"Private Altersvorsorge ist ein großer Fehler"

nee, sagt nicht Oskar L. (obwohl wer weiss?), sondern Amado Boudou, Kopf des argentinischen Sozialsicherungsprogramms. Und damit sicher ist, dass niemand mehr diesen Fehler macht, konfisziert der Staat mal eben alle Pensionsansprüche seiner Bürger. Das hat Sonja Cristina Kirchner, Präsidentin von Argentinien, gestern bekannt gegeben. Es geht um schlappe 25 Milliarden Euro.

So kann man einen Rettungsplan also auch machen. Man finanziert das Geld nicht über die Schulden, die die nächste Generation finanzieren muss, sondern man krallt sich das Geld sofort. Ist nur ein dumme Idee, denn stabilisiert wird so natürlich nichts. Die argentinischen Anleihen rentieren inzwischen mit 25% und mehr, Credit Default Swaps kosten 38% (also 3800 Basispunkte). Die Refinanzierung von Argentinien am Kapitalmarkt dürfte damit gegessen sein. Somit rettet Argentinien weder das Finanzsystem noch sich selbst. Auch wenn die Politiker ernsthaft versuchen, das als Rettungspaket zu verkaufen. Die anderen Staaten hätten ja auch sowas gemacht ...

Der Grund für die Verstaatlichung ist natürlich nicht irgendeine systematische Überlegung, sondern die schlichte Tatsache, dass Argentinien auf die zweite Staatspleite in diesem Jahrzehnt hinsteuert. Da tun die 25 Mrd. ganz gut und verzögern die Entwicklung um ein paar Monate.

Die nun enteigneten Pensionäre finden das natürlich total riesig und hätten jetzt wohl doch lieber ein paar Unzen Gold (oder Argentum) im Keller gehortet ...

Bloomberg:
Argentina Default Looms as Pension Funds Seizure Roils Markets

Update (00:12)

Deutsche Quelle:
FTD: Argentinien verstaatlicht private Renten

Kommentare :

  1. Kleine Korrektur: Die Dame heißt Cristina, nicht Sonja.
    Die Kirchners hatten meiner Meinung nach die Wahl, was sie nach dem Zusammenbruch Anfang des Jahrzehnts tun sollten: Entfachen wir im Inland ein Wachstums-Feuer aus niedrigen Zinsen und Subventionen, die durch Steuereinnahmen aus Rohstoffexporten bezahlt werden oder stellen wir für internationale Investoren unsere finanzielle Glaubwürdigkeit wieder her, um mittelfristig neben den Rohstoffexporten ein zweites Standbein zu bekommen.

    Statt einer Mischung aus beidem haben sie sich für Populismus und damit für ein Strohfeuer entschieden. Als Folge steht der Staat vor der nächsten Pleite und der Peso vielleicht vor einer gigantischen Abwertung, weil sein Marktwert letztlich an den Preis für Sojabohnen gekoppelt.

    Wenn der Staat nochmal bei den Ersparnissen seiner Bürger zulangen muss, sehe ich Argentinien sehr bald politisch in Richtung Chavenz driften.

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  2. a) Verbessert. Danke für den Hinweis. Keine Ahnung wie ich auf Sonja kam.

    Ja, Argentinien ist das neue Venezuela. Wobei die eigentlich die schlechte Erfahrung schon hinter sich haben, aber scheinbar nichts daraus gelernt haben.

    Jetzt wird das Inland enteignet, nachdem man in der ersten Stufe (2001) das Ausland hat zahlen lassen.

    Bin übrigens mal sehr gespannt, wie "El Großmaul" Chavez mit einem Ölpreis von 70 Dollar klar kommt. Eigentlich sollte Venezuela ja im Ölgeld ersticken, das passierte aber nicht. Jetzt bei 70 Dollar/Barrel erst recht nicht. Einen großen Teil des Öls verschenkt er ja an "Freunde", u.a. Kirchner.

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  3. Übrigens kosten die Venezuela-Bonds auch schon 20%.

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