Short-Selling, VW und eine Investmentmöglichkeit

Zum Thema Verbot des Short-Selllings habe ich weniger geschrieben als ich eigentlich wollte. Etwa 50 Links gesammelt aber nie die Zeit gefunden, daraus mal einen umfassenden Artikel zu machen. Dass ich das Verbot für hirnrissig und potentiell marktverzerrend halte, sollte als kurze Zusammenfassung reichen (Die Krise ist vorbei - Der Schuldige erkannt ...)

Dass das Thema gerade wieder hochkommt, liegt an VW und dem gigantischen Short-Squeeze, den wir am Anfang der Woche beobachten konnten. Was in der Presse an allen Ecken und Enden als viel zu große spekulative Positionen von Hedgefonds dargestellt wurde, war in Wirklichkeit wohl was ganz anderes. Nämlich ein doofes Absicherungsgeschäft.

Und das geht so: Man kauft eine Wandelanleihe auf VW. Diese Wandelanleihe bietet dem Anleger einen Zins und die Möglichkeit am Ende der Laufzeit zu einem festgelegten Verhältnis in Aktien zu tauschen. Man bekommt als die Sicherheit eine Anleihe mit einer Chance von steigenden Aktienkursen zu profitieren.

Der Markt der Wandelanleihen ist jedoch ziemlich klein. Es gibt relativ wenig Umsatz und manchmal komische Kursfeststellungen (das ist aber keine Manipulation, sondern einfach den dünnen Umsätzen geschuldet). Komische Kurse sind aber immer etwas nach dem Hedgefonds Ausschau halten. Diese versuchen dann von bestimmten unlogischen Abweichungen zu profitieren.

Konkreter; ein (völlig konstruiertes) Beispiel: Die VW Wandelanleihe notiert bei 100 und gibt 1,5% Zinsen. Der Wert des Wandelrechts ist durch den hohen VW-Kurs aber allein schon 40 Euro wert. Im Vergleich zu einer normalen Volkswagen Anleihe müsste die Wandelanleihe bei einem Zins von 1,5% 80 Euro kosten. Sie kostet unter Berücksichtigung des Wandelwerts aber eigentlich nur 60 (Kurs von 100 minus 40 Euro Wert des Wandelrechts). Das schreit geradezu nach einem Investment.

Der Hedgefonds will das Risiko eines sinkenden VW-Aktienkurses aber nicht (jaja, es gibt Hedgefonds, die durchaus konservativ sind, auch wenn in der Öffentlichkeit ein anderes Bild vorherrscht). Also geht dieser Fonds jetzt hin und verkauft die entsprechende Anzahl von VW-Aktien leer. Steigt der Aktienkurs von VW, steigt die Wandelanleihe und die Shortselling-Position fällt. Sinkt der VW-Aktienkurs, sinkt die Wandelanleihe, die leer verkauften VW-Aktien gewinnen aber. Kurz: Die Schwankungen der beiden Positionen heben sich gegenseitig auf. Der Hedgefonds hat also defakto eine normale VW-Anleihe gekauft.

Jetzt kommt aber irgendjemand supercleveres auf die Idee Short-Verkäufe zu verbieten. Was passsiert? Die Hedgefonds sitzen auf einmal auf Bergen von VW-Wandelanleihen, die sich nicht mehr absichern können. Dann bleibt dem Hedgefonds, will er nicht gegen seine eigenen Anlagerichtlinien verstoßen, nichts anderes übrig als die Wandelanleihen zu verkaufen.

Und genau da besteht jetzt mglw. die Investmentchance. Die Wandelanleihen sind aktuell stark unter Druck geraten. Natürlich zum großen Teil, weil der Wert durch das Wandelrecht in den letzten Monaten im Rahmen der Aktienbaisse zurückgegangen ist, zu einem nicht geringen Teil aber auch aus dem Grund, den ich oben genannt habe: Gewisse Großanleger müssen verkaufen und es stehen keine Käufer bereit.

Der Markt für Wandelanleihen ist übrigens für Privatanleger schwierig zu beackern. Eigentlich kann man nur über Fonds teilhaben. Ich kenne z.B. keinen einzigen Online-Rechner für Wandelanleihen, bei dem man die Bedingungen und Renditen vergleichen kann. Außerdem sind viele Wandelanleihen sehr grob gestückelt. Man kann also nur Anleihen mit einem Nennwert von 10.000, 50.000 oder 100.000 Euro kaufen. Und wer wissen will wie illiquide die Märkte sind: Die TUI Wandelanleihe wird mit 47 zu 58 gequotet. Da hat man nach dem Kauf direkt 20% Verlust.

