Rettungsplan - Aber jetzt bitte richtig

Ich habe in den letzten Wochen die Rettungspläne diversester Länder verfolgt und kommentiert.

Ich habe den irischen Rettungsplan gelobt (auch wenn er international begleitet werden muss, sonst ersticken die Iren in Geld). Er sorgt sofort für Vertrauen und er sichert die Banken an der Stelle, die aktuell kritisch ist, nämlich bei der Kapitalversorgung.

Ersteinschätzung: Irland gibt Staatsgarantie für ALLE Einlagen bei irischen Banken
Nochmal etwas mehr nachgedacht:Warum der irische Rettungsplan funktionieren wird ...

Ich habe den englischen Rettungsplan gelobt, weil er eine Sache noch besser macht als die Iren: Es wird nur für umgeschuldete (also verlängerte) Schulden garantiert. Die Banken können somit nicht einfach beliebig viele neue Schulden machen. Trotzdem ist die Refinanzierung der Banken gesichert und die Kosten für den Staat erreichen nicht sofort solche Wahnsinnssummen wie in Irland.

Großbritannien hilft Banken

Ich habe die amerikanischen Plan kritisiert, weil er vieles falsch macht. Er ist intransparent, wirkt zu langsam und setzt auf der falschen Seite der Bilanz an. Der Steuerzahler muss viel Geld locker machen und bekommt dafür ausschließlich den Schrott und das noch ohne Gegenleistung (wie eine Beteiligung an den Banken).

Kritik von m106: Warum der Bailout nichts bringen wird
Kritik von mir: Meine Meinung zum Rettungspaket: Gut, gut, richtig schlecht, totaler Mist
oder Warum Paulsons Plan schlecht ist ...
oder Hank Paulson == Gott? Rettungsplan == 10 Gebote?

Ich habe die deutsche Lösung kritisiert, weil sie eine Einzelfalllösung ist, keine Vision entwickelt und weil sie potenziell viel Geld kostet und dem Steuerzahler nichts dafür bietet.

Ich bin geradezu begeistert über den Artikel im WSJ, in dem geschrieben steht, dass auch in den USA die Bankeinlagen und mglw. sogar alle Bankschulden versichert werden sollen. Damit wäre nach dem ersten Schritt (USA wollen sich direkt an Banken beteiligen: Gut so.) auch der zweite Schritt getan.

Ich wiederhole hier nochmal meine Meinung, dass sich die Krise inzwischen so stark zugespitzt hat, dass es im Moment völlig egal ist, ob eine Bank überschuldet ist oder nicht. Es zählt ausschließlich, wie viel Refinanzierungsbedarf besteht. Braucht eine Bank aktuell Geld, bekommt sie es nicht. Und damit ist das Ende dieser Bank besiegelt. Banken gehen aktuell nicht Pleite, weil die Bilanz oder die Qualität der Assets nicht stimmen, sondern weil es einfach kein Geld mehr gibt (außer bei der Notenbank).

Deshalb ist die Garantie für die Einlagen gut (weil sie Geldabflüsse verhindert) und auch die Garantie für die verlängerten Schulden (weil dadurch die Verlängerung erst möglich wird). Übrigens sind beides *sofort* wirksame Maßnahmen.

Ich hoffe, dass der G7 Gipfel am Wochenende ENDLICH etwas auf die Reihe bekommt und einen Rahmen für die Lösung präsentiert, der sich an der britischen Lösung orientiert: Staatsgarantie für die (verlängerten) Bankschulden + Notreparatur der Bilanzstruktur über Eigenkapital.

WSJ: U.S. Weighs Backing Bank Debt

Und dann wäre die Kernschmelze verhindert. Danach muss man sich (in Ruhe) Gedanken machen, wie man den Finanzsektor wieder unter Kontrolle bekommt. Und sich bloß nicht wieder von der Branche und den alles verstehenden Finanzmathematikern beschwätzen lassen. In Anlehnung an einen Ingenieursspruch aus dem Motorbau: Eigenkapital ist durch nichts zu ersetzen außer durch Eigenkapital. Hartes Eigenkapital. Cash. Bitte. Und nicht wieder eine auf Ratings basierende risikogewichtete unverstehbare Konstruktion wie Basel II ...

Mein Wort zum Wochenende ;-)

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