen. Eine Bank nach der auf anderen macht Pleite, weil sie kein Geld mehr bekommt. Dieses Risiko droht allen banken! Ohne vertrauen kommt die refinanzierung nicht mehr in Schwung.

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  14. @egghat:

    Das ist nicht falsch, aber es führt noch nicht eindeutig zu der Schlussfolgerung, dass Banken nicht Pleite gehen dürfen, oder dass man sie nicht pleitegehen lassen darf. Wenn das nämlich so wäre, dann würden die Banker immer abenteuerlichere Konstruktionen zur Maximierung der eigenen Profite machen, die Aufsichten müssten immer mehr überwachen und gängeln, und am Ende gäbe es überhaupt keinen Regulierungsbeitrag mehr durch den (zur Zeit zu Unrecht in toto) geschmähten Markt.

    Nein, Banken müssen pleite gehen dürfen. Nur im Augenblick nicht, solange es im Markt für die Teilnehmer keine Transparenz und damit keine wirkliche Differenzierungsmöglichkeit gibt.

    Im eingeschwungenen Zustand, mit einem angemesseneren Mass an Aufsicht und Regulierung und insbesondere Transparenz, in einem solchen eingeschwungenen Zustand kann jeder entscheiden, mit welcher Bank er Geschäfte macht. Eine wacklige Bank zahlt ihm mehr an Zinsen, aber bringt auch ein Risiko. Das kann jeder entscheiden, und nicht alle werden gleich entscheiden.

    So etwas kann der Markt also im Prinzip regeln, aber da im Augenblick keine Transparenz herrscht, kann er es temporär halt nicht. Und deshalb müssen jetzt im Augenblick auch Idiotenbanken gerettet werden, unter Enteignung der Aktionäre (ja, auch ich bin leider einer) und hoffentlich mit heftiger begleitender Folterung des Bankmanagements ;-)

    Das heisst durch eine temporäre Art von Vollbürgschaft durch den Staat kann und muss es wieder einen Kickstart für das notwendige Vertrauen geben. Aber IMHO nicht für immer.

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  15. Wir bekommen die Transparenz aber nicht, bevor noch viel mehr Banken Pleite sind.

    Das Problem mit dem Pleitegehen müssen wir uns nach der Krise nochmal anschauen, aber nicht jetzt ...

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  16. Ja, da sind wir einer Meinung. Jetzt ist nicht mehr der Zeitpunkt, "erzieherische Massnahmen" zu machen. Jetzt muss der Staat garantieren und Bailouts machen.

    Aber IMHO kann er das erst, nachdem er Lehman hat über die Klinge springen lassen. Das war die einmal erforderliche erzieherische Massnahme. Sehr teuer, aber leider notwendig. Wenn er das nicht getan hätte, wäre das System mental weiter infiziert gewesen.

    Traurig, aber wahr.

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  17. Nachttrag:

    Und die Aktionäre müssen bei den Bailouts draufgehen. So traurig das ist (das kann ich nun wirklich kompetent sagen :-).

    Und nach Möglichkeit auch das Management! Solche Schweinegeschichten wie die 160-Mio-USD-Abfindung für den ehemaligen Merrill-Lynch-CEO dürfen nach Möglichkeit nie wieder sein. Da möchte man nachträglich noch kotzen, zumal die Strafe für jeden Bürger eine doppelte ist: erstens die Tatsache an sihc, und zweitens dass dadurch indirekt solche Gestalten wie Lafontaine gestützt werden...

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  18. Lehman Pleite zu gehen war richtig?

    Die Pleite von Lehman hat doch für die ganzen restlichen Pleiten überhaupt gesorgt. Was war also daran richtig?

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  19. > > Die Pleite von Lehman hat doch für die ganzen restlichen Pleiten überhaupt gesorgt. Was war also daran richtig?

    Nein, tut mir leid, die Ursachen für die ganzen Kalamitäten lagen zeitlich weit davor, waren auf ein ganzes Jahrzehnt verteilt.

    Lehman (oder irgendeine Bank) pleite gehen zu lassen war IMHO notwendig, um aus dem Teufelskreis auszubrechen.

    Um mal allegorisch zu werden: Wenn das Krebsgeschwür im ganzen (Finanzsystems-) Körper Metastasen gebildet hat, dann wird jede Chemotherapie, die das Übel potenziell wegkriegen kann, ziemlich unangenehme Nebenwirkungen haben müssen.

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  20. Und das seh ich anders: Erzeihungsmaßnahmen verhindern die nächste Krise in 10 Jahren nicht. Andere Leute auf fast allen entscheidenden Plätzen.

    Das Bankensystem kann man nur verstaatlichen (hilft auch nicht) oder streng regulieren. Es ist ja nicht so als wäre das nicht früher so gewesen. Die USA haben 1999 die Trennung von Bank und Versicherung aufgehoben und 2004 das maximale Leverage von 12,5 bei Investmentbanken. Beides waren Entscheidungen, die die Basis für die aktuelle Krise gelegt haben.

    Und niemand braucht Angst zu haben, dass es nach solchen Regulierungen kein Finanzsystem mehr gibt oder keine Wirtschaft. Das hat vorher auch funktioniert.

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  21. Zu den Erziehungsmaßnahmen gehören natürlich auch die anderen Leute. Wie ich höre, will man auch bei der HRE gerade damit anfangen ;-)

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  22. Naja, bei der HRE wäre der Funke sowieso bei der nächsten HV geflogen. Oder glaubt jemand ernsthaft, den hätte man halten können? Die Fehlinformationen aus dem Hause HRE sind so krass, dass sie IMHO rechtlich relevant (sprich strafbar) sind.

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  23. > > Die Fehlinformationen aus dem Hause HRE sind so krass, dass sie IMHO rechtlich relevant (sprich strafbar) sind.

    Deshalb hatte ich in meinem Kommentar 1 ja auch gesagt, dass ich klagen werde. Ob's was nützt, kann ich nicht sagen, aber es nicht zu tun, erschiene mir nicht vertretbar.

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  24. Laut den Nachrichten klagen ja mittlerweile schon über 50 Aktionäre. Ich bin sehr gespannt, zu welchem Ergebnis man am Schluss kommt und was noch alles für Dinge ans Licht kommen, die die HRE verheimlicht hat.

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