Ich bin kein Fan von teuren Fonds, weil die im DAX o. Ä. Märkten keinen Mehrwert produzieren. Deshalb sollte man da einfach einen ETF kaufen. Im Markt der Wandelanleihen ist das aber anders. Hier braucht man den Profi und hier gibt es ausreichend Ineffizienzen, die der Fondsmanager nutzen kann.

Es gibt im deutschsprachigen Raum zwei Spezialisten:

Fisch Asset Management aus der Schweiz, die zwei Fonds im Angebot haben und
Salm-Salm & Partner, die 3 Fonds (konservativ, normal, spekulativ) im Angebot haben. Daneben gibt es auf jeden Fall was von der Deka und auch von DWS.

Empfehlen kann ich da nichts, aber ich schätze, dass der Markt der Wandelanleihen einer ist, der gute Chancen bieten kann. Aber nur für Hardcore-Antizykliker mit entsprechend starken Nerven.

FT Alphaville: Time to go convertible?

Übrigens will ich mit dem Beispiel oben nicht gesagt haben, dass das Verbot des Short-Sellings zum VW-Short-Squeeze geführt hat. VW gehört nicht zu den Aktien, bei den Shortselling verboten war/ist. Bei VW war das Shortselling nicht verboten, sondern wurde mit der Ankündigung des Porsche-Anteils sinnlos, weil keine Chance mehr bestand, die Shortposition wieder einzudecken.

Mir geht es mehr darum zu zeigen, welche Verzerrungen ein Verbot der Leerverkäufe bewirken kann. Es schmiert auf einmal an einer anderen Stelle ein Markt ab, der auf den ersten Blick mit Shortselling gar nichts zu tun.

Kommentare :

  1. ergänzend zu den "boutique-fonds"
    fallen mir da spontan noch folgende fonds ein....

    dws convertibles
    lilux convert

    lg

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  2. Hast du den Überblick? Kann man davon einen Fonds besonders empfehlen?

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  3. habe leider keinen Überblick...
    liefen eine Zeit lang sehr gut und habe damals mir deshalb angeschaut...

    beim lilux war ich von der SharpeRatio drauf gekommen...meine die HSH-Nordbank und die Landesbank Rheinl.Pfalz steckt dahinter... in welcher Konstellation weiß ich leider nicht mehr...

    Kann mich außerdem noch erinnern, daß die Dresdner Bank ein Wandelanleihe-Zertifikat hat/hatte... das lief auch ganz gut..

    ..habe eben mal gesurft und scheint es nicht mehr zu geben (link Ariva: http://www.ariva.de/chart/index.m?secu=60579&t=all // glaube das war es DE0007584815)

    lg

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  4. Es gibt auf den entsprechende Hedgefonds Index auch ein Zertifikat. Aber das möchte ich eher nicht kaufen ...

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  5. Habe mal nach unterschiedlichen WA-Fonds geschaut...

    Mannomann, die haben ja alle ziemlich Federn gelassen.. antizyklisch ist hier das wirkl. das richtige Wort..

    Die habe ich mir noch angeschaut.. (Zur Info):
    ConvertibleProtect-Invest FCP WKN: A0B8P9

    Convertinvest Eur.Convert.& Bd WKN: 913224

    M&G Inv.-M&G Gbl Conv.Fd WKN: A0MVLQ

    KBC Bonds-Convertibles WKN: 921387, 921389

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  6. Was ich auch interessant fand, war, dass in den Massenmedien wieder die Shorties die Bösen waren. Erst sind die Shorties die Bösen, weil sie sich bei fallenden Kursen der Banken einen goldenen Hintern verdienen. Bei VW waren die Shorties auch die Bösen, weil sie aufgrund ihrer enormen Verluste zu dem Schließen der Positionen zu jedem Preis gezwungen wurden und so die Kursturbulenzen auslösten. Immer auf die kleinen armen Shorties. Warum wurden diesmal nicht die bösen Aktienbesitzer an den Pranger gestellt, die so gierig waren, dass sie 1000 Euro pr Aktie verlangten?

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  7. @hedgie:

    Jaja, komplett gecrasht. Von "von den Kursverlusten wird nur etwa 1/3 mitgemacht, während von der Aufwärtsbewegung 2/3 profitiert wird" ist da nicht viel zu sehen.

    @olaf:

    Die Shorties sind spekulative Kapitalistenschweine. Immer druff auf die.

    Und da ist es wohl egal, ob die Kurse durch die Shorties steigen oder fallen. Schon komisch ...

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  8. Der Ackermann ist übrigens auch ein fieser Shortie. Da bin ich mir sicher. Und FC Bayern Fan. Und allet.

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